APG gewinnt erstmals den Media Trend Award

Am diesjährigen Media Trend Award mussten sich die Medienanbieter mit den Plätzen zwei und drei hinter dem grössten Plakatanbieter APG zufrieden geben. Bei den Medienvermarktern geht die Trophäe ein weiteres Jahr an Goldbach Media.

In der Kategorie Medienanbieter gingen 44 Bewerber an den Start, bei den Medienvermarktern 24. Aufgeteilt in Mediengattungen bedeutet dies: 25 Printmedienunternehmen, 10 Plakatanbieter (beide unverändert) und 33 elektronische Medienunternehmen. Wer den Media Trend Award gewinnen wollte, musste sowohl die Top-750-Werbeauftraggeber, die grössten Werbeagenturen und sämtliche Media-Agenturen durch gute Leistungen bei der Planung und Abwicklung von Media-Aufträgen überzeugen.

In den bald 20 Jahren seit Bestehen des Media Trend Awards kam nur gerade beim allerersten Mal der Gewinner des Awards nicht aus einem Zeitungsverlag. Markus Ehrle, CEO der APG|SGA, über den erfolgreichen ersten Platz: «Wir bedanken uns bei den geschätzten Werbekunden und Agenturpartner für die überdurchschnittliche Bewertung und auch bei den rund 650 Mitarbeitenden für ihr hervorragendes Engagement in der ganzen Schweiz. Dieser erste Platz ist eine schöne Belohnung für unsere Anstrengungen, unser Medium, unser Angebot und unsere Dienstleistungen ständig zu verbessern. Und wir werden uns, soviel sei versprochen, auch weiterhin nicht ausruhen.»

Media Trend Awards (PDF)

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Bester Medienvermarkter 2014 Alexander Duphorn, CEO, Goldbach Media (Switzerland) AG

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Bester Medienanbieter 2014 Daniel Strobel, Leiter Werbemarkt & Segmentgesellschaften Schweiz, APG|SGA, Allgemeine Plakatgesellschaft AG

Hätten Sie nicht auch gern die Schweizer Nati unter Vertrag, Herr Adidas?

CEO Herbert Hainer über Markenstrategie zur Fussball-WM, die Chemie-Controller Bluesign aus St. Gallen und das ewige Duell mit Nike.

Und auch die Schweizer zittern im wohlig-schaurigen Fernseh-Fieber: Die Nati schiesst Tore bei der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien, «Swiss made» spielt munter mit beim grössten Marketing- Event der Welt. «Der Schweizer Fussball hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt», sagt dazu Herbert Hainer, der Vorstandvorsitzende der Adidas AG. Das Lob kommt von einem der erfolgreichsten Sportmanager der Welt. Hainer kommandiert seit 13 Jahren den deutschen Konzern mit Sitz in der Franken-Provinz von Herzogenaurach, liefert als DAX-Unternehmen einen Rekordumsatz nach dem anderen (2013: 14,5 Mrd. Euro) und ist seit kurzem Nachfolger von Uli Hoeness als Aufsichtsrats- Chef beim FC Bayern München. Herbert Hainer im Exklusiv-Gespräch mit der Werbewoche über das Sportland Schweiz, den Marketing-Krieg der Fussballschuhe und die Hintergründe zur Kooperation mit Bluesign in St. Gallen.

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Herr Hainer, seit über 16 Jahren wird die Nati von Ihrem Konkurrenten Puma ausgerüstet. Hätten Sie das Team gern unter Vertrag?
Hainer: Gute Teams sind für Adidas immer interessant. Der Schweizer Fussball hat sich im internationalen Vergleich sehr positiv entwickelt, und wir unterstützen dies seit langem. So haben wir uns mit dem FC Basel zusammengetan, und diverse Schweizer Nationalspieler wie Josep Drmic, Barnetta, Mehmedi, Lichtsteiner und Stocker sind bei uns unter Vertrag.

Aber mit der Schweiz im Portfolio hätte Adidas zur Fussball-WM zehn Teams gehabt, genau so viele wie Nike. Mit 10:9 gewann so Ihr US-Konkurrent die Startaufstellung. Eine Zeitenwende im globalen Krieg der Fussball-Schuhe?
Es geht in dieser Frage nicht um Quantität, sondern um Qualität. Wir hatten beispielsweise zur Deutschland- WM 2006 nur sechs Teams am Start, aber mit Spanien, Argentinien und Deutschland drei der nachhaltig besten Teams der Welt.

Bis dato hat nur die spanische Nationalmannschaft in Adidas grosse Titel geholt. Die anderen gingen leer aus. Sind solche Niederlagen nicht negativ für Ihr Marketing?
Naja, vergessen Sie nicht die Titel der deutschen Nationalmannschaft. Und auch Argentinien war schon in Adidas Weltmeister. Natürlich geht es im Sport auch immer um Titel und Pokale. Aber im Mittelpunkt der WM steht die Begeisterung von Milliarden von Menschen. Sie fiebern mit. Sie singen und tanzen. Nehmen wir Kolumbien: seit 16 Jahren wieder bei einer WM dabei. Das ganze Land flippt aus, und Adidas verkauft dort über eine Million Trikots. Vom deutschen Trikot wurden 2 Millionen verkauft, davon 500 000 ausserhalb des Landes, also auch in der Schweiz. Mit einem Umsatz von 2 Milliarden Euro werden wir 2014 einen neuen Rekord im Fussballgeschäft erzielen. Wir sind und bleiben die Nummer eins auf dem Rasen.

Ihre WM-Kampagne im deutschsprachigen Raum zeigt Adidas ungewöhnlich martialisch: Podolski mit blutigem Herzen in der Hand, Schweinsteiger im Woodoo-Wahn.
Früher hiess es, Adidas sei zu brav, jetzt wird geschimpft. Fest steht: Wir hatten noch nie so viel positives Echo auf unseren Markenauftritt. Adidas dominiert diesen World Cup. Unsere 360-Grad- Kommunikationsstrategie wirkt.

Wie sieht diese Strategie denn aus?
Sie basiert auf drei Säulen und bewährt sich seit Jahren nachhaltig. Erstens: Event-Präsenz. Adidas ist jetzt zur WM nahezu auf jedem Fernsehbild. Wir rüsten die Schiedsrichter und Ballkinder aus. Wir sind als Hauptsponsor auf allen Werbebanden, und jedes Spiel wird mit unserem Ball durchgeführt. Der Brazuca ist mittlerweile zum Key Visual, zu einem Weltstar geworden. In Zahlen: 14 Millionen verkaufte Exemplare, mehr als 2 Millionen Follower auf Twitter, denn Brazuca ist der erste Ball mit einem eigenen Twitter-Account. Säule zwei sind die Mannschaften, die Adidas unter Vertag hat, und drittens sind es 300 Profispieler in allen Teams, die unsere Marke repräsentieren. Nike folgt uns in Sachen Teams und Spieler, aber unsere Event-Strategie ist einzigartig und konkurrenzlos.

Stichwort Corporate Social Responsibility (CSR). Selbst der grosse DFB geht mit seiner Bundesligastiftung ins Rampenlicht, spendet aktuell 500 000 Euro für Brasilien-Projekte. Wie integrieren Sie aktuell CSR in Ihre Marke?
Bevor es den Begriff gab, hat unser Gründer Adi Dassler schon CSR gemacht. Etwas Gutes für die Gesellschaft und unseren Planeten zu tun, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Markenkerns. Adidas hat bereits im Jahr 2000 damit begonnen, einen eigenen CSR-Report zu veröffentlichen. Dort führen wir transparent all unsere Ziele und Projekte auf. Wir liegen in allen internationalen Nachhaltigkeits- Rankings ganz vorne. Im Dow Jones Index für Nachhaltigkeit sind wir seit 14 Jahren ununterbrochen gelistet, davon zehn Mal als bestes Unternehmen unserer Branche. In Davos beim Weltwirtschaftsforum wurden wir in die Top Ten der nachhaltigsten Unternehmen der Welt berufen, übrigens als einziger deutscher Konzern.

