Die NZZ-Gruppe spürt den Aufwind

Ertragssteigerung dank florierendem Anzeigengeschäft

Ertragssteigerung dank florierendem AnzeigengeschäftAuf ein gutes Geschäftsjahr 1999 blickt die NZZ zurück: Der betriebliche Gesamtertrag der Mediengruppe stieg um 6,2 Prozent auf 479,2 Millionen Franken. Das Betriebsergebnis erreichte mit 46,3 Millionen Franken einen Rekordwert. Laut NZZ ist die Ertragskraft mit Umsatzwachstum und weniger mit Effizienzsteigerung zu erklären. Nur gerade beim Bund haben die Sanierungsanstrengungen eine weitere Verbesserung der Ertragslage gebracht. Damit habe die Gewinnschwelle nun in etwa erreicht werden können.
Ursache für das Wachstum der Gruppe war das um 9,1 Prozent gestiegene Anzeigengeschäft. Dabei hätten alle drei Titel – NZZ, St. Galler Tagblatt und Bund – profitiert. Ein Wermutstropfen: Die Auflage des St. Galler Tagblattes schrumpfte im vergangenen Jahr um mehr als 5000 Exemplare oder 4,5 Prozent auf 110485 Exemplare. Der Taucher sei aber nicht zum vollen Nennwert zu nehmen, sagt NZZ-Verlagsleiter Tobias Trevisan. Der Grund dafür sei in Irrtümern bei der Berechnung der Auflage 1998 zu finden, als der Ostschweizer Zeitungsverbund entstanden war. Trotz Negativtrend bei der Auflage ging es der Zeitung gut. Weiter erklärte der NZZ-Verlagsleiter Trevisan dazu: «Dank Volumenzuwachs und Preiserhöhung konnte sie im Anzeigenmarkt sogar eine zweistellige Zuwachsrate verzeichnen.» (dse)

Die süsse Rache der E-Mailer

Der Massenversand von Werbe-E-Mails ist verführerisch kostengünstig. Dieses so genannte Spamming birgt aber auch erhebliche Imagerisiken.

Der Massenversand von Werbe-E-Mails ist verführerisch kostengünstig. Dieses so genannte Spamming birgt aber auch erhebliche Imagerisiken.Umfragen zeigen nämlich, dass etwa 90 Prozent der Befragten Massenwerbesendungen per E-Mail ablehnen. Die Angelegenheit ist zwar in der Schweiz gesetzlich noch nicht geregelt. Per Faustrecht können sich aufgebrachte Empfänger aber am Absender rächen, indem sie ihn mit E-Mails zuschütten. Wie Marketingexperten mit dem Medium korrekt umgehen – in der neuen Form eines Opt-in- oder auch Virusmarketings –, steht auf Seite 18

Aufgefallen: Was macht eigentlich James Last? Wen diese Frage gar in letzter Zeit beschäftigt hat, fand nicht etwa bei der Lektüre der Schweizer Illustrierten, sondern der Wirtschaftswoche Antwort darauf.

AufgefallenWas macht eigentlich James Last? Wen diese Frage gar in letzter Zeit beschäftigt hat, fand nicht etwa bei der Lektüre der Schweizer Illustrierten, sondern der Wirtschaftswoche Antwort darauf. Er bleibt seinem Klischee als germanischer

Aufgefallen Was macht eigentlich James Last? Wen diese Frage gar in letzter Zeit beschäftigt hat, fand nicht etwa bei der Lektüre der Schweizer Illustrierten, sondern der Wirtschaftswoche Antwort darauf. Er bleibt seinem Klischee als germanischer Orchesterdompteur treu und strahlt einem auf einem Ganzseiter in voller Pracht entgegen. Die Musikinstrumente bleiben allerdings im Hintergrund. Denn der Easy-Listening-Vater wirbt nicht etwa für das Revival seiner besänftigenden Klänge, sondern für Kleider der Marken Boss, Brax und Atwardson. Dem wäre auch nichts entgegenzuhalten, würde es sich dabei nicht um eine absolut antiquierte Garderobe handeln – sowohl in der Farb- als auch in der Modellzusammenstellung. Und das fühlt sich wie ein Kratzer auf den momentan absolut trendigen Last- CDs an. Warum? Weil es neben Burt Bacharachs Ohrwürmern im Stile von «I’ll Never Fall in Love Again» oder «The Look of Love» auch James Lasts Musik gelungen ist, dem musikalischen Geschmack der 30-Jährigen zu entsprechen. Also der Generation, deren Eltern schon zu diesen weichen Klängen shakten und sich damals so kleideten wie der Orchestermeister auf eben diesen Anzeigen. Mag ja sein, dass der in die Jahre gekommene Last so angezogen durch die Strassen spaziert, und es mag ja auch sein, dass Boss die ersten Versuche punkto Seniorenmarketing unternimmt. Doch angesichts der Popularität von James Last bei der jungen Generation wäre eine modernere Garderobe sicher nicht negativ aufgefallen. Auch der diamantene Ohrstecker macht die Sache nicht fett. Chandra Kurt
Kolumne

