Im ersten Quartal 2000 haben sowohl SF 1 als auch SF 2 Marktanteile verloren. Bei SF 1 betrug der Verlust in der Prime Time gegenüber der Vergleichsperiode im Vorjahr ein Prozent auf 35,5 Prozent, bei SF 2 1,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent. Den Rückgang führt SF DRS auf ein höheres Publikumsinteresse aufgrund der Ereignislage im Vorjahr zurück: Der Jahresbeginn 1999 war geprägt von Lawinen und Überschwemmungen, der Nato-Intervention im Kosovo und der Übertragung der alpinen Ski-WM in Vail. Tele 24 kam in der Prime Time auf unveränderte 2,5 Prozent. Ebenfalls 2,5 Prozent erreichte TV 3. Positiv entwickelten sich von den deutschsprachigen ausländischen Sendern einzig RTL 2 (+ 1,1% auf 3,7%), Kabel 1 (+0,8% auf 2,4%) und ORF 1 (+0,4% auf 3,7%). Zu den Verlierern gehören Pro 7 (–1,3% auf 4,7%), Sat 1 (–0,4% auf 4,8%) und ARD (–0,4% auf 5,6%). RTL konnte sich über dem Resultat des Vorjahres halten.Branding per Münzwurf. Unique, Unaxis, Atraxis: Über neue Namen für Schweizer Unternehmen zerbrach sich manche Corporate-Identity-Agentur jüngst den Kopf. Oft mit umstrittenen Resultaten. Einfacher machten es sich die Ölriesen Chevron und Phillips Petroleum. Um die Frage zu entscheiden, ob das gemeinsame Chemikaliengeschäft Chevron-Phillips oder Phillips-Chevron heissen solle, einigte man sich auf «Kopf oder Zahl». Für den Wurf wurde eine spezielle Münze aus Gold und mit den beiden Varianten geprägt. CI-Beraterin Fortuna bevorzugte Chevron-Phillips.
Vivian com.mt. Im September startet die Burda-Tochter vivian.com Publishing – ein neuer Mix aus Nachrichtenmagazin, Frauen- und Internetzeitschrift – als Printtitel und neues Portal im Internet. Zu diesem Zweck errichtet Vivian das Portal www.vivian.com. Immer montags erscheint der Printtitel mit einer verkauften Auflage von 130000 Exemplaren, wie Anzeigenkunden garantiert wird. Vivian startet als crossmediale Print- und Online-Marke, die sich eigenständig zwischen Frauen-, Nachrichten- und Online-Magazinen positioniert. Zielpublikum ist die Infonetgeneration: Frauen, die neue Formen entwickeln, um Beruf und Familie miteinander zu verbinden, und eigene Netzwerke und Medienplattformen schaffen.
Schaffheuser TV will nach Winterthur. Um über die Kantonsgrenzen hinaus Bekanntheit zu erlangen, riskiert die Genfer Werbeagentur ABC Publi Conseil eine Lippe: Im Rahmen eines mehrteiligen Aussandes verschickte die BSW-Agentur ein politisch brisantes Motiv: Zum Visual eines Peperoncini mit Schweizerkreuz fiel den Genfer Werbern die Frage «Neutre?» ein, die sie auf der Rückseite mit «Jamais!» beantworten. Beim Weiterlesen merkt man: Das Sujet nimmt gar nicht auf die politische Situation der Schweiz, sondern auf die Philosophie der Agentur Bezug. Um das Aussergewöhnliche zu entdecken, das den Mehrwert der Kommunikation ausmache, heisst es nämlich im Werbetext, sei es unumgänglich, gänzlich von neutralen Aussagen abzusehen.
SW gründet parlamentarische Gruppe. Die Schweizer Werbung (SW), Dachorganisation der kommerziellen Kommunikation, hat eine parlamentarische Gruppe gegründet, um die Anliegen der Kommunikationsbranche in der Politik besser zu vertreten. Das Präsidium der Gruppe übernimmt SW- und Ständeratspräsident Carlo Schmid (CVP). 68 Parlamentarier beider Kammern haben sich bereits eingeschrieben.
Schaffhauser TV will nach Winterthur. Nachdem das Departement Leuenberger vergangeneWoche den Ostschweizer Sendern Tele Top, TeleOstschweiz und TeleSüdostschweiz Gebietserweiterungen zugestanden hat (siehe Seite 22), will nun auch das Schaffhauser TV sein Sendegebiet erweitern, und zwar bis nach Winterthur. Der Verwaltungsrat habe beschlossen, ein entsprechendes Gesuch vorzubereiten und beim Bundesamt für Kommunikation einzureichen, sagte Norbert Neininger, Delegierter des Verwaltungsrates, auf Anfrage. Mit dem neuen Uvek-Entscheid herrsche nur noch in Winterthur eine Monopolsituation.
