Frontwortk: Schlafen wie auf Wolken

Im neuen Happy Showroom und Schulungszentrum von Hilding Anders Schweiz können Händler und Private die Matratzen von Happy und Bico testen. Nach dem Konzept der Agentur CD3D hat Frontwork Bilder und hinterleuchtete Deckenelemente dafür produziert.

Entstanden ist eine Traumwelt mit Wohlfühlfaktor, wie es in einer Mitteilung heisst. Mit Wolken bedruckte Stoffe schweben am Himmel, grossformatige Wandbilder zeigen Alltagsszenen rund ums Bett und historische Aufnahmen in schwarz lackierten Holzrahmen gehen auf die Firmengeschichten der Traditionsmarken ein.

Verantwortlich bei Hilding Anders Switzerland, Schänis: Daniel Sütterlin. Verantwortlich bei CD3D, Weisslingen: Thomas Baumhauer. Verantwortlich bei Frontwork, Wallisellen: Manuel Böschenstein.

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Die Welt wird flach, auch in der Bildung

Nachdem die Medienwelt durch die Digitalisierung durchgeschüttelt wurde, wird nun der Bildung eine vergleichbare Umwälzung prophezeit. Bildungsinstitutionen, Medienanbieter und Technologiefirmen stellen sich auf einen Strukturwandel ein. Von Josefa Haas, Rektorin EB Zürich, Kantonale Berufsschule für Weiterbildung

Eines ist gewiss: Die Digitalisierung betrifft jeden Aktivitätsbereich unserer Gesellschaft. Die Kreativbranche stellt sich nach und nach auf die neuen Gegebenheiten ein: Musik, Film, Buch, Presse, Radio und Fernsehen. Die Welt werde flach, hat Thomas Friedmann in seinem vielbeachteten Buch prophezeit. Nach ersten zaghaften Annäherungen rückt jetzt die Bildung ins Zentrum der digitalen Aufmerksamkeit. Der Strukturwandel wird auch hier von einem Verteilkampf begleitet sein. Medienanbieter und Technologiefirmen wittern das grosse Geschäft. Die traditionellen Bildungsinstitutionen werden durch die neuen Angebotsformen herausgefordert.

Die amerikanischen Universitäten beflügeln mit MOOC, Massive Open Online Course, die Hoffnungen auf eine digitale Revolution in der Bildung. Thomas Friedmann hat in der New York Times am letzten Wochenende geschrieben: «Es passiert viel Schlechtes in der Welt. Aber eine Entwicklung stimmt mich hoffnungsvoll für die Zukunft: die Online-Revolution in der Bildung. Nichts hat ein grösseres Potenzial, aus der Armut zu befreien als der erschwingliche Zugang zur Bildung. Nichts hat ein grösseres Potenzial, Milliarden von Köpfe zu mobilisieren.» Ein aktuelles Beispiel dafür ist edX.org, ein Non-Profit-MOOC, das vom M.I.T und Harvard gemeinsam aufgebaut wird. Der Kurs über Schaltkreise wurde schon von über 150 000 Menschen aufgerufen.

Die Welt wird flach auch in der Bildung. Wo immer du lebst, wie auch immer deine Lebensumstände sind: In Zukunft genügt ein Computer, der dir die Teilnahme an Studien und Kursen der Bildungsanbieter deiner Wahl erlaubt. In den digitalen Klassenräumen und Vorlesungssälen wird diskutiert, experimentiert, gelesen und gelehrt wir auf einem reellen Campus. Prüfungen und international anerkannte Abschlüsse gehören dazu.

Etwas nüchterner und zaghafter begegnet man hierzulande den digitalen Evangelisten. Trotzdem lohnt es sich, die Entwicklungen aufmerksam zu beobachten. Die Standards, die auf den Online- Plattformen gesetzt werden, definieren früher als später die Ansprüche an die Lernangebote der schweizerischen Bildungsinstitutionen. Wer sich vom Sofa aus in Vorlesungen von Eliteuniversitäten einschalten kann, wird die Dozierenden in den eigenen Schulen an ihnen messen. Die Erfahrungen der Digitalisierung haben uns gezeigt: Was technisch möglich, einfach und kostengünstig zugänglich, inhaltlich und ästhetisch attraktiv ist, findet sein Publikum. Die Gewinner dieser Entwicklung werden Studierende und die Lernenden sein. Ihnen wird auf dem Tablet die grosse Welt der Bildung serviert. Bildungsanbieter werden über die Bücher gehen müssen: Was sind die besonderen Leistungen, die sie anbieten? Mit der Stoffvermittlung ist es nicht getan. Wissen wird wie Information zu einer Commodity. Kompetenz erfordert hingegen Reibung, nicht nur in der virtuellen, sondern auch in der realen Welt. Bildungsinstitutionen werden damit zu Begegnungsräumen, in denen Persönlichkeiten die Auseinandersetzung suchen mit Erkenntnissen, mit Interpretationen, mit Innovationen und Realitäten.

Aus Wissen wird hier ein gemeinsames Erlebnis. Die Lust am Lernen wächst mit den Erfolgserlebnissen, etwas besser zu kennen oder gar zu können. Zum Erfolg gehört der Applaus. Ein «gefällt mir» wirkt stärker, wenn es mit einem anerkennenden Blick und klatschenden Händen verbunden ist. Von der Euphorie für die digitale Revolution in der Bildung dürfen wir uns anstecken lassen. Sie wird die Motivation, die Bereitschaft und die Akzeptanz von Bildung stärken. Davon profitieren alle, die neuen und die alten Bildungsanbieter sowie die Lernbegierigen in allen Lebenssituationen.
 

«Ich gestalte lieber mit als abzuwarten»

Roland Ehrler, seit November 2012 Direktor des SWA, erklärt im Gespräch mit Werbewoche-Chefredaktor Pierre C. Meier, warum ihm Transparenz wichtig ist und welche Schwerpunkte er in seiner Arbeit setzen will. 

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WW: Was sind die aktuellen Anliegen des SWA? Roland Ehrler:
Da gibt es eine lange Liste. Zuoberst stehen sicher günstige Rahmenbedingungen, faire Angebote von Seiten der Medien und Agenturen und Transparenz im Werbemarkt. In diesem Zusammenhang beschäftigen uns im Moment vor allem die Online-Werbung, die Auswirkungen des neuen TV-Panels und die rasche Transformation im Printmarkt.
 
