Blüten und Perlen: Werbung auf «Schwiizerdüütsch»

Sarah Pally, Linguistin und Partnerin bei der Agentur Partner & Partner, nimmt in ihrer Kolumne «Blüten und Perlen» die (Werbe-)Sprache unter die Lupe. Dieses Mal dreht sich alles um Schweizerdeutsch in der Werbung.

Kürzlich in einem Spot aufgeschnappt: «Und? G’hört sichs guet aa?» Ja, lesen Sie es ruhig nochmals. Und ja, irgendwas stimmt hier natürlich nicht.

Das Phänomen ist nicht neu, aber genau das ist erstaunlich: Warum wird immer noch Werbung auf Schweizerdeutsch gemacht, aber nicht richtig? Also jemand macht sich zwar die Mühe und nimmt das Geld in die Hand, eine schweizerdeutsche Version zu produzieren, um sich aber dann doch nicht die Mühe zu geben, es richtig zu machen?

Mixed Signals

Oft sind es teuer produzierte Spots mit internationalem Charakter, bei denen die Schauspielenden eine Kauderwelsch-Lippenbewegung dazu machen, weil der Ton ja sowieso in allen erdenklichen Sprachvarianten drübergelegt wird. Das Skript liegt dann auf Deutsch vor – d also Hochdeutsch – und für den «Markt Schweiz» wurde geraten, eine Mundart-Version zu machen, weil dann die Botschaft authentisch und mit grösster Wahrscheinlichkeit direkt am Hirn vorbei ins Herz der Schweizerinnen und Schweizer trifft.

Was aber offenbar nicht als nötig empfunden wird, ist eine saubere Übersetzung ins Schweizerdeutsche, weil es ist ja schon Deutsch. Duh. Heraus kommt ein befremdlicher, wirklich nicht authentischer (ok, das liegt nicht nur am holprigen nicht-Schweizerdeutsch), liebloser Annäherungsversuch.

Falls das von den Produzierenden bisher niemand gewusst oder gemerkt hat: Jetzt wisst ihr es. Das Internet macht sich darüber übrigens schon seit Jahren lustig, das auch so als Info. Darum: So weiter zu machen wirkt dann halt einfach nicht so richtig kundennah. Oder ist das eben doch sekundär – aber warum dann überhaupt auf Schweizerdeutsch antreten? Mixed Signals.

Sämtliche Zehennägel

Eine AI wird das beim Einsprechen nicht stören – im Gegenteil: Sie wird sogar noch mit falschen Schweizerdeutsch-Daten trainiert. Ausserdem hat eine AI keine Zehennägel, denn diese würden sich einem lebenden Menschen doch aufrollen müssen, wenn er gezwungen wird, das so einzusprechen? «Soll ich das wirklich SO sagen?», wird die Person mit Schweissperlen auf der Stirn und zitternder Stimme fragen und kennt die Antwort wohl schon: «Bitte halten Sie sich genau ans Skript, das wurde von Übersee abgenommen.» So oder so ähnlich muss das wohl laufen. Und überhaupt, auf die Befindlichkeiten von ein paar Schweizerinnen und Schweizern einzugehen ist unverhältnismässig, schliesslich wollen wir ja direkt am Hirn vorbei und in deren Herz.

Befremdlich oder vertraut?

Das Votum richtet sich aber ganz und gar nicht gegen Schweizerdeutsch in der Werbung, sondern gegen Lieblosigkeit. Viele, die das wahrscheinlich besser machen würden, scheuen sich allerdings vor dem Einsatz von Schweizerdeutsch (nicht zu verwechseln mit Helvetismen). Da ist zunächst die Frage, welches Schweizerdeutsch zum Einsatz kommen soll. Klischees, Assoziationen und Erwartungen spielen eine Rolle, aber auch die Verständlichkeit – oder soll es ein sogenannt neutraler Dialekt sein, bei dem die Botschaft möglichst unbefleckt bleibt? Bei schriftlichen Umsetzungen kommt hinzu, dass Mundart oft schlecht erkannt oder nicht flüssig gelesen werden kann – und somit eher befremdlich als vertraut wirkt. Das Gegenteil also von dem, was damit ja erreicht werden möchte. Darum sieht man es schriftlich oft nur als Effekt und in Kürzestanwendungen. Dieser Effekt kann trotzdem richtig gut sein! Go for it – äh, probiärs emaal!

