Übles an der Wurzel packen

Matter & Partner haben Phase 3 der Suchtbekämpfungskampagne gestartet

Matter & Partner haben Phase 3 der Suchtbekämpfungskampagne gestartetÖffentlichkeitsarbeit im Bereich Suchtprävention ist ein harter Job. Sind doch besonders die schlechten Gewohnheiten gegenüber Fakten und Argumenten äusserst resistent. So galt es für die Zürcher Agentur Matter & Partner, welche die Kampagne der kantonalen Suchtpräventionsstellen bereits im sechsten Jahr entwickelt, nicht in abgegriffene Muster mit plakativ mahnendem Zeigefinger zu fallen. Provokationen der Sorte tablettenschluckender Totenschädel entfalten heute weder Breiten- noch Tiefenwirkung.Stattdessen thematisiert die neu anlaufende dritte Phase der Kampagne «Sucht beginnt im Alltag» die alltäglichen Wurzeln des Alkohol-, Tabak- und Medikamentenmissbrauchs. Unspektakuläre Momentaufnahmen führen die schleichenden Übergänge vom harmlosen Alltagskonsum zum Suchtverhalten vor Augen. Den Informationsfluss verstärken das neue Magazin laut & leise
und die Homepage www.sucht praevention-zh.ch Seite 10

Ausserdem: Acht ADC-Mitglieder haben aus «sehr verschiedenen und persönlichen» Gründen ihren Austritt gegeben.

Ausserdem Acht ADC-Mitglieder haben aus «sehr verschiedenen und persönlichen» Gründen ihren Austritt gegeben, nämlich Otmar Bucher, Willi Bühler, Renato Faccinetto, René Fehr (wollte «einfach wieder einmal etwas persönlich verändern und nicht imm

Ausserdem Acht ADC-Mitglieder haben aus «sehr verschiedenen und persönlichen» Gründen ihren Austritt gegeben, nämlich Otmar Bucher, Willi Bühler, Renato Faccinetto, René Fehr (wollte «einfach wieder einmal etwas persönlich verändern und nicht immer das Gleiche machen»), Barbara Groher, Paul Kaelin, Beat Keusch und Heiri Scherrer. Im laufenden Vereinsjahr wurden bereits drei neue Mitglieder aufgenommen (siehe WW 38/99): Daniel Krieg, Markus Rottmann und Jürg Aemmer.
An der 75. Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung (SW) vergangene Woche wurden drei neue Mitglieder in den Vorstand gewählt. Für die Werbeberater nimmt Diego Bally von D & A Diego Bally Einsitz. Die Auftragnehmer vertritt Ingrid Deltenre, Direktorin der Publisuisse. Sie ersetzen Stefan Kaister und André Hofer. Mit Beat Lauber, Ringier, wurde zudem neu ein Vertreter der Verleger in den Vorstand aufgenommen.

Auch Basel schreibt Haltestellen aus

Die Pendlerzeitungen Metropol, 20 Minuten, ZürichExpress (ZE) und die Basler Mediengruppe (BMG) haben dicke Post von den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) erhalten.

Die Pendlerzeitungen Metropol, 20 Minuten, ZürichExpress (ZE) und die Basler Mediengruppe (BMG) haben dicke Post von den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) erhalten.Der Brief – eine Mischung aus halböffentlicher Submission und Umfrage – lädt die vier Verlage ein, bis zum 15. Juni 2000 ihre Vorstellungen und Offerten für Boxenstandorte an den BVB-Haltestellen einzureichen. BVB-Sprecher Pius Marrer wollte dazu keine näheren Informationen geben.Doch die WerbeWoche weiss aus zuverlässigen Quellen: Die BVB fragt unter anderem, ob die einzelnen Anbieter ein Exklusivrecht beanspruchen. Nicht angesprochen – aber auch nicht ausgeschlossen – wird die Möglichkeit, Boxen wie in Zürich und Winterthur in Strassenbahnen und Bussen anzubringen.
Die Ausschreibung ausgelöst hat die BMG, die Anfang Jahr bei den BVB ein Gesuch um Boxen an Haltestellen eingereicht hatte. Die BMG führe mit den BVB weiterhin «intensive Gespräche», sagte Beat Meyer, VR-Delegierter der BMG, auf Anfrage der WerbeWoche. Auch Sacha Wigdorovits, Projektleiter von 20 Minuten, kündigte eine Offerte an (siehe auch S. 28), Metropol-Geschäftsführer Urs Zeier gab sich bedeckt, und ZE-Verlagsleiter Heinz Krebs, derzeit ferienabwesend, liess schon früher verlauten, man werde in Bern und Basel nur tätig, indem der ZE mit dort ansässigen Verlagen gemeinsame Sache mache. (mk)

Hinterherhecheln kostet auch Geld

Explodierende Preise für Sportrechte – Vermarktung steht unter enormem Innovationsdruck