Sie stellen einen eigenen Kindergarten, ein grosses Fitness-Center für die Mitarbeiter. Es gibt Elektrotankstellen für die Elektrodienstwagen. Und vor 14 Tagen wurde eine Kooperation mit Bluesign, St. Gallen, verkündet, einer Art Textilchemie- TÜV. Kuschelmarke Adidas?
Das hat nichts mit Kuscheln zu tun, sondern das ist modernes Change-Management, das jeder Konzern zu realisieren hat, wenn er nachhaltig erfolgreich sein wird. Wir reagieren auf die Bedürfnisse einer modernen Gesellschaft. Das bringt uns motivierte Mitarbeiter und zufriedene Kunden. Mit Bluesign Technologies haben wir den weltweit führenden Anbieter von Bewertungsmethoden in der chemischen Textilbearbeitung. Alle gefertigten Materialien müssen strenge Tests durchlaufen. Adidas unterschreitet deutlich alle Grenzwerte der EU. Wir verzichten ab kommendem Jahr auf die Nutzung langkettiger PFCs. Die Adidas-Gruppe wird 99 Prozent der in China stattfindenden textilen Nassprozesse bis Ende des Jahres auf der IPE-Plattform veröffentlichen. Wir unterstreichen damit auch im Chemikalien- Management unsere Führungsrolle.

Was ist denn nun Ihrer Meinung nach für Ihre Marke wichtiger: der WM-Sieg einer Adidas-Mannschaft oder Ihre aktuellen CSR- und Umweltaktivitäten?
Grundlage unseres Erfolges wird immer der sportliche Erfolg sein. Adidas liefert den Sportlern Equipment, das sie besser macht. Aber für langfristigen und nachhaltigen Markenerfolg ist eine authentische Positionierung in einer modernen Gesellschaft genauso unerlässlich.

Peter Ehm, Deutschland

Adidas und Intersport: Zwei ziemlich gute Freunde

Puma-Land Urlaubsland: Das gilt auch für den Adidas-Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer. Er ist gern in der Schweiz. Nicht nur beim FC Basel, den man nach 14 Jahren mit einem 3-Streifen-Vertrag vom Konkurrenten Nike zurückgeholt hat. Sondern es ist auch die langjährige Freundschaft zu Franz Julen, dem CEO Intersport International Corporation (IIC).

Intersport und Adidas – zwei Weltmarken im globalen Sport-Business. Hainer steht für 14,5 Milliarden Euro Umsatz, Julen, der ehemalige Sportjournalist, für 10,2 Milliarden. Und für beide ist der Beruf die Berufung. Beide sind Old-School-markentreu, mögen persönlich kein Job-Hopping. Franz Julen dirigiert seit dem Jahr 2000 Intersport, Hainer seit 2001 Adidas.

«Wir sind im Sommer zusammen beim Bergsteigen in Zermatt», erzählt Hainer. Im Winter gibts Tipps für den Bayern von Olympiasieger Max Julen, dem Bruder des Intersport-Chefs. Hainer ist immer wieder begeistert von der «imposanten Natur und der familiären Atmosphäre. Eigentlich die ideale Kulisse für Olympische Winterspiele, oder?

Hainer sagt, seiner Meinung nach müssten Winterspiele immer in den Bergen stattfinden. Ein verstecktes Statement gegen ungeliebte Retortenspiele. «Natur pur» sei kein Werbe-Claim, sondern die Forderung nach authentischer Umgebung. Wie 1994 im norwegischen Lillehammer. Hainer: «Davon bin ich heute noch begeistert.» Trend und IOC-Stimmung gehen jedoch in eine andere Richtung. Sowohl die Bayern als auch die Schweizer haben die Winterspiele 2022 in den Bergen vor der Haustür abgelehnt. So gehen sie entweder nach Kasachstan, in die Ukraine, nach Norwegen oder nach China.

Für die beiden Konzerne Intersport und Adidas ist das im Prinzip egal: Olympia bringt immer viel Umsatz und Onscreen-Zeit. Hauptsache, das TV-Bild kommt live und in Farbe. Wie jetzt zur Fussball-WM.

Peter Ehm

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Kampagne Schweinsteiger

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Milliardenumsätze mit den aktuellen WM-Trikots und dem Testimonial Messi.

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Auch das ist Adidas: Kostenlose E-Tankstelle für alle Elektrofahrzeuge.

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Peter Ehm (l.) im Gespräch mit Herbert Hainer.

Fotos: Adidas, Jan Runau, Peter Ehm/headline
 

Schwierig herzustellen

Video-Marketing ist ein starker Trend, kommt aber vergleichsweise langsam voran.

Dass Video-Marketing längst nicht so schnell in die Gänge kommt wie vor wenigen Jahren etwa der kommerzielle Einsatz von Social Media, ist kein rein schweizerisches Phänomen. 52 Prozent der in einer amerikanischen Studie vom letzten Jahr befragten Marketer gaben zwar an, Video-Inhalte gehörten mit zu den ertragreichsten Inhaltsstrategien. Doch Videos waren auch die Inhaltskategorie, die von den meisten (49,8 %) als «schwierig herzustellen» eingestuft wurde (gefolgt von interaktiven Medien, Infografiken und animierten Grafiken). Diese Einschätzung deckt sich mit den Recherchen der Werbewoche zur Video-Marketing- Serie. Zwar liessen sich Beispiele finden, wo Online-Videos in der einen oder anderen Form zur kommerziellen Kommunikation eingesetzt oder damit erste Erfahrungen gesammelt werden. Doch bewährte Verfahren, wie sie vor allem in den USA herum geboten werden, sind bei uns noch nicht verbreitet.

Video-Marketing wird dabei als Teil des Content-Marketings verstanden, da Unternehmen mit hochwertigen Inhalten beim Publikum einen guten Eindruck machen und es an sich binden wollen. Dabei gelten unter anderen diese Best Practises:

Journalistisch denken. Wer mit Inhalten punkten will, muss sich an den etablierten Massstäben der Verlage messen. Marketingdenken, das gern Markenbotschaften in den Vordergrund stellt, muss deshalb zurücktreten und einem journalistischen Denken den Vorrang lassen, das auf Informationen mit einem hohen Gebrauchswert für das Publikum ausgerichtet ist. Dazu Journalisten anzustellen, kann eine gute Ergänzung des eigenen Talent-Pools sein.

Sofort zur Sache kommen. Die Aufmerksamkeitsspanne des Online-Publikums ist enorm kurz, und wer nicht in den ersten zehn Sekunden zur Sache kommt und einen Anreiz zum Weiterschauen bietet, riskiert, das Publikum zu verlieren. Deshalb hat etwa der Imagefilm mit einem emotional aufgebauten Einstieg, der bei Vorführungen vor einem geschlossenen Publikum gut funktioniert, im Netz nur schlechte Chancen.

Nicht langweilen. Wer sagt, dass Videos von Unternehmen nicht lustig oder unterhalten sein können? Allerdings darf der Pfad der Professionalität hier nicht verlassen werden – die Furzidee, die beim Dreh so toll Spass gemacht hat, könnte beim Publikum sonst allzu leicht ein irritiertes Kopfschütteln auslösen.

Regelmässig Videos veröffentlichen. Gleich wie professionelle Medienprodukte kommen auch Veröffentlichungen von Unternehmen mit einer angekündigten Regelmässigkeit daher. Das Publikum kann sich daran orientieren und bleibt bei der Stange.

