Aussensichten

Aus Anlass des diesjährigen Verlegerkongresses hat die Werbewoche für einmal nicht heimische Koryphäen der Medienbranche befragt, sondern Einschätzungen zur helvetischen Medienlandschaft und deren weiteren Entwicklung gesucht, die nicht oder nicht nur von einer schweizerischen Perspektive geprägt sind. Somit kommen in dieser Umfrage Exponenten aus Deutschland oder mit einem Bezug zu unserem nördlichen Nachbarland zu Wort.

Arndt C. Groth
CEO PubliGroupe

Die Verlags- und Medienlandschaft in der Schweiz ist v. a. auch im Vergleich zum angrenzenden Ausland nach wie vor sehr vital. Heute gibts in der Schweizer Medienwelt knapp 441 Zeitungen, davon 106 Tageszeitungen, oft von sehr lokalem respektive regionalem Charakter. Dazu sind auch die Sprachregionen sehr gut abgedeckt. Diese breite und tiefe Medienabdeckung ist Ausdruck starker Verlegertraditionen mit tiefgreifenden Wurzeln. Gleichzeitig ist der Druck auf Printerzeugnisse wie im Ausland stark zunehmend mit einem zweistelligen Rückgang der Werbeumsätze pro Jahr.

Diese Entwicklung, die nach wie vor nicht annähernd von neuen, digitalen Einnahmequellen kompensiert werden kann, verstärkt den ökonomischen Druck und wird zu einer weiteren Konsolidierung führen. Die Antwort der Medienanbieter auf diese Verände- rung ist unterschiedlich. Ein Teil dreht ihr Portfolio mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Online- Geschäft und stösst Zeitungstitel ab; andere planen die Monetarisierung der klassischen journalistischen Erzeugnisse über eine lange Frist über sämtliche Kanäle. Um im Mediengeschäft langfristig erfolgreich zu sein, müssen v. a. Prozesse in der Ver- marktung automatisiert und Abläufe höchst effizient gestaltet werden. Inventar muss weitgehend programmatisch verkauft und persönlicher Service auf Premium-Inventar konzentriert werden.

Ralph Büchi
Vorstand Internationales der Axel Springer AG und Delegierter des Verwaltungsrates Axel Springer Schweiz AG

Die digitale Transformation ist auch hier bereits in vollem Gange. Für die Medienbranche müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die neuen digitalen Möglichkeiten unsere bisherigen Geschäfts- modelle teilweise auf rasante Weise auflösen können. Das komplette technische und mediale Ökosystem verändert sich sehr schnell. Dies sehen wir nicht als Bedrohung, sondern als Chance für den Journalismus – immer vorausgesetzt, wir passen uns schnell an. Dafür sind vor allem auch ein kultureller Wandel und ein neues Verständnis für unsere Leser und Kunden notwendig.

Roger Köppel
Verleger und Chefredaktor Weltwoche Verlags AG

Journalismus in der Demokratie kann nicht ersetzt werden, aber der Wettbewerb hat sich massiv verschärft. Alles ist gratis. Der Leser hat viel mehr Macht als früher. Daraus folgt: Zeitungen müssen extrem gut sein, um nicht überflüssig zu werden. Jedes Blatt muss auf die eigenen Stärken fokussieren. Ob der Inhalt gedruckt oder gesendet wird, ist egal. Der Inhalt zählt, also die Marke. Die Weltwoche investiert alles in Recherche und Journalismus.

Giovanni di Lorenzo
Chefredaktor Die Zeit

Die Schweiz kann, im Gegen-satz zu anderen Ländern,
 stolz sein auf ihre Medienlandschaft. Mit der NZZ und 
Le Temps verfügt sie über
zwei herausragende nationale
 Printtitel, die Qualität der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender lässt sich sehen. Ich verfolge aber mit Besorgnis, dass gerade die etablierten Schweizer Titel von den Gratismedien bedrängt werden und dass einige Verlage mehr in redaktionelle Sparprogramme als in zukunftsgerichtete Ideen investieren. Grundsätzlich würde ich, der ich aber kein Prophet bin, meinen, dass man sich heute entscheiden muss: Entweder man setzt auf qualitativ hochstehenden Journalismus, der sich, früher oder später, auch auszahlen wird – also einen Journalismus, der den Menschen unaufdringlich Orientierung bietet, sie im besten Sinne aufklärt und dabei auch zum Lesen verführt. Oder man versucht sich in einem schnellen News- und People-Journalismus. Auch ein gut gemachter, also unabhängiger Lokaljournalismus hat eine Zukunft. Wer sich aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht für eines dieser Felder entscheiden kann, wird es schwer haben.

Jörg Tobuschat
Verlagsgeschäftsführer, Mitglied der Geschäftsleitung 
Axel Springer Schweiz AG 


Die Schweiz ist im internationalen Vergleich nach wie vor
ein traditionelles Printland
und wird dies auf absehbare 
Zeit auch bleiben. Eine überdurchschnittliche Penetration mit elektronischen Devices gibt aber einen deutlichen Hinweis darauf, mit welcher Macht sich digitale Medienangebote auch hierzulande ihren Weg zu den Konsumenten ebnen. Gedruckte wie digitale Medien werden weiterhin komplementär zueinander stehen. Exakte Positionierungen und Marktführerschaften der Produkte, wie im Fall der Angebote von Axel Springer Schweiz, schaffen sowohl heute als auch morgen beste Voraussetzungen für erfolgreiches publizistisches und kommerzielles Wirken.

Philipp Welte
Verlagsvorstand Hubert Burda Media 


Um in einer digitalisierten Medienwelt erfolgreich zu sein, müssen wir den Konsumenten noch viel entschiedener als in der Vergangenheit in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen. Das bedeutet für uns, immer neue Wege zum Konsumenten zu erschliessen und gleichzeitig die tradierten Wege zu ihm mit immer neuen Produkten zu gehen.

Andreas Schoo
Konzerngeschäftsleiter der Bauer Media Group


Der Schweizer Medienmarkt zählt zu den interessantesten Medienmärkten in Europa. Dies gilt auch für den Magazinmarkt. Für unser Haus steht die Schweiz ganz oben auf unserer Prioritätenliste.

Manfred Strobl
CEO Omnicom Media Group

Die Schweizer Verlags- und Medienlandschaft erfährt Strukturveränderungen durch eine Reihe von Faktoren: fortschreitende Digitalisierung und Konvergenz, Kostendruck und Effizienzbemühungen, veränderte Bedürfnisse junger Medienkonsumenten, restriktivere Budgetierung seitens der Werbetreibenden und
eine (verhalten) spürbare Globalisierung. Wir beobachten
eine Verlagerung zu elektronischen Medien, eine weit über
proportionale Nutzung von 
mobil verfügbaren Medieninhalten (mit unterproportionalem Media Spend), fragmentiertere Informationsaufnahme und ein vermehrtes Bedürfnis nach Interaktion mit spannenden Marken und Unternehmen.