Gegenüber den Agenturen?
Transparenz ist auch hier das oberste Gebot. Es gibt in der Beziehung Agentur – Kunde viel Licht, Schatten und Grauzonen. Wichtig ist auch, dass die Agenturen eine echte Kundensicht einnehmen und dass insbesondere die Media-Agenturen als Treuhänder ihrer Kunden funktionieren.
 
Gegenüber Ihren Mitgliedern?
Für die Mitglieder zählt, dass sie sich mit ihren Wünschen und Anliegen jederzeit an die SWA-Geschäftsstelle wenden können. Unsere Mitglieder sind für uns einerseits die Kunden – und für deren Interessen setzen wir uns jeden Tag ein. Andererseits sind sie unersetzliche Mitarbeiter, die ihren Verband mit viel Know-how unterstützen.
 
Sie stellen Ihren Mitgliedern sehr viel Material zur Verfügung wie Vertragsentwürfe, Guidelines etc. Wird das genutzt?
Und ob. Die Unterlagen werden sehr rege genutzt und geschätzt. Die Mitglieder schätzen es, eine «neutrale» Stelle zu haben, welche ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht.
 
Transparenz ist das eine, aber es gibt ja momentan vielleicht brennendere Themen. Unsere Medienlandschaft ist im Umbruch. Das führt zum Teil zu speziellen Preisangeboten. Wir haben einen immer stärkeren Druck der Politik im Bereich Werbeverbote. Seitens der EU weht auch ein härterer Wind in Bezug auf Werbeverbote oder -einschränkungen. Die Gefahr besteht, dass die Schweiz diese in vorauseilendem Gehorsam vollzieht. Was macht der SWA konkret in diesem Bereich?
Gehen wir der Reihe nach: Umbruch der Medienlandschaft und Werbeverbote haben gemeinsam, dass es keine schweizerischen Probleme sind, sondern internationale. National gesehen nehmen wir die Interessen unserer Mitglieder durch unsere Vernetzung in allen Kommissionen über alle Medien hinweg wahr. Dass dies nicht immer in der Öffentlichkeit stattfinden kann und muss, versteht sich. Klar ist auch, dass die kleine Schweiz nicht gegen einen globalen Strom schwimmen kann, sondern sich auf diese Veränderung einstellen muss. Dabei bleibt es aber unser oberstes Ziel, dass der Markt so gut wie möglich spielt und nicht noch weiter reglementiert, sondern wieder liberaler wird. Wo es sinnlose Verbote und Einschränkungen gibt, wollen wir dagegen ankämpfen und sicher nicht noch irgendwelche neuen Verbote einführen, die je nachdem einzelne Branchen und Marktteilnehmer in ihrer Existenz bedrohen. Was den Umbruch der Medienlandschaft betrifft, kann ich nur feststellen, dass die Veränderungsbereitschaft leider nicht bei allen Marktteilnehmern gleich gross ist. Der SWA hat die Zeichen der Zeit aber erkannt. Das Motto unseres Jahresmeetings heisst ja nicht zufällig: «Die Zukunft der Kommunikation hat begonnen. Was heisst das für die Werbeauftraggeber?»
 
Und im internationalen Bereich? Der SWA ist Mitglied der WFA, der World Federation of Advertisers, die in Brüssel domiziliert und besonders in Europa sehr aktiv ist. Mein Vorgänger, Jürg Siegrist, war dort sogar im Vorstand. Wir haben einen sehr guten Draht und erfahren immer frühzeitig, was uns von Seiten der EU erwartet oder droht.
 
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es in der Schweiz eine Lobby für alles gibt…
… und gegen alles (lacht).
 
Und die Kommunikationsbranche fällt hier irgendwie zwischen Stuhl und Bank. …
… dieses Gefühl habe ich manchmal auch.
 
Es gibt zwar einen SWA, einen BSW, einen ASW, eine SW, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass man allen zuhört, nur der Werbung nicht.
Dem SWA hört man sehr wohl zu, denn seine Mitglieder bezahlen gegen 75 Prozent der Werbung. Unser Verband hat auch durchaus die Möglichkeit, eine glasklare Meinung zu vielen Fragen des Werbemarktes zu beziehen. Das hat man vielleicht in der Vergangenheit noch zu wenig deutlich gemacht. Der Schweizer Werbung (SW) sind bei vielen Themen die Hände gebunden, weil sie als Dachverband der Kommunikation zum Teil unterschiedliche Interessen vertreten muss. Nur gerade bei der Ausbildung und bei den Werbeverboten herrscht Einstimmigkeit.
 
Wie eng ist die Zusammenarbeit mit dem BSW? Der vertritt ja in vielen Bereichen die gleichen Interessen.
Wir tauschen uns regelmässig aus, alle paar Monate sind Sitzungen anberaumt. So hatte ich schon mehrfach Gelegenheit, mit BSWExponenten zu sprechen. An den nächsten Meetings wird es darum gehen, die anstehenden Themen und gegenseitigen Wünsche zu besprechen.
 
Treten BSW und SWA auch gemeinsam auf?
Das hat sich bis jetzt noch nicht ergeben, es spricht aber grundsätzlich nichts dagegen.
 
Wäre es nicht wünschenswert, in gewissen Bereichen mit einem gemeinsamen Auftreten die Interessen besser vertreten zu können?
Wenn es zweckdienlich ist, könnte ein solches gemeinsames Auftreten sehr wohl ein Zeichen sein. Es ist aber nicht zwingend nötig. Die Werbeauftraggeber alleine haben mit ihren 150 Mitgliedern eine genügend starke Position im Markt, um sich zu äussern. So könnte ich mir vorstellen, dass der SWA zu gegebener Zeit auch seine Meinung zum Thema «SRGOnline- Werbung» kommunizieren könnte. Das geht auch ohne BSW, aber noch besser wäre es natürlich, wenn die ganze Branche dazu eine einheitliche Meinung hätte.
 
Das dürfte eher schwieriger werden…
Das ist genau das Problem (lacht).
 