Etiketten
von Liz Sutter
Das Spiel ist einfach: Man schickt ein paar Leute hinaus, holt sie einzeln wieder herein und fordert sie auf, laut zu zählen und gleichzeitig ein paar Fragen zu beantworten. Eine Farbe? Ein Musikinstrument? Ein Werkzeug? Die häufigsten Antworten kann ich Ihnen jetzt schon verraten: Rot, Trompete, Hammer. Fragte man nach Komponisten, Malern und Dichtern, kämen bestimmt Mozart, Picasso und Goethe. Das Gehirn denkt eben oft nur bis zur nächsten Ecke. Auch Schreibende und Humorschaffende halten sich gerne an dieses bewährte Muster. Grossfusion? Elefantenhochzeit. Bundesrat Ogi? «Freude herrscht!» NZZ? Alte Tante. Margaret Thatcher? Eiserne Lady. Nina Hagen? Punkröhre. Wer irgendwo das Maul aufreisst oder sonstwie auffällt, wird gleich mit Amt und Würden versehen. Darum sind wir von Fresspäpsten, Medienzaren, Gurus und Königen nur so umzingelt. Auch Städte werden nicht verschont. Rom ist noch immer ewig, Paris voller Lichter und Zürich eine einzige Bank. In einem Artikel über Kunstraub im GEO wurde die Schweiz ein weiteres Mal die Alpenrepublik genannt, aber auch, und das war für mich neu und leicht erschütternd, «das schwarze Loch Europas», worin das Diebesgut verschwindet.
Nicht neu und trotzdem nicht totzukriegen ist hingegen das Etikett «neu». An Personen wirkt es speziell deplatziert. Wie oft hat man uns schon eine neue Callas, eine neue Monroe oder eine neue Piaf angekündigt? Als Strategie eher ungeschickt, aber völlig harmlos im Vergleich zum Versuch, Haider oder Blocher als neuen Hitler darzustellen. Das ist nicht nur falsch, sondern eine schlimme Verharmlosung des wirklichen Hitler. Was es bringt, haben wir in den vergangenen Wochen erlebt: Blocher dreht den Spiess einfach um. Ich würde mich nicht wundern, wenn uns die SVP-Agentur demnächst mit einem besonders originellen Inserat überraschte: Teilnehmer einer 1.-Mai-Parade mit Hitlergruss.
Sprachbeobachter

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Es gibt jetzt auch digitale Witze. Sagt ein Programmierer zum andern: «Schon gehört? Das digitale System soll vereinfacht werden.» Darauf der andere: «Glaub ich nicht. Was kann es Einfacheres geben als Null und Eins?» – «Null und Nicht-Null.»
Digitale Witze sind entweder lustig oder nicht – genau wie die andern. Auch ein Auto oder ein Radio ist digital (geht oder geht nicht) und sogar Bereiche des menschlichen Zusammenlebens: Bist du dafür oder dagegen? Haben wir genügend Geld? Kommst du jetzt am Sonntag? Sie liebt mich, sie liebt mich nicht …
Ist die Welt digital geworden? Das nun doch nicht. Viele Fragen lassen sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Wo waren Sie letzten Sommer in den Ferien? Nehmen Sie immer noch Drogen?
Nur die dargestellte Welt ist schon völlig digital. Das hat praktische Gründe: Informationen auf der Grundlage von Nullen und Einsen lassen sich besser speichern, besser bearbeiten, besser konvertieren und besser übertragen. Die Auflösung eines Bildes in Einzelpunkte ermöglicht seine sofortige Übermittlung an jeden Ort der Erde. Die kleinen Punkte sind entweder schwarz oder weiss, das heisst, genau genommen sind sie nur schwarz oder nicht schwarz. Der Transfercode sieht so aus: 01001101001010010100011…
Bei der Übermittlung einer A4-Seite ermittelt mein Faxgerät je nach Auflösung 900000 (normal) bis 14,8 Millionen (superfein) kleine Ja und Nein und jagt sie durch die Leitung, worauf ein zweites Gerät die Reihe über die Absonderung von Farbe wieder zu Papier bringt, so dass bei einer fehlerfreien Übertragung eine identische Abbildung entsteht. Der Vorgang dauert umso länger, je öfter Lese- und Schreibeinheit zwischen Ja und Nein wechseln müssen. Während eine weisse oder eine schwarze Seite im Nu übermittelt ist, zieht das Sendegerät eine Vorlage mit Grauwerten nur zögernd ein, und das Ausgabegerät arbeitet umso langsamer, je feiner die Ausgabe sein soll.
Die Abbildung der Wirklichkeit ist eine Fälschung. Grau gibt es gar nicht. Grau wird durch die beliebig feine Rasterung der Vorlage in Ja und Nein bloss simuliert. Ganz zu schweigen von den Farben…«Man muss sich beeilen, wenn man noch etwas sehen will. Alles verschwindet», sagte Cézanne am Anfang des Jahrhunderts. Er würde staunen, wie Recht er hatte, wenn er nicht vorher selber verschwunden wäre.
PS: Ich habe keinen einzigen Buchstaben auf der Redaktion abgegeben, sondern rund 24 000 kleine Ja und Nein. Und weil ich sie in der richtigen Reihenfolge abgegeben habe, ist dieser Text daraus entstanden. Solche Wunder passieren jeden Tag. Beat Gloor, www.textcontrol.ch

«Für eine glaubhafte Aussage brauchte es eine nackte Frau»

