Die Woche im Netz

Neues Schweizer Branchenmagazin für Internet und E-Business

Neues Schweizer Branchenmagazin für Internet und E-BusinessVon Daniel Schifferle Die Schweizer Internet- und E-Business-Branche erhält eine Plattform. Herausgeberin der ab 19. April wöchentlich erscheinenden Zeitung mit dem Titel Netzwoche ist die ZBM.
«Der Schweizer Internetbranche fehlte bisher eine eigene Kommunikationsplattform», stellt ZBM-Mitinhaber Matthias Zehnder fest. Das wird ab dem 19. April Vergangenheit sein. An diesem Datum lanciert die Basler ZBM, führende Informationsagentur zum Thema Internet und Neue Medien, die Zeitung Netzwoche. Kernzielgruppe sind Anbieter von Internetdienstleistungen sowie Entscheider und Umsetzer für den Internetbereich in den Unternehmen.
Mit einer breiten Themenpalette will das neue B2B-Blatt wöchentlich dem Kommunikationsdefizit in der Internetbranche zu Leibe rücken. Das Menu enthält aktuelle und praxisnahe Berichte über Internet und E-Business in der Schweiz. News, Hintergrundberichte und ein internationaler Trend-Checkup analysieren Erfolg versprechende Geschäftsmodelle. Fallstudien, Interviews und Porträts versprechen Einblicke in die Strategien führender Players.
«Der Zeitpunkt ist richtig gewählt», sagt Matthias Zehnder, «bei den Internetdienstleistern vollzieht sich die Konsolidierung zu einer eigenen Branche.» Eine Branche mit hohem Wachstumspotenzial, die bereits jetzt einen Umsatz von rund sechs Milliarden Franken erwirtschaftet und rund 11000 Beschäftigte hat.
«Wir machen eine Zeitung, die vor allem Köpfe zeigt», präzisiert Zehnder, «damit wollen wir zur Transparenz beitragen in einem Berufsumfeld, das steile Karrieren anbietet.» Im Inserateteil soll sich diese Strategie in einem reichhaltigen Stellenanzeiger niederschlagen.
In vielen Farben sollen die Anzeigen leuchten
Das geheftete Format der Netzwoche ist etwas grösser als A4. Wöchentlich sind 24 Seiten Umfang geplant. In der Gestaltung kommt das Blatt wie eine Zeitung daher. Eine Besonderheit, die Inserenten freut: Das Heft ist durchgehend vierfarbig, im redaktionellen Teil kommt aber eine dezente Farbpalette zum Einsatz. Leuchtende Farben bleiben Anzeigen vorbehalten.
Die ersten beiden Ausgaben starten mit einer Promotionsauflage von 50000 Exemplaren, die an alle IT-Verantwortlichen, Kommunikationsleiter und Internetdienstleister verschickt werden. Später ist eine Auflage von 12000 Exemplaren geplant. Die Netzwoche ist auch am Kiosk erhältlich, prominent platziert in den Schweizer Wirtschaftstiteln. Im Einzelverkauf kostet das Heft sechs Franken, Firmenabos sind für 258 Franken pro Jahr zu haben. Eine ganze Anzeigenseite wird zum Einheitstarif von 7900 Franken verrechnet.
Beim Inserateverkauf spannt die Netzwoche mit der St. Galler Firma Act Media zusammen.

Kopf der Woche: «Ich will guten Service bieten und nicht möglichst schnell reich werden»

Marc Schürmann: Gründer, Jungunternehmer und Besitzer der Marketing- und Promotions-AG Mosaik

Marc Schürmann: Gründer, Jungunternehmer und Besitzer der Marketing- und Promotions-AG MosaikKopf der Woche «Ich will guten Service bieten und nicht möglichst schnell reich werden»
Der Typ hat gut lachen: Erstens arbeitet er mit attraktiven Menschen zusammen. Zweitens hat er Erfolg. In drei Jahren hat Marc Schürmann seine Marketing- und Promotionsfirma Mosaik zum Millionenunternehmen emporgestemmt, sich als seriöser Agenturbesitzer und Generation-X-Spezialist einen Namen gemacht und zahlreiche grosse Kunden an Land gezogen. «Mir läufts super», bestätigt der Jungunternehmer. Doch «einfach so» sei ihm der Erfolg nicht in den Schoss gefallen. «Ich musste dafür hart arbeiten.» Schürmann ist überzeugt: «Nur so kann man etwas Beständiges aufbauen.»
Das schnelle Geld hat ihn nie interessiert. «Wer Dinge tut, nur um möglichst schnell reich zu werden, kann nicht reüssieren», sagt er. Mit 29 Jahren gehört er zu den jüngsten und erfolgreichsten Agenturbesitzern der Schweiz. Das nötige Know-how holte er sich schon früh. Als jüngster Filialleiter der Modekette Blondino, Gründer und Besitzer einer Telefon-Kundenservicelinie, Alleinverantwortlicher einer Telekommunikationsfirma und Juniorberater eines Computergeschäfts lernte er das ABC des Managements. «Und das, ohne für einen dieser Jobs spezifisch ausgebildet zu sein», lacht er. Die einzige Zusatzausbildung neben seiner Coiffeurlehre absolvierte er als eidgenössischer Marketingplaner. «Alles andere habe ich mir selber beigebracht.»
Stolz ist er dabei vor allem auf seinen Ruf in der Szene: «Es hat sich herumgesprochen, dass ich nicht nur irgendwelche Promotionen für Firmen mache, sondern mich in die Zielgruppe des jeweiligen Produkts einfühle, dass ich weiss, wie man den 18- bis 25-Jährigen ein Produkt schmackhaft machen kann, dass ich ganze Konzepte vorschlage und Promotions- und Marketingauftritte von A bis Z organisiere.»
Inzwischen wenden sich besonders Grossfirmen wie Diax, R. J. Reynolds Tabacco AG und 20 Minuten an den Jungunternehmer. Die Folge davon: 1999 war er an 30 Messen tätig, verbrachte mit seiner Crew 40 bis 50 Tage an Events in Bahnhöfen und organisierte unzählige, nationale Marketingauftritte in der Szenengastronomie.
Seit seiner Übernahme als alleiniger Inhaber der Mosaik Marketing- und Promotionsagentur 1997 hat er den Umsatz verzehnfacht, das Team von zwei auf zehn Mitarbeitende aufgestockt, 980 Models unter Vertrag genommen, die Büroräume gewechselt, in Lugano und Lausanne einen «Mann vor Ort» engagiert und im Januar 2000 eine AG gegründet.
Doch damit gibt er sich nicht zufrieden. «Mein Ziel ist, die stärkste Promotions- und Marketingagentur der Schweiz zu werden», sagt der Single, der auf «schöne Dinge im Leben steht». Zu seinen Stärken zählt er die Fähigkeiten, sich schnell in eine Materie einzuarbeiten und Qualitätsarbeit zu leisten: «Meine Firma soll nicht irgendeine Firma mit viel Umsatz und wenig Substanz sein, sondern das Niveau eines Fünfsterneunternehmens haben: qualitativ hochstehend, super im Service und fair im Preis-/Leistungsverhältnis.»
Das nötige Potenzial dazu hat der 29-jährige Zürcher. Annelies Friedli

