Bernhard Hübscher, Geschäftsführer Rausch Packaging.MK
Können Sie erklären, wieso Verpackungen nicht nur eine Hülle für das Produkt, sondern auch ein Marketing-Instrument sind?BERNHARD HÜBSCHER Ein tolles Beispiel, wie Verpackung für Marketing eingesetzt werden kann, sind bedruckte Tragetaschen. Bei Tests wurden sie in 20 Minuten 300 Mal gesehen! Wieso also nicht als kostenlose Werbefläche nutzen? Das gleiche gilt für Getränkebecher. Der To-go-Becher ist schon fast zum Accessoire geworden, der Konsum wird unterwegs regelrecht zelebriert. Das gilt aber nicht für einen einfachen Pappbecher. Auch kleine lokale Geschäfte können davon profitieren, wenn ihr individualisierter Becher in der Stadt unterwegs ist.Nicht zu vergessen sind Servietten. Der Konsument nimmt sie in die Hand und wischt sich den Mund damit ab. Hier macht nicht nur ein individuelles Design einen guten Eindruck, sondern auch die Qualität der Serviette. Wie weich ist sie und durchweicht sie nicht zu schnell? Dabei erwartet der Kunde bei einem Gourmet-Take-away mehr als bei einer kleinen Imbissbude. Der Gesamteindruck muss stimmig sein.MK
Coca-Cola hat es mit der «Share a Coke»-Kampagne vorgemacht: Personalisierte Verpackung kommt gut an. Können sie dieses Phänomen erklären?HÜBSCHER Die Kunden fühlen sich bereits durch das Branding angesprochen. Steht auch noch der eigene Name auf der Verpackung, kommt sich der Konsument einzigartig und gut verstanden vor. Das geschieht ganz unterbewusst. Eine solche Verpackung stärkt die Markenbindung und sorgt für Nähe zum Kunden.Eine ähnliche Herangehensweise lässt sich bei Starbucks beobachten. Bei der Bestellung wird der Name des Kunden auf dem Becher notiert, morgens sogar mit einem Smiley daneben. So fühlt er sich wertgeschätzt, was die Bindung an das Unternehmen stärkt und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass er sich seinen nächsten Kaffee wieder bei Starbucks holt.MK
Sie haben bereits angesprochen, wie wichtig der visuelle und haptische Eindruck eines Produktes ist. Wie können Unternehmen mit ihrer Verpackung konkret Neukunden gewinnen?HÜBSCHER In unserer globalisierten Welt ähneln sich Produkte immer mehr und sind nicht nur auf einem nationalen Markt erhältlich. Aus dieser Masse an Artikeln müssen Unternehmen erst einmal herausstechen! Wie die Marke präsentiert wird, ist daher entscheidend, um Aufmerksamkeit zu generieren.Jedes Mal, wenn der Kunde mit der Marke in Berührung kommt, sollte er das gleiche – positive – Erlebnis haben. Ein einheitliches Erscheinungsbild ist daher von grösster Bedeutung. Wie bereits erwähnt, sehen Kunden zunächst die Verpackung und bilden sich eine erste Meinung über das Produkt. Neben dem visuellen Eindruck muss bei der Entwicklung des Produkts auch die Haptik, der Geruch und sogar der Klang berücksichtig werden. Dies alles trägt zum Gesamtbild bei.MK
Der neuste Trend ist Smart Packaging. Was genau versteht man darunter und welche Potenziale sehen Sie?HÜBSCHER Wie «smart» bereits ausdrückt, handelt es sich um intelligente Verpackungen, die beispielsweise dank eines Chips vernetzt sind. Im Lebensmittelbereich können sie dafür eingesetzt werden, um Informationen zur Frische des Produkts oder seiner Temperatur zu liefern. Wenn ein Produkt also vom Mindesthaltbarkeitsdatum her bereits abgelaufen ist, aber laut Verpackung noch frisch ist, muss es nicht weggeworfen werden. Das kann verhindern, dass noch gute Lebensmittel weggeworfen werden. Innovationen wie elektronische Kontrollmechanismen, Sauerstoffabsorber oder auch antimikrobiell wirksamer Folie verlängern die Haltbarkeit von Lebensmitteln zusätzlich auf dem Weg in den Laden.Für mich geht der Begriff «smart» aber noch weiter. Auch in Sachen Material, Gewicht oder Funktionalität können Verpackungen «schlau» sein. Je effizienter die Verpackung, umso mehr profitieren Hersteller und Kunden. Das heisst, es kann beispielsweise schneller und günstiger verpackt, sicherer transportiert sowie einfacher aus der Verpackung heraus konsumiert werden.MK
