Eyeloveyou: Strand- und Klippenführer-App

Um dem Strand- und Klippenführer «Pied à la Lune», der bereits als Buch erschienen ist, einen erweiterten Nutzen zu geben, hat die Agentur Eyeloveyou in Zusammenarbeit mit Open Interactive die passende Smartphone-App konzipiert und umgesetzt.

Die kostenlose App umfasst rund 20 sorgfältig recherchierte Strände und Klippen in der ganzen Schweiz. Wie bereits das Buch vermittelt sie durch eine einfache Gestaltung im Tagebuchstil die Schönheit der Natur und die Freiheit des Klippenspringens, schreibt die Agentur in einer Mitteilung.

Über die Hauptnavigation gelangen die User direkt zu den Spots, erhalten Tipps für die Anreise und werden mit den wichtigsten Verhaltensregeln vor Ort bekannt gemacht. Mit der Nearby- Funktion in der Rubrik «Spots» erfahren die Nutzer, wo sich die nächstgelegenen Orte zum Chillen oder Klippenspringen befinden. Zudem bietet eine Liste Übersicht über alle Spots. Jeder Eintrag enthält Angaben über Wassertemperatur- und qualität und Infos darüber, wo man springen oder sich ausruhen kann. Hat man einen Ort ausgesucht, findet man den Weg dorthin über den in der App integrierten SBB-Fahrplan. Ein weiteres Highlight soll gemäss der Mitteilung das Spot-Rating sein: Auf einer Skala von 1 bis 6 haben die Nutzer die Möglichkeit, ihre besuchten Orte zu bewerten.

Die App ist als iPhone-App über iTunes sowie auf dem Android Market über Google Play erhältlich.

Verantwortlich bei «Pied à la Lune»: Thomas Hägler, Philipp Spale. Verantwortlich bei Eyeloveyou: Stevie Fiedler (Art Direction), Oliver Kirschbaum (Konzeption, Beratung). Programmierung: Open Interactive.

1_piedalalune_overview-2
1_piedalalune_overview-2-2
2_piedalalune_spot
5_piedalalune_spot
4_piedalalune_spot
 

Mediapulse: Wechsel in der Forschungsleitung

Seit 2009 hat Isabel Wenger den Bereich Forschung von Mediapulse geleitet, nun sucht sie eine neue Herausforderung und macht sich ab November 2012 selbständig. Ihre Nachfolgerin heisst Caroline Kellerhals.

Bis im März 2013 wird Isabel Wenger weiterhin in reduziertem Umfang für Mediapulse tätig sein und den Aufbau des neuen Fernsehpanels zu Ende führen.

Mit Caroline Kellerhals (Bild) hat Mediapulse gemäss einer Mitteilung eine qualifizierte Nachfolgerin gefunden. Die erfahrene Marktforscherin und Mutter zweier Kinder hat Soziologie studiert, ein Nachdiplom in Statistik erworben und mehr als zehn Jahre bei verschiedenen Grossunternehmen in der Marktforschung gearbeitet. Nach einer beruflichen Auszeit in Australien und verschiedenen Projekten auf Mandatsbasis freut sie sich auf die neue Herausforderung in der Radio- und Fernsehforschung. Caroline Kellerhals hat ihre neue Arbeit bereits aufgenommen, wodurch sich eine längere Übergangsfrist ergibt, die eine ruhige und geordnete Übergabe sämtlicher Aufgaben erleichtert.
 

Source gestaltet Buch für Berggemeinde Grächen

Die Agentur Source erarbeitet ein visuelles Konzept für ein Buch über Grächen, welches den Wandel der Berggemeinde dokumentiert. Entstanden ist ein Lesebuch mit einer ruhigen und eigenständigen Gestaltung im Rahmen eines kulturellen Engagements.

Source entwickelt und realisierte das Konzept für das 250-seitige Lesebuch «Grächen im Strom der Zeit – Von der Speerspitze zum Trekkingstock». Die Umsetzung lebt vom grosszügig eingesetzten Bildmaterial, welches mehrheitlich vom Herausgeber selbst stammt, datiert von Anfang bis Ende des 20. Jahrhunderts.

Hundert Jahre Geschichte modern aufgearbeitet

Für die Gestaltung steht gemäss einer Mitteilung der Agentur die Lesbarkeit und die Lust am Lesen im Vordergrund, dazu wird der Text einspaltig und in einem ruhigen Satz geführt. Die Kapitel werden jeweils mit einer farbigen Doppelseite abgetrennt, thematisch auf die Fortsetzung einstimmend. Die dafür verwendeten Bilder sind mit einem diagonalen Linienraster versehen und erhalten dadurch eine folkloristische Wirkung. Die Seiten sind mit viel Weissraum gestaltetet und beinhalten Eckdaten über die geschichtliche, gesellschaftliche, politische, kirchliche und kulturelle Entwicklung der Gemeinde Grächen in den vergangenen hundert Jahren.

Engagement für den Wandel der Zeit

In vier umfangreichen Kapiteln wird die Lebensweise der Bergbauern vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, ihre kulturelle Entwicklung und ihr Brauchtum sowie die rasante Entwicklung zum Touristenort aufgearbeitet. Wichtige Dokumente stammen aus den Archiven der Gemeinde und Pfarrei, aus Familienchroniken sowie privaten Aufzeichnungen. Source unterstützte den Herausgeber und führte die Umsetzung im Rahmen eines kulturellen Engagements aus.

graechen
graechen-2
graechen-3

Schweizer Medien: Zufrieden mit dem SRG-Entscheid

Der Verband Schweizer Medien zeigt sich in einer Mitteilung zufrieden mit dem Entscheid des Bundesrats, das Online-Werbeverbot der SRG aufrechtzuerhalten.

Mit seinem Entscheid vom 14. September 2012 setze der Bundesrat ein klares Zeichen zugunsten der privaten Medienanbieter und gegen weitere Wettbewerbsverzerrungen, so der Verband in einer Mitteilung von Freitag. 2010 ersuchte die SRG um Aufhebung des Online-Werbeverbotes mit der Begründung, die Werbung auf den Internetseiten würden die sinkenden Gebühreneinnahmen ausgleichen. Dem Verband Schweizer Medien sei es gelungen aufzuzeigen, dass diese Notwendigkeit nicht bestehe, da einerseits durch die Bevölkerungszunahme und andererseits durch mehr Fernsehwerbung, Sponsoring und Productplacement stetig mehr Geld in die Kassen des gebührenfinanzierten Fernsehens fliesse.

