Zeitungskommentare zum SNB-Entscheid

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat mit ihrem Kurs-Entscheid auch die Kommentatoren der Schweizer Tageszeitungen überrascht. An der Frage der Richtigkeit des SNB-Schrittes scheiden sich die Geister.

«Die Überraschung ist ihm gelungen», kommentiert der Blick das Handeln von SNB-Direktor Thomas Jordan und spekuliert, ob «der Nationalbankchef etwas weiss, was wir nicht wissen» und deshalb den schnellen Ausstieg suchte – etwa über den Ausgang der Russland-Krise oder geplante Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB). Immerhin stehe die Schweizer Exportindustrie heute so gut da, «dass sie Subventionen nicht mehr braucht».

Der Schritt der SNB «kommt zwar überraschend, doch sie hat gute Gründe», schreibt der Kommentator auf Watson. So sei man offensichtlich zur Einschätzung gelangt, dass sich mit einem bevorstehenden Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB «der Mindestkurs nicht mehr aufrechterhalten lässt«. Jetzt habe die SNB zwar wieder Spielraum, doch ob sie «im damit entfachten Sturm der Märkte bestehen wird, ist ungewiss».

Jordan habe «den Poker gegen die Finanzmärkte verloren», schreibt die Berner Zeitung. Trotz allem wäre es falsch, jetzt in Panik zu verfallen. Denn die Schweizer Wirtschaft sei mit dem Absturz des Euro erstaunlich gut fertig geworden und dürfte ihre Anpassungsfähigkeit in den nächsten Monaten erneut unter Beweis stellen.

Primär bedeute das Ende des Mindestkurses, dass die SNB den Franken nicht zu einem Quasi-Euro werden lasse, kommentiert die Neue Zürcher Zeitung. «Es ist zu hoffen, dass sie daran festhalten wird.» Denn die Nationalbank müsse danach streben, Preisstabilität und ein möglichst stabiles Umfeld zu sichern: «Es darf nicht ihre Aufgabe sein, Exportförderung zu betreiben. Ein Ende mit Schrecken ist da besser als ein Schrecken ohne Ende.»

Von Schrecken und Ende ist auch im Tages-Anzeiger und Bund die Rede – allerdings unter umgekehrten Vorzeichen. Die SNB sei mit Blick auf die Schweizer Wirtschaft alles andere als aus dem Schneider. Mit der Erhöhung der Negativzinsen setze sie auf das Prinzip Hoffnung. Denn müsse sie künftig intervenieren, um den Franken zu schwächen, dürfte der Erfolg weniger gewiss sein und höhere Kosten verursachen. «Nicht zuletzt, weil die Glaubwürdigkeit der SNB durch die Art der Kommunikation gestern gelitten hat.»

Ähnlich klingt es in der Nordwestschweiz: Zwar müsse eine eigenständige Nationalbank wie die SNB genau so unabhängig und überraschend handeln. Doch so «mutig und eigenständig» der Entscheid auch war: «er ist natürlich eine Kapitulation – was auch immer die Gründe dafür sein mögen.» Und Jordan, in dessen Händen die Schweizer Volkswirtschaft liege, habe damit «zwangsläufig seinen Ruf lädiert».

Auch laut der Basler Zeitung hat die Glaubwürdigkeit der SNB einen «tiefen Kratzer« erhalten. «Sie wird es nicht mehr so bald wagen, ein Regime anzukündigen, das auf dem Vertrauen der Märkte beruht.“ Mindestens auf kurze Sicht überwiege der wirtschaftliche Schaden. Denn bestimmend für den Wohlstand der Schweiz sei das Wohlergehen der Exportwirtschaft. Für den hohen Preis des Regimewechsels gebe es aber einen substanziellen Gegenwert: «Er heisst Freiheit.»

«Geldpolitischen Handlungsspielraum» nennt die Südostschweiz das, was die SNB mit dem Schritt zurückgewonnen habe. Die Kehrseite: «Auf die Exportwirtschaft und den Schweizer Tourismus kommen ganz harte Zeiten zu.» Anderseits wäre ohne Mindestkurs «der Flurschaden in der Schweizer Wirtschaft gewaltig gewesen». Doch: »Auf lange Frist konnte das nicht gut gehen», weil der Euro, an den der Franken angebunden war, aufgrund der misslichen Wirtschaftslage «zum Abwerten verdammt ist».

Als «ein Zeichen des Misstrauens in die Entwicklung des Euroraumes» wertet unter anderen die Neue Luzerner Zeitung den Schritt der SNB. Gleichzeitig sei nun auch klar, »dass die Schweizer Wirtschaft jetzt mehr denn je angewiesen ist auf freie Zugänge in alle Welt.» Dabei sei die Politik gefordert, die Sorge tragen müsse «zum Werkplatz Schweiz».

Blick über die Landesgrenzen

Die grösseren deutschen Zeitungen widmeten dem SNB-Entscheid viel
Aufmerksamkeit. Als «eine Kapitulation vor den Spätfolgen der Finanzkrise», bezeichnete die Süddeutsche Zeitung den Schritt. Der Kursgewinn von 30 Prozent binnen weniger Minuten sei zwar ein historischer Moment, doch bloss eine Reaktion der Anleger «auf den dilettantisch eingeleiteten Versuch der Schweizer Notenbank, den Kurs des Franken freizugeben und vom Euro abzukoppeln».

Der Schweiz drohe nun der Fluch des Luxus-Landes, prognostiziert die Zeitung Welt. Für die Eurozone sei der vom Entscheid ausgelöste Kurssturz eher kein Grund zur Sorge, schreibt der Spiegel. Denn die Euro-Abwertung sei gewollt und der «Absturz des Euro dürfte sogar noch weitergehen». Die Frankfurter Allgemeine Zeitung rechnet ihren Lesern vor, dass die Schweiz durch den Kauf ausländischer Wertpapiere im grossen Umfang «mittlerweile zum grössten Gläubiger der Bundesrepublik geworden ist».

Der Schweizer Entscheid sei eine interessante Lektion über die seltsam prekäre Lage der Weltwirtschaft. Währungsspezialisten würden vergeblich nach einem vergleichbaren Ereignis suchen, schreibt die New York Times. Die grösste Erkenntnis: Sechs Jahre aggressiver Währungsaktivismus der grossen Zentralbanken hätten vielleicht die Weltwirtschaft gerettet. «Aber es hatte auch viele Nebenwirkungen weit weg von den USA, mit denen die Menschen rund um den Globus noch lange zu kämpfen haben.»

Für die Washington Post ist der SNB-Entscheid «wahrscheinlich kein Guter». Denn die Schweiz harre noch immer in einer Deflation mit fallenden Preisen, eine stärkere Währung werde das noch verschlimmern. Die Wirtschaftspublikation Bloomberg macht Europa verantwortlich für den «Schock mit dem Schweizer Franken». Der Schritt sei «eine Art Kapitulation» und unterstreiche ein grösseres Problem: Europas Unfähigkeit, Wirtschaftswachstum wiederherzustellen. (SDA)
 

Vorhang auf für das Theater Winkelwiese

Auch dieses Jahr inszeniert Vizner Borel die neue Spielzeit für das Theater Winkelwiese.

Den Auftakt zum diesjährigen Theaterprogramm macht das Stück «Das Verschwinden des Philip S.» von Ulrike Edschmid. Vizner Borel hat dafür das Visual für die Plakate, Anzeigen und Postkarten kreiert. Ausserdem hat die Agentur das Spielzeitmagazin «Winkel» gestaltet.

Verantwortlich beim Theater Winkelwiese: Stephan Roppel (Gesamtverantwortung), Andrea Schmid (Dramaturgie). Verantwortlich bei Vizner Borel: Lajos Vizner, Guillaume Borel (Gesamtverantwortung), Florian Steiner (Art Direction), Martina Glaser (Beratung). Fotografie: Tobias Kruse/Ostkreuz (Winkel), Rainer Schär (Plakat, Anzeigen, Postkarten).
 

