Eine Nullrunde, die keine ist

Die Verleger sind vorsichtiger: Nur bei einem Viertel ihrer Titel wagen sie eine offene Erhöhung der Inseratetarife per 2013. Heimliche Preisaufschläge sind jedoch häufig. Das zeigt sich auch im mehrjährigen Vergleich.

Auf den ersten Blick sieht die diesjährige Tarifrunde der Verlage beinahe nach einer Nullrunde aus: Ganze Verlage, so Ringier, die Konsumenteninfo-Gruppe, die Wirtschaftspresse von Axel Springer Schweiz (ASS), sämtliche Gratiszeitschriften und die meisten Westschweizer Titel von Tamedia, verzichten auf Preiserhöhungen bei ihren ganzseitigen Fixformaten. Immerhin: Von den 141 aufgeführten Titeln sind es doch deren 35, die ihren Seitenpreis per 2013 anheben, 8 nehmen eine Reduktion vor. Den grössten Preisaufschlag leistet sich die NZZ: Trotz gesunkener Leserzahlen erhöht sie den Preis pro vierfarbige Anzeigenseite um 1,5 Prozent und führt auch noch den Einheitstarif ein, wodurch beim Schwarz-Weiss-Tarif ein Aufschlag von 26,4 Prozent resultiert. Ähnlich macht es die NZZ am Sonntag, die allerdings Leser gewonnen hat: Die SW-Seite wird nun aber gleich um 47,3 Prozent teurer.

Einheitstarif bei Zeitungen im Trend

Auch andernorts hält der Einheitstarif Einzug: Eine SW-Anzeigenseite bei der Südostschweiz am Sonntag verteuert sich deshalb um 18,9, bei den Zürcher Regionalzeitungen um 8,5 Prozent. Auch die Bündner Woche tendiert in diese Richtung: Sie hebt den Preis für ihre SW-Anzeigen um 20,4 Prozent an. Erstaunliche Tariferhöhungen finden sich ferner bei einigen Programmzeitschriften: GuideTVCinéma zum Beispiel. Obwohl er nach dem Konzept- und Namenwechsel vor knapp drei Jahren mehr als ein Drittel seiner Leser verlor, schlägt er jetzt um 13,6 Prozent auf. Letztes Jahr hatte er noch eine Preisreduktion vorgenommen. Auch bei TV2 und TVvier steigen die Tarife (+12,1 %), während die Leserzahlen stetig sinken. Aus dem Tessin ist ebenfalls ein Preisaufschlag zu vermelden: Der Corriere del Ticino wird um 13,4 Prozent teurer, allerdings weil er ab 2013 den Giornale del Popolo integriert. Auch beim Beobachter Natur ist die Erhöhung um +10,7 Prozent mit dem wachsenden Leserinteresse begründbar. Anders bei Alpha: Hier erscheint der 10-Prozent-Aufschlag weder gerechtfertigt noch geschickt – schon gar nicht angesichts der ohnehin rückläufigen Stellenanzeigen.

Zwei «Tüpflischisser» unter den Verlegern

Neben den happigen gibt es auch kleine Aufschläge, die aber umso kurioser sind: Der Zürcher Unterländer schlägt seinen SW-Tarif um sage und schreibe 1 Franken (in Worten: einen Franken) auf (+0,02 %) und der Zürcher Oberländer seine Fixformate um 5 Franken (+0,3 %)! Umgekehrt finden sich aber einige Preisreduktionen, die einschenken: Die Fachzeitschrift Plaidoyer der Konsumenteninfo- Gruppe senkt ihren Tarif um 50 Prozent, die Solothurner Zeitung (SZ) geht um 22,8 Prozent hinunter – etwa analog zum Leserverlust –, während La Liberté und La Gruyère trotz einigermassen stabilen Leistungswerten 15,2 bzw. 12 Prozent weniger verlangen.

Preisreduktion nicht für Grosskunden

Apropos Solothurner Zeitung: Trotz vorbildlicher Preisanpassung an die gesunkenen Leserwerte ist sie auch ein Musterbeispiel für eine versteckte Preiserhöhung – weil sich die Seitenpreisreduktion um mehr als ein Viertel überhaupt nicht beim Tarif der Nordwestschweiz niederschlägt. Letzteren belässt die AZ Medien einfach auf bisherigem Niveau – obwohl ein 8-Prozent-Abschlag gerechtfertigt wäre. Anders gesagt: Die Tarifsenkung bei der Solothurner Zeitung wird den Grosskunden der Nordwestschweiz nicht weitergegeben. Auch auf anderer Ebene geschieht die Tarifsenkung bei der Solothurner Zeitung nur halbherzig: Sie gilt nur für das Fixformat, auf der Ebene Farbmillimeter ist sie bedeutend geringer, nämlich bloss 16,5 Prozent. Weitere Zeitungen machen das ähnlich: La Gruyère und La Liberté senken zwar ihr 4c-Fixformat, belassen aber ihren Farbmillimetertarif auf bisherigem Niveau.

