Bevor sich Frank Bodin, CD von McCann-Erickson, Genf, für die Werbung entschied, war er in der Musikwelt zu Hause. Nach dem Konservatorium versuchte er sich als Regieassistent von Giancarlo del Monaco und Bob Wilson an der Hamburger Staatsoper. Zwölf Jahre später macht er Werbung für das Zürcher Opernhaus. Engagiert wurde er von Ballettdirektor Heinz Spörli zwecks Bewerbung der choreografischen Neuinszenierung von Sergej Prokofjews Cindarella. Mit der Dramatisierung des in der Schlüsselszene verlorenen Schuhs gelang dem Wahlgenfer eine raffinierte Kommunikation des Spitzentanzes.Publicis legt Facts ein Osterei. Die Wochenzeitschrift Facts will sich vom «Boulevard-Heftli» zu einem Magazin entwickeln, «das einen intelligenten Boulevard-Stil pflegt.» Ein gründliches Redesign, dem die Zeitschrift eben unterzogen worden ist, unterstützt dieses journalistische Ziel (siehe WerbeWoche 13/00). Nun setzte die Zürcher Werbeagentur Publicis die aus der Neugestaltung resultierende optimierte Übersichtlichkeit des Magazins mit einem plakativen Sujet um: Der Umstand, dass das neue Facts-Layout im Ostermonat lanciert worden ist, inspirierte die Kreativen von der Theaterstrasse zu einem Motiv, das sich an den Brauch des Osternestsuchens anlehnt. Die Umsetzung, die sich wahrlich nicht zu verstecken braucht, wurde auch als Inserat produziert.
Gasche und Räz lancieren Geld-Update. Die Herausgeber von K-Tip und Puls-Tip, Urs P. Gasche und Hans Räz, wollen im Juni ein Heft mit dem Titel Geld-Update lancieren. Geplant sind laut SonntagsZeitung sechs bis acht Ausgaben pro Jahr. Darin erhalten die Leser Informationen über Anlagefonds, Immobilienpreise, Steuern und Erben. Das Heft wird voraussichtlich mit einer Auflage von rund 45000 Exemplaren starten. Projektleiter von Geld-Update ist Fredy Hämmerli, ehemaliges Mitglied der Redaktionsleitung des K-Tip. Die Rorschacher Löpfe Benz verliert ausserdem die Druckaufträge für K-Tip, Puls-Tip und Bon à Savoir. Ab August werden die drei Hefte bei den AZ Grafische Betriebe in Aarau gedruckt.
Zürich Express und 20 Minuten Streiten weiter. Im Streit zwischen der 20 Minuten Schweiz AG und der Tagblatt der Stadt Zürich AG, Herausgeberin des Zürich Express, kam es vor dem Friedensrichter zu keiner Einigung. Beide Seiten beharrten nach übereinstimmenden Berichten auf ihrem jeweiligen Standpunkt. Bei dem Streit geht es um die Frage, ob die neue Pendlerzeitung 20 Minuten anfangs März von sich behaupten durfte, auf dem Platz Zürich die Nummer 2 aller Zeitungstitel zu sein. In der damaligen Aussage liess 20 Minuten aber den Zürich Express unberücksichtigt, weil von ihm keine vergleichbaren Zahlen vorlagen. Die zur TA-Media gehörende Tagblatt AG erwägt nun, gegen 20 Minuten beim Handelsgericht eine Klage wegen Verstosses gegen das Wettbewerbsrecht (UWG) einzureichen.
Nur drei Radios buhlen um die Raver. Vom 1. bis 30 August wird der Kabelsender Radio 105 Network vom Bundesamt für Kommunikation wieder eine UKW-Frequenz erhalten. Damit kann das Jugendradio zusätzlich zu seinem nationalen auch ein lokales Programm ausstrahlen. Kernpunkt dieses Programmes wird die Streetparade 2000 sein. Damit werden sich dieses Jahr «bloss» drei private Sender (Radio 24, Z, 105) um die Streetparade rangeln. Radio 24 hat darauf verzichtet, ebenfalls eine Sonderbewilligung für ein dreitägiges «Streetparadio» einzureichen.
Bond jagt Umweltsünder. Mit den Worten «words are not enough» wirbt Pierce Brosnan gratis für den Umweltschutzverband Forest Stewardship Council (FSC) für eine umwelt- und sozialverträgliche Waldnutzung. Glücklich darüber ist neben FSC auch WWF Schweiz: Als Mitglied der FSC kann die Schweizer Umweltorganisation das Inserat mit dem attraktiven Bond in der eigenen Zeitung publizieren.