Schweizer Medien begrüsse grundsätzlich, dass der Bundesrat die Radio/TV-Konzession überarbeiten wolle. Die SRG müsse ihren Auftrag als Anbieter von audio-visuellen Beiträgen auch über die neuen Vertriebskanäle erfüllen. Die TV-Sendegefässe sollten deshalb auch über das Internet abgerufen werden können, so die Mitteilung weiter. Dabei müsse aber klar definiert sein, dass der Auftrag der SRG im audio-visuellen Bereich liege und nicht im selbständigen textbasierten Auftritt. Mit der schweizweit grössten Online-Redaktion habe sich die SRG klammheimlich eine Basis geschaffen, welche die privaten Medienhäuser in deren Online-Auftritten massiv konkurrenziere. Das textbasierte Angebot im Internet und auf den mobilen Kanälen gehöre aus Sicht von Schweizer Medien definitiv nicht zum gesetzlichen Auftrag der SRG und müsse deshalb klar eingeschränkt werden. Die SRG dürfe nicht die Online-Bezahlangebote der privaten Medienanbieter mit Gratisangeboten ausserhalb des Service public konkurrenzieren.

Nur so könne mittel- und langfristig eine vielfältige und qualitativ gute Schweizer Medienlandschaft aufrecht erhalten werden, schreibt Schweizer Medien. Als Radio- und TV-Anbieter, der über staatlich verordnete Gebühren finanziert werde, müsse die SRG gewisse Einschränkungen in ihrem Auftritt akzeptieren. So verstanden mache die Überarbeitung der Konzession aus Sicht der privaten Medienanbieter durchaus Sinn, denn es könne nicht hingenommen werden, dass die SRG selber ihr Angebot laufend schleichend ausweite. Die Aufsichtsbehörde müsse hier klare Grenzen setzen.
 

SRG darf keine Werbung im Internet verkaufen

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR muss auch künftig auf Werbung im Internet verzichten. Dies hat der Bundesrat am Freitag entschieden.

Der Bundesrat sehe «noch keine Notwendigkeit», der SRG Werbung auf ihren Internetseiten zu gestatten, schreibt er in einer Mitteilung. Grundsätzlich halte er zwar an seiner Haltung fest, dass die SRG mittelfristig im Interesse der Gebührenzahlenden auch im Internet kommerziell tätig sein müsse. Angesichts der positiven Entwicklung der SRG-Werbeerträge in den letzten zwei Jahren erachte er aber heute eine Öffnung als verfrüht. Für die SRG sei die Lösung wirtschaftlich tragbar, schreibt der Bundesrat.

Die SRG soll nach dem Willen des Bundesrates künftig «innerhalb eines klar umgrenzten Spielraums» auch nicht sendungsbezogene Inhalte auf ihren Internetseiten anbieten können. Seit der Erteilung der letzten SRG-Konzession im Jahr 2007 habe sich der Abkehrtrend von den klassischen Medien hin zu den Online-Angeboten markant verstärkt, begründet der Bundesrat den Schritt.

Der bundesrätliche Entscheid war nötig geworden, weil sich Verleger und SRG in der Frage nicht einigen konnten. Der Streit zwischen den Verlegern und der SRG begann vor über zwei Jahren. (SDA)
 

Studio Geissbühler: Neuer Auftritt für Hardegger Hüppen realisiert

Das Studio Geissbühler wurde mit der Neuentwicklung des visuellen Auftrittes der Marke Hardegger beauftragt. Die Marke Hardegger pflegt die alte Zürcher «Hüppen»-Tradition.

Es galt dem Traditionshaus Hardegger, früher Hardy's genannt, ein neues Gesicht zu verleihen, ohne die Tradition zu leugnen. So wurde aus dem ehemaligen Namen «Hardy's» neu «Hardegger». Der Zürcher Löwe prägt den Auftritt.

Verantwortlich bei Hardegger: Dominik Thomas (Geschäftsleitung & Marketing). Verantwortlich bei Studio Geissbühler: Nadine Geissbühler (Creative Direction), Caspar Schmidlin (Illustration), Jonas Kuhn, Mathias Zuppiger (Fotografie).
 

Es genügt nicht, den Kunden zu lieben

Viele Unternehmen nutzen crossmediale Werbung in einer Weise, als ob der Kunde anzufallen sei: Man erschreckt ihn, steckt ihm das Produkt in die Tasche und verschwindet spurlos.

Doch in Zeiten gesättigter Märkte funktioniert das nicht mehr, ist Peter Marti überzeugt, «denn die gängigen Marketing-Instrumente haben sich abgenutzt». Folgerichtig nutzt der CEO von Marti.Seiler Communications in seiner Arbeit die neuesten Online-Technologien und -Strategien und paart sie mit einem geschickten Offline-Auftritt, «um die individualisierte Ansprache des Konsumenten in den Mittelpunkt zu stellen».

Darüber hat Peter Marti nun auch ein neues Sachbuch geschrieben. «Don Pedro und die Maus» schliesst an sein erstes Buch «Eidechsen Marketing» an. Dort ging es um den «Absolute Return». In der Fortsetzung wird die von Marti entwickelte Methode jetzt weiter in die Welt des Online geführt. «Crossmediales Marketing in digitalen Zeiten», heisst es im Untertitel. Der Titel «Don Pedro» geht auf Martis Frau zurück. «Diese hat mir vor zwei Jahren diesen Namen gegeben. Und die Maus ist mein Arbeitsinstrument. Die Apple-Maus natürlich.» Don Pedro und die Maus haben zahlreiche bekannte Werbekampagnen für namhafte Schweizer und internationale Unternehmen geschrieben – Werbekampagnen mit nacktem Po, mit Missen, Goldhasen und Hollywood-Stars wie Penélope Cruz. Die Pos haben Don Pedro den Übernamen «Füdli-Marti» eingebracht. Provokationen dieser Art sind heute nicht mehr Don Pedros Stil. Geblieben ist aber das Ziel von Pedros Werbung: den absoluten Return für die Marke und natürlich für den Auftraggeber. In seiner aktuellen Abhandlung nutzt Marti diesen «Absolute Return» auch wieder als Kontrollinstrument. «Es gilt nicht nur, den Kunden zu lieben, sondern das Ziel jeder Werbung im Auge zu haben: erfolgreich verkaufen!»

