Wer suchet, der findet

Auch in diesem Jahr hat Google die häufigsten Schweizer Suchanfragen auf Google.ch präsentiert. Gleichzeitig plant der Konzern bereits einen Ausbau der Büroräumlichkeiten: Google wird dafür an die Europaallee ziehen und kündigt an, neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Von einem Betrieb mit zwei Mitarbeitern ist Google Schweiz mittlerweile zu einem Unternehmen mit über 1500 Mitarbeiter aus 75 Nationen angewachsen. Am Standort Zürich betreibt Google heute sein grösstes Forschungs- und Entwicklungszentrum ausserhalb der USA. In Zürich liegt Googles Forschungsschwerpunkt: Hier wird geforscht, aber auch ausprobiert und analysiert. Viele Innovationen und neue Services werden entsprechend aus der Schweiz implementiert. Ein Schwerpunkt liegt, wie Matthias Meyer betont, auf der Weiterentwicklung der Suche. Der entsprechende Bereich, auf den sich Google Schweiz in dem Zusammenhang stark konzentriere, sei die so genannte «conversational search». Meyer selbst trägt neuerdings eine Smart-Watch, ein Armband mit Bildschirm anstelle einer Zeitanzeige – Suchanfragen können mündlich an den kleinen Armband-Helfer gerichtet werden. «Denn es gibt Leute», so Meyer, «die bis 150 Mal pro Tag das Smartphone zur Hand nehmen. Der mobile Trend ist ungebrochen: Mobile Suchanfragen haben sich alleine im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Mobile Geräte, so genannte Wearables, werden immer wichtiger.»

Der Innovationsstandort von Google in der Schweiz wächst, denn Google mietet neue Büroflächen in der Europaallee beim Zürcher Hauptbahnhof. Damit verbunden will der Konzern nicht nur seinen Standort in der Schweiz stärken, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen. Der Einzug in das erste Büro soll jedoch erst Ende 2015 erfolgen. Dann wird aber kräftig investiert. Patrick Warnking, Country Director von Google Schweiz, sagt: «Die Schweiz ist ein Top-Standort für Innovationen, und wir freuen uns, hier weiter zu investieren. Wir sind sehr glücklich über unsere Partnerschaften in For- schung, Lehre und Wirtschaft und wollen die Zusammenarbeit weiter ausbauen.» Insbesondere in den bestehenden Partnerschaften mit ETHZ/EPFL, KMU, mit Medien und der Exportbranche will sich Google in den kommenden Jahren weiterhin stark engagieren. In Zürich arbeiten die Google-Mitarbeitenden am Kartendienst Google Maps, dem E-Mail- Dienst Gmail, am Google-Kalender, an der Google- Suche und dem Videoportal YouTube. Auch die sprachbasierte Suche für mobile Geräte soll in Zürich vorangetrieben werden.

Rückblick 2004 bis 2014

Die neuen Büros in der Europaallee sind ein Folgeschritt des Ausbaus in Zürich. Der Standort ist bereits vor über einem Jahr zum grössten Entwicklungsstandort ausserhalb der USA angewachsen. Der Technologiekonzern eröffnete im Mai 2013 neue Büroräumlichkeiten im Hürlimann-Areal. Die Eröffnung setzte die erfolgreiche Geschichte von Google in der Schweiz fort. Gestartet ist der Konzern in der Schweiz im Jahr 2004 – mit zwei Mitarbeitenden am Limmatquai in Zürich. Bereits im Jahr darauf zog Google an die Freigutstrasse und wechselte im Jahr 2008 auf das Hürlimann-Areal, wo die Schweizer Niederlassung seither kontinuierlich ausgebaut wurde. Als Kennzeichnung ist das neue Gebäude an der Brandschenkestrasse 100 mit 98 zusätzlichen Nullen geschmückt: eine Referenz an die Bezeichnung «Googol», nach der das Unternehmen ursprünglich benannt wurde.

Ein Jahr nach der Neueröffnung der Büroräumlichkeiten im Hürlimann-Areal zertifizierte Google die erste Agentur für Business View. Somit erhielt Cityguide die Möglichkeit, landesweit virtuelle Touren durch Innenräume zu erstellen und offiziell in Google Dienste hochzuladen. Der Dienst «Google Maps Business View» war als logische Ergänzung von Google Street View gedacht. Mit dem neuen Dienst konnten Detailhändler, Freiberufler, Gastronomen und Hoteliers von Google geschulte Fotografen dazu einladen, ihre Innenräume virtuell begehbar zu machen. Die Innenräume wurden mit einer speziellen 360-Grad-Kameratechnik aufgenommen. Einige Monate darauf, im August dieses Jahres, hat Google damit begonnen, Links von Schweizern zu löschen, denn diese hatten das im Namen ihres Rechts auf Vergessen verlangt. Daraufhin musste das Unternehmen zum einen veraltete und unpräzise Einträge löschen, zum anderen muss es dem Recht der Öffentlichkeit auf Information Folge leisten, etwa wenn es um Politikerinnen und Politiker geht. Diese Triage nahm Google in Eigenregie vor.

Vor rund zwei Monaten hat Google die grösste aktuelle Datenbasis zum digitalen Schweizer veröffentlicht. Der neue Consumer Barometer gibt Einblick zur Internetnutzung, dem Online-Einkaufsverhalten sowie der digitalen Kommunikation und Endgerätenutzung in 56 Ländern – darunter auch die Schweiz. Seit dem 23. Oktober 2014 finden sich somit auf Consumerbarometer.com onlinerepräsentative Daten zu den digitalen Konsumenten in 56 Ländern. Das Marktforschungsinstitut TNS Infratest hat dazu Mitte 2014 im Auftrag von Google über 150 000 Onliner befragt. Das frei zugängliche Marktforschungsprogramm soll laut einer damaligen Mitteilung des Konzerns vor allem den Marketing- und Media-Entscheidern helfen, ihre Werbemassnahmen optimal an die Bedürfnisse der digitalen Konsumenten auszurichten.

Ursina Maurer

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Zürichsee Medien: Beat Lauber neuer Geschäftsführer

Der Verwaltungsrat der Zürichsee Medien hat Beat Lauber zum neuen Geschäftsführer ernannt. Der 58-Jährige löst per 1. Januar Theodor Gut ab, der sich in den nächsten Monaten ganz auf das Präsidium des Verwaltungsrats konzentrieren will.

Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Der 66-jährige Gut habe die Absicht, im Juni 2015 definitiv in den Ruhestand zu treten, heisst es in der Mitteilung. Der neue Geschäftsführer Beat Lauber soll dann auch Verwaltungsratspräsident der Zürichsee Medien werden. Lauber war während 25 Jahren in leitenden Funktionen im Verlagswesen tätig. So war er bei der Curti Medien Gruppe Verlagsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung. 1996 war er bei Ringier AG für den Zeitschriftenbereich sowie die neuen Medien verantwortlich, bevor er 1998 in die Konzernleitung gewählt wurde.

Vier Jahre später wechselte Lauber zur NZZ Mediengruppe, wo er als Geschäftsführer der FPH Freien Presse Holding den Regionalzeitungen, Regionalradios und Fernsehstationen vorstand. 2010 machte sich Lauber selbständig und konzentrierte sich auf verschiedene Verwaltungsratsmandate. Diese Mandate wird er nach der Übernahme der Geschäftsleitung der Zürichsee Medien AG weiterhin betreuen.