Wir sprachen von der sich wandelnden Medienlandschaft. Wie stark engagiert sich der SWA im Bereich der digitalen Medien? Das gibt es neue Möglichkeiten des Einkaufs, denken wir nur an Real Time Bidding.
Ende Februar erscheint der neue SWA-Jahresbericht. Wenn Sie die Artikel lesen, wissen Sie, wie wichtig wir die Online-Medien nehmen und wie nah wir dran bleiben. In diesen Bereichen bewegt sich noch jeden Tag etwas. Anders als bei Print, wo im Moment das Rad nicht neu erfunden wird. Dazu kommt, dass Online vielschichtig ist, weil wir nicht nur über Display, sondern auch über alle anderen Möglichkeiten bis zur mobilen Nutzung mitdiskutieren wollen. So habe ich in meinen ersten hundert Tagen bereits Gespräche mit Internetanbietern und Verbänden geführt. Die anstehenden Themen sind mir aus meiner Zeit bei Swisscom ja nicht ganz unbekannt. So werde ich mich an aktuelle Themen heranwagen wie zum Beispiel das Real Time Bidding oder die Transparenz in der Online-Werbestatistik.
 
Ich habe oft das Gefühl, dass sehr viele Marktpartner, ob Kunden, Agenturen oder Medien, eigentlich gar nicht verstehen, worum es heute geht. RTB wird z. B. einfach unter dem Aspekt «es wird günstiger» angeschaut, aber was eigentlich dahinter steckt und welche Chancen es bietet, vergisst man.
Sagen wir mal so: Es ist nicht einfacher geworden (lacht). Deshalb müssen die Unternehmen auch viel in die Ausbildung ihrer Mitarbeitenden investieren.
 
Der SWA hat über Jahre für Transparenz bei den Preisen gekämpft. Jahrelang wurde mit den Media-Agenturen gestritten wegen Rückvergütungen, Kickbacks etc. Ist das ein wenig in den Hintergrund getreten, oder hat sich da etwas verbessert?
Es hat sich einiges verbessert. Aber es gibt immer noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Da gibt es Agenturen, die mustergültig arbeiten, aber eben auch andere. Wir müssen ständig wiederholen: Die Auftraggeber müssen hinschauen, wie sich die Media-Agentur finanziert, damit der Werbekunde immer weiss, was mit seinem Geld passiert. Es ist immer noch sein Geld, das zu den Agenturen und Medien fliesst. Wenn ich sehe, dass in Branchengrundsätzen für Media-Agenturen des BSW steht, dass die DBE (Direktbuchungsentschädigung) der Agentur gehört, dann muss ich klar sagen, dass der SWA dies anders sieht. Der Gesetzgeber übrigens auch. Die DBE und alle anderen Rückvergütungen, wie immer diese auch heissen, gehören dem Werbekunden. Falls die Agentur das Geld zurückbehält, muss sie das vorher mit dem Werbeauftraggeber so abgemacht haben. Am besten im Agentur-Kunden-Vertrag.
 
Die «bösen» Agenturen versuchen ihre tiefen Honorareinnahmen mittels solcher Dinge aufzupolieren. Wenn man die Honorarempfehlungen des SWA betrachtet, so sind diese doch sehr bescheiden. Wie stark kann der SWA auf die Honorarhöhe seiner Mitglieder einwirken?
Da können wir nur Empfehlungen abgeben. Aber wann immer wir uns zum Thema Transparenz geäussert haben, haben wir hinzugefügt, dass sie nur verlangt und erreicht werden kann, wenn die Agenturen für ihre Arbeit auch fair honoriert werden. Nur so entstehen langjährige, erfolgreiche Partnerschaften, wie ich sie auch mit Agenturen erleben konnte.
 
Wie haben sich diese Honoraransätze in den letzten Jahren bewegt? Sind sie noch weiter gesunken?
Das glaube ich nicht wirklich. Und wie gesagt: Wenn man mit einer Agentur zusammenarbeitet und diese anständig honoriert, muss die Agentur auch nicht versuchen, sich auf andere Art und Weise zu finanzieren. Auf der anderen Seite muss gesagt sein, dass in den letzten Jahren auch keine Media-Agenturen Pleite gegangen sind. Es wird also gerne gejammert, mehrheitlich gut gearbeitet – und auch gutes Geld dabei verdient.
 
Zurück zu Online: Der SWA ist bei den klassischen Medien sehr gut organisiert, mit entsprechenden Expertenteams. Bei Online ist alles im Fluss; was heute beschlossen wird, kann morgen durch die Entwicklung überholt sein. Die Kommissionsmitglieder sind auch nicht alle Spezialisten, denn diese sitzen oft an einem anderen Ort. Nicht unbedingt in den Medienhäusern oder bei den Vermarktern oder ihren Mitgliedern, sondern irgendwo in spezialisierten Firmen. Wie können Sie dieses Know-how anzapfen?
Kein Problem, denn eines unserer vier Expertenteams befasst sich explizit mit Online. Wir sind zudem dabei, jeder dieser Arbeitsgruppen einen Beirat zur Seite zu stellen. Dabei suchen wir den Kontakt zu Universitäten und
Fachhochschulen. Mit dieser Massnahme wollen wir uns zusätzlich von neutralen Fachpersonen inspirieren lassen. Zudem wollen wir im Online-Bereich eng mit dem IAB zusammenarbeiten. Das macht Sinn. Wir haben ja sogar Mitglieder, die bei der IAB schon dabei sind. Und ja – auch der Präsident der IAB Schweiz hat einen Beitrag für den neuen SWA-Jahresbericht geschrieben.
 
Noch zu einem anderen Thema. Zusammen mit Publicitas hat der SWA das Werbebarometer Schweiz lanciert. Wie viele Mitglieder sind jetzt bei diesem Panel dabei?
Momentan ist es ein stehendes Panel von 40 Mitgliedern. Wichtig ist, dass die grössten Werbetreibenden mit dabei sind. Es ist also ein qualitativ gutes Panel. Beim Werbebarometer arbeiten wir mit Nettozahlen, im Gegensatz zu Mediafocus, die mit Bruttowerten operieren und so nur den Werbedruck messen und nicht die effektiven Ausgaben. Mit dem Werbebarometer haben wir somit ein neues Instrument zur Hand und können den Werbeauftraggebern und dem SWA eine Stimme geben. Und wir hoffen natürlich, damit einen Nutzen im Werbemarkt stiften zu können.
 