Beständig bleiben. Video-Marketing sollte mit allen anderen Kommunikationsefforts verwoben sein, so dass auf allen Kanälen in einem unternehmenstypischen Auftritt die gleichen Botschaften verkündet werden. Details und Darsteller können (und sollen) dabei medienspezifisch angepasst werden.

Einen breiten Rahmen setzen. Videos über die eigenen Produkte sind einfaches Marketing. Videos über breitere Konzepte, aufschlussreiche Grundlagen und neuartige Ideen im eigenen Themenbereich sind für ein grösseres Publikum interessant. Dabei können immergrüne Inhalte mit aktuellen Themen verbunden werden, um so über längere Zeit Abrufe zu erzielen.

Es wird klar: Video-Marketing meint mehr, als einfach TV-Spots und Imagefilme auch über die Website zu verbreiten, zumal diese kaum je allein für die Online-Distribution hergestellt wurden. Es geht also um den Einsatz von Videos, die gezielt fürs Netz produziert werden. Am naheliegendsten – und heutzutage eigentlich selbstverständlich – sind da Produktvideos, mit denen sich potenzielle Käufer ein besseres Bild machen können. Hier sind viele Spielarten möglich: Das Produkt kurz in gutem Licht präsentiert, das Produkt im Einsatz, das Produkt im Vergleich mit anderen – eigenen und fremden. Aussagen zufriedener Kunden und begeisterte Expertenmeinungen schliessen sich hier an, ebenso wie Trainingsvideos. Solche Produktpräsentationen werden in der Regel einmalig bei der Markteinführung produziert. So wie bisher Bilder für den Produktkatalog hergestellt wurden, werden eben nun auch Videos fürs Netz produziert – eigentlich nichts Neues.

Fehlende Video-Kompetenz

Neu ist der Einsatz von Videos auf dem Arbeitsmarkt, und es lassen sich die unterschiedlichsten Vorgehensweisen beobachten. Vom abtretenden Stelleninhaber, der seinen künftigen Nachfolger am Arbeitsplatz offen und unverfälscht über den Job orientiert, bis hin zum Werk des teuer eingekauften Starregisseurs, mit dem das Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber dargestellt werden soll. Gerade hier zeigt sich einer der Hauptgründe für den zögerlichen Einsatz von Videos in der professionellen Kommunikation: Kaum jemand hat das gelernt, kann sich vor der Kamera natürlich und authentisch ausdrücken, kann Anforderungen formulieren und Skripte schreiben, kann die Qualität der Umsetzung und ihren Preis beurteilen. So tummeln sich auch im Bereich der Recruiting-Videos verschiedene Dienstleister, die nicht nur bei der Video-Produktion den Unternehmen unter die Arme greifen, sondern teilweise auch eigene Distributionsplattformen betreiben. Die fehlende Video-Kompetenz (zusammen mit einigen schweizerischen Eigenarten) erklärt denn auch, weshalb bei uns kaum Unternehmen und Organisationen selber Video-Inhalte herstellen. Dieser Content- Marketing-Ansatz liess sich im Rahmen der Werbewoche-Artikelserie zum Thema Video- Marketing am ehesten beim Beispiel von Buuretv. ch (Werbewoche 18/25.10.2013, Seite 32) erkennen. Zwar werden hier journalistisch gestrickte Beiträge produziert, doch erscheinen sie nicht mit einer zuverlässigen Regelmässigkeit und werden auch nicht über YouTube verbreitet. Bleiben wir bei der Landwirtschaft und wechseln in die USA: Die Firma Bright Agrotech im Bundesstaat Wyoming ist im Gemüsebau mit einem System zum vertikalen Anpflanzen unterwegs. Der eigene YouTube-Kanal hat 20 500 Abonnenten und ist damit in der gleichen Liga wie etwa Nespresso (21 300) unterwegs. Alle paar Tage gibt es einen neuen Beitrag, und meistens ist es Firmengründer Nate Storey, der sein Wissen und seine Erfahrungen weitergibt. Produziert wird unaufwändig, aber korrekt, die Bilder wackeln nicht, der Ton ist frei von Umgebungsgeräuschen, und ist mal etwas zu visualisieren, tut’s eine einfache Flipchart. Immer wird auf den eigenen Blog verwiesen, wo vertiefende Informationen angeboten werden. Auftritte auf Twitter, Facebook, Instagram werden ebenso gepflegt; es gibt E-Books, Webinars und Video-Tutorials. Neue YouTube-Beiträge werden Abonnenten des Kanals sowohl von YouTube als auch über den eigenen E-Mail-Newsletter angekündigt. Dieses Vorgehen ist für Schweizer KMU ohne weiteres kopierbar, wie nur schon das Beispiel von Hans Bracher zeigt, der im bernischen Ersigen seinen Hof betreibt – und einen YouTube-Kanal dazu. «Was macht der Bauer Housi heute?» – so beginnen die meisten seiner Videos, die in schöner Regelmässigkeit Einblicke in das Berufsleben des Bauern geben. Trotz wackelnder Bilder und nicht immer optimal verständlichem Ton hat Bracher bald tausend Abonnenten und ist somit auf Augenhöhe etwa zur UBS (1001 Abonnenten), die dafür einen ungleich grösseren Aufwand betreibt.

Immer auch für Mobile produzieren

Auch bei der praktischen Umsetzung gibt es zahlreiche handwerkliche Aspekte zu beachten, die allerdings im Zusammenhang mit Video-Marketing nicht neu oder anders sind. Zu beachten ist, dass für alle Bildschirmformate, also auch Mobile, produziert wird. Ist ein Video fertig, geht es im nächsten Schritt darum, es einem möglichst grossen und passenden Publikum zu zeigen. Dazu gibt es offline und online verschiedene Möglichkeiten, die entsprechend den Kommunikationszielen eingesetzt werden können.

Website: Längst ist es ein Kinderspiel, Videos auf der eigenen Website einzubinden und ihr so einen modernen Auftritt zu geben. So können die Konvertierungsrate verbessert und die Absprungrate tief gehalten werden. Social Media: Online-Videos sind wie gemacht, um weiter geteilt zu werden. Im Vordergrund steht YouTube, wo Unternehmen eigene Kanäle einrichten können. Daneben gibt es zahlreiche weitere Video-Netzwerke wie Vimeo oder in der Schweiz InternetTV. ch. Auch bei Twitter und Facebook können Videos direkt aus den Newsfeeds abgespielt werden. Das gilt auch für andere Soziale Netzwerke wie etwa LinkedIn, Google+ (mit zusätzlichen SEO-Vorteilen) oder dem stark visuell orientierten Pinterest.

Suchmaschinen: Google gefallen Videos; diese werden oft in den Suchresultaten ganz oben aufgelistet. Damit das so klappt, müssen einige technische Anforderungen (wie Video Sitemaps und Video Rich Snippets) erfüllt sein.

E-Mail-Marketing: Werden Videos im Unternehmens-Newsletter oder im E-Mail- Marketing eingesetzt, steigt deren Beachtung. Vor allem Produkte, Unternehmens- Informationen oder die Ankündigung eines Webinars können so gut kommuniziert werden. Events und POS: Videos sind ein gutes Medium, um an Verkaufspunkten, an Anlässen und etwa im Eingangsbereich eingesetzt zu werden. Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und können in Verkaufsgesprächen auch auf Tablets eingesetzt werden.

