Bienen für die Social-Media-Spitzenklasse

Unter den Preisträgern des 3. internationalen Bees Award finden sich erhellende Beispiele für den Einsatz Sozialer Medien.

Was ein Löwe aus Cannes für internationale Meisterwerke bei herkömmlicher Werbung ist, ist eine Biene aus San Francisco für Bestleistungen beim Marketingeinsatz Sozialer Medien: Bereits in dritten Jahr sind Ende Mai die Bees Awards, die erste internationale Social-Media-Marketing-Auszeichnung, vergeben worden, an der sich in diesem Jahr Agenturen und Brands aus 40 Ländern beteiligt haben. Wir stellen die diesjährigen Preisträger mit dem grössten Nachahmerpotenzial vor.

Bester Einsatz von Micro-Blogging-Plattformen:
In Südafrika sterben jeden Tag tausend Menschen an Aids. Zwar gibt es ständig zahllose Aufrufe, um auf die Gefahren von HIV hinzuweisen, doch weil sich deshalb eine gewisse Aufmerksamkeitsmüdigkeit zu Aids eingestellt hat, wollte anlässlich des Welt- Aids-Tags 2011 die NGO Brothers for Life eine besondere Aktion lancieren. «Unser Ziel war es, ein Gespräch mit Menschen zu beginnen, und wir haben festgestellt, dass wir das am besten über Soziale Medien, vor allem Twitter, machen konnten», erklärte dazu Xolisa Dyeshana, der Creative Director der mit der Kampagne betrauten Agentur Joe Public in Johannesburg. Also wurden am 30. November um Mitternacht tausend Twitter-Accouts ins Leben gerufen und von HIV+0001 bis HIV+1000 benannt. Alle wurden benutzt, um während der nächsten 24 Stunden aus der Perspektive eines HIV-Positiven zu berichten und andere zu bewegen, nicht die gleichen Fehler zu machen. Damit die Twitter-Gemeinde der Kampagne einfach folgen konnte, wurde jede Mitteilung mit dem Hashtag #HIVarmy versehen. Um Mitternacht wurde jeder Account eingestellt und der Avatar mit dem Wort «verstorben» ersetzt, um so auf die schiere Zahl derer hinzuweisen, die täglich den Kampf gegen Aids verlieren. Innerhalb der 24 Stunden verbreitete sich der Hashtag #HIVarmy rapide. Nicht nur gab es Re-Tweets, oft wurden auch eigene Empfindungen zum Thema angefügt. Alsbald wurden die Tweets von Prominenten übernommen und am Radio erwähnt. Um 11 Uhr tauchte die Kampagne in den weltweit angesagten Twitter-Themen (trending topics) auf und verblieb dort für den Rest des Tages. «Im Wesentlichen haben wir einen globalen Diskurs lanciert, ohne dafür einen einzigen Cent einzusetzen», freute sich Xolisa.

Die Werbewoche meint: Anders als in englischsprachigen Ländern hat Twitter bei uns erst begonnen, ein grösseres Publikum zu gewinnen. Das preisgekrönte Beisiel aus Südafrika zeigt, wie dieser Kanal für Kampagnen eingesetzt werden kann.

Bester Einsatz von Social-Media-Plattformen:
Anthon Berg ist ein bekannter dänischer Chocolatier. Um seine Marke mit Grosszügigkeit zu verbinden und Menschen zu inspirieren, die positive Wirkung von Schokolade zu würdigen, wurde im Stadtzentrum von Kopenhagen «The Generous Store» (der grosszügige Laden) ins Leben gerufen. In dieser Eintages-Boutique konnte man nicht mit Bargeld oder Kreditkarten, sondern nur mit dem Versprechen auf gute Taten bezahlen. Für die Pralinenpackungen gab es dreissig verschiedene Preisoptionen zur Auswahl. Am beliebtesten war das Versprechen, einem Freund beim Hausputz zu helfen, bei anderen ging es darum, das Frühstück im Bett zu servieren oder eine Woche lang den Fahrstil der Freundin nicht zu kommentieren. War die Wahl einmal getroffen, fand die Fortsetzung auf Facebook statt: Anstatt Registrierkassen wurden iPads benutzt, damit Käufer ihr Versprechen kKund tun konnten. Und auch das Einlösen des Versprechens wurde dort dokumentiert. So konnte die Marke eine Begeisterungswelle und öffentliche Wahrnehmung erreichen, die weit über ihre normale Reichweite hinausging.

Die Werbewoche meint: Das Konzept kann nachgerade eins-zu-eins übernommen und mit ein paar Ergänzungen auch spielend als neu präsentiert werden.