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Bieterkampf um Ricardo

Die Auktionsplattform Ricardo.ch befindet sich derzeit in einem Bieterverfahren. Neben diversen Medienunternehmen zeigen auch Detailhändler und die Post Interesse.

Gleich mehrere Unternehmen aus verschiedenen Branchen buhlen laut einem Artikel des Tagesanzeigers um die Plattform Ricardo. Die aktuelle Besitzerin, die südafrikanische Naspers, habe sich auf Anfrage nicht dazu geäussert. Doch der Bieterprozess um die Plattform sei in vollem Gang, wie mehrere gut informierte Quellen dem Medienunternehmen gegenüber bestätigt haben sollen.

Auch Detailhändler interessiert

Interessiert an Ricardo sind offenbar nicht nur Online- und Medienhäuser wie Ebay, Ringier und Tamedia, wie bereits berichtet wurde. Auch andere namhafte Schweizer Unternehmen sollen um das Auktionshaus buhlen. Mit von der Partie sind die Detailhändler. Die Migros ist laut Tagesanzeiger gemäss mehreren gut informierten Quellen nach wie vor im Bieterprozess dabei, Coop hat sich derweil zurückgezogen. Die Migros hat zu möglichen Akquisitionen keine Stellung bezogen. Beide Händler haben in den letzten Jahren im E-Commerce-Bereich kräftig zugekauft: Coop mit Nettoshop und die Migros mit Digitec.

Autos und Kleinanzeigen

Tamedia und Ringier verfolgen das Ziel, den Digitalanteil am Unternehmensergebnis weiter auszubauen. Gerade im Bereich Onlinerubriken investierten Ringier und Tamedia in den letzten Jahren viel Geld. Mit Ricardo könnten beide ihre Marktanteile in den Sparten Auto und Gratis-Kleinanzeigen bedeutend ausbauen. Vor allem die Autoricardo, nach Umsatz die stärkste Kategorie, dürfte im Fokus von Ringier und Tamedia liegen. Übernimmt Tamedia (die mit ihrer car4you-Plattform auf Platz drei liegt) Ricardo, könnte das Medienhaus zu Marktführer Autoscout (Ringier) aufschliessen.

Im Fokus liegt aber auch das Kleinanzeigengeschäft. So buhlen Tamedia mit Tutti.ch, Ringier mit Anibis.ch und Ricardo mit Olx.ch um Marktanteile. Wer Olx.ch schnappt, wird zum unangefochtenen Marktführer. 

Auch Post ist interessiert

Neben den bekannten Medienhäusern und Detailhändlern ist offenbar auch die Schweizer Post an Ricardo interessiert. Allerdings wollten auch die Post-Verantwortlichen mögliche Verhandlungen mit Ricardo dem Tagesanzeiger gegenüber nicht kommentieren. Übernahmegelüste im Handel hätte die Schweizer Post zumindest schon früher gehabt. Bekannt sei, dass die Post mit E-Commerce Volumen und Umsatz generieren will. (Tagesanzeiger.ch/sis)
 

Ein Leben in verschiedenen Geschwindigkeiten

«Boyhood» heisst der Film, der dieses Jahr der grosse Abräumer bei den Golden Globes ist und viele weitere Preise gewinnt. Ein langer Film, der langsam das Aufwachsen eines Jungen erzählt und in dessen Produktion viel Zeit investiert wurde, setzt in unserer kurzatmigen Welt einen Kontrapunkt.

Ist es nicht anachronistisch, dass ein Autor, der sich zwölf Jahre Zeit nimmt für ein Werk, und ein Film, der 166 Minuten dauert, den Nerv der Zeit trifft? Offenbar nicht, denn Richard Linklater gewinnt mit seinem Film «Boyhood» einen Preis nach dem anderen.

Im Sommer 2002 startete er mit den Dreharbeiten. Mason ist zu diesem Zeitpunkt ein Knabe von sechs Jahren. Der Vater ist abwesend, die Mutter bemüht sich tapfer um ein angemessenes Umfeld für Mason und seine Schwester. In den nächsten zwölf Jahren traf sich die Crew jeweils für ein paar Tage, um Filmmaterial für Episoden von rund 15 Minuten zu erarbeiten. Das Drehbuch wurde gemeinsam entwickelt. Alle Beteiligten lassen sich auf das Abenteuer ein, die Banalität von einem nicht so ungewöhnlichen Leben in einem aussergewöhnlichen Filmwerk zu gestalten.

Alle Beteiligten blieben dem Projekt treu. Die hochkarätigen Schauspieler Ethan Hawke und Patricia Arquette dokumentieren im Film ihr eigenes Älterwerden. Die Kinderdarsteller Ellar Coltrane und die Tochter des Regisseurs Lorelei Linklater wachsen in zwei parallelen Welten auf, im Film und in der Realität. Damit wird der Film mehr als die Darstellung des Coming of Age der Hauptfigur: Er wird zu einer Zeitgeschichte einer Lebenswelt, in der Menschen ihre Existenz und ihre Identität entwickeln.

Fluss der Ereignisse

Entwicklung braucht Zeit. Sie ist keine Aufreihung von Momenten. Sie ist ein Prozess mit einer Dynamik, sowohl auf horizontaler als auch auf vertikaler Ebene. Der Fluss der Ereignisse bildet sich in den Schnappschüssen der Bilder einer Situation ab. Diese Bilder sind immer in Bewegung. Sie verändern sich dauernd mit den neuen Informationen, Emotionen, Entscheidungen und deren Konsequenzen. In unsere Erfahrungswelt fliessen neben den Alltagserlebnissen medial erlebte Geschichten ein. Seien es die Nachrichten aus Paris, Syrien oder Haiti, die Meldungen aus der Politik oder der Wirtschaft. Faktenorientierte Information ist ein wesentlicher Teil unserer Lebenswelt. Ihre Gewichtung und Interpretation ist jedoch geprägt von allen erfundenen Geschichten. Fiktion ist ihrerseits eine kulturelle Realität, die konkrete Ereignisse umspielt. Kreativität befreit uns aus der Ohnmacht, Ereignisse als Naturgewalten hinzunehmen. Mit unserer Fantasie gestalten wir die Welt nach unseren Träumen. Dazu gehören auch das Durchleben von Aengsten, die Konfrontation mit Gefahren und das Ernstnehmen von Risiken. Unsere Lebensenergie setzen wir dafür ein, immer wieder die verschiedenen Erzählstränge zusammenzuführen, Klarheit über Motive und Wirkungen zu erhalten und damit die Hoheit über unsere eigene Geschichte zu gewinnen.

Tempo gelegentlich drosseln

Der Film regt uns an, das eigene Arbeitstempo zu überprüfen. Nicht alle Projekte gelingen unter grossem Zeitdruck. Wer das Tempo gelegentlich drosselt, kann Ideen reifen lassen und an deren Umsetzung sorgfältig feilen. Schnelligkeit und Langsamkeit schliessen sich gegenseitig nicht aus. Parallel können verschiedene Arbeitsprozesse mit unterschiedlichen Fahrplänen ablaufen. Richard Linklater nahm sich zwölf Jahre Zeit für «Boyhood». Im selben Zeitraum produzierte er weitere erfolgreiche Filme wie «Before Sunset» und «Before Midnight». Der Erfolg des Films «Boyhood» erinnert uns daran, dass wir uns immer wieder eine Auszeit von der Hektik der Newsticker gönnen sollten. Lassen wir uns gelegentlich bei der Lektüre eines dicken Buches nicht stören, von der Musik bei einem Konzert aus unserer Welt der Worte und Bilder entführen und tauchen wir im Kino für eine subjektive Ewigkeit in die Erlebniswelt von Unbekannten.

Josefa Haas, Medienexpertin/ Rektorin EB Zürich
 

Goldbach wird in Deutschland aktiv

Die Goldbach Group weitet ihre Kerngeschäftstätigkeit nach Deutschland aus. Mit der neu gegründeten Gesellschaft Goldbach Germany wird die Gruppe auch im deutschen Markt als Vermarkter in den stark wachsenden digitalen Geschäftsfeldern aktiv.