Muba-Kommunikationsleiter Mario Neuhaus über die neue Marketingstrategie

Muba-Kommunikationsleiter Mario Neuhaus über die neue Marketingstrategie50000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, über 1200 Aussteller: Das sind die Eckdaten der Muba 2000 (28. 4. bis 7. 5.). Aufsehen erregte die 84. Muba-Ausgabe aber mit ihrer Kampagne, in der eine nackte, schwangere Frau für die «Mutter aller Messen» (siehe S. 13) wirbt. Die WerbeWoche sprach mit Muba-Kommunikationsleiter Mario Neuhaus über das Muba-Marketing.Herr Neuhaus, haben Sie mit den Medienberichten über die neue Muba-Kampagne gerechnet?
Mario Neuhaus: Wir sind davon ausgegangen, dass die Kampagne polarisiert und die Medien entsprechend darauf reagieren. Aber wir haben auch eine sehr aktive Medienarbeit betrieben.
Haben Sie ausgerechnet, wie viel Gratiswerbeplatz Ihnen von den Medien eingeräumt wurde?
Neuhaus: Nein. Aber es freut mich natürlich, dass wir vorwiegend ein positives Echo erzielen. Wir haben uns bezüglich Image schon auch Gedanken gemacht und gehofft, dass es in die richtige Richtung geht. Jetzt sind wir überrascht. Aber wir haben unser Werbebudget deshalb nicht gekürzt.
Ihre Marketingstrategie ist also voll aufgegangen.
Neuhaus: Bei dieser Kampagne war von Anfang an klar, dass wir sie minuziös planen mussten. Gleichzeitig war damit auch ein Mehraufwand verbunden: Wir mussten die Aussteller informieren, die Mitarbeiter und externe Dialoggruppen, etwa Frauenorganisationen – denn wir rechneten mit Reaktionen. Wegen der Kampagne 1999 hatten wir nicht einen Telefonanruf, dieses Jahr hingegen brach fast das Telefonnetz zusammen. Es gab alles, von positiven Reaktionen über Plakatbestellungen bis zu Kritik. Diese Kampagne könnte für das Zusammenspiel von Werbung und PR ein gutes Beispiel sein, da eine solche Kampagne ohne gutes PR-Konzept nicht möglich ist.
Erklären Sie mir doch bitte, warum jetzt auch noch die Muba mit einer nackten Frau wirbt?
Neuhaus: Was meinen Sie mit «auch noch»? Das Bild kann man nicht isoliert betrachten, der Slogan «Besuchen Sie die Mutter aller Messen» gehört dazu. Und das heisst, dass unser Unternehmen mit 20 bis 25 Messen pro Jahr aus der Mustermesse von 1917 entstanden ist, die damals unsere einzige Messe war. Genau diese Symbolik wollten wir kommunizieren, dazu auch die Aussage, dass jede Messe ähnlich wie ein werdendes Kind in einem langen Prozess entsteht. Uns ist daran gelegen, dass die Leute merken, dass die 84. Muba völlig neu ist. Wir mussten etwas unternehmen, damit sich die Leute fragen: Was ist denn mit der Muba passiert?
Keine Frage, das Bild ist erste Klasse. Im Zusammenhang mit der Muba dient die Nacktheit der schwangeren Frau doch lediglich als Blickfang. Was sagen Sie zum Vorwurf, die Muba-Werbung sei sexistisch?
Neuhaus: Uns war es ein Anliegen, dass sie nicht sexistisch und schmuddelig daherkommt. Das war auch der Inhalt des Briefings. Das Foto musste eine symbolhafte Aussage haben: Selbstbewusstsein, gepaart mit Zuversicht. Uns war klar: Wenn es einen Fotografen gibt, der das ausdrücken kann, dann nur Avedon. Abgesehen davon, dass die Umsetzung in Avedons künstlerischer Freiheit lag, glaube ich, dass es eine nackte Frau brauchte, um diese Aussage glaubhaft zu machen.
Wie steht es denn um das Image der Muba?
Neuhaus: Wenn Sie jemanden fragen, wie alt der durchschnittliche Muba-Besucher ist, nennt er sicher eine Zahl zwischen 50 und 60. Dabei trifft das Durchschnittsalter 37 Jahre zu. Das ist ein Teil unseres Problems. Ein weiteres: Die Leute konnten sich nicht mehr mit der Muba identifizieren. Viele sagten: Zehn Prozent Rabatt bekomme ich eh von meinem Händler, dazu muss ich nicht an die Muba.
Früher war die Muba eine Leistungsschau, dann nannte sie sich Konsumgüter- und schliesslich Publikums- und Erlebnismesse. In welchem Umfeld will sie sich denn künftig positionieren?
Neuhaus: Publikums- und Erlebnismesse sagten wir vor drei Jahren, nur glauben wir, dass wir das erst dieses Jahr wirklich bieten.
Wo liegt der grosse Unterschied?
Neuhaus: Weil sich die Leute nicht mehr mit der Muba identifizierten, mussten wir Erlebniswelten schaffen. Doch dazu mussten wir auch mit den Ausstellern reden – und das braucht Zeit. Die Armee zum Beispiel wird dieses Jahr allein 29 Erlebniswelten präsentieren. Sie stellt nicht einfach einen F/A-18 aus, die Besucher können sich in einem Windkanal einem Wind von 200 Stundenkilometern aussetzen. Das gilt auch für das Gastland Brasilien: Wir haben Beachvolleyballanlagen mit 13 Tonnen Sand, brasilianische Starvolleyballer, einen Vertreter der brasilianischen Nationalelf, die Brasil Night, dann auch die Move Night, Andy Hug… Gerade mit der Brasil und der Move Night sprengt die Muba auch ihre Öffnungszeiten. Und Neuerungen gibt es in allen Bereichen. Wenn die Leute dies nun feststellen und darüber erstaunt sind, haben wir einen Riesensprung um einige Jahre gemacht. Wenn sie darüber hinaus sagen, dass sie für all die Angebote eigentlich zwei Tage an die Muba müssten, sind wir am Ziel.
Dieses Jahr werden die Bea in Bern und die Luga in Luzern zur gleichen Zeit wie die Muba stattfinden. Rechnen Sie trotzdem wieder mit 400000 Besuchern?
Neuhaus: Ja.
Was war das Argument, mit dem Sie die Aussteller nach Basel geholt haben?
Neuhaus: Wir sind die grösste Publikumsmesse. Deshalb hat sich zum Beispiel SF DRS für die Muba entschieden, ebenfalls die Armee, für die es an sich in Bern platzmässig attraktiver gewesen wäre. Die Akquisition unter den Ausstellern läuft sehr gut, wir haben sogar Wartelisten.
In Basel gibt es erst seit kurzem ein offizielles Stadtmarketing. Welche Bedeutung hat das für die Muba und die Messe Basel?
Neuhaus: Eine grosse Bedeutung, einfach deshalb, weil auch wir ständig Stadtmarketing betreiben. Wir bieten viele Dienstleistungen an, die eigentlich die Stadt anbieten sollte. Zum Beispiel Hotelreservationen. Die Mitarbeiter dieser Dienstleistung werden von uns bezahlt. Wir generieren eine Million Besucher im Jahr, egal ob diese nun eine Messe besuchen oder nicht. Aber seitens der Stadt steht man bezüglich neuer Veranstaltungen eher auf die Bremse. Ein Beispiel dafür ist die Billettsteuer. Wir hoffen aber, dass mit der Stadtmarketingabteilung die Zusammenarbeit intensiver wird.
Etwas Skepsis ist da herauszuhören.
Neuhaus: Wir sind froh darüber, dass das Ganze jetzt am Entstehen ist, darum wollen wir ihm eine Chance geben. Aber Sie spüren unseren Wunsch, dass die Stadt gewisse Dinge übernehmen sollte. Doch was Basel nicht anbietet, machen einfach wir. Interview: Markus Knöpfli

