Advico Young & Rubicam: Das Ende der Ära Beer

Werbung hält nicht ewig jung:

Werbung hält nicht ewig jung:Von langer Hand vorbereitet, hat die Zürcher Werbeagentur Advico Young & Rubicam (AY&R) ihre Geschäftsleitung reorganisiert. Nach fast zwanzig Jahren übergibt Urs Beer (54) am 1. Juli den Vorsitz an Peter Felser, der bisher der Strategischen Planung und der New-Business-Abteilung vorstand. «Nach intensiven Jahren in verschiedenen Agenturkonstellationen», sagt Urs Beer, «habe ich mich im letzten Jahr entschlossen, meine Tätigkeit neu auszurichten.» Der scheidende Geschäftsführer wird den Agenturen der AY&R-Gruppe künftig als aktiver Verwaltungsrat im Rahmen einzelner Projekt- und Coachingaufgaben zur Verfügung stehen. An Peter Felsers Stelle tritt Rolf Zimmermann. Der 38-Jährige, der ausserdem die neu geschaffene Position eines Impact Directors bekleidet, war bisher Client Service Director.
Die Beratungsgruppen und verschiedene Serviceabteilungen werden Martin Kronenberg unterstellt. Der 35-jährige bisherige Client Service Director erhält die Kompetenzen eines Managing Directors.
Keine Veränderung ergibt sich an der Spitze der Kreation: Der gesamten Abteilung steht weiterhin Creative Director Martin Spillmann vor, der mit 46 Jahren der Älteste des neuen Führungsteams ist.
Die Finanzabteilung hingegen wird ab Ende August neu dem 41-jährigen Michael Weber überantwortet. Weber löst den bisherigen Chief Financial Officer, Otto Spirig (48), ab, der nach zehn Jahren eine neue berufliche Herausforderung annimmt.
Verwaltungsratspräsident der Advico Young & Rubicam Schweiz bleibt Bruno Widmer, Chairman AY&R Europe. Die Neuformierung vollzieht sich unter Peter Felsers Vorsitz. (ew)

Der Zeitungskrieg findet kein Ende

BTM lanciert Pendlerzeitung Berner Bär, Bund und BTM überlegen Kooperation mit 20 Minuten