Jahrelang war der SWA dagegen, Nettowerte zu publizieren. Alle Versuche in diese Richtung wurden abgeblockt. Woher dieser plötzliche Sinneswandel?
Der kam nicht so plötzlich. Für viele Mitglieder sind die Nettozahlen immer noch ein Problem. Darum haben wir auch «nur» 40, die im Panel mitmachen. Ich habe gerade jetzt wieder eine Abmeldung erhalten, von einem Mitglied, das nicht mitmachen will, weil es interne Compliance-Probleme befürchtet. Indem wir mit einem externen Marktforschungsinstitut arbeiten, das die Zahlen erhebt, ist sichergestellt, dass nichts rausgeht. Weder Publicitas noch wir haben Einblick in die Einzeldaten, sondern nur in die konsolidierten Daten. Wir haben auch entschieden, dass keine Branchenzahlen veröffentlicht werden. Das macht es einfacher, ein Barometer über die ganze Branche zu zeigen.
 
Schade…
Ja, doch anders geht es im Moment nicht. Erstens ist das Panel noch ein zartes Pflänzlein, und zweitens würden sich viele Mitglieder dagegen wehren, wenn Branchenzahlen veröffentlicht würden. Ich war zu meiner Zeit bei Swisscom auch dagegen, denn man würde zum Beispiel den Telekom-Markt zeigen, doch alle wüssten, es wäre zum grossen Teil Swisscom (lacht). Der Fakt, dass keine Zahlen einzelner Branchen veröffentlicht werden, war sicher ein starkes Argument für die skeptischen Mitglieder, überhaupt mitzumachen.
 
Woher kam die Initiative zum Werbebarometer?
Die kam noch von Jürg Siegrist, sein Vermächtnis gewissermassen.
 
Wie ist der Publikationsrhythmus?
Die ersten Zahlen wurden diese Woche publiziert mit dem Ausblick auf das erste Semester. Die zweite Erhebung folgt dann im Juni. Dann ergibt sich ein Bild für das zweite Halbjahr.
 
Wie detailliert sind die Medien ausgewiesen?
Die Mediengruppen werden einzeln ausgewiesen. Bei Online erfassen wir Display, Search und Classified, veröffentlicht wird aber nur das Total. Damit erhält Online im Werbebarometer erstmals den richtigen Stellenwert im Medienmix. So steht bei vielen Werbekunden Online bereits an dritter Stelle im Mediamix, gleich nach Print und TV.
 
Die Schweiz liegt im Bereich der Online- Werbeausgaben gegenüber vielen anderen Ländern immer noch zurück. Warum?
Das könnte an der typisch schweizerischen Zurückhaltung der Kunden und Agenturen liegen. Zum Teil aber auch wegen der mangelnden Transparenz im Markt und bei den Forschungsdaten. Schweizer Unternehmer wollen immer genau wissen, was sie für ihr Geld bekommen. Aber wie auch immer: Die Welt wird immer mehr digital, ob wir das wollen oder nicht. Darum gestalte ich lieber mit als abzuwarten.
 
Interview: Pierre C. Meier

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Jörg Hensen neuer Geschäftsführer von Fashion Friends

Am 1. Februar 2013 übernimmt Jörg Hensen die Geschäftsführung der Online-Modeboutique Fashionfriends.ch von Peter Schüpbach. Schüpbach zieht sich auf diesen Zeitpunkt in den Verwaltungsrat zurück.

Jörg Hensen bringt Erfahrung im Bereich E-Commerce mit. Er amtete zuletzt als Direktor Nordeuropa in Paris beim Shopping Club Vente-privee.com. Davor war der Diplom-Kaufmann unter anderem während neun Jahren für den Quelle-Versand tätig, wo er als CEO der Schweizer Tochterfirma in St. Gallen arbeitete. Jörg Hensen soll das Wachstum von Fashionfriends.ch weiter vorantreiben, wie es in einer Mitteilung der Tamedia-Tochter heisst.

Peter Schüpbach gründete den Schweizer Shopping Club Fashionfriends.ch 2009 gemeinsam mit weiteren Partnern und Tamedia. Nach vier Jahren Aufbauarbeit zieht sich Peter Schüpbach auf eigenen Wunsch in den Verwaltungsrat zurück, um sich operativ neuen Projekten zuwenden zu können, heisst es in der Mitteilung weiter. Peter Schüpbach werde Fashionfriends.ch als Verwaltungsrat weiterhin begleiten und mit 35 Prozent wichtiger Aktionär des Unternehmens bleiben.

Die Schweizer Mediengruppe Tamedia hat ihre Beteiligung an der Online-Modeboutique schrittweise ausgebaut und verfügt seit dem vergangenen Jahr über eine Mehrheitsbeteiligung von 65 Prozent.

Teaserbild: Fashionfriends.ch

Syndicom bedauert Schliessung der Saint-Paul Druckerei

Syndicom hat mit Bedauern von der angekündigten Schliessung der St. Paul-Zeitungsdruckerei erfahren. Die Schliessung sei durch den Entscheid der FN erzwungen, ihre Zeitung nicht mehr bei der St.-Paul-Gruppe drucken zu lassen.

Syndicom fordert die Freiburger Nachrichten FN auf, ihren Entscheid rückgängig zu machen. Die Aktionäre der FN sollen sich des Schadens bewusst werden, den der Entscheid des FN-Verwaltungsrats dem symbolträchtigen Freiburger Unternehmen zufügt, heisst es in einer Syndicom-Mitteilung vom Donnerstag. Man verlange von der Direktion St. Paul, zusammen mit der Gewerkschaft nach Lösungen zur Rettung der Arbeitsplätze zu suchen. Die Gewerkschaft werde zusammen mit den Angestellten für den Erhalt der Druckerei und aller betroffenen Stellen kämpfen.

Saint-Paul schliesst Zeitungsdruckerei – 50 Stellen weg
 

Hug & Dorfmüller: «Mein Fussball»

Die Luzerner Agentur Hug & Dorfmüller hat die Rückrunde der Raiffeisen Super League angekündigt. Dies mit ganzseitigen Inseraten und Online-Bannern im Blick, Sonntagsblick, Illustré, Le Matin und in der SI.

Die Sujets zeigen Nahaufnahmen von Spielern im Zweikampf und sollen eine herausragende Rückrunde einläuten, unter dem Motto «Mein Fussball – Mein Stadion, Meine Mannschaft, Meine Liga».

Verantwortlich bei Infront-Ringier: Julian Bühler. Verantwortlich bei Hug & Dorfmüller: Christian Dorfmüller, Sämi Roos.

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Schweizer Forum für Jugendmarketing und Jugendkultur

Am 21. Februar 2013 findet im Güterbahnhof Zürich ein Forum im Bereich Jugendmarketing und -kultur statt. Der Event Trendboost richtet sich an Experten und Entscheidungsträger aus dem Marketing- und Werbeumfeld, die ihr Wissen einer jungen Zielgruppen vermitteln wollen.