Saubere Erfolgsanalyse hilft weiter

Ist ein Video produziert und verbreitet, ist noch nicht Schluss – jetzt interessieren Abrufzahlen. Diese kommen in der einen oder anderen Form und sind Anlass zur Freude oder Enttäuschung. Kaum jedoch werden Kriterien zur Erfolgsanalyse bereits beim Projektbeginn definiert. Doch ob sich der Aufwand im Sinnes eines Return-on-Investment, ROI, gelohnt hat, lässt sich bei Online- Videos oft nur schwer und indirekt ermitteln. So können auf YouTube verschiedene Statistiken wie Anzahl Aufrufen, geschätzte Wiedergabezeit, Anzahl Interaktionen, Kommentare und Abonnenten abgefragt werden. Damit kann bei der Geschäftsleitung kaum seriös gepunktet und die eigene Video-Produktion rechtfertigt werden. Um Aussagen über das eigene Geschäft machen zu können, müssen eigene Berechnungsmodelle erarbeitet werden. Da es hier nicht um eine exakte Wissenschaft geht, darf durchaus kreativ vorgegangen werden. Auch hier gibt es vor allem amerikanische Dienstleister, die dafür Lösungen erarbeitet haben, nur schon, um Abrufe auf verschiedenen Plattformen zusammenzuführen und mit internen Kennzahlen zu verbinden. Fehlen solche Berechnungsmodelle, kann der Erfolg von Online-Videos nur schwer belegt werden, was den weiteren Einsatz oft behindert.
 
Christoph J. Walther

Hofer gestaltet neues Musicalplakat für Thunerseespiele

Seit 11 Jahren präsentieren die Thunerseespiele jeden Sommer aufwendig produzierte Openair-Musicals. Nach Aida hat die Agentur bereits zum zweiten Mal das dazugehörige Leitsujet entworfen und gestaltet.

Beim Artwork wurden Illustration und 3D-Rendering in neuer Weise kombiniert. Das Key-Visual wird heute, Donnerstag,erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Ab März 2015 startet die breit angelegte Werbekampagne. Aufgeführt wird an den Thunerseespielen im Jahr 2015 «Romeo und Julia».
 

Digitale Weltmeisterschaft

Lautes Geschrei und Jubel aus allen Richtungen: Am 12. Juni 2014 startete nach vierjähriger Wartezeit endlich die langersehnte Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Dies freut jedoch nicht nur unsere mächtige Fifa und die heissblütigen Fussball- Fans, auch grosse und kleinere Unternehmen nutzen die Veranstaltung, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu vermarkten und dabei ihre Kassen zu füllen.

Ob es wie beim Einkaufszentrum Fanartikel von T-Shirt bis zu Shorts sind oder gratis WM-Planer in den Printmagazinen – alles steht im Zeichen der Weltmeisterschaft. Agenturen planen fleissig Kampagnen, auf den Strassen werden wir überhäuft mit Werbeplakaten im WM-Look, und Medienhäuser berichten vom Gross-Event live in einem Ticker. Nicht zu vergessen das Coiffeur-Geschäft gleich um die Ecke, welches sein Schaufenster passend zum Fussball-Event dekorierte.

Ja, die Fussball-WM ist in vollem Gange, und da wollen natürlich alle mitverdienen, doch welche Aktionen sind wirklich sinnvoll und vor allem nützlich für uns Fans? Gerade das Web 2.0. bietet in meinen Augen so einige hilfreiche Funktionen und Tools rund um die WM:

Aufgefallen ist mir zum Beispiel das Online-Bilderbea rbe i tungspro – gramm Pixlr, welches zu diesem Anlass etwas Praktisches im Angebot hat: Sie entwickelten so genannte Fussball-Stickers, mit welchen jedermann seine eigenen Bilder und Collagen verzieren kann. Simple Sache, aber nützlich für alle, die die eigenen Bilder passend zur WM mit ihrer Nationalflagge oder Mini- Fussbällchen aufpeppen möchten.

Ein weiterer schlauer Schachzug kam vom Internet- TV-Pionier Zattoo, der gerade pünktlich zur Weltmeisterschaft eine neue Version seiner Applikation für mobiles Fernsehen lancierte. Zattoo entwickelte seine Windows-8-App weiter und hat diese für die Nutzung auf Windows-Smartphones vorbereitet. Dadurch ist Zattoo für die Fussball-WM und den damit zu erwartenden Nutzerzuwachs natürlich bestens vorbereitet.

Besonders nützlich finde ich aber der «WM-Spiele- Planer» des Online-Terminplaners Doodle, mit welchem das gemeinsame Public Viewing unkompliziert organisiert werden kann. Die verschiedenen Gruppen und Paarungen des Turniers sind übersichtlich aufgelistet und vorangelegt. Ob zu Hause im Garten oder in der Lieblingskneipe – den Ort für die ideale WM-Party kann jeder selbst bestimmen. Nach dem Verschicken der Einladung können die Gäste den Link öffnen, ihre möglichen Termine anklicken und sehen dazu noch, wer bereits eine Eingabe gemacht hat und wann derjenige Zeit hat und wann nicht. So findet sich einfach ein gemeinsames Datum für die WM-Spiele. Praktisch, übersichtlich und dazu noch kostenlos: Doodle setzt sein klassisches Produkt auf innovative Art und Weise ein.

Wieder einmal beweist die digitale Welt, dass man mit dem richtigen Mix aus Kreativität und Pragmatismus hervorragende Möglichkeiten hat, um die besten Resultate zu erreichen. Wie beim Fussball eigentlich.

Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. www.fh-hwz.ch/smm
 

Der Impact-Check der Werbewoche

Wir zeigen, wie aktuelle Kampagnen bei den Konsumenten abschneiden.

Bei der Awareness hatte die Bell-Wurst von Komet am meisten Biss, gefolgt von der Anzeige für Sanitas von Leo Burnett und der Anzeige für Thomy von MSC Saatchi. Beim Kriterium Uniqueness räumte die umstrittene Love-Life-Anzeige von Rod ab, danach folgen das Thomy-Sujet und das Schweizer- Brot-Sujet von der Schweizerischen Brotinformation. Die Anzeige von MSC Saatchi für Thomy ist auch beim Kriterium Brand Fit oben auf, gleich bewertet wurde das knackige Sujet schweizerbrot.ch, gefolgt von Bells Wurst von Komet. Bei der Likeability liegt schweizerbrot.ch an der Spitze, gefolgt von Thomy und Love Life.

Der Impact Check der Werbewoche, Juni 2014 (PDF)
Detaillierte Ergebnisse (PDF)

«Das Unternehmen ins Spiel gebracht»

Maxomedia geht für PostFinance in Sachen Employer Branding neue Wege: Mit der «Tour de PostFinance» können potenzielle Mitarbeitende einen Blick hinter die Kulissen der Arbeitgeberin werfen – und das noch vor ihrem Vorstellungsgespräch.

Gemeinsam begeistern», lautet das Arbeitgeberversprechen von PostFinance. Wie aber zeigt ein Unternehmen, dass das intern auch wirklich gelebt wird? «Das war die grosse Herausforderung», sagt Tina Wüthrich, Teamleiterin Beratung bei Maxomedia. Sie hat das neue Employer-Branding-Projekt für PostFinance umgesetzt. «Die Arbeitsmarktpositionierung beinhaltet bereits Informationen über die Unternehmenswerte. Diese wollten wir für die potenziellen Mitarbeitenden fassbar machen.» Entstanden ist dabei ein interaktiver Film und damit eine Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen von PostFinance als Arbeitgeberin zu werfen. Sowohl Kunde wie Agentur sind überzeugt, dass sie mit der «Tour de PostFinance» für ihre Ziele «einen guten Weg gefunden» haben.

Im Schnelldurchlauf durch PostFinance

Mit dem interaktiven Film spielt man sich durch einen Tag bei PostFinance. Rund zehn Minuten dauert die Tour, während der man verschiedene Entscheidungen treffen und dabei den weiteren Verlauf des Films beeinflussen kann. Am Schluss erhält man eine Einschätzung, wie gut man zu PostFinance passen würde. Die Kamera ist aus der Sicht des Spielers. Das vermittelt den Eindruck, sich tatsächlich in den Räumlichkeiten von PostFinance zu bewegen. Produziert wurden die Filmsequenzen in Zusammenarbeit mit Top Fuel und dem Regisseur Juri Steinhart.