Die Omnicom Media Group mit ihren Agenturen OMD und PHD prognostiziert daher weiteren Kostendruck auf und in den Medienhäusern, eine noch grössere Kurzfristigkeit im Entscheidungs- und Commitment-Verhalten unserer Kunden, höhere Anforderungen an die Beteiligung der Medienhäuser bezüglich des Erfolges der beworbenen Produkte und Dienstleistungen sowie der legitime Wunsch nach mehr aussagekräftigen Daten und Fakten (Stichwort: Big Data). Wir beobachten weiterhin das Verlangen nach grösstmöglicher Transparenz der Marktteilnehmer – einhergehend mit einer Optimierung der Wertschöpfungskette (Stichwort: Automatisierung von Mediaplanung und -einkauf vor allem bei den digitalen Medien).

Alexander Horrolt
Managing Director Goldbach Audience (Switzerland) AG 


Ein grundsätzlicher Unterschied ist, dass Schweizer Medienhäuser weniger national ausgerichtet sind als Medienhäuser im Ausland; sie sind stärker regional verwurzelt und gebunden. Auch steckt der Schweizer Online-Markt noch in den Kinderschuhen. Was natürlich auch darin begründet liegt, dass es sich im Vergleich zu Deutschland um einen im Verhältnis kleinere Markt handelt, der entsprechend über weniger Mittel und Personal zur Entwicklung und Umsetzung verfügt. Aber wir nähern uns in der Schweiz der internationalen Entwicklung an, denn die Wirkung der Medien bleibt ja gleich.

Prof. Dr. phil. Stephan Weichert
Professor für Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg


Die Verlags- und Medienlandschaft der Schweiz geniesst seit Jahrzehnten den exzellenten Ruf, eine der publizistisch vielfältigsten und finanziell am besten ausgestatteten der Welt zu sein. Aber auch an ihr geht die Zeitungskrise nicht spurlos vorüber: Allerorten werden massiv Redaktorenstellen abgebaut, Budgets gekürzt und sogar Zeitungen eingestellt. Diese schleichende Ausdünnung der Presse ist ein Trend, der den Stellenwert des Journalismus als öffentli
ches Gut auch in der Schweiz
ernsthaft in Frage stellt. Vor
allem das aggressive Vorgehen
kostenloser Tabloids, die erfolglosen Bezahlmodelle im
 Netz und die scharenweise
Abwanderung von Lesern und
Werbekunden machen den Verlagen schwer zu schaffen. Ich gehe deshalb stark davon aus, dass auch in der Schweiz die Forderungen nach alternativen Erlös- und Finanzierungsmodellen lauter werden – zumal es hier etliche Stiftungen und Mäzene gäbe, die sich für den Erhalt des Qualitätsjournalsimus einsetzen könnten – und dies vielleicht auch wollen. Daneben gibt es auch in der Schweiz einige spannende Crowdfunding-Initiativen, denen man Beachtung schenken sollte.

Dr. Andreas Bölte
CEO Aegis Media Central Europe

Der Schweizer Markt zeigt einige Besonderheiten zu anderen vergleichbaren Märkten auf. Hält man den Schweizer Werbemarkt auf Grund seiner Grösse als vermeintlich überschaubar, führen Mehrsprachigkeit, das politische System, aber auch die Struktur der Medienlandschaft zu einer besonderen Komplexität. Stärker als in anderen Märkten tendieren fast alle Mediengruppen in Richtung Duopol, was die generelle Schnelligkeit der Medienentwicklungen eher entschleunigt. Dennoch werden die globalen Trends der Globalisierung und Konvergenz, Data und Technologie auch die Schweiz erreichen, wenn auch vielleicht mit zeitlicher Verzögerung. Das wird zu einer besonderen Herausforderung für alle Marktbeteiligten.

Wir verstehen uns vor diesem Hintergrund mehr denn je als Treiber und Entwickler mit einem hohen Standard bei Technik, Organisation und Innovation. Die gesamte Kommunikationsbranche befindet sich inmitten eines einzigartigen Transformationspro- zesses. Die grösste und eigentliche Herausforderung dabei bleiben aber die Mediatalente, die den Wandel mitgestalten – auch und insbesondere in einer ausgesprochen konzentrierten Schweizer Werbe-Community. Hier bedarf es neben eigenen exzellenten Ausbildungs- und Förderungsprogrammen, die wir als Gruppekontinuierlich weiter ausbauen, auch einer neuen Herangehensweise und neuer Wege hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Universitäten.

Carl-Eduart Meyer
Präsident des Verwaltungsrats der News aktuell (Schweiz) AG und Geschäftsführer der News aktuell GmbH in Hamburg (Deutschland

Genauso wie in Deutschland werden sich auch die schweizerischen Tageszeitungen mittelfristig mit einem schmerzhaften Konzentrationsprozess auseinanderzusetzen haben. Insbeson
dere in einem vergleichsweise
kleinen Markt mit einer Vielzahl an Angeboten. Der Preis
der Digitalisierung wird auf
jedem Fall zu zahlen sein:
schwindende Auflagen und
sinkende Anzeigenerlöse. Gekoppelt ist diese Entwicklung mit dem schleichenden Abschied der Verlage von ihrem Kerngeschäft.
Vor kurzem war es noch undenkbar, dass ein deutsches Zeitungshaus wie Axel Springer sein Tafelsilber verkauft. Der Abschied von einigen Traditionsmarken ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Verlagsmanager selber nicht mehr an die Zukunftsfähigkeit ihrer Blätter glauben. Die Herausforderung wird sein: Wie kann man Print und Online intelligent verknüpfen? Vielleicht sind es ja ausgerechnet die findigen Schweizer, die der Welt den Weg in eine erfolgreiche Zeitungszukunft weisen. Zuzutrauen wäre es ihnen.