Bestes Krisenmanagement:
Der bekannte amerikanische Schauspieler Alec Baldwin sass am 6. Dezember 2011 in einer startbereiten American-Airlines-Maschine, und da passte es ihm überhaupt nicht in den Kram, dass alle Passagiere aufgefordert wurden, diese für einen zusätzlichen Sicherheitscheck wieder zu verlassen. Denn kurz vor dem Start war eine Drohung gegen das Flugzeug eingegangen. Dass Baldwin sich dabei ziemlich daneben benahm und Flugbegleiter anpöbelte, war für die Fluggesellschaft noch kein Grund, von einer Kommunikationskrise auszugehen. Dass Baldwin auf Twitter 870 000 Follower hat hingegen schon. Denn dort machte er sich alsbald ebenfalls Luft, und nach weniger als einer Stunde war der Vorfall bereits zu einem Trending Thema auf Twitter geworden. Die Airline reagierte schnell und verbreitete über Facebook und Twitter unaufgeregt und sachlich ihre Sicht der Dinge und verwies auf die verschiedenen gesetzlichen Vorschriften, gegen die Baldwin zum Teil verstossen hatte. Der «Alec Baldwin Incident» gilt deshalb bei vielen Kommunikationsprofis als Vorzeigebeispiel für den gelungenen Einsatz von Social Media bei der Krisenkommunikation, der nach den Worten von Jonathan Pierce, Director of Social Media bei American Airlines, so auf den Punkt gebracht werden kann: «Bekämpfe Social-Media- Feuer mit Social-Media-Wasser.»

Die Werbewoche meint: Unternehmen tun gut daran, ihre Social-Media-Verantwortlichen zu bevollmächtigen, im Krisenfall sofort und selbständig aktiv zu werden.

Bester Kundendialog:
Im November 2011 lancierte Volkswagen in Hannover «Quicar», ein Kurzmiete-Programm, für das 200 Wagen zur Verfügung stehen. Im Rahmen der Promotion wurden auch Social Media eingesetzt, damit tatsächliche und künftige Benutzer ihre Erfahrungen und Fragen darüber austauschen können. So weit, so banal – einen Preis gab es für die Verlängerung dieser Social-Media-Kommunikation in den öffentlichen Raum: Ausgewählte Einträge wurden auf Grossbildschirmen in der ganzen Stadt angezeigt (wozu bei den Autoren eine entsprechende Zustimmung eingeholt wurde). Das ist zwar innovativ, garantiert aber keinen durchschlagenden Erfolg: Auf Facebook zählt die Kampagne derzeit 5325 Likers und auf Twitter gar nur 168 Followers.

Die Werbewoche meint: Auch bei uns gibt es genug digitale Aussenwerbungspanels, die darauf warten, mit (zumindest selektiver) Interaktivität belebt zu werden.

Bester Einsatz von Mobile:
Fussballfans in Südafrika waren zunehmend frustriert über die ausländischen Trainer ihrer Fussballteams, die keinen Bezug zum typischen Fussballleben des Landes zeigten. Deshalb lancierte die grösste Biermarke des Landes, Carling Black Label, ein spezielles Turnier und lancierte die «Be the Coach» -Kampagne. Mit ihren Mobiltelefonen konnten die Fans zuerst die Mannschaften aus den beiden grössten Clubs, den Kaizer Chiefs und den Orlando Pirates, zusammenstellen, und während des Spiels konnte das Publikum auf die gleiche Weise über Spielerwechsel bestimmen. Während sieben Wochen trafen so 10,5 Millionen Stimmen ein, die Zahl der Fans auf der Facebook-Seite der Biermarke stieg um 450 Prozent, und auf Twitter betrug der Zuwachs gar 600 Prozent. Und die Besucherzahlen für den Match im Stadion und an den Bildschirmen erreichten neue Rekorde. Für Carling Black Label generierte die Kampagne PR im Wert von 85 Millionen Rand (9,5 Mio. Fr.).

Die Werbewoche meint: In der Schweiz als basisdemokratisches Musterland sollte die Mitbestimmung des Publikums ein Selbstläufer sein – zum Beispiel bei der Selektion der Fussball- Nationalmanschaft?

Christoph J. Walther

 

Swiss Marketing: Bill Clinton spricht bei Veranstaltung von Swiss Marketing & IMD

Bill Clinton, Ex-US-Präsident, war Hauptredner des von Swiss Marketing und IMD gemeinsam organisierten Inspire for Excellence Forum am 20. Mai 2012.