Das Buch über 200 Seiten analysiert die Rolle des Internets in der Gegenwart und Zukunft. In diese kann zwar auch Marti «nicht blicken». Aber er wagt es, sich mit einigen Prognosen auf die Äste hinauszulassen. Dabei möchte er aber nicht «den Fehlern der meisten Futurologen verfallen, die die Zukunft aus der Gegenwart linear fortschreiben». In einem «intelligenten crossmedialen Marketing» sieht Marti die angemessene Antwort auf die Veränderungen der letzten zehn Jahre, seit «Eidechsen Marketing» erschienen ist. Einiges davon ist auch überarbeitet ins neue Buch eingeflossen. Die Aufmerksamkeit ist in unserer Überinformationsgesellschaft zu einem wichtigen Gut geworden. Werbetreibende fragen vermehrt danach, was denn aus dem Geld wird, das sie einsetzen. Martis Antworten: Die «Absolute Return»-Methode nutzt modernste Datenbank-Technik, um jeden Kundenkontakt effektiv und kundenfreundlich zu behandeln. Sie setzt crossmediales Marketing in allen zur Verfügung stehenden Medien ein. Die Methode verwendet einen medialen Schwerpunkt, um den sich alle Aktivitäten gruppieren lassen. Und die «Absolute Return»-Methode stellt grundsätzlich und differenziert die Erträge dem Aufwand gegenüber. Nach Kapiteln wie «Crossmediales Marketing in digitalen Zeiten» oder «Die Veränderung der Kundenzufriedenheit» schreibt Marti auch über Facebook, Twitter und Youtube. Die Gefahren und die Chancen im Netz. Oder «Wie mit dem Design der Return der Website gefördert werden kann.» Der Abschnitt «New Diversity» sucht nach neuen Orientierungen, zum Beispiel nach dem «Ende des Fernsehens im Wohnzimmer». Wertvolle Einsichten gibt auch das Kapitel «Von der Massenkommunikation zur Kommunikation auf Verlangen». Angehängt an die vielschichtigen Betrachtungen sind «Geschlagene 75 Tipps von Peter Marti» sowie diverse praktische Arbeitshilfen und Checklisten – vom Briefing über die Präsentation bis zur Wahl der Kanäle und natürlich der Werbeagentur. pan

pedro
 

«Werber bei Werner» in der Galerie «KeineKunst»

Letztes Wochenende stand das kreative Bern im Zeichen der Vernissage in der Galerie «KeineKunst». Gegenstand der Vernissage war der grossformatige Bildband «Werber bei Werner».

Während zwei Tagen stand sich die Werbeszene in der Galerie gegenseitig auf den Füssen. Im Bildband sind die meisten Kreativköpfe aus der Berner Werbeszene drin (77 an der Zahl), alle starken Agenturen sind vertreten. Und zwar höchstkarätig fotografiert, vom Deutschschweizer People- und Werbefotografen Werner Tschan.

«Werber bei Werner»

Des Klinkenputzens überdrüssig, lädt Werner Tschan seine Kundschaft zum Foto-Shooting in sein Studio ein. Die Sache in Tschans eigener Sache spricht sich im Gunstgewerbe rasch rum. Auf die ersten ungefähr 45 Zusagen folgen mehrheitlich freiwillige Anmeldungen. Die letzte Anfrage erhält der Fotograf keine 24 Stunden bevor die Daten für die Druckerei aufbereitet sein wollen. Nichtsdestotrotz wird auch der allerletzte Werber im Studio LTD vor neutralem Hintergrund individuell beleuchtet in den Mittelpunkt gestellt. Der Kunde ist das Konzept, kommentiert Tschan vielsagend seine Liebesmühen.

Aus der Eigenwerbeaktion wird «Werber bei Werner» – das Portrait-Buch, das sich am 8. und 9. September 2012 an der Ausstellung «Keine Kunst» sehen und erstehen lassen konnte. Am Ende sind dem Fotografen 77 Variationen gelungen – trotz mehrheitlich schwarzer Kleidung und vielen dunklen Brillengestellen. Und so wie jeder sein eigenes Bild von sich bei Tschan abgegeben durfte, so erhält auch jedes Portrait seine eigene Doppelseite: Im offenen «Flatbook» ist die erwartete Falzstelle in der Buchmitte praktisch nicht auszumachen. Ohne sichtbare Bindung kommen die Aufnahmen über die ganze Breite zur Geltung.

25 Jahre sind «KeineKunst»

Das freie Kunstforum «KeineKunst» präsentiert seit 2010 quartalsweise, konzentriert auf ein Wochenende, Künstler, «Keinekünstler» und ihre Werke in Werner Tschans Atelier für Fotografie in Bern. Dass der Initiator von« KeineKunst» die Institution missbraucht, um selber Fotografien auszustellen, hat seinen guten Grund: Studio LTD feiert dieses Jahr sein 25Jähriges Bestehen. Ausserdem, betont Tschan, mache er seit jeher keine Kunst, sondern Kommerz.

Das Portrait-Buch erscheint in einer ersten Auflage von 250 nummerierten und signierten Exemplaren und ist bei Werner Tschan zum Preis von 200 Franken erhältlich.
 

Marbet realisiert Programm für Liberty Global

Marbet hat die UPC Cablecom bei der Organisation des Liberty Global Boardmeeting 2012 unterstützt. Anlässlich der diesjährigen Veranstaltung in Zürich, wurde marbet mit der Planung und Umsetzung von mehreren Programmpunkten beauftragt.

