Bereits in 37. Auflage ist beim Econ Ullstein Verlag in München das Jahrbuch der Werbung erschienen. Auf 800 Seiten finden sich Kampagnen des Jahres, Newcomer-Agenturen, Themen des Jahres oder Positionsbestimmungen für 2000. Sarah Rieder schrieb einen Beitrag über «Das Werbejahr 1999 in der Schweiz». Ausserdem werden Bildsprachen, Leadkampagnen oder Kommunikationsstandorte analysiert. Neues aus dem Bienenhaus. Die neue Stop-Aids-Kampagne ist laut Bundesrat nicht pornografisch. Sie verletze auch nicht in schwerer Weise religiöse Gefühle, heisst es in der Antwort auf eine Interpellation von EDU-Nationalrat Christian Waber. Dieser sieht in den Sujets der Kampagne von Seiler DDB cR Basel «pornografische Aussagen» und vermisst «neue Inhalte wie Treue und Verantwortung». Weil die Übertragung des HI-Virus in engem Zusammenhang mit Sexualkontakten stünde, müsse die Stop-Aids-Kampagne aber «immer wieder die Sexualität zum Inhalt haben», schreibt der Bundesrat, der ausserdem die Ansicht vertritt, Jugendliche seien zwar treu, würden aber «nach einer gewissen Zeit» Partner oder Partnerin wechseln.
Lifestyle zum Nachtisch. Nachtisch nennt sich ein neues Schweizer Trend- und Lifestylemagazin, das am 20. Mai erstmals in einer Auflage von 10000 Exemplaren erschienen ist und sich an ein urbanes Publikum von 18 bis 30 Jahren richtet. Gemacht wird Nachtisch von Studenten, Journalisten und Grafikern aus Bern. Die erste Ausgabe war mit Anzeigen beinahe ausgebucht. Man überlege sich aber, bei einer Vermarktungsagentur unterzukommen, erklärte Redaktor Christof Moser der WerbeWoche. Die Website von Nachtisch präsentiert zurzeit Auszüge aus dem Heft, in zwei bis drei Wochen sollen auch webspezifische Inhalte dazukommen, die eine Onlineredaktion erstellt.
Berliner Type sucht Design. Zum 32. Mal schreibt der kommunikationsverband.de in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Druck und Medien die Berliner Type aus. Dieser internationale Award prämiert die besten Druckschriften im deutschsprachigen Raum. Bewertet werden Prospekte, Broschüren, Kataloge, Sales Folder, Geschäfts- und Umweltberichte, Mitarbei-ter-, Kunden- und Werkzeitschriften, Corporate Design Manuals sowie Dokumentationen. Zudem wird ein Internationaler Corporate Design Award vergeben. Agenturen, Unternehmen, Kreative und Medien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind gebeten, ihre besten Produktionen bis zum 9. Juni einzureichen. Unterlagen gibt es bei Telefon 0049 228 94913 0.
Vergleich von 20 Minuten war unlauter. Die im Februar von der Pendlerzeitung 20 Minuten veröffentlichte Behauptung, die Nummer 2 unter den Zürcher Zeitungen zu sein, war unlauter. Dies hat ein Ausschuss der Schweizerischen Lauterkeitskommission festgestellt und eine entsprechende Beschwerde des ZürichExpress (ZE) gutgeheissen. 20 Minuten hatte von Demoscope die eigenen Leserzahlen erheben lassen und diese dann mit den Wemf-Daten der anderen Zürcher Tageszeitungen verglichen, jedoch den ZE nicht berücksichtigt. 20-Minuten-VR-Präsident Wolfgang Larese erwägt, den Entscheid an das Plenum der Lauterkeitskommission weiterzuziehen. Unterdessen hat aber der ZE auch eine Zivilklage gegen 20 Minuten erhoben.
800 Zeitungsboxen für Metropol. Die Pendlerzeitung Metropol wird im Juni rund 300 zusätzliche Zeitungsboxen an Bahnhöfen aufstellen. Ende Juni sollten somit im Gebiet zwischen Schaffhausen, Frauenfeld, Zug und Baden insgesamt 800 bis 850 Metropol-Boxen stehen, sagte Geschäftsführer Urs Zeier. Seit Mittwoch erscheint Metropol mit einem herauslösbaren redaktionell eingeleiteten Immobilienbund. Dieser ist mit einer Punktklebung so in das Hauptblatt eingebunden, dass er leicht herausgelöst werden kann.
