Es lächelt der See, er ladet zum Singen
Im August 2013 findet das Opern- Spektakel «Festival La Perla» am Seequai in Pfäffikon ZH statt. Initiant ist George Egloff, der frühere CEO von Ticketcorner, der sich bald mit einem neuen und eigenen Ticketservice zurückmelden wird.

WW: Was hat Sie dazu inspiriert, am Pfäffikersee eine Oper zu produzieren?
George Egloff: Aufgefallen ist mir schon vor Jahren, dass in diesem Bereich ein Marktbedürfnis vorhanden ist. Wir haben in der Schweiz das Opernfestival in der römischen Arena von Avenches sowie grenznah Bregenz und Verona. Aber im wichtigsten Wirtschaftsraum Zürich gibt es nichts. Diese Analyse ist bei meinen Überlegungen ständig mitgeschwungen. Geboren ist die Idee dann im Frühling 2011, als ich mit Sergio Fontana, unserem künstlerischen Leiter, hier vorne am See ein Mittagessen eingenommen habe. Sergio fand, das sei eine Traumkulisse, da müsste man etwas machen.
Es ist hier wirklich paradiesisch. Aber wieso gerade eine Oper?
Die Schweiz hat eine der höchsten Veranstaltungsdichten in Europa, vielleicht die höchste. Dazu haben wir auch hohe Eintrittspreise. Von dem her müsste man sagen: Hände weg und nichts machen. Aber ich glaube, wir haben hier eine richtige Marktlücke entdeckt: Im breiten Spektrum aller Freilicht- Angebote fehlte bis jetzt die Oper. Die Resonanz von Medien und auch bezüglich Ticketverkauf haben uns umgehend Recht gegeben.
Und wieso «Aida»?
Verschiedene Überlegungen haben zu dieser Wahl geführt. Diese Oper kennen die meisten Leute. «Aida» ist ein Brand. Zum Zweiten: Sergio Fontana sah eine Chance im Verdi-Jahr. 2013 wäre Giuseppe Verdi 200 Jahre alt geworden. Am 7. August ist es zudem 100 Jahre her, seit in der Arena von Verona «Aida» zum ersten Mal aufgeführt wurde. Viertens es ist eine sehr anspruchsvolle Oper. Wir wollten ein Glanzlicht setzen bei der ersten Ausgabe unseres Festivals.

Wie reagieren Künstler, wenn ein völlig neues Festival sie für ein Engagement gewinnen will?
Ich allein würde keinen einzigen Künstler bekommen. Diese Beziehungen hat unser künstlerischer Leiter. Sergio Fontana hat 17 Jahre Avenches geleitet, er hat die Alpengala in Gstaad aufgebaut und selber an vielen grossen Bühnen gesungen. Bei uns ist er jetzt verantwortlich für die Zusammensetzung der Solisten sowie für den ganzen künstlerischen Inhalt bis hin zur Regie.
Was gab schliesslich den Ausschlag für Pfäffikon?
Eigentlich ist es ein Unfall. Ich wohne hier, wir alle in der Organisation sind aus Pfäffikon, und durch dieses Mittagessen mit Sergio Fontana hat es sich wie aufgedrängt.
Die Vorteile der Landschaft sind offensichtlich, was sind Nachteile dieses Standorts?
Wir haben uns viel selber aufgebürdet. Wir sagten, wir wollen einen Modal Split von 80 Prozent, das heisst: 80 Prozent sollen die ÖV nehmen. Wir hatten keine Auflagen, weder kommunal noch kantonal. Trotzdem haben wir entschieden, dass wir das Bahnbillett inkludieren wollen im Ticketpreis.
Ist die Bühne nicht zu weit weg von Zürich?
Ich sehe Pfäffikon ZH als Teil von Zürich. Der Pfäffikersee zählt zur Naherholungszone und ist in 15 bis 25 Minuten mit dem Auto oder Zug erreichbar. Wenn man das vergleicht mit Verona oder Bregenz, liegt unsere Bühne eigentlich vor der Haustür.
Es gibt ein Catering. Die Leute wollen den Zug nehmen, um auch etwas trinken zu können.
Genau. Wir öffnen um 18 Uhr, um 20.15 beginnt die Oper. Das Public Catering machen wir zusammen mit dem lokalen Gewerbe, damit wir da eine gute Verankerung haben.
Wie ist Ihre Idee in der Gemeinde angekommen?