Identische Umsetzungen. Derzeit laufen für die beiden Internetsites www.mcmedicine.ch und www.plancal.ch zwei Kampagnen, die sich mehr gleichen als unterscheiden. Erstere definiert den Siteanbieter als Gesundheitszentrum für Fragen aller Art, Letztere stellt die Firma Plancal als führendes Unternehmen für Baubranchensoftware dar. Urheber der Auftritte sind die beiden Zürcher Agenturen Wirz und Lesch+Frei. Die kreative Qualität der beiden Auftritte lässt darauf schliessen, dass die Umsetzungen im so genannten Schnellschussverfahren entstanden sind. Deshalb wird wohl auch kein Streit darüber entbrennen, wer Urheber und wer Abkupferer der Idee sei.
Swisspool: Keine Änderungen. Gemäss den neuen beglaubigten Auflagezahlen hat der Swisspool erneut an Auflage verloren. Der Swisspool I (Tages-Anzeiger, Berner Zeitung, Basler Zeitung, Neue Luzerner Zeitung, St. Galler Tagblatt) fiel von 781309 Exemplaren im letzten Jahr auf neu 775105 Exemplare zurück (minus 0,79 Prozent), der Swisspool II sank dank der Steigerung bei 24Heures und Tribune de Genève nur von 947125 Exemplaren auf 943128 Exemplare (minus 0,42 Prozent). Deswegen wird sich jedoch gemäss Edi Battaglia von der Swisspool-Clearingstelle an den Pool-Tarifen nichts ändern. Möglich werde aber eine Anpassung per 2001, wenn die Auflage der Berner Zeitung Mitte dieses Jahres dank der Fusion im Oberland um knapp 40000 Exemplare zulegen wird (WW 13/00).
Mehr Klagen denn je vor dem Presserat. Der Presserat hat 1999 mehr Arbeit gehabt als je zuvor: Insgesamt gingen 39 neue Beschwerden ein, 18 Verfahren waren bis Ende Jahr noch hängig. 23 Fälle gaben Anlass zu einer Stellungnahme. Betroffen waren diesmal nur die Printmedien. Themen waren vor allem die Missachtung der Privatsphäre sowie unfaires Verhalten und ungerechtfertigte Anschuldigungen der Medien.
RTL/PRO 7 Schweiz: Sozialplan steht. Der Verwaltungsrat und die ehemalige Belegschaft des gescheiterten Schweizer Fensters von RTL/Pro 7 haben sich auf einen Sozialplan geeinigt. Die umstrittene Bestimmung, dass ein Entlassener, der innerhalb der Kündigungsfrist eine neue Stelle findet, ein Viertel des fortgezahlten Lohnes zurückgeben sollte, wurde fallen gelassen. Unzufrieden zeigte sich die Gewerkschaft Comedia: Die Politik müsse in Zukunft durch Auflagen bei der Sendebewilligung die Position der Angestellten sichern.
Editorial
Cézanne macht die Kunden treu Die Diskussion wurde Ende der 80er Jahre leidenschaftlich und ideologisch geführt. Ein Aufschrei ging durch das Land, als die Grossbanken 1987 mit Musiksponsoring begannen. Kunst verkomme zum Schmiermittel der kapitalistischen Industriegesellschaft, raunte es dumpf im Feuilleton. Das Sponsoring reduziere die Kunst auf ihre Marktfähigkeit, das heisst auf ihren ausserästhetischen Gebrauchswert: als Attraktion des touristischen Rummelplatzes, als Leimspur zum Ködern von Steuerzahlern und Wirtschaftsunternehmen oder gar als Tranquilizer für aufmüpfige Minderheiten.
Inzwischen ist Nüchternheit eingekehrt, die Diskussionen verlaufen sachlicher. Kultursponsoring ist auch in unseren Breitengraden heimisch geworden und heute als besondere Kommunikationsform anerkannt. Zwischen Kunstschaffenden und Unternehmen hat sich ein Kodex mit Rechten und Pflichten herausgebildet; Sponsor und Gesponserter versuchen mit gemeinsamen Zielgruppen Nutzen und Zufriedenheit zu vermitteln. Der Gesponserte verschafft sich Geld, Sachleistungen oder Know-how, und der Sponsor erwartet als Gegenleistung – über das emotionale Ansprechen des Konsumenten – einen Imagetransfer. Ein Umgang, der von beiden Partnern viel Gespür verlangt. Eine Pionierin auf diesem Gebiet ist Elisa Bortoluzzi Dubach. Sie organisiert Vorlesungsreihen zu diesem Thema an Universitäten und publiziert Sachbücher. Im Gespräch auf Seite 33 äussert sie sich über das neue Mäzenatentum im Kultursponsoring.
Weltweit ist die Wirtschaft einem Konkurrenzkampf und Innovationstempo sondergleichen ausgesetzt. Sie schmückt sich je nachdem mit zeitgenössischer Kunst – wie etwa die Winterthur Versicherungen mit John Armleders «Liberty Domes» – als Ausdruck ihrer Dynamik oder widmet sich der kompensatorischen Traditionspflege, wie die Credit Suisse, die im Kunsthaus Zürich eine bereits in Wien gezeigte und mit viel Lob bedachte Cézanne-Ausstellung sponsert. Der Imagepflege dient es alleweil.
Schon Oscar Wilde brachte es lange vor unserer Zeit auf den Punkt: «When bankers get together, they talk about art. When artists get together, they talk about money.» Samuel Helbling