Die an der SIX Swiss Exchange kotierte Goldbach Group steigt als Vermarkter von allen Bewegtbild-Segmenten in den deutschen Markt ein. Zu diesem Zweck ist die Vermarktungs-gesellschaft Goldbach Germany mit Sitz in München Unterföhring gegründet worden. Die bereits erfolgreich in Deutschland aktive Gesellschaft Goldbach Interactive Germany wird weitergeführt und als Servicegesellschaft für Goldbach Germany etabliert, wie es in einer Mitteilung heisst. Für den Aufbau des Deutschlandgeschäfts arbeitet die Goldbach Group mit erfahrenen Schlüsselpartnern zusammen und verbindet so ihre professionellen Strukturen mit tiefgehendem Marktknowhow.

Gesellschafter mit Expertise und Marktreputation

Geschäftsführender Gesellschafter von Goldbach Germany ist der 50-jährige Peter Christmann, ehemaliger Vorstand und Vermarktungschef von Prosieben Sat.1 sowie Gründer und bis zuletzt auch Geschäftsführer der Media Group One.

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Ebenfalls Gesellschafter von Goldbach Germany ist Martin Krapf, der das Unternehmen auch beratend begleiten wird. Der 54-jährige war zwischen 2002 und 2012 Geschäftsführer des RTL-Vermarktungsunternehmens IP Deutschland und zuletzt selbstständiger Berater und Geschäftsführer von Wirkstoff TV Gattungsmarketing, der Gattungsinitiative der TV-Vermarkter für Fernsehen und Bewegtbild.

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Zusammen mit diesen Gesellschaftern sei es gelungen, das Management  von Goldbach Germany mit ausgewiesener Expertise, Kompetenz und einer hervorragenden Reputation im Markt zu besetzen, so Goldbach in einer Mitteilung.

Konsequenter Multiscreen-Ansatz

Die Goldbach Group baut mit den neuen Aktivitäten in Deutschland ihre internationale Präsenz und Stellung weiter aus. Deutschland bietet als grösster Werbemarkt Europas für Goldbach diverse interessante, wachsende Marktfelder im digitalen Bereich. Für die Expansion in Deutschland orientiert sich die Goldbach Group konsequent am Multiscreen-Ansatz, um für Werbekunden alle digitalen Touchpoints optimal zu vernetzen, wie dies bereits in Österreich und der Schweiz erfolgreich etabliert worden ist. «Die Bewegtbildvermarktung im Bereich Digital mit Smart TV, Digital-out-of-Home und In-Stream-Advertising, aber auch im klassischen TV Segment, ist unsere Kernkompetenz, diese wollen wir auch in Deutschland anbieten», sagt Michi Frank, CEO der Goldbach Group.

Start mit Digital-out-of-Home und TV

Goldbach Germany startet mit den digitalen Geschäftsbereichen Digital-out-of-Home und TV, wozu Geschäftsfelder sowie die entsprechenden personellen Ressourcen der Silverflow Media (DOOH) sowie der alea digital (TV) übernommen wurden. Der Aufbau des Digital-out-of-Home-Bereichs erfolgt in Partnerschaft mit Winfried Karst, Geschäftsführer von Silverflow Media. Der 46-jährige Digital-out-of-Home-Spezialist war CEO Central Eastern Europe bei AMScreen, dem europäisches Anbieter für digitale Out-of Home-Kommunikation, und davor bei der Spezialagentur Kinetic als geschäftsführender Gesellschafter verantwortlich für die Märkte Deutschland und Schweiz als COO Germany respektive CEO Switzerland.

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In der TV- und Bewegtbildvermarktung erfolgt der Aufbau in Partnerschaft mit Robert Stahl und Frank Möbius, den beiden Gründern und Partnern der alea digital, einem erfolgreichen Premium Content Bewegtbildvermarkter für Pay und Free-TV Sender.

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Der Werbemarkt in Deutschland wächst kontinuierlich. 2013 lagen die Nettowerbeumsätze im Bereich TV insgesamt bei ca. 4,3 Milliarden Euro, ein Zuwachs von rund 0,5 Milliarden Euro seit 2009 (Quelle: PWC Media and Entertainment Outlook 2014-2018). Goldbach geht auch für 2014 sowie für die Folgejahre von einem weiteren Wachstum im TV- und Bewegtbildmarkt aus. Vor diesem Hintergrund erklärt Michi Frank, CEO der Goldbach Group, den Marktausbau in Deutschland: «Nach der gezielt vorgenommenen Portfolio-Bereinigung im In- und Ausland bauen wir weiterhin dort aus, wo wir Wachstum mit Profitabilität verbinden können.»

 

Im Südosten viel Neues

Ab Ende März werden die vier Sparten der Churer Somedia – Print, Radio, TV und Online – als Medienfamilie Südostschweiz unter einem Label firmieren. Und das auch nach aussen unter einem Dach, dem neuen Medienhaus in Chur.

Nach sieben Jahren harter Arbeit hat sich im Südosten des Landes ein bunt gemischtes Medienportfolio zu einer konvergenten Medienmarke mit Tages- und Wochenzeitungen, Radio, TV und Online formiert: die Südostschweiz. Ab dem 20. Januar erscheint die Tageszeitung «Südostschweiz» in einem komplett neuen Layout, am 17. Februar wird aus «Radio Grischa» «Radio Südostschweiz» und am 24. März aus «Tele Südostschweiz» «TV Südostschweiz ». Am 17. März soll ausserdem «Online Südostschweiz » relauncht werden.

Die neue Medienfamilie teilt sich in Zukunft auch ein Logo: den blauen Schriftzug «Südostschweiz » mit vier kleinen Kreisen, die für Print, Online, Radio und TV stehen. Zur besseren Unterschei- dung ist jede Sparte durch eine Farbe markiert. Blau steht für Print, Grün für Online, Rot für Radio und Orange für TV.

Ins Auge stechen auch die Veränderungen bei der Tageszeitung «Südostschweiz». Sie wurde komplett umgekrempelt: Zukünftig steht Regionales noch stärker im Fokus, Tickernews verlieren ihre zentrale Rolle, grössere Erzählstrecken beleuchten Themen von allen Seiten, das Layout ist dem Text gleichgestellt. In ersten Tests kam die relaunchte Südostschweiz sehr gut an: Repräsentative Fokusgruppen beurteilten Gestaltung und Inhaltszuschnitt als sehr ansprechend und lesergerecht.

Vier Medien, eine Marke

Konvergenz funktioniert nur, wenn sie gelebt wird. So bietet das neue Medienhaus in Chur die richtigen Bedingungen dafür, aus fünf Standorten einen zu machen und räumlich wie inhaltlich näher zusammenzurücken: Die Redaktionen von Zeitung, Radio, Fernsehen und Online bleiben unabhängig voneinander, arbeiten im neuen Medienhaus aber in der gemeinsamen Newszone und am Newsdesk zusammen. Als Newszone wird der Bereich bezeichnet, in dem alle Redaktionen der vier Sparten angesiedelt sind. Der Newsdesk ist die tägliche Befehls- und Entscheidungszentrale, in der die vier Dienstchefs der Teilmedien darüber entscheiden, wie einzelne Themen des Tages behandelt werden. Auch bei den Somedia-Servicemarken herrscht ein neuer Geist: Werbung in Medien der Somedia wird seit Frühjahr 2014 über die crossmediale Verkaufsorganisation «Somedia Promotion» verkauft, dem einzigen Werbeverkauf der Schweiz über vier Mediengattungen hinweg. Seit mehreren Monaten besteht die Servicemarke «Somedia Production» für Mediendienstleistungen vom Druck bis zur Videolösung. Und die Marketingabteilung wird künftig ebenfalls bereichsübergreifend arbeiten. So haben Kunden nur noch einen Ansprechpartner für Print, TV, Radio und Online.

