Brandet Entertainment ist schon lange kein Buzz- Wort mehr sondern ein wichtiger Aspekt im Mix einer erfolgreichen Marketing-Kommunikation. Den «Power of Brand» kombinieren mit Drama und Story-Telling. Das war auch das Thema bei einem Forum im Rahmen der «Rose d’Or» Anfang Mai in Luzern. Mehr als 350 Spezialisten aus aller Welt haben daran teilgenommen und ihre Ideen ausgetauscht. Die Werbewoche war vor Ort und durfte ein paar interessante Facts und Projekte kennen lernen. Geschätzte 3,6 Milliarden $ sind allein in den USA im Jahre 2010 in die Budgets von Branded Entertainment geflossen. Bei den in Hollywood produzierten Spielfilmen sind durchschnittlich 10 bis 15 Prozent der Produktionskosten mit Product-Placement finanziert. Noch ziemlich bescheiden sind die Ansätze in der Schweiz.
On Air sind die verschiedensten Formate, denn Brands können in fast jeden Drama-Content eingebaut werden. Nike macht regelmässig Werbung in Form-Product-Placement. 2011 zum Beispiel im Basketballfilm «Black Mamba» mit Kobe Bryan, Bruce Willis und Kanye West. Der Film handelt von Kobes Alter Ego Black Mamba, das seine tägliche Entschlossenheit und seinen unbedingten Siegeswillen als einer der besten Spieler und Beschützer des Basketballs verkörpert.
In Deutschland ist Brainpool mit Stefan Raab an vorderster Front mit dabei. In diesem Unternehmen arbeiten 17 auf Branded Entertainment spezialisierte Autoren. Ein Projekt von Brainpool hat beim Festival of Media Global 2012 in Montreux den Award für die «Best Targeted Campain» gewonnen. Als Produkt wurde ein Spielzeug von Haspro in einer Folge der Serie «Stromberg» platziert. Die witzige Plastikpistole war ganze 350 Sekunden lang in der TV-Serie zu sehen, wo alle mit dem Produkt namens «Nerf» rumballern wollten. Die spielerische Integration der Produkte Nerf in das TV-Format wurde mit diversen crossmedialen Massnahmen während der TV-Ausstrahlung begleitet, wie zum Beispiel einem Facebook-Gewinnspiel, bei dem es die original Nerf-Blaster, die in der Serie verwendet wurden, zu gewinnen gab. Darüber hinaus konnten Fans ausgewählte Nerf-Blaster auch über den «Stromberg»-Shop auf Myspass.de beziehen. Insgesamt hat die Kampagne einen enormen Social Buzz erzeugt und zu spürbaren Mehrverkäufen geführt.
Erste Award-Shows für Product-Placement
Wie solche Werbemassnahmen immer mehr etabliert werden, zeigt auch bereits der erste Product Placement Award in Deutschland. Dieser wurde im Oktober 2011 anlässlich des Fachkongresses «Branded Entertainment – 9. Product Placement Kongress » in Stuttgart überreicht. Er wird für herausragende Placements vergeben, die sich neben ihrer fachlichen Qualität durch eine besondere Kreativität und Originalität sowie eine zielgruppengerechte Ansprache auszeichnen. Als Kriterien wurden bewertet: Einbindung des PP in die Handlung, Überzeugendes Cross-Marketing, Umsatz-/Absatzwirkung, Erreichung des Kommunikationsziels, Witz, Originalität, Kreativität, gestalterische Umsetzung.
Im Bereich der Casting-Shows sind Product- Placements auffallend bei Model-Wettbewerben zu finden. In «perfektes Model» mit Eva Padberg und Karolina Kurkovà auf VOX bekommen die Kandidatinnen statt Punkten Schmuck aus dem Hause Pandora. In der Konkurrenzshow «Germanys Next Topmodel » sind Caffé Latte von Emmi nicht zu übersehen. Hier soll die prominente Platzierung dieses Getränks zu einer Absatzsteigerung von 26 Prozent geführt haben. Der Absatz der Light-Version des Getränks ist sogar dank dem Zielpublikum der jungen Frauen um 395 Prozent gestiegen. «Your Shape: Fitness Evolved» ist das populärste Fitnessspiel, das frau gratis für die Xbox downloaden kann. Hier hat Nivea Sarah Maxwell als Fitnessexpertin auserkoren. Als ein wegweisendes Beispiel für Branded Entertainment gilt ein Projekt von Sting. Zu seinem 60. Geburtstag wurde für den Rocksänger eine App produziert, über welche seine Fans alle wichtigen Konzerte sowie Videos und anderes Dokumentationsmaterial aus dem Leben des Sängers downloaden können. Die App ist gratis und wurde vollständig über Sponsoring finanziert, zum Beispiel von American Express.