In seiner Rede mit dem Titel «Embracing Our Common Humanity» erörterte Clinton die Herausforderungen der Globalisierung und zeigte einen Weg in eine gemeinsame Zukunft auf, die auf gemeinsamen Zielen und Werten beruht.

«Es wächst die Erkenntnis, dass harte Konfliktaustragung zwar zum Wesen einer guten Politik gehört, dass aber kreative Netzwerke der Zusammenarbeit das sind, worauf es im täglichen Leben ankommt. Was den Bürger des 21. Jahrhunderts betrifft, hängen Stabilität und Lebendigkeit von Gesellschaften von den Netzwerken der Menschen ab», sagte er.

Der frühere US-Präsident betonte, dass zu den gemeinsamen Merkmalen erfolgreicher Länder das Engagement für eine nachhaltige Wirtschaft, gute Geschäftspraktiken und eine lebendige Zivilgesellschaft gehören.

«Es gibt eine Lücke zwischen dem, was der private Sektor produzieren und was die Regierung bereitstellen kann, und eine Vielzahl von NGO arbeitet daran, diese Lücke schneller, billiger und besser zu füllen», sagte er.

In einer umfassenden Analyse der globalen Situation bat Bill Clinton die Zuhörer dringend, sich von den gegenwärtigen schlechten Nachrichten und von Unsicherheiten nicht entmutigen zu lassen. «Es wäre ein grosser Fehler für den einzelnen Bürger und für Unternehmen, das gegenwärtige Klima als Entschuldigung dafür zu nehmen, gleichgültig zu werden, aufzugeben und sich zurückzuziehen. Man braucht eine Strategie, und man muss sie ausführen », meinte er.

Er wies darauf hin, dass die Herausforderung für die Befürworter einer nachhaltigen Wirtschaft vor allem in diesen schwierigen Zeiten darin besteht, zu zeigen, dass Nachhaltigkeit ein produktiverer wirtschaftlicher Weg ist als die bisher beschrittenen Pfade. In seiner Einleitung beschrieb der IMD Executive Director Jim Pulcrano die Rede von Bill Clinton als «einen der Höhepunkte der Geschichte von IMD». Tanja Levine, Präsidentin und Begründerin des Inspire for Excellence Forum und Mitglied des Vorstands von Swiss Marketing, sagte, sie hoffe, dass jeder Zuhörer «mindestens eine Idee oder Inspiration dafür mitnehmen möge, was er tun möchte, um aus dieser Welt eine bessere zu machen».
Neben IMD und Swiss Marketing waren auch die

Hult International Business School und Accenture Sponsoren des Forums. Zu den übrigen Partnern gehörten Le Temps, Do! L‘agence SA, Kai Zen und Drappier.
 

Zu guter Letzt: Joan reist um die Welt

Freitag hat einen Film gedreht. Damit soll deren Produkt F60 Joan eines Tages gleich berühmt werden, wie eine gewisse fiktive Figur aus dem New Yorker Werbekuchen der 60er Jahre.

Der Film ist allerdings nicht nur in New York entstanden, sondern auch noch gleich in Berlin, Hamburg, Köln, Wien, Zürich, Paris, Rom, Amsterdam, Tokio und Davos. Freitag-Freundinnen und Freunde aus jeder Metropole haben F60 Joan an ihren Fahrradlenker gebunden und mit ihr illustre Locations, prähippe Quartiere, Strassenschluchten und Betonlandschaften besucht. Entstanden ist ein Clip mit globalurbanem Flair und der F60 Joan in der Hauptrolle – und den Freitag Bros. in einer Nebenrolle. Dieser Film wird niemals im TV oder im Kino zu sehen sein. Aber er ist hier zu finden.

«One more voice» zum 50 Jahre Jubiläum von Amnesty International

Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens von Amnesty International wurde das weltumspannende Filmprojekt One More Voice realisiert. In dem Projekt unterstützen Menschen auf der ganzen Welt die Arbeit und Ziele von AI für eine bessere Welt ohne Folter und Gewalt mit ihrer Stimme.

Die kurzen Statements werden inhaltlich mit einem Voiceover der dreimaligen Oscar-Preisträgerin Meryl Streep sowie einer Musikkomposition des für unter anderen für den Film «The Lion King» mit einem Academy Award ausgezeichneten Hans Zimmer unterstützt. Produziert von der Citizen Group in San Francisco wurde das Video in Zusammenarbeit mit dem International Quorum of Motion Picture Producers realisiert, einer weltumspannenden Organisation, der die im Zürcher Seefeld domizilierte Playground Media Productions seit zehn Jahren angehört.
 