Veranstaltet wird der Anlass gemeinsam von der auf Jugend- und Studentenmarketing spezialisierten Agentur Jim & Jim und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur. Referenten aus dem In- und Ausland geben praktische Tipps und erörtern die neusten Erkenntnisse aus den Bereichen Jugendforschung und –marketing auf. So etwa Kris Hoet, Head of Digital & Change Architect bei Duval Guillaume Modem (Kampagne «Entdecke den 007 in dir»). Spannende Einblicke verspricht auch das Referat von Bernhard Heinzlmaier. Er ist seit über zwei Jahrzehnten in der Jugendforschung tätig, Mitbegründer des Instituts für Jugendkulturforschung und Geschäftsführer der Trendagentur Tfactory in Hamburg. Christian Ritter von der Zürcher Hochschule der Künste beleuchtet das Thema aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Zudem teilen Persönlichkeiten aus der Privatwirtschaft und den Medien wie Alexander Mazzara, CEO des Social-TV-Senders Joiz und Jochen Köni, 2007 am Aufbau von Schüler VZ beteiligt, ihre praktischen Erfahrungen mit dem Publikum. Aufgelockert wird die Nachmittagsveranstaltung durch die «Street Beats», kurze Videosequenzen, in denen Jugendliche offen, ehrlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen zu aktuellen Themen Auskunft geben.

Ein Forum – drei Zielgruppen

Neben dem Trendboost, der sich in erster Linie an Marketingleute richtet, finden am selben Tag zwei weitere Teilveranstaltungen statt, die gezielt Brandverantwortliche sowie Jugendliche und Studierende ansprechen sollen. Der Brandboos gewährt verschiedenen Unternehmen die Möglichkeit, während einstündigen Sessions ihre eigenen Produkte, Kampagnen, Claims oder Kommunikationsmassnahmen live durch junge Leute analysieren zu lassen. Bei der Abendveranstaltung, Talentboost teilen zwölf durch ein Voting auf Talentboost.ch vorselektionierte Jugendliche und Studierende ihr persönliches Talent in den vier Kategorien Multimedia & IT, Kunst & Gestaltung, Wissenschaft & Technik sowie Unterhaltung mit.

Der Boost wird durch Nissan als Innovationspartner sowie durch zahlreiche Medienpartner und unterstützende Partner ermöglicht und soll künftig einmal im Jahr statt finden. Ziel ist es, ein nationales Netzwerk aufzubauen, welches junge Leute, Studierende und die Wirtschaft zusammenführt.

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(Kris Hoet, Boost)

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(Jochen Koenig, Boost)
 

New York Times Ziel von chinesischem Hacker-Angriff

Die New York Times ist Ziel eines massiven Hacker-Angriffs aus China geworden. Dabei seien die Passwörter aller Beschäftigten der Zeitung gestohlen worden, berichtete das Blatt am Donnerstag unter Berufung auf IT-Sicherheitsexperten.

Die Angreifer hätten sich danach Zugang zu den Computern von 53 Times-Mitarbeitern verschafft. Die Attacke im Herbst fiel mit der Arbeit an einem Bericht über das Vermögen der Familie des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao zusammen. In dem am 25. Oktober veröffentlichten Artikel hiess es, Wens Verwandte hätten ein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar angesammelt. Die Angreifer scheinen nur an Informationen im Zusammenhang mit dem Bericht interessiert gewesen zu sein, schrieb die Zeitung. Inzwischen sei das Computersystem der New York Times wieder sicher gemacht worden.

Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe zurück. Die Anschuldigungen der NYT seien «haltlos, sagte Aussenamtssprecher Hong Lei am Donnerstag in Peking. «Ohne harte Beweise zu sagen, dass China an derartigen Hackerangriffen teilnimmt, ist völlig verantwortungslos.» Ähnlich äusserte sich das Verteidigungsministerium, das unterstrich: «Das Militär hat niemals irgendwelche Hackerangriffe unterstützt.»

In den USA wird immer wieder über Hacker-Angriffe auf Unternehmen und Behörden berichtet. China weist die Vorwürfe stets zurück. (SDA)
 

Ogilvy & Mather: Ticken wir noch richtig?

Auch dieses Jahr führte die Zürcher Werbeagentur Ogilvy & Mather im Park Hyatt Zürich wieder eine Ausgabe ihrer Vortragsreihe durch. Diesmal zum Thema Zeit.

Zeit ist eins der wertvollsten Güter. Wir alle scheinen immer zu wenig davon zu haben. Weshalb die Zeit so knapp scheint, wie sich unser Umgang mit der Zeit seit Menschengedenken verändert hat und wie sich heute am besten mit der Zeit leben lässt, erläuterten die Zeitforscher Karlheinz und Jonas Geissler in ihrem zweiteiligen Vortrag «Ticken wir noch richtig?». 

Im ersten Teil entführte Karlheinz Geissler, emeritierter Professor für Wirtschaftspädagogik sowie Mitbegründer und Leiter des Instituts für Zeitberatung Timesandmore, die Gäste zu einer kurzen Reise durch die Geschichte der Zeit. Wie sie sich von einem gemessenen zu einem beschleunigten und schliesslich einem verdichteten Gut entwickelt hat. Und wie sich unser Umgang mit der Zeit verändert hat. So verabschiedeten wir uns etwa mit der Erfindung der Uhr von der rhythmischen Lebenszeit und führten eine getaktete ein. Und heute erledigen wir beispielsweise Dinge nicht mehr nacheinander, sondern parallel nebeneinander. 

Im zweiten Teil des Vortrages ging Jonas Geissler, Zeitexperte, Trainer, Berater, Lehrbeauftragter sowie Teilhaber von Timesandmore, konkret auf die Probleme ein, die durch die Verdichtung der Zeit und der Vergleichzeitigung unserer Arbeits- und Lebensweise entstehen können. Und worauf jeder einzelne von uns achten kann, um sich dieser Problemen bewusst zu werden, um entsprechende Lösungsansätze zu finden. So sind etwa tägliche Rituale, die unserer Zeit wieder einen gewissen Rhythmus verleihen, eine gute Möglichkeit, der Zeit wieder mehr Qualität zu verleihen. Aber auch der bewusste Umgang mit und die Pflege von Ressourcenzeit sowie Zeitressourcen gehören zu einer zeitgemässen Lebensart.