Der TLP zeigt die versteckte Wahrheit

Die meisten versteckten Preiserhöhungen ergeben sich aber auf der Ebene Tausend- Leser-Preis (TLP): 70 Zeitungen und Zeitschriften, also exakt die Hälfte der aufgeführten Titel, haben ihren TLP erhöht – sei es aktiv mit dem Anheben des Seitentarifs, sei es passiv durch Leserverlust – wobei es in vielen Fällen nur zu kleinen Aufschlägen (um weniger als 5 %) kommt. Dennoch: Die grösste Erhöhung ergibt sich bei TV täglich: Innert Jahresfrist steigt dort der TLP um 53,9 Prozent an. Rechtfertigen lässt sich das kaum. An zweiter Stelle folgt die deutsche Ausgabe von Reader’s Digest mit einem TLP-Aufschlag von 37,5 Prozent – und auf Platz drei TV2 mit einem um 32,8 Prozent gestiegenen TLP. Weitere Titel mit TLP-Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich: Stocks (+29,3 %), TVvier (+25,5 %), Journal du Jura (+20,8 %), Reader’s Digest (f) (+20 %), Biel-Bienne (+18,3 %), Handelszeitung (+15,9 %), Kulturtipp (+14,3 %), Zeitlupe (+13,7 %), Edelweiss (+13,6 %), Illustré (+13,3 %) und Express (+13 %). Wohl finden sich auch 25 Titel, die ihren TLP senken, doch Reduktionen, die auch wirklich einschenken, sind selten. Nur zwei fallen auf: Agefi reduziert dank Leserzuwachs den TLP um 35,7 Prozent, La Liberté dank Preissenkung um 24,5 Prozent. Auf Platz drei findet sich La Gruyère mit einer Reduktion im einstelligen Prozentbereich: -8,9 Prozent Alle anderen TLP-Reduktionen liegen unter 6 %.

Die Hälfte kostet mehr als vor der Krise

Fazit: Der eingangs geschilderte Eindruck, wonach nur ein Viertel aller aufgeführten Titel eine Preiserhöhung vornehmen und mehr als die Hälfte ihre Tarife auf aktuellem Niveau belassen, stimmt definitiv nicht: Die Hälfte der Titel nimmt per 2013 eine Preiserhöhung vor – sei es aktiv oder passiv, nur 23 Titel senken ihre Preise. Schaut man die längerfristige Preisentwicklung an – zum Beispiel ab 2008, dem Jahr vor der Krise, ist das Bild ähnlich: Etwa die Hälfte der Titel wurde seit 2008 aktiv oder passiv teurer, ein Viertel ist – wenn auch meist nur geringfügig – günstiger geworden.

Markus Knöpfli

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Nationalrat: Werbebudget für Schweiz Tourismus wird aufgestockt

Das Budget für die Tourismuswerbung soll 2013 aufgestockt werden. Der Nationalrat folgte am Donnerstag mehreren Minderheitsanträgen.

Das Werbebudget für Schweiz Tourismus soll angesichts der schwachen Konjunktur um zusätzlich 12 Millionen Franken erhöht werden. Dies wollte gemäss SDA eine Minderheit von Bürgerlichen und SP. Unterstützung erhielt sie von der CVP/EVP-Fraktion und einem Teil der SP- Fraktion. Die Mehrheit der SVP, die Mehrheit der FDP und Grüne sprachen sich dagegen aus. Die Aufstockung um 12 Millionen Franken passierte gemäss SDA mit 90 zu 77 Stimmen.

Teaserbild: Keystone

Zur Sache: schielen verboten

Auf mein Editorial in der letzten Ausgabe erhielt ich einen interessanten Kommentar von Vinzenz Wyss, Professor am IAM (Institut für Angewandte Medienwissenschaft) in Winterthur.

Ich zitiere: «Ich glaube auch, dass Medienkritik 2.0 eine Chance hat. Bis heute bleiben solche Aktivitäten jedoch noch auf der Stufe von Teil-/Versammlungsöffentlichkeiten stecken. Damit sie Bedeutung erlangen, müssten sie von massenmedialer Öffentlichkeit aufgespürt und reichweitenintensiv thematisiert werden. Das ist bis heute tatsächlich kaum der Fall. Vielleicht liegt es eben daran, dass der Medienjournalismus in der Selbstbeobachtungsfalle hocken bleibt.»  

Fragen wir uns doch mal, warum der Medienjournalismus in dieser Selbstbeobachtungsfalle steckt. Da gibt es verschiedene Gründe.

Einmal der schadenfreudige und konkurrenzneidige, der dazu führt, dass redaktionelle Fehler der Konkurrenz genüsslich ausgeschlachtet werden. Interessiert das unsere Leser? Sicher nicht. Ist das Medienjournalismus? Ja, aber nur wenn über die eigenen Fehler ebenso detailliert berichtet wird. In die gleiche Richtung geht die angebliche Hintergrundgeschichte über die Konkurrenz. Informationen obskurer Insider, die genau wissen wollen, was beim Konkurrenzverlag oder -titel schiefläuft, welche Personalrochaden geplant, aber noch nicht kommuniziert sind, lassen sich mit eigenen Vermutungen kombinieren und so wird aufgedeckt, weshalb die Strategie der Konkurrenz während der letzten Jahre sowieso Scheisse war. Eigentlich will man sagen, dass die Konkurrenz doof, böse oder hinterlistig ist, und versucht damit zu suggerieren, dass im eigenen Hause natürlich alles ganz anders ist. Interessiert das unsere Leserinnen? Sicher nicht. Ist es Medienjournalismus? Ja, aber nur wenn die Geschichte stimmt und von einer gewissen Relevanz ist.

Ein weiterer Grund ist ein konfliktvermeidender. Christian Meier, Co-Autor des Buches Basiswissen für die Medienpraxis, sagte es treffend im Interview mit der Werbewoche: «Wenn ich als Journalist einen kritischen Bericht über einen Wirtschaftsboss schreibe, bekomme ich von Berufskollegen in der Regel Anerkennung. Wenn man demgegenüber einen Chefredakteur kritisiert, kann es passieren, dass sich der eigene Chefredakteur meldet und fragt: «Musste das jetzt sein?» Interessiert das unsere Leser? Ja. Ist es Medienjournalismus? Ja. Befreien wir uns doch aus der Selbstbeobachtungsfalle. Medienjournalismus ist gar nicht so schwierig, man darf nur nicht immer auf die lieben oder bösen Kollegen schielen, sondern sich fragen, was ist für meine Leser auch wirklich relevant.