AZ Medien mit neuem Webauftritt

Seit dieser Woche präsentieren sich AZ Medien mit einer neuen Firmenwebseite. Die bisherige Homepage von 2009 wurde vollständig überarbeitet und neu gestaltet.

Augenfällig am neuen Auftritt sind das Showfenster auf der Startseite sowie das Navigationskonzept, die für eine bessere Übersichtlichkeit sorgen und mit wenigen Klicks die Highlights der Produkte- und Dienstleistungspalette von AZ Medien vermitteln. Ebenfalls neu hinzugekommen ist der Karriere-Bereich. Zudem wurde das Angebot für Medien¬schaffende ausgebaut – und mit Videos, Publikationen und Dokumentationsmaterial zum Herunterladen angereichert.

Für Design und Umsetzung der neuen Homepage der AZ Medien zeichnet die Zürcher Agentur Update verantwortlich.
 

Gehts Ringier wirklich ums Sparen?

Um zu sparen, steigt Ringier per Ende 2012 bei Presse TV aus. Bereits werden Zweifel laut: Möglicherweise emanzipiere sich der Konzern bloss von der SRG. So oder so – bereits überlegen sich andere Verlage, Ringiers Lücke beim Verlegerfernsehen zu füllen.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Print-Ausgabe der Werbewoche.

Keine Frage, Ringier hatte mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen – im Inland haperte es vorab im Druckbereich, im Ausland schlug die Eurokrise negativ zu Buche. So gesehen erstaunt es nicht, dass der Medienkonzern letzte Woche verlautbarte, Ende Jahr beim Verlegerfernsehen Presse TV aussteigen zu wollen – nach 17 Jahren führender Mitarbeit. Dieser Rückzug geschehe, weil die für PTV produzierten Sendungen «cash TV», «Gesundheit Sprechstunde», «Motor Show» und «SonntagsBlick Standpunkte» «schon seit Längerem defizitär» seien und deshalb quersubventioniert werden mussten, hiess es in der Pressemitteilung. Für 35 Mitarbeitende ist die Zukunft offen. Und wo man auch nachfragte: In der Branche gab man sich überzeugt, dass es Ringier mies geht und dass der PTV-Ausstieg aus Spargründen erfolgt. Erstaunlich ist aber, dass Ringier selbst den PTV-Partnern die Kooperation sehr kurzfristig aufkündigte und es offenbar mit dem Ausstieg sehr eilig hat: Obwohl der Vertrag zwischen PTV und SRG Ende 2013 ausläuft, macht sich Ringier ein Jahr vor dem offiziellen Schluss aus dem Staub.

Ringier beendet Verträge mit der SRG

Das nährt Spekulationen. Am letzten Sonntag berichtete denn auch die Zeitung Sonntag, dass Ringiers Schweizer Illustrierte auch die Medienpartnerschaft bei der SF-Sendung «Glanz und Gloria» aufgekündigt hat. Gegenüber der Werbewoche hat dies Ringier-Sprecher Edi Estermann zwar korrigiert: Der Vertrag wurde nicht gekündigt, sondern er lief Ende April aus – die Kooperation habe beiden Seiten weniger gebracht als erhofft. Egal: Der Sonntag wertete den Austritt bei PTV und das Ende der Partnerschaft zwischen SI und «g & g» als Indiz dafür, dass Ringier sämtliche Verträge mit SRF kappt, um künftig juristisch völlig frei einen sprachregionalen TV-Konkurrenzsender zu SRF auf die Beine stellen zu können. Demnach wäre also nicht Sparen das Motiv von Ringier, sondern die Emanzipation von der SRG. Umso mehr, als Ringier schon lange mit SRF-Konkurrenten kooperiert: Der Konzern ist am Werbefenster von Sat.1 Schweiz beteiligt, und im letzten Jahr übernahm er die Vermarktung von TF1.

Doch die Sonntag-Mutmassungen gingen noch weiter: Ringier könnte bei dem vom 3+-Gründer Dominik Kaiser geplanten zweiten Kanal 4plus mit von der Partie sein. Davon aber will Kaiser nichts wissen. Gegenüber der Werbewoche aktualisierte er eine Aussage, die er schon früher mantraartig wiederholt hat: «Wir haben nie mit Ringier verhandelt und tun es im Moment auch nicht.» Er bestätigt jedoch sein Interesse an einem zweiten Sender. «Deshalb hatten wir für TeleZüri letzten Sommer ein Angebot gemacht.» Vergeblich zwar, den Zuschlag erhielt die AZ Medien. Zu diesem Thema gebe es deshalb nichts Neues, hielt Kaiser weiter fest. Und betreffend 4plus.tv sagte er nur so viel: Diesen Namen habe er bereits vor sechs Jahren – noch vor dem Start von 3+ – mit registriert.