Die Zürichsee Medien mit Sitz in Stäfa ist die Muttergesellschaft der Regionalsender Radio Zürichsee und Radio Bern 1 sowie der Anzeigenvermittlerin Zürichsee Werbe. 2014 erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben mit 100 Beschäftigten einen Umsatz von 32 Millionen Franken. (SDA)

Wunderman: Interaktive Weihnachtskarte für Microsoft

Wunderman füllt mit der Social-Media-Community ein globales Weihnachtsalbum und kreiert so eine interaktive Weihnachtskarte für Microsoft.

Ein Album, welches abertausende Fotos von Menschen auf der ganzen Welt beinhaltet und kontinuierlich das Erscheinungsbild ändert – das ist ein Novum in der Geschichte des virtuellen Weihnachtsgrusses!  Möglich macht es der Brandalizzer, eine von Futurecom entwickelte Social Media Windows App, welche den Feed diverser Sozialer Medien herausfiltert. Aber eins nach dem anderen: Zunächst wurden Microsoft-Mitarbeiter, Partner, Freunde und Verwandte in einem Mailing eingeladen, ihre ganz persönlichen Advents-Impressionen mit einem vordefinierten Hashtag zu versehen und auf Facebook, Instagram oder Twitter zu posten. Brandalizzer griff anschliessend auf die mit dem Hashtag versehenen Bilder zu und verknüpfte sie mit der Microsoft-Weihnachtsgalerie.

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So entstand (und entsteht) nach und nach ein nicht ganz alltägliches Album mit vielfältigen kulturellen Einblicken – denn die interaktive Weihnachtsgalerie wurde inzwischen für 18 Länder-Plattformen adaptiert, mitunter auch für die Schweiz. Wie sich Menschen auf der ganzen Welt sonst noch auf die Adventszeit einstimmen, sehen Sie hier.

Link (Schweiz)

Link (Global)

Verantwortlich bei Microsoft: Christian Frei (Marketing Communication Lead Western Europe HQ) und Marta Sereno Oliveira (Project Manager Western Europe HQ CMO). Verantwortlich bei Wunderman (Member of Y&R Group Switzerland): Thomas Engeli (ECD), Daniel Schranz, Carl Gustav Stahl (AD), Parvez Sheik Fareed (Text), Valeska Kraus, Andreas Punter (Beratung), Roberto Eichin, Nicolà Krügel, Manuel Meier, Pascal Albrecht (Programmierung).
 

Heimliche Tarifaufschläge sind in Mode

Die meisten Zeitungen und Zeitschriften erhöhen per 2015 ihre Anzeigentarife nicht oder nur moderat. Und doch wird das Medium Print vielerorts massiv teurer. Denn sehr viele Titel haben dieses Jahr signifikant Leser verloren, doch nur wenige senken nur ihre Seitenpreise. Die meisten lassen sie wie gehabt, einzelne erhöhen sie sogar.

Von den hier aufgelisteten gut 150 Titeln ändert nur ein Viertel die Tarife für ganze Anzeigenseiten: 31 Titel – vor allem Zeitungen – erhöhen den Seitenpreis, 17 senken ihn. Gar keine Änderungen nehmen die 7 Beilagen vor. Und in der Westschweiz findet man kaum Anpassungen: Dort heben nur vier Titel (Revue automobil, Coopération, La Liberté, La Gruyère) ihre Tarife an, zwei (Vista f und La Côte) senken sie deutlich.

Brutto-Anzeigetarife (PDF)
Fortsetzung (PDF)

TagesWoche korrigiert endlich auch den Preis

Die happigsten Preissenkungen nehmen die Programmzeitschriften von Axel Springer Schweiz (ASS) vor: Sie reduzieren den Seitenpreis je um rund ein Viertel. Beim TV Star ist das nachvollziehbar, denn er hat exakt gleich viele Leser verloren. Tele hingegen senkt den Tarif viel stärker (-27%), als gemäss aktuellem Reichweitenverlust (-18%) angemessen wäre. Bei TV2 und TVvier, die keine Leserzahlen ausweisen lassen, ist der Preisabschlag zumindest auf Grund der Auflagenentwicklung nicht abwegig. Ein weiteres Blatt mit grosser Preisreduktion ist die TagesWoche: Sie senkt den Anzeigenpreis um 22 Prozent. Der Grund: Im letzten Februar war ausgekommen, dass die Wochenzeitung den grössten Teil der über 22 000 ausgewiesenen «Abos» bloss im Gegengeschäft an Flughäfen gratis aufgelegt hatte. Das hat sie mittlerweile gestoppt, heute weist sie nun – bei ähnlich hoher verbreiteter Auflage wie vor einem Jahr – noch knapp 5700 bezahlte Abos aus, der Rest wird weitgehend gratis verteilt. Ob angesichts dieses tiefen Abostamms die Preisreduktion genügt, müssen die Inserenten entscheiden. Eher erstaunlich ist dagegen der 12-Prozent-Abschlag, den La Côte vornimmt, denn hier blieb die Leserschaft stabil.

Weitere Titel wählen den Einheitstarif

Die grössten Preiserhöhungen nehmen die Zeitschriften Revue automobil (+28%), Plädoyer (+17%) und Automobil-Revue (+14%) vor – allerdings ausschliesslich beim Schwarz-Weiss-Tarif, denn die drei Titel führen neu den Einheitstarif ein. Auch die junge Ostschweiz am Sonntag tendiert deutlich in diese Richtung. Sie hat den Vierfarbenpreis reduziert, weshalb die Differenz zur SW-Seite nun nur noch 60 Franken beträgt. Beim Vierfarben-Tarif sind es die Landliebe und die Thurgauer Zeitung (TZ), die am deutlichsten aufschlagen: Doch obwohl die Landliebe 35 Prozent Leser zulegte, schlägt sie nur 13 Prozent auf, die TZ hingegen erhöht den Preis exakt proportional zu ihrem Reichweitengewinn (+10%). Auch bei 20 minuti im Tessin stimmen Leserzuwachs (8%) und Preiserhöhung prozentual überein.

Auch 2015 viele versteckte Preisaufschläge

Selbstverständlich gibt’s auch bei der aktuellen Preisrunde wieder versteckte Tariferhöhungen – möglicherweise mehr denn je. Das Ausmass lässt sich mit ein paar Zahlen aufzeigen: Von den gut 150 Titeln weisen 119 bei der MACH Basic 2014-2 Reichweitenzahlen aus. 84 von ihnen verzeichnen gegenüber 2013 einen Leserrückgang, der häufig signifikant ist. Doch nur sechs Titel haben auf nächstes Jahr auch den Seitenpreis reduziert – darunter die erwähnten TV-Titel von ASS sowie Vista und Beobachter Natur. Die meisten belassen den Preis dagegen auf bisherigem Niveau, was natürlich eine versteckte Preiserhöhung darstellt. Besonders dreist: Obwohl der Anzeiger Thurgau 31 Prozent weniger Leser hat, verlangt er weiterhin gleichviel pro Anzeigenseite wie bisher. Ebenso der Kulturtipp (27% weniger Leser), die französische Ausgabe von Reader’s Digest (-23%), die Handelszeitung (-22%) und Film demnächst (-20%). Damit aber nicht genug: Einige Titel erhöhen sogar den Werbepreis, trotz starkem Reichweitenrückgang. Zu diesen gehören die Schweiz am Sonntag und das Tag- blatt der Stadt Zürich, die 20 Prozent und 17 Prozent Reichweite verlieren und dennoch 0,2 und 2 Prozent mehr für ihre Anzeigenseite verlangen. Vergleichsweise moderat macht es die Coop-Zeitung, die je nach Sprachregion 2 bis 5 Prozent Leser weniger hat, den Seitenpreis aber nur um 2 Prozent anhebt.