Ziel war es, den Teilnehmern interessante und abwechslungsreiche Tage in Zürich zu bieten. Dies schreibt die Agentur in einer Mitteilung. Dabei stellte das Projektteam von Marbet ein Programm aus Kultur, Freizeitaktivitäten und kulinarischen Erlebnissen zusammen.
 

Geschichten, die die Welt erzählen

Mit dem Versprechen, «die etwas in Vergessenheit geratene Königsdisziplin des Journalismus» zu pflegen, ist die Zeitschrift Reportagen letzten Oktober zum ersten Mal erschienen. Die Werbewoche hat sich bei Chefredaktor Daniel Puntas erkundigt, wo das Magazin heute steht.

Es ist ein Magazin, das sich von den übrigen Zeitschriften am Kiosk abgrenzt: Mit dem edlen Leineneinband und dem handlichen Format – kaum grösser als A5 – reiht sich Reportagen zwischen einer Zeitschrift und einem Buch ein. Ein Heft zum Lesen, nicht zum Durchblättern. Schon die grafische Aufmachung macht deutlich: Hier steht der Text im Zentrum. Keine Fotos oder Bildstrecken machen den Worten Konkurrenz. Nur ab und zu sind die Reportagen mit Illustrationen und aufwändigen Infografiken ergänzt. Gespielt wird dafür mit den Textblöcken. Die Abschnitte sind abwechslungsweise links und rechts eingezogen, hie und da findet sich am unteren Blattrand ein Zitat. Farblich wird mit Ausnahme der wenigen Anzeigen, die zu Beginn und am Ende des Hefts gebündelt erscheinen, auf Zweifarbigkeit gesetzt. Die auf dem Cover dominierende Farbe wird auf den Innenseiten wie der aufgenommen und verleiht dem Heft Struktur, indem die Reportagen mit einer unifarbenen Titelseite optisch voneinander getrennt werden.

Inhaltlich bietet Reportagen auf über 100 Seiten sechs aktuelle sowie eine historische Reportage – Ernest Hemingway und George Orwell lassen grüssen. «Eine Welt geht unter», «Scharia Hotline», «Banker unter Tage» oder «Traumschiff für alle» lauten die Titel, die dem Leser die Welt erfahrbar machen sollen. «Wir wollen Sie entführen auf diesen Berg über dem Nebel», schreibt Chefredaktor Daniel Puntas im Edito der Erstausgabe. Namhafte Autoren berichten über ihre Erlebnisse, Eindrücke und fernen Abenteuer – bekannte Reportageschreiber wie Margrit Sprecher und Erwin Koch, aber auch prominente Schriftsteller wie Alex Capus oder Susanna Schwager. Die Geschichten sollen überraschen, fesseln und berühren, so Puntas‘ Anspruch.

Die Texte sind in der Regel zwischen 10 und 16 Seiten lang. Einzig im Abschluss werden kurze Häppchen serviert. Etwas Poesie, eine Kolumne sowie die Rubrik «Das Duell», in der die Berichte zweier Reporter, die beide denselben Auftrag erhielten, gegenübergestellt werden. Hier wird die Subjektivität der Berichterstattung offensichtlich. Es wird fassbar, wie unterschiedlich zwei Autoren mit ein und demselben Thema umgehen. Zum Beispiel, was zwei Journalisten mit der Zürcher Derivate-Messe und der Frage, ob Banker aus der Finanzkrise lernen, anzufangen wissen.

Reportagen erscheint alle zwei Monate in einer Auflage von 20 000 Exemplaren in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Das Heft ist im Abonnement sowie am Kiosk erhältlich. Auf Reportagen. com sind die Texte zudem einzeln oder als Hörbücher verfügbar.

Isabel Imper

WW: Reportagen widerspricht dem Zeitgeist: lange Texte, keine Fotos, keine iPad-Ausgabe… Wie konnten Sie die Investoren von Ihrem Projekt überzeugen?
Daniel Puntas: Die Investoren waren gerade deshalb überzeugt, weil Reportagen nicht dem Zeitgeist entspricht und nicht dasselbe bietet wie alle anderen. Das Credo vieler Verlage, man müsse schnell und kurz informieren, mag für die Mehrheit stimmen. Trotzdem gibt es genügend Leser, die gerne in eine längere Geschichte eintauchen und bereit sind, diese Qualität zu honorieren. Auch das Haptische wird, so glaube ich, nicht nur von der Generation 40 plus, sondern ebenso von den Jungen geschätzt.
 
Wieso verzichtet Reportagen auf Fotografie?
Aus zwei Gründen: Erstens würde die Fotografie den Kostenrahmen sprengen. Der zweite und vielleicht wichtigere Grund: Die meisten Medien, die in dieselbe Richtung gehen wie wir, setzen auf eine grosse Bildsprache mit langen Bildstrecken. Täten wir dasselbe, wären wir austauschbar. Wir wollen uns von einem Geo oder einem National Geographic unterscheiden. Das sind Produkte, die Reportagen mit einem viel grösseren Budget betreiben.

Was macht Ihrer Ansicht nach eine gute Reportage aus?
Eine gute Reportage entsteht, wenn sich ein Autor in ein Thema rein kniet und eine Geschichte unbedingt erzählen will. Wenn er von einem Menschen, einem Thema so begeistert ist, dass er sich einen Monat nur noch damit beschäftigt.

Dann springt der Funken automatisch auf den Leser über?
Wenn der Autor wirklich dieses Engagement in den Text legt, dann ja. Natürlich vorausgesetzt, er beherrscht das Handwerk und kann überdurchschnittlich gut schreiben.

Was aber ist das Spezielle an einer Reportage?
Die Reportage entführt den Leser in eine Welt. Ein 10-minütiger TV-Bericht über eine bolivianische Verkäuferin am Titicaca-See kann mir durchaus vermitteln, wie ihr Alltag aussieht. Aber dann kommt etwas Neues, und ich habe die Bolivianerin wieder vergessen. Wenn ich dagegen eine halbe Stunde über ihre Ängste, ihre Sorgen, über ihre Gefühle und ihren Alltag lese, bleibt dies eher in Erinnerung. Eine gute Reportage vergisst man nicht. Weil sie es schafft, dass der Leser empathisch eintaucht und am Leben eines anderen teilnimmt. Etwas, das ansonsten nur Romane schaffen.