Mehr Fernsehen bedingt mehr Geld

Zurück zu Ringier: Der Ausstieg beim sprachregionalen PTV steht in gewissem Widerspruch zur mehrfach geäusserten Absicht Ringiers, die Deutschschweizer TV-Aktivitäten auszubauen zu wollen und gar an einem (sprachregionalen) TVSender interessiert zu sein. Doch Estermann hält dem entgegen, dass «das Interesse an einem eigenen TV-Kanal und die Produktion von Formaten für ein Fenster auf den Kanälen von SF nicht in direktem Zusammenhang stehen.» Die Schliessung der für PTV produzierten Formate erfolge jedenfalls – wie vermeldet – aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Trotzdem stellt er klar: «Fernsehen bleibt für Ringier ein Thema von strategischer Bedeutung. »

Fragt sich nur, wie. Denn es würde mehr Investitionen bedingen und hätte zumindest zu Beginn grössere Defizite zur Folge als bei PTV. Das weiss man auch Ringier-intern. «Ich glaube nach wie vor, dass in der Schweiz ein sprachregionales Vollprogramm in Konkurrenz zur SRG nicht allein durch Werbung finanzierbar ist, es braucht auch Nischen und Kooperationen», sagt etwa Hans Jürg Deutsch, Geschäftsführer von PTV. Zudem weist der alte TVHase auch auf jene Faustregel hin, wonach ein Sender mindestens 5 Prozent Marktanteil erreichen muss, um break even arbeiten zu können. «Doch pro Prozentpunkt sind erst Investitionen von je 10 Millionen Franken nötig», mahnt Deutsch.

Deutsch bleibt bei PTV

Übrigens: Trotz Ringiers baldigem Austritt wurde Ringier-Mann Hans Jürg Deutsch von PTV mit der Geschäftsführung bis Ende 2013 beauftragt. Dafür liege auch das Einverständnis von Ringier-CEO Marc Walder vor, sagt Deutsch. Seine Aufgabe bestehe nun darin, mit der SRG eine Lösung für die ab 2013 wegfallenden Ringiersendungen zu finden. Ob danach eine Vertragsverlängerung mit der SRG angestrebt werde, müsse der PTV-Verwaltungsrat aber erst noch entscheiden. «Klar ist: So wie bisher geht es nicht mehr, PTV würde neue Sendeplätze und mehr Geld benötigen», sagt Deutsch. Auch eine Art Bonus für jene Sendungen, die mehr als die zuvor festgelegten Zuschauerzahlen erreichen, müsste man verbindlich ins Auge fassen.

Vorerst steht also nur Ringiers Austritt per Ende Jahr fest. «Juristisch ist die Kündigung völlig problemlos, Ringier hat alle vertraglichen Fristen eingehalten », konstatiert Wolfgang Frei, Leiter Neue Medien bei der NZZ und VR-Präsident bei PTV. Frei äussert Verständnis für Ringiers Sparkurs, zeigt sich aber befremdet, «dass Ringier gleich die Flinte ins Korn geworfen» habe und keine Gespräche über alternative Modelle stattgefunden hätten.

Auch Roland Wahrenberger, der Axel Springer Schweiz im PTV-Verwaltungsrat vertritt bedauert Ringiers Schritt sehr. Er verstehe zwar, dass Ringier seine TV-Aktivitäten im Rahmen eines Sparprogramms zurückfahre. «Aber dass sie gleich ganz aus PTV aussteigen, ist doch sehr schade.» Die verbliebenen Partner seien jedenfalls entschlossen, weiterzumachen. «Wir machen uns intensiv Gedanken, mit welchen Brands wir welche Formate zu vertretbaren Kosten produzieren könnten, um die verfügbaren Sendeplätze auszunützen.» Möglich sei auch, dass man neue Partner dazunehme.

Andere Verleger wittern eine Chance

Letzteres ist nicht ganz aus der Luft gegriffen. Jedenfalls zeigen sich mehrere von der Werbewoche angefragte Verlage an einer PTV-Mitgliedschaft vorsichtig interessiert. «Wir sind derzeit intern daran, diese Frage zu prüfen. Für eine konkrete Aussage ist es deshalb noch zu früh», beschied etwa Andrea Masüger, CEO der Südostschweiz Medien. Und Claudia Bossert, bei der AZ Medien Geschäftsführerin der TV-Senderfamilie TeleZüri, Tele M1 und TeleBärn, teilte mit: «Wir sind grundsätzlich offen für sinnvolle Kooperationen. Eine Anfrage für die Teilnahme am nationalen PTV haben wir bisher aber nicht erhalten. »

