Auf sonniger Extrafahrt in die Zukunft: Als sich am Freitag, 15. Juni, 71 stimmberechtigte Delegierte von Swiss Marketing trafen, taten sie dies an Bord der MS Europa auf dem Vierwaldstättersee. Vergnügt legte die Delegiertenversammlung beim KKL Luzern ab – und kehrte nach einer stimmungsvollen Rundfahrt mit abgesegnetem Zahlenwerk und erfolgreichen Gesamterneuerungswahlen mit einem neuen Vorstand zurück. Gleich anschliessend nahm sich Uwe Tännler Zeit für ein Gespräch mit Ausblick-Charakter. Der Swiss-Marketing-Präsident tat dies in gewohnt deutlicher Weise, ohne Probleme unter den Tisch zu wischen, aber auch so, wie jeder gute Kapitän in See zu stechen pflegt: Voller Zuversicht, weil Mannschaft, Maschinenraum und Motivation in gut gepflegtem Zustand sind.
Herr Tännler, vor drei Jahren tagten die Swiss-Marketing-Delegierten auf dem Jungfraujoch, dieses Mal auf dem Vierwaldstättersee. Wie lässt sich diese Symbolik deuten?
Uwe Tännler: Vor drei Jahren war der Top of Europe von der Symbolik her genau der richtige Ort für die Swiss-Marketing-Delegiertenversammlung. Es war die Zeit, als wir live gehen konnten mit dem Europazertifikat, das die Schweizer Bildungsabschlüsse europaweit erklärbar macht. Man konnte auf die erfolgreiche Nr1-Kampagne zurückblicken, verfügte über gesicherte Finanzen und hatte die Gewissheit, dass sich der Schweizerische Marketing-Tag mit der Verleihung der Marketing-Trophy im KKL Luzern zum bedeutendsten Marketing-Event der Schweiz etabliert hatte. Swiss Marketing hatte damals einen neuen Gipfel erreicht.
Die Delegiertenversammlung 2012 wurde nun auf dem See abgehalten. Um bei der Symbolik zu bleiben: Auf welche neue Ufer steuern Sie, steuert Swiss Marketing zu?
Das Motto der Cruise für die nächsten drei Jahre lautet: «Fahne hoch für das duale Bildungssystem! » Wir müssen eine noch bessere Wahrnehmung unserer Fachausweise und Diplome erreichen. Oder, in der Sprache der Marketers: Wir müssen den Brand Swiss Marketing verstärken.
Mehr Marketing für Swiss Marketing?
Ja, so kann man es auch sagen.
Welcher Mittel aus dem klassischen Marketing-Mix müsste man sich dazu bedienen?
Wir sprechen hier wohl am ehesten vom «P» für Promotion. Allerdings weniger mittels einer Kampagne über klassische oder neue Medien, sondern mittels Einflussnahme auf alle Kreise, die mit unseren Konzepten in Berührung kommen. Also mit Organisationen der Wirtschaftswelt, wie etwa Economiesuisse oder KV, aber auch mit führenden Köpfen in den Personalabteilungen. Wir müssen den jungen Talenten, die eben ihre kaufmännische Lehre erfolgreich beendet haben, zurufen: ‹Wartet nicht, bis ihr euren MBA macht, sondern geht die logischen Zwischenschritte an. Begeht den dualen Weg, steigt in die Weiterbildung zu den Marketing- oder Verkaufsfachleuten ein.› Auf der nächst höheren Stufe erfahren wir derzeit Konkurrenz von den Executive MBA, dort müssen wir schauen, dass wir unsere Weiterbildungen zu den Verkaufs- und Marketingleitern noch besser positionieren.
Wo orten Sie die Zielgruppe bei den Endkunden?