BTM lanciert Pendlerzeitung Berner Bär, Bund und BTM überlegen Kooperation mit 20 MinutenVon Markus Knöpfli In Bern hat der Bund die Konzession für den Anzeiger Region Bern erhalten. Die Berner Tagblatt Medien (BTM) reagieren mit der Herausgabe der Pendlerzeitung Berner Bär. Und 20 Minuten baut weiter an seinem Berner Projekt, mit dem BTM und Bund eine Kooperation erwägen.
In Bern werden derzeit die Karten bei den Gratiszeitungen neu gemischt. Kräftig mitgemischt hat der Verein Region Bern (VRB), ein Zusammenschluss der Stadt Bern mit gut 20 umliegenden Gemeinden. Er hat dem Bund die Konzession für einen neuen Anzeiger Region Bern erteilt. Der Grund: Der Bund hatte um mindestens 200000 Franken höhere Konzessionsabgaben versprochen. Konkret geht man beim VRB von jährlich 3,7 Millionen Franken aus, rund eine Million Franken mehr als bisher. Dieser Anzeiger mit amtlichen Publikationen soll ab 1. Januar 2001 viermal wöchentlich allen 75000 Berner Haushalten und zweimal wöchentlich den 58000 Haushalten von 14 weiteren Gemeinden gratis zugestellt werden.
Der neue Anzeiger wird den von der BTM herausgegebenen Anzeiger rund um Bern (ARUB) und den Stadtanzeiger vom Bund ersetzen. Der VRB hatte sich für ein gemeinsames Blatt im Zeitungsformat entschieden, weil wegen des Anzeigerstreites insbesondere den Landgemeinden jährlich rund 500 000 Franken an Konzessionseinnahmen verlustig gegangen waren. Der Streit zwischen Bund und BTM war 1995 ausgebrochen, als der Bund die Stadtanzeigerkonzession erhalten hatte. Die BTM lancierte damals das Tagblatt der Stadt Bern als Konkurrenz, worauf der Bund mit einer wöchentlichen Grossauflage des Stadtanzeigers dem ARUB in den umliegenden Gemeinden antwortete.
BTM legt Tagblatt und Berner Bär zusammen
Die BTM reagiert nun auf den VRB-Entscheid, indem sie ab Herbst das Tagblatt und den Berner Bär zusammenlegt und in und um Bern ein neues, zwei- bis viermal pro Woche erscheinendes Gratisblatt mit dem Titel Berner Bär lanciert. Die Startauflage beträgt gemäss VR-Delegiertem Albert P. Stäheli 150000 Exemplare, das Blatt im Zeitungsformat soll dann aber zu einer Pendlerzeitung mit 200000 Exemplaren ausgebaut werden, die auch in Burgdorf, Thun und Langenthal durch Kolporteure verteilt wird. Pikantes Detail: Die Anzeigenakquisition beim Berner Bär wird von der Publimag besorgt, beim neuen Anzeiger Region Bern von der Publicitas. Beide sind 100-prozentige Publigroupe-Töchter.
Ab Herbst sind zwei bis vier Berner Gratistitel möglich
Abgesehen von Bund und BTM mischt auch noch 20 Minuten in Bern mit: Bereits hat Projektleiter Sacha Wigdorovits den Blick-Journalisten Dieter Liechti als leitenden Redaktor der Berner Ausgabe eingesetzt. Und der ehemalige Berner-Bär-Herausgeber und Chefredaktor Hans R. Amrein verhilft ihm zu Kontakten in der Region Bern.
Das alles heisst aber nicht, dass ab Herbst tatsächlich drei Gratisblätter die Berner Bevölkerung beglücken werden – es könnten auch zwei oder gar vier sein. Als vierter Anbieter kommt Metropol in Frage, doch dort hält man sich bedeckt. Zu einer Reduktion auf zwei Blätter käme es hingegen vermutlich dann, wenn Berner Bär und 20 Minuten kooperierten. Nach Angaben Stähelis finden zwar Gespräche zwischen ihm und Wigdorovits statt, aber es
sei alles noch offen. Die BTM zeige sich hinsichtlich einer Kooperation im Druckbereich grundsätzlich immer diskussionsbereit. Die Aussage von VR-Präsident Charles von Graffenried (WW 20), wonach der BTM angeboten worden sei, sich an 20 Minuten zu beteiligen, bezeichnete Albert Stäheli hingegen als falsch.
Gespräche gibt es aber auch zwischen Bund und 20 Minuten, dies bestätigte Verlagsdirektor J.Pepe Wiss. Doch worüber wird gesprochen? Der Bund musste dem VRB versprechen, kein Konkurrenzblatt zum Anzeiger herauszugeben, und einem Zusammenlegen von Anzeiger und 20 Minuten steht die kantonale Anzeigerverordnung entgegen, die redaktionelle Inhalte in Anzeigern verbietet. Doch für Wiss ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Kooperieren NZZ und 20 Minuten in Bern?
Doch selbst wenn eine Kooperation nicht zustande kommen sollte – eines ist nicht ausgeschlossen: nämlich dass sich in Bern die Bund-Besitzerin NZZ mit 20 Minuten zusammentut, um vom Inserateertrag zu profitieren. Während man bei 20 Minuten und NZZ dazu nichts sagen wollte, ist man sich hingegen beim VRB dessen bewusst. Ein solches Zusammengehen würde aber nicht unter das mit dem Bund vereinbarte Konkurrenzverbot fallen, sagte die stellvertretende VRB-Geschäftsführerin Isabelle Meyer.
Aber es hätte vermutlich weit reichende Folgen in Zürich, wo die NZZ zu 40 Prozent am Zürich Express beteiligt ist. Ein Zerwürfnis mit dem dortigen Partner TA-Media, die ihrerseits wiederum an der Berner Zeitung zu 49 Prozent beteiligt ist, wäre in diesem Fall nicht ausgeschlossen.
City-Kombi nimmt Form anDie Verträge für das City-Kombi zwischen dem neuen Berner Bär, Zürich Express (ZE) und dem noch zu schaffenden Pendant in Basel liegen gemäss Stäheli im Entwurf vor. Das Kombi soll am 1. September starten. Derzeit liegt der Ball in Basel und Zürich. Bei der Basler Medien-Gruppe (BMG) war für die WW niemand erreichbar. ZE-Verlagsleiter Heinz Krebs erklärte, über ein definitives Mitmachen des ZE werde an einer VR-Sitzung am 8. Juni entschieden. Eine Kombi-Teilnahme sei zu 90 Prozent sicher. Ein Ausweiten des Kombis nach Luzern, St. Gallen und Winterthur komme erst in Frage, wenn der Vertrag zwischen ZE, Berner Bär und BMG unter Dach sei.