Vor und nach dem Vortrag nutzten viele der über 150 Gäste, grösstenteils Marketing- und Kommunikationsverantwortliche, die Zeit, um sich mit den Referenten, den anderen Teilnehmern sowie den Mitarbeitenden der Ogilvy Gruppe Schweiz zum Thema auszutauschen.

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Gaby Zimmerli, Managing Director von Ogilvy & Mather Zürich, begrüsst die
Gäste (Fotos: Dominik Fricker). 

(Teaserbild: Keystone)
 

Huskys lieben die Wirkung von Apfelsaft

Unikat hat ein paar Huskys auf den Geschmack gebracht, mit den Menschen die Rolle zu tauschen. Vorausgesetzt, diese haben genug Energie zum Schlittenziehen dank Apfelsaft. Ein Spot von Wirz Fraefel Paal.

Die legendäre Apfelsaftkampagne mit dem Claim «Schweizer Apfelsaft wirkt fabelhaft» geht in eine neue Runde. Letzten Herbst wurde von der Küsnachter Kreativagentur Unikat ein neuer Spot für Apfelsaft entwickelt, der noch vor Weihnachten realisiert wurde und jetzt ab Mitte Februar on air sein wird.

Dieses Mal profitieren nicht nur Menschen von der «fabelhaften Wirkung» des Apfelsafts, sondern auch die schlauen Huskys, die eigentlich dazu da wären, den antiken Hundeschlitten zu ziehen. Doch die klugen Tiere haben längst erkannt, dass sich ihr Arbeitsalltag mit Apfelsaft durchaus entspannter gestalten lässt.

Der Spot wurde im Berner Oberland gedreht vor der atemberaubenden Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau. Noch am Tag vor dem Dreh sah das Panorama im strömenden Regen jedoch weniger spek- takulär aus. «Doch ein halber Meter Neuschnee, der über Nacht gefallen ist, hat die Shooting-Location in eine winterliche Märchenlandschaft verwandelt», zeigt sich Creative Director Daniel Meier bei Unikat erleichtert. Die Crew von Wirz Fraefel Paal mit Regisseur Cello Schnyder und Kameramann Filip Zumbrunn hat somit ideale Bedingungen für einen stimmungsvollen Winterspot vorgefunden.

Beliebtes Wintergetränk

Die Agentur Unikat, welche schon seit zehn Jahren das Budget von Apfelsaft betreut, lässt bei all ihren Filmen für dieses Produkt ein ähnliches Element der «fabelhaften Übertreibung» zum Spielen kommen. Im letzten Sommer zeigte sich die «fabelhafte Wirkung » von Apfelsaft bei zwei Girls, die aus einer Pedalofahrt plötzlich einen Ritt auf dem Wakeboard machten. Ein bisheriger Winterfilm zeigte zum Beispiel einen Skispringer, der nach dem Absprung von der Schanze zum Freestyler mutiert. «Im Winter ist Apfelsaft sehr begehrt in den Bergrestaurants», weiss Daniel Meier.

In diesem Jahr wollte man allerdings nicht in einer Welt der Trendsportarten auftreten. Apfelsaft bedient ein sehr breites Publikum. Gewonnen haben deshalb die Huskys «wegen ihrer blauen Augen». Ein «Jöh-Effekt », der im neuen Film mit Witz kombiniert ist, wenn die Hunde sich selber auf den Schlitten setzen. «Es war recht schwierig, die Tiere in dieser Position zu halten. Sie lieben ganz offensichtlich das Ziehen und wollten ständig aktiv werden.» Mit der Zeit hätte ihnen die neue Rolle als Passagiere aber doch noch gefallen und «sie wollten fast nicht mehr vom Schlitten runter». Gecastet wurden die Hunde bei einem Züchter in Interlaken.

Andreas Panzeri

husky
 

Ich gehe dorthin, wo’s weh tut

Seit anderthalb Jahren fühlt Roger Schawinski in seinem TV-Talk Vertretern aus Politik und Wirtschaft auf den Zahn. Die Werbewoche hat sich mit Schawinski über seinen Interviewstil und das Konzept seiner Sendung unterhalten. Und darüber, weshalb Gäste eine Einladung nicht selten ausschlagen.

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WW: Roger Schawinski, Sie haben Oprah Winfrey kürzlich als «zahme und einfühlsame» Interviewerin bezeichnet. Was sind Sie selbst für ein Interviewer?
Roger Schawinski: Ich bin das pure Gegenteil: Ein hartnäckiger, hart recherchierender und manchmal auch aufsässiger Interviewer.
 
Was heisst «aufsässig»?
Ich achte darauf, dass meine Gäste nicht nur das erzählen, was sie wollen. Sie sollen nicht nur ihre Schokoladenseite präsentieren. Ich warte auf Möglichkeiten, reinzustechen. Wenn etwas nicht aufgeht, hake ich nach. Ich spule keinen Fragenkatalog herunter, sondern versuche ein echtes Gespräch entstehen zu lassen – und ich höre dabei gut zu.
 
Sie werden häufig gerade dafür kritisiert, dass Sie Ihre Gäste nicht ausreden lassen. Nicht nur vom Publikumsrat.
Schauen Sie, ich bin für viele Journalisten eine Reizfigur. Seit Jahren. Das mit dem Ausreden lassen war vielleicht zu Beginn der Fall. Ich glaube, das hat sich weitgehend erledigt.
 
Es liessen sich durchaus Beispiele aus aktuellen Sendungen finden…
Meine Gäste kommen alle ausgiebig zu Wort. Es gibt im Schweizer Fernsehen keine andere Sendung, in der ein einzelner Gast eine halbe Stunde eine Plattform erhält.
 
Sie pflegen einen konfrontativen Interviewstil. Müsste sich ein Interviewer dem Gast nicht mehr anpassen?
Das tue ich durchaus. Im Vorfeld schätze ich ab, ob ich bei jemandem «gäch» einsteigen soll oder ob ich es langsam angehe.
 
Ihren Stil ablegen können Sie jedoch nicht, oder?
Nein, das will ich gar nicht. Mit einer Melanie Winiger rede ich anders als mit einem Christoph Mörgeli. Was ich aber immer tue: Ich bringe mich selber ein. Ich konfrontiere meine Gäste mit Gegenfragen, gebe meine Meinung ab. Der Duellcharakter macht die Sendung erst interessant. Der Zuschauer muss immer Stellung beziehen: Auf welcher Seite bin ich? Wo sind meine Sympathien? Wer hat die besseren Argumente?
 
