Werbung in Zeiten der Informationsflut

Wir werden heute täglich mit Unmengen an Informationen konfrontiert. Wie schafft es die Werbung da, Aufmerksamkeit zu erzeugen?Die Informationsflut hat den gesamten Bereich der Kommunikation verändert. Gemäss verschiedener Studien erreichen mittlerweile 13’000 Botschaften den Menschen täglich und lediglich zwei Prozent davon werden überhaupt bewusst wahrgenommen.Einerseits wird immer mehr Wert darauf gelegt, möglichst keine wichtige Information zu versäumen, andererseits werden Eindrücke bewusst gefiltert und ausgeschlossen, um dem Informations-Overkill zu entkommen. Das digitale Fernsehen beispielsweise hat den Telekom-Anbieter ermöglicht, zeitversetztes Fernsehen anzubieten, wo die Werbung überspuhlt werden kann.Eine Herausforderung, der sich Verantwortliche der Marketing- und Kommunikationsabteilung von Unternehmen stellen müssen. «Wer nicht wirbt, der stirbt» wie Wolf-Dieter Müller-Jahncke behauptet. Das ist eine einfache Tatsache, die Frage stellt sich aber, wie soll denn geworben werden?Ich befasse mich nun seit einigen Jahren damit herauszufinden, welche Möglichkeiten es in der Werbe- und Medienwelt gibt, um Marken trotz der Informations- und Botschaftsflut bei den Konsumenten erlebbar zu machen. Die Digitalisierung und Medienkonvergenz fordert die Werbetreibenden und deren Agenturen heraus, sich integrierte und intelligente Lösungen zu überlegen.TV – live oder zeitversetzt und die ParallelnutzungWie Medien in der Schweiz genutzt werden ist grundsätzlich altersabhängig. Die Generation Y und die Digital Natives sind ganz klar «mobile first». Die ältere Generation zückt gerne das altbewährte Zeitungspapier oder konsumiert TV-Inhalte, vor allem auf den öffentlich rechtlichen Sendern, um sich auf dem Laufenden zu halten.Man spricht aber auch schon seit einigen Jahren über die Digital Natives, die mittlerweile auch nicht mehr die Jugendlichen sind, sondern zu Berufstätigen und Familienmenschen herangewachsen sind. Ausserdem hat sich die ältere Generation auch schon digitalisiert. 66 Prozent der Schweizer haben einen digitalen Fernseher und ca. 50 Prozent nutzen parallel zum TV ein mobiles Gerät, in erster Linie das Smartphone. Der Inhalt auf dem mobilen Gerät steht seltener in direktem Bezug mit dem TV-Inhalt (Zahlen aus den MACH- und Google-Studien).TV wird zweifellos immer noch stark genutzt, ob live oder zeitversetzt, ob von jung oder alt. Die jüngere Zielgruppe wendet sich stark den Streaming-Angeboten zu. Für die Werbung und den Mediaeinsatz, wo eine breite Zielgruppe erreicht werden soll (z.B. 20-49jährige) empfiehlt sich eine Kombination von TV und Online-Video.Gezielte TV UmfeldplanungLive-Sendungen, wie die Live-Shows von «The Voice of Switzerland» und live Sport-Sendungen werden oft auch live geschaut, also eben nicht zeitversetzt, was für eine TV Umfeldplanung mit einem gezielten Einsatz von den entsprechenden live Umfeldern spricht. Zudem werden erfolgreiche Serien wie Tatort oder auch Dating-Sendungen wie „Bauer ledig sucht“ oft auch live geschaut, aber auch live auf den sozialen Medien kommentiert.Der Vorteil der Umfeldplanung ist die Verbindung und Nähe zum Programm, was sich positiv auf das Image der Marke auswirken kann, vorausgesetzt man plant die relevanten und passenden Umfelder ein. Der Nachteil ist eine verminderte Reichweite – hier werden die Kontakte optimiert – und die Kommentare in den sozialen Medien können nicht garantiert werden.Moment MarketingSeit Kurzem ermöglichen verschiedene Anbieter (TVTY, Synchscreen von der Goldbach, Smartstream etc.) das Moment Marketing, wo die TV Spotliste eingelesen wird und Online-Werbemittel ein paar Sekunden nach dem TV Spot z.B. auf dem Smartphone an die Parallelnutzer ausgestrahlt werden können. Der Sinn dieser Massnahme ist nicht, dass der gleiche TV Spot für Online identisch verwendet wird. Das Online-Werbemittel soll weiterführend und integriert z.B. mit einem Call-to-action ausgestattet sein oder eine zum TV Spot ergänzende Geschichte erzählen.Die Vorteile des Moment Marketing sind die Möglichkeit von kreativen und widererkennbaren Umsetzungen, der Kundendialog kann gefördert werden, die TV Kampagne kann verlängert werden, Einfluss von TV auf Online kann gemessen werden etc. Der Nachteil ist, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis noch nicht gegeben ist, da es keine wirklich aussagekräftigen Cases gibt. Das liegt womöglich daran, dass nicht wahrhaftig nachgewiesen werden kann, ob der User effektiv vor dem Fernseher sitzt, wenn er das Online-Werbemittel erhält. Diese Tatsache stellt eine Herausforderung für die Kreation dar.FazitDurch das, dass die Konsumenten ihre individuelle Vorgehensweise entwickeln um der Reizüberflutung zu entkommen, entwickeln die Medien-Anbieter eigene Vorgehensweisen, um sie in weniger störenden Umgebungen bzw. in ihrer Phase des Involvements zu erreichen.Dazu werden verschiedene Möglichkeiten genutzt, um der Medienkonvergenz, der Parallel- und der zeitversetzten TV-Nutzung entgegenzuwirken und die Marke und deren Produkte bei den Konsumenten erlebbar zu machen.Autorin: *Martina Garcia ist Mediaberaterin bei der Mediaschneider AG und hat eine Masterarbeit an der HSLU zum Thema „Erfolgreiches Content-Marketing im B2B“ verfasst.Firma: https://www.mediaschneider.com/