Pierre C. Meier, Chefredaktor
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ZHAW mit neuem Studiengang CAS in Digital Marketing

Der neue CAS Digital Marketing der ZHAW School of Management and Law setzt den Fokus auf Methoden und Handlungsfelder der Mehrwertgenerierung über die Integration von Kundinnen und Kunden in die Unternehmenstätigkeit.

Der neue CAS Digital Marketing hat zum Ziel, nicht nur einen Überblick über die aktuellen digitalen Marketing-Instrumente und Social Media Tools- und Plattformen zu verschaffen, sondern stellt vielmehr die strategischen Aspekte des Marketings im digitalen Zeitalter ins Zentrum. Dies schreibt die ZHAW in einer Mitteilung vom Donnerstag. Dozierende der ZHAW und Praktiker zeigen auf, wie in Einklang mit der Unternehmens- und Marketingstrategie Handlungsfelder und Möglichkeiten zur Mehrwertgenerierung über die Integration der Kundinnen und Kunden in die Wertschöpfung erschlossen werden können. Die Teilnehmenden lernen, für ihr Unternehmen eine Digital-Marketing-Strategie anhand eines Step-by-Step-Guides zu entwickeln und erfolgreich zu implementieren.

Im Studiengang CAS Digital Marketing werden die Spannungsfelder von Veränderungsprozessen hin zu einem netzwerkorientierten Unternehmen thematisiert und den Teilnehmenden Werkzeuge an die Hand gegeben, um Change Management- und Governance-Prozesse aktiv zu steuern. Der CAS Digital Marketing wird erstmals vom 15. März bis 28. Juni 2013 durchgeführt. Die insgesamt 120 Lektionen finden jeweils am Freitag und Samstagvormittag an der ZHAW School of Management and Law in Winterthur statt. Interessierte können sich am 23. Januar 2013 um 18:30 Uhr an einem Informations-Apéro im Restaurant Au Premier im Hauptbahnhof Zürich über den neuen CAS informieren.

Alle Informationen zum neuen Studiengang
 

Aufgespiesst: Tempo geht durch den Magen

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über vorweihnachtlich Eile, die den Magen verstimmt.

Bald ist Weihnachten – falls Sie es noch nicht an den Frühlingsblumenzwiebeln und Schoko- Osterhasen in den Supermarktregalen gemerkt haben. Zeit, sich noch ein paar rasche Geschenke für die Ach-so-Lieben einfallen zu lassen. Last Minute und unter Druck kommen einem sowieso die besten Ideen. Das jedenfalls behaupten die meisten meiner Kollegen, mehrheitlich Männer. Meine Meinung zu dieser männlichen Druck-These: Die Herrschaften sind jedes Mal so erleichtert über die in letzter Minute doch noch erlegte Weihnachtsbeute, dass sie im Mir-fällt-ein-Stein-vom-Herzen-Freudentaumel tatsächlich glauben, sie hätten ein gaaanz tolles Geschenk erworben. Die betroffenen Beschenkten sehen das meist gaaanz anders. Und dann wird das Fest der Liebe wieder gaaanz besonders schön.
 
Nun ja. Für alle, die es kurz vor Weihnachten mal wieder eilig haben, weil zwischen Jahresabschlüssen und Weihnachtsfeiern die Besinnung (und das rechtzeitige Nachdenken über Weihnachtsgeschenke) auf der Strecke bleibt, hat die Konsumindustrie auch dieses Jahr tolle Devotionalien ersonnen. Wir richten heute den Blick auf die neuesten Kochbücher, denn Weihnachten ist ja das Fest der Liebe. Und Liebe geht durch den Magen. Was sie danach macht, ist nicht bekannt.

Fast Food

Rühren Sie für Ihre beste und zweitbeste Kollegin doch ein paar «Express-Pralinen» zusammen. Oder noch schneller: Verschenken Sie das Buch, in dem steht, wie das geht. Es wird gerade vom Südwest- Verlag feilgeboten. Sie hielten Pralinen bisher für den Inbegriff des Genusses und Genuss für etwas, das Zeit braucht? Unsinn! Lecker ist es erst, wenn’s richtig schnell geht, wenn Kosten und Nutzen sich die Waage halten, wenn man nicht länger in der Küche steht, als man hinterher am Tisch sitzt. Auf höchster Stufe rühren. Dann bleibt noch Zeit für Wichtigeres. Eine tolle Idee sind auch Blitz-Plätzchen. Die schmecken nicht etwa heiss, sondern sind vor allem zackig auf den Tisch gezaubert. Dafür danken alle Eilegeplagten dem Puddingdoktor Oetker, der seine Tipps gleich im eigenen Verlag abgebacken hat. Noch einfacher geht’s mit den Fertigteig-Packungen aus der Migros: Die schmecken auch nicht, aber wenigstens kommen Plätzchen auf den Tisch. Jamie Oliver steht so kurz vor Weihnachten ebenfalls unter Strom und serviert eine «blitzschnelle, gesunde und superleckere 15-Minuten -Küche». Zeit für korrekte Orthografie war beim Verlag dann nicht mehr. Und Annemarie Wildeisen kocht für ihre Gäste vor. Dann geht am Tag X alles speditiver, und die Geladenen können schnell wieder gehen. Dieser Gedanke hat einen gewissen Charme, insbesondere, wenn sich am Weihnachtstage die ganzen Verdammten – ähm, Verwandten – um die Tafel scharen.