Norbert Küpper
ist Zeitungsdesigner und Veranstalter des European Newspaper Award


Zeitschriften: Von einem landwirtschaftlichen Verlag – dem Landwirtschaftsverlag Münster – geht eine grosse Idee aus: Landlust. Eine entspannte Mischung aus Garten, Backen, Kochen, Basteln, Woh- nen setzt im Bereich Print neue Massstäbe. Mehr als eine Million Auflage im Herbst 2012, Tendenz wei- ter steigend. Das führte in Deutschland zu einer Flut von Titeln, die so ähnlich heissen und so ähnlich aussehen. Die Welle schwappte nach Österreich mit Servus für Stadt und Land und dürfte auch die Schweiz schon erreicht haben. Speziell die Zeitschrift Landlust, die Ursache für die Entwicklung dieses neuen Segments, macht verstärkt Fernseh- Werbung und hat auch mittlerweile Anzeigen von Markenartiklern, wie zum Beispiel Daimler-Benz.
Man kann sich so ein Objekt auch regional vorstellen – gibt es auch bereits in einigen Regionen Deutschlands. Die Idee wird auch schon mal umgekehrt: Stadtlust wurde auch vor kurzem gestartet.

Es ist absehbar, dass solche Objekte in der Schweiz auch erfolgreich gestartet werden können. Die Erscheinungsfrequenz ist 6- bis 12-Mal jährlich. Ich kann mir auch Regionalzeitungen sehr gut als Herausgeber vorstellen. Es gibt offensichtlich eine riesengrosse Leserschaft für entspannende Lektüre. Es ist noch kein Ende dieses Booms in Sicht.

Zeitungen: Die Schweiz ist bei Wochenzeitungen deutlich besser aufgestellt als der Rest Europas. Es gibt derzeit sieben Titel, soweit ich weiss. Sie sehen optisch ansprechend aus, haben inhaltlich ein gutes Niveau, die Anzeigenmengen scheinen gut zu sein. Gerade am Wochenende haben die Menschen offen- bar Zeit und Musse, Zeitung zu lesen.

Die Regionalzeitungen sind gestalterisch sehr unterschiedlich. Es gibt eine ganze Reihe, die sehr elegant aussehen. Es sind quasi täglich erscheinende Wochenzeitungen. Dieser Trend wird sich noch verstärken, denn man wird in Zukunft eher vermeiden, beispielsweise einen Zweispalter von 60 Zeilen zu veröffentlichen, weil viele Leser durch das Smart- phone permanent online sind und aktuelle Meldun- gen im Minutentakt bekommen. Dann haben Sie ja noch sehr erfolgreiche Pendlerzeitungen, die eben- falls das Feld der kurzen Meldungen beackern. Es wird dann gefährlich, eine Meldung noch mal zu drucken, weil diese Nachricht schon veraltet ist. Die steht besser online oder die Zeitung hat mehr Hin- tergrund oder andere Aspekte zu dem Thema. Das erfordert dann wieder einen längeren Artikel oder eine andere Herangehensweise.
Eine tägliche Wochenzeitung hat relativ lange Texte und grossflächige Bilder. Das können die meis- ten Zeitungen in der Schweiz problemlos machen.

Social Media: Ich habe nur wenig Einblick in das Geschehen in der Schweiz. Aber ich sehe europaweit viele Regionalzeitungen, die Themen auch bei Twitter und bei Facebook spielen. Sehr schön ist zu be- obachten, wie das Feedback der Leser über Facebook eingeholt wird oder wie man ganz junge Menschen über Social Media an die Zeitung heranführt. Das wird in der Schweiz sicher nicht anders sein als in anderen Ländern Europas.

Zukünftige Entwicklung: Im Bereich
des Visual Storytelling und Alternative Storytelling wird sich in Zukunft noch einiges bewegen. Die Skandinavier machen
es vor. Man sieht es beim European Newspaper Award: Man kann Geschichten auch mit einer Foto-Reportage plus einem Textblock und Infoboxen erzählen. Oder man nimmt ein grosses Foto und stellt kleine Textblöcke dazu, mit denen man Details auf diesem Foto erläutert. Alternatives Storytelling bedeutet, dass man den klassischen abgeschlossenen Text vermeidet und beispielsweise eine Liste mit 10 Punkten macht. Oder man behandelt ein Thema mit Fragen und Antworten. Hier sieht man noch nicht so viele Beispiele aus der Schweiz. Das hat auch damit zu tun, dass die Redaktionen und Layout- Abteilungen diese neuen Stilformen für sich noch nicht entdeckt haben.

Alexander Duphorn
CEO, Goldbach Media (Switzerland) AG

Die mediale Nutzung für Kommunikationslösungen erfährt eine Transformation. Um
ihre journalistische Kompetenz zu erweitern,
bauen Verleger ihre Häuser zunehmend stär
ker in Richtung Bewegtbild um. Insbesondere
Print und TV erleben eine zunehmende Digi- talisierung; bei TV bedeutet das, dass neben
dem gesetzten klassischen TV neue digitale Dienste von Video on demand bis parallel genutzten Bewegtbildern auf mobilen Second Devices stattfinden. Immer mehr passiert auch online, und der Ausgabekanal Internet bestimmt dort die Erzählform. Zum linearen Basismedium TV paaren sich immer mehr Medien auf Multiscreen.

Jörg Kachelmann
Meteorologe, twitter.com/j_ kachelmann


Ich fürchte, ich habe für die Beantwortung einer solchen Frage zu wenig Ahnung vom Gesamtkunstwerk. Grundsätzlich ist es für die Schweizer Medienlandschaft aus vielerlei Gründen hilfreich, wenn Frank A. Meyer in Deutschland ist und nicht mit dem Michi telefoniert.

Umfrage:
 Christoph J. Walther

Radio 105: Raffael Huber neuer Verkaufsleiter

Im Oktober 2013 übernimmt Raffael Huber die Verkaufsleitung bei Music First Network, der Betreiberin der Sender Radio 105, Radio Monte Carlo Swiss und Rock Nation und wird Mitglied der Geschäftsleitung. Gleichzeitig wird das Verkaufsteam stark ausgebaut.

In seiner neuen Funktion wird Raffael Huber für die Vermarktung aller Sender der Music First Network Gruppe verantwortlich sein und ein komplett neues Verkaufsteam von insgesamt sechs Mitarbeitern aufbauen und führen.

Raffael Huber kennt den Werbemarkt der elektronischen Medien aus langjähriger Erfahrung. Er war zuvor als Teamleiter Cross Screen bei Goldbach Audience, Teamleiter Sponsoring beim Schweizer Radio und Fernsehen sowie als TV Account Manager und Radio Account Manager bei Goldbach Media tätig. Seine Ausbildung absolvierte Raffael Huber an der Universität Zürich, wo er Publizistik, Betriebswirtschaft und Soziologie studierte und abschloss.
 