Schweizerdeutsch als Pflicht

Pflicht ist Schweizerdeutsch im Ton, wenn «normale Meschen» sprechen und es nunmal ihre Muttersprache ist – also in Interviews, Umfragen oder Testimonial-Situationen – sonst müssen sich die Personen verstellen und wirken so nicht mehr richtig gut. Sehr überzeugend genutzt wurde das zum Beispiel von einem deutschen Discounter in einem Werbespot mit Schweizer Bäuerinnen und Bauern. Dass der Discounter deutsch ist? Spielt überhaupt keine Rolle.

Es gibt also wie so oft Gründe drfüür und drwidder – einfach immer mit Liebe.


Seit 2025 analysiert Sarah Pally in ihrer Kolumne «Blüten und Perlen» branchenverwandte Begriffe und kommentiert sie mit persönlicher Note, aus einer linguistischen Perspektive – sowie auch mit präzisem Blick auf die Entwicklungen der Branche. Pally ist Teilhaberin der Agentur Partner & Partner in Winterthur. Sie ist seit 15 Jahren mit den Themen Contentmarketing, Text/Konzept und Storytelling im Kommunikations- und Marketingbereich unterwegs.

Mediatonic erneut an der Spitze des Recma-Rankings

Im aktuellen «Recma Media agency profile classification Quali-pack Switzerland» belegt die Genfer Agentur Mediatonic zum vierten Mal in Folge den ersten Platz.

Das Management von Mediatonic (v.l.n.r.): Claudia Schroeter, Co-owner & Head of TV, Marco Rose, Co-owner & Head of Strategy, Christian-Kumar Meier, Head of Transformation, Chris Fluckiger, Founder & CEO, Joey Allegro, Financial Officer, Julie Rossi, Co-owner & Head of HR und Administration, Matthieu Robert, Co-owner & Head of Digital. (Bild: zVg.)

Die Research Company Evaluating the Media Agency Industry Recma wurde 1991 gegründet und hat sich auf die Bewertung und Analyse von Medienagenturen in rund 60 Ländern spezialisiert.

Das internationale Ranking berücksichtigt neben Umsatz und Grösse der Mediaagenturen vor allem Faktoren wie langjährige Kundenbeziehungen, den Spezialist:innenanteil in datengetriebenen Medienstrategien und die Positionierung im Markt.

Chris Fluckiger, CEO und Gründer von Mediatonic, sieht in der erneuten Spitzenplatzierung eine Bestätigung für die Strategie der Agentur: «Unsere Spitzenposition im Recma-Ranking zeigt, dass nachhaltiger Erfolg nicht nur von technologischen Fähigkeiten abhängt. Es ist die Kombination aus digitaler Kompetenz, menschlicher Expertise und langfristigen Partnerschaften, die den Unterschied macht.»

Die Schweizer Medienlandschaft befindet sich im Umbruch, und digitale Strategien gewinnen an Bedeutung. Mediatonic setzt dabei auf eine Verbindung aus datengetriebener Analyse und individueller Beratung. Die Agentur will mit diesem Ansatz weiterhin Stabilität und Innovation verbinden, um Kund:innen optimal durch die sich verändernde Medienwelt zu navigieren.

Jérôme Rueff wird Chief Client Officer bei Valencia

Die Basler Agentur Valencia Kommunikation holt Jérôme Rueff als Chief Client Officer (CCO) an Bord und somit in die Geschäftsleitung. Der 46-Jährige war zuerst bei Feldschlösschen tätig.

(Bild: zVg.)

Jérôme Rueff war zuletzt als Brand Portfolio Director bei Feldschlösschen Getränke / Carlsberg Breweries tätig. In dieser Funktion verantwortete er die strategische Entwicklung und Marktführung der Marken Feldschlösschen und Cardinal und leitete ein Team von Marketingexpert:innen. Darüber hinaus verfügt Rueff über Know-how im Schweizer Detailhandel und ein tiefes Verständnis für die spezifischen Marktmechanismen und Vertriebskanäle.

Seine Karriere begann Rueff nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel sowie einem Master in International Marketing & Strategic Management an der Uppsala University in Schweden. Er sammelte in über 20 Jahren umfangreiche Erfahrung in der FMCG- und Getränkeindustrie, unter anderem in verschiedenen nationalen und internationalen Funktionen bei Carlsberg Group.