Wer ist Ihr Zielpublikum?
Unsere Leser sind in erster Linie «Leser». Leute, die gerne und viel lesen. Wer exakt zu unserer Zielgruppe gehört, kristallisiert sich allerdings erst heraus.

Was wissen Sie bereits?
Der typische Leser ist über 25 oder 30 Jahre alt. Und tendenziell eher männlich. Wir haben ein Verhältnis von etwa 65 Prozent Lesern zu 35 Prozent Leserinnen. Etwas, das wir so nicht erwartet haben. Das Storytelling steht bei uns im Vordergrund, wir lassen Schriftsteller erzählen. Deshalb hätte ich geschätzt, dass Leserinnen in der Überzahl sind. In der Romanabteilung der Buchhandlung sind schliesslich über 80 Prozent der Kunden Frauen.

Wie erklären Sie sich das mangelnde Interesse der Frauen?
Wir werden am Kiosk als journalistisches Produkt wahrgenommen. Unser Cover erzählt zwar: Es geht um Geschichten. Aber: Reporter erklären die Welt. Es geht um Afghanistan, um Finanzkrise, um Rohstoffe. Das spricht vermutlich eher Männer an. Das Non-fictional Storytelling müssen wir noch stärker in den Vordergrund stellen. Zeigen, dass Geschichten erzählt werden.

Sind Sie daran, diesen Fakt bei den Leserinnen bekannt zu machen?
Ja. Wir organisieren vermehrt Lesungen mit Autoren in Buchhandlungen. Dort sind in der Regel mehr Besucherinnen als Besucher anwesend. Zudem werden wir das Storytelling noch stärker über das Cover kommunizieren. Und wir schalten Werbung an zielgerichteten Orten, zum Beispiel in Frauenzeitschriften.

Anzeigen machen bei Reportagen nur einen kleinen Teil aus. Wie viele Leser brauchen Sie, um schwarze Zahlen zu schreiben?
Schwer zu sagen: Die Zahl schwankt, je nachdem, ob wir mehr Magazine am Kiosk und im Buchhandel oder im Abo verkaufen. Wenn jemand Reportagen am Kiosk kauft, erhalten wir von den 20 Franken nur rund die Hälfte. Deshalb wollen wir natürlich vor allem Abonnenten gewinnen.

Wie viele Abonnenten müssten es grosso modo sein?
Aktuell gehen wir von etwa 6000 Abonnenten aus. Das dürfte der Punkt sein, an dem wir die Kosten decken können.

Momentan sind es wie viele?
Knapp 2000.

Wie lange haben Sie Zeit, um Ihr Ziel zu erreichen?
Das wird sich zeigen. Ich gehe davon aus, dass wir die nächsten drei bis vier Jahre kämpfen müssen und vielleicht gezwungen sein werden, auf der Kapitalseite nachzubessern, falls das Startkapital nicht genügt.

Wie lange reicht dieses?
Beim Start letzten Oktober gingen wir davon aus, dass wir mit dem Kapital sicherlich zwei Jahre arbeiten können. Das wird ungefähr so sein. Alles Weitere steht in den Sternen…

Wie wichtig sind Deutschland und Österreich als Märkte?
Im Moment ist ihre Bedeutung noch marginal. Die Schweiz macht rund 75 bis 80 Prozent aus. Sobald wir in der Schweiz eine stabile Basis haben, werden wir Anstrengungen unternehmen, in Deutschland unter die Leute zu kommen. Es wäre schlecht, auf einem so grossen Markt nicht präsent zu sein.

Weshalb ist der Anteil noch so klein?
Ich denke, die Preissensibilität ist in Deutschland eine ganz andere: 20 Franken für eine Ausgabe ist in der Schweiz akzeptiert. 15 Euro ist dagegen für viele Deutsche zu viel. Unsere deutschen Abonnenten sind echte Liebhaber.

Im Heft gibt es jeweils sechs aktuelle und eine historische Reportage. Weshalb eine historische?
Dafür gibt es viele gute Gründe. Erstens sind es qualitativ hochstehende Texte, die nach wie vor gerne gelesen werden. Zweitens stammen die Reportagen von berühmten Schriftstellern. Das soll zeigen: Auch Top-Autoren schreiben Reportagen. Drittens wollen wir mit der historischen Reportage signalisieren, dass unser Magazin in einer Tradition steht. Zeigen, dass es Reportagen schon immer gegeben hat.

Inwiefern haben sich Reportagen verändert?
Früher hat niemand bewusst eine Reportage geschrieben. Es waren Reisejournalisten. Oder noch früher: Eroberer, Wissenschaftler oder Entdecker, die Buch geführt haben. Christoph Kolumbus‘ Tagebuch zum Beispiel ist eine hervorragende Reportage! Die Texte erfüllen sämtliche Kriterien: hingehen, zuschauen, beschreiben und die Beobachtungen mit den eigenen Gedanken verknüpfen. Die journalistische Gattung «Reportage» ist dagegen erst im 20. Jahrhundert entstanden.

Noch zur Online-Strategie: Die Texte sind auf der Website verfügbar. Wird dieses Angebot genutzt?
Nein, praktisch nicht.

Die Reportagen gibt es sogar als Hörbücher. Wie ist es bei diesen?
Auch diese werden kaum genutzt. Obwohl das Angebot für Abonnenten im Preis eingeschlossen ist. Wir hatten das Gefühl – da heute alle «angestöpselt» und permanent online sind –, es sei eine gute Idee, die Texte als Hörbücher zu produzieren. So könnte man die 20- oder 30-minütigen Texte zum Beispiel während einer Zugfahrt hören. Ohne Erfolg. Entweder machen wir es zu wenig gut, oder die Nachfrage ist schlichtweg nicht da.

Wie geht es online weiter?
Unsere Website wird momentan zu 90 Prozent dazu verwendet, ein Abo zu bestellen. Wir haben das Online-Fenster jedoch bewusst etabliert, um uns neue Möglichkeiten offen zu halten. Ich schliesse nicht aus, dass wir irgendwann eine App haben werden. Oder vielleicht wird es in zwei, drei Jahren eine iPad-Version geben, die viel stärker gefragt ist als das physische Produkt. Keine Ahnung.