Ein gutes Erlebnis schenken

Für die Massnahme hat sich das Unternehmen übrigens nicht auf Grund eines Mangels an Arbeitskräften entschieden, sondern sie ist Teil einer langfristigen Strategie. «Themen wie Employer Branding, Behavioral Branding und Mitarbeiteraktivierung finden zwar immer mehr Beachtung – wirklich aktiv wurden bisher aber erst die wenigsten Unternehmen », stellt Wüthrich fest. Bei PostFinance habe man deren Wichtigkeit bereits vor einigen Jahren erkannt. Das Unternehmen hat ein eigenes Employer Value Proposition (EVP) entwickelt und positioniert sich entsprechend auf dem Arbeitsmarkt. PostFinance möchte mit dem interaktiven Film potenziellen Mitarbeitenden ein gutes Erlebnis bieten. Im besten Fall werden Bewerber angesprochen, die zu den Werten des Unternehmens passen, sich mit der Marke von Anfang an identifizieren können und schliesslich den PostFinance-Spirit nach aussen vermitteln. Aber auch die Innenwirkung dürfe man nicht unterschätzen: «Die Angestellten werden darin bestätigt, dass sie am richtigen Ort sind. Das schweisst zusammen und macht zufrieden», so Wüthrich

Erfolgreiche Co-Creation

Doch wie versteht man als aussenstehende Agentur den Spirit des Kunden? «Nur durch Co-Creation», sagt die Projektleiterin. Man habe sehr eng und partnerschaftlich zusammengearbeitet. Tina Wüthrich beschreibt: «Bei der Umsetzung habe ich sogar den einen oder anderen Arbeitstag bei PostFinance verbracht, erst mal, um den Spirit selbst zu erleben. Gerade wenn es um Werte geht, die du als Arbeitgeber vermitteln willst, ist das unabdingbar. Aber auch, weil es Vieles vereinfacht hat: Wir haben ständig telefoniert und gemailt, und irgendwann sagten wir: Warum arbeiten wir nicht nebeneinander? Das war für das gegenseitige Verständnis sehr wichtig. Und es gab mir die Gelegenheit, das Konzept Wechselarbeitsplatz, das ja auch im Film vorkommt, selber kennenzulernen.» Besonders attraktiv sei auch, dass man fast nur echte Mitarbeitende im Film zeige. «Wir wollten ja ein möglichst authentisches Bild vermitteln. Sogar der CEO hat seine Rolle persönlich übernommen», sagt Tina Wüthrich. Auch das unterscheidet die Tour de PostFinance von einem gewöhnlichen Imagefilm. Aus technischer Sicht war die Herausforderung, neben einer zeitgemässen Umsetzung im Responsive Design auch eine überraschende, aussergewöhnliche User Experience umzusetzen.

Überdurchschnittliche Klickraten

Das Interesse am Projekt gibt den Machern Recht: «Erste Zahlen zeigen, dass die Art und Weise, wie wir kommunizieren, attraktiv ist. Wir haben überdurchschnittlich hohe Klickraten zu verzeichnen und viele spielen die Tour auch durch», zieht Wüthrich ein erstes Fazit. (ril)

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Icon ist in der Schweiz angekommen

Axel Springer feierte am 25. und am 26. Juni die Lancierung des deutschen Stil-Magazins Icon in der Schweiz. Zu diesem Anlass sprachen Thomas Garms, Verlagsgeschäftsführer, und Bilanz-Lifestyle-Experte Pierre-André Schmitt in der Grieder Bar in Zürich über den Inhalt von Icon und die Zusammenarbeit der beiden Redaktionen.

Icon ist in seiner Thematik sehr weit gefasst», sagt Icon-Co-Chefredaktor Pierre-André Schmitt. Das Magazin beziehe sich nicht nur auf einen kleinen Style-Bereich. Es sollen auch nicht bloss Gegenstände oder Produkte vorgestellt werden. Man wolle zwar Tipps darüber geben, was man trägt, dies aber auch nicht platt reden. Vielmehr stehe im Zentrum alles, was folgendes Zitat mit einbezieht: «Luxus ist, wenn das Begehren grösser ist als die Vernunft.» Da Lifestyle schon lange keine nationale Sache mehr sei, können im Icon sehr gut internationale Themen mit Schweizer Geschichten ergänzt werden, begründet Schmitt die Zusammenarbeit der Icon- Redaktionen in Deutschland und der Schweiz. So biete das Magazin etwa eine international orientierte Plattform für den Fashionbereich, gleichzeitig sollen aber gerade auch kleine Schweizer Labels aufgenommen werden, sagt Schmitt. «Die Grösse ist nicht das Kriterium, sondern ob eine interessante Story dahintersteht.» Denn Lifestyle sei ein wichtiger Bereich, betont Schmitt, und dieser habe auch seine Bedeutung. Daher seien im Icon die Texte auch ausführlich geschrieben und gut recherchiert. Wenn man etwa über ein Kosmetik-Produkt schreibe, sei ganz klar der Anspruch vorhanden, dass man dieses auch selber teste.

«Die ideale Ergänzung»

Icon bilde als Beilage der Bilanz und der Handelszeitung die ideale Ergänzung, sagt Garms. Nun solle auch für die weibliche Leserschaft etwas mehr dabei sein. Icon ersetzt das Lifestyle-Magazin First. Die Vorteile des Wechsels liegen auf der Hand: «Icon ist eine eingeführte Marke. Das Magazin ist bei den Kunden, den ganzen internationalen Modebrands, bekannt», erläutert Garms. Ausserdem könne auf bereits erstellten Inhalt zurückgegriffen werden. Das heisst konkret, aufwendige Fotoproduktionen müssen für die Schweizer Ausgabe nicht separat noch mal gemacht werden. Auch textlicher Inhalt könne zum Teil übernommen werden, ergänzt durch eigene Schweizer Geschichten. Neben verhältnismässig ausführlichen Texten ist Illustration ein grosses Thema bei Icon. So entspricht auch das Format mit bei 260 mm × 365 mm nicht der üblichen Magazingrösse. «Das Format ist ein Statement», betont Thomas Garms, Verlagsgeschäftsführer Axel Springer. Icon sei nicht eine Beilage zum Lesen im Tram, vielmehr sage das Statement: «Anspruchsvoller Lebensstil für anspruchsvolle Zielgruppen.»

Ursina Maurer
 

DIE Krisenkommunikation gibt es nicht

Aus einem kleineren Krisenfeuerchen wird oft ein Flächenbrand, inklusive medialer Grossaufnahme. Wie man diese behandelt, darüber sind sich Fachpersonen für Krisenkommunikation nur bedingt einig.

Das ewige Hin und Her bei den letztjährigen TVQuoten seitens Mediapulse, der Fall Carlos, oder auch die unschöne Berichterstattungsserie über die Vorfälle an der Universität Zürich – solche Krisensituationen können leicht das gute Image einer Marke zerstören. Ein Desaster ist aber stets auch eine Chance; für die Verbesserung der Unternehmensstruktur, des Produkts, des Medienauftritts, des Krisenmanagements. Doch wie tritt der «Master of Desaster» den Medien gegenüber? Wenn es einen Bruce Lee der Krisenkommunikation überhaupt gibt. Meist schüttelt der Leser bei der täglichen Zeitungslektüre erstaunt den Kopf – weniger ob der Krise, als vielmehr über das mediale Drama, welches daraus entsteht. Betrachtet man den Krisenherd jedoch von innen anstatt aus der Perspektive der Leser, werden Zusammenhänge klar: verschiedene Interessen des Verwaltungsrats etwa, Verdrängungsmechanismen, eine panische Angst vor einem etwaigen Fehlverhalten, Juristische Einschränkungen und zum falschen Zeitpunkt entdeckte weitere Krisenherde. Das sind bei weitem noch nicht alle Schwierigkeiten im Umgang mit Krisen. Das Schwierigste dabei ist, dass es oft keine Strategie und keine generelle Unternehmenshaltung gibt, welche im Krisenfall konsequent die Kommunikation prägen könnten. Auch durchgehende Analysen vergangener Krisen gibt es in der Forschung bei Weitem nicht genug. Und wenn Fachpersonen für Krisenkommunikation aus den Bereichen Forschung, Ausbildung und Beratung über ihre Erfahrungen und Ansichten sprechen, zeigt sich: Es gibt divergente Ansätze zur Krisenkommunikation, welche sich bereits schon in der Frage widersprechen, ob ein vorgefertigtes Konzept für die Krisenkommunikation Sinn macht.