Ferien, aber vollfett und sexy

Die Zürcher Agentur Fam. Müller setzt für Escolettes Kampagne auf Teen Spirit

Die Zürcher Agentur Fam. Müller setzt für Escolettes Kampagne auf Teen SpiritEscolette ist dieses Jahr dabei, sich mit fünf neuen Angebotsfeldern als trendigster Reiseveranstalter für Jugendliche zu etablieren. Unterstützt wird das Vorhaben der Marke aus der Hotelplan-Gruppe durch eine kompromisslose Kampagne, die mit ihrer frischen, frechen Sprache und Tonalität die Kultur der Teens und Twens perfekt wiedergibt. Ihr Urheber ist die junge Zürcher Kleinagentur mit Namen Fam. Müller. Dass der selbstironische Name Programm ist und auf den Auftritt von Escolette abfärbte, sieht man dem umfassenden Kommunikationspaket an. Die kreative, dreiköpfige Familie stellte zusammen mit «adoptierten Familienangehörigen» alles in eigener Regie her: vom Konzept bis zum unverschämt ausgeflippten Gorilla-Kinospot, von der Homepage zu den magazinähnlich gestalteten Reisekatalogen wie Der Strand und Die Stadt.Durch die branchenunübliche Comic-Umsetzung und die abstrahierten USP von Escolette gelingt Fam. Müller zweierlei. Einerseits bauen die kindlichen Comics-Charaktere eine Community auf, die mit ihren Teencodes die Credibility von Escolette erhöhen. Andererseits spielt Fam. Müller gekonnt mit ihrer doppelten Identität: als Werbeagentur und als Comic-Figur in den Umsetzungen. In diesen erleben die animierten Videospielikonen mit schwarzem Humor affengeile Ferien. Seite 11

«Ein markanter Schritt ist nötig»

Jürg Meyer, Chef beim Verlag Meyer, muss mit dem aktuellen Relaunch Erfolg haben

Jürg Meyer, Chef beim Verlag Meyer, muss mit dem aktuellen Relaunch Erfolg habenJürg Meyer, vor sechs Jahren wurde Meyers Modeblatt in Modeblatt umgetauft, ab dem 18. Mai heisst es Meyer’s. Haben Sie keine Angst davor, mit häufigen Namenswechseln Leserinnen mehr zu verwirren statt zu gewinnen?Jürg Meyer: Meyers Modeblatt ist ein Begriff, den frau kennt. Ich bin deshalb überzeugt, dass auch der neue Titel Meyer’s einen hohen Wiedererkennungswert hat. Der Namenswechsel war unvermeidlich. Als 1994 Modeblatt in den Titel kam, hat man einen Fehler gemacht. Der Begriff enthält keine Botschaft. Er suggeriert viel Mode. Die macht aber nur einen Teil unseres Heftes aus. Zudem klingt Modeblatt altbacken und erinnert an Mutters Nähtischchen.
Was ist die Botschaft des neuen Hefttitels?
Meyer: Meyer’s orientiert sich an amerikanischen Magazinen wie Harper’s oder Forbes. Solche Titel implizieren Aktualität. Und das ist auch ein wichtiger Schritt in unserem Heft: Anstelle der beliebigen Themen werden wir uns künftig viel stärker an der Aktualität ausrichten.
Weshalb kommt dieser Schritt erst jetzt?
Meyer: Wir haben in vergangenen Jahren viel herumgetüftelt, kleine Änderungen vorgenommen. Aber wir sind damit nicht dorthin gekommen, wohin wir wollten. Deshalb haben wir uns jetzt zu einem markanten Schritt entschlossen.
Was unternehmen Sie, um Ihre Stammleserinnen an das neue Heft zu binden?
Meyer: Das ist das heisseste Eisen bei diesem Relaunch, dem wir viel Gewicht geben. Mit Beiheftern in den letzten Ausgaben des alten Modeblattes werden wir unsere Stammleserinnen an das neue Magazin heranführen. Aber uns ist klar: Verluste bei der Auflage kann man bei einem Neukonzept von dieser Dimension nie ganz ausschliessen. Der Markt wird zeigen, ob wir richtig gehandelt haben.
Das Modeblatt hatte in der Vergangenheit nicht nur beim Publikum, sondern auch im Anzeigenmarkt einen schweren Stand.
Meyer: Als ich 1996 das Ruder übernahm, mussten wir den Anzeigenverkauf vollständig neu aufbauen. Das beginnt jetzt aber zu greifen. Im vergangenen Jahr verzeichneten wir erstmals wieder einen positiven Trend.
Gewinn lag in dieser Konstellation in den vergangenen Jahren aber wohl kaum drin?
Meyer: Wir kommen knapp über die Schwelle. Aber es reicht nicht, um Reserven für die Weiterentwicklung unserer Produkte zu bilden. Die sind aber unbedingt notwendig. Deshalb muss uns mit dem neuen Heft mittelfristig der Aufwärtstrend gelingen. Wir brauchen diesen Erfolg.
Im schlimmsten Falle könnten Sie immer noch eine Fusion des Modeblattes mit der Schweizer Familie erwägen. Das war ja auch schon mal ein Thema. Wäre das für Sie eine mögliche Zukunft?
Meyer: Das ist im Moment kein Thema. Natürlich lag die Idee schon in der Luft. Wenn man so oft miteinander redet, wie das unter Verlagsmanagern der Fall ist, tauchen alle möglichen Optionen auf. Wirklich ernsthaft angegangen sind wir eine Zusammenlegung von Modeblatt und Schweizer Familie aber noch nie.
Im August zieht der Verlag Meyer von Zürich nach Jona um. Weshalb geben Sie Ihren schönen und gut gelegenen Zürcher Firmensitz auf?
Meyer: Der Umzug ist Teil der gesamtrestrukturierung der Firmengruppe Meyer. Die neuen Räumlichkeiten befinden sich unmittelbar bei unserer Druckerei. Damit können wir Synergien nutzen und Doppelspurigkeiten in der Administration abbauen. Auch der Herstellungsprozess des Heftes wird beschleunigt. Das ist wichtig, denn mit dem neuen Heft wollen wir ja stärker auf Aktualität setzen. Interview: Daniel Schifferle

Back to the Roots.

Bevor sich Frank Bodin, CD von McCann-Erickson, Genf, für die Werbung entschied, war er in der Musikwelt zu Hause.