Werblicher Fehltritt der Schweizer «Software-Polizei». Jeder ist unschuldig bis zum Beweis seiner Schuld: Um diesen strafrechtlichen Grundsatz foutiert sich eine Werbung des Schweizer Ablegers der Business Software Alliance (BSA). Der internationale Interessenverband bemüht sich, das Volumen raubkopierter Software einzudämmen. Ein derzeit aushängendes B12-Plakat der BSA Switzerland beschuldigt pauschal alle Leserinnen und Leser der Delinquenz. Konzipiert hat den Auftritt die Münchner Werbeagentur Fahrnholz Junghanns & Raetzel. Die Headline verurteilt den Betrachter nicht nur a priori, ohne den geringsten begründeten Verdacht gegen ihn, sondern droht gleich noch Konsequenzen an. Selbst wenn die Rechnung der BSA Switzerland stimmt und eine Raubkopierate von 33 Prozent der Softwareindustrie 1998 tatsächlich einen direkten Schaden von rund 115 Millonen Franken beigebracht hat, bleibt es ein werblicher Fehltritt, mithin eine Arroganz, die dümmer ist, als es der Verstand erlaubt.
AZ Medien Gruppe präsentiert gutes Ergebnis. Die AZ Medien Gruppe hat 1999 den Umsatz um 4,8 Prozent auf 196 Millionen Franken steigern können. Der Betriebsgewinn stieg um 11,2 Prozent auf 12,1 Millionen, der Konzerngewinn um 4,2 Prozent auf 4,5 Millionen Franken. Alle Geschäftsbereiche haben sich verbessert; nur im Bereich Kundendruck wurden die Budgetziele nicht erreicht. Aus dem Verwaltungsrat scheiden Hans-Erich Fischer und Eduard Stäuble aus, als neues Mitglied vorgeschlagen ist Frank Boller, Geschäftsleitungsvorsitzender bei Diax.
SBB wollen Boxenstandorte in Basel und Bern anbieten. Nach den S-Bahnhöfen in und um Zürich wollen die SBB auch die Bahnhöfe in den Regionen Bern und Basel den Pendlerzeitungen als Boxenstandorte anbieten. Im Gegensatz zu Zürich, wo die SBB im Alleingang Boxenstandorte anboten, wollen sie in Basel und Bern die Ausschreibung mit anderen Anbietern des öffentlichen Verkehrs koordinieren. Erste Sitzungstermine wurden in Bern bereits anberaumt, in Basel laufen erst lose Kontakte.
EditorialWerber oder Mathematiker?
Die Diskussion über die Wirkung von Werbung ist so alt wie die Werbung. Kein anderes Thema beschäftigt Kunden und Agenturen mehr als die Frage nach dem Erfolg ihrer Werbung. Nicht selten gehen die Wogen hoch: Den Auftraggebern wird vorgeworfen, ihnen fehle es an Mut zu innovativer Werbung, den Kreativen in den Agenturen hält man entgegen, sie interessierten sich nur für Medaillen und Würfel und weniger für den konkret messbaren Werbeerfolg.
Werbewirkungsforschung hat noch einen weiten Weg vor sich. Accountability in Advertising wird in den angelsächsischen Ländern eine grössere Bedeutung beigemessen als in Kontinentaleuropa (siehe auch WW 18/00). Doch inzwischen werden auch bei uns die Werbeausgaben von den Rechnungsabteilungen der Werbeauftraggeber kritischer unter die Lupe genommen, müssen Marketingleute Nachweise der Werbewirksamkeit liefern. Kein Zufall: Kürzlich ist das Buch «Accountable Advertising. A Handbook for Managers and Analysts» von Simon Broadbent auf Deutsch erschienen. Im Artikel auf Seite 22 stellt Wolfgang J. Koschnick dessen Ansatz vor. Dabei steht der rationale Einsatz von Werbegeldern im Mittelpunkt. Seine Maxime lautet: «Leute, macht jeden Schritt, den ihr in der Werbung tut, so gut berechenbar wie möglich. Dann kann relativ wenig passieren.»
Die Unsicherheit der Kunden, ob ihre Werbegelder wirklich gut angelegt sind, hat im Mediabereich einen neuen Markt für Mediacontroller eröffnet. Diese bieten ein Media Auditing an und prüfen, ob die Werbegelder gut angelegt sind. Im November 1998 stieg Media Audits mit dieser neuen Dienstleistung in den deutschen Markt ein. Die internationale Beratungsgesellschaft schaut den Mediaagenturen auf die Finger, um für ihre Kunden mehr herauszuholen. Media Audit errechnet unter Einbezug von Marketing- und Mediadaten die Kennziffern für einen optimalen Werbeeinsatz. Im ersten Jahr betreute die deutsche Niederlassung bereits ein Volumen von über zwei Milliarden Mark. Auf die weitere Entwicklung darf man gespannt sein.
Samuel Helbling