Das Angebot an Lieferservices, die Lebensmittel bringen, steigt. Wie kann hier mithilfe der Verpackung die Kaufentscheidung positiv beeinflusst werden?HÜBSCHER Speziell für einen Lieferservice halte ich die Verpackung für sehr wichtig. Sie hat schliesslich mehrere Funktionen zu erfüllen: Das Produkt soll sicher beim Kunden ankommen und gut präsentiert werden. Beim Verzehr kann der Kunde durch ein einfaches Handling überzeugt werden. Ist die Verpackung gut zu öffnen und zu schliessen, wird er positiv gestimmt. Schmeckt das Essen frisch und ist auch kein zusätzliches Geschirr nötig, bestellt er vielleicht bald wieder. Eine funktionelle und idealerweise gebrandete Verpackung ist daher entscheidend für den Erfolg eines Lieferservices.MK
Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Werden Verpackungen weiter an Bedeutung gewinnen?HÜBSCHER Diese Frage kann ich nur mit einem klaren «Ja» beantworten. Die Welt wird immer mobiler und die Globalisierung nimmt weiter zu. Flexibilität ist hier gefragt, egal ob man Waren an andere Länder oder Kontinente schickt, online agiert oder Essen zum Mitnehmen anbietet.MK
Welches Ihrer Kundenprojekte ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?HÜBSCHER Da fällt mir ein Projekt ein, das gar nichts mit Lebensmitteln zu tun hat und zeigt, wie kreativ Verpacken sein kann. Ein namhafter Damen- und Herrenwäsche-Produzent hatte eine Seidenwäsche-Linie mit Milchproteinen entwickelt. Um sie in Displays werbewirksam zeigen zu können, haben wir Coffee-to-go-Becher realisiert, auf der eine attraktive Dame zu sehen war. Die Becher wurden mit den Wäschestücken befüllt und wie beim Coffee-to-go mit einem Deckel verschlossen. Eine wirklich einfallsreiche Idee!MK
Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit wird immer grösser. Was tut Ihr Unternehmen für die Umwelt?HÜBSCHER Wer in der Verpackungsbrache tätig ist, kommt an diesem Thema nicht vorbei. Wir wollen unserer Verantwortung gerecht werden und achten daher auf nachhaltige Lösungen. Unser Sortiment bietet zu einem grossen Teil Produkte aus entsprechenden Materialien, sei es aus Papier, einem nachwachsenden und recyclebaren Rohstoff oder biokompatiblem PLA, das aus Milchsäuremolekülen aufgebaut ist.Soweit es geht, setzen wir auf Recyclingmaterialien, ohne dabei die Lebensmittelsicherheit ausser Acht zu lassen. Für den Bereich Take-away erhalten Kunden bei uns Besteck aus Holz oder Menüschalen aus Bagasse, die aus natürlichen Rückständen der Zuckerrohrproduktion gewonnen wird.Besonders stolz sind wir darauf, dass wir als erster Vollsortimenter seit 2015 FSC- und PEFC-zertifiziert sind. Die verwendeten Rohmaterialien stammen daher nachweislich aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern. Sie wurden natürlich auch bei unserer neuen Verpackungslinie für Snacks und Take-away «Frisch & fein» eingesetzt.Auch intern gehen wir verantwortungsvoll mit Ressourcen um. Denn im Arbeitsalltag achten unsere Mitarbeiter ebenfalls auf den sorgsamen Umgang mit Papier, Strom und Wasser.MK
Welche Trends sehen Sie für die Verpackungsbranche im Jahr 2017?HÜBSCHER Das Thema Umweltschutz wird uns im kommenden Jahr weiter beschäftigen. Auch die Individualisierung wird immer mehr an Bedeutung gewinnen. Zusätzlich wird immer weiter daran gearbeitet, die Mindestmengen für individuelle Lösungen weiter zu senken. So können auch kleine Betriebe dieses Marketing-Instrument für sich nutzen oder Verpackungen für saisonale Anlässe produziert werden.Mehr zu Rausch Packaging gibt es
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