Explodierende Preise für Sportrechte – Vermarktung steht unter enormem InnovationsdruckVon Daniel Schifferle Teuer in Einkauf und Produktion, unbeliebt bei Werbeauftraggebern: Sportprogramme buchen ist ein unsicheres Geschäft und fordert von der Publisuisse mehr Ideenreichtum als jedes andere Umfeld. Denn mehr Einnahmen wären nötig, sollten die quotenstarken Sportevents auch in Zukunft bei SF DRS zu sehen sein.
Die Rechtekosten für Olympische Spiele sowie für Fussball-EM und -WM sind in den letzten zwanzig Jahren in sphärische Höhen entglitten. Die Beispiele sprechen für sich: 1984 flossen in die Kassen der Olympischen Sommerspiele in Los Angeles 29,2 Millionen Franken, 2004 werden es in Athen gleich zwanzigmal mehr sein, nämlich 591 Millionen Franken. Um den Faktor dreissig haben sich im gleichen Zeitraum die Rechtekosten für die Winterspiele vervielfacht.
All das ist aber lediglich ein Klacks im Vergleich zu den 3,2 Milliarden DM, welche die Kirch-Gruppe für die Fussball-WM 2002/2006 hinblättert. Eine Begleiterscheinung der Preisexplosion: Um die senkrecht hochkletternden Rechtepreise der heissen Sportevents feilschen immer weniger Player. Kein Wunder also, weiss SF-DRS-Sportchef Urs Leutert nicht, wo längerfristig gesehen die Position des Schweizer Fernsehens in dem sich zum Kartell entwickelnden Markt der Sportrechte sein wird.
Schmerzgrenze erreicht – noch kein Pay-TV für Eishockey
Noch kein Grund zur Sorge: Für die erste Hälfte dieses Jahrzehnts sind bei SF DRS Olympische Spiele, Fussball-EM und -WM gebucht, und auch der Strauss mit anderen beliebten Highlights wie alpine Skirennen, Formel 1 oder Radsport bleibt vorerst noch üppig. Aber mit den 120 Millionen Franken für Sportsendungen ist die Schmerzgrenze jetzt erreicht.
Hilfe könnte eine bessere Nutzung von Verwertungsketten bringen, das Zauberwort, mit dem die deutschen Privatsender ihr Sportangebot besser zu finanzieren versuchen. Doch der kleine Schweizer Markt eröffnet wenig Perspektiven. Das hat jetzt eine Studie von SF DRS bestätigt. Sie prüfte konkret die Möglichkeiten einer Zweitverwertung von Eishockeyrechten via Pay-TV.
«Finanziell würde sich das niemals rechnen», bringt Leutert das Resultat auf den Punkt, «deshalb werden wir das auch nicht weiter verfolgen.» Dieser Schluss überrascht nicht. Auch im viel grösseren deutschen Markt sind die Erfahrungen ernüchternd, was die Zahlbereitschaft der Zuschauer für Sport-Pay-TV betrifft.
Ausländische Sender geben
den Ton an
Werden die Sportsendungen aber im Free- oder im öffentlich-rechtlichen TV gezeigt, ist das Interesse riesig. Sportliche Grossereignisse halten bei den Marktanteil-Hitlisten regelmässig Spitzenplätze. Und: Schweizer Zuschauer wollen die Sportübertragungen bei SF DRS sehen. «Trotz manchmal vielleicht etwas holprigen Stils», wie Sportchef Leutert meint.
Was nämlich den Standard der Sportberichterstattung betrifft, geben die ausländischen Sender Tempo und Richtung vor: Sat1 beim Fussball, RTL bei der Formel1 und Österreich beim Skizirkus. «Und wir rennen diesen immer ausgefeilteren Standards dauernd hinterher», merkt Leutert selbstkritisch an.
Gefragt sind Kreativität und die Innovationskraft der Werbung
Nicht weniger gefordert sind die Vermarkter der Werbeumfelder im Sportbereich. Paradoxerweise bringen die Sendungen, gemessen an ihren Quoten, viel zu wenig Geld in die Kasse der Publisuisse.
Der Grund liegt darin, dass Sportsendungen quer liegen zu den Planungsroutinen der Mediaagenturen und deshalb als unattraktiv gelten. Sportprogramme sind kurzfristig, unberechenbar und mit häufigen Ausfällen garniert. Bei so vielen Nachteilen überzeugen sonst stichhaltige Argumente wie zum Beispiel ein äusserst vorteilhafter TKP kaum.
Besondere Anstrengungen und Kreativität sind gefragt. Deshalb hat Publisuisse im Herbst ’99 die Stelle eines PM Sport geschaffen. Die Aufgabe von Stelleninhaber Ole Rauch: mit kundengerechteren Werbeangeboten die Erträge aus dem Umfeld Sport steigern.
Risiko minimieren ist dabei eine der wichtigsten Aufgaben. Das neuste Publisuisse-Angebot enthält eine Leistungsgarantie mit
einem Kostendach für eine bestimmte Wettkampfserie. Ergeben sich mehr als die geplanten Spiele, erhält der Kunde die zusätzliche Leistung gratis; fallen Wettkämpfe aus, bezahlt er dafür auch nicht. «Der Vorteil: Wir können diese Angebote Ende Jahr kommunizieren und uns noch in die Budgetplanung der Kunden einklinken», sagt Rauch. Damit dies auch geschieht, wird ein Zückerchen mitgeliefert: Wer sich auf der
Publisuisse-Homepage für die Sportpakete interessiert, nimmt an einem Wettbewerb teil.
Kaum Verwendung für virtuelle Werbung
International gehen die Vermarkter innovative Wege, um die Potenziale der Sportwerbung besser auszuschöpfen. Die Fifa erlaubt seit Anfang Jahr virtuelle Bandenwerbung, in Deutschland ist dies seit Anfang April möglich.
«Keine Nachfrage bei uns», winkt Leutert ab. Und auch die neuste Möglichkeit, zusätzliche Werbeplätze mit so genannten GetUps zu gewinnen, schliesst Leutert für die Schweiz bereits aus. GetUps, Teppiche neben dem Goal, die bei entsprechender Kameraeinstellung als zusätzliche Banden erscheinen, bewegen sich gemäss Leutert «im Grenzbereich zur Schleichwerbung».