Vielerorts massiv höhere TLP

Das führt uns zum Tausendleserpreis (TLP), der nun im zweiten Jahr der MACH-3-Leserschaftsstudie wieder mit dem Vorjahr vergleichbar ist. 16 Gratiszeitungen weisen einen höheren TLP 2015 auf als vor einem Jahr, absoluter Spitzenreiter ist der Anzeiger St. Gallen mit +44 Prozent und der Anzeiger Thurgau mit +30 Prozent. Bei den Zeitschriften sind es 22 Titel, deren TLP höher ist als 2014 – allen voran der Kulturtipp mit +36 Prozent. Unter den Zeitungen sind es 18 Blätter mit höherem TLP, den Vogel schiesst hier die Handelszeitung ab mit einer Erhöhung um 28 Prozent, gefolgt von der Schweiz am Sonntag mit 26 und Il Caffé mit 22 Prozent. Bei den Beilagen und Gratiszeitschriften sticht vor allem Film demnächst heraus, dessen TLP um 25 Prozent ansteigt. Allerdings gibt es auch das umgekehrte Verhalten: Titel, die ihren TLP massiv senken, wenn auch nicht in dem Ausmass wie bei den Aufschlägen – und weitaus seltener. Den Inserenten am meisten Freude bereiten dürften das Journal du Jura und der Anzeiger Region Bern, deren TLP 2015 je um 17 Prozent tiefer ausfallen als 2014. Auch jener des PME Magazine geht um 13 Prozent zurück.

Millimeterpreise steigen da und dort

Versteckte Tariferhöhungen kommen auch noch auf einer anderen Ebene vor: bei Zeitungen, die zwar den Seitenpreis unverändert lassen, jedoch den Millimeterpreis erhöhen. Das verteuert die kleinformatigen Anzeigen. Bei der aktuellen Preisrunde ist dies allerdings relativ selten und moderat der Fall, so beim Liechtensteiner Vaterland, den Zürcher Regionalzeitungen und der Berner Zeitung: Sie belassen ihren Seitenpreis wie bisher, heben aber den Millimeterpreis um 3 Prozent an, beim Metropool und den Freiburger Nachrichten schlägt der Millimeterpreis um 2 Prozent auf und bei der Finanz und Wirtschaft und der Glarner Woche um 1 Prozent. Nur zweimal, dafür umso deutlicher kommen auch versteckte Preisabschläge vor. Der Oltner Lokalteil der Schweiz am Sonntag senkt den Farbmillimetertarif um 11 Prozent, ebenso die Ostschweiz am Sonntag.

Eine versteckte Preiserhöhung anderer Art nimmt das Magazin des SonntagsBlick vor: Es wird neu als dritter Bund in die Zeitung integriert und übernimmt nun die Tarife der Zeitung, die rund 4000 Franken höher sind.

Markus Knöpfli

Einige Tarif-Spezialitäten

– Bei den Zeitschriften ist der Einheitstarif längst Standard. Doch es gibt Ausnahmen. So kennen das Migros Magazin und Touring sowie ihre
französisch- und italienischsprachigen Ausgaben nach wie vor unterschiedliche SW- und 4c-Preise. Ab Juni 2015 dürfte das Migros Magazin
mit dieser Spezialität allein dastehen, weil dann Touring zu einer Zeitschrift wird.
– Den höchsten ausgewiesenen Zeitungs-TLP 2015 in der Deutschschweiz hat das Oltner Tagblatt – er beträgt 220.83 Franken. Auf den
Rängen zwei und drei folgen das Zofinger Tagblatt (Fr. 209.44) und das Liechtensteiner Vaterland (Fr. 205.-). In der Westschweiz hat La Côte
mit 296.58 Franken den höchsten TKP, gefolgt von Le Courrier (Fr. 280.84) und L’Impartial (Fr. 255.88). Bei den Magazinen ist Bolero mit
einem TLP von 215.17 Franken der absolute Spitzenreiter, gefolgt von Edelweiss (Fr. 167.26).
– Den tiefsten ausgewiesenen TLP weisen grosse Gratiszeitschriften auf: Die Coop-Presse (ganze CH) kostet nur 16.37 Franken pro 1000 Leser, das
Migros-Magazin KoMMBi 18.52 Franken, und auf Platz drei erscheint der Drogistenstern (Fr. 19.10). Bei den Bezahltiteln führen ebenfalls
reichweitenstarke Titel, so der K-Tipp (Fr. 24.16), der Gesundheits-Tipp (Fr. 27.98), der Beobachter (Fr. 28.34) und die Saisonküche (Fr. 28.53).
– Die happigste Seitenpreiserhöhung seit 2008 – dem Jahr vor der Krise – nahm 20 minutes vor: Sein Seitenpreis kostet 131 Prozent mehr
oder gut doppelt so viel wie vor sechs Jahren. Ähnliches gilt für den Blick am Abend, der 112 Prozent mehr kostet als der damalige
Vorgängertitel «heute». Unter den Bezahltiteln schlugen der Metropool mit 27 Prozent, das Magazin mit 26 Prozent und Bon à savoir mit 23
Prozent am meisten auf.
– Die stärkste Seitenpreisreduktion seit 2008 gewährten hingegen die Programmzeitschrift TV2 und TV vier (-58%), gefolgt von der
Kinozeitschrift Avant Première (-45%), der deutschsprachigen Ausgabe der Beilage Vista (-43%) und TV Star (-41%).

 

«Stolen Moments» in der ADC-Galerie

Daniel Comte zeigt nach mehreren Ausstellungen im In- und Ausland seine fotografischen Werke erstmals in der ADC-Galerie.

Der Creative Director und Fotograf ist ein stiller Beobachter des alltäglichen Wahnsinns und hält verblüffende und berührende Alltagssituationen mit einem sensiblen Auge fest. Geboren ist Daniel Comte in Bern im Jahr 1963. Nach einem Grafik-Design-Studium an der Kunstgewerbeschule in Bern wurde er 1984 Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei Matter Leo Burnett. Von 1998 bis heute war er als Creative Director in den grössten Werbeagenturen der Schweiz tätig. Seit 1995 ist er Mitglied des Art Directors Club Schweiz ADC. Heute lebt und arbeitet er in Zürich. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit Richard Avedon.

newsletter

Daniel Comte gewann über 300 nationale und internationale Kreative- und Effie-Awards. Dazu ist er ein begeisterter Fotograf. Kunst und Kultur sind seine spirituellen Medien, wie er sagt. «Ich selbst betrachte mich als stiller Beobachter des alltäglichen Wahnsinns und der Koexistenz von Zufall». Als Streetphotographer mit einem sensiblen Auge möchte er als Tourist wahrgenommen werden und die Situationen unverblümt festhalten. (uma)

Comtes Werke sind noch bis zum 15. Januar 2015 in der ADC Galerie, Zentralstrasse 18, Zürich, zu sehen.

Lesen Sie mehr zu Daniel Comte in der ersten Printausgabe im Neuen Jahr (Publikation: Freitag, 16. Januar 2015).

Einblicke in die Ausstellung:

bundeshaus
Refreshment outside the Parliament Building in Berne

oneshot
One shot on a rainy day

beach
Life’s a beach

Romanische Nachrichtenagentur mit neuer Spitze

Die rätoromanische Nachrichtenagentur Agentura da Novitads Rumantscha (ANR) hat ihre Spitze neu besetzt. Der 52-jährige Martin Gabriel löst als Präsident des Stiftungsrats Jon Domenic Parolini ab, der in die Kantonsregierung gewählt wurde.