Bereits Ende Dezember sind einige Abteilungen der Somedia in das neue Medienhaus umgezogen. Diese «Piloten» haben sich schon im neuen Gebäude eingelebt. «Das Leben auf der Baustelle ist faszinierend », schreibt Silvio Lebrument, Geschäftsführer Medien bei Somedia, in seinem Blog. «Für Arbeiten, die Ruhe erfordern, ist es aber eine Herausforderung. Es wird gebohrt, gehämmert, geschraubt und gesaugt. Trotzdem ist es der Redaktion der La Quotidiana gelungen, eine gute Zeitung herauszubringen.» Bald ist das Geklopfe beendet: Der Hauptumzug wird am 6. und 7. Februar stattfinden, offiziell eröffnet wird das Medienhaus dann am 24. April im Beisein von Medienministerin Doris Leuthard. Anschliessend muss sich das Führungsteam von Somedia noch um den Rückbau der alten Standorte kümmern.

Anne-Friederike Heinrich

Interview mit CEO Andrea Masüger

Hintergrund: Somedia

Somedia umfasst verschiedene Firmen, die im Zeitungs-, Druck-, Werbe- und Verlagsbereich, in den elektronischen Medien sowie im Internet tätig sind. Hauptprodukt ist die Tageszeitung «Südostschweiz» mit Regionalausgaben in den Kantonen Graubünden, Glarus, St. Gallen und Schwyz. Ausserdem publiziert Somedia die Tageszeitungen Bündner Tagblatt und La Quotidiana sowie die Wochenzeitungen Bündner Woche/Engadiner Woche, Glarner Woche, Obersee Nachrichten, Davoser Zeitung, Klosterser Zeitung und diverse Lokalzeitungen. Somedia betreibt Radio Grischa und Tele Südostschweiz, bietet Video- und Webproduktionen an und vereint verschiedene Buchverlage, eine Druckerei sowie diverse Fach- und Publikumszeitschriften unter ihrem Dach. Auch der Medien & Medizin Verlag MMV mit der Werbewoche gehört zu Somedia.

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Der Bilderbauer

Von 248 Auszeichnungen hat er kürzlich 200 dem Müllcontainer übereignet. Aber nicht nur deswegen gilt Dietmar Henneka als «enfant terrible». Es sind vor allem seine Ansichten und Arbeiten, die ihn zu einer Ikone der Bildgestaltung gemacht haben. Die Werbewoche hat den Starfotografen an der Photo15 getroffen. 

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Für seine Serie ≪artCars≫ hat Dietmar Henneka am Set alles nachbauen lassen. ≪Es ist uns bei Hoppers Nighthawks nix anderes übrig geblieben. Damals gab es noch keine 3‑D-Programme. Aber vielleicht war das auch unsere Chance, dass wir mit unseren Bildern mit echten Menschen in einem echten Set auch echte Emotionen erzeugen konnten. Und Bilder für eine grosse Imagekampagne kann man ja nicht ohne die grossen Emotionen zum Laufen bringen.≫

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Dietmar Henneka hat mehrere Kalender fur die Marken Porsche und Mercedes fotografiert.

WW: Früher war Fotografieren ein Kunsthandwerk, heute eine Zusatzfunktion beim Handy. Was meinen Sie zu dieser Entwicklung?
Dietmar Henneka: Also das Wort «Kunst»müssen Sie streichen. Fotografieren ist primär ein Handwerk. Oder war ein Handwerk, bis das Handy gekommen ist. Die Entwicklung? Das muss man viel breiter sehen. Jeder kann heute Bilder aus dem Internet klauen, ein bisschen kreativ verändern und dann fotografisch verklopfen. Dieser Eindruck bestätigt sich für mich, wenn ich gewisse Bilder hier an der Photo15 anschaue. Da sind viele «Fotos»darunter, bei denen der Fotograf vergessen hat, wie sein Ur-Bild aussah. Aber Sie wollten meine Beziehung zum Handy wissen. Die dort eingebaute Kamera hat nur eine fotografisch gestalterische Funktion, wenn der Bediener das vorher gelernt hat. Nicht technisch, sondern das Auge. Nur hinhalten, das ist noch nix. Bei einer solchen Verwendung wird das Handy nur verschludern. Aber ich kann mir zutrauen, dass ich mit dem Handy etwas Gescheites mache. Weil ich weiss, ein Bild entsteht im Kopf, nicht auf dem Chip.

Sie haben in Ihrem Referat an der Photo15 gesagt, Sie benützen keinen grossen Apparat mehr, sondern nur noch das iPhone zum Fotografieren.
Natürlich habe ich noch meine Ausrüstung, liebe jedoch das Downsizing mit der Hosentaschen- RX100 von Sony, also nicht diese schweren Profi- Dinger. Mein Credo lautet: Es ist ja völlig wurscht, mit welcher Kamera man fotografiert. Die Hauptsache ist, das Bild hat eine Idee. Bei meinen fast täglichen Beobachtungen mit dem Handy habe ich auch festgestellt, dass mir das Format des iPhones viel besser liegt. Das ist ja wie das Fernsehformat. Für ein Schweizer Magazin habe ich kürzlich nur mit dem Handy eine ganze Weinreportage fotografiert.

Sind Sie noch täglich am Arbeiten?
Ich bin ja noch nicht draussen. Aber ich beendete gerade ein Sabbatical. Ach Quatsch. Ich machte einfach mal ein Jahr lang nix. Das könnte mir auch noch 2015 passieren. Zwar kann es auch sein, dass ich noch einmal im Automobilbereich tätig werde. Ich bin jetzt 73 und habe null Bock auf weitere Hamsterradjahre. Ich könnte ja jetzt ein bisschen auf Landscapekunst machen. Aber das will ich gar nicht. Ich geniesse das Nichtstun. Ich will endlich mal nach Florenz, wie ein normaler Kuoni-Reisender, ohne Fotocrew, Layout-Vorgaben und AD-Aufpasser. Mit meiner Frau frühere Locations abklappern, die sie nur aus meinen Fotos kennt. Ich will frei sein und jetzt reisen. In zehn Jahren gefällt mir das Reisen vielleicht nicht mehr – respektive die Knochen sind dann futsch.

Sie haben in Ihrer Karriere 248 Preise gewonnen und davon jetzt 200 Awards in den Kübel geworfen. Wieso?
Das habe ich nur gemacht, weil ich an meinen Studiowänden keinen Platz mehr habe. Ich habe die Pokale nicht im Zorn weggeworfen, sondern mich gefragt: Was willst du denn damit noch? So habe ich nur noch die besten behalten: Ruhm ist vergänglich, doch Namenlosigkeit ist für immer.

Was waren wichtige Treiber für Ihre Karriere?
Da ich in Stuttgart war, eher Deutschlands letztes Zipfele für Top-10-Werbeagenturen, machte ich viel Eigenwerbung, zum Beispiel in Lürzer’s Archiv. Das hat mich zumindest bekannt gemacht. Es war auch die Gnade meines Namens. Hennekas gibt es sehr wenige in Deutschland. Als Otto Müller wäre ich möglicherweise nie so nachhaltig bekannt geworden, ganz abgesehen von meinem Können.

Was sind die Kriterien, dass es einer heute zum Starfotografen schafft, wenn Tausende um solche Traumjobs buhlen?
Ich hatte kein Starsendungsbewusstsein. Genauso hätte ich Optiker werden können. Es war der schiere Zufall. Vom Elternhaus ist es nicht gekommen. Aber dieses Kreative war wohl irgendwo in mir drin. Nachträglich sage ich: 50 Prozent ist für das Talent, 50 Prozent für die Person. Das ist das Verrückte. Und besonders wichtig ist sicher auch, dass ich immer gesagt habe: Lass dich nicht in die Pfanne hauen oder mache lieber einen Ruderbootverleih am Bodensee auf.