Als Chief Client Officer verstärkt Jérôme Rueff die Geschäftsleitung von Valencia rund um Michael Gerber (CEO), Tommy Schilling (Chief Creative Officer) und Christian Frey (Chief Operating Officer). Gemeinsam werden sie die strategische und operative Entwicklung der Agentur weiter vorantreiben und dabei insbesondere auf Rueffs «umfassende Erfahrung in Markenstrategie, Innovation und kommerzieller Entwicklung» setzen können, wie es heisst. Sein Fokus wird darauf liegen, die Positionierung von Valencia als kundenzentrierteste Agentur der Schweiz weiter zu stärken und sicherzustellen, dass die Bedürfnisse der Kund:innen stets im Mittelpunkt stehen.

NZZ ernennt Christian Arnold zum Finanzchef

Christian Arnold übernimmt per August 2025 die Position des Chief Financial Officer (CFO) der NZZ. Er folgt auf Jörg Schnyder, der nach 16 Jahren in dieser Funktion zurücktritt und die NZZ künftig in beratender Rolle unterstützen wird.

(Bild: zVg.)

Christian Arnold ist seit über 20 Jahren in verschiedenen Finanzfunktionen für die NZZ tätig. Zuletzt leitete er als stellvertretender CFO den Finanzbereich und begleitete zentrale Transformationsprojekte. Als neues Geschäftsleitungsmitglied wird er die Finanzstrategie, -planung und -berichterstattung des Unternehmens verantworten und für die Bereiche Tax, Audit, Treasury und Services zuständig sein.

CEO Felix Graf begründet die Wahl mit Arnolds Branchenkenntnis und strategischer Weitsicht: «Mit Christian Arnold gewinnen wir einen äusserst kompetenten und erfahrenen Finanzexperten aus den eigenen Reihen für diese Schlüsselposition.»

Bernexpo übernimmt die Berner Weinmesse

Bernexpo wird ab 2026 die Berner Weinmesse übernehmen und diese selbst veranstalten. Damit soll der traditionsreiche Anlass langfristig gesichert werden.

(Bild: Markus Iseli)

Die Berner Weinmesse findet seit 1995 jährlich auf dem Bernexpo-Areal statt und hat sich mit rund 70 Ausstellenden und 10’000 Besuchenden zur grössten Weinmesse im Espace Mittelland entwickelt.

Im Zuge einer Nachfolgelösung hat sich der Verwaltungsrat der bisherigen Trägerschaft entschieden, die Veranstaltung an Bernexpo zu übergeben.

Durch die Übernahme will Bernexpo bestehende Partnerschaften nutzen und neue Themenfelder erschliessen, um die Messe weiterzuentwickeln. Die Transaktion ist für Frühling 2026 geplant.

Rosarot schafft Tatort-Love-Scenes für Rosada

Zum Launch der Rosenlimonade Rosada in der Schweiz realisiert die Agentur Rosarot eine begleitende Social-Media-Kampagne. Diese feiert die die Liebe in all ihren Formen – und verschönert mit einer Guerilla-Aktion die Strassen Zürichs mit Love Scenes.

Die Rosenlimonade von Rosada – inspiriert von der arabischen Kultur und entwickelt in der Schweiz – wurde pünktlich zum Valentinstag gelauncht.

«Wir wollten, dass Rosada zum Launch am Valentinstag mit einem Big Bang in Zürich aufschlägt», erklärt Sarina Russi, Social Media Consultant bei Rosarot. Darum forderte Rosada rund um den Tag der Liebe mehr Liebesszenen – sogenannte Love Scenes – für jede:n.

Tatort Züri

Schon vor dem 14. Februar wurde der Instagram-Channel von Rosada lanciert und die SoMe-Launchkampagne gestartet. Drei von Rosarot inhouse produzierte Spots zeigen, wie sich Menschen selbst mit Rosen beschenken und so ihre eigene Love Scene produzieren.

Eine Guerilla-Aktion sollte noch mehr Aufmerksamkeit für Rosada generieren. Am Valentinstag waren in ganz Zürich Kreidezeichnungen im Stile von Tatorten zu finden, die verschiedene Liebesszenen zeigten. Diese Love-Scenes wurden auf Reddit diskutiert und in den sozialen Medien geteilt. Und auch in die die klassischen Medien haben darüber berichtet.