Martin Gabriel, bisher Vizepräsident im Stiftungsrat, arbeitet im Brotberuf als Leiter der Stadtkanzlei in Ilanz, wie die ANR am Donnerstag mitteilte. Die Medienbranche ist für den 52-Jährigen aber kein Neuland. Von 1988 bis 2006 arbeitete er als Radiojournalist für die Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR).

Neuer Bündner Volkswirtschaftsdirektor

Jon Domenic Parolini, BDP-Grossrat und langjähriger Gemeindepräsident von Scuol, gibt das Präsidium ab, weil er im Mai in die Bündner Regierung gewählt wurde. Ab Anfang nächsten Jahres amtet er als Volkswirtschaftsdirektor. Für den scheidenden Präsidenten in den Stiftungsrat gewählt wurde CVP-Nationalrat Martin Candinas. Die romanische Nachrichtenagentur wurde im Juni 1996 gegründet und nahm den Betrieb Anfang 1997 auf. Sie liefert den romanischen Printmedien sowie den elektronischen Medien täglich Texte und Fotos. Finanziert wird die Agentur, die 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, von Bund und Kanton. (SDA)

Bild: Rtr.ch

Strengere Regeln für Kinderwerbung

Coop, Coca-Cola und elf weitere Mitglieder der Initiative Swiss Pledge müssen ab nächstem Jahr strengere Kriterien berücksichtigen, wenn sie Werbung machen wollen, die sich an Kinder richtet.

Unter anderem dürfen die beworbenen Produkte nicht zu viel Zucker enthalten. Ab Januar 2015 gilt für alle Mitglieder der Initiative Swiss Pledge ein neues Nährwertmodell, wie Swiss Pledge am Donnerstag mitteilte. Um für die Werbung an Kinder unter zwölf Jahren geeignet zu sein, müssen die Produkte eine festgelegte Menge an «zu fördernden Komponenten» enthalten; gleichzeitig müssen sie die Grenzwerte für die «zu begrenzenden Nährwerte» erfüllen. Nur in begrenzter Menge vorkommen dürfen Zucker, gesättigte Fettsäuren und Natrium. Diese wurden ausgewählt, weil ausreichend belegt sei, «dass sie für die öffentliche Gesundheit bedenklich sein können», wie Swiss Pledge schreibt. Die Grenzwerte sind je nach Produktekategorie verschieden.

Dank dem einheitlichen Nährwertmodell lassen sich Produkte innerhalb der gleichen Kategorie künftig vergleichen, wie Swiss Pledge schreibt. Gleichzeitig soll dadurch der Wettbewerb für die Entwicklung ausgewogener Produkte angeregt werden.

Swiss Pledge wurde 2010 als freiwillige Initiative gegründet, mit dem Ziel, das Werbeverhalten gegenüber Kindern unter zwölf Jahren anzupassen. Mitglieder sind derzeit 13 Unternehmen, darunter McDonald's, Nestlé, Kellogg, Danone und Coop. Zusammen waren die 13 Firmen im vergangenen Jahr für 41 Prozent der Werbeausgaben für Lebensmittel und Getränke in der Schweiz verantwortlich. (SDA)

Zum Thema:
Kinder sehen weniger Lebensmittel-TV-Spots (April 2014)
 

Zwölf im neuen Kleid

Zwölf war in der Garderobe. Ab der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe 46 kommt das Schweizer Fussballmagazin in einem neuen Kleid daher.

«Ziel war es, dem Heft eine klarere Struktur zu geben und aufgeräumter daherzukommen. Dabei war es uns ein Anliegen, dass wir unsere Geschichten auch optisch individueller umsetzen können», sagt Chefredaktor Mämä Sykora.

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Für die neue Optik verantwortlich zeichnet sich Sascha Török, seit Juni 2014 Gestalter und Bildchef bei Zwölf. «Die für den Leser offensichtlichste Neuerung betrifft natürlich den Schriftzug. Durch den Einsatz neuer Schriften und eines variablen Gestaltungsrasters wurde mehr Raum geschaffen und gleichzeitig die Lesefreundlichkeit erhöht. Das neu entwickelte Farbkonzept unterstützt dabei die Struktur des Heftes und macht Rubriken einfacher erkennbar.»

Mit dem Relaunch haben auch neue Rubriken und Autoren den Weg ins Magazin gefunden: Satiriker Gabriel Vetter ehrt von nun an unter dem Stichwort «Abpfiff» jene Fussballgrössen, die es so nie gegeben hat. Eishockey-Crack Mathias Seger beobachtet in seiner Kolumne «Serienseger» den Fussball aus der Sicht eines Fans und Mannschaftssportlers. Zwölf ist zudem nun international breiter aufgestellt. Im Wechsel mit unserem «Mann in London», Hanspeter Künzler, bringt Christian Egli der Leserschaft den lateinamerikanischen Fussball von Montevideo aus näher.

Ansonsten setzt Zwölf auf seine altbewährten Stärken: Das Magazin liefert Hintergründe, Fachwissen und vor allem gute Geschichten – alles stets mit viel Leidenschaft und der nötigen Prise Humor.

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Zwölf im alten Kleid: Seit 2007 Pflichtlektüre für Fussballfreunde.
 

Neuerdings in Social Media

Die Rezeption von Medien verändert sich. Nicht nur beim Fernsehen, wo mobil statt stationär im Trend ist. Wie können wir unseren Werbebotschaften in diesem veränderten Umfeld weiterhin Gehör verschaffen?

Wetten, dass …? wurde vergangenen Samstag eingestellt. Die Sehgewohnheiten verändern sich. Die Vormachtstellung des Fernsehens als Leitmedium für Unterhaltung wankt. Doch wie sieht es für das Fernsehen als Leitmedium für die Werbung aus? Fernsehen bleibt fraglos stark und wichtig. Dennoch: Wer nicht schon 2014 damit begonnen hat, wird es 2015 tun müssen: die Füsse auf neues Terrain setzen. Es ist kurz vor zwölf. Ich verzichte auf Zahlen, vertraue auf Ihre Beobachtungsgabe und bleibe am Boden. Statt mit Adiletten gemütlich versunken im Sofa, unterhalten, informieren und vernetzen wir uns vermehrt von unterwegs mit Sneakers, Ballerinas oder Navy Boots an Füssen.

Der Bildschirmsprung von stationär auf mobil ist wirkungstechnisch für uns Werbeschaffende ein Sprung aus dem gemütlichen Sofa auf die lärmige Strasse. Wie wir unseren Botschaften in diesem veränderten Umfeld dennoch Gehör verschaffen, davon ist hier ab heute und in Zukunft regelmässig die Rede. Neuerdings in Social Media ist mein Kurzformat in der Werbewoche über neue Dinge aus Social Media und verwandten Disziplinen. Sie lesen zur Einführung den Pilotbeitrag mit gut gemeinten Anweisungen. Wir starten mit einem Knall.