Aus Markenbotschaften werden Erlebnisse

«Exciting People – Exciting Brands» ist Credo bei Rufener. Um diesen Anspruch noch effektvoller erfüllen zu können, hat die Agentur ihre Kompetenzen erweitert. Die zukunftsgerichtete Strategie wurde geprägt von einer neuen Geschäftsleitung. Verantwortlich als CEO ist seit Juni Jennifer Somm.

In den letzten Monaten hat sich einiges getan bei Rufener. Die 1990 in Zürich gegründete Eventagentur hat sich nach über zwei Jahrzehnten Erfolg in 45 Ländern rund um den Globus vom einschränkenden Zusatz «events» in ihrem Brand verabschiedet. Das Profil wurde geschärft und der Fokus neu auf drei verschiedene Sparten gerichtet. Der Eventbereich wurde um die Disziplinen Creation und Consulting erweitert.

«Längst bietet Rufener ihren Kunden über die Kernkompetenz Eventmanagement hinaus ein Know-how in der Kreation sowie Beratung in strategischer Planung und integrierter Kommunikation», begründet Jennifer Somm den strategischen Schritt. Die Ökonomin aus der bisherigen Geschäftsleitung ist per 1. Juni neu zur verantwortlichen CEO befördert worden und hat das Re-Branding lanciert.

Eine neu konzipierte Corporate Identity inklusive neuer Website verstärkt die neue Ausrichtung zusätzlich. Drei definierte Corporate Colours bringen die drei Leistungsbereiche der Agentur klar zur Geltung: Events, Creation und Consulting. Gespiegelt wird diese Entwicklung auch in der personellen Zusammensetzung. Im 30-köpfigen Team finden sich neben Eventmanagern auch immer mehr strategisch erprobte Konzepter und Designer.

«Rufener möchte sich damit als Partner in sämtlichen Bereichen der Live-Kommunikation positionieren, denn wir verstehen die Begegnungskommunikation als umfassende Disziplin», erklärt Jennifer Somm.

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Bei der Gründung durch Schoscho Rufener war seine Agentur eine der ersten in der Schweiz, die damals bereits als Generalunternehmer aufgetreten ist. Die Kunden hatten nur noch einen Ansprechpartner beim Einkaufen von Catering, Unterhaltung, Technik und Location. Später hat Rufener auch als erste Eventagentur in der Schweiz eine eigene Kreationsabteilung aufgebaut. «Wir sahen, dass die Kreation ein wichtiger Bestandteil ist, um eine stringente Identity entstehen zu lassen. Punkten beim Kunden kann man sicher, wenn die Umsetzung auf dem Set perfekt ist. Aber Kreation und Beratung sind Mehrwerte, die heute unerlässlich sind», weiss Somm. Zu einer massgeschneiderten Lösung zählt deshalb auch ein fundiertes Verständnis der Brand-Values. «Erst wenn wir das herausgeschält haben, können wir auch etwas kreieren, das für den Kunden den erwarteten Return on Investment bringt», meint Somm. «Ein paar Cüpli hinstellen kann jeder. Aber wir wollen etwas Nachhaltiges schaffen, das die Marke substanziell stärkt.»

In diesem Sinn sieht man bei Rufener das Modell des Generalunternehmens nicht mehr als alleinigen USP für die Zukunft. «Ehemalige Lieferanten haben sich inzwischen selber vom Caterer zu einem GU entwickelt. Zahlreiche grosse Firmen haben ebenfalls eigene und kompetente Eventabteilungen aufgebaut. Was aber bei vielen Events heute fehlt, sind die Ideen sowie ein strategischer Background.» Below-the-line ist ein wachsender Budgetposten. Hier ist somit eine verantwortungsvolle Integration dieser Massnahmen in den gesamten Kommunikationsmix gefragt. In diesem Zusammenspiel will Rufener in Zukunft vermehrt mit strategischen Kompetenzen auftreten. «Unsere Beratung bieten wir dabei auch ohne zwingenden Auftrag für die Realisation an. Wir verstehen uns immer mehr auch als eine Agentur für kreative und strategische Beratung.»

Jennifer Somm arbeitet seit fünf Jahren bei Rufener. Zu ihrem Background gehört eine Ausbildung an der Hochschule St. Gallen. Das Studium an der HSG bildete ein gutes Fundament. Der Abschluss im Finanz- und Rechnungswesen war für die heutige Geschäftsführerin von Rufener eine wichtige Basis für Führungsaufgaben. «In meiner ersten Zeit bei Rufener wurden das HR sowie die Finanzen und das Rechnungswesen bei mir angesiedelt. Bereiche, die in Agenturen tendenziell zu kurz kommen.» Schritt für Schritt sollte daraus mehr werden. So wie es schon immer zum Arbeitsstil von Somm gehörte.

Noch während ihrer Zeit in St. Gallen hat sie nebenbei ein Praktikum bei «10 vor 10» absolviert und später als Deskerin ihr Studium beim Schweizer Fernsehen verdienen können. «Ich durfte den ganzen Tag die Nachrichten aus aller Welt verfolgen und für die Redaktion das Wichtige zusammenfassen.» Später hat sie als Freelancerin selber kleine Beiträge realisiert. Nach Abschluss des Studiums war sie «hin und her gerissen», ob sie beim Fernsehen bleiben wollte. «Ich war aber erst 24 und hatte das Gefühl, ich sollte noch etwas anderes machen.»

Eine ideale Gelegenheit zur weiteren Entwicklung ergab sich bei Burson Marsteller. In der Agentur für Polit- und Wirtschaftslobbying fand Jennifer Somm mit Iwan Rickenbacher nicht nur einen Chef, von dem sie sehr viel lernen konnte, sondern auch ihren Mentor. «Ich habe immer das Glück gehabt, dass ich auf jemanden traf, der fest an mich glaubte und mir gleichzeitig alle Freiheiten zur eigenen Entwicklung liess.» Die Arbeit mache nämlich am meisten Spass, «wenn man das ganze Leben lang etwas lernen und weiterkommen kann».

Das Leben hält aber auch noch anderes bereit. Zum Beispiel die Geburt ihrer Tochter. Und weil Jennifer Somm in ihren bisherigen Jobs erfahren hat, dass die Leute hier «zu 200 Prozent engagiert arbeiten müssen, wenn sie wirklich dabei sein wollen», hat sie beschlossen, dass eine Karriere in den Medien und ein Kleinkind für sie nicht kompatibel sind.