Sie sprechen über die Beziehung zum Kunden?
Es gibt heute viele Art Directors, die sich gerne mit mir zeigen und sich dann an die gute alte Zeit erinnern wollen. Aber die war damals mit einem AD nur selten echt gut. Ich habe jedenfalls lieber mit anderen Kreativen rumgesoffen als mit diesen Ich-binder- Chef-Fuzzis. In den 80/90er-Jahren arbeitete ich viel in Zürich. Im Studio Maur am Greifensee. Dort musste ich lernen, dass die Schweizer Konsens- Menschen sind. Sie sagen: Man muss nicht immer «uusrüefe». Konsens bedeutet für mich aber Palaver. «Bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt», war auf dem Set meine Notfall-Reissleine. Deshalb kann ich mich heute kaum an einen Art Director erinnern, mit dem es nur friedlich am Set zuging. Die meisten ADs und etliche Kollegen sind heute aber eher introvertiert. Ich bin einfach extro und versuche jedoch, meinen Kunden nicht zu überfahren. Aber manchmal gab es Situationen, da musste ich mich durchsetzen. Leider habe ich dadurch einige meiner Agentur- Kunden verprellt. Aber so ist nun mal mein südbadisch-elsässisches Naturell.

Haben Sie viele Jobs abgelehnt?
Ich habe nur ganz wenige Jobs abgelehnt. Der Kampf findet am Set ab, nicht wie beim Film. Dort muss schon alles vorher geregelt werden, weil das Team viel grösser ist. Beim Fotografieren ist die Equipe kleiner und damit auch wendiger. Da kann ich die Beteiligten dann eher überzeugen, dass sie in meine Richtung arbeiten.

Auch die Kunden?
Der Kunde besteht nicht nur aus dem CEO, sondern aus dem Werbeleiter sowie der Hierarchie um den Werbeleiter herum. Mit denen umzugehen lernt man an keiner Hochschule. Das lernt man wie ich als Ministrant, Oberministrant, Pfadfinder und später als Gefreiter bei der Bundeswehr. Da musste ich dienen! Hier lernte ich, wie eine Hierarchie funktioniert. Dieses Wissen über die Mechanik der Hierarchien kann ich auch beim Durchsetzen einer Idee ins Spiel bringen.

Sie gelten als der Fotograf, der für die Mercedes- Werbung das Auto als Erster in ein Kunst-Set gestellt hat. Brauchte das viel Überzeugungsarbeit?
Normalerweise macht das ja eine Werbeagentur. Diese hat die Idee und gibt den Auftrag dann an einen Fotografen. Ich habe bereits Mitte der 90er gemerkt, wie ich beim direkten Verhandeln mit dem Kunden viel kreativere Lösungen vorschlagen kann. Ich sagte den Leuten von Mercedes: Da ist noch eine kleine Ecke offen, die du als Werbe-, Marketingoder Unterabteilungsleiter selber machen könntest. Hier könntet ihr euch einmal kreativ einbringen, ohne jedes Mal alles von der Agentur vorschlagen zu lassen. Und das hat ihnen dann gefallen. So konnte ich viele Kalender für Mercedes gestalten. Die Fachabteilungen und ich hatten einfach einen direkteren, gemeinsamen Draht als mit den Youngsters bei den Agenturen. Bei wichtigen Meetings mit Agenturen kommen ja jeweils 10 Mann/Frau eingeflogen. Jetzt kam nur noch der Henneka, nicht mit dem üblichen Rückversicherungs-Agency-Speech, sondern locker vom eher privaten Hocker, statt Einschränkungen für das Briefing zu definieren. Ich habe die Meetings auf eine andere Ebene gebracht, indem ich den Kunden gefordert habe, selber zu entscheiden, ob eine Idee gut ist oder nicht. Für die Umsetzung bekam ich meist freie Hand, sie vertrauten mir. Die Manager haben ja Betriebswirtschaft oder Ähnliches studiert, eher keine Kunsterziehung oder Ausbildung in Bildgestaltung. Aber ob eine Idee ihnen gefällt, konnten sie entscheiden. Anders als viele Art Directors, die sich auf dem Set nur den Layout-Vorgaben verpflichtet fühlten. So konnte ich später viel mit Direktkunden arbeiten. Aber bei Porsche hat das gar nicht funktioniert. S

ie gelten als ein Fotograf, der schon früh gemäss dem heutigen Modewort «Storytelling» gestaltet hat. Wie haben Sie Ihre Bilder inszeniert?
Im Non-Auto-Bereich nicht. Ein Foto muss eine Geschichte erzählen. Wenn ich den Auftrag bekomme, für ein Weingut ein Bild zu machen, dann kommt zuerst die Frage: Wie kann ich das umsetzen, dass der Betrachter einen trockenen Gaumen bekommt. Das ist die Message, was im heutigen Jargon nun «Storytelling »bedeutet. Aber dazu muss ich die Szene nicht arrangieren. Ich sage: Macht ein Fest! Und dann gehe ich mit dem Handy durch die Leute und halte die besten Momente fest. Eine gleiche Technik findet man bei der Street-Fotografie. Wenn ich es richtig packe, reicht die Qualität des Handys mit seiner Anzahl Pixel heute technisch bereits für eine doppelseitige Anzeige.

Sie haben die meisten Sujets ohne Photoshop gestaltet. Was halten Sie von der Bildbearbeitung?
Ich habe überhaupt nichts dagegen. Man kann sehr kreativ damit umgehen. Ich selber habe einmal ein Audi-Cabrio von einem Felsen am Meer per Photoshop über den Abgrund in die Wellen geschoben, so dass die Hinterräder wie im 20 Meter tiefer liegenden Meer wirkten. So eine unlogische Kreation fällt auf und führt zu einer Aussage. Es ist eine Idee dahinter. Der Photoshop macht Sinn, wenn er das Bild tatsächlich verbessert – nicht technisch im Sinne von Retuschen, darüber rede ich gar nicht. Aber wenn mit aller Gewalt eine sogenannte neue Bilderwelt erschaffen werden soll, wirkt das heute in vielen Fällen nur noch künstlich – aber überhaupt nicht künstlerisch. Photoshop gab es früher auch, man nannte es Retuschieren. Heute macht man das halt digital. An der Aussage ändert sich nichts. Denn eine Idee in ein ideenloses Bild kann man auch mit dem Photoshop nicht bringen. Man muss den Photoshop als Werkzeug sehen. Oder dann bin ich Bildregisseur. Ich fotografiere nicht mehr, sondern suche mir CGI-Backgrounds und friemle mir mein Bild selber zusammen. Das ist in Ordnung. Aber es ist nicht meine Welt.

Interview: Andreas Panzeri

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Déformation professionelle – Berufskrankheiten in Werbung und Marketing

Axel Eckstein, Executive Creative Director bei Leo Burnett Schweiz, schreibt in der Werbewoche über Pathologisches in Werbung und Marketing. In der ersten Folge: Platitourette (repetitio nausea).

Platitourette (repetitio nausea)

Beschreibung Werbung, die unter dem Platitourette-Syndrom leidet, macht Äusserungen, die sehr häufig und in immer gleicher Weise auftreten. Diesen sogenannten Marketics gehen zwar komplexe interne Abstimmungsprozesse voraus, dennoch entstehen sie ohne Beteiligung des Bewusstseins.

Symptome

Für die betroffenen Werbemittel typisch ist das häufige Ausstossen bedeutungsloser Adjektive wie «massgeschneidert», «individuell», «perfekt», wobei jede Produktkategorie ihre eigene Symptomatik aufweist. So wiederholen Lebensmittelverpackungen «sorgfältig» und «erlesen» in krankhaft übersteigerter Weise. In der Automobilwerbung gelten «agil» und «souverän» als prävalent. In seiner schweren Form führt Platitourette zur Wiederholung ganzer Phrasen wie «Innovation aus Tradition» oder «Hits für Kids», häufig in Kombination mit Grimassieren (Anlachen und Kopfnicken eines Werbe-Presenters).

Ursachen

Als Ursache der Krankheit wird eine periphere Stelle im Briefing vermutet, an der die Markentonalität fixiert wird. Die hier festgelegten Attribute werden unter Umgehung des kreativen Cortex direkt zum Werbemittel durchgeschleift.

Psychosoziale Folgen

Aussagen von Werbung mit Platitourette-Syndrom werden durch Aussenstehende generell ignoriert, was wiederum zu einer Verstärkung der Unauffälligkeiten führen kann. Die weitgehende Unsichtbarkeit der Symptome erschwert eine Enttabuisierung der Krankheit.