Verantwortlich bei Rosada: Yassin Smach, Mauricio Baldi. Verantwortlich bei Rosarot: Matthias Koller (Creative Direction, Gesamtverantwortung), Franz Neugebauer (Konzept/Text), Horatiu Sovaiala (Content Creator), Sarah di Nolfi (Art Direction), Laura Weinhofer (Art Direction), Olga Winter (Art Director – Motion Design) Sarina Russi (Social Media Consultant), Joe Bastiampillai (Social Media Consultant), Antonia Lattarulo (Digital Campaign Manager)

MfK startet neue Mittagsreihe zu Kommunikationsthemen

Das Museum für Kommunikation MfK startet neu die Mittagsreihe «Bisschen theoretisch». Die erste Ausgabe widmet sich dem Thema Smalltalk – kompakt, praxisnah und begleitet von einem Lunch.

Gespräche beginnen, Interesse wecken, Fettnäpfchen umgehen: Smalltalk ist für viele eine Herausforderung. Die erste Ausgabe der neuen Veranstaltungsreihe «Bisschen theoretisch» im Museum für Kommunikation will genau hier ansetzen. In einstündigen Sessions werden theoretische Konzepte verständlich und alltagsnah vermittelt – jeweils zu einem Thema aus der Welt der Kommunikation. Der Auftakt am 28. Februar steht ganz im Zeichen des Smalltalks.

Die Idee: Theorie als Werkzeug für die Praxis. «OK, Theorien sind jetzt kein sexy Gossip. Aber dafür steckt in ihnen eine verdichtete Erklärung der Realität», heisst es in der Ankündigung. Wer sich also fragt, wie man ein Gespräch unverkrampft beginnt oder es ohne peinliche Pausen am Laufen hält, soll hier Antworten finden.

Die Veranstaltung findet immer am letzten Freitag im Monat statt und beginnt jeweils um 12:15 Uhr. Die Kosten für die Teilnahme sind frei wählbar, ein Richtpreis von 20 Franken – inklusive Lunch – wird empfohlen. Ergänzend dazu gibt es jeweils eine Podcast-Folge mit Kommunikationsexpert:innen, die das Thema weiter vertiefen.

SBB tritt Brancheninitiative ComImpact bei

Die SBB schliesst sich dem Fachverein ComImpact an. Damit erhält die Initiative zur Förderung von CommTech in der Schweiz weitere Unterstützung durch ein Grossunternehmen, das täglich über eine Million Menschen transportiert.

Martina Rettenmund, Leiterin Kommunikationsplanung und Kanäle bei der SBB. (Bild: zVg.)

Mit dem Beitritt der SBB wächst ComImpact auf elf Firmenmitglieder. Der Verein setzt sich dafür ein, Fachleuten aus Marketing und Unternehmenskommunikation den Zugang zu CommTech-Kompetenzen zu erleichtern. Neben regelmässigen Austauschformaten organisiert er Events, bei denen Best Practices und neue Technologien im Fokus stehen.

«Angesichts der Verbreitung neuer Technologien sind wir überzeugt, dass die Themen von ComImpact sowie das Netzwerk des Vereins für unsere Kommunikationsarbeit einen nachhaltigen Mehrwert bieten», sagt Martina Rettenmund, Leiterin Kommunikationsplanung und Kanäle bei der SBB.

Pas Mal: Viel Humor und Action in der Ovo-Winterkampagne 2024/25

Die aktuelle Ovo-Winterkampagne bringt erneut Freestyle-Skistar Andri Ragettli auf die Piste. Ebenfalls zu sehen sind Anaïs Decasper und Killiane Hamache. Die Kampagne von Pas Mal setzt auf unterhaltsamen Social-Media-Content, der Wintersport mit dem Kultgetränk verbindet.

Ovomaltine bleibt seiner Linie treu und verknüpft auch in der aktuellen Winterkampagne sportliche Action mit Humor. Die neuen Videos zeigen Ragettli unter anderem, wie er auf einem Campingstuhl sitzend über einen zehn Meter hohen Kicker springt, oder beim Frühstück auf der Piste. Das Campingstuhl-Heropiece erreichte organisch über 3,4 Millionen Views.

Neben Ragettli ist auch Anaïs Decasper eine alte Bekannte in der Ovo-Winterkampagne und bringt Humor in den Content. Die Zürcher Content Creatorin thematisiert auf humorvolle Weise die Tücken des Wintersports – vom misslungenen Blaumachen bis zum Kampf mit Skischuhen.