Die Gespräche sind schnell und bleiben häufig an der Oberfläche.
Den Vorwurf des Oberflächlichen weise ich zurück. Es geht schnell, manchmal vielleicht so schnell, dass man bei einem Punkt etwas zu kurz verbleibt. Ich gehe aber schon dorthin, wo’s weh tut, wo ich an eine Persönlichkeit herankomme. Meine Sendung plätschert nicht einfach so dahin. Die ist extrem gut recherchiert. Da macht uns niemand etwas vor.
 
Bei Melanie Winiger ging es darum, welche Haarfarbe ihre Verflossenen hatten. Was wollten Sie damit ergründen?
Ich ging darauf ein, weil Winiger einst im Fernsehen sagte, sie stehe auf Männer mit schwarzen Haaren und dunklen Augen. Ihre Männer waren gerade das Gegenteil davon.
 
Das war eine uralte Einblendung. Von 1997.
Aber es zeigt auf, wie Winiger funktioniert.
 
Wie denn?
Ich wollte zeigen: Was Winiger in den Medien erzählt, ist zum Teil warme Luft. Ein Tag später ist das Gegenteil richtig. Ich glaube, es war ein tolles Interview. Das zeigen mir die Rückmeldungen.
 
Eine andere häufige Kritik ist, dass Sie voreingenommen wirken. Als hätten Sie sich Ihre Meinung zum Gast schon gemacht.
Natürlich habe ich mir zu meinen Gästen im Laufe der Recherchen eine Meinung gebildet. Ich gebe ihnen aber die Chance, mich zu überraschen.
 
Wann ist dies zuletzt geschehen?
Das passiert in fast jeder Sendung. Alexander Tschäppät zum Beispiel, als er sagte, er habe sich davor gefürchtet, in meine Sendung zu kommen. Ich war überrascht, dass jemand wie Tschäppät, der so extravertiert ist, gleichzeitig Bedenken hat, sich einem kritischen Gespräch zu stellen.
 
Als Ihre Sendung im Sommer 2011 anlief, kündigten Sie an, Bundesräte interviewen zu wollen. Bislang war noch keiner bei «Schawinski»…
Das liegt daran, dass Bundesräte offenbar nur an Orte gehen wollen, wo sie nichts Persönliches preisgeben müssen. Da ist meine Sendung wohl die falsche.
 
Die Bundesräte haben Ihnen eine Absage erteilt?
Ja. Ich habe angefragt und Absagen erhalten. Das nehme ich zur Kenntnis, bedaure es aber. Als Volksvertreter sollten Bundesräte nicht nur antiseptische Interviews geben, die von ihren Presseleuten entkernt werden. Meine Sendung ist «live on tape», da kann man nichts mehr redigieren und flach bügeln. Deshalb raten die Medienberater ihren Bundesräten offenbar davon ab, in meine Sendung zu kommen. Das ist meiner Meinung nach ein Zeichen, dass sie ihnen nicht sehr viel zutrauen.
 
Nicht nur Bundesräte wollen nicht in Ihre Sendung.
Ja. Viele Wirtschaftsbosse trauen sich ebenso wenig in ein nicht völlig kontrolliertes Umfeld.
 
Weshalb sollte jemand zu «Schawinski» wollen?
Ein Gast, der bei mir gut abschneidet, erhält den Heldenstatus. Dies beweisen viele begeisterte Rückmeldungen. In eine Sendung zu gehen, bei der man den «Schmuus» vom Interviewer bekommt, bringt nichts. Das nimmt niemand ernst. Eine gute Antwort auf eine kritische Frage ist zehnmal mehr wert als eine Bla-bla- Antwort auf eine Bla-bla-Frage. Nur sehen das die Medienberater, die um ihren Job fürchten, meist anders.
 
Ist die Schwierigkeit, Gäste zu finden, der Grund, weshalb Sie einige Personen mehrmals einladen?
Diese Frage finde ich jetzt seltsam. Bei David Letterman kommen spannende Gäste immer wieder. Gleich ist es in der Arena. Bei Gottschalk war Peter Maffay fünfzehn Mal. Erstens ist die Zahl interessanter Gäste endlich – nicht nur in der Schweiz. Und zweitens: Die Situation entwickelt sich. Zum Beispiel bei Philipp Müller. Den habe ich schon mal interviewt, bevor er FDP-Präsident wurde. Ein Jahr später ist es eine andere Story.
 
Sie könnten durchaus ein breiteres Spektrum abdecken.
Ich fand es spannend, Christoph Mörgeli in der turbulenten Zeit um seinen Job zum dritten Mal zu interviewen. Ich will den zu jedem Zeitpunkt interessantesten Gast.
 
Sind SVP-Vertreter die interessantesten Gäste?
Nein. Ich habe Gäste aus allen Parteien.
 
Toni Brunner war zweimal, Christoph Mörgeli dreimal bei Ihnen.
Die SVP ist faktisch die Oppositionspartei. Sie ist die Partei, die am meisten provoziert. Aus diesem Grund sind ihre wichtigsten Vertreter spannend.
 
Die SVP bringt eine hohe Quote.
Na klar! Logisch, ich will eine Sendung machen, die Zuschauer findet. Aber nicht nur. Die Relevanz ist mir wichtig. Den Gerichtspsychiater Frank Urbaniok oder den Kinderarzt Remo Largo habe ich bestimmt nicht wegen der Quote eingeladen, sondern weil mich die Themen und Personen interessieren.
 
Sie waren stets auf Quoten fixiert. Jene von «Schawinski » schwankt je nach Gast zwischen 13 und 34 Prozent. Der durchschnittliche Marktanteil lag 2012 bei 16,4 Prozent. Wie zufrieden sind Sie damit?
Die Quote hängt von verschiedenen Dingen ab. Vor allem vom Gast. Aber auch davon, wie das Vorprogramm läuft. Sowohl «Eco» als auch «10vor10» haben stark schwankende Quoten. Ausserdem: Zuschauer für eine Sendung zu gewinnen, die so spät abends ernste Themen beleuchtet, ist nicht einfach. Quotenmässig bin ich sehr zufrieden – und noch mehr über das grosse Echo.
 