EXPLOSIV – Sprengen Sie sich mit der Kraft von neu erworbenem Wissen Wege zu neuen Lösungen und Sichtweisen frei. TNT steht für Techniken, Narratives und Tools. Techniken sind Wirkungstreiber. Erprobtere, wie etwa der Einsatz von Testimonials und Experten, treffen auf Neuere, wie Clickbaiting und Newsjacking. Narratives sind Inhalte, die Stoffe für Storys mit Verbreitungspotenzial liefern. Tools sind allerlei Werkzeuge, wie solche zum Netzwerken (Facebook & Co), zum Publizieren (Blogs, Microblogs, Aggregatoren), zur Gewinnung von Daten (Analytics) oder zur Kreation von Inhalten (Foto-, Video- und GIFApps). Leider gehören auch Risiken mit zum Geschäft. Wer Werbeinvestitionen in Soziale und digitale Medien zu verantworten hat, muss sich auch über sie ins Bild setzen. Ein aktuelles Beispiel: Bot Fraud ist ein betrügerisches Computerprogramm, das automatisch millionenfach Schein-Klicks durchführt. Von Schein-Klicks im Wert von 6.3 Milliarden Dollar ist im Adweek für 2015 die Rede. 11 Prozent entfallen auf Display-Klicks, gar 23 Prozent auf Video- Klicks. Das Pendant auf Facebook sind Schein- Likes. «10 vor 10» berichtete. Das Interacitve Advertising Bureau (IAB) hat eine Taskforce zur Bekämpfung ins Leben gerufen. Die Lage scheint ernst. Der Nachholbedarf an Wissen über die neue Medienwelt ist enorm. Als Sofortmassnahme empfehle ich allen Werberinnen und Werbern das News letter-Abonnement von ADWEEK Technology Today.

Eine weiterführende Liste mit Quellen gibt’s im Blogbeitrag. Sie müssen Ihren Top-Spezialisten nicht das Wasser reichen können. Aber sie müssen ihnen den Budgethahn zum richtigen Zweck aufdrehen wollen.

FOKUSSIERT – Ordnen Sie die vielfältigen Möglichkeiten nach Zielen in einer Matrix und fokussieren sie aufs Marketing. Vielleicht ist sie im Kampf um Würfel und Löwen etwas ins Hintertreffen geraten – die Hinwendung zum Marketing. Werbung ist Marketing-Kommunikation. Die Rede ist vom Echtzeit- Engagement-Marketing als Gegenentwurf zum klas- si schen Tr a n s – aktionsmarketing. Im Kern treffen zwei völlig unterschiedliche Philosophien aufeinander. Der grosse Unterschied offenbart sich in den völlig neuen Rollen von Marketingverantwortlichen und Kreativagenturen. Im alten Modell beschränkt sich die Aufgabe beider Parteien auf die Vermarktung respektive die Bewerbung fertiger Produkte mit Massenbotschaften via Unterbrecherwerbung. Im neuen Modell des Engagement-Marketings sind Marketingverantwortliche und Werber bereits mit im Boot, sobald über neue und verbesserte Produkte und Services nachgedacht wird. Denn die fortschrittlichsten unter ihnen fühlen bereits heute den Puls der Produkterlebnisse, in dem sie mit Monitoring- und Management-Tools via Facebook, Twitter, Newsletter oder In-App-Chats aktiv mit Benutzerinnen und Benutzern Echtzeit-Dialoge anzetteln und so ohne Zeitverzögerung wertvolle Insights und Sentiments in die Entwicklungs- und Gestaltungsprozesse einbringen. Ein aktuelles Beispiel liefert General Motors. Benutzer des neuen Chevrolet Trax werden aufgefordert, ihre Erfahrungen und Eindrücke via Facebook und Twitter übers im Trax eingebaute Wi-Fi kundzutun. Das Neuartige an der Sache ist, dass die Feedbacks direkt in Echtzeit via ein Oracle-Data-Dashboard in der Entwicklungsabteilung landen, wo unverzüglich Verbesserungsmassnahmen eingeleitet werden. Seth Godin, weltweit anerkannter Marketingexperte übers Engagement-Marketing: «If you are serious about engaging the customer, you realize that the most valuable moments you have are when the customer is using your product, on the phone with you, actually engaged with you.» Die Herausforderung besteht darin, den besonders positiven Erfahrungsberichten zusätzlich Verbreitungsschwung zu verleihen. In dem man sie in Echtzeit aufspürt, verdankt und weiterverbreitet. Denn nichts verzeichnet bessere Wirkungsraten als sogenannte Peer-to-Peer-Konversationen, bei denen Userinnen und User untereinander positive Produkterlebnisse austauschen. Eigentlich keine neue Erkenntnis. Aber nun bietet sich erstmals die Möglichkeit zur Umsetzung im Rahmen von in Echtzeit geführten Marketingkommunikationskampagnen!

WOHL DOSIERT UND ORGANISIERT – Legen Sie sich klar budgetierbare Handlungsfelder zurecht und vor allem: legen Sie los! Facebook für die Masse und Twitter für Beeinflusser, das sind die meiner Meinung nach wichtigsten Treiber, wenn es um Netzwerkerweiterungen und Netzwerkvertiefungen geht. Native Mobile-Apps mit Chat-Funktionen, Product-Finder und Store- Locator gehören ebenso ins moderne Marketingkommunikationsprogramm wie webbasierte Multimedia- Longformstorys. Neue Formen der Kommunikation erfordern neue Formen der Organisation. Dialoge werden gleichzeitig an mehreren Orten mit unterschiedlichen Dialoggruppen geführt. Das ist eine logistische Herausforderung: Wie gelangt der richtige Inhalt zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Personen und was ist zu tun, damit sich die Inhalte auch weiterverbreiten? Der scheidende NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann bringt den Wandel auf den Punkt: «Wenn Sie von einer Redaktionssitzung sprechen, dann denken Sie noch völlig in der alten Welt. Heute gibt es nicht mehr nur eine einzige Sitzung, sondern viele, verteilt über den Tag, weil wir auch verschiedene Kanäle und Angebote bespielen müssen.» Man ersetze «Redaktionssitzung » mit «Briefing» und die Aussage lässt sich 1:1 auf das künftige Schaffen von Kreativ-Agenturen übertragen.

Beat Hürlimann

Antworten und Meinungen zum Beitrag sind auf www.huerlimanncc.com
herzlich willkommen. Ansonsten bis im Januar, wenn es abermals heisst: Neuerdings in Social Media.
 

Die Asiaten zeigen, wie’s sein könnte

In Massen sind Schweizer Smartphone-Benutzer auf den Chat-Dienst WhatsApp umgestiegen – Marken dürfen nicht (und wollen nicht) mitspielen.

Dumm gelaufen: Anders als in anderen Weltgegenden ist bei uns WhatsApp der mit Abstand beliebteste Instant-Messaging-Dienst. Dumm fürs Geschäft. Denn anders als andere solche Chat-Anwendungen will WhatsApp nichts mit Marken zu tun haben. Während Mitteilungen auf Twitter per definitionem öffentlich sind und Benutzer auf Facebook in der Regel mit einem Kreis mehr oder weniger selektierter «Freunde» kommunizieren, ist WhatsApp vorab für die Eins-zu-eins-Kommunikation über Smartphones geschaffen worden. Ganz ähnlich wie das Versenden von SMS, nur dass die Textlänge unbegrenzt ist und etwa Videos oder Audiodateien einfach mit versendet werden können. Und das alles so gut wie gratis. Bei uns hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren WhatsApp als Gratis- Alternative zu den kostenpflichtigen SMS rasant verbreitet. Zwar gibt es keine konkreten Nutzungszahlen, dafür klare Hinweise. Zum einen der eigene Freundes- und Bekanntenkreis, wo inzwischen WhatsApp selbst bei Zeitgenossen zum Alltag gehört, die kaum zur Smartphone-Avantgarde gerechnet werden können. Zum anderen zwei Studien. Eine Untersuchung aus dem letzten Jahr unter Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren, worin WhatsApp als die mit Abstand meistgenutzte App erhoben wurde. Diese Beobachtung wurde durch die «Media Use Index»-Studie 2014 gestützt, die Whats- App ebenfalls als beliebteste Smartphone-App nachwies. Auch die weitgehend erfolglosen Bemühungen der Swisscom mit ihrer iO-App gegen WhatsApp & Co. anzutreten, sprechen eine deutliche Sprache.