Ein Exot mit allen Features

Bolzern Kommunikation feiert ihr 20-jähriges Jubiläum und wächst zur Fullserviceagentur

Bolzern Kommunikation feiert ihr 20-jähriges Jubiläum und wächst zur FullserviceagenturVon Luca Aloisi Vor drei Jahren fusionierte Atelier Bolzern mit der Syntexta PR AG zur Bolzern Kommunikation AG in Kriens/Luzern. Der Schachzug war so nahe liegend wie lukrativ. Damit erhöhte und konzentrierte die Agentur ihre Kompetenzen in Beratung, PR und Neuen Medien. Nach einer Konsolidierungsphase positioniert sich Bolzern Kommunikation neu als umfassende Fullserviceagentur.
Es gehört zu den Eigenarten von Unternehmen, dass sie sich in der so genannten «Abgeschiedenheit» häufig als autarke und dynamische Systeme behaupten. Auch eine jüngst publizierte UBS-Untersuchung über den Wirtschaftsstandort Zentralschweiz kam zum Schluss, dass dieses Gebiet gegenüber dem schweizerischen Durchschnitt gute Karten hat.
So wundert es auch nicht, dass Unternehmen wie die Firma Bolzern Kommunikation am Fusse des Pilatus im idyllisch-ländlichen Kriens in ihrer 20-jährigen Geschichte von einer Ausführungs- zu einer Fullserviceagentur gediehen ist, die alle Bereiche bedient, von der Marktanalyse, Markenfindung und Marketingstrategie bis zur Kreation und Mediaplanung. Die konzeptionelle Umsetzung der UBS-Studie stammt, bezeichnenderweise, aus dem Hause Bolzern Kommunikation.
Kontinuierliches Wachstum der Wertschöpfungskette
«In den vergangenen anderthalb Jahren befanden wir uns in einer Konsolidierungsphase», fasst Erich Rava, Kommunikationsberater, die Zeit der Bewusstseinsbildung bei bestehenden und potenziellen Neukunden zusammen. Ihnen sollte nahe gelegt werden, dass die neue Agentur nicht mehr dem ehemals ausführungsorientierten Atelier entspricht, sondern von nun an eine umfassende Betreuung der Kommunikationsstrategien auf allen Ebenen und Medien anbieten kann.
So hat sich Bolzern zum Meilenstein und zum Jubiläum gleich ein neues Erscheinungsbild geschenkt. An der Agenturphilosophie wird sich laut Emanuel Bolzern, Vorsitzender der Geschäftsleitung, nichts ändern. Partnerschaft wird weiterhin in der Arbeit extern mit Kunden als auch intern mit den Angestellten gross geschrieben.
Diese Einstellung drückt sich in der flachen Struktur und der familiären Atmosphäre aus, die in der Agentur herrscht. Nicht nur die baulichen Voraussetzungen dazu wurden erfüllt – im Bürogebäude befinden sich auf zwei Stockwerken verteilt alle Abteilungen der kontinuierlich gewachsenen Wertschöpfungskette: vom Fotostudio über die Druckvorstufe bis hin zum Grossraumbüro des Kreativteams und der Abteilung für Neue Medien, in der drei Programmierer Internetauftritte von Kunden realisieren.
Mit den fusionierten Agenturen und den neuen Kundenwünschen ist die Wertschöpfungskette immer länger geworden. Doch eine Ausgliederung irgendeines Bereichs sei nie zur Debatte gestanden, meint Emanuel Bolzern. Ein solches Gebilde in diesen überblickbaren Dimensionen bringe den Werbeauftraggebern dank der schnellen internen Arbeitsabläufe und den tragenden interdisziplinären Lösungen einen optimaleren Nutzen, ist er überzeugt. So kann schon in der Konzeptionsphase der Rat verschiedener Spezialisten beigezogen werden.
1999 steigerten die 26 Mitarbeiter die Eigenleistungen um rund 8,5 Prozent auf 4,5 Millionen Franken und produzierten kommerzielle Kommunikation in allen Formen für Firmen aus unterschiedlichsten Branchen: für die Pharma- und Konsumgüterbranche genauso wie für Lebensmittelhersteller, Verlage, Banken und Verkehr.
Drei Fachwelten – an einem Ort verbunden
Um den Bedürfnissen der unterschiedlichen Kunden zu entsprechen, werden die Köpfe bei Bolzern Kommunikation häufig zusammengesteckt. Auch auf Geschäftsleitungsebene wird dieses partnerschaftliche und vernetzte Denken und Handeln deutlich. In und unter den vier Teams Werbung, PR, Neue Medien und Kontakt findet ein reger Austausch statt, der seinen Ursprung an der Basis findet.
Alle Mitarbeiter werden in die Projekte eingeweiht, um ihr spezifisches Fachwissen anzuzapfen und sie am Geschäft teilhaben zu lassen. Bei langjährigen Kunden scheint sich diese Nähe so gut bewährt zu haben, dass bisweilen die Beratungsstufe nicht mehr beigezogen wird. Bei einigen Kunden hat sich das so eingespielt, dass nur auf der Gestaltungsebene bedient wird. Künftig will sich Bolzern aber noch stärker in der ganzheitlichen Betreuung positionieren, weil sich das Know-how durch die Erweiterung und durch neue Fachkräfte erhöht hat.
«Gerade am Team Neue Medien lässt sich das gewachsene Angebot am besten darstellen», sagt Erich Rava. Häufig müsse dem Kunden erklärt werden, dass ein Auftritt im Internet, was die Bewirtschaftung betrifft, gleichzusetzen sei mit der Betreuung einer Filiale. Deshalb ist das Bolzern-Angebot auch breit und schliesst hier von Electronic-Identity-Konzepten und Aktualisierungsservice bis zur Schulung ziemlich alles ein.
Und da in den Teams Werbung und PR professionelle Texter sitzen, sei man sich nicht zu schade, wenn es erforderlich oder eilig sei, bei diesen auch anzuklopfen. So fand man auf der Stöckli-Ski-Site nebst dem obligaten Produkteangebot, den Links und Porträts der gesponserten Sportler auch die aktuellsten Resultate des Skiweltcups. Egal ob Didier Plaschy den Ruf des Schweizer Skiteams aufbesserte oder Paul Accola auf den Trainer schoss, in Kriens waren die Texter und Programmier fleissig am Aktualisieren.