Wäre Ihnen ein anderer Sendeplatz lieber?
Zu dieser Zeit ist gar nicht viel mehr möglich. Ich möchte keinen Sendeplatz um 20.15 Uhr oder direkt nach «10vor10». Dann müsste ich eine etwas andere Sendung machen und mehr auf Quoten schauen. Was ich allerdings kritisiere: Seit ein paar Monaten erhalte ich nur noch für jede fünfte Sendung einen Trailer.
 
Bei SRF 1 wird doch jeweils angekündigt, wer bei Ihnen Gast ist.
Aber nicht mit einem Trailer, der mehrfach eingesetzt werden kann. Genau das wäre für eine Sendung mit nur einem Gast jedoch essentiell. Die Zuschauer müssen wissen, wer mein Gast ist, damit sie bis 23 Uhr aufbleiben.
 
Inwiefern hat Ihre Produzentin bei der Gästeauswahl ein Mitspracherecht?
Mitsprechen dürfen alle, nicht nur meine Produzentin. Für Vorschläge bin ich immer dankbar, denn es ist harte Arbeit, gute Gäste zu finden. Die Entscheidung liegt allerdings bei mir.
 
Schauen Sie selbst Ihre Sendung?
Natürlich – und zwar immer live. Ich bin der Meinung, man kann eine Sendung nur dann beurteilen, wenn man sie live schaut, im selben Kontext wie jeder Zuschauer. Meistens wird die Sendung am Montag um circa 18 Uhr aufgezeichnet. Dann gehe ich nach Hause, esse etwas und warte nervös auf die Ausstrahlung. Wie ein normaler Zuschauer sitze ich dann vor dem Fernseher mit der Fernbedienung in der Hand und überlege mir, wann ich umschalten würde. Wo wird es langweilig? Das ist jedes Mal extrem aufregend. Danach bin ich zumeist so aufgekratzt, dass ich noch zwei, drei Stunden nicht schlafen kann.
 
Was bewegt Sie, wenn Sie Ihre Sendung schauen?
Vieles. Ich frage mich: Wo hätte man etwas ändern können? Weshalb habe ich diese Frage ausgelassen? Als Zuschauer erlebe ich die Sendung manchmal ganz anders als zuvor im Studio. Das sind zwei komplett verschiedene Dinge. Tschäppät zum Beispiel war ein dankbarer Gast. Der hat gut mitgespielt. Und auch als ich dann die Sendung sah, fand ich sie sehr unterhaltsam. Bei Urbaniok dachte ich dagegen: Das war für diese späte Uhrzeit schon etwas gar harte Kost.
 
Mit wem besprechen Sie jeweils die Sendung?
Mit meiner Produzentin und mit den Kollegen von Radio 1. Zudem erhalte ich oft Feedback von Chefredaktor Diego Yanez. Hie und da auch von meiner Frau, wenn sie die Sendung schaut. Das kann sie natürlich nicht immer, da ich so viele Sendungen pro Woche mache. Ausserdem den «Doppelpunkt» bei Radio 1, «Roger gegen Roger», die Morgenkolumne, und in der SonntagsZeitung ebenfalls eine Kolumne. Es wäre fast ein Full-Time-Job, alles zu verfolgen.
 
Ist Ihre Frau eine harte Kritikerin?
Ja, sehr.
 
Was hat sie schon kritisiert?
Manchmal meint sie, ich sei zu hart eingefahren. Dann sagt sie mir jeweils, ich soll etwas runterkommen.
 
Denken Sie manchmal selbst: Da bist du jetzt zu weit gegangen?
Ja. Hie und da denke ich: Das ist ein frecher Typ, dieser Interviewer.
 
Das kaufe ich Ihnen nicht ab. Sie gefallen sich doch in dieser Rolle.
Manchmal denke ich wirklich: Hoppla. Aber: Meine Sendung ist eben echt, eben 1:1. Vieles am Fernsehen ist unverbindlich. Das ist in anderen Sendungen kaum der Fall. In der «Arena» zum Beispiel stehen einige Leute vorne und zehn andere weiter hinten. Jeder Teilnehmer weiss: Du sagst etwas, dann kommen andere und du musst zehn Minuten warten, bis du wieder an der Reihe bist. Das ist eine ganz andere Gesprächssituation als in meiner Sendung.
 
Nun haben Sie den Fuss bei SRF wieder drin. Übernehmen Sie bald noch eine zweite Sendung?
Wie kommen Sie auf eine solche Idee?
 
Ein medienpolitisches Format vielleicht?
Nein. Ich interessiere mich zwar sehr für Medien – und schreibe darüber. Aber bitte keine weitere Sendung. «Schawinski» will ich dagegen noch lange machen. Entscheidend bei einer solchen Sendung ist Kontinuität. Bei Harald Schmidt, der auf Sat. 1 viermal in der Woche seine Late-Night-Show hatte, dauerte es vier Jahre, bis sich die Sendung richtig etabliert hatte. Das sollte man nie vergessen.

Interview: Isabel Imper

Kompetenzzentrum für Marketing- und Kommunikationsspezialisten

Die Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ und das Schweizerische Institut für Betriebsökonomie SIB haben gemeinsam das «House of Marketing and Communication» gegründet.

Bereits in den vergangenen Jahren haben die HWZ und das SIB kontinuierlich ein umfassendes Studienangebot in den Bereichen Marketing und Kommunikation auf- und ausgebaut, schreibt die HWZ in einer Mitteilung vom Donnerstag. Da beide Institute im Zürcher Sihlhof domiziliert sind, lag es nahe, das Gebäude zum «House of Marketing and Communication» zu erklären. So können an der Lagerstrasse sämtliche Marketing- und Kommunikationsthemen umfassend und abschliessend studiert werden.

«In unserem Gesamtangebot sind einerseits alle Stufen der Ausbildung enthalten und andererseits werden auch sämtliche Fachbereiche abgedeckt sowie alle Anschluss-Studien und Weiterbildungs-Möglichkeiten gewährleistet», fasst Jacques Bischoff, Rektor der HWZ, die Vorteile der Kooperation zusammen. Mit anderen Worten: Der Weg vom Berufseinstieg bis hin zum Master kann an einem einzigen Ort – mitten in der Stadt Zürich, neben dem Hauptbahnhof – absolviert werden.

Weitere Kooperationspartner im «House of Marketing and Communication» sind die GfM Schweizerische Gesellschaft für Marketing, BSW Leading Swiss Agencies, das Maz, das Schweizerische Public Relations Institut, die Schweizerische Text Akademie und die Darden School of Business der University of Virginia.
 

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