Kopf der Woche: «Business to Business wird eines meiner wichtigen Gebiete werden»

Paul Riesen ist bei der Medien Z Holding AG neu verantwortlich für Marketing und Kommunikation

Paul Riesen ist bei der Medien Z Holding AG neu verantwortlich für Marketing und KommunikationKopf der Woche
«Business to Business wird eines meiner wichtigen Gebiete werden»
Kürzlich hat er Max wieder einmal gesehen. Es war in einem anderen Spot. «Der Hund ist aber immer noch gut», freut sich Paul Riesen. Max und Riesen haben sich bei der Migros gefunden. Der berühmte Jingle sowie die witzigen Kinofilme übrigens auch.
«Manchmal muss man einen Strich ziehen», sagt Paul Riesen. Für ihn hat es mit Entwicklung zu tun, dass er nach 15 Jahren als Werbechef für die Migros «etwas anderes» machen wollte. «Im Bereich Nonfood und im Gebiet Fachmärkte hat die Kommunikation wahrscheinlich sehr viel zum Markterfolg beigetragen. Da schaue ich mit Genugtuung zurück.»
Seit Mai ist jetzt Paul Riesen bei der Medien Z Holding AG verantwortlich für Marketing und Kommunikation. «Ich soll mithelfen, neue Marketingstrategien für die Gesamtunternehmung aufzubauen. Die Kommunikation soll professioneller werden», fasst er seine Stabsfunktion zusammen. Neben ihm sind im neuen Team der Geschäftsleitung Benedikt Luginbühl für Swisscontent Corporation sowie Jürg Bachofen für den Bereich Radio zuständig. Darüber fungiert Klaus Kappeler als Geschäftsführer.
«100 Millionen Franken Umsatz» hat sich der neu formierte Vermarkter von Radio, TV und Onlinemedien als ein Ziel für die Zukunft gesetzt. «Das ist aber nicht die wesentliche Information, sondern die Bewegung, die in diesem Ziel steckt», präzisiert Riesen seine neue Motivation. Als ein speziell lockendes Gebiet sieht er dabei einen Teil seiner Zukunft in den neuen Medien.
Man müsse nicht nur von Business to Consumer reden, sondern von Business to Business. Dort beginne sich die Zukunft langsam, aber vielversprechend zu formen, ist Riesen überzeugt.
Statt mit 34 Leuten unter sich, wie damals bei der Migros, wird Riesen diese Aufgaben jetzt als Einzelkämpfer angehen müssen. Eine Veränderung, die ihn genau-so lockt wie der Kulissenwechsel. Der bringt es mit sich, dass er fast täglich im Zug unterwegs zu potenziellen Geschäftspartnern wie zum Beispiel Banner.ch anzutreffen sein wird. Da passt auch gut, dass der Vater zweier erwachsener Kinder nach wie vor in Münsingen wohnhaft bleiben will.
«In einem Grossunternehmen spürt man eine gewisse Einbettung. Auf dem freien Markt weht einem ein steiferer Wind um die Ohren», analysiert der Kommunikations- und Marketingmann eine andere Erkenntnis seiner neuen Situation. In dieser kann Riesen heute auch nicht mehr jährlich rund 130 Millionen Franken wie damals als Werbechef ausgeben, er muss jetzt umgekehrt 100 Millionen Umsatz erzielen. «Einnehmen macht noch mehr Freude, das liegt in der Natur des Menschen, jedenfalls bei mir», sagt er über die neue Herausforderung.
Andreas Panzeri

Die gefilmten Vorzüge des Plakates

Publicis und Pumpkin Film realisieren ein Jubiläumsvideo für die APG

Publicis und Pumpkin Film realisieren ein Jubiläumsvideo für die APGDie Aktionäre der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) bekamen das knapp 12-minütige Imagevideo an ihrer Generalversammlung vom 24. Mai als Erste zu sehen. Jetzt wird die APG den Film im Jubiläumsjahr ihren Kunden zeigen und vor allem auch während einer Roadshow vor breiterem Publikum einsetzen, wie APG-CEO Christian Kauter erklärte.Inhaltlich geht es bei dem von Publicis realisierten Film um die Vorteile des Plakats, auch wenn nur die APG-Produktepalette gezeigt wird. Für die Produktion verantwortlich zeichnet Susann Henggeler von Pumpkin Film.
Das Imagevideo kommt nicht als APG-Prospekt daher, sondern mit Testimonials von Angie Becker («Ich bin der lebendige Beweis dafür, wie schnell Plakate wirken») und von Kommunikationsprofis wie Benedikt Weibel (SBB), Sabine Krippendorf (Swisscom), Martin Heller (Expo.02) oder Markus Gut (Publicis).
Der Auftritt des Letzteren wirkt allerdings peinlich. Was ist von Gut anderes zu erwarten als ein Lob auf das Medium seines Auftraggebers? Jedes andere Statement irgend eines Mediaplaners aus einer anderen Agentur wäre nicht nur ebenso gut, sondern glaubwürdiger gewesen.
Markus Knöpfli

Bilan startet mit neuem Elan

Das Westschweizer Wirtschaftsmagazin präsentiert sich nach einer gründlichen Renovation neu