Slow Motion

Warum, in Gottes Namen, muss heute eigentlich immer alles schnell gehen? Und das ganz besonders, wenn es auf die «besinnlichen», «ruhigen» und «stillen » Tage zugeht. Vielleicht können wir mit Ruhe nichts mehr anfangen – denn wenn es ruhig ist, ist die Stille immer so laut. Dauergestressten kann ich empfehlen, sich mal für einen Tag ein Kind zu leihen. Diese kleinen Menschlein nehmen sich nämlich alle Zeit der Welt für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens: im Dreck nach Steinen kratzen, den Schnee dabei beobachten, wie er auf Fussabdrücke reagiert, mit einem goldenen Stern in der Hand durch die Wohnung laufen und jauchzen. Einfach jauchzen … während die gestresste Mutter überlegt, wo sie nochmal über dieses Buch mit den 15-Minuten-Rezepten gelesen hatte – denn schliesslich muss noch das Mittagessen auf den Tisch. Und, ja, essen dauert bei den kleinen Flöhen auch immer gaaanz lange. Was wünschen Sie sich eigentlich zu Weihnachten? Zeit?

Zu guter Letzt: Ein «Shitstorm» neigt sich dem Ende zu

Das Schweizer Wort des Jahres2012 ist «Shitstorm». Da will man das Unwort gar nicht mehr wissen. Doch das Unwort des Jahres greift nicht auf dieselbe anglophile Fäkalsprache zurück. «Bio»! ist das Unwort des Jahres ..

Das hat eine sechsköpfige Jury unter Federführung von DRS 3 herausgefunden. Das Jugendwort ist «Shaz» und «Vada a bordo, cazzo» der Satz des Jahrs. Der Begriff «Shitstorm» wurde aus über 1‘000 Vorschlägen der Schweizer Bevölkerung gekürt. Die Jury hat gemäss SDA dieses Jahr einen Begriff aus dem Bereich der sozialen Medien gewählt, nach zwei politischen Worten des Jahres – «Ausschaffung» 2010 und «Euro-Rabatt» 2011. «Shitstorm» verankerte sich laut Jurybegründung 2012 im Schweizerdeutschen und stehe sowohl für die Macht, als auch für die Gefahren von sozialen Medien. «Verankert sich im Schweizerdeutschen»?! – Ja genau, Sie haben richtig gelesen, kein Kommentar.

«Bio» wurde zum Unwort des Jahres gewählt, da die Bevölkerung des Begriffs überdrüssig geworden sei, nachdem er im Detailhandel inflationär und oft missbräuchlich benutzt worden sei, wie die SDA schreibt. Zum Jugendwort wurde «Shaz» gewählt, weil die Jury-Mitglieder die tatsächlich benutzten Jugendworte leider verpasst haben. (In der Jury für die Aktion «Wort des Jahres» sassen in diesem Jahr gemäss SDA Autor Bänz Friedli, Slam-Poetin Lara Stoll, «Literaturclub»- Gesprächsleiter Stefan Zweifel, Autor Gion-Matthias Cavelty, Daniel Quaderer, Ko-Autor des Buches «Wörter des Jahres», und DRS 3-Redaktorin Ursula Schubiger.) Na gut, in Wahrheit wurde «Shaz» zum Jugendwort gewählt, weil sich in dieser für die schnelle Kommunikation in Chats und SMS’s geschaffenen Schreibweise die Vokabel für «die Lust, Flexibilität und Kreativität Jugendlicher im Umgang mit Sprache» spiegelt. So zumindest heisst es gemäss SDA in der Jurybegründung.

Der Satz des Jahres: «Vada a bordo, cazzo» (Gehen Sie verdammt nochmal zurück an Bord). So brüllte Gregorio De Falco von der Livorneser Hafenbehörde den Kapitän der havarierten «Costa Concordia» an. Laut Jury spiegelt der Satz «den Zeitgeist von heute: Die Chefs gehen, die Angestellten baden alles aus». Na dann, vamos a la playa. (uma)

 

http://www.youtube.com/watch?v=VrrY2umijP4

Auch Journalisten müssen für Einsicht in amtliche Dokumente zahlen

Nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts dürfen auch Medienschaffende für die Einsicht in amtliche Dokumente zur Kasse gebeten werden. Die Richter in St. Gallen haben die Beschwerde eines Journalisten der Konsumentenzeitschrift K-Tipp abgewiesen.

Der Journalist hatte 2010 das Bundesamt für Energie (BFE) im Rahmen einer Recherche um Angaben bezüglich der Prüfung von Energie-Etiketten bei Elektrogeräten ersucht. Nachdem er mit den per Mail gelieferten Antworten nicht zufrieden war, stellte er ein Gesuch um Einsicht in die relevanten Dokumente. Das BFE informierte ihn vorgängig, dass es für seinen Aufwand eine Gebühr von 250 Franken erheben werde. Eine entsprechende Rechnung erhielt der Journalist nach der Sichtung. Die Gebührenverfügung focht er anschliessend beim Bundesverwaltungsgericht an.

Das Bundesverwaltungsgericht hat seine Beschwerde nun abgewiesen. Der Entscheid kann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden. Der K-Tipp-Mitarbeiter hatte argumentiert, dass den Medien für die Meinungsbildung in demokratischen Gesellschaften eine wichtige Rolle zukomme. Die Erfüllung dieser Aufgabe werde durch den Staat behindert, wenn er für die Erteilung von Informationen an Medienschaffende Gebühren verlange. Die Richter in St. Gallen erinnern zunächst daran, dass gemäss Öffentlichkeitsgesetz jede Person das Recht hat, öffentliche Dokumente einzusehen, die nicht der Geheimhaltung unterliegen. Gemäss Gesetz sei dafür eine aufwandabhängige Gebühr zu bezahlen. Eine Befreiung der Medien sei dabei nicht vorgesehen. Die in der Bundesverfassung verankerte Informations- und Medienfreiheit würden das Recht auf freien Informationsempfang und- beschaffung sowie auf ungehinderte Informationsverbreitung garantieren. Allerdings würden diese Grundrechte keinen Anspruch auf eine staatliche Leistung wie die unentgeltliche Bearbeitung von Einsichtsgesuchen verschaffen.