Strategie für Krisenkommunikation – Ein Widerspruch in sich?

Der ehemalige Informationschef von Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold und heute leitender Partner des Beratungsunternehmens Klaus-Metzler-Eckmann, Hans Klaus, ist überzeugt, dass Erfahrung und Fingerspitzengefühl in der Krisenkommunikation eine tragende Rolle spielen. Es wäre grundsätzlich falsch, nur vorgefertigten Konzepten zu folgen, sagt er. Auch Roland Binz, Vizepräsident vom Verband für Krisenkommunikation, ist kein Fan von standardisierten Vorgehensweisen. «Moderne Krisenkommunikation muss heute flexibel auf den einzelnen Fall und die Bedürfnisse der Betroffenen ausgerichtet werden», sagt er. Die Anforderungen an die Krisenkommunikation hätten sich in den letzten Jahren fundamental verändert. Matchentscheidend seien einerseits die Erfahrung im Umgang mit belastenden Situationen sowie andererseits die Fähigkeit, mögliche mediale Entwicklungen zu antizipieren und diesen kommunikativ vorzugreifen. Konzepte und Leitlinien könnten aber auch hilfreich sein, so die Meinung von Christian Pieter Hoffmann, Assistenzprofessor für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen. Er sieht deren Relevanz vor allem in der Prävention einer Krise. Sie seien wichtig für die Vorbereitung im Krisenfall. Denn in solchen Fällen würden sie Orientierung bieten. Da aber jede Krise anders sei, müssen Leitlinien flexibel gehandhabt werden. Hier helfe vor allem Erfahrung, um die Nerven zu bewahren und den Überblick zu behalten. «Erstmalige Krisenerfahrungen können schnell überwältigend wirken », führt Hoffmann aus. Fachwissen allein reicht also nicht immer aus, gerade wenn die Erfahrung fehlt. Unter anderem aus diesem Grund ist Hans Klaus kein Befürworter von Agenturen, die Krisenkommunikation «wie frische Gipfeli» anbieten. Gerade diesen fehle oft die nötige Erfahrung, sagt er etwas besorgt. «Die Koordination komplexer Führungsprozesse unter hohem Druck bewältigt man am besten, wenn man über Erfahrung verfügt, einen wesentlichen Teil kann man sich aber auch durch Üben aneignen», schreibt auch Andrea Frei Gschwend von Farner Consulting auf E-Mail-Anfrage. Erfahrung ist also zentral für eine gute Krisenkommunikation. Doch ohne ein vorgefertigtes Konzept an eine Krisenkommunikation heranzugehen, halten nicht alle Fachpersonen für die richtige Lösung. Denn mit einer klaren Vorgehensweise können Fehler wenn nicht ausgeschlossen, so doch reduziert werden, begründet Frei Gschwend ihre Haltung diesbezüglich. Sie ist der Ansicht, dass es gerade in der Kommunikation eine klare Führung braucht, die nach aussen ersichtlich ist. «Strukturen und Prozesse dienen dieser Führung, solange das Vorgehen geplant, eingeführt und regelmässig geübt werde», schreibt sie. Denn gute Krisenkommunikation basiere nicht nur auf Inhalten, sie funktioniere insbesondere dank solch klarer Prozesse, die überlegt und eingespielt sein müssen. So verstehe Farner Consulting Krisenmanagement als einen Stabsarbeitsprozess. «Dieser folgt systematisch dem Führungsrhythmus: Regelung der Auskunftsberechtigung, interne Abklärung der Sachverhalte, Erarbeitung von Sprachregelungen, Auskunft proaktiv, aber nur aufgrund von gesicherten Tatbeständen», führt sie aus. Vorbereitung und klare Prozesse seien nicht im Widerspruch zur Flexibilität und rascher Reaktion, sondern verbessern im Gegenteil die Handlungsfähigkeit im Krisenfall, zum Beispiel durch die Bildung von Quick-Reaction-Teams. Daneben sei dann auch wichtig, den Normalbetrieb sicherzustellen, Betroffene psychologisch zu betreuen, Personal und andere Stakeholder intern zu informieren und die Issue-Entwicklung in den klassischen wie auch den sozialen Medien zu überwachen. «Wer sich an derartige Prozesse hält, macht weniger Fehler und übersteht eine Krise mit Mediendruck besser», ist Andrea Frei Gschwend überzeugt. Fehler können auch in der Krisenkommunikation passieren, konstatiert Hans Klaus. Das sei schwer zu vermeiden. Wichtiger als eine absolut abgesicherte und detailversessene Krisenkommunikation sei ein schnelles Reagieren, Authentizität und mit Empathie zu informieren – auch um etwaige Spekulationen zu vermeiden, welche bei Ausbruch der Krise schnell zu weiteren Krisenherden führen könnten. «Ich glaube, Preparedness ist das entscheidende», ist hingegen Oliver Schroeder, Studienleiter und Medientrainer am MAZ, überzeugt. Man müsse auf die Krise vorbereitet sein. Alles andere sei dann im Einzelfall anzuschauen. «Wir versuchen Krisenkommunikation in Raster zu packen – das ist auch okay, um sie beherrschbar zu machen», konstatiert Schroeder. Nur leider funktioniere das nicht immer. Bereits wenn es um die Informationsvermittlung gehe, gebe es verschiedene Interessen, etwa diejenigen der einzelnen Stakeholder. Daher müsse man wissen: «Egal welches Raster wir haben, egal welche Prozesse wir haben, jede Krise ist ein Stück weit anders und erfordert immer dieses schnelle Mitdenken mit den richtigen Leuten, um richtige Entscheidungen zu treffen », fasst er die Schwierigkeiten der Krisen kommunikation kurz zusammen. Das sei die grosse Herausforderung. Fachpersonen für Krisenkommunikation vertreten also unterschiedliche Ansätze, ob und wann klare Leitlinien und Strukturen hilfreich sein können. Nach Meinung von Christian Pieter Hoffmann können Konzepte und Leitlinien sehr wohl hilfreich sein, gerade bei der Prävention einer Krise. Solange diese flexibel gehandhabt werden. Andrea Frei Gschwend versteht Krisenkommunikation als einen Stabsarbeitsprozess, der dem Führungsrhythmus folgt und nach aussen ersichtlich ist. Sie vertritt die Ansicht, dass diese geplant, eingeführt und regelmässig geübt werden sollten, gerade auch um Fehler zu vermeiden. Wichtiger als eine absolut sichere und fehlerfreie Krisenkommunikation ist nach Meinung von Hans Klaus ein schnelles Reagieren, Authentizität und allumfassend zu informieren. «Ohne Vorbereitung geht es nicht oder eher schief», ist Oliver Schroeder überzeugt. Eine einheitliche Haltung zum Vorgehen während einer Krise kann unter Fachpersonen nicht gefunden werden. Eine Einigung findet sich eher, wenn es um die Haltung zum gezielten Informieren der Öffentlichkeit durch die Medien geht. Doch welche Rolle spielen die Medien überhaupt im Prozess der Krisenkommunikation und welche Haltungen nimmt ein Krisenberater ihnen gegenüber ein?