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Suchmaschinenoptimierung – an diese Regeln sollten Sie sich halten

In Diskussionen tauchen immer wieder unterschiedliche Meinungen zur Suchmaschinenoptimierung von Websites auf. In diesem Artikel sind die aktuellen, übergeordneten Regeln dafür festgehalten.

Da Google über die Suchresultate mehr als 50 Prozent Besucher auf eine Website verweist, lohnt es sich, die Regeln ernst zu nehmen.

User wollen Antworten auf Fragen

Ziel der Suchmaschinen ist, den Besuchern die bestmögliche Antwort zu liefern. Pages, die diese Anforderung erfüllen, besetzen die vorderen Plätze in den Suchresultaten. Bei der Vergabe der Top-Positionen beachten Google & Co. zurzeit folgende Kriterien:

Qualität des Inhalts

Content is King! Der Text der Website muss auf die Besucherbedürfnisse eingehen und ihm eine (einzigartige) Lösung für sein Bedürfnis präsentieren. Marketing-Floskeln sind für Google nicht relevant. Ausführliche Texte, die mit Fotos, Videos und Grafiken illustriert sind, schaffen es eher auf die vorderen Plätze der Suchresultate.

Ladezeit der Page

Erscheint eine Page fünf Sekunden nach dem Klick auf ein Suchresultat nicht auf dem Bildschirm, klickt der Besucher auf ein anderes Resultat, was Google registriert. Sind die Ladezeiten kontinuierlich zu lang, ist eine Abstrafung im Ranking sicher. Informationen zur Ladezeit und Optimierungsvorschläge sind in Google Analytics zu finden.

Interne Verlinkung

Jedermann ist froh um Tipps. Interne Links im Text auf weitere Pages sind solche Tipps, die den Besucher auf weiterführende Informationen hinweisen. Interne Links sind selektiv zu verwenden, zu viele sind kontraproduktiv.

Absprungrate

Kehrt der Besucher nach dem Klick auf ein Suchresultat zu Google zurück, ist dies ein Hinweis darauf, dass er die erwarteten Informationen nicht gefunden hat. Der Absprung wird von Google registriert und kann zu einer Abstrafung führen.

Click-Through-Rate (CTR)

Google prüft die CTR der Ergebnisse in den Suchresultaten mit Erfahrungswerten. Die Nummer eins erhält im Schnitt 31 Prozent, die Nummer fünf 5 Prozent der Klicks. Erzielt eine Nummer eins eine CTR von 20 Prozent, ist dies ein Zeichen, dass das Suchresultat die Besucher nicht anspricht, und es wird heruntergestuft. Generiert die Nummer fünf eine CTR von 15 Prozent, wird sie hochgestuft.

Besuchszeit

Die Software Google Analytics ist auf fast allen Websites installiert. Mit ihr misst Google, wie lange sich der Besucher nach einer Suchanfrage auf der Site aufhält. Eine kurze Be-suchszeit ist ein Indiz dafür, dass der Besucher mit dem Informationsgehalt der Site nicht zufrieden ist.

Social Signals

Google beachtet die Klicks auf Likes und Share- Buttons, sie haben jedoch keinen grossen Einfluss auf die Positionen in den Suchresultaten.

Backlinks

Erhält eine Website einen Link von einer anderen, ist das ein Zeichen der Wertschätzung. Je mehr Links eine Page erhält, desto wichtiger ist sie. Allerdings nicht von irgendwelchen Websites, sondern von solchen, die bereits über eine Autorität verfügen. Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, er dokumentiert lediglich die Grundregeln der Suchmaschinenoptimierung. Jede Website muss in sich individuell betrachtet werden.

Imre Sinka
 

E-Paper-Abos sind im Schnitt 30 Prozent günstiger

2015 kosten einige Zeitungsabos bis zu 40 Franken mehr als letztes Jahr. Dennoch fielen die Abo-Erhöhungen diesmal etwas moderater aus als vor einem Jahr. Zudem senkten zwei Verlage sogar ihre Abopreise, was es wohl noch nie gab. Im Digitalbereich suchen die Verlage hingegen immer noch nach einem angemessenen Preis. Doch Digitalabos, die 50 Prozent weniger kosten als ein Printabo, werden seltener.

Beginnen wir mit der Sensation: Das Print- Abo der Südostschweiz Glarus, Gaster, See kostet neu statt 349 Franken nur noch 339 Franken pro Jahr, 10 Franken oder 3 Prozent weniger als bisher. Das 7-Tage-Abo mit der Schweiz am Sonntag erfährt gar eine Reduktion um 50 Franken auf 349 Franken. Auch der Bund reduzierte einen seiner Abopreise: Das E-Paper-Abo sank um 5% oder 19 Franken auf 369 Franken – dies im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Bezahlschranke im letzten Herbst. Doch das sind effektiv Ausnahmen – auch im langjäh- rigen Vergleich. Und sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Branchentrend genau umgekehrt verläuft: Die hier erhobenen 50 Schweizer Tageszeitungen schlugen dieses Jahr erneut auf: Ein durchschnittliches Zeitungsabo kostet neu 396 Franken, 3% mehr als letztes Jahr. Allerdings liegen die Preise in der Westschweiz deutlich über diesem gesamtschweizerischen Niveau: Dort bezahlt man für ein Jahresabo im Mittel 429 Franken. Die Preisaufschläge fielen dafür nur halb so hoch aus. Auch bei den elf Sonntagszeitungen stiegen die Abopreise, und zwar im Schnitt um 2,5%: Deshalb schlägt ein 7-Tage-Abo derzeit mit 451 Franken zu Buche. Dieser Aufwärtstrend ist auch im Digitalbereich festzustellen, doch davon später.

Am Kiosk bis 50 Rappen teurer

Von den hier erhobenen rund 100 Titeln und Abokombinationen verlangen drei Viertel in diesem Jahr mehr für ein Abo als 2014. Mit plus 11% beim Printabo mutet der Zürcher Unterländer seinen Lesern den höchsten Aufschlag zu, gefolgt von Blick, der um 9% oder 30 Franken aufschlägt, sowie SonntagsBlick, SonntagsZeitung (SoZ), Terre et Nature und das Kombiabo von Der Bund und SoZ, die um je 8% aufschlagen. In absoluten Zahlen macht die letztgenannte Abo- Kombination den grössten Preissprung (+40 Franken), dann folgt der Zürcher Unterländer (+39 Franken) und das Abo-Kombi aus NZZ und NZZ am Sonntag, die zusammen 34 Franken teurer werden. Die geringfügigste Preiserhöhung findet sich umgekehrt bei der Zentralschweiz am Sonntag, die bloss um 2 Franken oder 1% aufschlägt.

Das teuerste Printabo eines Einzeltitels ist weiterhin jenes von Agéfi (700 Franken), doch die NZZ (675 Franken) holt auf. Das teuerste Kombi ist jenes von NZZ und NZZ am Sonntag, das neu 793 Franken kostet. Bei den Einzelverkaufspreisen sind die Verlage deutlich vorsichtiger: Nur ein Drittel der Tageszeitungen und bloss zwei der Wochentitel nahmen hier Preisaufschläge vor – um durchschnittlich 3%. In absoluten Zahlen betragen die Erhöhungen 10 bis 50 Rappen. Die günstigste Zeitung ist der Bote der Urschweiz (1.80 Franken), gefolgt von La Quotidiana (1.90 Franken). Die teuerste Tageszeitung am Kiosk ist die samstägliche NZZ, die neu 4.90 Franken kostet, danach folgen der samstägliche Bund mit 4.60 Franken sowie L’Agéfi und der samstägliche Tages- Anzeiger mit je 4.50 Franken. Teuerste Wochenzeitung ist die TagesWoche mit 6 Franken, dicht gefolgt von der Finanz und Wirtschaft mit 5.90 Franken.