Es sind die Twenty somethings, die nach der Berufslehre nach mehr lechzen. Talente, die nach 1990 geboren wurden und sich mit einer adäquaten Weiterbildung mehr Wissen, ein besseres Netzwerk und die Know-how- Power für den Alltag zulegen wollen. Junge Leute, die dank Swiss Marketing zu den wahren praxistauglichen Könnerinnen und Könnern weitergebildet werden.
Fahne hoch für das duale Bildungssystem – ist das im Bereich Marketing und Verkauf eine Alleinaufgabe für Swiss Marketing?
Ich denke, dass das ein Teamwork sein sollte – wir müssen die Vorteile unseres Bildungssystems verstärkt mit den Berufsverbänden kommunizieren, die auch Träger in unseren Prüfungskommissionen sind. Zusammen mit den Trägerverbänden können wir uns auf breiter Front bemerkbar machen und so mehr erreichen.
Wie wirkt sich die derzeitige Wirtschaftssituation auf die Teilnehmer der grossen Swiss-Marketing-Prüfungen aus?
Die Wirtschaft erlebt unsichere Zeiten; vielerorts sind die Chefs daran, das Jahr zu retten. Für Swiss Marketing bedeutet das auf hohem Niveau leicht rückläufige Zahlen bei den Kandidatinnen und Kandidaten. Fachkräfte sind zwar gesucht – aber oft wissen Firmenchefs und HR-Leute gar nicht, wonach sie suchen müssen.
Wie meinen Sie das konkret?
Als Personalvermittler kenne ich viele Fälle, in denen beispielsweise ein kleineres KMU eine Alleinsekretärin sucht. Im Pflichtenheft stehen dann Dinge wie Verkaufsförderung, Verfassen von Werbetexten, professioneller Umgang mit Social Media. Dieser Personalchef müsste eigentlich ungestützt schon wissen, dass er eine Marketingfachfrau sucht und dies auch so in der Annonce vermerken.
An der Delegiertenversammlung wurde ein neuer interner Verteilungsschlüssel bezüglich Mitgliederbeiträge beschlossen; künftig profitieren die regionalen Clubs stärker. Was bedeutet das?
Naturgemäss findet das Leben draussen in den regionalen Clubs statt. Wenn dorthin nun mehr Mittel fliessen, ist zu hoffen, dass sich das auch in einem zusätzlichen Wachstum von Mitgliedern manifestiert. Potenzial dazu gibt es in den regionalen Clubs.
Wie zeigt sich die Aufgabenteilung zwischen regionalen Clubs und der Zentrale in Olten?
In den regionalen Clubs sollen Networking und Know-how-Transfer gelebt werden. Das ist quasi die Front. Olten gibt als Sitz des Dachverbandes die Richtung vor, verhandelt beispielsweise mit dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT. Aber was noch wichtiger ist: Swiss Marketing soll Sympathisanten und Fans gewinnen, aus denen dann Mitglieder werden. Members für die Nummer eins im Schweizer Marketing.
An dieser Delegiertenversammlung hatte Stefan H. Böni, der neue Geschäftsführer von Swiss Marketing, seinen ersten Auftritt. Warum wurde dieser Posten neu geschaffen?
Bisher wurde die Swiss-Marketing-Zentrale in Olten von zwei Bereichsleitern geführt, dem Bereichsleiter Prüfungswesen und seinem Pendant punkto Verband. Aber eigentlich sind beide Bereiche längst verwoben miteinander: Prüfungskandidaten sind Mitglieder, Mitglieder sind Prüfungskandidaten. Da war es richtig und richtungsweisend, beide Bereiche einem Geschäftsführer zu übergeben.
Wie grenzen sich Ihre Aufgaben von jenen des neuen Geschäftsführers ab?
Ganz einfach: Stefan H. Böni führt den Verband nach innen, operativ. Ich repräsentiere Swiss Marketing gegen aussen, strategisch. Was, noch einfacher, heisst: Wir stehen beide für die Schlagkraft von Swiss Marketing. Andreas Güntert