Grey Goose hat als Vodka-Marke einen eleganten Weg gefunden, um die Werbeverbote für Alkohol umgehen zu können. Auf dem Sundance Channel von Robert Redford wurde im Jahre 2005 die TVSerie «Iconoplasts» ins Leben gerufen. In dieser werden künstlerisch anspruchsvoll jeweils zwei ziemlich gegensätzliche Persönlichkeiten in einem gemeinsamen Filmporträt zusammengebracht. Die Stars wie Meryl Streep, Bono oder Isabella Rosselini spenden ihre Gage für einen guten Zweck. Der Vodka von Grey Goose soll mit solchen Stars mit dem Attribut «Qualität» in Verbindung gebracht werden. Die Serie ist inzwischen weltweit derart erfolgreich an weitere TV-Stationen verkauft worden, dass Grey Goose als Sponsor die Produktionskosten bereits wieder einspielen kann.
Wer sich selber auf die Suche nach den erfolgreichsten Ideen im Bereich Branded Entertainment machen will, kann bei Youtube die Rubrik «most wanted» anklicken. Dort finden sich automatisch die vom Publikum am meisten gefragten Filme. Weiterführende Infos gibt es auch auf der Website Brandedentertainmentonline.de. Andreas Panzeri
Die Aktivitäten von Ringier Entertainment
WW: Sie haben in Luzern das Forum «Branded Entertainment » moderiert. Wie weit fortgeschritten beurteilen Sie die Entwicklung von Branded Entertainment in der Schweiz?
Stefan Kastenmüller: Auch in der Schweiz nimmt die Bedeutung von Branded Entertainment immer mehr zu. Die Markenkommunikation wird auch hier zu Lande immer mehr, komplementär zu der klassischen Kommunikation, mit Engagements im Entertainment oder Sportbereich ergänzt. Dabei wird vor allem mehr Wert auf die Markenaktivierung gelegt, damit die Verknüpfung von Markenwerten und Entertainmentinhalten effizient auf das Markenimage einzahlt.
Was sind für Sie gelungene Beispiele in der Schweiz?
Natürlich muss ich gerade aus unserem Haus den Case von Mercedes-Benz, Einführung der A-Klasse an der Energy Fashion Night, lobend erwähnen. Hier wurde das Produkt perfekt inszeniert und wurde sogar aktiver Part des Laufstegs. Natürlich waren die ergänzenden Media-Massnahmen wichtig. Diese thematische Verknüpfung scheint auch nachhaltig geplant zu sein. Bemerkenswert ist auch der Case der AVO Session, wo in geradezu perfekter Weise der Brand Teil der Entertainment-Plattform geworden ist. Ob sich dadurch der Absatz von AVO-Zigarren signifikant erhöht hat, kann ich an dieser Stelle nicht sagen.
Welche Chancen sehen Sie für Ringier Entertainment in diesem Bereich?
Unsere unterschiedlichen Bereiche bieten den Werbung treibenden Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, Marken mit Inhalten zu verknüpfen. Im Sportbereich durch Infront Ringier, die Themen wie Tour de Suisse, die Schweizer Super League oder die Olympiabewerbung 2022. Im Portfolio haben wir Möglichkeiten für eine 360-Grad-Markenaktivierung. Natürlich unsere Marke Energy, die mit Events und Multiplattform-Themen wie Energy Stars for Free mittlerweile zu den Highlights der Schweizer Entertainment-Marken zählen. Aber auch andere Bausteine des Portfolios, TV-Formate wie Schweizer Talente, Good-News-Konzerte oder die Classical Company bieten Marken spannende Plattformen.
Wie wichtig ist dieses neue Geschäftsfeld für Ringier?
Nun, in erster Linie trägt sich das Entertainment- Portfolio von selbst durch die Geschäfte der jeweiligen Bereiche. Gleichzeitig bieten diese aber auch Marken Inhalte, die sie in ihrer Markenkommunikation aktivieren können. Klassisches Branded Entertainment, wobei die Markenwerte auch immer zu den Entertainment-Inhalten passen müssen.
Können Sie etwas zu konkreten Projekten verraten?
Kann ich leider nicht an dieser Stelle. Nur so viel zu einem Segment: Die Schweizer Super League wird sich in der neuen Saison mit einer neuen Aufstellung Partnern und Sponsoren präsentieren. Diese Marken haben eine sehr klare Vorstellung, wie Sie den Asset für Ihre Marketingziele nutzen werden. Von daher sind in diesem Bereich einige spannende Cases zu erwarten.
Wo orten Sie Probleme oder zumindest «Baustellen» für Branded Entertainment in der Schweiz?
Ich kann hier keine Baustellen konkret ansprechen. Allgemein kann man feststellen, dass bei vielen Engagements von Marken noch nicht das volle Potenzial einer Branded-Entertainment-Aktivierung ausgeschöpft wird. Hinzu kommt, dass die TV-Plattformen in der Schweiz leider kein Forum für spannende Cross-Media-Cases bieten. Aber auch das wird mit der Zeit zur Selbstverständlichkeit werden, allein schon durch den Werbedruck des Internets. pan