Nicht zu beanstanden ist laut Gericht schliesslich die Höhe der Gebühr von 250 Franken, die auf Basis eines Aufwandes von fünf Stunden festgelegt wurde. Gemäss dem Urteil hat das BFE das fragliche Dokument Satz für Satz prüfen müssen, um gewisse Stellen zu anonymisieren. Weiter seien Internet-Recherchen notwendig gewesen. Zudem habe ein interner Austausch durchgeführt werden müssen. (SDA)
 

World Vision Schweiz: Neue Leiterin Marketing & Kommunikation

Valeria Habersatter leitet seit dem 15. November 2012 die neu zusammengelegten Bereiche Marketing und Kommunikation bei World Vision Schweiz. Habersatter bringt über 15 Jahre Marketingerfahrung in ihren neuen Bereich ein.

Die gebürtige Argentinierin besitzt einen «Master of Science in Advertising» und hatte zuvor als Marketing Executive, Senior Consultant und Regional Development Manager für das international tätige Schweizer Baustoff-Unternehmen Holcim gearbeitet. Sie bringt ausserdem praktische Erfahrungen in Projekt-, Business- und Strategiemanagement sowie Consulting mit, heisst es in einer Mitteilung von World Vision.

Zu Habersatters Hauptaufgaben gehören die Marketingstrategie sowie die Planung und Durchführung von Fundraising-Kampagnen für Patenschaften und Not- und Katastrophenhilfe. Habersatter ist auch verantwortlich für die Unternehmenskommunikation sowie für Events und Face-to-Face Aktivitäten. Valeria Habersatter ist ausserdem neues Mitglied der Geschäftsleitung von World Vision Schweiz.

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Adello eröffnet Niederlassung in Warschau

Adello expandiert weiter ins Ausland. Der Schweizer Mobile Advertising Vermarkter gründet im Zug des weiteren Ausbaus eine Niederlassung in Polen.

Country Manager der Niederlassung ist Rafal Staszkiewicz. Er hat Wirtschaft an der Poznan University of Economics studiert und doktoriert und blickt auf 15 Jahre Online-Erfahrung zurück. Als früherer Direktor bei Infor (einem Polnischen Verlag) kenne er die Herausforderungen von Digital bestens, sagt Rafal Staszkiewicz.

Das Team in Polen wird zunächst als Sales-Office betrieben, während die Operations weiterhin zentral durch die Adello Schweiz erfolgen.
 

Piaget strahlt Image-Spot «Dragon & Phoenix» auf TF1 aus

Am Sonntag, 9. Dezember, zeigt TF1 Suisse weltweit erstmals den Piaget-Image-Spot «Dragon & Phoenix». Der Werbespot wurde vom Genfer Studio Le Truc realisiert.

Der TV-spot dauert vier Minuten und wurde vom Unternehmen Piaget zu Ehren des Chinesischen Jahres des Drachen konzipiert. Er soll auf kunstvolle Art und Weise Aspekte aus der Chinesischen Kultur zeigen, heisst es in einer Ringier-Mitteilung vom Donnerstag. Der Drache werde in der Chinesischen Mythologie als Symbol von Macht und Herrschaft gefürchtet und bewundert. Der Phoenix seinerseits symbolisiere Tugend, Pflichtbewusstsein und Ehrlichkeit, sei aber auch Sinnbild für Grazie, Anmut und Wohlstand.

Ausstrahlung: Sonntag, 9. Dezember, 20.50 Uhr, vor dem Blockbuster auf TF1 Suisse.

«Grenzen auflösen»

Martin Spillmann ist im Netzwerk von Leo Burnett neu verantwortlich als Executive Creative Director Continental Western Europe. 

WW: Ist diese Berufung überraschend gekommen oder ist die Entwicklung schon früher gereift?
Martin Spillmann:Für mich ist der Vorschlag im ersten Moment überraschend gekommen, aus Sicht von Leo Burnett ist dieser Entscheid aber schon nachvollziehbar. Wir haben im Netzwerk über die letzten Jahre die Rolle der Vorzeigeagentur übernommen. Wir waren in der Kreation Spitze und haben gleichzeitig hervorragende wirtschaftliche Erfolge und Wachstum erarbeitet. Mit dieser Kombination von kreativ und gleichzeitig sehr erfolgreich, wurden wir zu einem Paradebeispiel in diesem Netzwerk. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass Leo Burnett nun von dieser Erfahrung profitieren will.
 
Wie lautet das Briefing für Ihren neuen Job?
Als Executive Creative Director Continental Western Europe bin ich zuständig für Deutschland, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und die Schweiz. Mein Job und mein Ziel ist, die kreative Reputation in diesen Ländern weiter voranzutreiben. Was ich aber auch möchte, ist den Austausch unter diesen Agenturen zu fördern. Wir haben das bereits an einem Fall durchgespielt: Wir haben in Zürich eine Präsentation mit Strategen aus Mailand, Produkt-Designern aus Rom und Werbern aus Zürich realisiert. Es war das erste Mal, dass wir über die Grenzen hinweg derart intensiv gemeinsam gearbeitet haben. Und es war eine tolle Erfahrung. Das ist etwas, was ich fördern möchte in den Ländern, in denen ich zuständig bin. Dass man als Kreativer die Chance hat, von der Schweiz aus im einen oder anderen Land zu arbeiten und umgekehrt. Ich bin sicher, dass solche Ideen nicht nur bei den Kreativen in diesen Ländern auf Begeisterung stossen werden.
 
Wo werden Sie arbeiten?
Das Headquarter von Leo Burnett Europa befindet sich in Mailand. Dort ist auch der europäische CEO Giorgio Brenna stationiert. Ich will aber meinen Wohnsitz in Zürich behalten. Ich werde an der Ämtlerstrasse bei SFLB wie bisher mein kleines Büro haben. Von Zürich aus werde ich reisen und die Agenturen in ganz Europa besuchen.
 
