Weber Hodel Schmid muss um Smart kämpfen. Die Herstellerin Micro Compact Car (MCC) hat das internationale Budget, bisher von Weber Hodel Schmids Smart Factory in Zürich betreut, zum Pitch ausgeschrieben. Beteiligt ist neben WHS unter anderen die Mercedes-Hausagentur Springer & Jacoby, wie MCC-Pressesprecher Florian Moser gegenüber der WerbeWoche bestätigte. Das Budget für den deutschen Markt hat WHS bereits an Springer & Jacoby verloren. Die Hamburger Agentur konnte sich bei der DaimlerChrysler-Vertriebsorganisation gegen WHS Berlin durchsetzen.WHS Wien und Berlin ausgezeichnet. An der diesjährigen Preisverleihung des Creative Club Austria wurde einer Kampagne von WHS Wien für die Wiener Obdachlosen-Zeitung Augustin wegen – wie Creative Director Andreas Putz beteuerte – unbegründeten «Kupferverdachts» eine Goldmedaille aberkannt. Nun wurde das Anzeigensujet «Bettdecke» aus diesem Auftritt vom Verein Österreichischer Zeitungen (VöZ) mit dem Prädikat Anzeige des Jahres im Bereich Social Advertising ausgezeichnet. Ferner gewann die «Wiener Schnecke» beim ARD-Award für die besten Radiospots eine Silberauszeichnung. Mit einem silbernen Ramses-Award wurde eine Radiokampagne von WHS Berlin für das Autohaus Sandler geehrt.
VORSICHT, PLAKATBOMBE! Als vergangene Woche im Swisscom-Shop an der Zürcher Füesslistrasse eine Bombendrohung einging, mussten die umliegenden Gebäude evakuiert werden, darunter auch das Vegi-Restaurant Hiltl. Die Drohung stellte sich als Fehlalarm heraus. Wohl aus Erleichterung darüber hatte Geschäftsführer Rolf Hiltl die Idee, den Vorfall an die Werbeglocke zu hängen, und liess die Wirz Werbeberatung über Nacht einen Plakatwitz auf das gar nicht witzige Ereignis kreieren. Bereits anderntags warb am Ort des Nichtgeschehens eine als Erdbeere verkleidete Vitaminbombe für das vegetarische Restaurant.
Neuer Vorstand der IGEM. Die Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) hat ihren Vorstand neu organisiert. Der bisherige Vizepräsident Urs Renner, The Media Edge, löst Matthias Luchsinger als Präsident ab. Neuer Vizepräsident ist Michael Frank, Belcom. Die Leiter der Arbeitsgruppen, bisher ohne Stimmrecht im Vorstand vertreten, sind nun vollwertige Mitglieder (Peter Döbeli, Stephan Küng, Pierre C. Meier und Bea Winter). Für die SRG-Programme nimmt neu Ingrid Deltenre Einsitz, nachdem die Publisuisse vor zwei Wochen der IGEM beigetreten ist. Ein Vorstandssitz bleibt reserviert für einen Vertreter aus dem Internetbereich.
399 SCHWEIZER IN CANNES. Rekordzahlen vermeldet die Schweizer Cannes-Geschäftsstelle Cinecom: 399 Arbeiten wurden von Schweizer Agenturen für das Werbefestival an der Côte d’Azur (19. bis 24. Juni) eingereicht. Das sind 72 Prozent mehr als 1999. Die Einreichungen konzentrieren sich auf die klassischen Kategorien Press & Poster (255) und Film (120). In der New-Media-Kategorie Cyber Lions bewerben sich
15 Arbeiten. 9 Schweizer Beiträge kämpfen um einen Media Lion für innovative Mediastrategien.
St. Galler Tagblatt strukturiert um. Die St.-Galler-Tagblatt-Gruppe trägt der wachsenden Bedeutung der elektronischen Medien Rechnung und hat deshalb einen Bereich «Neue Medien» geschaffen. Die Verantwortung übernimmt dort Jürg Bachmann, bisher Geschäftsleiter von Tele Ostschweiz. Bachmanns Aufgaben bei Tele Ostschweiz übernehmen ein noch zu bestimmender Marketingleiter sowie Tele-Ostschweiz-Redaktionsleiter Patrick Senn.
Bussenregister für Biker. Alle Jahre wieder kommt mit dem Frühling die neue Sportplausch-Wider-Kampagne. Auch heuer melden sich die beiden Kreativen Markus Ruf und Markus Gut mit ironischen Ideen zurück. Nebst den plakativen Bio-Doping-Tipps (siehe S. 31) und den sechs neuen Radiospots mit dem fiktiven Testfahrer Walti haben sie ein Mail in der Form eines Bussenregisters für Biker zusammengestellt, das in der engsten Radlerhose Platz hat. Unter dem Titel «Damit Ihr Bike auch nach dem Kauf nicht zuviel kostet» erfahren Biker, wie teuer ihre Verkehrssünden zu stehen kommen – vom Biken in angetrunkenem Zustand über das Beleidigen von Polizeibeamten bis hin zum Abbiegen ohne Handzeichen.
