Das Marketing des frühen Jahrtausends ist dominiert von zwei Trends: Zyklenbeschleunigung und Komplexitätserhöhung. Oder anders ausgedrückt: Immer mehr und immer bessere Produkte buhlen in einer zunehmend fragmentierten Medienlandschaft um die Gunst der Kunden. Vom ersten iPhone bis zum heutigen Smartphone oder Tablet mit HD Bildschirm, Fingerabdrucksensor und Sprachsteuerung sind gerade einmal sechs Jahre vergangen. Die rasante Entwicklung zwingt Unternehmen dazu, in kurzer Zeit Kommunikationskonzepte zu entwickeln, die taktisch, schlagkräftig, vernetzt und digital die Konsumenten erreichen und soweit möglich direkt zur Transaktion bewegen.
Um dieser gestiegenen Geschwindigkeit und Komplexität Rechnung zu tragen, etabliert die Y&R Group Switzerland eine neue Struktur. Die klassische Aufteilung einer Agentur in die Bereiche Strategie, Kreation und Beratung entspricht dem alten Selbstverständnis und Arbeitsprozess der Branche: lineare Prozesse, von Beratung über Strategie zur Kreation und via Beratung wieder zurück zum Kunden. In einer analogen Welt mit wenig Optionen und durchschnittlichen Innovationszyklen funktionierte dieser Prozess. Die heutige Komplexität fordert jedoch auch neue Lösungsansätze.
«Wir haben deshalb die klassische Struktur der Trennung von Beratung, Kreation, Strategie und IT aufgehoben» sagt Andreas Widmer, CEO der Y&R Group Switzerland. «Nur wenn die Spezialisten aus den verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten, entstehen wirklich neue Lösungen.» Einzige Klammer für die neue Struktur sind die Kunden. An deren Themen arbeiten die interdisziplinären Teams auch physisch eng zusammen. Mit dem einher geht auch neues Kreativitätsverständnis. Klassische, kreationsgetriebene Kommunikation an die Kunden wird abgelöst durch kreative und technologiebasierte Kommunikation mit den Kunden. Und Markus Gut, Chief Creative Officer der Group fügt hinzu: «Kreativität kommt heute nicht mehr ausschliesslich aus der Kreation. Wir legen grossen Wert darauf, dass alle Mitarbeiter sich kreativ einbringen, von Beratung über IT und Strategie bis hin zur Produktion. Wirklich business-relevante Lösungen entstehen heute an der Schnittstelle von Technologie und Kommunikation.»
Und noch ein Gedanke stand bei dem Modell Pate. Um in möglichst kurzer Zeit kreative und effektive Konzepte entwickeln zu können, sind neue Zusammenarbeitsmodelle zwischen Agentur und Kunde gefragt. Aus diesem Grund wurde in der neuen Struktur auch Platz für die Projektmitarbeiter der Kunden geschaffen. Der herkömmliche Prozess vom Briefing zur Präsentation sei schon immer zäh und fehleranfällig gewesen, heisst es. Die zwangsweise entstehende Kommunikationskluft zwischen Kunde und Agentur versuche man mit Schulterblick Meetings und Ähnlichem zu schliessen. Dabei seien einige Tage gemeinsamer Arbeit viel zielführender – und effizienter. In dieser Beziehung könnten die Agenturen von der Beratungsbranche lernen. Projektarbeit findet dort zu mindestens 50 Prozent mit dem Kunden statt – das ist Co-Creation in Reinkultur. Und die Kunden kommen durchaus gerne.
«Für die meisten unser Kundinnen und Kunden sind die Tage bei uns in der Agentur eine willkommene Abwechslung und eine gute Gelegenheit, sich abseits vom Daily Business voll auf ein Thema konzentrieren zu können.» sagt Widmer.
Der unter dem Motto «Co-Creation» vollzogene Umbau der Agentur wurde im Mai erfolgreich abgeschlossen. Und die nächsten Veränderungen sind bereits geplant. Man möchte noch nicht zu viel verraten, heisst es bei Y&R. Nur so viel könne man sagen: Es wird um Content und Performance Marketing gehen.