RTL2 plant Neuauflage von «Big Brother». RTL2 plant im nächsten Winter eine weitere Auflage von «Big Brother». Die Sendung soll in ähnlichem Stil fortgeführt werden. In der Schweiz verhandelt TV3 mit TV-Produzent Endemol um die Lizenz für «Big Brother». Ein Entscheid ist für Mai angekündigt. Endemol hat in Holland ein weiteres Format mit verschärftem Ansatz gestartet: In der TV-Show «Gefesselt» werden fünf Person zusammen eine Woche lang in Ketten gelegt. Sie soll auch ins deutschsprachige Fernsehen gelangen.
«Bibi-Balù» bald auf der Leinwand. Mit dieser Ankündigung überraschte die Turnus Film AG in Gutenswil Branche und Medien. Das erfolgreiche Gaunermusical von Hans Gmür und Karl Suter – in den flippigen Sixties mit Ines Torelli ein Langläufer im Theater – soll neu gestylt in die Kinos kommen. 7,5 Millionen Franken beträgt das Budget (zum Vergleich: Beat Schlatters Megahit «Komiker» hat 2,6 Millionen Franken gekostet). Beteiligt sind neben Hans G. Syz mit seiner Turnus auch das Schweizer Fernsehen sowie die Motion Picture Corporation of Europe. Da «Bibi Balù» als unschweizerisch kommerziell ausgelegter Film kaum Förderungsgelder bekommen wird, soll die Komödie für den internationalen Markt konzipiert werden. Für die Kamera ist der Hollywoodschweizer Ueli Steiger vorgesehen. Regie wird der «Tatort»-Wiederholungstäter Daniel Helfer führen. Am Drehbuch arbeiten neben Ideenlieferant Gmür vor allem der Kabarettist Lorenz Keiser und der junge Hollywoodpendler Jann Preuss. Für die beiden Ganoven, die in der Story eine nationale Spendenaktion aufziehen und das gesammelte Geld kurzerhand selbst einstreichen, werden als Hauptdarsteller Erich Vock und Marco Rima angekündigt. Die Dreharbeiten sollen im April 2001 beginnen. Als Zeichen für die Neugestaltung der Schweizer Filmlandschaft mit dem Grossprojekt haben die beteiligten Firmen einen Reader im handlichen Kartenformat lanciert.
Editorial
Die Grundformen unserer Welt Gar gross war der Entrüstungssturm der deutschen Schriftsteller und Intellektuellen angesichts der Rechtschreibereform. In ihrem heiligen Zorn übersahen sie, dass die Reform der Schreibweise galt und nicht der Sprache; das eine ist nicht dem anderen gleichzusetzen. Als ob das Schriftbild der Sprache die Sprache selbst sei, bekämpften sie verbiestert die Reform, die ohne Zweifel eine willkommene Vereinfachung eines allzu komplizierten Regelwerkes brachte. Es ging um die Form und nicht um das Medium oder gar die Grundlagen der Sprache. Deren Gralshüter übersahen in ihrem Eifer, dass auch Goethes oder Hölderlins eigenwillige Rechtschreibung längst behutsam angepasst und aktualisiert worden war, ohne ihre Substanz zu beschädigen. Sprachentwicklung ist ein organischer Prozess, der sich nicht stillstellen lässt. Im Gegensatz zu den Puristen, die in Modewörtern, Anglizismen oder Sprachschöpfungen von Werbetextern Sprachverluderung und Kulturzerfall wittern, seis deshalb mit Goethe gesagt: «Die Gewalt einer Sprache ist nicht, dass sie das Fremde abweist, sondern dass sie es verschlingt.»
«Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt», hält der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein in seinem «Tractatus logico-philosophicus» fest. Dem bleibt nur noch beizufügen, dass der Mensch nun mal einen Trieb hat, gegen Grenzen der Sprache anzurennen und damit zu ihrer Erneuerung beizutragen.
Im Wissen darum, dass die Sprache lebt, veröffentlichen wir wieder jede Woche eine Sprachkolumne von Beat Gloor. Nach einem Sabbatical year meldet sich der Deutschlektor mit seinen Sprachbeobachtungen zurück. Vergangene Woche schrieb er über die konservative Schreibmaschine, diesmal geht es um die Grundformen der Welt (siehe Seite 8). Welcome back! Samuel Helbling
PS: 81 Sprachglossen von Beat Gloor sind kürzlich unter dem Titel «Staat Sex Amen» in Buchform erschienen. (ISBN 3-9521287-5-9)