Neu mit dabei ist Killiane Hamache. Die welsche Content Creatorin nimmt das Publikum mit auf Winterabenteuer in der Romandie, von Eisbaden im Blausee bis zu Nachtschlittenfahrten in Les Diablerets.

Die Kampagne wurde von der Agentur Pas Mal in Zusammenarbeit mit Ovomaltine und den Creator:innen entwickelt. «Unsere oberste Maxime bei Zusammenarbeiten mit Brands und Creator:innen ist es, niemandem eine Idee aufzudrücken, sondern sicherzustellen, dass der gewählte Ansatz zu allen passt», sagt Jonas Bayona, Creative Director von Pas Mal. Die Inhalte werden auf Instagram, TikTok, YouTube und Snapchat ausgespielt.


Verantwortlich bei Wander: Caroline Benz (Brand Managerin), Lena Cina (Brand Managerin), Sarah Stoller (Digital Managerin), Christof Stulz (Marketing Manager). Verantwortlich bei Pas Mal: Jonas Bayona (Creative Direction), Valérie Gantenbein (Account Direction), Noah Nüssli (Social Video Production), Julia Suter (Projektleitung). Verantwortlich bei Sir Mary: Katharina Günther (Planning & Consulting), Marion Nicolaus (AdOperations), Céline Zemp (AdOperations).

Reputation Experts erweitern Team und veröffentlichen White Paper

Das Expert:innen-Netzwerk «Reputation Experts» verstärkt sich mit Hans-Jakob Boesch, einem Spezialisten für Krisenmanagement, Public Affairs und strategische Kommunikation. Gleichzeitig erscheint ein White Paper zur Rolle von «Reputation Boards» in Unternehmen.

(Bild: zVg.)

Reputation gewinnt als strategischer Faktor zunehmend an Bedeutung und wird immer häufiger in Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungssitzungen thematisiert. Mit der Erweiterung ihres Netzwerks und der Publikation des ersten White Papers setzen die Reputation Experts einen weiteren Schritt in diese Richtung.

Neu an Bord ist Hans-Jakob Boesch. Er bringt langjährige Erfahrung in Politik, Kommunikation und Beratung mit. Seit 2021 unterstützt er mit seiner Firma Hjb Unternehmen und Führungspersonen in Krisensituationen sowie in der politischen Kommunikation. Er war Kantonsrat sowie Parteipräsident der FDP Kanton Zürich und ist Mitglied eines Stiftungsrats. Bei den Reputation Experts wird er insbesondere die Bereiche Krisenkommunikation und Public Affairs stärken.

Plädoyer für ein «Reputation Board»

Das neu veröffentlichte White Paper von Susanne Müller Zantop plädiert für die Einführung eines «Reputation Boards» in Unternehmen. Es analysiert, wie ein funktionsübergreifendes Gremium den Ruf eines Unternehmens gezielt steuern kann – eine Praxis, die bisher oft ohne festes Personal oder Budget bleibt. Ergänzt wird die Publikation durch einen Praxisfall von Sabrina Huber, die aufzeigt, wie sich ein solches Board in der Unternehmensrealität umsetzen lässt. Das Paper gibt konkrete Empfehlungen, um Reputationsmanagement als festen Bestandteil der Unternehmensführung zu verankern.

Swiss Cyber Security Days: Der hybride Krieg in Europa hat begonnen

Die Swiss Cyber Security Days 2025 haben in Bern wieder Politik, Forschung und Wirtschaft zum Thema Cybersecurity zusammengebracht. Während ein Bundesrat die ungenügende Transparenz in der Branche kritisierte, sprach ein Korpskommandant über die Zeitenwende.

Bundesrat Guy Parmelin eröffnete die diesjährige Ausgabe der Swiss Cyber Security Days. (Bild: Netzmedien)

Wenn der Frühling naht, dann versammelt sich die Schweizer Cybersecurity-Branche in Bern. Am Dienstag und Mittwoch fanden in der Bundesstadt wieder die Swiss Cyber Security Days (SCSD) statt.

Das Konferenzprogramm eröffnete in diesem Jahr Bundesrat Guy Parmelin. «Vor 40 Jahren hätte ein Anlass wie die Swiss Cyber Security Days noch gar nicht stattgefunden», sagte er vor rund 2500 geladenen Gästen. «Damals war Cybersecurity noch gar kein Thema.» Vor 25 Jahren wäre so eine Tagung vielleicht in einem kleineren Rahmen über die Bühne gegangen – aber wohl nicht mit einem Bundesrat als Redner. «Das war damals eher ein Thema für Insider.» Aber heute sei Cybersecurity in aller Munde. «Leider, muss ich sagen», ergänzte der Bundesrat.