E-Paper bis 54 Prozent günstiger

Digitalabos sind in der Regel deutlich günstiger als Printabos, da ja Papier- und Vertriebskosten wegfallen. Gesamtschweizerisch beträgt die Differenz bei den Tageszeitungen 30%, in der Westschweiz sogar 35%. Die grössten Preisunterschiede weisen aktuell der Blick und die Zürichsee-Zeitung auf: Deren E-Paper-Abo ist um 54% beziehungsweise 50,5% günstiger als das Printabo. Weitere neun Titel gewähren den Digitalnutzern einen Nachlass von 43 bis 46%. Bei den Wochentiteln liegen diesbezüglich der SonntagsBlick (-54%) und Le Matin Dimanche (-49%) an der Spitze. Doch es gibt auch das Gegenteil – Titel, die den digitalen Nutzern gar keinen Rabatt gewähren. So etwa Agéfi. «Egal, über welchen Kanal die Abonnenten unsere Inhalte lesen, Letztere kosten immer gleich viel», heisst es im Verlag. Genauso handhaben es auch das Höfner Volksblatt, der March-Anzeiger, die Volksstimme, der Bote der Urschweiz und das Liechtensteiner Volksblatt. Eines ist zudem deutlich sichtbar: Extrem grosse Unterschiede zwischen Printund E-Paper-Abo werden seltener. Immer mehr Verlage geben die Lockvogelangebote auf und verlangen von den Onlinenutzern mehr Geld. So wurden die E-Paper-Abos der Tageszeitungen im Schnitt um 5% erhöht, also stärker als die Printabos. Neu kostet ein solches Abo im Mittel 280 Franken. In dieser Abo-Kategorie sind die Preise in der Romandie mit 281 Franken fast identisch hoch, allerdings nahmen die Westschweizer Verlage mit 8% eine kräftigere Preiserhöhung vor – allen voran 24 Heures und Tribune de Genève: Diese hoben ihre Tarife gleich um 26% an (+59 Franken) – um eben die Preisdifferenz zwischen Print- und E-Paper von ehemals 48% auf neu 38% zu vermindern. Weitere starke Aufschläge finden sich beim Zürcher Unterländer (+17% oder 31 Franken) sowie bei Le Courrier (+16% oder 20 Franken). Ebenfalls zu den Spitzenreitern punkto Differenzreduktion gehört der Wochentitel Terre et Nature, der das E-Paper-Abo um 45% oder 49 Franken anhob, womit er den Preisunterschied von ehemals 40% auf 22% halbierte.

127 Franken teurer seit 2011

Digitalabos kosten mittlerweile bei den meisten Verlagen gleich viel wie die E-Paper- Abos. Aber es gibt noch einige Exoten, die dies anders handhaben: Interessantestes Beispiel ist Le Temps, wo das E-Paper-Abo 350 Franken kostet, gleichzeitig werden auch zwei Digitalabos angeboten, das eine für 324 Franken, das andere für 396 Franken. Auch beim SonntagsBlick kostet das Digitalabo fast 20 Franken mehr als das E‑Paper-Abo, der Zürcher Unterländer und die Volksstimme bieten es dagegen um rund 30 Franken günstiger an, der Blick gar um rund 75% billiger und bei La Regione und der Basler Zeitung ist der Zugriff gratis. Zum Schluss noch ein Blick auf die Abo- Preis-Entwicklung in den letzten fünf Jahren: Vom Jahr 2011 liegen uns die Printabo- Tarife von 49 der hier aufgeführten Titel und Abo-Kombinationen vor. Das Durchschnittsabo einer Tageszeitung kostete damals 362 Franken, 34 Franken oder 9% weniger als heute. Alle Titel ausser Agéfi haben seither den Preis erhöht, und zwar zwischen 2,8% (Le Quotidien Jurassien) und 28,1% (NZZ am Sonntag). In absoluten Zahlen den höchsten Aufschlag nahm aber die NZZ vor, die heute 127 Franken mehr kostet als 2011. An zweiter Stelle liegt der Tages-Anzeiger, der exakt 100 Franken teurer wurde. Auf Rang 3 ist der Bund, der 75 Franken aufgeschlagen hat. Zum Vergleich ein Blick in die Westschweiz: Le Temps erhöhte sein Abo nur um 10% oder 48 Franken.

Markus Knöpfli

Die Tabellen finden Sie im PDF des Artikels.
 

Der Motz von Butz: Die Werbung macht schlechte Werbung für die Werbung

Wenn sich eine Stadtregierung entscheidet, auf 150 000 Euro Einnahmen zu verzichten, um nicht von schlechter Werbung belästigt zu werden, dann macht die Werbung eben auch schlechte Werbung für sich selber.

Um was es hier geht: bei meiner Motzerei eigentlich fast immer um dasselbe. Es geht darum, dass die Werbung extrem langweilig, ununterhaltend und störend empfunden wird. Schon öfter habe ich über dieses Phänomen geschrieben. Vielleicht gelingt es mir mit dieser Kolumne, nicht wieder auf taube Ohren zu stossen.

Was will Grenoble? Die grüne Regierung will 326 Werbetafeln inklusive Billboards aus dem Stadtzentrum verbannen und an dieser Stelle Bäume pflanzen. Die 11,5-Millionen-Stadt São Paulo ging sogar noch einiges weiter. Schon 2007 erliess sie ein Verbot für Plakatwände, Schilder, Reklameröhren auf Taxis und Flyers. Diese beinträchtigen die Umwelt und die Architektur. Stellen Sie sich den Times Square in N.Y. ohne Werbung vor!
Tag nicht nur mit Kochen und Essen.

In der Schweiz gibt es bisher noch keine konkreten Vorstösse, Werbeflächen zu reduzieren oder gar abzuschaffen. Wenn die öffentliche Werbung aber keinen Unterhaltungswert mehr bietet, dann bin ich nicht sicher, ob die Stadt Zürich nicht auf 2,2 Millionen Mieteinnahmen verzichten könnte.

Schon öfter habe ich vorgeschlagen, vielfach gemotzt, dass man zum Beispiel der Werbung im öffentlichen Raum strengere Regeln auferlegen sollte. Wer ein ganzes Tram für seine Werbung mietet, sollte sich mit seiner Werbung einer Fach- und Leinejury unterziehen müssen. Dem Zoo-Tram gebe ich ein Okay. Die Sunrise-Cobra sollte man schwarz abdecken. Mit wenigen Ausnahmen sind die Plakatwände mit miserablen Sujets beklebt. Unverständlich, wer die Kosten für solche unwirksame, weil unsichtbare Werbung bezahlt und dabei riskiert, als Beschmutzer des öffentlichen Raums für die Bürger dazustehen.

Meine Theorie: Bei Werbung geht es doch darum, auf unterhaltende, überraschende und einfache Weise die Betrachter von einem Produkt zu begeistern oder zumindest an dieses zu erinnern. In der Kolumne 22/2014 habe ich versucht, bei drei zufällig nebeneinander hängenden Plakaten zu analysieren, welches die Message ist. Ich jedenfalls konnte sie nach längerem Studieren nicht herausfinden. Ärgerlich. Ich hoffe aber, dass die Konsumenten gar nicht mehr hingucken und sich somit nicht darüber aufregen. Zwischenzeitlich könntet Ihr Werber die Zeit nutzen, Euch aus der Werbeangsthasenphase zu lösen und die Menschheit mit Kreativität zu überraschen.

Diese Bitte gilt übrigens nicht nur für Werbung im öffentlichen Raum. Wer sich mit mir einverstanden erklärt und sich diesen Optimierungsvorsatz fürs 2015 vornehmen will, soll mir ein Okay mailen: [email protected]. Der Aufsteller der Woche war die gewaltige Kundgebung für Freiheit und gegen Terrorismus in Paris.

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Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit mehr als drei Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].

Tourist im eigenen Land

Situationen unverblümt festhalten, in schwarz-weiss, am liebsten so, dass es niemand merkt. Das hat sich Daniel Comte zur Aufgabe gemacht, neuerdings als Fotograf. Eigentlich schon immer – auch in seinen Jahren als Executive Creative Director und Gewinner zahlreicher internationaler Awards.