Fleissige Schweizer Onlineshopper

Die Europäer holen bei der Internetnutzung die Amerikaner per Mausklick langsam ein

Die Europäer holen bei der Internetnutzung die Amerikaner per Mausklick langsam einVon Clemens Hörler 17,2 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer haben schon einmal online eingekauft. Damit liegt die Schweiz im europäischen Vergleich an dritter Stelle.
Dies ist das Resultat der ersten Umfrage des Pan European Internet Monitor, der vom Amsterdamer Marktforschungsunternehmen Pro Active International (proactiveinternational.com) mit Büros in Europa und bald auch in den USA und in Asien in 14 europäischen Ländern durchgeführt wurde. Einen höheren Anteil an Interneteinkäufern weisen nur Schweden (23,6 Prozent) und Dänemark (17,9 Prozent) auf.
Schweden führt in Europa auch in Bezug auf die Zahl der Internetnutzer. 53,3 Prozent der Befragten gaben an, während der vergangenen zwei Wochen mindestens einmal online gewesen zu sein. Hinter den vier skandinavischen Ländern folgen deutlich abgeschlagen die Schweiz und die Niederlande, Grossbritannien, Österreich und Deutschland, das gemäss Pro Active etwa im europäischen Durchschnitt (24 Prozent) liegt. Die südeuropäischen Länder, aber auch Irland und Belgien, liegen weit unter dem Durchschnitt. In Portugal gaben nur 0,3 Prozent der befragten Personen an, jemals online eingekauft zu haben.
Weitere Ergebnisse sollen Ende April folgen
Lisbeth Hop, CEO von Pro Active International, sieht in den Resultaten der Studie die Aufholjagd der Europäer gegenüber den Nordamerikanern bestätigt. Ei-ne Studie von Nielsen/Netratings zeige, dass in den USA zwar über 50 Prozent der Bevölkerung über einen Internetzugang verfügten, bei einer Befragung hätten aber nur 35 Prozent angegeben, in den vergangenen 14 Tagen im Internet gewesen zu sein. In den 14 von Pro Active berücksichtigten Ländern waren es bereits 24 Prozent.
Pro Active International befragt in Telefon- und Strasseninterviews zweimal pro Jahr 14000 Internauten in Europa. Parallel dazu wird per Internet eine Onlinestudie mit 150000 Nutzern durchgeführt. Weitere Resultate der Untersuchung über Demographie und Vorlieben der Internetnutzer, den Konsum anderer Medien sowie die Haltung gegenüber E-Commerce und Onlinewerbung werden Ende April vorgestellt.
Hop ist überzeugt, dass die Studie besonders bei internationalen Internetanbietern auf Interesse stossen wird. «Diese erhalten endlich, was sie bereits seit längerer Zeit fordern – zuverlässige Bezugsdaten und Trendinformationen zum Wachstum des Internets in Europa und über europäische Internetnutzer.»

Ausserdem: Fünfeinhalb Jahre nach der Gründung von By Heart wird sich Ruth Arber im Laufe des Monats zurückziehen.

Ausserdem Fünfeinhalb Jahre nach der Gründung von By Heart wird sich Ruth Arber im Laufe des Monats zurückziehen. Die Mitbegründerin von By Heart eröffnet ihr eigenes Möbelgeschäft «Casa Smeralda». Anfang Juni wird Jan Maurer die kaufmännisch

Ausserdem Fünfeinhalb Jahre nach der Gründung von By Heart wird sich Ruth Arber im Laufe des Monats zurückziehen. Die Mitbegründerin von By Heart eröffnet ihr eigenes Möbelgeschäft «Casa Smeralda». Anfang Juni wird Jan Maurer die kaufmännische Führung und Beratungsleitung übernehmen. Der Werbeleiter verfügt über Erfahrung als Beratungsgruppenleiter in besten Agenturen.
Neues Personal bei WHS: Texter Patrick Suter kommt von McCann-Erickson, Beraterin Vanessa Rubinick von Grünbaum Marketing & Promotion; Lucia Mitsch, Assistentin Art Buying, arbeitete bei Euro RSCG; Beratungsgruppenleiterin Daniela Ciotto war zuletzt selbständig tätig, vorher bei AY&R; Ailinh Truong ist Assistentin der WHS International. Sie kommt von AY&R. EDV-Supporter Michael Ecker arbeitete bei Data General.
Bettina Tamò, Ex-Verlagsleiterin Beobachter, übernimmt die Geschäftsleitung der Interactive-Publishing-Konferenz. Sie findet vom 15. bis 17. November in Zürich statt.
Der Schweizer Grafik Verband hat acht neue Mitglieder aufgenommen: Paolo Tonti, Michel Fries, André Schneiter und Franziska Widmer, Zürich, Thomas Bruggisser, Winterthur, Daniel Felde, Luzern, Gerhard Blättler, Bern und André Reymond, Langnau am Albis.
Ulrich von Bassewitz ist neuer Chief Financial Officer der Affichage Holding SA und Mitglied der GL der Allgemeinen Plakatgesellschaft APG.

Zeugen pinselfertiger Wandhunde

Ein jugoslawischer Einwanderer fotografiert New Yorker Fassadenreklamen aus der Jahrhundertwende