Und in naher Zukunft: Was ist für die nächsten zwei, drei Ausgaben geplant?
Die nächsten drei Nummern werden ungefähr gleich aussehen. Beim Layout gibt es nach wie vor feine Anpassungen. Konzeptionell bleibt’s aber vorerst gleich. Ob wir im nächsten Jahr einige Gefässe streichen werden, oder ob wir zum Beispiel die Anzahl Reportagen von sechs langen Texten auf acht kürzere erhöhen oder umgekehrt, entscheiden wir auf Grund der Erfahrungen des laufenden Jahres.

Sie haben für die NZZ, fürs Geo oder Cicero selber Reportagen verfasst. Kommen Sie als Chefredaktor noch dazu?
Nein. Ich wüsste nicht, wann. Es ist jedoch mein Wunsch, dass wir irgendwann genügend Leser haben und das Unternehmen so funktioniert, dass ich es mir wieder erlauben kann. Sie können davon ausgehen: Wenn ich selber wieder schreibe, läuft es bei Reportagen so, wie wir es uns vorstellen.

Interview: Isabel Imper 

reportagen-01
reportagen-02
 

Mobile verspricht mehr Wachstum als der Computer in seiner revolutionären Startphase

Ein neuer Verband ist erfolgreich gestartet. SMAMA, «the swiss mobile association», vertritt Unternehmen, die sich in der Schweiz mit Mobile-Business befassen. Der erste Jahresevent an der ETH Zürich war hochkarätig besucht.

Im noch jungen Mobile-Verband SMAMA, «the swiss mobile association», sind nach einem halben Jahr bereits die Firmen Coop, Migros, Ringier, Tamedia, NZZ, SBB, Swiss Post und die Publigroupe-Tochter Publicitas vertreten. Publigroupe- Verwaltungsrat Andreas Schönenberger amtet als Verbandspräsident. Fritz Reust ist als Geschäftsführer tätig.

Der Verband SMAMA will Informationsvermittler im Mobile-Business und Vertreter seiner Mitglieder gegenüber Behörden und anderen Organisationen sein. «Der Mobile- Markt soll durch ein effizientes Gattungsmarketing professionalisiert werden», finden die Initianten. So hat der Verband zur Stärkung des Kanals bereits verschiedene Arbeitsgruppen zu Mobile-Marketing und Mobile-Werbung ins Leben gerufen. Kontakt aufgenommen hat die Geschäftsleitung von SMAMA auch schon mit Vertretern des BSW. Bei den «leading swiss agencies» will man aber vorderhand von einem Beitritt noch nichts wissen. «Eine abwartende Haltung, die uns ein bisschen erstaunt. Uns geht es ja nicht um den Mitgliederbeitrag, sondern um einen Erfahrungsaustausch», wundert sich Fritz Reust.

Entsprechend wenig Werber oder gar Top-Kreative waren am 4. September beim ersten Jahresevent von SMAMA im Hörsaal HG F5 der ETH Zürich im Publikum zu finden. Dafür haben sich unter den über 176 Interessierten zahlreiche andere Grössen des aktuell am stärksten wachsenden Segments der neuen Medien über die zukünftigen Entwicklungen informieren lassen. Auffallend: Nur etwa 10 Prozent waren Frauen. Dafür zeigte sich die Durchmischung der Referenten durchaus gleichberechtigt.

Ebenso noch nicht dabei im Verband SMAMA sind die Telecom-Unternehmen. Tatsache ist aber, dass gemäss wissenschaftlicher Schätzung der Daten-Traffic in einer nächsten Zukunft um jährlich 26 Prozent wachsen wird.

Beeindruckende Zahlen

Wie in der Begrüssung von Fritz Reust zu hören war, sind aktuell in der Schweiz 2,2 Millionen Personen täglich online. Geschätzte 800 000 bis 1 Million iPad sind im Einsatz. Dazu kommen nach neuesten Berechnungen des BAKOM über 8 Millionen Mobiltelefone. 74 Prozent besitzen ein Internetfähiges Handy. Der Marktanteil von Smartphones und iPhones beträgt dabei je 50 Prozent. Die iPhone-User haben im Durchschnitt je 60 Apps auf ihre Geräte geladen. Mit ihrer Nutzung verbringen sie 48 Minuten pro Tag. Interessant auch: 63,1 Prozent aller Facebook-Aufrufe erfolgen über Mobile. Bei Google stellt man fest, dass 30 Prozent aller Suchanfragen über das Mobile erfolgen. Fragen kann man sich, wieso gemäss Statistik Nutzer von Apple-Geräten die neuen Möglichkeiten zeitlich mehr nutzen als Androide. Die Smart-Phone- Entwicklung wächst zehnmal schneller als damals die Menge der Computer in den ersten Jahren der PC-Revolution. Der PC könnte damit bald einmal zur Nebensache verkommen. «Wir leben in einer Smart-Phone-Ära.»

Diese und noch viel mehr Details und neueste Erkenntnisse sind auf der Verbandsplattform www.smama.ch zu finden. Zweimal pro Woche wird diese Website aktualisiert. Zu erwarten sind pro Monat mindestens 40 neue Fachartikel. Viele dieser Infos sind frei zugänglich. Andere Recherchen, Studien und News aus aller Welt sind nur für die Mitglieder von SMAMA zu öffnen. Diese haben auch Zutritt zu vier weiteren Fachtagungen pro Jahr. Mitglied werden können «interessierte Kreise ohne kommerzielle Interessen» ab 300 Franken. Studenten bezahlen 100, Firmen von 1000 bis 3000. Eine bewusst futuristische Strategie von SMAMA: Start-ups werden «gratis» in den Verband aufgenommen.

Förderung für Start-ups

Was man bei der Gründung eines Start-ups noch weiter wissen sollte, erklärte in seinem Referat Christian Wenger. Der Rechtsanwalt und Partner von Wenger & Vieli ist spezialisiert auf IT-Unternehmen. Er konnte aufzeigen, dass die fünf grössten IT-Unternehmen der Welt heute zusammen mehr Umsatz als die gesamte Wirtschaft mit allen grossen Industrien in Deutschland erwirtschaften. Und alle diese Firmen wie Twitter, Google, Facebook wurden später als 1970 gegründet. Wenger bedauerte, dass in der Schweiz Start-ups zu wenig gefördert werden. Die spannenden Leute wandern nach Berlin ab, wo man auf bestem Weg ist, «das Silicon Valley Nummer 2» zu werden.