Zu Beginn fanden sie: Was ist denn das für ein Wahnsinniger? Wer ist überhaupt dieser Egloff? Man war sehr verhalten. Das hat sich in der Zwischenzeit massiv geändert. Wir haben einen Beirat, der aus Lokalpolitikern besteht. Wir haben mit dem Regierungsratspräsidenten Thomas Heiniger vom Kanton Zürich einen Götti und geniessen eine wirklich gute Unterstützung im Gewerbe.
Wie lange brauchte die Idee bis zur Reife?
Im Frühling 2011 ist die Idee geboren, im August 2011 haben wir die Bewilligung bekommen, und am 1. Dezember 2011 sind wir im Vorverkauf gestartet. Zu jener Zeit stand auch schon das ganze Programm. Wir haben schnell Nägel mit Köpfen gemacht, weil es Gerüchte gab, dass eine andere Veranstaltung geplant sei, die ähnlich positioniert sein wollte. Deshalb sind wir auch früh raus mit der ganzen Werbung. Wir wollten das Feld besetzen.
Ist auch mal zur Diskussion gestanden, ein Jazzfestival zu machen, oder war die Oper gesetzt?
Ich würde nichts anderes machen. Im Bereich Jazz und Pop/Rock herrscht eine solche Dichte in der Schweiz, da hat es keinen Platz mehr. Oper ja.
Was ist das Konzept?
Unsere Zielgruppe sind Kulturinteressierte zwischen 40 und 75. Wir wollen an diesem Sommerfestival auch die Leute abholen, die im Winter wegen der Qualität ins Opernhaus gehen. Das ist unser Benchmark. Alle anderen, die vielleicht selber nicht so geschärfte Kriterien haben, merken dann automatisch, dass wir ein gutes Produkt anbieten. Wir wollen die Vorstellung ohne Beschallung durchführen, wirklich eine puristische Inszenierung der «Aida».
Verona am See?
Die Vision ist «Klein Verona». Wir werden natürlich nicht diese Grössenordnung erreichen. Was die Qualität betrifft ist Verona A+, dann kommt lange nichts mehr.
Wie sind die Kompetenzen bei La Perla verteilt?
Wir haben innerhalb des OK die Kompetenzen klar zugeordnet. Ich bin Initiant und Mehrheitsaktionär. Sergio Fontana ist der künstlerische Leiter. Für das Marketing und seine Umsetzung ist primär Luca Laezza zuständig (siehe Kasten).
Wie konnten Sie die Sponsoren gewinnen? Der Kulturmarkt ist ja komplett überlaufen…
Es ist so, ja. Unsere gesetzten Ziele haben wir erreicht. Man muss fairerweise sagen: Die waren nicht allzu hoch. Die Sponsoren haben wir mit einem externen Partner gesucht, Marc Brunner von People Mind. Er hat auch «Art on Ice» in St. Moritz betreut oder exklusive Poloturniere und ist bei Swiss Tennis im Vorstand.
Wer kreiert die Werbung?
Das CD/CI wurde von der Agentur Gut Werbung aus Kreuzlingen entwickelt. Der Webauftritt von Escapenet in Winterthur. FBM Communications zeichnet für die Public Relations verantwortlich.
Freddy Burger ist auch anderweitig involviert.
FBM Group ist als Aktionär dabei, und FBM Communications hat auch das PR-Mandat. Ich habe lange überlegt, ob wir «Aida» alleine stemmen wollen oder mit einem Partner. Das Budget ist 3,5 Millionen, das ist eine rechte Kiste. Deshalb haben wir uns entschieden, Freddy Burger ins Boot zu holen. Ich kenne ihn seit 25 Jahren. Er fand das Produkt super und hat relativ schnell zugesagt.
Was ist der USP des Festivals?
Unser USP ist sicher das Glanzlicht im Bereich Operund Freiluft-Aufführungen. Wir haben eine einmalige Naturkulisse, und für die Sponsoren haben wir eine sehr kaufkräftige Zielgruppe, 40 bis 75, eher weiblich, hohes Einkommen und/oder vermögend. So haben wir uns positioniert, und so haben wir auch die Medienpartner ausgesucht, SRF Radio 1, Tages-Anzeiger, Schweizer Familie, Schweiz am Sonntag und Clear Channel.
Mit 89 Franken bieten Sie vernünftige Preise.
Das ist die günstigste Kategorie, dann geht es bis 249 Franken. Das ist hochpreisig, leicht unter dem Opernhaus, aber höher als vergleichbare Festivals.
Sie kennen das Geschäft. Sie waren Mitbegründer und CEO von Ticketcorner.