Auch für das Medienhaus Mengis im Wallis (Walliser Bote) ist eine Mitgliedschaft bei PTV nicht für völlig abwegig. «TV ist für Mengis bestimmt ein (Zukunfts-) Thema», schreibt Geschäftsführer Kurt Hasen. Man diskutiere immer wieder, ob man in diesem Bereich eine aktive Rolle übernehmen soll. «Hier erwarte ich vom VR noch im ersten Halbjahr 2012 eine strategische Stossrichtung.» Aus seiner Sicht würde ein Mitwirken bei PTV jedoch nur Sinn machen, wenn sich auch Wallis Tourismus, die Matterhorn- Gotthard-Bahn oder die Walliser Wirtschaftsverbände beteiligen würden. Eine solche Kooperation böte dem Wallis jedenfalls die «sehr gute Chance», sich in den Ballungszentren der deutschen Schweiz bekannter zu machen. Kein Interesse an PTV zeigte einzig Tamedia, das eben erst seine elektronischen Medien verkauft hat. Und keine Reaktionen waren von der Bieler Gassmann AG (Tele Bielingue) und der Tessiner Timedia (Tele Ticino) erhältlich. Markus Knöpfli

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Neuer Rekord der Anzahl Einreichungen für Cannes Lions 2012

Über 34'000 Eingaben von 87 Ländern trafen beim Cannes Lions 59th International Festival of Creativity ein. Eine absolute Rekordhöhe.

Im Vergleich zum Vorjahr konnte somit bei den Einreichungen eine Steigerung von 19 Prozent erreicht werden, in den 15 Kategorien. Philip Thomas, Chief Executive des Festivals meint dazu: «Die hohe Anzahl von eingereichten Arbeiten in den Kategorien «Mobile» und «Branded Content & Entertainment» sind ein weiterer Beweis für die Dynamik der Branche. Interessant ist aber auch die Beständigkeit der traditionelleren Mediagattungen wie «Radio», «Film» und «Presse». Ich bin überzeugt, dass die Gewinner des Cannes Lions die Industrie einmal mehr mit den Möglichkeiten von kreativer Markenkommunikation begeistern und inspirieren werden.» Aufgrund dieser unerwarteten Entwicklung wurden weitere Jury Mitglieder, zusätzlich zu den bereits angekündigten extra Preisrichtern für die Kategorien «Branded Content & Entertainment» und «Mobile», ernannt. 287 Preisrichter werden die Arbeiten am Festival of Creativity, das vom 17. bis am 23. Juni 2012 in Cannes stattfindet, bewerten. Cannes Lions begrüsst im Kreise folgende, zusätzliche Jury Mitglieder:

Design Lions
Ricardo Saint-Clair, Gründer/ Creative Director, Dialogo Design, Brasilien
Katrin Oeding, Creative Director, Studio Oeding, Deutschland
Gesina Roters, Creative Partner, DAY, Niederlande
Chris Moody, Creative Director, Wolff Olins, Grossbritannien
Richard Bates, Chief Creative Officer North America, The Brand Union, USA

Promo & Activation Lions
John J. Steere, Regional Managing Director APAC, Momentum, Asien Pazifik
Ove Gley, Creative Director, Heimat, Deutschland
Hiroko Uchigaki, Account Planning Director/Communications Planner, ADK Japan
Hector Fernandez, Co-Managing Director/Chief Creative Officer, Publicis, Mexico
Gonzalo Figari, President & Creative Director, D6, Spanien

Radio Lions
Sara Haag, Director/Founder, Sarah Haag AB, Schweden
Publicitas Cinecom ist Schweizer Repräsentantin des «International Festival of Creativity» in Cannes und unterstützt unter anderem die Festival-Teilnehmenden während den Vorbereitungen und die Organisatoren in der Umsetzung. Das diesjährige Festival findet vom 17. bis 23. Juni 2012 in Cannes statt. Anmeldungen für eine Teilnahme am 59th Cannes Lions International Festival of Creativity sind unter Canneslions.com möglich.

 

Gehts Ringier wirklich ums Sparen?

Um zu sparen, steigt Ringier per Ende 2012 bei Presse TV aus. Bereits werden Zweifel laut: Möglicherweise emanzipiere sich der Konzern bloss von der SRG. So oder so – bereits überlegen sich andere Verlage, Ringiers Lücke beim Verlegerfernsehen zu füllen.