Das Westschweizer Wirtschaftsmagazin präsentiert sich nach einer gründlichen Renovation neuVon Christophe Büchi Das welsche Wirtschaftsmagazin Bilan aus dem Hause Edipresse erscheint Ende dieses Monats in einer neuen Aufmachung und mit einem neuen Konzept. Der neue Chefredaktor Alain Jeannet will aus seiner Monatszeitschrift wieder das Referenzobjekt par excellence des welschen Wirtschaftsjournalismus machen.
Die Zeiten, als die welsche Bilanz-Schwester Bilan allein auf weiter Flur in einem dürren welschen Wirtschaftspressewald stand, sind vorbei. Zwischen den Bäumen wurde viel Jungwald gepflanzt. Das frühere Börsenblatt L’Agefi hat sich zu einer richtigen Wirtschaftstageszeitung, ja so-gar zur einzigen täglich erscheinenden Wirtschaftszeitung der Schweiz gemausert; und dank einem sehr erfolgreichen Going Public hat Verleger Alain Fabarez heute Geld wie Heu.
Nicht umsonst plant er, demnächst ein Monatsmagazin zu lancieren. Da ist aber auch das PME Magazine aus der Gruppe Handelszeitung (PME = KMU = Kleine und Mittlere Unternehmen), das unter dem neuen Chefredaktor François Schaller Ambitionen entwickelt. Dann hat auch das Ringier-Wochenmagazin L’Hebdo seinen Wirtschaftsteil stark ausgebaut. Und die Tageszeitung Le Temps, hinter der potente welsche Wirtschaftsvertreter wie der Genfer Privatbankier Bénédict Hentsch und die Sandoz-Familienstiftung stehen, betrachtet die Wirtschaft ohnehin als ihr Jagdrevier.
Für Bilan ist also die Zeit gekommen, wieder einmal ein Halali zu blasen. Der neue Chefredaktor Alain Jeannet, der Max Mabillard abgelöst hat, erläutert der WerbeWoche die Stossrichtung: «Wir werden weiterhin ein Haut-de-gamme-Magazin machen. Gleichzeitig wollen wir aber näher an die Leser heran und auch moderner auftreten. Zudem geht es mir darum, dass wir prospektiv denken und vermehrt praktische Informationen anbieten.»
Der Fürst kontert die Attacken auf seinen Finanzplatz
Was dies konkret bedeutet, erkennt man in der Bilan-Ausgabe, die am 31. Mai erscheint. In einem ersten Abschnitt unter dem Titel «Acteurs & Tendances»
wird makroökonomischer Wirtschaftsjournalismus betrieben. Die Juninummer kommt unter anderem mit einem grossen Report über die besten welschen Arbeitgeber daher, der auf einer Umfrage in 800 Unternehmen beruht. Ausserdem enthält sie ein Interview mit dem Fürsten von Liechtenstein in Sachen Finanzplatz Ländle.
Im Magazinteil «Entreprendre» geht es von der Makro- zur Mikroökonomie. Hier wird das Geschehen auf Unternehmensebene beleuchtet. Da kann man beispielsweise lesen, wie die im Papierhandel tätige Firma Baumgartner einen Unfriendly Take-over des Raiders Asher Edelman abwehren will. Oder wie sich die Telecomrechnung in einem Unternehmen senken lässt.
Der Teil «Idées fortes» ist der intellektuellen Auseinandersetzung um wirtschaftliche Fragen vorbehalten. Der wissenschaftliche Berater von Ares-Serono äussert sich beispielsweise zur New Economy. Und der Logitech-Chef Daniel Borel hat hier seine regelmässige Rubrik.
Grosse Anstrengungen unternehmen die neuen Bilan-Mächtigen im Bereich Internet. Der Teil «E-Bilan» kommt mit einem wuchtigen «Who’s who.ch»: 100 Personen, die im welschen E-Business eine Schlüsselrolle spielen, werden porträtiert. In einem letzten Teil, ganz anglophil mit «My Bilan» überschrieben, wird schliesslich etwas Lifestyle ausgebreitet. Hier geht es um Geld, Karriere und Genuss.
Da liest man über die sieben Traumvillen, die in der Romandie zur Zeit zu erstehen sind, und ähnliches mehr. Jeannet: «Die welsche Wirtschaftspresse ist ein kleines Segment. Wenn man Erfolg haben will, muss man einen bunten Themencocktail bieten, in dem eben auch Lifestylefragen enthalten sein müssen.»
Die Auflage von Bilan soll steil abheben
Das neue Bilan tischt mit 208 Seiten inklusive 75 Werbeseiten dick auf. In den besten Zeiten verkaufte Bilan an die 23000 Exemplare, heute liegt die Auflage bei 20000. Nach einigen Jahren der Stagnation – das PME Magazine lässt grüssen – soll nun die Auflagenkurve wieder nach oben gebogen werden.
Jeannet will darum die Zusammenarbeit mit Bilanz aktivieren, obwohl das neue Erscheinungsbild eher vom alten Bilan-Bilanz-Konzept abrückt. Letzteres hat seinen guten Grund. «Im Gegensatz zu den Deutschschweizer Medien, die sich stärker spezialisieren können, muss eine welsche Wirtschaftszeitschrift als ‹généraliste› auftreten», erklärt Jeannet. Als früherer Ringier-Pionier im Fernen Osten ist er ja auch mit den Zürcher Verhältnissen bestens vertraut.