Die geeignete Alternative war eine Tätigkeit als Lehrerin. Am Gymnasium in Zug hat Jennifer Somm Betriebswirtschaft und Rechtskunde unterrichtet. «Diese Anstellung brachte einen strukturierten Tag mit einer planbaren Freizeit mit sich.» Auch waren die lebhaften Diskussionen mit den heranwachsenden Mittelschülern eine wertvolle Erfahrung. Trotzdem wurde für die Macherin Somm das Dozieren mit der Zeit etwas eindimensional. «Meine Leidenschaft, Neues entdecken zu können, ist brach gelegen. Zudem: Die Auseinandersetzung mit der Denkweise der Jugendlichen wurde inzwischen auch zu Hause immer mehr abgedeckt. Ich war diesbezüglich genug bedient durch meine eigene Tochter – Grenzen setzen, Regeln einhalten und Freiheiten lassen.»

Jennifer Somm spürte immer mehr, dass sie diese Fähigkeiten auch mit Erwachsenen und in einer grösseren Organisation umsetzen wollte. «Ich führe gerne und inspiriere am liebsten ein Team, damit wir gemeinsam etwas erreichen können.» Das sei es auch, was ihre Qualitäten ausmacht. «Ich komme jeden Tag ins Büro und habe stets neue Ideen. Dann stehe ich in der Kreation und versuche die Leute zu motivieren, dass sie noch einmal alles drehen und vielleicht von vorne beginnen, weil alle spüren: Hier braucht es eine noch bessere Lösung.»

Von einer solchen Einstellung zur Arbeit hatte sie mit Schoscho Rufener bei einem zufälligen Treffen philosophiert. «Er fand dann, eigentlich könne er immer jemanden brauchen wie mich. So hat er sich auf das Risiko eingelassen, obwohl ich noch gar keine Event-Erfahrungen vorweisen konnte.»

Die Erfahrungen folgten alsbald. Als Schoscho Rufener sich nach dem Verkauf an die Messe Schweiz Group in den Verwaltungsrat zurückzog, ist Jennifer Somm zeitgleich in die Geschäftsleitung nachgerückt. «Wir haben verschiedene Modelle diskutiert und dann entschieden, dass zusätzlich die Kreation bei mir angesiedelt wird. Das klingt nach einem grossen Spagat. Es ist aber genau die Facette, die unser Angebot ausmacht. Auch die Kreation braucht am Schluss viel Präzision – vor allem mit den grossen Budgets, die wir bei Rufener betreuen. Und umgekehrt brauchen die Finanzen auch eine gewisse Kreativität.»

Jennifer Somm ist überzeugt, dass alle Mitarbeitenden in ihrer Agentur «Individualisten» sind und entsprechend geführt und gefördert werden sollen. «Als Eventmanager muss man schon jung viel Verantwortung übernehmen. Ein 30-Jähriger hat bei einem Event mit 3500 Gästen ein Catering-Team von mehreren Dutzend Leuten zu führen. Dazu kommt die Technik und die Betreuung der Künstler für die Showeinlagen.» Da hilft gereiftes Vertrauen mehr als nur Kontrolle. «Es ist jedoch wichtig, dass wir klare Zielvorgaben haben und wissen, wo wir hinwollen – mit einem Event, aber auch mit unserer Agentur.»

Andreas Panzeri
 

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Ruf Lanz: Neuer Internet-Auftritt

Die Agentur hat die Sommermonate genutzt, um neben der täglichen Arbeit eine neue Website zu kreieren. Im Zentrum stehen für Kunden entworfene Kampagnen.

So findet man unter Ruflanz.ch über 750 Werbestücke, geordnet nach Kunden oder nach Medium. Dazu alles Wissenswerte über die inhabergeführte Agentur.

Ruf Lanz lobt aber auch die Kampagnen anderer Agenturen. Denn Markus Ruf und Danielle Lanz haben ihr Team aufgefordert, jeweils ein Sujet aus ihrer Lieblingskampagne vorzustellen. Einzige Bedingung: Keine Lobhudelei auf Kampagnen aus dem eigenen Haus.

Für die Programmierung wurde Station beauftragt. Station hat das Konzept im Responsive Design umgesetzt. Dadurch funktioniert die Website auf jedem Endgerät. Die auf Drupal basierende Website bietet zudem hohe Flexibilität in der Pflege des Contents und kann damit leicht aktuell gehalten werden.

Verantwortlich bei Ruf Lanz: Markus Ruf, Danielle Lanz (Gesamtverantwortung), Marcel Schläfle, Markus Ruf (Konzept), Marcel Schläfle (Design), Markus Ruf (Text), Armin Arnold (Content-Management), Colette Magnin (Beratung). Verantwortlich bei Station: Fabienne Haltinner, Annina Berweger, Patrick Stoll (Beratung). Karin Zürcher, Patman (Kreation), Luisa Low Pew, Gunisigi Balaban, Osiris Roost (Entwicklung).

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Rainer Sauser wird Operations Director bei Publicitas

Rainer Sauser übernimmt per 1. Oktober 2013 die neu geschaffene Funktion des Operations Director bei Publicitas und wird damit Mitglied der Unternehmensleitung.

Der 56-Jährige ist ehemaliger Kadermitarbeiter von Publicitas und war zuletzt bei AZ Medien als Geschäftsführer Systeme & Services und Mitglied der Unternehmensleitung tätig. In seiner neuen Funktion berichtet Sauser direkt an CEO Alain D. Bandle.

Sauser wird das Processing (Auftragsvorbereitung und -verarbeitung), IT und Facility Services verantworten und eine führende Rolle bei der Einführung des neuen Kernsystems von Mediaspectrum durch den Publicitas BPO-Partner Xentive einnehmen. Die neue Systemlösung ermöglicht es Publicitas, ab 2014 Werbekampagnen über eine webbasierte Plattform zu verarbeiten und somit die Werbeschaltungen weiter zu automatisieren.

Sauser war von 2009 bis 2013 bei AZ Medien für die Einführung der Eigenregie im Werbeverkauf verantwortlich und später Geschäftsführer Systeme & Services unter anderem bestehend aus den Bereichen IT, Druckvorstufe, Auftragsverarbeitung, Fakturierung und Prozessmanagement. Von 1980 bis 2007 war Sauser bereits in verschiedenen führenden Funktionen im Verkauf und Marketing bei Publicitas tätig.

Alain D. Bandle, CEO Publicitas: «Ich freue mich sehr, die Position Operations Director bei Publicitas mit einer erfahrenen Person wie Rainer Sauser zu besetzen. Rainer Sauser verfügt über fundierte Kenntnisse im Bereich Operations, was für die zunehmende Automatisierung in der Prozesslandschaft von Publicitas von grosser Bedeutung ist».