Neue Luzerner Zeitung in Topform. Die Neue Luzerner Zeitung hat für 1999 das mit Abstand beste Resultat innerhalb der letzten drei Jahre präsentiert. Der Umsatz legte um 13,1 Prozent auf 127,7 Millionen Franken zu, der Reingewinn stieg fast um die Hälfte auf 6,8 Millionen Franken. Auch beim Cashflow verzeichnete das Zentralschweizer Unternehmen einen happigen Zuwachs, nämlich um 47,1 Prozent auf 25,3 Millionen Franken. Das gute Jahresergebnis ist wesentlich auf den boomenden Stellenmarkt zurückzuführen, der den Hauptbeitrag für die um 33,3 Prozent gewachsenen Anzeigenflächen lieferte. Aber auch bei den kommerziellen Anzeigen belegte die Neue Luzerner Zeitung mit einer Zuwachsrate von 6 Prozent einen Spitzenplatz unter den Schweizer Printmedien.
DEN KUNDEN EINEN BÄREN AUFGEKLEBT. Nicht nur der Migros-Genossenschafts-Bund, sondern auch die regionalen Genossenschaften setzen sich im Bereich Kommunikation in Szene. Nach dem Motto «Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft» verteilt die Genossenschaft Migros Luzern im Einkaufszentrum Zugerland sechsmal pro Jahr ein kleines Geschenk an ihre Kunden. Diese Geschenke werden auf B12-Plakate geklebt; abgegeben werden jeweils 5000 Packungen oder Einheiten Gummibärchen, Sonnencrèmes, Sonnenblumen oder Schoggikäferli.
Screen-up 01 noch ohne Publisuisse. Die dritte schweizerische Telemesse screen-up 01, die von den TV-Vermarktern IP Multimedia (Schweiz) und Cinecom & Media durchgeführt wird, findet am 19. Oktober 2000 in der ABB-Halle in Oerlikon statt. Gemäss einer konsultativen Umfrage der Veranstalter «hat die Mehrheit der Stationen» ihre Teilnahme angekündigt. Einmal mehr nicht dabei ist aber die Marktleaderin Publisuisse, obwohl sie Ende April der Interessengemeinschaft elektronischer Medien (IGEM) beigetreten ist. Nach dem IGEM-Beitritt sei die Zeit bis zur screen-up für die Publisuisse zu kurz, zudem sei ein solcher Auftritt nicht budgetiert, begründete Geschäftsführerin Ingrid Deltenre die Absage. Für eine Teilnahme im nächsten Jahr sei man aber offen.
NEUES MARKENSYMBOL FÜR SAAB. Saab Automobile führt ein neues Markensymbol ein. Das Design soll deutlicher die Werte der Marke Saab veranschaulichen und ist eine Entwicklung aus dem früheren Symbol, das Mitte der achtziger Jahre eingeführt wurde. Saab ist das Kürzel für Svenska Aeroplan Aktienbolaget, was Schwedische Flugzeugfabrik AG bedeutet. Seit 1947 baut das Unternehmen auch Autos.
Das neue Symbol wird mit dem Modelljahr 2001 eingeführt.
Editorial
Warmduscher, Sitzpinkler, Schlampenschlepper
Auf rätselhafte Weise haftet dem Wort Trend hierzulande etwas Halbseidenes an. Trends seien purer Mumpitz, behauptet der Stammtisch. Ebenso ressentimentgeladen tönt es aus den Reihen vieler Hochschullehrer. Trends hielten keinen wissenschaftlichen Kriterien stand und beruhten lediglich auf subjektiver Wahrnehmung. In heiligem Zorn und mit beissendem Zynismus – mitunter fast sektiererisch – geisselt beispielsweise der deutsche Soziologe Holger Rust die Trendforscher als Scharlatane und Abzocker und fordert klares Denken statt Trendgemunkel.
Unverkrampfter gehen die Amerikaner damit um: Jenseits des Atlantiks ist die Trendforschung ein anerkanntes Anhängsel der Konsumgüterindustrie. Mit Erfolg. Es ist sicher kein Zufall, dass Amerikas Wirtschaft die europäische punkto Innovationsfähigkeit weit hinter sich gelassen hat…
Wir tun uns schwer mit der Kultur des Wandels. Wir können das Leichte, Verspielte schwer ertragen. Wir sehnen uns nach Gewissheiten, ewigen Werten, Tiefe. Im Grunde handelt es sich bei
der Trendforschung um eine Art ethnologischer Betrachtung unserer eigenen Kultur. Durch die Augen der Trendforscher betrachtet sich die Gesellschaft selbst. Mit Akribie beschreibt etwa Matthias Horx die Trends als «kulturelle Anpassungsübungen an veränderte Gegebenheiten».
Am 18. Mai fand in Hamburg der
5. deutsche Trendtag statt (siehe S. 16). Organisiert wurde die Tagung vom Trendbüro Hamburg, das kürzlich in Zusammenarbeit mit dem altehrwürdigen Mannheimer Verlagshaus den Szene-Duden publizierte. Darin finden sich Wörter wie Schlampenschlepper, Sitzpinkler und Kaltduscher. Wenn jugendliche Sprachschöpfungen wie diese in einem einschlägigen Standardwerk der deutschen Sprache Einzug halten, ist das vielleicht ein Indiz für eine steigende Akzeptanz von Trends.
Unter www.szenesprachen.de ist der neuste Duden auch im Internet präsent und soll im Rahmen diverser Chats fortgeschrieben werden. Wenn das keine Kulturrevolution ist!
Samuel Helbling