Da darf man keine Flugangst haben.
Flugangst habe ich zum Glück keine. Ich bin schon seit eh und je immer mit einem Bein im Ausland tätig gewesen. Ich wirkte in New York ein paar Jahre als CD bei Young & Rubicam. Seit mehr als zehn Jahren bin ich im ADC Europe im Vorstand. Von dort her kenne ich schon ziemlich viele Leute in Europa und reise regelmässig herum. Für mich gehört es irgendwie zu meinem Leben, die Grenzen der Schweiz regelmässig zu überschreiten. Ich freue mich aber immer wieder auf das Zurückkommen.
 
Wie hat sich damals der Kontakt zu Leo Burnett ergeben?
Als Peter Felser und ich damals mit dem Gedanken gespielt haben, eine Agentur zu gründen, kam am Tag X Michael Conrad auf uns zu. Er wusste nichts von unseren Plänen, begann aber zu erzählen, dass Leo Burnett das international kreativste Netzwerk der Welt sei und als solches würde man auch in der Schweiz gerne «etwas haben». Seine Vorstellung war eine Agentur, mit der das Netzwerk kreativ an vorderster Stelle dabei sein könnte – eine Art «Center of Excellence» hier in Zürich. Michael Conrad hat dann in der Folge dieser Unterhaltung den Gedanken eingebracht, dass wir uns eventuell zusammentun könnten. Für Peter Felser und mich hat das Sinn gemacht. Auch wollten wir gleichzeitig einen Zugang, um Accounts von der Schweiz aus international betreuen zu können. Damit wir vor Ort auch im Ausland Abklärungen machen können. Für uns ist aber nur ein Zusammengehen mit einer absolut kreativen Agentur infrage gekommen. So ist am 1. Juli 2002 Spillmann Felser Leo Burnett entstanden als Partner im weltweiten Netzwerk mit heute 96 Agenturen in 84 Ländern.
 
Wie waren die Besitzverhältnisse?
Leo Burnett hatte eine Beteiligung von 20 Prozent bei unserer Gründung. Aber der Kontakt ist über die Jahre ständig gewachsen. Wir haben uns gegenseitig schätzen gelernt und man hat über die Jahre im Netzwerk auch grossen Respekt vor uns entwickelt. Das Einzigartige bei uns war das regelmässige und kontinuierliche Wachstum. Aber auch, dass wir kreativ in den letzten Jahren ständig unter den ersten drei waren und jetzt sogar die Nummer 1 im Kreativranking sind. Wir sind auch im Effie-Ranking 2012 wiederum die Nummer 1. Aus solchen Erfolgen resultiert Wachstum – und dies zeigt sich natürlich auch im BSW Ranking. Jetzt sind wir grössenmässig mit mittlerweile rund 90 Mitarbeitenden auf Rang 2 der Schweiz.
 
Wie erklärt sich dieser Erfolg?
Das Tolle daran ist, wenn man realisiert: Wer kreativ hochstehende Werbung macht, die auf einem wahren Kern basiert, welcher der Marke weiterhilft, macht auch effiziente Werbung. Wer so arbeitet, kommt im Kreativ-Ranking vorwärts. Dadurch bekommt man Reputation. Durch die hohe Reputation ergibt sich wieder New Business. Dadurch suchen auch immer wieder neue und gute Leute den Kontakt. So gesehen ist es irgendwie ein Rad, das sich wie automatisch ständig vorwärtsdreht. In diesem Sinn sind wir in Europa in den letzten Jahren im Netzwerk von Leo Burnett zu einem absoluten Vorzeige- Beispiel geworden. Das schlägt sich am Schluss auch monetär in einer guten Performance nieder. Und das ist auch der Grund, wieso das Netzwerk gerne mit mir weiterarbeitet.
 
Was bleibt von Ihrem Engagement in Zürich?
Ich werde bis auf weiteres meine Erfahrungen als VR-Präsident der Agentur zur Verfügung stellen. Zudem werde ich die Verantwortung in der Schweiz gleich wahrnehmen wie für die Länder, die ich aufgezählt habe. Ich werde vor allem dort vermehrt zuständig sein, wo ein Handlungsbedarf besteht. Weil ich für Europa aber von Zürich aus operativ tätig bin, wird Zürich immer ein bisschen mein Baby bleiben. In der Schweiz ist es aber so, dass Peter Felser und ich uns zunehmend zurückziehen, nachdem wir im letzten Jahr noch intensiv in Sachen New Business tätig waren und zum Beispiel für Marken wie Victorinox oder Chocolat Frey die Grundlagen für die Markenwerbung von der Positionierung bis zum kreativen Insight erarbeitet haben. Die Mitglieder der neuen Geschäftsleitung sollen SFLB nun weitgehend selbstständig führen und auch entsprechend Verantwortung übernehmen.
 
Haben Sie bereits konkrete Ideen für die Verwirklichung Ihrer internationalen Ziele?
Was ich bereits mache – und das basiert auf einer meiner absolut besten Ideen, die ich in der Vergangenheit hatte: Ich lanciere den sogenannten Kreativ- Tag. Den habe ich bereits 2002 in Zürich eingeführt, im ersten Jahr unserer Agentur. Der Kreativ-Tag findet einmal pro Monat statt. An diesem Tag werden alle Kreativen zusammengenommen und in Gruppen aufgeteilt – unabhängig von Alter, Funktionen und Titel. Da kann ein Stift mit dem CD zusammengewürfelt werden oder zwei AD und ein Texter. Alles wird durcheinandergemischt und so ergeben sich Teams mit Leuten, die sonst nie miteinander näher zu tun haben. Am Morgen um neun Uhr wird gebrieft. Und zwar auf einem realen Briefing von einem realen Kunden. Anschliessend wird in den Teams ein Tag lang nach Ideen gesucht. Um 17 Uhr kommt man wieder zusammen für die Präsentation. Hier müssen alle vor den anderen ihre Ideen zeigen. Auf diese Art sind bei uns im Haus schon ganz tolle Ideen entstanden wie zum Beispiel «Mary Woodbridge», «Ferien ohne Internet» oder «WOZ kauft UBS». Der grosse Gewinn dabei ist, dass die Kreativen einen Tag lang absolut ungestört arbeiten können und jeder eine Chance bekommt, auf einem inspirierenden Briefing sein Bestes zu geben.
 
