Karin Bosshard
Text Recycling? Reicht es nicht, wenn der Content einmal auf meiner Website steht? Auf keinen Fall! Ganzheitliches Online-Marketing erfordert ja viel mehr Einsatz, als Texte hochzuladen, die auf ein paar Keywords optimiert sind! Schliesslich umfasst Suchmaschinenoptimierung heute auch Social Signals, Backlinkaufbau, einen interessanten Media-Mix, eine gute interne Linkstruktur und, und, und.
Auch Social-Media-Portale sind zu einer Trafficquelle geworden, auf die kein Unternehmen mehr verzichten kann! So stehen kreative Marketingfachleute vor einer spannenden Spielwiese, die geradezu danach schreit, mit besonders erfolgreichen (älteren) Inhalten immer wieder neu gefüttert zu werden – nur eben in ständig wechselnden Variationen, die neue Portale erobern und neue Leads generieren.
Jede Woche das Rad neu zu erfinden, um im Gespräch zu bleiben und ständig online präsent zu sein, ist eine ganz schön anstrengende Geschichte. Schliesslich kostet das Erstellen hochwertiger Inhalte Zeit, Geld und manchmal auch Nerven. Um überhaupt virale Effekte zu erzielen und neue User aufmerksam zu machen, ist Mehrwert aber das A und O auf dem Weg zum Expertenstatus. Da ist es eher kontraproduktiv, einfach «irgendwas» zu veröffentlichen, um sichtbar zu bleiben und nicht an Reichweite zu verlieren.
Viel besser ist es, die Highlights in den eigenen Statistiken näher unter die Lupe zu nehmen, um herauszufinden, welche Inhalte das Potenzial haben, durch eine gezielte Überarbeitung immer wieder zu begeistern. Denn Content Recycling bedeutet eben nicht, immer wieder den erfolgreichsten Artikel vom letzten Jahr auf Facebook zu teilen! Es bedeutet, nicht genutztes Potenzial ausfindig zu machen, neue Aspekte eines Themas zu beleuchten oder andere Formate zu erstellen, um für den Leser das Beste herauszuholen!
Welche Inhalte eignen sich fürs Recycling?
Zugegeben, nicht jedes Thema eignet sich für erfolgreiches Recycling. Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern und das gilt auch für tagesaktuelle Meldungen im Internet. Kate und William sind nun mal längst verheiratet, da nützt auch eine neue Infografik nichts – dieser Inhalt wird nicht mehr spannend.
Viel besser geeignet sind also Inhalte, die …
- ein umfassendes und komplexes Thema behandeln, das noch nicht vollkommen ausgeschöpft ist.
- zeitlos sind wie ein gutes Kochrezept von Oma! Dazu gehören Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Fliesenlegen genauso wie Video-Tutorials, um einen Oldie auf der Gitarre zu erlernen. Je zeitloser der Content ist, umso besser lässt er sich recyceln.
- in den Statistiken besonders geglänzt haben. Alle Inhalte, die besonders viele Aufrufe hatten, auffallend viel geteilt, gelikt und kommentiert wurden, zeigen an, dass grosses Interesse an dem Thema besteht!
- besonders viele Backlinks generiert haben. Denn wenn andere Website-Betreiber so begeistert sind, dass sie Inhalte in ihren eigenen Beiträgen verlinken, ist das ein Ritterschlag für besonders gute Inhalte.
Ein Wort über den Mittelpunkt der Content Planung: Der User geht immer vor!
Natürlich sind Statistik-Tools ein wichtiges Hilfsmittel, um zu ermitteln, welche Artikel das höchste Potenzial für ein erfolgreiches Recycling bieten. Fast noch wichtiger ist es aber, sich in den User hineinzuversetzen. Das Bauchgefühl darf also ruhig mitreden.
Sich an die eigene Nase zu fassen und das eigene Verhalten im Internet einfach mal zu beobachten, ist ebenfalls enorm hilfreich. Denn wir alle haben eine gewisse Routine entwickelt, um auf dem Laufenden zu bleiben. Der eine informiert sich auf Facebook, der andere nutzt ganz gezielt Suchmaschinen, der nächste fühlt sich auf YouTube so zu Hause, dass er sich bei jeder aufkommenden Frage erst einmal das passende Video sucht.