 

Erfolgreicher dank Swissness

Ob Schweizer Kreuz, Alpenlandschaft oder Schweizer Qualität, die Swissness ist eine interessante Vermarktungs- und Kommunikationsstrategie. In welchen Fällen sich die das Co-Branding mit der Schweiz lohnt, zeigt die neue Studie «Swissness Worldwide 2013».

Beinah täglich berichten Medien über Schwarzgeld auf Schweizer Banken, den Steuerstreit mit den USA oder mit Deutschland. Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass viele Schweizer der Meinung sind, das Ansehen der Schweiz hätte in den letzten Jahren gelitten. Zu Unrecht, wie die aktuelle Studie «Swissness Worldwide – Image und internationaler Mehrwert der Marke Schweiz» zeigt, die durch das Institut für Marketing an der Universität St. Gallen (HSG) und die htp St. Gallen Managementberatung in Zusammenarbeit mit Jung von Matt/Limmat und dem Marktforschungsinstitut GfK Switzerland durchgeführt wurde.

Die Schweiz geniesst international einen guten Ruf. Sie wird als ein Land mit viel Natur und einer hohen Lebensqualität angesehen, gilt als verlässlich und vertrauenswürdig. Entgegen der Innensicht hat sich das Image der Schweiz in den letzten Jahren international sogar verbessert, wie der Vergleich der aktuellen Studie mit ihren Vorgängerinnen zeigt. Insbesondere Chinesen, Inder und Brasilianer sehen das Image der Schweiz heute deutlich besser als noch im Jahr 2010. Eine gute Nachricht für Schweizer Unternehmen, die ihre Herkunft als Vermarktungsinstrument und in der Kommunikation einsetzen. 

Den vollständigen Artikel finden Sie hier als PDF.

Statement: Waxing zum Erlebnis gemacht

Um das noch unbekannte Waxing-Angebot zu bewerben, kreierte Statement für Ease Design Spa aus dem Angebot gleich die Strassenaktion.

Ein am Oberkörper gänzlich mit Wachsstreifen beklebtes Modell überraschte die Zürcher Passanten an der Bellevue-Promenade mit der Bitte, ihm diese abzuziehen. Jeder Wachsstreifen war zugleich ein 25 Prozent Rabatt Gutschein für eine Waxing-Behandlung im Design Spa. Über 350 Gutscheine wurden so verteilt und sorgten für einen hohen Viraleffekt, gibt die Agentur in einer Mitteilung vom Donnerstag bekannt. Sowohl auf der Website als auch auf der Facebook-Seite seien kurz nach der Aktion 15 Prozent mehr Besucher verzeichnet und bereits erste Waxing-Behandlungen gebucht worden.

Verantwortlich bei Ease Design Spa: Pascal Stalder (Managing Director). Verantwortlich bei Statement: Philipp Brunner, Renato Auer (Gesamtverantwortung).

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Zur Sache: Umbruch und Aufbruch

Das Motto des diesjährigen Schweizer Medienkon­ gresses lädt zu Wortspielen ein. So hörte ich einige Male «Umbruch, Aufbruch, Abbruch». Tönt ja viel­ leicht ganz lustig, aber wirklich lustig ist es nicht. Das sage ich, der ich doch immer noch so gerne zu einem ironischen oder gar zynischen Spruch bereit bin. Schliesslich geht es um die Branche, in der wir ar­ beiten. Seit mindestens zehn Jahren weiss man, dass das Geschäftsmodell der Tageszeitung nicht mehr so funktioniert wie früher. Strategien? Keine.

Zuerst kamen die Gratiszeitungen, diese wurden reihum belächelt («Kurzfutter, Info­-Häppchen»), dann – als sie anfingen, den etablierten Zeitungen nicht nur die Leser, sondern auch die Anzeigen strei­tig zu machen – mit Argwohn betrachtet. Gegen­-Strategien? Keine. Man war ja besser! 20 Minuten wurde dann von Tamedia gekauft, die übrigen Gratis­-Titel gingen ein. Für Tamedia ging die Sache gut aus, den anderen Verlagen blieb die Gratis­-Konkurrenz.

Dann der Sündenfall mit dem Internet. Praktisch alle Verlage stellten die News ihrer Tageszeitungen gra­tis ins Netz. «Netzkultur», «das muss so sein», hiess es. Die Überlegung war so einfach wie falsch: Wenn mög­lichst viele Nutzer die Gratis­-News im Netz anklicken, dann wird auch die Werbung kommen. Theoretisch stimmt das. Aber nur, wenn man die Nummer 1 oder 2 ist. Und es kompensiert niemals den Rückgang im Print. Ab Rang 3 passiert dann in Franken herzlich wenig.

Der Siegeszug der Tablets führte zum App­-Hype. So könnte man zusätzliche Inhalte verkaufen. Und natürlich auch Werbung. Meinte man.

Neuer Hype: Paywall. Unzählige Varianten (mete­red, freemium, social) werden an­ und ausgedacht. Den Erfolg – wenn sie überhaupt schon eingeführt und nicht zum x-­ten mal verschoben wird – bezeich­net man schönsprecherisch als «ermutigend», was soviel wie «bringt nicht wirklich was» heisst.

Aktuell ist der Mobile-­Hype. Immer mehr Leute greifen mittels Smartphone auf die Websites zu. Das mit der Werbung kommt dann schon. Hofft man.

Auffallend ist, dass seit mindestens zehn Jahren die meisten Strategien der Medienhäuser reine Reak­tionsstrategien waren. Jemand – meistens ein bran­chenfremder – machte was und dann reagierte man. Wirklich bahnbrechende strategische Überlegungen gab es selten. Man sparte am Produkt und hoffte auf bessere Zeiten. Oder man diversifizierte in andere, branchenfremde Bereiche.

Es braucht einen Umbruch. Und zwar rasch. Nur dann kann der Aufbruch gelingen. Dazu ist es aber nötig, eingefahrene tradierte Denkweisen über Bord zu werfen. Rasch und gründlich.
Andere Branchen, die in einer ähnlichen Krise steckten, haben es vorgemacht. Es geht nur so. Sonst droht der Abbruch.

Pierre C. Meier, Chefredaktor [email protected]

Aussensichten

Aus Anlass des Verlegerkongresses hat die Werbewoche eine Umfrage zur Schweizer Medienlandschaft gemacht, bei der Exponenten aus Deutschland oder mit einem Bezug zum nördlichen Nachbarn zu Wort kommen.