Bevor sich Frank Bodin, CD von McCann-Erickson, Genf, für die Werbung entschied, war er in der Musikwelt zu Hause. Nach dem Konservatorium versuchte er sich als Regieassistent von Giancarlo del Monaco und Bob Wilson an der Hamburger Staatsoper. Zwölf Jahre später macht er Werbung für das Zürcher Opernhaus. Engagiert wurde er von Ballettdirektor Heinz Spörli zwecks Bewerbung der choreografischen Neuinszenierung von Sergej Prokofjews Cindarella. Mit der Dramatisierung des in der Schlüsselszene verlorenen Schuhs gelang dem Wahlgenfer eine raffinierte Kommunikation des Spitzentanzes.Publicis legt Facts ein Osterei. Die Wochenzeitschrift Facts will sich vom «Boulevard-Heftli» zu einem Magazin entwickeln, «das einen intelligenten Boulevard-Stil pflegt.» Ein gründliches Redesign, dem die Zeitschrift eben unterzogen worden ist, unterstützt dieses journalistische Ziel (siehe WerbeWoche 13/00). Nun setzte die Zürcher Werbeagentur Publicis die aus der Neugestaltung resultierende optimierte Übersichtlichkeit des Magazins mit einem plakativen Sujet um: Der Umstand, dass das neue Facts-Layout im Ostermonat lanciert worden ist, inspirierte die Kreativen von der Theaterstrasse zu einem Motiv, das sich an den Brauch des Osternestsuchens anlehnt. Die Umsetzung, die sich wahrlich nicht zu verstecken braucht, wurde auch als Inserat produziert.
Gasche und Räz lancieren Geld-Update. Die Herausgeber von K-Tip und Puls-Tip, Urs P. Gasche und Hans Räz, wollen im Juni ein Heft mit dem Titel Geld-Update lancieren. Geplant sind laut SonntagsZeitung sechs bis acht Ausgaben pro Jahr. Darin erhalten die Leser Informationen über Anlagefonds, Immobilienpreise, Steuern und Erben. Das Heft wird voraussichtlich mit einer Auflage von rund 45000 Exemplaren starten. Projektleiter von Geld-Update ist Fredy Hämmerli, ehemaliges Mitglied der Redaktionsleitung des K-Tip. Die Rorschacher Löpfe Benz verliert ausserdem die Druckaufträge für K-Tip, Puls-Tip und Bon à Savoir. Ab August werden die drei Hefte bei den AZ Grafische Betriebe in Aarau gedruckt.
Zürich Express und 20 Minuten Streiten weiter. Im Streit zwischen der 20 Minuten Schweiz AG und der Tagblatt der Stadt Zürich AG, Herausgeberin des Zürich Express, kam es vor dem Friedensrichter zu keiner Einigung. Beide Seiten beharrten nach übereinstimmenden Berichten auf ihrem jeweiligen Standpunkt. Bei dem Streit geht es um die Frage, ob die neue Pendlerzeitung 20 Minuten anfangs März von sich behaupten durfte, auf dem Platz Zürich die Nummer 2 aller Zeitungstitel zu sein. In der damaligen Aussage liess 20 Minuten aber den Zürich Express unberücksichtigt, weil von ihm keine vergleichbaren Zahlen vorlagen. Die zur TA-Media gehörende Tagblatt AG erwägt nun, gegen 20 Minuten beim Handelsgericht eine Klage wegen Verstosses gegen das Wettbewerbsrecht (UWG) einzureichen.
Nur drei Radios buhlen um die Raver. Vom 1. bis 30 August wird der Kabelsender Radio 105 Network vom Bundesamt für Kommunikation wieder eine UKW-Frequenz erhalten. Damit kann das Jugendradio zusätzlich zu seinem nationalen auch ein lokales Programm ausstrahlen. Kernpunkt dieses Programmes wird die Streetparade 2000 sein. Damit werden sich dieses Jahr «bloss» drei private Sender (Radio 24, Z, 105) um die Streetparade rangeln. Radio 24 hat darauf verzichtet, ebenfalls eine Sonderbewilligung für ein dreitägiges «Streetparadio» einzureichen.
Bond jagt Umweltsünder. Mit den Worten «words are not enough» wirbt Pierce Brosnan gratis für den Umweltschutzverband Forest Stewardship Council (FSC) für eine umwelt- und sozialverträgliche Waldnutzung. Glücklich darüber ist neben FSC auch WWF Schweiz: Als Mitglied der FSC kann die Schweizer Umweltorganisation das Inserat mit dem attraktiven Bond in der eigenen Zeitung publizieren.
RTL2 plant Neuauflage von «Big Brother». RTL2 plant im nächsten Winter eine weitere Auflage von «Big Brother». Die Sendung soll in ähnlichem Stil fortgeführt werden. In der Schweiz verhandelt TV3 mit TV-Produzent Endemol um die Lizenz für «Big Brother». Ein Entscheid ist für Mai angekündigt. Endemol hat in Holland ein weiteres Format mit verschärftem Ansatz gestartet: In der TV-Show «Gefesselt» werden fünf Person zusammen eine Woche lang in Ketten gelegt. Sie soll auch ins deutschsprachige Fernsehen gelangen.
«Bibi-Balù» bald auf der Leinwand. Mit dieser Ankündigung überraschte die Turnus Film AG in Gutenswil Branche und Medien. Das erfolgreiche Gaunermusical von Hans Gmür und Karl Suter – in den flippigen Sixties mit Ines Torelli ein Langläufer im Theater – soll neu gestylt in die Kinos kommen. 7,5 Millionen Franken beträgt das Budget (zum Vergleich: Beat Schlatters Megahit «Komiker» hat 2,6 Millionen Franken gekostet). Beteiligt sind neben Hans G. Syz mit seiner Turnus auch das Schweizer Fernsehen sowie die Motion Picture Corporation of Europe. Da «Bibi Balù» als unschweizerisch kommerziell ausgelegter Film kaum Förderungsgelder bekommen wird, soll die Komödie für den internationalen Markt konzipiert werden. Für die Kamera ist der Hollywoodschweizer Ueli Steiger vorgesehen. Regie wird der «Tatort»-Wiederholungstäter Daniel Helfer führen. Am Drehbuch arbeiten neben Ideenlieferant Gmür vor allem der Kabarettist Lorenz Keiser und der junge Hollywoodpendler Jann Preuss. Für die beiden Ganoven, die in der Story eine nationale Spendenaktion aufziehen und das gesammelte Geld kurzerhand selbst einstreichen, werden als Hauptdarsteller Erich Vock und Marco Rima angekündigt. Die Dreharbeiten sollen im April 2001 beginnen. Als Zeichen für die Neugestaltung der Schweizer Filmlandschaft mit dem Grossprojekt haben die beteiligten Firmen einen Reader im handlichen Kartenformat lanciert.
Editorial