Beim Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) würde etwa alle 8,5 Minuten eine Meldung zu einem Cybervorfall eingehen. Und erfolgreiche Angriffe führen zu einem enormen Schäden bei den betroffenen Firmen. «Es ist daher richtig und wichtig, dass ein Bundesrat gerade als Verantwortlicher für Wirtschaft und Innovation darüber spricht», sagte Parmelin, der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung.

Branche soll an der Transparenz arbeiten

Auf der Bühne der Bernexpo erinnerte Parmelin daran, dass der Bundesrat im ersten Halbjahr dieses Jahres eine Meldepflicht für Cybervorfälle bei kritischen Infrastrukturen einführen wird. «Diese Meldungen tragen dazu bei, potenzielle Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen», sagte er. Durch die Zusammenarbeit könne die Cybersicherheit in der Schweiz gemeinsam gestärkt werden.

Bundesrat Parmelin ermahnte die Branche aber auch. Denn die Transparenz in der Cybersecurity sei ungenügend. «Eine zentrale Herausforderung für jede Geschäftsleitung ist es, Risiken korrekt zu bewerten», sagte er. Dies sei generell schon eine herausfordernde Aufgabe, aber die mangelnde Transparenz komme noch erschwerend dazu. «Die Qualität von Angeboten variiert stark und es ist für die Wirtschaft schwierig zu bewerten, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung ihr Versprechen hält»“, sagte er.

Die Schweiz sei in diesem Bereich zwar auf dem richtigen Weg. «Dennoch appelliere ich an Sie», sagte Parmelin. «Versuchen Sie, Transparenz herzustellen, damit Firmen und die Bevölkerung Risiken besser einschätzen und sich adäquat schützen können.»

Nicolas Mayencourt, Programmdirektor der SCSD und CEO von Dreamlab Technologies. (Bild: zVg.)

Auch die Schweiz ist das Ziel

In seiner Rede kam Bundesrat Parmelin auch auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Ein Thema, auf das anschliessend auch Korpskommandant und Chef der Armee Thomas Süssli einging – mit einigen beunruhigenden Aussagen.

Zunächst sprach der Armeechef aber über China. Das Land habe eine Cyberforce von mehr als 100’000 Spezialisten. «Die Struktur ist dieselbe wie das US Cyber Command mit ebenfalls etwa 100’000 Cyberspezialisten.»

«Und wenn wir jetzt sagen, wir sehen die kaum im Cyberraum, dann gibt es drei mögliche Erklärungen dafür. Die erste ist, es könnte sein, dass die so schlecht sind, dass die nichts können. Die zweite Erklärung ist, wir sind gar nicht das Ziel. Und dann gibt es noch eine dritte Erklärung, und das ist die wahrscheinlichste: Gehen Sie davon aus, dass sie schon in Ihren Netzen sind.»

Dass die Schweiz durchaus ein Ziel sein kann, zeigen Vorfälle, die hier stattgefunden haben. In seiner Rede beschrieb er einen solchen Fall – dieser zeigt zudem, dass Cybergefahren auch in der realen Welt ihren Anfang nehmen können.

Allzu viel könne er nicht sagen. Aber ein «Mitarbeiter, der im weitesten Sinne in der Bundesverwaltung gearbeitet hat», reiste jeden Tag mit dem Zug nach Bern und trank am Bahnhof jeweils am selben Ort noch einen Kaffee und las die Zeitung. Eines Morgens sass schon eine Frau dort, sie kamen ins Gespräch und stellten fest, dass sie beide Hunde mögen. Die Gespräche mit ihr wurden Teil seiner morgendlichen Routine. «Das hört sich an wie der Anfang einer romantischen Geschichte, das war es aber nicht», erzählte Süssli. Der besagte Mitarbeiter war das Ziel einer Social-Engineering-Attacke. Vermutlich wollten die Angreifer über ihn in das Netzwerk des Bundes eindringen.

Thomas Süssli, Korpskommandant und Chef der Schweizer Armee. (Bild: zVg.)

