Das Kriterium Leserbindung ist längst aus den klassischen Medienstudien verschwunden. Eigentlich schade, denn eine neue Ad-hoc-Studie zeigt, je grösser die Leserbindung und je mehr die Nutzerinnen und Nutzer ihr Medium schätzen, desto positiver ist ihre Einstellung gegenüber der Werbung. Das gilt für Printmedien genauso wie für Online- Angebote. Diese Erkenntnisse stammen aus der aktuellen Studie des Medien- und Kommunikationsmanagements (MCM) der Universität St. Gallen, die bei 1066 Personen im Auftrag der Publicitas im März 2014 durch das Institut GfK durchgeführt wurde. 75% der Befragten haben eine positive Einstellung zu Zeitungen (Print und Web) und ein Drittel hat eine deutlich positive, aber differenzierte Einstellung der Werbung gegenüber. Die Begründung findet sich auch in der Erkenntnis der Mediennutzer, dass es Werbung zur Finanzierung von Zeitungen braucht. Generell erweist sich der Wert der Werbung in Print ausgeprägter als in Online. Die Studienergebnisse zeigen weiter, dass sich drei Nutzergruppen von Medien und Werbung abgrenzen lassen. Sie unterscheiden sich nicht nur in den demografischen Strukturen, sondern auch durch wichtige Unterschiede in Mediennutzung und Werbeakzeptanz.
Vielsurfer, Vielseher und Vielleser
• 34% der Befragten sind Vielleser. Sie lesen häufig Zeitungen (Print und Online), verdienen gut, verfügen über das stärkste Bewusstsein für die Relevanz von Medienmarken und zeigen die grösste Offenheit gegenüber der Werbung. Sie stellen die Wunschzielgruppe vieler Werbungtreibender dar.
• 27% der Befragten sind Vielsurfer. Sie nutzen gedruckte Zeitungen, Fernsehen und Radio weniger, dafür viel intensiver die Online-Nachrichten- Angebote und soziale Netzwerke. Zu dieser Gruppe gehören überdurchschnittlich viele jüngere, gut gebildete und gut verdienende Männer. Sie weisen eine kritische Haltung gegenüber der Werbung auf und empfinden diese als eher störend.
• 39% der Befragten sind Vielseher. Sie halten sich insgesamt stärker von Medienangeboten fern und nutzen die gedruckte Zeitung, Webseiten und soziale Netzwerke unterdurchschnitt- lich. Für diese Gruppe ist das Fernsehen das wichtigste Medium. In dieser Gruppe sind Frauen übervertreten, das Durchschnittsalter ist bei 46 Jahren, Bildungs- und Einkommenssituation sind unterdurchschnittlich ausgeprägt.
Differenzierte Nutzungsmotive von Nachrichtenangeboten in Print und Online
Bei den analysierten Nutzungsmotiven zeigt sich, dass sich die gedruckten Zeitungen bei den vorgelegten Werten wie soziale Erwartung, soziales Erlebnis, Ablenkung, Orientierung, Überraschung deutlich und positiv von den Online-Zeitungen abheben. Mediennutzerinnen und Nutzer lassen sich von den gedruckten Zeitungen am liebsten überraschen. Einzig beim Kriterium Information sind die Online-Zeitungen den gedruckten Medien überlegen. Im Netz geht es insbesondere um den raschen und einfachen Informationszugang. Allerdings stört die dazwischen geschaltete Werbung weit mehr als bei den Printmedien. Auf die grösste Ablehnung stossen animierte Pop-ups und Videos. Sämtliche Online-Werbeformen werden als wesentlich störender empfunden als Inserate, Stilbeilagen und Prospekte. Die Studie «Zeitung ohne Werbung» des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Uni St. Gallen wurde im Frühjahr 2014 durch das Forschungsinstitut GfK durchgeführt. Die Gesamtergebnisse sind bei der Publicitas, Frau Hilke Hobein, Head of Insight & Research ([email protected]) erhältlich.
Otto Meier
Studien-Erkenntnisse zur Werbewahrnehmung und Störfaktoren bei Print und Online
Werbewahrnehmung:
Notwendigkeit der Werbung für die Finanzierung von Nachrichtenangeboten anerkannt. Gute Werbung gilt als Bereicherung und kulturelle Ausdrucksform der Zeitung. Aber: nicht als unverzichtbarer Wert von Werbung eher bei Print- als bei Onlinemedien gesehen
Störwerte
Störfaktor bei Online-Werbung deutlich höher als bei Print-Werbung. Hoher Störfaktor bei dynamischen Online-Werbeformen wie Pop-ups und Werbevideos, signifikante Nivellierung der Störungswahrnehmung durch bestimmte Zeitungsvorteile (soziales Erleben, Ablenkung und Überraschung)