Arndt C. Groth
CEO Publigroupe

Die Verlags- und Medienlandschaft in der Schweiz ist v. a. auch im Vergleich zum angrenzenden Ausland nach wie vor sehr vital. Heute gibts in der Schweizer Medienwelt knapp 441 Zeitungen, davon 106 Tageszeitungen, oft von sehr lokalem respektive regionalem Charakter. Dazu sind auch die Sprachregionen sehr gut abgedeckt. Diese breite und tiefe Medienabdeckung ist Ausdruck starker Verlegertraditionen mit tiefgreifenden Wurzeln. Gleichzeitig ist der Druck auf Printerzeugnisse wie im Ausland stark zunehmend mit einem zweistelligen Rückgang der Werbeumsätze pro Jahr.

Diese Entwicklung, die nach wie vor nicht annähernd von neuen, digitalen Einnahmequellen kompensiert werden kann, verstärkt den ökonomischen Druck und wird zu einer weiteren Konsolidierung führen. Die Antwort der Medienanbieter auf diese Veränderung ist unterschiedlich. Ein Teil dreht ihr Portfolio mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Online-Geschäft und stösst Zeitungstitel ab; andere planen die Monetarisierung der klassischen journalistischen Erzeugnisse über eine lange Frist über sämtliche Kanäle. Um im Mediengeschäft langfristig erfolgreich zu sein, müssen v. a. Prozesse in der Vermarktung automatisiert und Abläufe höchst effizient gestaltet werden. Inventar muss weitgehend programmatisch verkauft und persönlicher Service auf Premium-Inventar konzentriert werden.

Abonnenten lesen unter diesem Link die Einschätzungen von

Ralph Büchi
Vorstand Internationales der Axel Springer AG und Delegierter des Verwaltungsrates Axel Springer Schweiz AG

Roger Köppel
Verleger und Chefredaktor Weltwoche Verlags AG

Giovanni di Lorenzo
Chefredaktor Die Zeit

Jörg Tobuschat
Verlagsgeschäftsführer, Mitglied der Geschäftsleitung 
Axel Springer Schweiz AG 


Philipp Welte
Verlagsvorstand Hubert Burda Media

Andreas Schoo
Konzerngeschäftsleiter der Bauer Media Group


Manfred Strobl
CEO Omnicom Media Group

Alexander Horrolt
Managing Director Goldbach Audience (Switzerland) AG 


Prof. Dr. phil. Stephan Weichert
Professor für Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg


Dr. Andreas Bölte
CEO Aegis Media Central Europe

Carl-Eduart Meyer
Präsident des Verwaltungsrats der News aktuell (Schweiz) AG und Geschäftsführer der News aktuell GmbH in Hamburg (Deutschland)

Norbert Küpper
iZeitungsdesigner und Veranstalter des European Newspaper Award


Alexander Duphorn
CEO, Goldbach Media (Switzerland) AG

Jörg Kachelmann
Meteorologe, twitter.com/j_ kachelmann

Teaserbild: hae/Wewo

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Alles neu macht Januar

Die beiden Designer Fredy Espejo und Emanuel Gürth haben zusammen die Agentur Januar Designbureau ins Leben gerufen. Der Fokus liegt auf Branding, visueller Kommunikation und neuen Medien.

Januar ist das Resultat eines Business-Blinddates », erklärt Fredy Espejo und schaut zu seinem neuen Geschäftspartner Emanuel Gürth hinüber. Kennengelernt haben sich die beiden Corporate- Design-Spezialisten vor ein paar Jahren im Internet, als sie auf Social-Media-Plattformen nach geschäftlichen Synergien suchten. Der Austausch war für die Designer so inspirierend, dass sich der Internetkontakt alsbald auf die Offline-Welt ausdehnte. In regelmässigen Abständen trafen sich Espejo und Gürth, um über die Welt und ihre Arbeit zu diskutieren. Vor rund zwei Jahren bezogen die Designer schliesslich ein gemeinsames Büro in Zürich Wipkingen. Noch konzentrierte sich Espejo auf seine eigene Firma Gemdesign, Gürth war mit Gürth Design engagiert. Beim Arbeiten schauten sie sich jedoch gegenseitig vermehrt «sehr genau über die Schulter».

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(Foto: Paolo Emmanuele)

Mit der Gründung der Agentur Januar Designbureau folgt nun der nächste Schritt. Januar versteht sich als «Design-Boutique» für Markenauftritte, visuelle Kommunikation und neue Medien. Schlank aufgestellt, eine Kleinagentur, bei der die Aufträge vom Kunden direkt zum Designer gelangen. Für die Realisation wird aus einem Freelance-Netzwerk jeweils ein passendes Team zusammengestellt. Das Design bleibt stets Chefsache.

Ihr erster Kunde sind die Designer gleich selbst. Für ihre neue Agentur musste zuerst die eigene Identität definiert und das Corporate Design gestaltet werden. Ein Name, der optisch etwas hergibt – und inhaltlich den Kern des Unternehmens verkörpert.

«Wenn Kunden zu uns kommen, haben sie einen tiefen Wunsch nach Veränderung», erklärt Espejo. Der erste Monat im Jahr steht stellvertretend für den Prozess des Neustarts, bei dem die Designer ihre Kunden begleiten.

Espejo und Gürth setzen gerne auf maximale Reduktion. Dieser Hang zum Minimalistischen präsentiert sich unter anderem auf ihrer Website. Nur ein eingesetzter Schriftschnitt («light»), kein «bold», kein «regular». Tendenziell ist Gürth noch etwas puristischer als Espejo. «Emanuel ist der Mann für elegantes Super-Flat-Design», so Espejo. Ihm selbst fällt es etwas schwerer, vollkommen zu reduzieren. Gürth: «Fredy schafft es stets, noch den einen oder anderen Schatten einzusetzen.»

In ihren eigenen Auftritt haben die Designer viel Zeit investiert. Das zeigen auch ihre Visitenkarten. Schlichtes, weisses, kaschiertes Papier und schwarze Schrift (Buchdruck), lediglich die knallorangene 1-Millimeter dicke Kante (Farbschnitt) sticht hervor. Ein Zusatz, der sofort auffällt, ist dabei die schwarze mit transparenter Heissfolienprägung veredelte Hülle, in der jede Karte steckt.

Zum Start von Januar können die Inhaber durch ihre bisherige Selbständigkeit bereits einige Arbeiten präsentieren. Für die Modeboutique Hermathin hat Gürth unter dem Claim «Feine Mode» einen eleganten Gesamtauftritt konzipiert. Für das Kranbauunternehmen René Kunz wurde ein Rebranding umgesetzt. Seit 2010 betreut Gürth zudem die Konzert- und Event-Serie «Tonhalle Late». Er zeichnet für den Relaunch des Gestaltungskonzepts verantwortlich und realisiert alle paar Monate neue Flyer und Plakate. Getreu dem Motto «classic meets electronic» werden jeweils Elemente der klassischen und modernen Musik visuell in Szene gesetzt. In der Trompete steckt anstelle eines Dämpfers ein Lautsprecher, die schwarzen Tasten der Klaviatur wurden durch Fader beziehungsweise Slider ersetzt.