Bei Ticketcorner war ich nahezu von Beginn weg dabei. Ich habe in 17 Jahren als Geschäftsführer verschiedene Firmenverkäufe begleiten dürfen oder müssen, je nach dem. Insgesamt habe ich vier Unternehmensverkäufe miterlebt.
Was hat Ihnen die Erfahrung bei Ticketcorner geholfen für die Vermarktung von Festival La Perla?
Bei Ticketcorner war ich natürlich auf der anderen Seite und habe relativ wenig mitbekommen von der Vermarktung und Organisation eines Events. Das wird vom Veranstalter selber gemacht. Aber in meinen über 20 Jahren in diesem Geschäft lernt man auch viele Leute kennen und weiss in etwa, wie die Mechanik funktioniert.
Was war Ihre Rolle beim Aufbau von Ticketcorner?
Die Organisation wurde 1987 vom damaligen Bankverein als Marketing Tool lanciert. Ich kam von der anderen Seite. Die UBS und Credit Suisse hatten Fastbox Ticketservice als Aktiengesellschaft, mit dem Auftrag, Geld zu verdienen. Als der Bankverein und die UBS fusionierten, hat man alles zusammengelegt. Fastbox Ticketservice wurde umbenannt in Ticketcorner, und mein Auftrag war es, Struktur reinzubringen, Wachstum bis zum nächsten Verkauf.
Was waren die Herausforderungen damals?
In meiner letzten Zeit bei Ticketcorner hatte eine Private-Equity-Gesellschaft die Aktienmehrheit. Privat Equity bedeutet Fremdfinanzierung und Rendite. Ich kann das nicht wirklich empfehlen. Auf der andere Seite kam der Markttrend in Richtung Eigenvertrieb des Veranstalters. Ein Veranstalter heute braucht eigentlich keine Vertriebsorganisation mehr. Das ist vergleichbar mit dem DVD- und CDVerkauf. Solche Läden existieren nicht einmal mehr, alles läuft über Downloads. Das Internet hat sich durchgesetzt als Massenmedium. Das merken wir auch bei uns. Obwohl wir mit dem Festival La Perla ein neues Produkt anbieten, werden 85 Prozent der Tickets bereits über unsere eigenen Vetriebskanäle verkauft. In den letzten vier Jahren sind im Ticketmarkt gigantische Veränderungen passiert.
In welcher Form sind Sie bei Ticketcorner immer noch dabei?
Nach dem Verkauf an CTS Eventim musste ich ein Konkurrenzverbot von zweieinhalb Jahren absitzen. Ich wollte in dieser Zeit keine Angriffsflächen bieten, deshalb arbeiten wir für «Aida» mit Ticketcorner zusammen. Ich werde aber in absehbarer Zeit kommunizieren, dass ich ein neues Projekt lancieren werde, auch wieder im Ticketing. Mit einem neuen Geschäftsmodell, welches die Wertschöpfung primär den Veranstaltern überlässt.
Was war der Impuls, mit «Aida» jetzt selber zum Veranstalter zu werden?
Die Zeit überbrücken, bis das Konkurrenzverbot abgelaufen ist (lacht).
Also nicht der grosse Traum vom Intendanten?
Nein, aber ich habe schon früher das Management von Künstlern betreut und vor meiner Zeit bei Ticketcorner verschiedene Tourneen organisiert, auch schon ein kleines Open Air mit 2000 Leuten im klassischen Bereich.
Wie war Ihr Einstieg ins Kulturbusiness?
Nach dem KV habe schnell realisiert: Das kann es nicht sein. Ein Traum war Journalist. Ich durfte beim Pop/Rocky einstiegen. Diese Zeitschrift von Jürg Marquard gibt es mittlerweile auch nicht mehr. Damals waren wir noch die Nummer 2 in Europa. Es war eine gute Zeit, hart und sieben Tage Arbeit in der Woche. Aber man lernt interessante Leute kennen. So bin ich auch mit Künstlern und Veranstaltern in Verbindung gekommen. Dann ist es kontinuierlich gewachsen. Irgendwann kam der Sprung in die Selbständigkeit. Ich machte das Management von Steve Thomson, damals Schweizer Rockstar des Jahres. Es folgten verschiedene andere Mandate von Phonogramm, Sony Music, irgendwann auch von der Volksbank, die dann von der Credit Suisse übernommen wurde. Zu Beginn habe ich als Freischaffender das Ticketing aufgebaut. Irgendwann ist das in einer Festanstellung geendet. So kam ich später zu Ticketcorner. Wie meine neue eigene Firma heisst, wird man im Herbst erfahren können.
Interview: Andreas Panzeri

