Die Grundformen unserer Welt Gar gross war der Entrüstungssturm der deutschen Schriftsteller und Intellektuellen angesichts der Rechtschreibereform. In ihrem heiligen Zorn übersahen sie, dass die Reform der Schreibweise galt und nicht der Sprache; das eine ist nicht dem anderen gleichzusetzen. Als ob das Schriftbild der Sprache die Sprache selbst sei, bekämpften sie verbiestert die Reform, die ohne Zweifel eine willkommene Vereinfachung eines allzu komplizierten Regelwerkes brachte. Es ging um die Form und nicht um das Medium oder gar die Grundlagen der Sprache. Deren Gralshüter übersahen in ihrem Eifer, dass auch Goethes oder Hölderlins eigenwillige Rechtschreibung längst behutsam angepasst und aktualisiert worden war, ohne ihre Substanz zu beschädigen. Sprachentwicklung ist ein organischer Prozess, der sich nicht stillstellen lässt. Im Gegensatz zu den Puristen, die in Modewörtern, Anglizismen oder Sprachschöpfungen von Werbetextern Sprachverluderung und Kulturzerfall wittern, seis deshalb mit Goethe gesagt: «Die Gewalt einer Sprache ist nicht, dass sie das Fremde abweist, sondern dass sie es verschlingt.»
«Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt», hält der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein in seinem «Tractatus logico-philosophicus» fest. Dem bleibt nur noch beizufügen, dass der Mensch nun mal einen Trieb hat, gegen Grenzen der Sprache anzurennen und damit zu ihrer Erneuerung beizutragen.
Im Wissen darum, dass die Sprache lebt, veröffentlichen wir wieder jede Woche eine Sprachkolumne von Beat Gloor. Nach einem Sabbatical year meldet sich der Deutschlektor mit seinen Sprachbeobachtungen zurück. Vergangene Woche schrieb er über die konservative Schreibmaschine, diesmal geht es um die Grundformen der Welt (siehe Seite 8). Welcome back! Samuel Helbling
PS: 81 Sprachglossen von Beat Gloor sind kürzlich unter dem Titel «Staat Sex Amen» in Buchform erschienen. (ISBN 3-9521287-5-9)

«Printmedien profitieren vom Internetboom»

Professor Heinz Bonfadelli über die Zukunft der Schweizer Printmedien

Professor Heinz Bonfadelli über die Zukunft der Schweizer PrintmedienWer nur gerade die Auflagenzahlen eines Jahres anschaut, verliert schnell den Blick fürs Ganze. Im Interview mit der WerbeWoche stellt deshalb Heinz Bonfadelli, Professor für Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich, die aktuellen Zahlen in einen grösseren Zusammenhang.Welche Entwicklung nimmt die Presse über einen längeren Zeitraum gesehen?
Heinz Bonfadelli: Gemäss den Zahlen aus den USA und Deutschland ist bei den Leserzahlen ein Rückgang feststellbar, was in der Schweiz noch nicht so stark sichtbar ist. Am stärksten kommt dies bei den jüngeren Leuten zum Ausdruck. Die Gründe dafür sind der Informationsüberfluss und die zunehmende Mobilität, womit die lokale Integration nachlässt.
Handelt es sich um einen Rückgang oder um eine stärkere Segmentierung?
Bonfadelli: Beides. Der Trend geht weg von der Massen- zur Individualkommunikation. Zwar nehmen die Specialinteresttitel stark zu, die Publikumszeitschriften und Boulevardtitel verbuchen aber seit längerem Rückgänge. Ein anderer Trend: Die Titel unterliegen immer kürzeren Produktezyklen, sie müssen nach kurzer Zeit geliftet oder sogar neu positioniert werden. Auch entstehen und verschwinden einige schneller.
Im Inseratemarkt verliert Print an die elektronischen Medien. Ist das Ausmass des Verlustes gerechtfertigt gemessen an der Treue der Printnutzer?
Bonfadelli: 1997 hatte Print in der Schweiz noch einen Anteil von etwa 74 Prozent am gesamten Werbevolumen, in Europa liegt dieser Wert unter 60 Prozent. Der TV-Bereich dagegen lag damals in der Schweiz bei knapp 10 Prozent, in Europa jedoch über 30 Prozent. Da besteht bei uns noch ein Nachholbedarf. Allerdings wurde diese Entwicklung bisher zu optimistisch eingeschätzt, siehe TV 3 oder RTL/Pro7-Fenster. Aber die beiden Medien sollte man nicht gegeneinander ausspielen. Mit TV-Werbung kann man wohl eine Marke oder ein Produkt positionieren, vertiefende Informationen kann man jedoch nur mit Print kommunizieren. Das wird oft zu wenig gesehen.
Welche Rolle spielt das Internet?
Bonfadelli: Längerfristig wird sicher ein Teil der Werbung ins Internet umgelagert. Oder anders gesagt: Man hat derzeit oft stagnierende Werbebudgets bei den klassischen Medien, weil mehr Geld in die interaktiven Plattformen gesteckt wird. Wobei ja noch unklar ist, wie effektiv Werbung auf dem Internet überhaupt ist. Kommt dazu, dass man auf Printwerbung zurückgreifen muss, wenn man eine Homepage bekannt machen will. Daher haben die Printmedien sogar vom Internetboom profitiert, was man ja nicht erwartet hat.
Warum läuft der Kioskverkauf harzig?
Bonfadelli: In der Deutschschweiz sind die Tageszeitungen – mit Ausnahme von Blick und Sonntagszeitungen – zu 70 bis 80 Prozent abonniert. Das nimmt noch zu, nicht zuletzt weil die Frühzustellung verbessert wurde. Mit den neuen Pendlerzeitungen könnte zudem zumindest im Grossraum Zürich manch einer auf den Gang zum Kiosk verzichten. Die Verlage sagen zwar das Gegenteil, aber ihre Zahlen nehme ich nicht zum vollen Nennwert.
Wie wird sich der Wechsel vom K1- auf den LpA-Wert (Leser pro Ausgabe) in der Wemf-Leserstudie auf das Image der Printmedien auswirken?
Bonfadelli: Als Mitglied der Wemf-Forschungskommission bin ich da natürlich etwas befangen. Aber sicher ist es notwendig, dass man auf eine härtere Währung umsteigt, weil es im TV-Bereich mit Telecontrol längst eine härtere Währung gibt. Andererseits sind die Verlage etwas verunsichert, weil sie nicht wissen, wie stark die Zahlen nach unten gehen. Kommt dazu, dass nicht alle Titel im gleichen Ausmass von den Rückgängen betroffen sein werden. Man hat ja schon immer gewusst, dass bei einem relativ weichen Wert wie dem K1-Wert Titel, die weniger bekannt sind oder seltener erscheinen, in der Erinnerung benachteiligt sind, andererseits bestimmte Prestigetitel auch profitieren. Interview: Markus Knöpfli