Medien: «Das wichtigste Kapital in der Krise?»

Hans Klaus vertritt eine «von der klassischen Schulmeinung ziemlich divergierende Philosophie ». Was wir an den Hochschulen lernen, sei schon lange veraltet. «Es ist heute nicht mehr gleich wichtig wie früher, was der Tages-Anzeiger über die UBS schreibt», winkt er ab. Unternehmen wie z.B. UBS, CS, Roche etc. seien global vernetzt und auf tausend Kanälen aktiv; «ist da die Relevanz eines Artikels in einer lokalen Tageszeitung wirklich noch gleich gegeben?», stellt er die Frage in den Raum. Trotzdem ist Klaus überzeugt, dass man die Beteiligten einer Krisensituation nach Möglichkeit aus dem medialen Drama raushalten sollte. Denn eine betroffene Person habe immer eine gefärbte Meinung, was der Transparenz nicht zugute komme. Als Beispiel nennt Klaus die Universität Zürich und die verschiedenen Interessen der Verantwortlichen. «Das Krisenmanagement hat in diesem Fall versagt. Es wurde zu lange laviert und bis heute herrscht ein Durcheinander in der Kommunikation. Ein solches Vorgehen ist nachhaltig schädlich für die Uni», meint Klaus. Gewinnen könne man in diesem Fall einzig durch Schnelligkeit und volle Transparenz.

Haben die Medien, und deren Perspektive zur jeweiligen Situation, tatsächlich so wenig Relevanz? Es gibt zumindest, so Andrea Frei Gschwend, im Kontakt mit den Medien klare Grundsätze. Das langsame Herauströpfeln von – im ungünstigsten Falle noch ungesicherten – Informationen etwa sei wie Öl ins Feuer giessen. Eine gute Vorbereitung wäre hier besonders wertvoll, ist auch Christian Pieter Hoffmann überzeugt. Denn das natürliche Misstrauen erhöhe sich in Krisenzeiten weiter. Ausserdem sei die Faktenlage meist noch unklar. Gerade auch deswegen sei die Medienkommunikation in Krisenzeiten besonders schwierig. «Dazu zählen auch bestehende Beziehungen zu vertrauenswürdigen Journalisten», betont Hoffmann. Persönliche Beziehungen müssten vor der Krise aufgebaut werden. Sie seien ein wichtiges Kapital in der Krise: Beziehungen sowohl zu Journalisten, aber auch zu NGOs, zu Aktionären, zu Online-Communitys. Im persönlichen Austausch spiele Authentizität eine besondere Rolle. «Persönliche Beziehungen: ja», sagt auch Hans Klaus, «denn mit einer solchen würden Journalisten eher zu einer ausgewogenen und fairen Berichterstattung tendieren. » Exklusive Geschichten etwa seien aber gerade in der Krisenkommunikation meist kontraproduktiv. Medien müssen punkto Inhalt und die Zeitverhältnisse absolut gleich informiert werden, sagt Klaus. Auch Roland Binz empfiehlt, in der Regel alle Medien gleich zu behandeln: Vorzugsbehandlungen, Instrumentalisierungen von Medien und exklusives Stecken von Storys gehöre zur alten Schule, die selten nachhaltig wirke. «Im Gegenteil: Wer einzelne Medien oder Akteure mit Informationen bevorzugt, riskiert fahrlässig umso härtere Gegenreaktionen », erklärt er. Überdies bewähre es sich, kritische Fragen von Journalisten auch dann ernst zu nehmen, wenn sie vermeintlich übertrieben wirken. Es gehe nicht darum, ein Exklusiv-Interview zu geben oder andere Mauschel-Geschichten, betont auch Oliver Schroeder. Vielmehr sei es in der Krise einfach vorteilhaft zu wissen, welche Medien eine faire und informationsbezogene Berichterstattung führen würden. «Ich finde es gerade in der Krisenkommunikation schwierig zu sagen: hätte man doch, müsste man doch», wirft er ein. Aber dennoch müsste ein Unternehmen gerade im Öffentlichkeitsbereich schon vorgängig in Ressourcen investieren. So etwa im Social-Media-Bereich. Als Beispiel hierfür nennt Schroeder Nestlé. Da habe man nach dem Desaster mit Kit Kat und dem Palmöl-Spot von Greenpeace auf YouTube ein Digital-Acceleration- Team aufgebaut: Ca. 10 Spezialisten kümmern sich schwerpunktmässig um digitale und Social-Media- Analyse. «Sie müssen das Geld, also die Leute und Ressourcen, einfach haben», betont Schroeder. Nicht alle mittelständischen Unternehmen hätten das schon erkannt oder seien bereit, diese Ressourcen freizustellen, um sich für Krisen zu wappnen, fügt er an. «Denn mit einem Krisenhandbuch und einem geschriebenen Krisenkommunikationskonzept ist es nicht getan.»

Ursina Maurer

In Kürze:

Nicht alles ist Krise, was mediale Aufmerksamkeit erweckt oder kommunikative Beratung beansprucht. «Es ist sehr wichtig, eine Krisensituation von einer aussergewöhnlichen und schwierigen Situation in einem Unternehmen zu unterscheiden», betont Hans Klaus. Eine Krisensituation sei dann gegeben, wenn ein Unternehmen oder ein Teil eines Unternehmens durch die Situation existenziell bedroht wird. Oder z.B. wenn eine Firma deswegen etwa in finanzielle oder rechtliche Nöte gerät, wie beispielsweise verschiedene Schweizer Finanzinstitute in den USA. Nicht immer führen Unfälle oder andere heikle Ereignisse zu Krisensituationen für das Unternehmen. Jedoch oft, fügt Klaus an, würden sich schwierige Situationen in Unternehmen zu veritablen Krisen entwickeln, weil eine ruhige und erfahrene Aussensicht bei der Bewältigung der Situation fehlt. Ein überraschender Rücktritt eines VR-Präsidenten oder CEOs z.B. muss noch lange keine Krise sein. Wird in solchen «normalen» Situationen gut geführt und transparent informiert, lassen sich Krisen fast immer vermeiden. Krisenmanagement und Krisenkommunikation gehören zusammen, man kann das eine nicht vom anderen trennen.

Für Oliver Schroeder ist Krisenkommunikation längst zum Alltag geworden. Denn die Friedenszeit, wie er sie nennt, enthalte bereits die Issues, welche zu einer Krise werden können. «Wir leben in einer permanenten, krisenschwangeren Zeit», definiert er genauer. Es gebe natürlich auch die akute Krise, wobei dann sofort entlang der Krise agiert werden müsse. Aber in der heutigen Zeit – auch gerade mit Social Media, wo jeder sofort kommunizieren und sich austauschen kann – findet Schroeder, dass man sich permanent in einer möglichen Krise befindet. Manchmal breche diese aus und man müsse sich auf dieses Ausbrechen vorbereiten. Ob sich eine Krise entwickelt, hänge also nicht nur vom Agieren des Unternehmens ab, sondern auch von der Umwelt. So gebe es etwa selbst verschuldete Krisen, aber auch unberechenbare Krisensituationen, wie etwa ein Amoklauf. Das heisst für Schroeder konkret: «Vor der Krise ist nach der Krise.» Oliver Schroeder sammelt im «Vorbeigehen» kommunikativ kritische Situationen, die er im Medienalltag entdeckt und die zum Staunen, Kopfschütteln und Nachdenken anregen (mediencoach.ch). Dies sind jedoch eher Randbemerkungen und weniger Analysen. Sie wollen deshalb auch keinem wissenschaftlichen Anspruch oder professioneller Beratung gerecht werden. Sie sollen lediglich als Denkanstösse dienen.