No Ads! No Games! No Gimmicks!

So wie Facebook von Gründer Mark Zuckerberg geprägt ist (der im Februar dieses Jahres den Whats- App-Mitteilungsdienst für stolze 19 Milliarden Dollar eingekauft hat), ist WhatsApp von den beiden Gründern bestimmt. Vor allem die Lebensgeschichte von Jan Koum drückt dem Unternehmen, seinem Produkt und seinem Verhalten am Markt den Stempel auf. Der heute 38-Jährige wuchs in einer ärmlichen jüdischen Umgebung in einem kleinen Dorf ausserhalb der ukrainischen Hauptstadt Kiew auf. Als Teenager wanderte er zusammen mit seiner Mutter in die USA aus und brachte sich im Selbststudium Computernetzwerktechnik bei. Die Uni verliess er 1997 vorzeitig, um bei Yahoo als Infrastruktur- Ingenieur anzuheuern, wo er auf seinen späteren Mitgründer Brian Acton traf. Zehn Jahre später verliessen beide gleichzeitig Yahoo und zwei Jahre später ging WhatsApp an den Start. In der Ukraine vermieden es Koums Eltern seinerzeit zu telefonieren, da die Regierung Gespräche abhörte und auch Werbung gab es zu Sowjetzeiten nicht. Obwohl die WhatsApp-Software durch etliche Sicherheitslücken von sich reden machte, gehört der Schutz der Privatsphäre zu den obersten Unternehmensgeboten, die mit «No ads! No games! No gimmicks!» auf den Punkt gebracht werden. Weil konsequent auf Werbung verzichtet wird, müssen keine Daten über die Benutzer gesammelt werden, um Werbebotschaften möglichst präzis platzieren zu können – und User müssen nicht fürchten, dass ihre Chat-Unterhaltungen von Werbung gestört werden. Und hier beginnen die Schwierigkeiten für den WhatsApp-Einsatz im kommerziellen Umfeld. Weil WhatsApp mit Werbung so wenig zu tun haben will wie der Teufel mit dem Weihwasser, gibt es für die Massenverbreitung von Mitteilungen über Whats- App keinerlei Hilfestellungen. Die Nutzungsbestimmungen sind restriktiv abgefasst, es gibt keine speziellen Unternehmenszugänge und vor allem fehlt eine offiziell unterstützte Programmschnittstelle (API). Zwar gibt es dafür verschiedene Open-Source- Lösungen, doch vor der Übernahme durch Facebook ging WhatsApp mit rechtlichen Schritten dagegen vor, was alles andere als vertrauensbildend wirkte. Kommt dazu, wer auf eine Verteilliste, etwa einer Marke, abonnieren will, dafür mehrere Schritte durchlaufen muss – eine einfache Registrierungsmöglichkeit gibt es nicht. Und auch die Nutzung von Inhalten über WhatsApp kann nicht verlässlich gemessen werden.

In Asien dick im Geschäft

Messaging-Anbieter in Asien zeigen, welche Chancen im M-Commerce solche Dienste bieten. Zum Beispiel der japanische Line-Dienst mit seinen Flash-Sales. Als vor einem Jahr damit begonnen wurde, meldeten sich von den 22 Millionen Line- Usern in Thailand deren 5.5 Millionen dafür an, um von exklusiven Angeboten profitieren zu können. Angeboten wurden Smartphone-Covers, Kosmetikund Küchenprodukte, die alle innert weniger Minuten ausverkauft waren. Vor allem junge Berufstätige und zu zwei Dritteln Frauen nutzten diese Schnäppchen- Chance. Längst können Line-Kunden gegen gutes Geld auch virtuelle Stickers und Spiele kaufen. Auf gleichen Pfaden sind etwa KakaoTalk, das in Südkorea auf neun von zehn Smartphones installiert ist und WeChat aus China mit 470 monatlich aktiven Benutzern unterwegs. Hier können nicht nur Taxis, Flüge und Kinotickets gebucht, sondern es kann auch Geld zu anderen Benutzern überwiesen oder in Anlagefonds investiert werden. Vor allem kann nicht nur für In-App-Käufe, sondern auch für Einkäufe in Geschäften bezahlt werden. Für viele dieser Funktionen werden oft bestehende Dienste aus dem Mutterhaus Tencent in WeChat integriert. Diese WhatsApp-Pendants bieten Marken eigene Auftritte an, haben offiziell unterstützte Programm-Schnittstellen und können nicht nur über Smartphone, sondern auch auf dem Desktop benützt werden. Dies sind alles Merkmale, die bei den beiden entsprechenden Facebook-Angeboten, WhatsApp (mit über 600 Millionen resp. 500 Millionen registrierter Benutzern) und Facebook-Messenger (500 Mio.) so nicht vorhanden sind. So stellt sich die Frage, wie lange Facebook, trotz persönlicher Vorlieben der Gründer, hier abseitsstehen will. Denn mit den Chat-Anwendungen werden nicht nur die Telekom-Unternehmen bedrängt, denen so die bei den SMS einst saftigen Erträge wegbrechen, sondern auch Schwergewichte wie Google, Apple und Amazon. In ihren App-Stores schöpfen sie Margen von typischerweise 30 Prozent ab, sowohl beim App-Kauf wie später auch bei Käufen innerhalb der Apps. Wie die Beispiele aus Asien zeigen, sind die Social-Messaging-Dienste daran, sich rasch als neue Plattformen zu etablieren, über die Reklame, Apps, Waren und Dienstleistungen verteilt werden. Doch in Märkten wie bei uns, wo sich WhatsApp verbreitet hat, fehlen solche innovativen Impulse für neue Geschäftsformen.

Kein Drang bei Schweizer Marken

Die Werbewoche wollte mit einer nicht repräsentativen Kurzumfrage herausfinden, wie WhatsApp in der professionellen Kommunikation hierzulande beurteilt wird. So berichtete etwa Peter Erni, Web Content & Social Media Manager, bei der Mammut Sports Group AG, WhatsApp werde nur zu privaten Zwecken verwendet. Und er bringt es auf den Punkt: «Solange sich die Richtlinien nicht ändern respektive WhatsApp nicht vergleichbare Möglichkeiten wie WeChat anbietet, ziehen wir auch keine vermehrte Verwendung in Betracht.» Auch beim Migros-Genossenschafts-Bund reagiert Mediensprecherin Christine Gaillet kurz und bündig: «Nein, mit WhatsApp arbeiten wir nicht.» Insgesamt biete die M-Infoline derzeit rund zehn Kontaktmöglichkeiten für die Kundschaft an. «Dies erachten wir als ausreichend und effizient.» Und bei der Swiss International Air Lines Ltd. bemerkt Nadja Waldraff vom Social Media Marketing: «WhatsApp findet bei uns nicht statt im Marketing- Mix, ich glaube aber, dass dies auch keiner bewussten Entscheidung zu Grunde liegt, sondern einfach noch nicht diskutiert wurde.» Die Antwort des Social- Media-Teams der Wander AG (Ovomaltine, Isostar) erwähnt, WhatsApp werde momentan in speziellen Fällen einzig für die firmeninterne Kommunikation genutzt und lässt eine Türe offen: «Wenn wir feststellen, dass es bei unseren Kunden ein wachsendes Bedürfnis ist, werden wir es sicher in Erwägung ziehen.» So auch Thomas Brühwiler, Head of Communication bei der Hostpoint AG: «Grundsätzlich ist der Einsatz von Chat-Diensten im Kundendienst eine Möglichkeit, die wir beobachten. Konkret ist derzeit jedoch kein unmittelbarer Einsatz geplant.» Auch beim Online-Händer Brack.ch ist WhatsApp nach den Worten von PRManager Daniel Rei «derzeit noch kein Thema». Doch er fügt an: «Wir sagen allerdings seit jeher, dass wir dort sein müssen, wo unsere Kunden sich aufhalten. Von dem her sind wir nicht grundsätzlich abgeneigt, von den Erfahrungen anderer Unternehmen mit der Business-Anwendung von Whats- App zu lernen.» Die hauptsächlichen Einsatzgebiete sieht er im Marketing, etwa um Multimedia-Push- Benachrichtigungen an Gruppen auszusenden, und beim Kundendienst. «Bei der Beantwortung von Kundenanfragen ist für Unternehmen wie für Kunden von Vorteil, dass eine Kontaktierung – anders als in der Regel bei Twitter – ohne Kenntnisnahme der Kanalöffentlichkeit stattfinden kann.» Und er gibt zu bedenken: «Vielleicht nimmt die Relevanz der Plattform für die User auch ab, je mehr Unternehmen darüber versuchen zu werben. Und dann wären wir am selben Punkt angelangt wie bei Facebook, wo ich inzwischen mehr Firmennews und Sponsored Posts in meinem Stream angezeigt bekomme als Interessantes von meinen Freunden.»