Nur glücklich ohne Lücke

Swisscom Mobile nimmt die Löcher in den Netzen ihrer Mitbewerber aufs Korn

Swisscom Mobile nimmt die Löcher in den Netzen ihrer Mitbewerber aufs KornEine von der Zürcher Werbeagentur Publicis für Swisscom Mobile konzipierte kommunikative Gegenoffensive weiss genau, worauf sie zielt: auf die letzte Schwachstelle ihrer Mitbewerber, die lückenhafte Mobilnetzabdeckung junger Telecomgesellschaften wie Diax und Orange. Mit witziger Radio- und Fernsehwerbung schiesst Swisscom Mobile auf die Löcher in der Mobilfunknetzabdeckung ihrer Mitbewerber. Der Auftritt leuchtet den eigenen, potenziellen, am meisten wohl aber den betroffenen Mobilnetzteilnehmern ein, zu deren Gesprächsalltag es offenbar gehört, dass immer wieder Verbindungen aufgrund lückenhafter Abdeckung plötzlich abreissen. Der Auftritt ist eine kommunikative Demonstration der Stärke, mit der die ehemalige Monopolistin muskulös ihren Anspruch auf die Marktführung im Boombusiness Mobilfunk geltend macht. Indem sie – ganz nach dem Motto «Schadenfreude ist die schönste Freude» – ihre Mitbewerber durch die Lücken und über die Ränder ihrer unfertigen Netze schubst. Seite 18

Doch die Nummer 2

Pendlerzeitung 20 Minuten will im Herbst nach Bern und Basel

Pendlerzeitung 20 Minuten will im Herbst nach Bern und BaselVon Markus Knöpfli Eine neue Demoscope-Studie sagt klar: Für die 15- bis 49-jährigen Zürcher ist 20 Minuten die Nummer 2 unter den Zeitungen. Doch die Pendlerzeitung will mehr und lanciert ab Herbst zwei Ableger in Bern und Basel.
Vergangene Woche erst wurde 20 Minuten für seine Behauptung gerügt, in Zürich die Nummer 2 unter den Zeitungen zu sein (siehe S. 2), doch jetzt tischt das Blatt diese Aussage erneut auf. Anders als in der im März veröffentlichten Studie baut 20 Minuten diesmal auf Fakten: Es liess während drei Aprilwochen 2000 Personen im WG 43 von Demoscope befragen und auch die anderen Zürcher Titel miterheben.
Gemäss der Studie ist 20 Minuten zumindest bei den 15- bis 49-Jährigen die Nummer 2: 33 Prozent von ihnen lesen 20 Minuten häufig oder ab und zu. Nur der Tages-Anzeiger (62 Prozent) wird in dieser Zielgruppe häufiger gelesen. Den ZürichExpress (ZE) beachten noch 30 Prozent, abgeschlagen ist Metropol mit 15 Prozent, Blick und NZZ kommen auf 22, beziehungsweise 26 Prozent.
Bei der Zielgruppe der 15- bis 29-Jährigen fällt das Resultat noch deutlicher aus: Der Tagi kommt auf 58 Prozent, gefolgt von 20 Minuten mit 46 und ZE mit 37 Prozent. Metropol erreicht lediglich 19 Prozent. Nimmt man hingegen das Total der Befragten, wird 20 Minuten hinter dem Tagi (62 Prozent) und dem ZE (32) mit 31 Prozent auf den dritten Platz gesetzt. 35 Prozent würden eher auf Metropol, 13 Prozent auf 20 Minuten und bloss 11 Prozent auf den ZE verzichten.
Jüngere Leser würden auf Metropol verzichten können
Noch eine Aussage lässt aufhorchen: Je jünger das Publikum, desto eher würde es auf Metropol verzichten. 48 Prozent der 15- bis 29-Jährigen brauchen Metropol nicht, während nur 12 Prozent ohne 20 Minuten und immerhin 15 Prozent ohne ZE leben könnten. Bei der Gesamtheit der Befragten waren die Unterschiede weniger gross: 35 Prozent würden am ehesten auf Metropol, 13 Prozent auf 20 Minuten und bloss 11 Prozent auf den ZE verzichten.
Solche Zahlen scheinen 20 Minuten zu beflügeln: Das Blatt ist daran, im Herbst auch in Bern und Basel zeitgleich Pendlerblätter zu lancieren, erklärte 20-Minuten-Projektleiter Sacha Wigdorovits.
Hat 20 Minuten Schweiz – wie vor dem Start in Zürich – den Verlagen in Basel und Bern Kooperationsangebote unterbreitet? «No comment», sagten Wigdorovits und Beat Meyer, VR-Delegierter der Basler Mediengruppe (BMG). Dementis gibt es keine. Charles von Graffenried, VR-Präsident der Berner Tagblatt Medien (BTM), bestätigt hingegen, dass 20 Minuten schon vor etwa sechs Monaten bei ihm angeklopft habe. Konkrete Gespräche habe es noch nicht gegeben, die BTM wolle zuerst den für heute in Aussicht gestellten Entscheid betreffend Konzession für amtliche Publikationen in und um Bern abwarten. Unklar ist, ob auch der Bund mit einem 20-Minuten-Angebot beglückt wurde, Verlagsdirektor J. Pepe Wiss war für die WerbeWoche nicht zu erreichen
46 Prozent der 15- bis 29-Jährigen im Millionenzürich
lesen 20 Minuten
Leserkreis 2 (Häufig-/Ab-und-zu-Leser) WG 43DemoSCOPE Medienradar April 2000
Stichprobe: 2000 Interviews, Zeitraum 3 Wochen

Jahrbuch 2000.

Bereits in 37. Auflage ist beim Econ Ullstein Verlag in München das Jahrbuch der Werbung erschienen.