Der Blaue Engel mit der Ledertasche

Im neuen Vilsmaier-Film präsentiert sich Aigner an der Seite der feschen Lola

Im neuen Vilsmaier-Film präsentiert sich Aigner an der Seite der feschen LolaDieser Tage kommt Joseph Vilsmaiers neuer Film «Marlene» in die Kinos. Neben dem Revival der blonden Diva erlebt man auch das Revival einiger Luxusmarkenartikel, allen voran des Lederwarenherstellers Aigner.Product Placement gehört zum Kino, wie Billy Christal zur Oscarverleihung, und für manch regelmässigen Kionbesucher ist die Suche nach diesen unauffällig auffällig platzierten Labels zum kleinen Zuschauersport avanciert. In Joseph Vilsmaiers neuem Film «Marlene» mit Katja Flint in der Rolle der kühlen germanischen Kultfigur, kommen zahlreiche Kleiderfirmen zum Zug, beziehungsweise zur Kasse. Mit von der Partie sind Escada, Wolford oder die Dessous-Marke La Perla.
Einen besonderen Auftritt hat sich die Firma Aigner gesichert. Mit Hilfe von Marlene Dietrichs magischer Anziehungskraft will man das mittlerweile verstaubte Image der Lederwaren wieder aufpolieren, daher entschied man sich zum ersten Mal bewusst dafür, in einem Kinofilm aufzutreten. So trägt jetzt Katja Flint alias Marlene eine Aigner-Tasche aus der Metropolitan-Kollektion unter dem Arm.
Hauptziel von Aigners Filmengagement: Verjüngung der konservativen, teils bieder wirkenden Kollektion. Zudem will man in Zukunft vermehrt Lebensgefühl und nicht nur Accessoires aus Leder und Kleider verkaufen. Aus diesem Grund hat Aigner den Werbeetat kräftig aufgestockt und angekündigt, eine neue Kommunikationsstrategie zu verfolgen. Doch vorerst erhofft man sich mehr Marktpräsenz bei den 30- bis 40-jährigen Frauen, die im Augenblick leider noch nicht ganz von Kopf bis Fuss auf Aigner eingestellt sind. Aber Marlene wirds schon richten. Chandra Kurt

Verliebdichdoch in ein Buch

AufgefallenSchon wollte ich ausrufen und die eine Anzeige für die Mercure-Hotels als antiquiert und nicht mehr zeitgemäss betiteln. Doch manchmal lohnt es sich halt doch, seinem Ärger nicht unverzüglich freien Lauf zu lassen und erst mal abzuwar

In 600 Verkaufsstellen der Deutschschweiz werben Plakate für den Welttag des BuchesVon Carlo Bernasconi Mit einer Kampagne von Felber Kristofori & Pinzon unterstützt der Buchhändler-Verband der deutschsprachigen Schweiz (BVDS) seine Mitglieder mit Werbung zum Welttag des Buches am 23. April. Das Motto des diesjährigen Welttags des Buches: «Pro Buchpreisbindung».
Für den zuständigen Werbe- und Messeleiter im Verleger-Verband der deutschsprachigen Schweiz (VVDS), Harry Heusser, ist die diesjährige Kampagne «eine poetische Umsetzung einer trockenen Materie». Denn es geht darum, die Bevölkerung von den Segnungen des gebundenen Ladenpreises zu überzeugen. So hat Rudy Felber zu den Filmshots mit Laurel & Hardy sowie Groucho Marx zur Schlagzeile jeweils die trockene, aber korrekte Begründung dazu geliefert: «Der gebundene Ladenpreis garantiert die vielseitige Kulturförderung. Unterstützen Sie darum gemeinsam mit uns die Buchpreisbindung.»
Diese steht auf wackligen rechtlichen Füssen, seit die Wettbewerbskommission im Frühjahr die Preisabsprache unter Buchhändlern und Verlegern abgelehnt hat. Derzeit sind die Juristen der Rekurskommission damit beschäftigt, herauszufinden, ob die Buchpreisbindung in der Schweiz definitiv abgeschafft werden soll. Und der Bundesrat lässt kompetent prüfen, welchen Stellenwert das Buch besitzt.
Der BVDS nutzt die Gunst der politisch positiven Stunde, um die Bücher kaufende Bevölkerung bis zum 23. April über die Vorteile des gebundenen Ladenpreises zu informieren. Für BVDS-Vorstandsmitglied Christine Ris ist es «wichtig, dass am Verkaufspunkt die Preisbindung diskutiert wird».
Dies tut der BVDS mit einer den Berliner Buchhändlern entlehnten Low-budget-Kampagne, die von der Zürcher Werbeagentur gestaltet worden ist und auf der Paaridee beruht: «Zum Buch gehört die Preisbindung», sagt Heusser und spricht auf die Bildmotive aus der Stummfilmzeit an. Felber Pinzon & Kristofori hatten schon im vergangenen Jahr die Buchhändler bei ihren Bestrebungen unterstützt, den von der Unesco festgelegten Welttag des Buches im Bewusstsein der Käufer zu verankern.