Eine neue Weltordnung

«Die Zeitenwende ist passiert und wir haben die Transformation miterlebt», sagte Süssli anschliessend über die aktuelle sicherheitspolitische Lage. Der Begriff der Zeitenwende würden viele zwar mit der Aussage des deutschen Kanzlers Olaf Scholz in Zusammenhang bringen. Schliesslich wird seine Rede nach Kriegsausbruch auch als «Zeitenwenden-Rede» bezeichnet.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) habe aber bereits «drei Wochen vor dem völkerrechtswidrigen Angriff von Russland auf die Ukraine» seinen aussenpolitischen Bericht veröffentlicht, sagte Süssli. Und darin stehe bereits im zweiten Absatz das Wort «Zeitenwende».

Die Welt sei nun von einer alten, regelbasierten internationalen Ordnung in eine neue Weltordnung mit Kraftzentren übergegangen. Und diese Kraftzentren würden unter Ausübung von Macht und Machtpolitik untereinander die Welt bestimmen. «In diesen Kontext müssen wir auch Cyber stellen», sagte Süssli.

Der Bericht des EDA habe mit dem Begriff Zeitenwende noch China angesprochen. «China hat schon vor einigen Jahren damit begonnen, die bestehende, regelbasierte Ordnung infrage zu stellen und früh darüber gesprochen, dass das Land eine multipolare Weltordnung möchte», sagte der Korpskommandant. «China behauptet, diese neue Ordnung sei fairer. Autokratische und demokratische Staaten hätten in dieser neuen Welt dieselben Rechte. Aber der Übergang von der heutigen Welt in die neue Welt, sagen die Chinesen, könnte etwas holprig sein. Und wer weiss, vielleicht sind wir jetzt gerade auf diesem holprigen Weg.»

China sei wie das Klima und Russland nur ein darunterliegender Sturm, sagte Süssli. Wirtschaftlich sei das Land nicht so bedeutend. Russland betrachte sich selbst aber als Gross- oder sogar Supermacht. «Was für einen Gefallen hat Trump Putin jetzt gemacht, weil er direkt mit ihm auf Augenhöhe verhandelt hat? Das ist genau das, was Russland will», sagte Süssli. Die russischen Streitkräfte seien zwar an Land, in der Luft, auf dem Wasser und im Weltraum (noch immer) stark. «Wo Russland aber vor allem stark ist, ist im Cyberraum.»

Keine Abwehr in der kognitiven Kriegsführung

Russland wolle unter anderem «schädliche demokratische Einflüsse» vom eigenen Land fernhalten, um die eigene Bevölkerung ruhig zu halten. Ein Mittel, dies zu erreichen, ist die Destabilisierung Europas. Dies geschehe durch Desinformation, Beeinflussung und auch Sabotage im Cyberraum.

In einem anschliessenden Q&A erhielt er folglich auch die direkte Frage: Steht die Schweiz im Krieg? «Ich glaube, der hybride Krieg hat in Europa begonnen», antwortete Süssli und berief sich dabei auch auf Aussagen von Christian Dussey, dem Direktor des Nachrichtendiensts des Bundes.

Nik Gugger, EVP-Nationalrat und seit November der neue Präsident der SCSD. (Bild: zVg.)

«Die grösste Empfindlichkeit haben wir mit unserer offenen, liberalen, demokratischen Gesellschaft», antwortete Süssli auf die Frage nach den Bedrohungen in diesem hybriden Krieg. «Das Vertrauen der Gesellschaft in den Staat, in die staatlichen Agenturen und auch in die Medien. Das ist es, was es zu schützen gilt und die entsprechenden Massnahmen müssen ergriffen werden.» Viele Cyberaktionen würden auch genau darauf abzielen, dieses Vertrauen zu unterminieren.

Dieses Thema, die kognitive Kriegsführung, griff später ein Panel wieder auf. «Wir sehen viele Versuche, das Vertrauen der Menschen in die Regierung zu untergraben», sagte Jean-Marc Rickli, Head of Global & Emerging Risks beim Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik.

Gemäss Mauro Vignati, Berater für neue digitale Kriegstechnologien beim IKRK, fehlt hier die Abwehr. Technische Schutzsysteme gebe es zwar viele, «aber wir haben keine Programme, um den Menschen kritisches Denken beizubringen oder um ihnen zu zeigen, wie sie ihren Verstand schützen und verteidigen können.» Aktuell sei man oftmals noch nicht einmal in der Lage, überhaupt zu erkennen, dass derartige Angriffe gerade stattfinden. Es fehle noch ein Business Case. Sobald dieser vorhanden sei, sagte Vignati, werde auch eine Industrie darum herum entstehen.