Keine Frage, Ringier hatte mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen – im Inland haperte es vorab im Druckbereich, im Ausland schlug die Eurokrise negativ zu Buche. So gesehen erstaunt es nicht, dass der Medienkonzern letzte Woche verlautbarte, Ende Jahr beim Verlegerfernsehen Presse TV aussteigen zu wollen – nach 17 Jahren führender Mitarbeit. Dieser Rückzug geschehe, weil die für PTV produzierten Sendungen «cash TV», «Gesundheit Sprechstunde», «Motor Show» und «SonntagsBlick Standpunkte» «schon seit Längerem defizitär» seien und deshalb quersubventioniert werden mussten, hiess es in der Pressemitteilung. Für 35 Mitarbeitende ist die Zukunft offen. Und wo man auch nachfragte: In der Branche gab man sich überzeugt, dass es Ringier mies geht und dass der PTV-Ausstieg aus Spargründen erfolgt. Erstaunlich ist aber, dass Ringier selbst den PTV-Partnern die Kooperation sehr kurzfristig aufkündigte und es offenbar mit dem Ausstieg sehr eilig hat: Obwohl der Vertrag zwischen PTV und SRG Ende 2013 ausläuft, macht sich Ringier ein Jahr vor dem offiziellen Schluss aus dem Staub.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der Werbewoche.
 

Studio Marcus Kraft: Neues Printkonzept für Sigg

Studio Marcus Kraft wurde von Sigg Switzerland mit Konzeption, Art Direction und Design für diverse Printprodukte beauftragt. Die Agentur hat nun ein neues Printkonzept im B2B Bereich entwickelt.

Den Anfang macht die neue ‹Rainbow Collection›, welche ab sofort in einer limitierten Auflage erhältlich ist. Es handelt sich dabei um die klassische Sigg-Flasche in neuen, frischen Farben. Weitere Produkte folgen im Laufe des Jahres. «Die SIGG-Flaschen sind wahre Designklassiker und überzeugen gleichzeitig seit vielen Jahrzehnten als Gebrauchsgegenstand. Bei dem neuen grafischen Konzept haben wir den Fokus deshalb auf die Produkte gelenkt», so Art Director Marcus Kraft.

Verantwortlich bei Sigg: Patric Zingg (CEO), Günther Schoberth-Schwingenstein (Head of Marketing und Communications). Konzept, Art Direction & Design: Studio Marcus Kraft.
 

Swiss Marketing: Theorie versus Praxis

Bachelor, Master oder eine höhere Berufsbildung? Ein Vollzeitstudium ist umfassender. In der Regel fehlt aber die Praxis. Und mit dieser besticht die höhere Berufsbildung.

Die Abschlüsse der Hochschulen haben enorm zugenommen. Ihr Vorteil ist, dass sie weltweit unisono Bachelor und Master heissen. Die Titel der schweizerischen Abschlüsse müssen im Ausland oder Ausländern erklärt werden. Ein grosser Unterschied spricht für die höhere Berufsbildung, besonders wenn sich Absolventen im Berufsalltag als Generalisten beweisen wollen: Sie ist praxisnah. «Die höhere Berufsbildung legt weniger Wert auf Wissenschaft, dafür spielen Praxisnähe und Praktikabilität des Gelernten eine viel grössere Rolle», erklärt Peter Petrin, Vizepräsident und Ressortleiter/Bildungsexperte im Zentralvorstand von Swiss Marketing. In der höheren Berufsbildung profitieren Arbeitgeber und Studierende von der bestehenden Berufspraxis und von der Tatsache, dass sie auch während der Weiterbildung voll im Berufsleben stehen. In Vollzeitausbildungen dagegen müssen Laborsituationen geschaffen werden. Diese kommen aber nicht an die Realität heran.

Ähnlich sieht es Bruno Zanella, Head of Human Resources der Flughafen Zürich AG: «Absolventen von höheren Berufsbildungen bringen Praxiserfahrung mit und kennen die Berufswelt bereits. Das ist ein Vorteil, denn diese Absolventen können die im Arbeitsleben an sie gestellten Erwartungen besser einschätzen.» Kandidaten ohne Praxiserfahrungen hätten sicherlich eine gute Ausbildung, kennen das Berufsleben aber nur aus der Theorie. In der Praxis werden die Jobprofile anhand der Anforderungen definiert. Wird gewünscht, dass Jobanwärter Be- rufserfahrung mitbringen, werden Absolventen einer höheren Berufsbildung bevorzugt. «Sie sind in der Regel auch etwas ‹ausdauernder› bezüglich der Arbeitsbereitschaft», stellt Zanella vorsichtig fest.