Ein jugoslawischer Einwanderer fotografiert New Yorker Fassadenreklamen aus der JahrhundertwendeVon Thérèse Balduzzi Alte, auf Hausfassaden gemalte Reklamen gehören zu New Yorks Stadtbild wie die Feuertreppen und die Wassertanks über den Dächern. Seit drei Jahren ist der jugoslawische Einwanderer Sava Mitrovich mit der Kamera auf der Suche nach ihnen. Ein Teil seiner reichen Dokumentation wird gegenwärtig in der Municipal Art Society in New York ausgestellt und soll in naher Zukunft in Buchform erscheinen.
Von der Witterung gezeichnet, was ihrem Charme nur förderlich ist, werben die meisten gemalten Anzeigen für Firmen und Produkte, die längst nicht mehr existieren, wie Omega Oil, Goodall Rubber Products oder Milo Electronics. Aus reiner Nachlässigkeit haben sie ein halbes oder ganzes Jahrhundert überlebt.
Manche kommen nur wieder zum Vorschein, weil ein angebautes Haus abgebrochen wird. Dem nützlichen Zusammenhang entrückt gewinnen ihre künstlerischen Elemente an Bedeutung und bereichern das Stadtbild als Dekoration und als Zeugen der Werbegeschichte.
Als Häuserinspektor im Big Apple unterwegs
Seit drei Jahren dokumentiert Sava Mitrovich die Arbeit der «Wall Dogs», wie die Maler der Reklamen früher genannt wurden. «Die Anzeigen führen ein Eigenleben und ändern sich stets», sagt Mitrovich, «sie verleihen der urbanen Umgebung etwas Romantisches und erinnern mich an die Pentimenti, die subtilen Bilder unter den frühen Kirchenfresken, wie ich sie aus meiner Kindheit in Jugoslawien in Erinnerung habe.»
Sava Mitrovich wurde in Belgrad geboren und studierte Ingenieurwissenschaften und Schiffbau, bevor er 1965 nach Paris zog, um an der Ecole des Beaux Arts Kunst zu studieren. 1969 wanderte er nach New York aus und arbeitete in der Filmindustrie als Setschreiner und Kameraassistent.
Seit 1988 ist er Project Manager für das New Yorker Housing Preservation and Development Department – eine Art Denkmalpflege. Dank dieses Jobs kennt er jede Ecke von New York und trifft auf dem Weg zu Häuserinspektionen stets auf weitere gemalte Anzeigen. «Ich halte immer nach speziellen Details und Nuancen Ausschau, die Maler den Zeichen verliehen hatten», sagt Mitrovich über seine Expeditionen. Fotografie studierte er an der School of Visual Arts und im Maine Photographic Workshop.
New York zählt die meisten Zeitzeugen der «Wall Dogs»
Um die Jahrhundertwende besass fast jedes Geschäft, Hotel oder Restaurant eine auf die Fassade gemalte Reklame. Besonders für Hersteller von Konsumgütern wie Coca-Cola galten sie als damalige Möglichkeit grossflächiger Aussenwerbung. Sie hatten Prestige und waren profitabel.
New York verfügt deshalb über eine der höchsten Konzentrationen dieser Zeitzeugen. Aus heutiger Sicht kommen die Reklamen oft herzerwärmend naiv daher: Sie ermuntern die Passanten, ihre Schuhe zu polieren, um anständig auszusehen, sie fordern als Mittel gegen Depressionen auf, ins Kino zu gehen, oder treiben dazu an, für zehn Cents eine Flasche Omega Oil zu kaufen, um die steifen Gelenke und schmerzenden Muskeln zu kurieren.
Die heutige Version grossflächiger Aussenwerbung erscheint auf riesigen Vinylnetzblachen, die ganze Häusserfassaden zudecken: Eine 1990 entwickelte Technik ermöglicht es, digitale Bilder auf grosse Rollen des Materials aufzudrucken, das anschliessend an Hausmauern befestigt wird. Die Bilder kommen dem Bedürfnis nach Schnelllebigkeit der Werbemotive und Kampagnen entgegen, können rasch hergestellt, auf- und wieder abgehängt werden. Weil sie Häuser ganz zudecken – selbst Fenster, wofür sich Wohnungsbesitzer bezahlen lassen –, sind sie kontrovers.
In den USA sind gemalte Anzeigen noch immer zu sehen
Gemalt werden Anzeigen immer seltener. Ausnahmen bilden einzelne kleine Geschäfte oder die «Player’s Navy Cut»-Zigarettenkampagne, die Leo Burnett Chicago vor vier Jahren für Philip Morris gestaltete: Auf den auf verschiedenen Hausmauern in New York und anderen Städten gemalten Zigarettenlogos wurden absichtlich einige Backsteine ausgelassen, um den nostalgischen Charme der alten Reklamen nachzuempfinden.
Auch an der Houston Street in Greenwich Village sind neue handgemalte Anzeigen für Stolichnaya-Wodka und Casio-Uhren zu sehen. Im Unterschied zu den alten Anzeigen, die meist nur aus Schriftzügen bestanden, geben die neuen aber meistens grössere Formate der gleichzeitig laufenden Printanzeigen und Bilder der Produkte wieder.
Trotz der nostaligischen Gefühle, die Mitrovich und seine Frau für die «Wall Dogs»-Anzeigen haben, sprechen sie sich gegen eine denkmalpflegerische Erhaltung der Anzeigen aus. «Es würde ihren ganzen Charakter zerstören», erklärt Linda Cooper Bowen, Mitrovichs Frau.
«Wall Dogs» sind Abenteurer, Künstler und Akrobaten
Mitrovich kennt noch einige aus der alten Garde der «Wall Dogs» persönlich. Die meisten haben eine Kunstausbildung absolviert und verbrachten Jahre ihres Lebens auf einem Gerüst in schwindelnder Höhe. Laut Cooper Bowen handelt es sich um eine ungewöhnliche Spezies, eine Mischung aus Abenteurern, Künstlern und Akrobaten. «Sie schwärmen davon, an einem stürmischen Tag mitten im Winter Dutzende von Metern über dem Boden irgendwo am Times Square zu arbeiten, was für jeden anderen ein Horror wäre», sagt sie mit Bewunderung.
Die Aufgabe der «Wall Dogs» umfasste oft nicht nur das Malen, sondern auch das Layout und die Herstellung der Farbe. Bis in die Vierzigerjahre mischten sie Pigmente mit weisser Bleipaste und Leinöl. Das Blei ist vermutlich für die Langlebigkeit der Zeichen verantwortlich, aber höchst giftig.
Gegenwärtig arbeiten Sava Mitrovich und Linda Cooper Bowen an einem Buch, zu dem sie die Texte schreibt. Sie planen, in weiteren Städten der USA nach alten Fassadenreklamen zu suchen und diese in das Buch aufzunehmen.
«Art of the Wall Dogs: The painted Signs of Yesteryear», Municipal Art Society, 457 Madison Avenue und 51st Street, Mo–Sa, 11–17 Uhr, bis 29. April.

«Wir haben unser Budget angepasst»

