Die Bloggerin mit dem Pseudonym «Zora Debrunner» hat ihr erfolgreiches Twitter-Profil gelöscht und hat damit einen für Schweizer Verhältnisse beachtlichen Shitstorm unter dem Hashtag #WeWantZoraBack losgetreten – hunderte von Tweets fordern seit der Eskalation am Freitag die Rückkehr von Debrunner, der Begriff taucht prominent in den Twitter-Trends der Schweiz auf. Unter dem selben Pseudonym betreibt Zora Debrunner auch ihren für den Grimme Online Award 2014 nominierten Blog, in dem sie über die Demenz-Krankheit ihrer Grossmutter schreibt.
Grund für die Löschung des Twitter-Profils ist ein Streit mit dem Journalisten Andreas Gossweiler. Gossweiler bloggt und twittert selbst erfolgreich. Zora Debrunner wirft ihm in einem auf Facebook veröffentlichten Statement (siehe unten) vor, sie «seit bald zwei Jahren» zu belästigen, beschimpfen und zu verleumden. Er habe Lügen über sie verbreitet und auch andere ihr nahestehende Personen belästigt. Gelöscht hat sie das Profil, nachdem Gossweiler auf Twitter ihren echten Namen publiziert hatte: «Das ging mir zu weit». Sie habe eine Anzeige eingereicht, weitere könnten folgen.
Gegenüber dem Nachrichtenportal Watson weist Gossweiler die Vorwürfe zurück. Der richtige Name von Debrunner könne auch über Google problemlos gefunden werden, er habe sie nicht «geoutet». Er wirft der in seinen Augen «nationalkonservativ gesinnten» Zora Debrunner vor, ihn in Debatten als «Arschloch» oder «Pickel in der Nase» bezeichnet zu haben. Mit der Veröffentlichung des Klarnamens habe er die Hemmschwelle für den Gebrauch solchen Vokabulars erhöhen wollen. Das Statement bezeichnet er als «Schmähschrift», die Vorwürfe als «ehrverletzend». Als Folge der Geschichte, die ihm eine schlaflose Nacht beschert habe, werde er sich in Zukunft aus Diskussionen «mit nationalkonservativ gesinnten Twitterern» heraushalten.
Mit der Thematik von Pseudonymen im Internet kennt sich Gossweiler indes aus. Unter dem Namen «Bobby California» debattierte er vor- und während Jahren in hitzigen Diskussionen unter anderem auf Medienspiegel.ch zur Zukunft der Medien, wie ein Porträt der Medienwoche 2011 aufzeigt. Seine Identität flog auf, als er versehentlich mit verknüpften Profilen auf einem Blog kommentierte.
Derweilen hat sich Zora Debrunner am Sonntagabend via Facebook an ihre ehemaligen Twitter-Follower gewandt und sie gebeten, die Sache ruhen zu lassen und auf «Aktionen gegen einzelne User» zu verzichten. Gossweiler beklagte sich auf Twitter, jemand habe ihm «hunderte Pseudo-Follower» geschickt und seine Blog-Zugriffszahlen seien «explodiert». Das ungewollte, günstige Zukaufen von gefälschten Followern stellt tatsächlich ein Sabotage-Instrument für Social-Media-Konten dar, da sich diese leicht nachweisen, jedoch schwer erklären lassen. Die hohen Zugriffzahlen auf Gossweilers Blog hingegen erstaunen in Anbetracht des Medienechos und des beachtlichen Shitstorms wenig. (hae)