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Zu guter Letzt: Dildos für Waffensicherheit

«Schliessen Sie Ihre Waffen immer weg, denn sonst spielen fündige Kinder mit Sicherheit mit Ihnen», will die US-Vereinigung Evolv vermitteln. Verbildlichen kann man das sehr gut auch mit Dildos, findet McCann.

Die Agentur hat für Evolv einen Spot gestaltet, der Spot zwei Mütter zeigt, die sich ganz harmlos unterhalten und ihren Kindern beim Spielen zusehen. Nur dass ihre Kinder leider ein Spielzeug gefunden haben, das sie nicht finden sollten: Dildos. Die Aussage des Spots: «Wenn sie es finden, spielen sie auch damit». Fazit: «Schliessen Sie ihre Waffen immer weg». Gefunden hat den plakativen aber aussagekräftigen Spot Wuv.de. Auf Youtube ist er bereits seit einer Woche, wo er bereits über 3 Millionen Views generiert hat und dort freundlich daran erinnert: Schliessen Sie ihre Waffen sicher weg – und ähm, auch andere Dinge. (uma)
 

//www.youtube.com/watch?v=qKHeXC7L85s

Wemf schaut bei Gegengeschäften genauer hin

Gegengeschäfte sind in der Medienbranche gang und gäbe, man denke nur an die vielen Medienpartnerschaften. Manche tangieren aber die Auflagen von Pressetiteln – so sehr, dass verkaufte und gratis verteilte Exemplare vermischt werden. Dem will die Wemf nun mit einer neuen Regelung einen Riegel schieben. Sie gilt ab sofort für die Erhebungsperiode vom 1. Juli 2014 bis 30. Juni 2015.

Im Februar wurde bekannt, dass die junge Basler Wochenzeitung TagesWoche ihre Abo-Auflage dank Gegengeschäfte um mehr als 100 Prozent auf 22 639 Abos erhöht hatte. Konkret lieferte sie wöchentlich 11 500 Exemplare an die Flughäfen Zürich und Basel-Mulhouse und liess sie dort gratis auflegen. Den Flughäfen verrechnete sie 50 Prozent des Abopreises – damit galten diese als bezahlte Abos. Die Flughäfen wiederum stellten der TagesWoche das Auflegen in Boxen in Rechnung – zum exakt selben Preis. Die Wut unter den TagesWoche-Kunden war gross, denn das Blatt war nur dank dieses dreisten Gegengeschäfts zur Nummer 2 unter den Basler Abo-Zeitungen aufgestiegen. Effektiv liegt sie aber weit abgeschlagen auf dem vierten Platz. Die Basler Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor wegen Betrugs, denn in der Mediadokumentation war dies nie angegeben. Der Fall betraf aber auch die Wemf, da das Vorgehen der TagesWoche sogar dem Wemf-Reglement entsprach. Andere Titel, etwa die Basler Zeitung, tun dasselbe, wenn auch in etwas geringerem Ausmass.

Offensichtlich missbräuchlich

Doch mit solchen «Spielchen» soll nun Schluss sein. «Es ist offensichtlich missbräuchlich, wenn versucht wird, mit Gegengeschäften die verkaufte Auflage zu erhöhen, obwohl der Gegenwert in keiner Weise angemessen ist», schreibt die Wemf dazu. Deshalb hat sie das Auflagenreglement ver- schärft. Der Fall TagesWoche sei dafür nicht der Anlass gewesen, betont die Wemf, man habe die Reglementsänderung schon vorher diskutiert. Beschlossen hat sie der Verwaltungsrat aber erst im März 2014. Sie tritt am 1. Juli 2014 in Kraft und wird sich erstmals auf die Publikation im Oktober 2015 auswirken.

Gemäss neuer Regelung bleiben Gegengeschäfte zwar erlaubt, doch neu prüft die Wemf, ob die Gegenleistung dem Wert der Abos entspricht. Um dies zu beurteilen, kann die Wemf auf Kosten des Verlages Experten von Revisionsfirmen beiziehen. Ist der Gegenwert angemessen, sind diese Abos weiterhin Teil der verkauften Auflage und werden auch nicht separat ausgewiesen.

«Bulk» – die neue Auflagenkategorie

Eines stellt die Wemf aber schon jetzt klar: Eine reine Distributionsleistung gilt nicht mehr als reeller Gegenwert für Abos, entsprechende Exemplare würden somit aus der verkauften Auflage gestrichen. Stattdessen kann sie der Verlag zur Gratisauflage zählen, aber nur, wenn er auch die Remissionen nachweist. Andernfalls teilt die Wemf sie der neuen Auflagenkategorie «Bulk» (= engl. Massenware) zu. Die Bulk-Auflage ist immerhin Teil der verbreiteten Auflage. «Für die Werbeauftraggeber ist es entscheidend, dass es nicht zur Vermischung der verkauften und der gratis vertriebenen Auflage kommt», sagt dazu Roland Achermann, bei der Wemf zuständig für die Auflagenbeglaubigung.

Vorpublikation am 1. Oktober entfällt

Das Reglement verlangt neu auch, dass die Verlage alle Gegengeschäfte, die die Auflage betreffen, von sich aus offen- und entsprechende Dokumente vorlegen. Verlangt habe man diese zwar bisher schon, sagte Achermann. Doch habe man dafür keine Handhabe gehabt. Neu kann hingegen eine Konventionalstrafe von 50 000 Franken ausgesprochen werden.

Ein weiterer Punkt: Bisher wurden die von den Verlagen selbstdeklarierten Auflagen jeweils am 1. Oktober publiziert, am 1. November folgten dann die überprüften Zahlen. Das wird dieses Jahr zum letzten Mal so sein. Ab 2015 legt die Wemf jeweils ein Publikationsdatum im Oktober fest, an dem alle geprüften Zahlen publiziert werden. Auf die Vorpublikation wird verzichtet. Dadurch soll verhindert werden, dass einzelne Verlage während eines Monats von zu hohen, selbstdeklarierten Zahlen profitieren können, sagt Achermann. Ob regelmässig auf diese Weise geflunkert wurde und wie viele Titel dies jeweils taten, kann er aber nicht sagen.

Markus Knoepfli

Das sind Gegengeschäfte

Bisher definierte die Wemf Gegengeschäfte als «bargeldloser Austausch von Leistungen zwischen einem Medienhaus und Dritten». Neu spielt es nun keine Rolle mehr, ob Geld fliesst oder nicht: Abos können nur dann der verkauften Auflage zugerechnet werden, wenn der Wert der Gegenleistung angemessen ist und für diesen ordentlich und innerhalb der Erhebungsperiode Rechnung gestellt wird.
 

Renzen filmt «das Kraftpaket» von Stiebel Eltron

Die Aarauer Kommunikationsagentur Renzen hat Roman Wick von den ZSC Lions, Schweizermeister und Vize-Weltmeister 2013 im Rahmen eines Teaserspots für die neue Wärmepumpe LWZ 504 E von Stiebel Eltron aufs Eis geschickt.

Eishockey mitten im Sommer? Na klar! Denn «das Kraftpaket» kann nicht nur heizen und Warmwasser aufbereiten, sondern auch lüften und kühlen. Das 30-sekündige Video wird auf einer Microsite präsentiert, wo man alles über die LWZ 504 E erfährt.

Neben dem Teaser-Spot kommen als weitere Massnahme Inserate in der Fachpresse zum Einsatz.

Verantwortlich bei Stiebel Eltron, Lupfig: Paul Stalder (Geschäftsleiter), Manuela Rohrer (Marketing Kommunikation). Veratwortlich bei Renzen Communications, Aarau: Hanno Lietz (CD), Achim Kaufmann AD), Frédéric Renzen (Beratung). Verantwortlich bei Studio Online: Mustafa Kizilcik (Video).
 

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