Das wollen Sie international einführen?
Ja, das ist eine der Massnahmen, die ich auch in Europa einführen will. Natürlich wird das bei Grossagenturen nicht mehr mit allen Leuten auf einmal möglich sein. Ich denke an abwechslungsweise 18 Kreative, was sechs Gruppen zu jeweils drei Leuten ergibt. 18 Leute bilden eine Grösse der Gruppe, die immer noch Diskussionen zulässt und bei der sich jeder einbringen kann. Eine weitere Entwicklung ist, dieses Konzept nachher auch länderübergreifend zu initiieren. Ich will je drei Leute aus Italien, Spanien, Portugal, Deutschland und der Schweiz zusammenwürfeln und auf einem Briefing arbeiten lassen.
 
Die kreative Antwort auf die Globalisierung?
Man kann dem so sagen, ja.
 
Was erwarten Sie von diesem Input?
Damit lassen sich neue Talente entdecken. An unseren bisherigen Kreatagen war ich schon oft erstaunt, wer welche Ideen liefert. Plötzlich kommt eine Idee von jemandem, der bis jetzt noch nie aufgefallen ist, und dann stellt man erstaunt fest: Die tollen Ideen kommen gar nicht immer vom grossen Chef. Solche neu entdeckten Talente will ich dann fördern.
 
Und Sie als grosser Chef: Wird ein solcher in Paris oder Rom mit offenen Armen empfangen oder kommt jetzt halt der Inspektor aus der Schweiz?
Bei den ersten Kreatagen, die ich bereits durchgeführt habe, konnte ich tolle Reaktionen erleben. Die Kreativen sind begeistert von der Arbeit genauso wie die CDs begeistert sind von den entstandenen Ideen. Man redet über die gemachten Erfahrungen und will weiter solche machen. Dabei ist es entscheidend, dass die Workshops immer für einen echt existierenden Kunden stattfinden. Es dürfen keine Fakes erfunden werden, sondern Ideen auf realen Briefings relevanter Marken. So kann man es auch verantworten. Man wendet nicht Zeit auf, um irgendeinen Award für eine nicht existierende Aufgabe zu gewinnen, und stiehlt diese Zeit auch nicht von anderen Kunden. Man bündelt die Ressourcen für ein Problem, das man tatsächlich lösen will, und gibt dort für einen Kunden das Maximum.
 
Viele sagen, es gibt zu viele Awards.
Es hat sich eine grassierende Award-Flut entwickelt und wahrscheinlich muss unsere Branche irgendwann mal diejenigen herauskristallisieren, die eine Relevanz haben im Markt. Zugleich sind Awards trotzdem etwas Nötiges. Die Awards sind ein Benchmark für alle Beteiligten. Die besten Arbeiten sind intelligent, involvierend und machen Spass. Ausserdem kann man von ihnen auch lernen. Ein Award ist eine Motivation für viele Kreative, damit sie sich irgendwo messen und herausfinden können: Wo stehe ich in diesem weltweiten Ideen-Business?
 
Wie ist Ihre Macht definiert als europäischer CD? Daumen hoch oder runter zum Beispiel bei einer neuen Kampagne in Belgien?
Ich beurteile Ideen mit den zuständigen Leuten. Am Schluss gibt es von mir eine Empfehlung: Welche Kampagne würde ich weiterverfolgen und welche präsentieren? Ich diskutiere das mit den örtlichen Kreativchefs. Diese zeigen sich froh, dass jemand von aussen kommt und sagt, in welche Richtung man etwas entwickeln könnte. Das wird geschätzt.
 
Kann Martin Spillmann einen Stil für Leo Burnett Europa mit prägen?
Es geht nicht darum, einen einheitlichen Stil zu prägen, sondern es geht um eine Haltung. Wir wollen mit populären Kampagnen Marken bewegen. – Mit Kampagnen, die den Menschen respektiert und seine Bedürfnisse ins Zentrum stellt. Kampagnen, die als Ziel Verhaltensänderungen zum Wohl der Menschen beinhalten können. Ob die realisierten Kampagnen den gestellten Anforderungen entsprechen, beurteilen wir im Netzwerk viermal pro Jahr mittels des sogenannten «Global Product Committee»-Meetings unter der Leitung von Mark Tuttsel, dem weltweiten CD von Leo Burnett. Ein Meeting, das abwechslungsweise immer in einem anderen Land stattfindet und an dem das globale Netzwerk mit rund 20 seiner besten Kreativen vertreten ist. Dort werden die Arbeiten nach dem «7+System» juriert, das seinerzeit von Michael Conrad für Leo Burnett entwickelt wurde und auch dem ADC Schweiz als Entscheidungshilfe dient. Ergänzt wird dieses System heute durch «Human Kind», einer Philosophie von Leo Burnett, welche besonders jene Kampagnen und Massnahmen von Marken honoriert und fördert, welche einen relevanten Beitrag zu Problemlösungen unserer Zeit beinhalten. Dies sowohl in ökologischen, aber auch in sozialen Belangen. Meine Arbeit besteht nun im Coaching und Entwickeln neuer Markenideen, welche diesen Anforderungen entsprechen. So wird von mir verlangt, dass ich die Marke Leo Burnett mit präge und ganz klar sage, was gut und was weniger gut ist.
 