Das Panel zum Thema kognitive Kriegsführung (v.l.n.r.): Mauro Vignati, Berater für neue digitale Kriegstechnologien beim IKRK, Daniel Glaus, Reporter bei 10vor10, Jean-Marc Rickli, Head of Global & Emerging Risks beim Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik, und Ueli Schmezer, der das Panel moderierte. (Bild: Netzmedien)

Rickli blickte dem jedoch etwas kritischer entgegen. Sollte die Technologie noch invasiver werden, wie etwa Brain-Computer-Interfaces direkt im Hirn, wäre kritisches Denken gar nicht mehr möglich. «Noch sind wir nicht an diesem Punkt angekommen», sagte er, «aber wir bewegen uns zunehmend in diese Richtung.» (Coen Kaat/jor/swi)


Dieser Artikel erschien zuerst in der Netzwoche.

Sir Mary Media: eigenständige Mediaagentur lanciert

Sir Mary startet eine neue Ära: Ab sofort bietet die Zürcher Agentur ihre Medialeistungen als eigenständige Agentur am Markt an. Die Leitung der neuen Mediaagentur übernehmen Vanessa Habisreutinger, Katharina Günther und Fabian Habisreutinger. Neu im Portfolio sind die Kunden Twint und Ovomaltine.

Anfang Januar ist Sir Mary Media mit einem 20-köpfigen Team und neuer Führungsstruktur gestartet. Mit diesem Ausbau treibt die Agentur ihr Wachstum voran und will ihre Position im Bereich Mediastrategie, -planung und -umsetzung stärken.

Das Angebot von Sir Mary Media umfasst spezialisierte 360-Grad-Medialösungen aus einer Hand – für TV, Digital, (D)OOH, Social und Audio. Die Leitung der neuen Unit übernimmt ein erfahrenes Führungstrio aus den eigenen Reihen, das bereits seit mehreren Jahren erfolgreich in der Agentur tätig ist und tiefgreifendes Know-how in Mediastrategien und Kampagnenmanagement mitbringt: Vanessa Habisreutinger (Media Operations & Data), Katharina Günther (Planning & Consulting) und Fabian Habisreutinger (Strategy & Client) leiten die neue Agentur gemeinsam. Alle drei sind langjährige Führungspersönlichkeiten bei Sir Mary und haben die Agentur von der Pike auf mitgestaltet.

«Wir sind die neue Generation der Mediaagentur. Weil wir Kreation besser verstehen, bringen wir Marken dahin, wo sie wirken – nicht, wo wir am meisten verdienen», erklärt Vanessa Habisreutinger, Co-Geschäftsführerin von Sir Mary Media. «In den letzten Jahren konnten wir hochkarätige Media-Etats gewinnen und unser Angebot laufend ausbauen. Der steigenden Nachfrage nach unserer Media-Kompetenz wollen wir mit dem eigenständigen Angebot Rechnung tragen: Für uns ist die Lancierung von Sir Mary Media der nächste logische Schritt.»

Die integrierte Arbeitsweise kommt bereits bei Kunden wie Sunrise, Twint, Ovomaltine oder Schweiz Tourismus zum Einsatz. Die Pitchgewinne und Kampagnenerfolge verdeutlichen die Stärken eines ganzheitlichen Media-Ansatzes: «Sir Mary Media unterstützt uns dabei, durch gezielte Media-Strategien eine nachhaltige Markenbindung sowie auch effektives Engagement zu schaffen. Die gemeinsam durchgeführten Kampagnen erzielten dank intelligenter Medialösungen und einer starken Reichweitenstrategie messbare Erfolge», so Eva-Maria Mörtenhuber, Head of Marketing bei Twint.

Ihrem Ansatz, Kreation und Media eng zu verzahnen, um Kampagnen zu realisieren, die auffallen und messbar wirken, will Sir Mary treu bleiben. Die neue Aufstellung soll es der Agentur erlauben, flexibler am Markt agieren und gezielt neue Media-Etats für die Medialeistungen gewinnen zu können.


Lesen Sie hier das vertiefende Exklusivinterview mit Vanessa Habisreutinger, Katharina Günther und Fabian Habisreutinger zur Idee und der Strategie hinter Sir Mary Media.

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