Bereits in 37. Auflage ist beim Econ Ullstein Verlag in München das Jahrbuch der Werbung erschienen. Auf 800 Seiten finden sich Kampagnen des Jahres, Newcomer-Agenturen, Themen des Jahres oder Positionsbestimmungen für 2000. Sarah Rieder schrieb einen Beitrag über «Das Werbejahr 1999 in der Schweiz». Ausserdem werden Bildsprachen, Leadkampagnen oder Kommunikationsstandorte analysiert. Neues aus dem Bienenhaus. Die neue Stop-Aids-Kampagne ist laut Bundesrat nicht pornografisch. Sie verletze auch nicht in schwerer Weise religiöse Gefühle, heisst es in der Antwort auf eine Interpellation von EDU-Nationalrat Christian Waber. Dieser sieht in den Sujets der Kampagne von Seiler DDB cR Basel «pornografische Aussagen» und vermisst «neue Inhalte wie Treue und Verantwortung». Weil die Übertragung des HI-Virus in engem Zusammenhang mit Sexualkontakten stünde, müsse die Stop-Aids-Kampagne aber «immer wieder die Sexualität zum Inhalt haben», schreibt der Bundesrat, der ausserdem die Ansicht vertritt, Jugendliche seien zwar treu, würden aber «nach einer gewissen Zeit» Partner oder Partnerin wechseln.
Lifestyle zum Nachtisch. Nachtisch nennt sich ein neues Schweizer Trend- und Lifestylemagazin, das am 20. Mai erstmals in einer Auflage von 10000 Exemplaren erschienen ist und sich an ein urbanes Publikum von 18 bis 30 Jahren richtet. Gemacht wird Nachtisch von Studenten, Journalisten und Grafikern aus Bern. Die erste Ausgabe war mit Anzeigen beinahe ausgebucht. Man überlege sich aber, bei einer Vermarktungsagentur unterzukommen, erklärte Redaktor Christof Moser der WerbeWoche. Die Website von Nachtisch präsentiert zurzeit Auszüge aus dem Heft, in zwei bis drei Wochen sollen auch webspezifische Inhalte dazukommen, die eine Onlineredaktion erstellt.
Berliner Type sucht Design. Zum 32. Mal schreibt der kommunikationsverband.de in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Druck und Medien die Berliner Type aus. Dieser internationale Award prämiert die besten Druckschriften im deutschsprachigen Raum. Bewertet werden Prospekte, Broschüren, Kataloge, Sales Folder, Geschäfts- und Umweltberichte, Mitarbei-ter-, Kunden- und Werkzeitschriften, Corporate Design Manuals sowie Dokumentationen. Zudem wird ein Internationaler Corporate Design Award vergeben. Agenturen, Unternehmen, Kreative und Medien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind gebeten, ihre besten Produktionen bis zum 9. Juni einzureichen. Unterlagen gibt es bei Telefon 0049 228 94913 0.
Vergleich von 20 Minuten war unlauter. Die im Februar von der Pendlerzeitung 20 Minuten veröffentlichte Behauptung, die Nummer 2 unter den Zürcher Zeitungen zu sein, war unlauter. Dies hat ein Ausschuss der Schweizerischen Lauterkeitskommission festgestellt und eine entsprechende Beschwerde des ZürichExpress (ZE) gutgeheissen. 20 Minuten hatte von Demoscope die eigenen Leserzahlen erheben lassen und diese dann mit den Wemf-Daten der anderen Zürcher Tageszeitungen verglichen, jedoch den ZE nicht berücksichtigt. 20-Minuten-VR-Präsident Wolfgang Larese erwägt, den Entscheid an das Plenum der Lauterkeitskommission weiterzuziehen. Unterdessen hat aber der ZE auch eine Zivilklage gegen 20 Minuten erhoben.
800 Zeitungsboxen für Metropol. Die Pendlerzeitung Metropol wird im Juni rund 300 zusätzliche Zeitungsboxen an Bahnhöfen aufstellen. Ende Juni sollten somit im Gebiet zwischen Schaffhausen, Frauenfeld, Zug und Baden insgesamt 800 bis 850 Metropol-Boxen stehen, sagte Geschäftsführer Urs Zeier. Seit Mittwoch erscheint Metropol mit einem herauslösbaren redaktionell eingeleiteten Immobilienbund. Dieser ist mit einer Punktklebung so in das Hauptblatt eingebunden, dass er leicht herausgelöst werden kann.
Werblicher Fehltritt der Schweizer «Software-Polizei». Jeder ist unschuldig bis zum Beweis seiner Schuld: Um diesen strafrechtlichen Grundsatz foutiert sich eine Werbung des Schweizer Ablegers der Business Software Alliance (BSA). Der internationale Interessenverband bemüht sich, das Volumen raubkopierter Software einzudämmen. Ein derzeit aushängendes B12-Plakat der BSA Switzerland beschuldigt pauschal alle Leserinnen und Leser der Delinquenz. Konzipiert hat den Auftritt die Münchner Werbeagentur Fahrnholz Junghanns & Raetzel. Die Headline verurteilt den Betrachter nicht nur a priori, ohne den geringsten begründeten Verdacht gegen ihn, sondern droht gleich noch Konsequenzen an. Selbst wenn die Rechnung der BSA Switzerland stimmt und eine Raubkopierate von 33 Prozent der Softwareindustrie 1998 tatsächlich einen direkten Schaden von rund 115 Millonen Franken beigebracht hat, bleibt es ein werblicher Fehltritt, mithin eine Arroganz, die dümmer ist, als es der Verstand erlaubt.
AZ Medien Gruppe präsentiert gutes Ergebnis. Die AZ Medien Gruppe hat 1999 den Umsatz um 4,8 Prozent auf 196 Millionen Franken steigern können. Der Betriebsgewinn stieg um 11,2 Prozent auf 12,1 Millionen, der Konzerngewinn um 4,2 Prozent auf 4,5 Millionen Franken. Alle Geschäftsbereiche haben sich verbessert; nur im Bereich Kundendruck wurden die Budgetziele nicht erreicht. Aus dem Verwaltungsrat scheiden Hans-Erich Fischer und Eduard Stäuble aus, als neues Mitglied vorgeschlagen ist Frank Boller, Geschäftsleitungsvorsitzender bei Diax.
SBB wollen Boxenstandorte in Basel und Bern anbieten. Nach den S-Bahnhöfen in und um Zürich wollen die SBB auch die Bahnhöfe in den Regionen Bern und Basel den Pendlerzeitungen als Boxenstandorte anbieten. Im Gegensatz zu Zürich, wo die SBB im Alleingang Boxenstandorte anboten, wollen sie in Basel und Bern die Ausschreibung mit anderen Anbietern des öffentlichen Verkehrs koordinieren. Erste Sitzungstermine wurden in Bern bereits anberaumt, in Basel laufen erst lose Kontakte.
EditorialWerber oder Mathematiker?
Die Diskussion über die Wirkung von Werbung ist so alt wie die Werbung. Kein anderes Thema beschäftigt Kunden und Agenturen mehr als die Frage nach dem Erfolg ihrer Werbung. Nicht selten gehen die Wogen hoch: Den Auftraggebern wird vorgeworfen, ihnen fehle es an Mut zu innovativer Werbung, den Kreativen in den Agenturen hält man entgegen, sie interessierten sich nur für Medaillen und Würfel und weniger für den konkret messbaren Werbeerfolg.
Werbewirkungsforschung hat noch einen weiten Weg vor sich. Accountability in Advertising wird in den angelsächsischen Ländern eine grössere Bedeutung beigemessen als in Kontinentaleuropa (siehe auch WW 18/00). Doch inzwischen werden auch bei uns die Werbeausgaben von den Rechnungsabteilungen der Werbeauftraggeber kritischer unter die Lupe genommen, müssen Marketingleute Nachweise der Werbewirksamkeit liefern. Kein Zufall: Kürzlich ist das Buch «Accountable Advertising. A Handbook for Managers and Analysts» von Simon Broadbent auf Deutsch erschienen. Im Artikel auf Seite 22 stellt Wolfgang J. Koschnick dessen Ansatz vor. Dabei steht der rationale Einsatz von Werbegeldern im Mittelpunkt. Seine Maxime lautet: «Leute, macht jeden Schritt, den ihr in der Werbung tut, so gut berechenbar wie möglich. Dann kann relativ wenig passieren.»
Die Unsicherheit der Kunden, ob ihre Werbegelder wirklich gut angelegt sind, hat im Mediabereich einen neuen Markt für Mediacontroller eröffnet. Diese bieten ein Media Auditing an und prüfen, ob die Werbegelder gut angelegt sind. Im November 1998 stieg Media Audits mit dieser neuen Dienstleistung in den deutschen Markt ein. Die internationale Beratungsgesellschaft schaut den Mediaagenturen auf die Finger, um für ihre Kunden mehr herauszuholen. Media Audit errechnet unter Einbezug von Marketing- und Mediadaten die Kennziffern für einen optimalen Werbeeinsatz. Im ersten Jahr betreute die deutsche Niederlassung bereits ein Volumen von über zwei Milliarden Mark. Auf die weitere Entwicklung darf man gespannt sein.
Samuel Helbling