TV3-Chef Jürg Wildberger über die radikalen Programmänderungen bei seinem Sender

TV3-Chef Jürg Wildberger über die radikalen Programmänderungen bei seinem SenderUmstruktierungen im Programm am Laufmeter – das ist derzeit der einzige sichere Wert bei TV3. Senderchef Jürg Wildberger ist überzeugt, dass nur wirklich neue Formate eine Chance haben im Schweizer Publikumsmarkt. Die aber sind rar und teuer.Mit der neuen Absetzung diverser Eigenproduktionen erwirkt TV3 einen Kahlschlag im Programm. Welches ist Ihre Vision?
Jürg Wildberger: Das ist kein Kahlschlag. Diese Sendungen laufen in dieser Saison aus und werden im Herbst nicht fortgesetzt. Wir müssen konsequent auf Programme setzen, die im Publikumsmarkt einen Aufwärtstrend zeigen. Für alles andere haben wir einfach keinen Platz mehr.
Welche Lehren ziehen Sie aus den ersten sieben Monaten von TV3.
Wildberger: Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass niemand auf uns gewartet hat. Wenn man in der Schweiz eine Alternative zum etablierten Angebot aufbauen will, muss man wirklich sehr gut sein. Chancen haben nur wirklich neue Dinge, die sich deutlich vom Angebot auf SFDRS und der deutschen Sender unterscheiden.
Konkret: Welche neuen Sendungen plant TV3 anstelle der abgesetzten Programme?
Wildberger: Im Moment diskutieren und verhandeln wir. Entscheide sind noch keine gefallen. Vieles hängt davon ab, ob wir «Big Brother» bringen oder nicht. Kommt die Sendung, dann haben wir während fünfzehn Wochen täglich ein starkes Programm.
Mit Sendungen wie «Robinson», «Millionärsshow» oder «Big Brother» lassen sich kurzfristig Erfolge erzielen. Sind sie aber aus dem Programm, ist auch das Publikum weg. Solche Sendungen sind kein Rezept, um regelmässig Zuschauer zu binden. Die aber braucht TV3.
Wildberger: Wir sind immer noch in der Aufbauphase und müssen Reichweite schaffen. Da helfen solche Programme. Aber wir sind auch an einem Punkt, wo wir festere Strukturen schaffen müssen, damit die Leute uns auch regelmässiger schauen. Das ist klar. Deshalb überlegen wir uns zum Beispiel für den Herbst, die «Millionärsshow» regelmässig einmal pro Woche zu senden.
Diese Quotenrenner sind auch wahnsinnig teuer. Sie lassen sich ja gar nicht refinanzieren.
Wildberger: Im Moment stimmt das. Aber Sendungen wie «Robinson» oder die «Millionärsshow» haben eine Marketingfunktion. Wenn wir solche Formate künftig regelmässig senden, sinken auch die Produktionskosten. Für den Herbst planen wir, die «Millionärsshow» regelmässig einmal wöchentlich zu bringen, und auch von «Robinson» wird es im nächsten Jahr eine neue Auflage geben.
TV3 hat seine Programminvestitionen in den werbeschwachen Monaten heruntergefahren. Für einen neuen Sender ist es gefährlich, sich nach den Zyklen der Werbewirtschaft zu richten. Zuerst müssen Sie ja die Zuschauer gewinnen, und das funktioniert nur mit einem konstanten Programm.
Wildberger: Wir müssen auch die Einnahmen und Ausgaben einigermassen im Gleichgewicht halten. Ein teures Programm, das viele Zuschauer anlockt, aber wenig Werbeeinnahmen generiert, können wir uns nicht leisten.
Auch die Werbewirtschaft pocht auf ein berechenbares und deshalb konstantes Programm. Das ist nicht möglich, wenn Sie dauernd umbauen.
Wildberger: Die Werbung will regelmässige Leistungen durch die ganze Woche planbar auf ein Jahr oder ein halbes. Leider kann man das aber nicht garantieren, solange der Sender im Aufbau ist. Immerhin: Bis zum Sommer verändern wir jetzt ganz bewusst überhaupt nichts. Auf den Herbst hin stellen wir dann vieles wieder um, das ist richtig.
TV3 hat ja nicht nur mit Eigenproduktionen Mühe. Auch die grossen Filme haben zu wenig Publikum. Selbst Blockbusters bleiben meistens deutlich unter fünf Prozent Marktanteil.
Wildberger: Das ist richtig. Wir sind auch hier noch nicht dort, wo wir hin wollen. Filme brauchen einfach Zeit. Schweizer Sender haben das Image, keine guten Filme zu bringen. Dagegen müssen wir kämpfen und Zeichen setzen. Zum Beispiel haben wir jetzt «Titanic» programmiert, gleichzeitig mit den Sendern in Deutschland und Österreich.
Das wird aber wohl eine Ausnahme bleiben. Bei den Erstausstrahlungsrechten werden die finanzkräftigen Pro7 und RTL die Nase immer vorn haben.
Wildberger: Vorausstrahlungsrechte sind für uns in der Regel nicht bezahlbar. Gleichzeitige Ausstrahlungen muss man hart verhandeln. Da sitzen wir im selben Boot wie SFDRS.
TV3 spricht wieder von steigenden Marktanteilen. Das ist aber nur auf aussergewöhnliche Formate wie «Robinson» oder «Millionärsshow» zurückzuführen. Andere Sendungen haben nicht zugelegt.
Wildberger: «Robinson» und «Millionärsshow» zeigen uns, dass wir mit dem richtigen Programm eine Chance haben im Markt. Daneben legen Sendungen wie «Fohrler live» oder die Serie «Eine himmlische Familie» zu.
Solche neuen, erfolgreichen Formate sind aber knapp und die Lizenzen dafür sehr teuer. Ein ganzes Vollprogramm lässt sich damit wohl nie füllen.
Wildberger: Es gibt im Moment sicher fünfzehn Formate, die das Potenzial haben, eine Top-Sendung zu werden, und die wir sofort machen könnten. Aber natürlich ist das immer eine Frage des Geldes.
Und das fehlt, wie die massiven Einsparungen im Programm von TV3 belegen. Die Kürzungen passierten kurz nach der Übernahme Ihrer Partnerin SBS durch die UPC. Sind die aktuellen Sparanstrengungen als Signal Ihrer neuen Miteigentümerin zu deuten?
Wildberger: Unser aktueller Kurs hat überhaupt nichts mit der Übernahme der SBS durch UPC zu tun. Die Übernahme ist noch nicht vollzogen. Sicher ist, dass UPC selber eine langfristige Investitionsstrategie hat. Und sie braucht dazu Content aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. UPC will in diese Länder.
Aber Sie gehen mit Ihren Mitteln sparsamer um, das ist offensichtlich.
Wildberger: Wir müssen versuchen, Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu halten. Unsere Werbeeinnahmen sind tiefer als geplant. Das wirkt sich natürlich auch auf das Budget aus.
Ursprünglich hatte TV3 ein Jahresbudget von 73 Millionen Franken. Um wie viel haben Sie es zurückgenommen?
Wildberger: Wir haben unser Budget den geringeren Einnahmen angepasst. Zahlen kann ich aber keine nennen.
Haben Sie auch Ihre Marktanteilsziele revidiert? Vor dem Start von TV3 war ja die Rede von einem Marktanteil von 10 bis 15 Prozent in drei Jahren. Das scheint im Moment nicht mehr realistisch?
Wildberger: Unsere Zielsetzung ist immer noch ein Marktanteil von zehn Prozent, und im Augenblick steigen die Ratings.
TV3 hat nicht nur mit seinem Programm Sorgen. Jetzt kommt auch noch das Bakom und klärt ab, ob TV3 mit der Absetzung von «News um 7» seine Konzession verletzt.
Wildberger: Ich bin optmistisch, dass das Verfahren zu unseren Gunsten ausgehen wird. Information findet ja nicht nur in den Newssendungen statt. Wir haben eine ganze Reihe anderer infolastiger Programme wie etwa «Fohrler live» oder die Dokumentarfilme. Interview: Daniel Schifferle