Zum Kundenstamm von Januar gehören darüber hinaus Finanzdienstleister wie GFP Global Financial Products, der Vermögensverwalter RFinanz Rindlisbacher & Partner oder der in der Treuhandbranche tätige Anbieter Controva. Für letzteren hat Espejo ein Corporate Design und ein Kommunikationskonzept inklusive Bildsprache realisiert. Blau, versal, Serifenschrift. Zusammen mit der blau-weissen Bildmarke, die rechts oberhalb des Schriftzuges prangt, erinnert der Auftritt an jenen der Credit Suisse. Der Entstehungsprozess sei allerdings ein ganz anderer gewesen, erklärt der Designer. Die kleine blau-weisse Bildmarke hat er nach dem Vorbild einer mathematischen Funktion designt. Die Fläche unterhalb der Kurve hat er ausgefüllt und um die eigene Achse gedreht.

Viele ihrer Kunden haben Espejo und Gürth über den privaten Kanal gewonnen. Diesen nutzen sie sehr aktiv: «Ich habe irgendwann realisiert, dass man auf privatem Weg gleichermassen akquirieren kann.» Ist Espejo derjenige, der an der Housewarming des Nachbars seine Flyer verteilt? «Ich versuche, nicht aufdringlich zu sein. Aber natürlich redet man darüber, was man geschäftlich tut. Dies jemandem vorzuenthalten, wäre unklug.»

Häufiger nutzt Januar dann allerdings doch das Web zur Kundenakquise. Über Xing, LinkedIn und Facebook haben Espejo und Gürth schon den einen oder andere Kollegen von früher wiedergefunden – und schliesslich als Kunden gewonnen. Umgekehrt haben sie über Social Media schon Freelancer entdeckt und Aufträge vergeben. Finden und gefunden werden. Oder wie Espejo sagt: «Social Media ist die perfekte Chance, dem Zufall Gelegenheit zu geben.»

Isabel Imper

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in Kürze
Nach sechs Jahren Grafikdesign und Motion Graphics für die Produktionsfirma Frame Eleven hat Fredy Espejo (38) im Jahr 2005 die Design- Agentur Gemdesign gegründet. Emanuel Gürths (28) Weg führte ihn vom Grafiker zum Artdirektor einer Zürcher Fullservice-Werbeagentur. Nach zwei Jahren Freelancer-Erfahrung machte er sich 2010 mit Gürth Design selbständig. Per September schliessen sich die beiden Designer zu Januar Designbureau zusammen. Zum Kundenportfolio gehören Unternehmen wie GFP Global Financial Products, Sherpany, Fashionfish, Veloplus, Tages-Anzeiger, Hermathin, Müller-Möhl Foundation, das Tonhalle-Orchester oder der Anne Frank Fonds. 

 

Mobile Kompendium 2013/2014 der IAB

Das mobile Internet spielt für die Werbetreibenden eine immer grössere Rolle. Die IAB Switzerland, der Branchenverband der digitalen Werbung, hat deshalb sein im vergangenen Jahr erstmals herausgegebenes Mobile Kompendium aktualisiert.

Die IAB Switzerland möchte durch die rasante Zunahme der mobilen Endgeräte in der Schweiz deren Einsatz als Vertriebs- und Marketinginstrument beschleunigen. Das Mobile Kompendium 2013/2014 bietet einen Leitfaden für mobile Werbung.

Weiterhin wird die Nutzung mobiler Endgeräte (unterteilt in Mobiltelefone und Tablets) analysiert. Der Fokus des Mobile Kompendiums liegt auf dem Thema mobile Werbemittel sowie dem Tracking und dem Targeting. Auch das Thema Mobile Seiten versus Mobile Apps stellt einen Baustein im Kompendium dar. Abschliessend werden einige Best Practices ausführlich dargestellt.

Das aktuelle Mobile Kompendium kann gratis als PDF oder in der Printversion bei der IAB Switzerland ([email protected]) bestellt werden.

Ergänzend zum Mobile Kompendium bietet die IAB Academy am 2. und 3. Oktober beziehungsweise am 4. und 5. Dezember 2013 ein Vertiefungsseminar zum Thema Mobile Marketing an.
 

Zu guter Letzt: Problem-Peers Mittelfinger

Kanzlerkandidat Steinbrücks Sympathiewerte nehmen langsam Fahrt auf. Aktuell zeigt er auf der Titelseite des SZ Magazins dem Interviewer den Mittelfinger.

Das Süddeutsche Zeitung Magazin hat eine Interview-Rubrik namens «Sagen Sie jetzt nichts». Nomen est omen: Geantwortet wird nicht mit Worten, sondern mit fotografierter Gestik. In der aktuellen Ausgabe vom Freitag ist Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu Gast.

Auf die Frage: «Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi – um nette Spitznamen müssen Sie sich keine Sorgen machen, oder?» streckte Steinbrück der Kamera als Antwort den Mittelfinger entgegen. Wohl als Reaktion auf das monatelange Herumreiten der Medien auf seinen Ausrutschern. Da erscheint unser aktuelles Affengate geradezu blass. Seine direkte, trockene und teils beinahe schroffe Art liess den SPD-Kandidaten in der Vergangenheit schon in manches Fettnäpfchen treten und machte ihn einst vorzeitig zum aussichtlosen Herausforderer von Angela Merkel. Dass er sich ums Anecken – im Gegensatz zu Merkel, die sich nie auf die Äste hinaus wagt – keine Gedanken macht, bringt ihm aber auch Sympathien ein und so stiegen seine Umfragewerte in den letzten Wochen stetig. Er wirkt authentisch, da er scheinbar jederzeit sagt, was er denkt – Image hin oder her.

Wie Süddeutsche.de schreibt, wollte sein Sprecher Rolf Kleine das Mittelfinger-Foto als Titelseite noch verhindern. Für seinen Geschmack hat sein Schützling bei jener Frage «etwas zu spontan» reagiert. Doch Steinbrück gab das Bild mit den Worten «Nein, das ist okay so» frei. Und erhält damit – so ein erster Eindruck – zumindest in der Bloggerszene und den sozialen Medien viel Zuspruch. (hae)

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©Süddeutsche Magazin/Alfred Steffen

 

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