Favo gründet zwei neue Tochterfirmen

Die Basler Werbeagentur Favo hat zwei Tochterfirmen im Internetbereich gegründet: Webdotcom und Stormvision (Switzerland).

Die Basler Werbeagentur Favo hat zwei Tochterfirmen im Internetbereich gegründet: Webdotcom und Stormvision (Switzerland).Somit erweitert sich die Favo-Gruppe auf neu fünf Firmen. «Ich sehe die Zukunft der Agentur nicht im Wachstum, sondern in einzelnen Kompetenzunits», erklärt Werner Vogel, Inhaber von Favo. Webdotcom beschäftigt sich mit E-Commerce, Webdesign und Internet Conception, Stormvision ist für Animationen und Computerfilme zuständig. Auf eine klare Aufgabentrennung unter den fünf Unternehmen legt Vogel viel Wert.Seit ihrer Gründung im Februar entwickelt sich bei Webdotcom das Geschäft rasant. Praktisch ohne Eigenwerbung, sagt Vogel, konnte eine Vielzahl von Kunden, darunter Unternehmen wie Manor, Migros oder der FC Basel, gewonnen werden. Im Augenblick sind fünf Mitarbeiter bei Webdotcom angestellt, doch «das reicht», so Favo-Chef Vogel, «hinten und vorne nicht.» Laufend würden neue Informatiker gesucht. (ba)

Massenhochzeit im Internet

Von den grossen ISP hat sich erst Datacomm noch auf keinen Medienpartner festgelegt

Von den grossen ISP hat sich erst Datacomm noch auf keinen Medienpartner festgelegtVon Clemens Hörler Bei der Zusammenarbeit zwischen Internetserviceprovidern und Medienunternehmen als Inhaltsanbieter ist es zu einer ersten Konsolidierung gekommen. Sie möchten nun auch «fremde» Internauten auf ihre Portale locken.
Blue Window mit der TA-Media AG, SwissOnline mit Swiss Txt, Sunrise mit News.ch und dem Bund – immer mehr Verhandlungen zwischen grossen Internetserviceprovidern (ISP) und Schweizer Medienunternehmen zeigen Früchte in Form strategischer Partnerschaften, bei denen die Provider und ihre Portale vom Inhalt der Medienhäuser und die Medienhäuser vom Traffic der ISP profitieren.
Von den ganz grossen Providern mit über 100000 Besuchern pro Tag hat nur Datacomm noch keinen Kooperationspartner im Newsbereich bekannt gegeben. Man stecke noch mitten in den Verhandlungen mit Contentlieferanten aus verschiedenen Bereichen, zum Beispiel Allgemeine Nachrichten, Finanzinfos oder Reisen, erklärt Angelika Trovato, Marketingleiterin bei Datacomm. Aus diesem Grund habe man auch die Neulancierung des Portals, die auf den 1. April angekündigt gewesen war, auf den kommenden Monat verschoben.
Als möglicher strategischer Partner käme beispielsweise die Basler Medien Gruppe (BMG) in Betracht. Myriam Mathys, Leiterin Neue Medien bei der BMG (siehe auch WW 13/00), sagte auf Anfrage nur, dass man für alle sinnvollen Möglichkeiten, die das Internet biete, offen sei. Auch die Kooperation mit Providern werde geprüft.
Man werde die geplanten massiven Ausgaben aber in erster Linie in den Ausbau von eigenen Angeboten stecken. Ringier war zwar mit diversen Providern im Gespräch, verfügt aber besonders auf Blick.ch auch ohne fremde Hilfe über massiven Traffic. Mit ZHOL ist der Verlag bereits im lokalen Portalbusiness tätig und versucht sich, wie im Fall von Cash und Borsalino, mit einzelnen Brands an spezifischen Kanälen zu beteiligen (siehe WW 6/00).
Sunrise hat für sein Portal Go.Sunrise zwar bereits den Bund, News.ch (Internet Medien AG) und Borsalino als Newspartner gewonnen. Die Plattform sei aber offen für weitere, auch lokale Inhaltsanbieter, betonte Sprecher Stephan Howeg. Go.Sunrise solle ein nationales Portal werden, auf dem auch die Regionen gut bedient würden. Anders als Datacomm und SwissOnline baut Sunrise sein Portal schrittweise aus. Der auf Anfang April angekündigte Relaunch habe sich verzögert, weil noch nicht alle Verhandlungen über strategische Allianzen abgeschlossen seien, erklärt Howeg.
Prestigeobjekt Real Video macht erst mal bei SRI mit
Die ISP können es sich nicht mehr leisten, nur noch technologische Lösungen anzubieten. Sie müssen den Kunden auch attraktive Inhalte anbieten und schielen dabei über den eigenen Kundenkreis hinaus. «Mittelfristig kann ein ISP nicht überleben, wenn er sich nur auf die registrierten Kunden ausrichtet», meint etwa Eric W. Zeller, Leiter Corporate Communications bei der SwissOnline AG. Man müsse die Website auch für Nichtkunden interessant machen. Schliesslich bedeuten mehr Besucher mehr Einnahmen durch E-Commerce-Beteiligungen und Bannerwerbung.
Vorerst werden die Portale vor allem mit Texten und Fotos abgefüllt. Es ist allerdings nur eine Frage der Zeit und der Bandbreite, bis auch Radio- und Fernsehstationen als Inhaltslieferanten für die grossen Portale auftreten. SF DRS wäre als Prestigepartner offenbar besonders gefragt. Laut Markus J. Ragginger, Leiter Marketing und Kommunikation bei SF DRS online, habe SF DRS online Gespräche mit fast allen grossen ISP geführt. Vorerst liefere das Fernsehen unternehmensfremden Plattformen aber höchstens Infos, die mit dem Programm in Verbindung stünden. Real-Video-Nachrichten erhält erst Swissinfo.org, die Plattform des SRG-SSR-Unternehmens Schweizer Radio International.
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