Eins von fünf Kindern in der Schweiz leide an Übergewicht oder sei sogar fettleibig, schreibt die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) in einer Mitteilung. Dies hänge mit einseitiger Ernährung und Bewegungsmangel zusammen und bei beidem spiele auch das Fernsehen eine Rolle: Statt sich zu bewegen, bekämen die Kinder am Bildschirm ungesunde und einseitige Ernährung präsentiert.
Um festzustellen, wie sich die Situation auf dem Schweizer Markt präsentiert, hat die SKS zusammen mit der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen im letzten Herbst eine Werbeuntersuchung durchgeführt, wie es weiter heisst. Auf je zwei Fernsehkanälen der drei Sprachregionen wurde die Lebensmittelwerbung während sechs Wochen analysiert: Im Fokus standen das Kinderprogramm sowie ein Teil der Hauptsendezeiten, während denen ebenfalls viele Kinder vor dem Fernseher sitzen. Insgesamt wurden 671 Stunden Fernsehprogramm und damit 12‘393 Werbespots aufgezeichnet und ausgewertet.
Die Ergebnisse: Während einer Stunde Fernsehen prasseln durchschnittlich 18,5 Werbespots auf die Kinder nieder. Im Kinderprogramm werden den Kleinen zwischen 7,5 und 27 Werbesendungen serviert. Untersucht man den Inhalt dieser Werbespots, zeigt sich, dass rund ein Viertel der Spots Lebensmittel bewerben. Über 50 Prozent davon bewerben Fast Food und Fertigprodukte. Bei der anderen Hälfte sind es Snacks und kalorienreiche Süssigkeiten, welche gezeigt werden, Milchprodukte – vorwiegend Käse – machen noch 12 Prozent aus. Fast Food-Angebote von McDonald's sahen die Kinder zu Hauf: 50 Prozent der Lebensmittelwerbungen hatten als Absender diese globale Fast Food-Kette. Früchte und Gemüse wird den kleinen Zuschauern quasi nicht gezeigt: Der Werbeanteil für diese Produkte beträgt während den Kindersendungen 0,2 Prozent.
Gezeigt hat die Untersuchung auch, dass der Swiss Pledge – eine freiwillige Vereinbarung verschiedener Firmen, welche die Kinder-Werbung für ungesunde Produkte einschränkt – Wirkung zeigt, wie es weiter heisst. Diese Anbieter – darunter Konzerne wie Coca Cola, Kellog’s oder Mars – haben während dem Untersuchungszeitraum kaum Werbung für ungesunde Produkte geschaltet. Der Haken daran sei, dass beispielsweise Kellog’s seine Kriterien für gesunde Lebensmittel so weit gefasst habe, dass die Frühstücksflocken ebenfalls in diese Kategorie fallen und beworben würden. Ähnlich sehe es bei den Frühstücksflocken von Nestlé aus. In England seien solche Produkte für die Kinderwerbung nicht zugelassen.
Publisuisse: «Kein Einfluss»
Josianne Walpen vom Konsumentenschutz fordert deshalb einheitliche Kriterien. Coop und Migros werden ausserdem explizit aufgefordert, ihr soziales Engagement für Kinder und Familien auch bei der Bewerbung von Kindern unter Beweis zu stellen und Swiss Pledge beizutreten. Coop ist dabei, einen Beitritt zu evaluieren, wie Pia Lehmann von Swiss Pledge gegenüber Blick sagte. Migros sehe keinen Handlungsbedarf.
Die SRG-Tochter Publisuisse gibt gegenüber Blick an, keinen Einfluss auf die Spots zu haben, solange diese den Richtlinien und Gesetzen entsprächen.
(Bild: Keystone)