SRF tritt auf die Bremse …

Anders als Marken sind Medienunternehmen mit WhatsApp etwas offensiver unterwegs. In der Schweiz verbreitet der Jugend-TV-Sender Joiz News per Whats- App an Benutzer, die sich dafür angemeldet haben – angepriesen werden «Special Guests, Top-News und Sendungs-Highlights ». SRF News verteilte während der nationalen Abstimmungen am Wochenende vom 28. September im Rahmen eines zeitlich begrenzten Versuchs Informationen und Hintergründe erstmals via WhatsApp. Projektleiter Konrad Weber, Community Manager SRF News, berichtet, in einer anschliessenden Befragung hätten 80 Prozent der Abonnenten einen solchen Dienst mit regelmässigen News gewünscht. Dennoch steht der Staatssender bei WhatsApp derzeit auf der Bremse. Weber begründet: «Will man mit den offiziellen WhatsApp-Lösungen arbeiten und nicht den Allgemeinen Geschäftsbedingungen widersprechen, ist aktuell der personelle Aufwand für eine interaktive Newsverbreitung via WhatsApp riesig.» Aufgrund der hohen Nachfrage werde man diesen Entscheid aber regelmässig nachprüfen. Während laut Unternehmenssprecher Christoph Zimmer tagesanzeiger. ch derzeit keine Einbindung von WhatsApp plant, berichtet bei der NZZ der stellvertretende Chefredaktor und Nachrichtenchef, Luzi Bernet, von einem «kleinen, kurzen und temporären ‹Guerilla-Versuch› mit WhatsApp». Diese Art der Newsverbreitung sei interessant und man werde diese Option «sicher genauer prüfen». Jedoch wolle man auch hier hochwertigen Journalismus nicht verschenken. Whats- App, wie auch weitere Social-Kanäle, seien Teil der Überlegungen zu neuen Produkten, die derzeit vorbereitet würden. Ähnlich tönt es bei Ringier, wo laut Chief Communications Officer Edi Estermann derzeit insbesondere im Newsroom der Blick-Gruppe der Einsatz von Chat-Diensten geprüft wird. In der Testphase erfolge dies zumeist themen- oder eventspezifisch und man werde nach ersten Erfahrungswerten entscheiden, ob, in welcher Form und mit welchem Anbieter «dieser neue, junge Info-Kanal auch weiterhin genutzt werden soll».

… 20 Minuten gibt Gas

Bereits im Herbst letzten Jahres hat 20 Minuten einen Share-Button eingeführt, damit Meldungen auch über WhatsApp geteilt werden können. Wie Peter Wälty, Leiter Digitalentwicklung und stellvertretender Chefredaktor, auf Anfrage erklärte, soll diese Funktion nun prominenter platziert und für Whats- App über den ganzen Text gelegt werden. Weil zu Spitzenzeiten am Morgen bis zu 95 Prozent der Abrufe über Mobiles erfolge und weil WhatsApp ja ausschliesslich auf Smartphones genutzt werden kann, «interessiert uns, was passiert, wenn wir das sichtbarer machen». Dies, obwohl all die Social Media laut Wälty kaum viel Verkehr bringen, bei Facebook liege der Anteil «im mittleren einstelligen Prozentbereich». Bei 20 Minuten ist man auch daran, einen WhatsApp- Broadcast-Kanal einzuführen, mit dem vorab Breaking- News verteilt werden sollen und wie Wälty im Gespräch mit der Werbewoche offenbarte, sind die Vorbereitungen dafür bereits weit fortgeschritten. Doch er ist im Zweifel: «Was gewinnen wir eigentlich, wenn wir dem Publikum News-Meldungen über WhatsApp schicken, denn das können wir über unsere eigene App bereits heute.» Mit einer solchen Push- Meldung erreiche 20 Minuten heute 1,6 Millionen Leser. Und auch ein zusätzlicher Rückkanal von den Lesern zu 20 Minuten, wie er über WhatsApp möglich würde, mache nicht unbedingt Sinn. «Wir erhalten jeden Tag ohnehin schon Hunderte von Bildern und Hinweise von Lesern.» Verlage müssten sich deshalb gut überlegen, wie stark sie sich in Abhängigkeit solcher Plattformen begäben, setzten sie sie derart prominent ein, sinniert Wälty weiter und kommt für 20 Minuten zum Schluss: «Wir wollen mit der neuen eignen App die eigene Marke noch deutlicher zu einer Social-Media-Marke aufbauen und den Rücklaufkanal noch mehr in den Vordergrund stellen.

Christoph J. Walther

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Zwar ist Facebook weltweit gesehen weiterhin das mit Abstand führende Social-Media-Netzwerk. Doch mobile Chat-Anwendungen, wie WhatsApp, WeChat oder Line, gewinnen rasch an Popularität. (Quelle: Zusammenstellung von We Are Social aufgrund der letzten Unternehmensangaben vom 3. November 2014)

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Zwar sieht WhatsApp bisher keine Nutzung für Werbung/Unternehmen vor und so ist die Verbreitung von Unternehmensbotschaften ein rechtlicher Graubereich. Die Fleischerei Stroh, die mit vier Filialen im Saarland aktiv ist, versendet beispielsweise regelmässig ein Wochenmenü an WhatsApp-Abonnenten, die sich dafür angemeldet haben.

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Längst nicht überall ist WhatsApp derart verbreitet wie bei uns. In anderen Ländern gehen Instant-Messaging-Anbieter weit unternehmensfreundlicher vor. (Quelle: GlobalWebIndex, September 2014)

WhatsApp-Share-Buttons testen

Die «Social Media teilen»-Knöpfe sind längst auf Websites verbreitet, die Inhalte anbieten – seien es redaktionelle Angebote von Verlagen oder Content Marketing von Unternehmen. Besonders beliebt sind Facebook und Twitter. Einen solchen Share-Button gibt es auch für WhatsApp, womit Beiträge direkt nur mit ausgewählten Kontakten oder Gruppen geteilt werden können. Da der Aufwand, um diesen Button zu installieren, in den meisten Fällen gering sein sollte, lohnt es sich, diesen Test weise zu installieren. Zumal es Berichte gibt, die im Vergleich mit Facebook eine mehrfach höhere Conversion-Rate vermelden. Da WhatsApp ausschliesslich auf Smartphones funktioniert, macht das allerdings nur bei Websites mit einem relevanten Mobile-Verkehrs-Anteil Sinn, die entsprechend optimiert (z.B. mittels Responsive Design) sein sollten, damit dieser Button nur bei tauglichen Mobilgeräten angezeigt wird. Auch wird etwas Zusatzaufwand von Vorteil sein, um die URLs, die über diesen Button verteilt werden, zusätzlich zu markieren, da WhatsApp selbst keine Referral-Daten für ein Tracking übermittelt.