Verschiedene Menschen haben eben auch verschiedene Vorlieben und keiner von uns kann immer alles mitbekommen. Die Sorge, dass recycelte Inhalte langweilig – oder sogar aufdringlich – wirken könnten, ist also vollkommen unberechtigt, wenn wir all die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Medien nutzen, um Inhalte breit zu streuen und immer wieder für verschieden Zielgruppen zu überarbeiten! Nur, wer den Vorlieben verschiedener User gerecht wird, erzielt auch die Reichweite, die gute Inhalte verdienen!
Tipps für das Content Recycling in der Praxis
Um noch einmal an den virtuosen Musiker zu denken: Eine grossartige Melodie wird nicht schlechter, wenn wir sie auf verschiedenen Instrumenten spielen! Im Grunde genommen knüpft das Recycling von Inhalten sogar an die darstellenden Künste an und steht damit in einer grossen Tradition. Schliesslich schätzten schon die alten Griechen das Theater und auch da blieben die Stücke dieselben, nur das Publikum wechselte und erlebte die Darbietung immer wieder neu.
Es kommt eben auf die Inszenierung an! Bei der Content Planung sollten wir also immer auf eine spannende Inszenierung setzen, aber die Besetzung oder die Instrumente variieren.
- Blogartikel zu komplexeren Themen eignen sich hervorragend, um eine Serie oder ein eBook daraus zu machen. So können Einzelaspekte des Themas intensiver behandelt werden, der Mehrwert potenziert sich dadurch.
- Videos gehen einfach immer und der Trend scheint auch nicht abzureissen. Auf den ersten Blick scheint es natürlich aufwendig, gleich einen «ganzen Film» zu drehen, sind die Idee und die Inhalte aber einmal erstellt, ist der Rest gar nicht so schwierig. Kurze Erklärvideos, die zum Beispiel die Handhabung und Vorzüge eines Produkts anschaulich zeigen, lassen sich mit der passenden Software einfach produzieren, erreichen aber eine völlig andere Userschicht als Textinhalte!
- Viele Inhalte eignen sich für Grafiken, die als echter Eyecatcher auf Social-Media-Portalen virale Effekte erzielen. Bildinhalte werden nicht nur bevorzugt angezeigt, sie sind für interessierte Leser auch der optimale Einstieg, um Neugier zu entwickeln und eine Website zu besuchen.
- Viele Menschen nutzen gern Audio-Inhalte – im Auto, in der Bahn, bei der Hausarbeit oder einfach auf dem Sofa. Umfangreiche Blogartikel als Audio-Version herauszugeben, etwa in Form von Podcasts, erreicht eine weitere Zielgruppe und bietet eine tolle User Experience.
- Das Leben findet nicht nur online statt. Viele Inhalte von einer Website lassen sich auch für Präsentationen auf Tagungen, Messen oder ähnlichen Events aufbereiten. So wird der Expertenstatus auch «in der echten Welt» gestärkt.
- Tutorials oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen eignen sich perfekt, um einen E-Mail-Kurs oder ein kleines Webinar zu erstellen. Diese Contentformen können auch als Giveaways eingesetzt werden, um die Conversion Rate zu erhöhen.
- Auch Social-Media-Seiten wollen regelmässig mit interessanten Inhalten gefüttert werden. Einfach nur Links zur Website zu posten, verführt aber immer weniger User dazu, ihre gewohnte Timeline zu verlassen und dem Link zu folgen. Für diese User lohnt es sich, komplexere Artikel in einer knackigen Zusammenfassung zu posten.
Recycling guter Inhalte ist übrigens keine Einbahnstrasse! All diese Möglichkeiten, bewährte Themen neu darzustellen, funktionieren natürlich auch umgekehrt. Das beste Beispiel dafür ist die Deskription von Videos für die Website – so werden Videoinhalte auch für Suchmaschinen viel transparenter und damit leichter auffindbar.
Content-Management ist auch Zeit-Management
Eine gut gepflegte Website wird mit den Jahren immer umfangreicher, zeitlose Artikel bleiben aber lange aktuell. Zeitfenster für das «kleine Recycling zwischendurch» zu nutzen und ältere Dauerbrenner auf den neusten Stand zu bringen, lohnt sich wirklich! Denn so wirken auch Artikel, die vor einigen Jahren erstellt wurden und eigentlich nur noch Besucher über Suchmaschinen anziehen, immer frisch.
Vor allem können später erschienene Artikel als Links eingepflegt werden, was die interne Linkstruktur der Seite verbessert und die Verweildauer der Leser erhöht – und dadurch verbessert sich auch wieder das Ranking bei Google.