Augenschein im Klassenzimmer

Blicken wir in die Praxis, genauer genommen in den beliebten Studiengang «dipl. Marketingmanager/-in HF». Wer diesen Studiengang belegt, verfügt einerseits seit dem Lehrabschluss über mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in Marketing und Verkauf bzw. in marketing- und verkaufsnahen Berufen. Andererseits müssen die Absolventen während der Weiterbildung mindestens 50 Prozent arbeiten. Der von Swiss Marketing entwickelte und vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT genehmigte Rahmenlehrplan begünstigt innovatives und sehr handlungsorientiertes Lernen und Prüfen. «Das bedeutet, dass der Hauptfokus nicht auf das Wissen, sondern auf die Anwendung gelegt werden kann», erklärt Peter Petrin. Und nachdem das Lösen von Prüfungen nicht berufsrelevant ist, reduziert man es auf ein erforderliches Minimum. «Viel bedeutender ist, dass der Transfer in die reale Arbeitswelt in den Mittelpunkt gesetzt wird. Es ist spannender, lehrreicher und auch nützlicher, wenn Studierende die Aufgabe erhalten, in einigen Tagen für ein echtes Unternehmen zum Beispiel ein Marketingkonzept zu schreiben, als wenn sie in einer oder wenigen Stunden aufgrund einer Fallstudie ein solches Konzept schreiben müssen», so Petrin weiter. Dipl. Marketingmanager/-innen HF geniessen nebst den Kernfächern Marketing, Verkauf und Kommunikation eine breite Ausbildung: Sie kennen die Unternehmensführung, Personal- und Qualitätsmanagement, Informatik, Produktion, Beschaffung und Logistik u. a. Das macht sie zu idealen Ansprechpartnern innerhalb des Betriebs. «Was auf den ersten Blick als Marketingproblem daherkommt, ist auf den zweiten Blick oft ein gesamtunternehmerisches Problem mit Anknüpfungspunkten zu vielen anderen Funktionen und Bereichen», weiss der Bildungsexperte.

Die Leistung zählt

Und wie sieht die Zukunft der höheren Berufsbildung aus? Peter Petrin wagt eine Progonse: «Wenn die Analyse anderer Länder etwas zeigt, dann das: Länder mit hohen Akademikerquoten haben markant höhere Arbeitslosenquoten, eine wesentlich tiefere Innovationskraft und eine geringere Wettbewerbsfähigkeit. Die ‹Bachelor-Hysterie› in unserem Land wird abflauen in dem Mass, wie sich dieser Abschluss abwertet.» Die Abschlüsse der höheren Berufsbildung würden kraft ihrer inneren Stärke eine sichere Position behalten. Im Berufsleben setze sich langfristig nicht die Schönheit des Titels, sondern die Leistung der Berufsleute durch. Schon der berühmte französische Lyriker, Philosoph und Essayist Paul Valéry stellte vor über 75 Jahren fest: «Je wichtiger Diplome geworden sind, desto mehr wurde der Nutzen des Bildungswesens geschwächt.»
 

Newcom Solution erweitert Angebot mit FB24

Das Hauptproblem bei Gestalten einer Facebook-Fanseite ist das Erstellen und Abfüllen von sogenannten Tabs. Dies soll mit dem FB24 CMS der Berner Agentur Newcom Solution nun leichter gemacht werden.

Mittels eines Editors können Inhalte wie in einem Word-Dokument schnell und einfach abgefüllt werden. Das FB24 CMS bietet zusätzliche Applikationen wie das Wettbewerbstool oder den E-Mail-Adressgenerator. Es wurde bereits bei den Fanseiten vom Restaurant & Bar Sensi, BSC YB und Inobike eingesetzt, so die Berner Agentur in einer Mitteilung vom Mittwoch. Ausserdem wurde für BSC YB das FB24 Wettbewerbstool aufgeschaltet. Der Berner Fussballclub hat mittels Wettbewerbstool bereits ein Gewinnspiel durchgeführt und konnte gemäss der Berner Agentur einen Fanzuwachs von fast 30 Prozent verzeichnen.
 

Webguerillas: Neue digitale Agentur von Ovomaltine

Die Zürcher Agentur Webguerillas hat Ovomaltine als Neukunden gewonnen. Um den Auftritt im Web – und insbesondere auf Social Media – weiter zu optimieren, arbeitet Ovomaltine ab sofort mit den Webguerillas Zürich zusammen.

Die Full-Service-Agentur für Alternative Werbeformen unterstützt die Marke der Firma Wander mit ihrer Expertise. Ausserdem setzt die Agentur die Online-Massnahmen um. Die ersten Arbeiten der Webguerillas sind nächsten Herbst online.

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