Bei Orange Schweiz hat jetzt ein schillernder Unternehmer das Sagen

Der neue Eigentümer von Orange Schweiz ist einer der schillerndsten Unternehmer Frankreichs: Xavier Niel pflügte mit seinem Unternehmen Iliad innert kurzer Zeit den Französischen Telekommarkt um.

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Apax verkauft Orange Schweiz für 2,8 Milliarden Euro an den französischen Telekomunternehmer Xavier Niel. Der Verkauf soll per Ende des ersten Quartals 2015 abgeschlossen sein. Voraussetzugn ist, dass die zuständigen Behörden der Übernahme zustimmen. (Bild: Keystone)

Weltweit Schlagzeilen machte Niel mit der gescheiterten Übernahme des US-Konzerns T-Mobile. Sein erstes Geld verdiente Niel in den 80er-Jahren mit dem französischen Internetvorläufer Minitel: Der Jungunternehmer bot auf Minitel Chatangebote für Erwachsene an. Später setzte er auf das noch junge Internet, er war Mitgründer von einem der ersten französischen Internetanbieter World-Net. Sein Flair fürs Telekomgeschäft bewies er später mit dem Anbieter Free, welcher als einer der ersten in Frankreich Telefon, TV und Internet als Paketangebot offerierte. Iliad mit seinen Marken Free und Free Mobile ist mittlerweile einer der grössten Telekomkonzerne in der Republik. Im Mobilfunkgeschäft ist Iliad nach eigenen Angaben die Nummer drei – und dies, obwohl der Konzern erst 2012 in den Mobilfunkmarkt expandierte. Den schnellen Aufstieg verdankt Free Mobile der aggressiven Preispolitik.

Frankreich ist für Niel aber offenbar nicht gross genug: Im vergangenen Sommer versuchte er erfolglos, mit Iliad eine Mehrheitan T-Mobile US, dem viertgrössten Mobilfunkanbieter der USA, zu kaufen. Sein 15-Milliarden-Dollar Angebot war kühn, denn T-Mobile ist an der Börse rund 60 Prozent mehr wert als Iliad. Der gescheiterte Übernahmeversuch kühlte Niels Expansionspläne aber nicht, wie der Kauf von Orange Schweiz beweist.

Mitbesitzer von Le Monde

Dank seinem Mehrheitsanteil an Iliad ist Niel einer der reichsten Männer Frankreichs – gemäss der Zeitschrift Forbes ist der Telekomunternehmer rund 8,2 Milliarden Dollar schwer. In Frankreich ist der Milliardär auch als einer Eigentümer der Zeitung Le Monde bekannt. Niel stieg 2010 mit anderen Investoren beim Pariser Traditionsblatt ein. (SDA)

Niel über die Übernahme von Orange Schweiz: «Seit Orange Schweiz im 2012 von Apax Fonds übernommen wurde, haben mein Team und ich die Entwicklung des Unternehmens sehr eng mitverfolgt. Wir waren so Zeugen des erfolgreichen Veränderungsprozesses bei Orange Schweiz unter der Führung von Apax. NJJ Capital wird als neue Eigentümerin von Orange Schweiz den Kunden, den Mitarbeitenden und dem Management Kontinuität bieten. NJJ Capital ist ein langfristiger, strategischer Investor, der ausgewiesenen Telecom-Spezialisten gehört und von ihnen geführt wird, und dessen Ziel es ist, Best Practices mit dem Orange Schweiz Management zu teilen und auszutauschen. Meine oberste Priorität wird es sein, in der Zukunft Orange Schweiz entsprechend dem Schweizer Umfeld und seinen Gepflogenheiten zu führen.»

Orange wechselte schon oft den Besitzer

In der 16-jährigen Geschichte von Orange Schweiz, der Nummer drei im Mobilfunkmarkt, hat es schon mehrfach Besitzerwechsel gegeben. Hier die wichtigsten Stationen der Orange-Geschichte:

1994: Gründung der Orange-Gruppe in Grossbritannien als Tochtergesellschaft von Hutchison Whampoa und British Aerospace. Sie baut mit dem deutschen Viag-Konzern, der Zürcher Swissphone Engineering AG und der Waadtländer Kantonalbank in der Schweiz Orange Communications auf.

Januar 1998: Gründung der Orange Communications AG mit Sitz in Zug. Später wird der Firmensitz zuerst nach Lausanne, dann nach Renens VD verlegt.

20. April 1998: Orange Schweiz erhält von der Eidgenössischen Kommunikationskommission (Comcom) eine Mobilfunkkonzession.

28. Juni 1999: Orange nimmt nach Swisscom und DiAx (später Sunrise) als dritter Mobilfunkanbieter den Betrieb in der Schweiz auf.

Oktober 1999: Der deutsche Industriekonzern Mannesmann übernimmt Orange, wodurch Orange Schweiz einen neuen Hauptaktionär bekommt. Gleichzeitig schliesst Orange ein Interkonnektionsabkommen mit der Swisscom ab und steigt so ins Festnetz ein.

April 2000: Im Aktionariat von Orange Schweiz kommt es erneut zu einem Wechsel, weil die britische Vodafone Mannesmann mitsamt Orange erwirbt. Auf Druck der europäischen Wettbewerbsbehörden muss Vodafone Orange aber veräussern.

30. Mai 2000: Der staatliche französische Telekommunikationskonzern France Télécom kauft Orange für rund 74 Milliarden Franken. France Télécom übernimmt damit auch einen 42,5-Prozent-Anteil an Orange Schweiz.

8. November 2000: France Télécom übernimmt die Mehrheit an Orange Schweiz und zahlt für den 42,5-Prozent-Anteil des deutschen Mischkonzerns E.ON 2,4 Milliarden Franken.

6. Dezember 2000: Orange Schweiz erwirbt für 50 Millionen Franken eine UMTS-Lizenz.

25. November 2009: France Télécom gibt bekannt, das Unternehmen Sunrise zu kaufen und es mit Orange Schweiz zu fusionieren.

22. April 2010: Die Wettbewerbskommission (Weko) untersagt die geplante Fusion, um ein Duopol von Sunrise/Orange und Swisscom auf dem Mobilfunkmarkt zu verhindern.

3. Juni 2010: Orange Schweiz und Sunrise lassen die angestrebte Fusion definitiv fallen und ziehen ihren Rekurs gegen das Weko-Veto zurück. Sunrise wird daraufhin von ihrer Besitzerin, der TDC-Gruppe, für 3,3 Milliarden Franken an den Finanzinvestor CVC Capital Partners verkauft.

28. Juli 2011: France Télécom, die Probleme auf dem Heimatmarkt hat, sucht einen Käufer für Orange Schweiz. Der Schweizer Ableger passe nicht mehr zu ihrer Strategie.

24. Dezember 2011: Orange Schweiz geht für rund 2 Milliarden Franken an die britische Beteiligungsgesellschaft Apax, zu der unter anderem das Modeunternehmen Tommy Hilfiger gehört.

15. Februar 2013: Orange kündigt den Abbau von bis zu 140 Stellen im Jahr 2013 an.

18. Dezember 2014: Apax verkauft Orange Schweiz an den französischen Telekomunternehmer Xavier Niel. (SDA)

 

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