Schweizer hören länger Radio

Ausländische Sender sind in allen Landesteilen auf dem Rückzug

Ausländische Sender sind in allen Landesteilen auf dem RückzugVon Markus Knöpfli Der Stellenwert des Mediums Radio nimmt in der Schweiz nach einem Einbruch im Jahr 1996 wieder zu, ist aber immer noch tiefer als im Jahr 1995. Von diesem Aufschwung profitieren die Tessiner SRG-Programme, in der Deutschschweiz und der Romandie die Privatradios. Die ausländischen Programme dagegen verlieren – auch im langjährigen Vergleich.
Die neusten Zahlen der SRG-Radio-Studie sagen vor allem eines: Die Zahl der Radiohörer in der ganzen Schweiz bleibt stabil. In der Deutschschweiz schalten werktags 77 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren das Radio ein, in der Suisse romande sind es 70 Prozent und in der Svizzera italiana 71 Prozent. Eine seit 1996 unveränderte Situation – mit ganz kleinen Abweichungen im Tessin.
Zugenommen hat jedoch die Radionutzung: In der Deutschschweiz und in der Westschweiz nahm sie um je zwei Minuten auf 200 beziehungsweise 140 Minuten zu, in der SI konnte das Medium um zwölf auf 146 Minuten zulegen. Trotz dieses Sprungs ist die Nutzung im Tessin noch 20 Minuten und diejenige in der SR neun Minuten unter dem Wert für 1995. In der Deutschschweiz hingegen ist bezüglich Hördauer ein neuer Rekordwert erreicht worden.
Geht man in die Regionen, lassen sich weitere Unterschiede feststellen: Während in der Deutschschweiz SRG-Radios, private und ausländische Sender in etwa stabile Tagesreichweiten aufweisen, nähern sich Private und SRG bezüglich Hördauer an. So werden die SRG-Programme seit 1996 fünf Minuten weniger lang gehört (neu 94 Minuten), die Privaten legten in der gleichen Zeit aber um neun auf 80 Minuten zu.
Entsprechend haben sich die Marktanteile verschoben: Die SRG kommt auf 47 Prozent (minus ein Prozent gegenüber 1998), die Privaten auf 40 Prozent (plus zwei Prozent), und die ausländischen Sender fielen um einen Punkt auf 13 Prozent.
Auch in der Suisse romande weisen SRG-, private und ausländische Sender stabile Reichweiten auf, doch hier legen die Privaten bei der Hördauer auf Kosten der ausländischen Radios zu, die SRG-Programme hingegen bleiben gegenüber 1998 stabil (plus eine Minute). Die neuen Zahlen: SRG 59 Minuten, Private 55 Minuten (plus fünf Minuten), Ausländer 25 Minuten (minus fünf Minuten). Die SRG hält ihren Marktanteil bei 42 Prozent, die Privaten steigern sich um vier auf 40 Prozent, und die Ausländer fallen von 22 auf 18 Prozent zurück.
Im Tessin sieht es ganz anders aus: Obwohl die Privaten ihre Tagesreichweite vor allem auf Kosten der SRG um zwei auf acht Prozent steigern konnten, hat die SRG dennoch Marktanteile zugelegt. Neu kommt sie auf 77 Prozent (plus fünf Prozent), die Priavten auf neun (plus ein Prozent), die ausländischen Sender hingegen haben nur noch 14 Prozent (minus sechs Prozent).
Die SRG-Programme konnten sich steigern, weil sie deutlich länger gehört werden als 1998. Die Zunahme beträgt 15 Minuten (neu 121 Minuten), bei den Privaten waren es dagegen nur zwei Minuten (neu 14), und die Ausländer bleiben sechs Minuten weniger lang (neu 23 Minuten) eingeschaltet.

Schweizer schauen länger TV

Fernsehkonsum steigt leicht an – SF DRS hält Marktanteile stabil

Fernsehkonsum steigt leicht an – SF DRS hält Marktanteile stabilDie regionalen SRG-Sender waren wie in den Vorjahren auch 1999 wieder die jeweils klar am meisten beachteten Programme.In der deutschen Schweiz wurde 1999 fünf Minuten mehr fern gesehen als im vorangehenden Jahr, es waren im Durchschnitt pro Tag 137 Minuten (1998: 132 Minuten). In der Suisse romande mit 161 Minuten (1998: 154 Minuten) und auch in der Svizzera italiana mit 170 Minuten (1998: 164 Minuten) pro Person war die Zunahme der TV-Nutzung noch deutlicher. In allen drei Landesteilen sassen Frauen länger vor dem Bildschirm als Männer.
Auf die Sender der SRG entfielen dabei in der Deutschschweiz 46 Minuten (1998: 45 Minuten), in der Westschweiz 58 Minuten (1998: 56 Minuten) und im Tessin 61 Minuten (1998: 58 Minuten).
Obwohl 1999 die Zahl der TV-Programme in der Deutschschweiz zugenommen hat, verzeichnete SF DRS in der Prime Time mit 42,2 Prozent den gleichen Marktanteil wie im Vorjahr (42,5 Prozent). Es fand allerdings eine «Rückverlagerung» des Publikums von SF 2 (6,6 Prozent/minus ein Prozent) auf SF 1 (35,6 Prozent/plus 0,7 Prozent) statt. Tele 24 kam in seinem ersten vollen Jahr auf 2,6 Prozent, TV 3 in den letzten vier Monaten des Jahres 1999 auf 2,7 Prozent.
Die TSR (TSR 1+TSR 2) lag mit 38,2 Prozent etwas unter dem Wert von 1998 (39,1 Prozent). Die TSI (TSI 1 + TSI 2) verbesserte mit 39,7 Prozent den Vorjahreswert (38,2 Prozent) deutlich. Besonders TSI 1 (34,0 Prozent/plus 1,3 Prozent) legte klar zu, TSI 2 blieb mit 5,7 Prozent praktisch stabil. Tele Ticino kam im 2. Halbjahr 1999 auf einen Marktanteil von einem Prozent.
Ein Wort zur Nutzung von Videorecordern: 69 Prozent der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren verfügen über einen Videorecorder (Deutsche Schweiz: 67 Prozent, Suisse romande: 76 Prozent, Svizzera italiana: 67 Prozent). In der Deutschschweiz wurden Videoabspielungen während 51, in der Westschweiz während
60 und im Tessin während 54 Minuten pro Tag konsumiert. In allen drei Regionen wird Video nach wie vor von Kindern (3–14 Jahre) häufiger genutzt als von Erwachsenen. Markus Knöpfli

«Ich will dein Ecstasy sein»