Als weitere Referentin informierte Juliana Sutanto, wie sie als Dozentin an der ETH Zürich aktuell eine Forschungsarbeit über das von allen heiss erwartete «Mobile Payment» betreibt. Für diese Studie, die in Zusammenarbeit mit italienischen Wissenschaftern entsteht, arbeitet Sutanto mit 40 Shops in Varese zusammen sowie der Bank BNP Parisbas.

Fehlende Harmonisierung

Mit einem Bogen zur Werbung wurde in den Diskussionsrunden offenbar, dass es bei den aktuell eingesetzten Werbe mitteln im Mobile-Bereich keine Harmonisierung bei den Formaten gibt. Selbst für verschiedene Titel im Verlag von Tamedia müssen verschiedene Formate eingereicht werden. Ein Erschweren der Arbeit, die bei einer konstruktiven Kooperation eigentlich nicht mehr nötig wäre. Und genau an solchen Punkten will SMAMA mit seiner Vermittlung zum Spielen kommen. «Wir wollen alle Leute zusammenbringen, die sich in diesem Raum bewegen.» Als ein weiteres Ziel will der Verband «die Entwicklung auch kritisch hinterfragen», wurde am Jahresevent definiert.

Die Akzeptanz von Mobile-Marketing-Apps
Katarina Stanoevska von der Universität St. Gallen informierte über den Stand der Dinge einer Studie über Branded Apps. Wie werden solche Applikationen von Firmen wie H&M, Red Bull, BMW oder Nike bei der Zielgruppe akzeptiert? «Solche Kanäle werden immer wichtiger. Die Werbung hat das aber noch nicht begriffen», wagte Stanoevska zu behaupten. Aus dem Bereich Zahlen konnte sie aufzeigen, dass bis heute weltweit 30 Milliarden Apps heruntergeladen worden sind. Eine halbe Million solcher Gadgets findet man im Google-Store. 150 000 zusätzliche kann man über Apple erwerben. Am meisten gesucht sind im Moment noch Games. Dann folgen Entertainment, Travel, Books und Lifestyle. Erstaunlich: In der Schweiz werden mehr Apps genutzt als in Deutschland und Österreich. Im Durchschnitt haben Herr und Frau Schweizer gemäss Stanoevska 34 Apps geladen. Davon sind 18 bezahlt. Die Wahrnehmung der Werbung auf einer App lässt sich rudimentär daran messen, wie viele dieser Applikationen im späteren Verlauf upgedated werden.

«Make IT sexy»

Mit konkreten Zahlen und Projekten konnte am Jahresevent Christian Wanner aufwarten. Der Mitgründer und CEO des grössten Schweizer Online-Supermarkts präsentierte als Vorpremiere die LeShop-iPad-App. Sie ist offiziell erst seit dem 6. September im Apple iTunes Store erhältlich und liegt heute an der Spitze der Hitliste der iPad-Apps. Eine durch LeShop.ch durchgeführte Kundenumfrage vom Mai 2012 zeigte: 36 Prozent der LeShop.ch-Kunden besitzen bereits ein iPad – und von den restlichen 64 Prozent gibt jeder dritte an, sich bis Ende 2012 ein iPad kaufen zu wollen. Le- Shop.ch investierte deshalb in die Entwicklung eines neuen iPad-Supermarktes. Heute erfolgt bereits fast jede fünfte Bestellung via Smartphone oder Tablet.

Christian Wanner zeigte auf, wieso die soeben entwickelte App für das iPad nicht einfach eine «aufgeblasene» Version der bereits erfolgreich eingesetzten App für das iPhone sein kann. Das Briefing von LeShop.ch an den Entwickler machte zur Bedingung, dass die grafische Aufmachung für einen Bildschirm von 3,5 Inches ideal sein soll. 62 verschiedene Items sollen im Warenkorb Platz finden können. Ausgewählt werden diese aus über 10 000 Produkten. Ein solcher «Wochen- Grosseinkauf» dauert im Durchschnitt nicht länger als 12 Minuten.

Schneller als das Netz

Weil ein Hochladen der Bilder für 62 verschiedene Produkte über das Netz bei einem Einkauf viel zu lange dauern würde, wird mit den Apps für das iPhone und das iPad ein Katalog mit dem ganzen Sortiment von LeShop.ch einmalig heruntergeladen und fix auf der Festplatte des Geräts installiert. Bei jedem Aufstarten der App werden später eventuelle Preisänderungen automatisch synchronisiert – was aber nur Sekundenbruchteile dauert. Anschliessend kann der Kunde seine Waren offline anklicken, anschauen und auswählen. Erst beim Absenden der Bestellung geht man wieder online. Bei der neuen App hat LeShop vor allem auf eine grafisch sehr leicht lesbare Darstellung viel Wert gelegt.

Ein zusätzlicher Vorteil der neuen App für das iPad ist, dass der Warenkorb über längere Zeit offen gehalten werden kann. «Multichannel» heisst das Konzept mit dem beweglichen Einkaufskorb. Konkret: Beim Zähneputzen am Morgen kann ich im Bad über das iPhone eine neue Tube Zahnpasta bestellen. Über das iPad erfolgt anschliessend in der Küche die Bestellung von neuen Kaffee-Kapseln – weil man hier feststellt, dass diese demnächst ausgehen werden. Später im Büro bestelle ich über den PC auf dem Pult ein paar weitere Artikel – die auf der Heimfahrt im Zug über das iPhone oder iPad noch einmal ergänzt werden, bis die Bestellung schliesslich zuhause mit weiteren Ergänzungen der restlichen Familienmitglieder abgeschickt wird.