Nightclub für surfende Fussballfans

Eurosport möchte zur EM Internet und Fernsehen miteinander verbinden

Eurosport möchte zur EM Internet und Fernsehen miteinander verbindenAn der Fussball-EM möchte Eurosport das Internet in seine Fernsehberichterstattung integrieren und damit eine neue TV-Ära einläuten: Im «EURO 2000 Nightclub» bietet der paneuropäische Sportkanal auf seiner Website aktuelle Berichterstattungen in Text und Ton zu allen Spielen. Eurosport wird dabei auf seiner Website nur die besten Szenen ausstrahlen können, denn laut Fabian Winkler, Presseverantwortlicher der Eurosport AG Schweiz in Zürich, ist eine direkte Videoübertragung der Spiele aus rechtlichen Gründen nicht möglich.
Neben der aktuellen Berichterstattung bietet der Sportsender Statistiken und Hintergrundinformationen zu allen Teams und Spielern. Fussballliebhaber können in Chaträumen und Diskussionsforen essentielle Fragen wie die Berechtigung einer roten Karte erörtern und ihre Meinung kundtun, wer Europameister wird oder wer zum besten Spieler gewählt werden sollte.
Ab Mitternacht verschmelzen Fernsehen und Internet
Ab Mitternacht werden Internet und Fernsehen richtig verbunden. Besucher der Website www.eurosport.com entscheiden, was europäische Fernsehzuschauer nachts in der rechten oberen Ecke des Bildschirms zu sehen bekommen. Sie stimmen etwa darüber ab, welches Spiel nachts nochmals ausgestrahlt werden soll. Auf der Wahlliste stehen auch Wiederholungen vergangener Europameisterschaften und Beiträge zu bestimmten Themen.
Auf der rechten Bildschirmseite blendet sich zeitweise eine Webcam direkt aus einer Amsterdamer Bar ein. Und im unteren Teil des Fernsehbildes werden Statements und Grussbotschaften aus dem Chat wiedergegeben. Untermalt ist der «EURO 2000 Nightclub» mit Musik, Moderatoren gibt es keine.
Um die EM-begeisterten Massen auf die Webpage zu locken, setzt Eurosport unter anderem auf Aktionen in verschiedenen Bars in den Kantonen Zürich, Bern, Luzern und St.Gallen, wo die Besucher bei Verlosungen Merchandisingartikel gewinnen können.
Laut Winkler handelt es sich bei der Verquickung von TV und Internet um einen Testlauf: Sollte sich das Konzept als erfolgreich erweisen, könnten auch weitere Events auf diese Art begleitet werden. Der nächste Grossanlass steht schon vor der Tür: die Olympischen Spiele in Sydney.
Alessandro Monachesi

Shortlist: ADC-Buch brachte Erleuchtung

Alle Jahre wieder feiern der Art Directors Club, vulgo ADC, und seine Mitglieder nicht nur die Vernissage des Jahrbuchs, sondern ein bisschen und immer wieder auch sich selbst.