Gibt es aktuell Baustellen im Netzwerk?
55 Löwen hat das Netzwerk weltweit im letzten Jahr gewonnen. 7 sind nach Italien gegangen, 4 in die Schweiz, 3 nach Belgien. Das heisst eigentlich: Europa steht ganz gut da. Aber auch wir haben gewisse Länder, die sich momentan nicht so erfolgreich nach vorne bewegen. Dort muss ich analysieren, wie wir das weiter vorantreiben können. Vor allem aber geht es darum, diesen Standard der momentan erfolgreichen Agenturen wahren zu können oder nach Möglichkeit sogar hinaufzusetzen. Es gibt aber Länder, bei denen es nicht einfach wird. In Spanien oder Portugal leidet die Werbung sehr stark unter der schlechten Wirtschaftslage.
 
Was ist Ihre Motivation für diese Verantwortung?
Ich finde es schön, dass ich mich von etwas, das ich lange und gerne gemacht habe, wieder verlagern kann auf etwas Neues. Ich verspreche mir viel davon, im Austausch mit den verschiedenen Kreativen aus den verschiedenen Ländern und vor allem auch mit den jungen Talenten selber auch noch ein bisschen jung zu bleiben. Und ganz klar: Ich erwarte schon, dass Leo Burnett nach wie vor eine herausragende kreative Agentur bleibt – oder sogar noch besser wird. Ich will dazu meine Erfahrung, die ich in den vielen Jahren erarbeitet habe, anderen weitergeben können und zugänglich machen. Ich will die Grenzen, die zwischen den Ländern existieren, ein bisschen auflösen im Sinne von Zusammenarbeit: über verschiedene Grenzen hinaus mit verschiedenen Leuten gemeinsam etwas entwickeln, um das einem Kunden zugute kommen zu lassen. Das wäre mein Fernziel.
 
Im Vorwort zum letzten Epica-Buch haben Sie im Stil der «Wendesätze» ihrer Agentur geschrieben: «I never want to work in advertising is great.» Wie sind Sie eigentlich in die Werbung gekommen?
Es ist tatsächlich so gewesen, dass ich in jungen Jahren nicht in die Werbung wollte. Ich habe nach einer Grafikerlehre zuerst ein paar Jahre selbstständig gearbeitet. Ich habe illustriert und fotografiert und mich lange darum gewunden, wirklich in die Werbung zu gehen. Irgendwann bin ich als Freelancer trotzdem in die Agenturen gekommen und habe gemerkt, dass ich gerne mit Leuten zusammenarbeite, und zwar gerne mit vielen Leuten. Aber ich habe auch schnell gemerkt, dass das Ganze ein Ideen- Business ist und ich nicht gerne die Idee von jemandem anderen ausführe. Ich mache lieber das Umgekehrte und lasse meine Idee von jemand anderem ausführen. Von dem her ist «working in advertising» für mich inzwischen «great».
 
Die Werbung entwickelt sich rasant. Welche Formen werden aussterben?
Eigenwerbung, um das Gegenüber zu beeindrucken, wird es wahrscheinlich immer geben, sonst müsste die Menschheit aussterben.
 
Auch Sie wollen noch einmal weiter beeindrucken: Der Ruhestand kann warten?
Es geht mir nicht ums Beeindrucken, sondern darum, dass mir mein Beruf und die gesamte Branche gefällt und noch immer grossen Spass macht. Ich werde jedoch in Zukunft trotz den neuen Aufgaben versuchen, mehr Zeit für meine Familie und mich selber zu haben.
 
Interview: Andreas Panzeri 

spillmann

Update: Alles neu auf Opernhaus.ch

Die Website des Opernhauses Zürich hat ein neues Design und einen neuen technischen Unterbau erhalten. Realisiert wurde das neue Konzept der Opernhaus-Website durch die Zürcher Medienagentur Update.

Neu werden Informationen zum Spielplan, zu Stücken und Besetzung direkt aus der Branchenlösung «Theasoft» integriert. Ein animiertes, sich der Bildschirmgrösse anpassendes Aktivitätsmosaik begrüsst die Openfans und lässt sie mit der Maus die hinter bekannten Plakaten, Publikationscovern und Sujets verdecken Informationen der Kulturinstitution entdecken. Die neue dynamische Navigation, jetzt am Seitenende platziert, erschliesst das täglich wachsende Informationsangebot in übersichtlichen Ressorts, so die Agentur.

Neu baut die Opernhaus-Website auf das Open Source Content Management System Typo3 auf. Dieses soll Opernhaus-Mitarbeitenden nicht nur ermöglichen, die Inhalte ohne HTML-Kenntnisse zu aktualisieren und zu ergänzen, sondern biete mit seinem modularen Prinzip viele Möglichkeiten für künftige Erweiterungen. Mit der Branchenlösung «Theasoft» bildet das Schauspielhaus von der Spielplanung bis zur Lohnbuchhaltung alle Geschäftsprozesse ab. Die bereits für die alte Website realisierte Einbindung der Ticketplattform «CTS eventim» wurde für den neuen Auftritt optimiert.

Konzept und Design der neuen Homepage wurden von Sabine Turner, Direktorin für Marketing, PR & Sales, und der Webmasterin Giorgia Tschanz erarbeitet. Unterstützt wurden sie von der Zürcher Internet- und Medienagentur Update, die die neue Site auch realisierte. Die Agentur unterstützt das Zürcher Opernhaus seit 2004 bei seinen Internetaktivitäten.

Verantwortlich bei Opernhaus Zürich: Giorgia Tschanz (Projektleitung, Design). Verantwortlich bei Update: Oliver Arnoczky. Struktur/Navigation: Sabine Turner. Technik: Samuel Koch, Philipp Urlich.

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