Unaufhaltsamer Boom

LeShop.ch verkaufte im ersten Semester 2012 Waren im Wert von 77 Millionen Franken und liefert täglich 200 Tonnen an seine Kunden. Wachstumspotenzial ortet der grösste Schweizer Online-Supermarkt vor allem in neuen Kanälen. Wurden Anfang Jahr bereits 12 Prozent der Bestellungen über mobile Endgeräte getätigt, so erfolgten in den letzten beiden Monaten 19 Prozent oder 15 000 von insgesamt über 90 000 Bestellungen via mobile Endgeräte. Bald jeder fünfte Einkauf kommt aus dem mobilen Internet. Christian Wanner freut sich: «Dass sich der mobile Anteil derart rasch entwickelt, übertrifft unsere Erwartungen. Der Anteil vom Umsatz über mobile Applikationen ist von 12 Prozent im ersten Quartal 2012 auf 19 Prozent im zweiten Quartal angewachsen. Wir sind überzeugt, dass sich dieser Trend noch verstärken wird.»

LeShop.ch-Kunden kaufen online bei LeShop.ch und lassen sich die Einkäufe bequem bis vor die Haustür liefern. Die Lieferung erfolgt am nächsten Tag per Express-Post. Der Trend der mobilen Webnutzung unterstützt diese Entwicklung: Bei LeShop-Home stehen den Kunden 10 000 Produkte, davon mehr als die Hälfte sind M-Produkte zu M-Preisen zur Auswahl. Der Mindest-Einkauf beträgt 99 Franken. Dazu kommen je nach Einkaufswert 7,90 bis 15,90 für die Lieferung. Geliefert wird am Folgetag nach der Bestellung zwischen 17 und 20 Uhr sowie am Samstagmorgen. LeShop funktioniert neu auch mit einem LeShop.ch- Drive-in Studen im Berner Seeland. LeShop.ch ist der Schweizer Marktführer im Internet- Detailhandel. LeShop SA wurde 1997 als Pionierfirma von Privatunternehmern gegründet. Seit 1. Januar 2006 besitzt der Migros-Genossenschafts-Bund die Mehrheit des Aktienkapitals von LeShop SA.

Andreas Panzeri

mobile-01
mobile-02
mobile-03
mobile-04
 

Werbung im Wald

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über mehr oder weniger nachhaltiges Branding.

Während «Öko» inzwischen eine zweifelhafte Karriere vom It- zum Shit-Wort hingelegt hat, ist heute alles «Bio», was nicht schnell genug laufen kann. Allem voran natürlich Obst und Gemüse, aber auch Fleisch, Gas, Wandfarbe, WC-Papier, Brot und sogar Kleidung. Der Hersteller verspricht: Bio-Klamotten zersetzen sich von selbst, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Zum Glück. Stellen Sie sich vor, sie würden sich zersetzen, wenn sie noch gebraucht würden. Ich kann mir da sehr unangenehme Situationen vorstellen. Vor allem wenn ich daran denke, wer typischerweise solche Bio-Kleidung trägt. Aber darum geht es hier heute nicht.

Heiteres Markenraten

Findige Marketer haben sogar Bio-Diesel geschaffen, obwohl es kaum etwas Absurderes geben kann als Schweröl und Bio Hand in Hand. Frei nach dem Motto: Die Wahrheit ist, woran Konsumenten zu glauben bereit sind. Allerdings sind unsere Zeiten offenbar nicht so bio, wie das «biologisierte» Warenangebot den Anschein erweckt. Denn wer über die Strassen und durch den Wald schlendert, wähnt sich mitten auf dem Müllhaufen der Wegwerfgesellschaft: Papierchen, Schachteln und Flaschen aller Orten. Das Gemülle ist nicht schön, hat aber doch etwas Gutes: Auf langen Waldspaziergängen mit unserem Söhnchen kann ich nämlich «Papierchen erkennen» spielen, sobald mein Gesprächspartner eingeschlafen ist. Sehr unterhaltsam! Dort im Gesträuch, die verblichene gelbe Packung mit dem gerade noch erkennbaren «-ne» auf der Rückseite: ganz klar ein Parisienne- Päckchen. Das sieht selbst die passionierte Nichtraucherin. Etwas weiter eine PET-Flasche mit geprägten Längsstreifen, schlanker Taille und rotem Deckel. Das Etikett hat sich zwar längst aufgelöst (vermutlich im sauren Regen), dennoch: Dieses Wegwerfsel ist ganz eindeutig eine Colaflasche. Und vorne, unter dem Baumstamm, ein längliches, weiss-schwarzrotes Papier. Was mag das wohl gewesen sein? Au, wie fein, ein Kinder-Riegelein.

Auf der bemoosten Mauer ein Stück weiter steht mein nächstes Rätsel: ein leerer Becher, durchsichtig, mit einer Plastikkuppel wie ein Bullauge und einer grünen Figur mit Doppel-Fischschwanz auf dem Bauch. Na, wissen Sie, wer diese Wegwerfware produziert hat? Genau, Starbucks. Und was ist das? Wieder eine PET-Flasche, aber ohne Gesicht und ohne Namen. Dumm gelaufen. Besser ergeht es der grün-weissen Büchse direkt daneben. Sie ist zwar zerdrückt und schon ein wenig angerostet, aber sie ist und bleibt eine Heineken-Dose. Und das schon von Weitem.

Schliesslich erinnert mich eine rote Plastiktüte mit schlichter weisser Aufschrift, die (immerhin korrekt entsorgt) aus dem Abfallkübel hängt, daran, dass ich meine Garderobe mal wieder aufstocken müsste. Am besten bei Esprit. 

Markenführung posthum

Meine kleine Müll-Lese verleitet mich zu folgender, zugegeben etwas gewagter These: Ein Brand ist erst dann erfolgreich, wenn Produkte auch nach Jahrzehnten unter Brennnesseln von Passanten noch als zu genau der und zu keiner anderen Marke zugehörig erkannt werden. Erst wer posthum noch wirbt, ist der wahre Meister beim im Gedächtnisbleiben.

Vielleicht könnte man mal eine kleine Testreihe im Wald starten, um meine These zu prüfen. Natürlich langfristig angelegt und ganz nachhaltig. Das wäre zwar nicht wirklich bio. Und öko schon gar nicht. Aber spannend. 

get_footer();