Alle Jahre wieder feiern der Art Directors Club, vulgo ADC, und seine Mitglieder nicht nur die Vernissage des Jahrbuchs, sondern ein bisschen und immer wieder auch sich selbst.ADC-Buch brachte Erleuchtung Von Beat Fritsch
Alle Jahre wieder verleiht der ADC einer Institution, die einen aussergewöhnlichen, innovativen Beitrag zur kreativen Kultur und ihrer Verbreitung leistet, einen Sonderpreis. Er ging an das Jazzfestival Willisau, beziehungsweise an dessen Initiator und unermüdlichen Organisator, den im fernen Willisau residierenden Grafiker Niklaus Troxler. Er schaffte es, mit hartnäckigem Einsatz sein Festival zu einem der führenden Events des Modern Jazz zu machen. ADC-Präsident Jean-Etienne Aebi bemerkte am Rande, dass man Troxler eh schon die ganze Zeit mit Würfeln auszeichnen müsste, weil seine Arbeiten jeweils so gut seien. Da sei der Sonderpreis nur die folgerichtige Konsequenz.
Alle Jahre wieder nehmen die honorigen Mitglieder des ADC für die Dauer eines Jahres eine Person in ihre Reihen auf, die ausserhalb der Werbung mit Konstanz einen öffentlich wirksamen Beitrag zur kreativen Kommunikation auf hohem Niveau leistete. Mit der Wahl des Tages-Anzeiger-Karikaturisten Nico zum diesjährigen Gastmitglied ehrte der ADC wahrlich jemanden mit einer höchst kreativen, allerdings auch sehr spitzen Feder. Nicos Karikaturen bewegen sich immer haarscharf entlang der Grenzen der Political correctness. Aber nicht nur seine Karikaturen: Billy Wilder zitierend, verglich er Ehrungen mit Hämorrhoiden – mit zunehmendem Alter kriege sie jedes Arschloch. Solch träfe Sprüche, gut unter der Gürtellinie angesiedelt, gefielen den Anwesenden natürlich besonders. Aber Nico ist nicht nur seiner Zeichnungen wegen seit längerem ein Liebling des ADC. Mit steter Regelmässigkeit wurden bereits auch die Kampagnen für Nicos Jahrbücher mit zahlreichen Würfelehren ausgezeichnet.
Alle Jahre wieder wagt sich jeweils auch ein ADC-Exponent an die Gestaltung des Jahrbuchs. Heuer fiel die Ehre Frank Bodin zu, seines Zeichens CD von McCann-Erickson Genf. Seine Idee, das Buch mit einer Art Lichtskulptur als Deckel auszustatten, sorgte zwar für eine horrende Kostenexplosion, vermochte aber letztlich auch die Sponsoren zu begeistern und den Schatzmeister des ADC zu beruhigen. Noch nicht bestätigt wurde freilich das Gerücht, Bodin solle nun auch die ADC-Würfel fürs neue Jahrtausend gestalten – ebenfalls in Form leuchtender Objekte.
Alle Jahre wieder sonnen sich die einen im Lob, derweil andere malochen. Gemeint ist Helen Müller, die als ADC-Geschäftsführerin im Hintergrund unermüdlich für die Organisation der ADC-Anlässe verantwortlich ist und die Infrastruktur des Kreativverbands aufrechterhält.
Dass übrigens gleichentags auch die Werberin des Jahres, Danielle Lanz, ihren Geburtstag feierte, ging im Trubel der Ehrungen vollständig unter. Wir gratulieren nachträglich ganz herzlich. Etliche Sorgenfalten sah man auf der Stirn von «Mister Goldenes Ohr» alias Frank Bienenfeld. Es wird gemunkelt, die Organisation des Radiospotwettbewerbs liege ihm noch etwas auf dem Magen.
Fazit der Vernissage: Vielleicht überstrahlt die geballte kreative Kraft des Jahrbuchinhalts so manche tägliche Leistung unserer ADs und Texter. Als Objekt würde es übrigens jedem Designer-wohnzimmer gut anstehen. Denn für einen gezielten Einsatz im Schlafraum reicht die Lichtstärke des Buchdeckels noch nicht zum Nachttischlampenersatz. Wie eines der erklärenden Piktogramme auf der Umschlaginnenseite zeigt, tut es das Jahrbuch aber alleweil als schummriger Leuchtkörper zur Erhellung einer heissen Nummer unter der Bettdecke. Und da dem Buch nach zwei bis drei Stunden die Batterien ausgehen, scheint es für diesen Zweck geradezu prädestiniert zu sein. Wers gerne länger tut, wechselt halt einfach die Batterien.
Das erhellende ADC-JahrbuchH 2000 wurde von Frank Bodin konzipiert und darf nicht nur wegen der zeitlichen Koinzidenz als Wurf des Jahrtausends bezeichnet werden.
Das Buch – oder genauer, das Objekt in Buchform – ist ein durchaus gelungenes Werk. Dies war auch der Grundtenor der Kreativen anlässlich der Vernissage; obwohl sich diese Zunft ja bekanntlich eher durch Kollegenschelte als Lob hervortut. «Outstanding» war ein Prädikat, das an mehreren Ecken zu hören war. Frank Bodin hat offensichtlich herausragende Arbeit geleistet.
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