Mit Slang-Headlines wirbt ein Unbekannter in den USA für mehr Religiosität

Mit Slang-Headlines wirbt ein Unbekannter in den USA für mehr ReligiositätVon Thérèse Balduzzi In Amerika macht eine ungewöhnliche Kampagne von sich reden: Auf Plakaten und am Fernsehen spricht Gott in vierzig Staaten in Umgangssprache zu den Menschen. Der Auftraggeber will anonym bleiben.
«Treffen wir uns am Sonntag bei mir zu Hause. – Gott», «Hast du meinen Nr.-1-Bestseller gelesen? – Gott» oder «Das mit hab ich wirklich so gemeint – Gott» stand 1998 auf Werbetafeln in Florida. Dahinter steckte ein anonymer Auftraggeber, der eine Hand voll Werbeflächen in Fort Lauderdale (Florida) gemietet hatte, um seine private Interpretation von Bibeltexten zu verbreiten. Die Branchenorganisation für Aussenwerbung Outdoor Advertising Association of America (OAAA), die jährlich eine Public-Service-Kampagne kostenlos aufnimmt, sorgte für eine landesweite Verbreitung der Kampagne auf über 10000 Werbetafeln in 40 Staaten.
In ihrer soeben angelaufenen neuen Phase richtet sich die Kampagne spezifisch an Jugendliche. Auch diese wird in vierzig Staaten auf Plakaten, in Bussen, an Bushaltestellen und in Einkaufszentren gezeigt und als Fernsehspot, in dem die Botschaften zu Technomusik auf den Bildschirm gesprayt werden, ausgestrahlt.
Für die «God speaks to Kids»-Kampagne spricht Gott im Slang der amerikanischen Jugend: «Let me be your ecstasy», «Think I planted stuff down here for you to smoke?» und «Yo, casual sex is on my list of deadly sins» lauten die anbiedernden Sprüche an Amerikas Jugend.
Die 16 Botschaften an die Jugendlichen drehen sich vor allem um Alkohol, Drogenmissbrauch, geschiedene Eltern, Sex, Hass und Gewalt und basieren auf den zehn Geboten. Auf der Website www.wuzupgod.com wurde ein Forum eingerichtet, in dem Jugendliche ihre Gedanken dazu austauschen können.
Gestaltet wurden beide Kampagnen von der Agentur SmithAgency.com, einer Tochtergesellschaft von QuikBIZ Internetgroup in Fort Lauderdale. Die zweite Runde wurde in Zusammenarbeit mit Gateway Outdoor Advertising aus Turtle Creek (Pennsylvania) lanciert, die das Geld für die Platzierung von Billboards in 15 Märkten gespendet hat.
Gateway hat auch Verbindungen zu weiteren Firmen für Aussenwerbung hergestellt, die die Kosten für acht zusätzliche Märkte übernommen haben. Die Kampagne wird vor allem in städtischen Gebieten, darunter New York, Los Angeles, Denver, Washington D.C., Miami, Albuquerque, Oklahoma City und Philadelphia erscheinen.
Vom Kunden, der weiterhin anonym bleiben will, wurde über die Agentur folgendes Statement veröffentlicht: «Täglich sehen wir zu, wie unsere Kinder sterben und unsere Familien zerstört werden. Wenn die Leute mit Gott reden, eine Beziehung mit Gott etablieren und sich von seinen Regeln leiten lassen, werden wir Leben zu retten beginnen.»
Über den geheimnisvollen Auftraggeber ist nur bekannt, dass es sich um eine Einzelper-son handelt, einen Mann, der wegen des Lewinsky-Skandals und der Schiessereien auf amerikanischen Schulhöfen Religionsbedarf witterte. Nach Aussagen von Insidern der SmithAgency handelt es sich um einen mächtigen, reichen Mann, dem enge Verbindungen zur evangelischen Gemeinde nachgesagt werden.
MTV hat die Spots des Unbekannten abgelehnt
Kritik an der Kampagne drehte sich höchstens um die Frage, ob es ethisch in Ordnung sei, Gott solch saloppe Sprache in den Mund zu legen. In einem Land, in dem die religiöse Rechte in den vergangenen Jahren an Macht zugelegt hat und sich gewohnt ist, ihre Meinungen zu verbreiten und durchzusetzen, erstaunt es, dass die Kampagne keine grundsätzlicheren Debatten ausgelöst hat. Nur vom Kabelsender MTV ist bekannt, dass er die Werbung aus diesem Grunde abgelehnt hat, der schwarze Musiksender BET hat sie dagegen angenommen.

«Viele Chancen auf Zuger Strassen»

Daniel Brunner will die Zuger Presse auf Vordermann trimmen

Daniel Brunner will die Zuger Presse auf Vordermann trimmenVon Bruno Amstutz Das Experiment Zuger Presse treibt auf den Ruin zu. Die Alternative zur mächtigen Konkurrenz Neue Zuger Zeitung hat ihre finanziellen Reserven aufgebraucht. Jetzt will Daniel Brunner das Ruder herumreissen.
«Ich bezeichne mich als ungeduldig, aber langmütig. Doch meine Langmut ist am Ende.» Landis-&-Gyr-Erbe Daniel Brunner will die Geschäfte der Zuger Presse selbst in die Hand nehmen. Als einer der Hauptaktionäre und Gründungsväter der Zeitung hat er auch einen grossen Teil der finanziellen Verluste zu tragen: 1,3 Millionen Franken betrugen sie im vergangenen Jahr.
Jetzt zieht Brunner die Notbremse und macht sich daran, die Weichen neu zu stellen, und zwar in Alleinregie. Dazu braucht er die Zustimmung der anderen Aktionäre. Brunner besitzt zwar jetzt schon 23,5 Prozent der Aktien, das Stimmengewicht ist jedoch auf 10 Prozent beschränkt. Diese Regelung muss am 9. Mai mit einer Stimmenmehrheit von 75 Prozent aufgehoben werden, damit Brunner schalten und walten kann, wie er es sich wünscht.
Sein Griff nach der Aktienmehrheit und der Geschäftsführung muss zwar noch genehmigt werden, doch Brunners Vorstellungen über die Neuausrichtung der Zuger Presse sind schon konkret. «Mit Print alleine kommen wir nicht in die schwarzen Zahlen», ist er überzeugt, «aber Chancen liegen viele auf den Zuger Strassen.»
Das grösste Potenzial liegt im Internet
Vor allem im Internetbereich wittert Brunner grosses Potenzial und will so die Not der Printausgabe zur Tugend der neuen Zuger Presse machen. Eine Tageszeitung wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht finanzierbar, die hohen Kosten zwingen die Herausgeber sogar zur Reduktion der Printausgaben: Ab dem Herbst 2000 wird die Zuger Presse statt dreimal nur noch zweimal pro Woche erscheinen.
Die Aktualität liefert die Zuger Presse ins Netz, weil sie die Printausgabe nicht mehr ständig gewährleisten kann. Dort eröffnen sich auch neue Einnahmequellen: Bannerwerbung, abonnierbare Informationschannels und e-Shops.
«Wir wollen nicht mehr nur Print und Inserate verkaufen», erklärt Daniel Brunner das Konzept, «denn Wahlmöglichkeiten steigern die Konsumfreude.» Diskussionsforen und Marktplätze sollen die aktive Teilnahme des Publikums fördern, eine Webfactory Dienstleistungen anbieten.
Ein zweites Standbein tut dringend Not, denn die Printversion der Zuger Presse wird einer Rosskur unterzogen. Die Montagsausgabe wird gestrichen, ebenso die Frühzustellung. Diese Massnahmen reduzieren die Kosten, doch müssen auch die Abonnementspreise gesenkt werden, und weniger Ausgaben bedeuten logischerweise auch einen Inseraterückgang.
Ende dieses Jahres läuft zudem das Abokombi mit dem Tages-Anzeiger aus, eine Weiterführung ist nicht gesichert. Brunners Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit ist gross, aber er bleibt Realist: «Das Kombi war günstig für die Zuger Presse, für den Tages-Anzeiger jedoch teures Marketing. Zug ist aber längerfristig ein interessantes Pflaster.» Rund die Hälfte der Auflage von derzeit knapp 5500 Exemplaren der Zuger Presse wurden durch das Abokombi generiert.
Um wieder Inseratekunden zu gewinnen, wird sich die Zuger Presse im Herbst einem Redesign unterziehen. Klare Rubrikengliederung und langfristig geplante Spezialseiten sollen Inserenten anlocken, Marktplätze und Unterhaltungsseiten die Lesefreude steigern. Eine komplette Neupositionierung schwebt Daniel Brunner aber nicht vor: «Wir haben eine publizistische Klammer, die verschiedenste Bevölkerungsschichten zusammenhält. Das möchten wir auch beibehalten.»
Daniel Brunner als alleinigen Kapitän der Zuger Presse zu sehen könnte einigen Zugern nicht gefallen. Seine Vergangenheit als links-grüner Regionalpolitiker hat ihm den Spitznamen «der rote Dani» eingebracht. Doch diese Angriffsfläche will Brunner in seiner Position nicht bieten. Sowohl die Redaktion als auch er selbst betonen die publizistische Unabhängigkeit der Zuger Presse. Brunner will keine Zuger WoZ kreieren und möchte nur in seiner Funktion als Unternehmer gesehen werden, nicht als Politiker.
Fachliche Kompetenz statt politischer Ausrichtung
Auch der Verwaltungsrat soll zukünftig ein fachlich ausgerichtetes Organ darstellen und kein politisches. Ein erster Schritt zur Auffrischung ist getan mit der Beteiligung von Matthias Luchsinger, CEO der Cinecom & Media AG. «Matthias soll seine fachliche Kompetenz einbringen», so Brunner, «und er ist auch ein Imagegewinn.» Die Mitarbeit von Luchsinger, hofft Brunner, könnte auch positive Signale in Richtung TA-Media aussenden.