Stockend ist lediglich seine Art zu erzählen. Bedächtig, aber nicht behäbig. Tiefgründig, aber nicht tiefschürfend, spirituell, aber nicht esoterisch. Genau wie seine Bilder. In einer Ausstellung in der ADC-Galerie kamen sie besonders gut zur Geltung, da sie in drei übereinander liegenden Reihen aufgehängt und somit nicht dekorativ ausgestellt waren. Denn Daniel Comtes Werke laden zum Verweilen und Studieren ein. In jedem Bild steckt ein Teil seiner Lebens- und Beobachtungs- Philosophie. So fotografiert Comte in schwarzweiss, um das Spiel des Lichts einzufangen sowie Details der Scharfzeichnung, die in Farbe nicht erkennbar wären. «Was ist Zweisamkeit, der Mensch in der Masse, alleingelassen, überfordert?»: Auf solche Fragen des täglichen Lebens kommt der stille Beobachter vielleicht, wenn er sich von einem Ort, einem Lichtstrahl, einer Handlung oder Bewegung inspirieren lässt. Und aus diesen Momenten heraus, um diese Gedankengänge anzulocken, entstehen Daniel Comtes Bilder. Sein Studium als Grafiker hat ebenfalls Spuren hinterlassen: Mindestens die Hälfte der Bilder spielt mit geometrischen Figuren. Doch keines der Werke ist nur Geometrie, nur Aktion, nur Gedanke – ohne etwas zu wollen, sagen die Bilder fast alles über ihren Schöpfer.

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Einmal um die Welt, bitte

«Mich kann man auch als Fotomodell buchen», erzählt Comte, verschmitzt grinsend. Ernst gemeint ist diese Aussage aber trotzdem. Für den letzten Auftrag war er im Tessin, wo er für einige Aufnahmen mit Hunden spielte – auf den flachen Steinen im Maggia- Tal – wer kennt sie nicht. Comte liebt es offensichtlich, vor der Kamera zu stehen, solange er nicht posieren muss, sondern darstellen darf. Fast noch mehr reizt ihn daran dann aber doch, was dabei herauskommt. Im Vordergrund stehen die Bilder, nicht er. Er selber stellt sich nicht gerne in den Mittelpunkt, schon fast schüchtern, aber doch wenig berechnend erzählt er von seinen letzten Jahren in der Werbebranche – wenn auch ungern: «Noch einmal würde ich nicht diese Branche wählen. Meinen Kindern würde ich sie auch nicht empfehlen», sagt er. Auch wenn zwei seiner drei Kinder ganz in Vaters Spuren wandeln. Sein Ältester hat wie Comte als Grafiker begonnen, der Jüngste studiert an der Hochschule der Künste in Biel. Und auch das mittlere Kind tanzt nicht ganz aus der Reihe der grafischen Comte-Söhne, er geht der gestalterischen Leidenschaft als Landschaftsgärtner nach.

Die letzten Erinnerungen prägen sein Leben aktuell noch immer. Das Erlebnis, als erfahrener Creative Director von einer Agentur wegrationalisiert zu werden, weil zu teuer, hat ihn gezeichnet und enttäuscht. Und da blitzt er immer wieder auf, sein Abschied von der Arbeit in der Werbung, als Anflug zwar nur, aber doch immer latent vorhanden. Comte spricht nicht gerne darüber: «Ich habe sehr viel erlebt, bin um die Welt gekommen. Aber nun habe ich mich von der Werbebranche verabschiedet», ist alles, was er dazu sagen möchte. Schade ist er trotzdem, sein Abgang, war er doch an vielen Umsetzungen ausgezeichneter Kampagnen beteiligt. So etwa an der Versicherungs-Kampagne für die Winterthur International. Weltberühmte Persönlichkeiten ihres Fachs erläuterten, was der Begriff Risiko für sie persönlich bedeutet – darunter Lord Attenborough, Maurice Béjart oder Erzbischof Desmond M. Tutu, welcher für die Aufnahme sein Gebet für Comte ausrichtete. Dieser war nicht nur bei den Aufnahmen dabei, er bezeichnet seine damalige Zusammenarbeit mit Richard Avedon noch heute als sehr prägend. Auch in Erinnerung bleibt mindestens eine weitere Kampagne unter Comte als Executive Creative Director: eine Arbeit für die Multiple Sklerose Gesellschaft. Sie visualisiert die durch Entzündungen hervorgerufenen Unterbrechungen der Nervenbahnen und ihre brutalen Folgen durch die Lücken zwischen zwei Plakatstellen, zwei Zeitungsseiten oder durch die Lücken zwischen Tür und Wand.

Street Photographer und Entertainment Artist

Geboren wurde Daniel Comte in Bern im Jahr 1963. Nach einem Grafik-Design-Studium an der Kunstgewerbeschule in Bern wurde er 1984 Creative Director und Mitglied der Geschäftsleitung bei Matter Leo Burnett. Ab 1998 war er als Creative Director in den grössten Werbeagenturen der Schweiz tätig. Seit 1995 ist er Mitglied des Art Directors Club Schweiz ADC. Comte gewann über 300 nationale und internationale Kreative- und Effie-Awards. Heute lebt und arbeitet er in Zürich. Als begeisterter Fotograf sind Kunst und Kultur seine spirituellen Medien, wie er sagt. «Ich selbst betrachte mich als stillen Beobachter des alltäglichen Wahnsinns und der Koexistenz von Zufall.» Als Street Photographer mit einem sensiblen Auge möchte er als Tourist wahrgenommen werden und die Situationen unverblümt festhalten. Bereits hatte er mehrere Fotoausstellungen im Inund Ausland. Aktuell stellt er seine Bilder in der ADC-Galerie an der Zentralstrasse 18 in Zürich aus. Hinter jedem seiner Bilder stecken nicht nur philosophische Überlegungen und grafische Elemente; jedes Bild erzählt eine kleine Entstehungsgeschichte: Auf einem seiner Spaziergänge über den Bundesplatz sieht Comte Kinder unter den Wasserstrahlen des Bundesplatzbrunnens herumtollen. Und tatsächlich sind sie auch beim nächsten Besuch wieder da. So fotografiert er diese eher unschweizerische Szene: ein Haufen Kinder, die in Unterwäsche baden und die Sonne geniessen – vor dem Bundeshaus. Auch sein erstes Bild des Strassenfotografen René Burri – Comtes grosses Vorbild – ist in der Ausstellung aufgehängt. «Er ist unübertreffbar, einer der ganz grossen Fotografen», so Comte. Er habe einfach ein gutes Auge. Für andere Werke stand Daniel Comte lange Zeit im Regen, wartend auf den richtigen Augenblick. Aber auch formalen Spielereien ist Comte nicht abgeneigt, wobei doch meist der Mensch im Mittelpunkt steht. Aufgefallen sind ihm solche Momente schon immer. «Ich kann das nicht verleugnen, ich bin einfach ein visueller Mensch», so seine einfache Erklärung. «Ich sehe eben oftmals Momente, von denen ich dann auch gefragt werde, wie ich diese bloss immer wieder finde», freut er sich ein wenig. Aber schliesslich sei er ja auch kein Modefotograf. Er müsse vom Moment leben. «Entweder ist dieser dann einfach in der Kiste – oder weg.» Teils verwirren Comtes Bilder, optischen Täuschungen gleich. So laden sie dazu ein, mehrmals hinzuschauen, damit der Betrachter das Spiel von «näher ran – weiter weg» mitmachen muss, um die reale Situation und ihre Zusammenhänge zu erkennen. Genau wie das Leben selbst.

Ursina Maurer

In Kürze

1990 – 1992 Art Director GGK Basel
1992 – 1994 Art Director Weber, Hodel, Schmid
1994 – 1998 Executive Creative Director Matter Leo Burnett
1998 – 2002 Executive Creative Director McCann Erickson
2002 – 2007 Executive Creative Director AY&R
2008 – 2011 Executive Creative Director DraftFCB/Lowe Group
2011 – April 2012 Creative Director und Partner Zürcher
Kommunikationsagentur Ping Pong
April 2012 – November 2012 Executive Creative Director Blue Spirit
Communications
Seit Januar 2013 Creative Director and Photographer,
Daniel©omte
www.danielcomte.com
[email protected]
 

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