Fotografen unter Strom

Ende vergangener Woche lud Das-Magazin-Chefredaktor Roger Köppel zur alljährlichen Fotonacht ins EWZ-Unterwerk Selnau in Zürich.

Ende vergangener Woche lud Das-Magazin-Chefredaktor Roger Köppel zur alljährlichen Fotonacht ins EWZ-Unterwerk Selnau in Zürich.Von Beat Fritsch Im Gegensatz zu verblichenen Fotonächten ging es geradezu gesittet zu. Obwohl hinter der zentral aufgebauten Bar die Creme der Zürcher Barfrauen und Barmänner um die Wette schüttelten, mochte das Ganze keine Partydynamik zu entwickeln. Viel Kultur- und andere Prominenz erschien, und so behielt die Einladung den ganzen Abend das – zugegebenermassen auch nicht unangenehme – Niveau einer gut betuchten und besuchten Vernissage.
Fürs Auge bietet die Magazin-Fotonacht einiges, ist sie doch Wettbewerb und Werkschau der Schweizer Fotojungstars zugleich. Die Jury um Thomas Cugini hatte einiges an Einreichungen zu bewältigen. Den Fotopreis überreichte Cugini zusammen mit Magazin-AD Wendelin Hess und Bildredaktor Tiberio Cardu an Gewinner Peter Tillessen.
Die Basler Soulinterpretin Nubya legte eine überzeugende Leistung aufs Parkett, aber leider ging der musikalische Auftritt etwas unter. Die Band war über den Köpfen der Besucher in einer Saalecke postiert und konnte die Aufmerksamkeit der smalltalkenden Gäste nicht für sich gewinnen. Im Gegensatz dazu das Fotostudio im oberen Stockwerk: Die digitale Fotoecke der Magazin-Crew, ausgestattet mit Finessen und Kulissen, fand Anklang. Ganz der Location entsprechend durfte man als Frankensteins Braut oder Bräutigam auf einem elektrischen Stuhl posieren.
Gesponsert wurde der Anlass neben dem EWZ vom Mobilfunkanbieter Orange. Kommunikationsleiter Andreas Wetter überzeugte sich vor Ort gleich selbst von der Qualität des Events.
Das Publikum präsentierte sich als Melange aus Werbern, Journalisten und Verlagsleuten. Als einer der ersten Gäste aus dem Kommunikationskuchen wurde ASW-Vorstandsmitglied Stefan Hofmann mit Begleiterin Analoú Pereira gesichtet. Die Führungscrew der ASW scheint sich die Repräsentationspflichten geschickt aufzuteilen. Bereits am Nachmittag sahen wir Präsident Diego Bally als ASW-Vertreter an der GV der Direktmarketer.
Christoph Bürge, Client Service Director bei der Migros-Agentur Exxtra, tauchte in Begleitung von Petra Hiltenbrand, Beraterin bei Advico Young & Rubicam, Tina Röckl von Tally Wejl und Philipp Skrabal, AD bei Matter und Partner, auf. Vom Zürcher Werbehaus sah man Rafael Müller zusammen mit Markus Graber von der TA-Media und Beat Frei von Frei & Glaus. Thomas Weber von der PR-Agentur Publicum kam mit dem Fotografen Roland Tännler und Sabina Diethelm vom Bolero. Gar aus dem Bündnerland angereist sind Hanspeter Lebrument und Myriam Engler. Qualimedia-Geschäftsführer Christof Kaufmann freute sich über den Gewinn des Budgets von Internetwunder Day.
Sorgen plagen indessen Christoph Meier und Josi Bauer. Als Bierliebhaber und auf Grund der jüngsten Entwicklungen befürchten sie, dass bald die ganzen Mediafranken für Bierinserate den Rhein hinunterfliessen.
Von den gezeigten Bildern begeistert zeigten sich Fridolin Holdener und Inge Willmann. Die diplomierte Werbeleiterin soll bei der Personalvermittlerin VMK den Bereich Kommunikation ausbauen. Ihre ehemalige Arbeitgeberin, die britische Editorialagentur Forward Publishing, hat sich wieder aus der Schweiz verabschiedet. Mit dem Abgang von Loeb/Hasen aus der Migros-Chefetage wurden auch einige ihrer Projekte eingestellt. Darunter ein Food- und Lifestylemagazin, an dem Forward Publishing arbeitete.
Beat Fritsch

bestaunte an der Magazin-Fotonacht Werke Schweizer Fotoschaffender, war aber letztlich vom lebenden Kunstwerk Monika Schärer am meisten begeistert.
Wer sich sonst in der Werbeszene fotografisch festhalten lässt, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Wer jedoch den definitiven Sprung auf die begehrten Shortlistplätze schafft, entscheidet die Redaktion. Haben Sie tatsächlich schon jetzt etwas zu berichten? Dann greifen Sie mal schnell zum Hörer (01 296 97 98) oder mailen Sie an [email protected]. Online gibt es Veranstaltungstipps bei www.werbewoche.ch.

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