Fortgesetzter Werbeboom

Fast alle Medien legten im März weiter zu – nur Kino tauchte

Fast alle Medien legten im März weiter zu – nur Kino tauchteDer Aufwärtstrend bei den Bruttowerbeinvestitionen setzte sich im März mit einem Plus von 17,2 Prozent fort – nicht ganz so fantastisch wie im Februar (+23,4 Prozent). Die höchste Zuwachsrate hatten die Publikumszeitschriften (+35,3 Prozent). Auch die anderen Printmedien erfreuen sich starker Zuwächse: Die Zeitungen investierten um 11 Prozent, die Auswahl der berücksichtigten Fachzeitschriften sogar um 22,5 Prozent mehr in die Werbung. Bei den elektronischen Medien verlief das Wachstum weniger markant als im Vormonat. Besonders beim Fernsehen ist das Plus mit 14,3 Prozent tiefer ausgefallen als prognostiziert. Aber auch das Radio musste sich im März mit einem Zuwachs von «nur» 14,1 Prozent zufrieden geben, und ebenfalls der Teletext schnitt dieses Mal mit einer Zunahme von 8,3 Prozent etwas weniger gut ab. Erfreulich gut im Rennen war die Plakatwerbung (+19 Prozent). Eine Ausnahme vom allgemeinen Aufwärtstrend machte lediglich die Kinowerbung; sie hat einen markanten Taucher um 14 Prozent zu verzeichnen. Der Grund: Werbezeiteinschränkungen.
Bei der neu in die Statistik aufgenommenen Internetbannerwerbung ist kein Vergleich mit dem Vorjahr möglich, jedoch weisen die Bruttoumsätze Monat für Monat nach oben. Für das laufende Jahr prognostiziert Media Focus immerhin ein Gesamtvolumen von 15 bis 20 Millionen Franken.
Kumuliert für das erste Quartal liegen die Bruttowerbeeinnahmen um 13,9 Prozent über der Vergleichsperiode des Vorjahres. Die Zuwächse sind für praktisch alle Mediagattungen beachtlich: Publikumszeitschriften 23,8 Prozent, Fachzeitschriften 15,9 Prozent, TV 15,2 Prozent, Radio 38,6 Prozent, Teletext 14,6 Prozent, Plakat 26,4 Prozent. Nur die Kinowerbung musste gegenüber dem letztjährigen Rekordergebnis einen Verlust von 10,6 Prozent hinnehmen. (dse)
BRuttowerbeaufwand nach MedienMärz 1999/2000 im Vergleich
in 1000 Fr. 1999 in 1000 Fr. 2000 %
Tageszeitungen 144 844 160 748 11,0
Publ.-Zeitschriften  54 236  73 387 35,3
Fach-Zeitschriften 17 509 21 447 22,5
TV 58 999 67 450 14,3
Radio 10 419 11 887 14,1
Kino 5 292 4 549 – 14,0
Teletext 1 392 1 507 8,3
Plakat 32 456 38 623 19,0
Internet Banner – 1 613 –
Gesamt 325 147 381 211 17,2
Quelle: Media Focus Hergiswil (NW)

Kampf um Smart.

Weber Hodel Schmid muss um Smart kämpfen. Die Herstellerin Micro Compact Car (MCC) hat das internationale Budget, bisher von Weber Hodel Schmids Smart Factory in Zürich betreut, zum Pitch ausgeschrieben.

Weber Hodel Schmid muss um Smart kämpfen. Die Herstellerin Micro Compact Car (MCC) hat das internationale Budget, bisher von Weber Hodel Schmids Smart Factory in Zürich betreut, zum Pitch ausgeschrieben. Beteiligt ist neben WHS unter anderen die Mercedes-Hausagentur Springer & Jacoby, wie MCC-Pressesprecher Florian Moser gegenüber der WerbeWoche bestätigte. Das Budget für den deutschen Markt hat WHS bereits an Springer & Jacoby verloren. Die Hamburger Agentur konnte sich bei der DaimlerChrysler-Vertriebsorganisation gegen WHS Berlin durchsetzen.WHS Wien und Berlin ausgezeichnet. An der diesjährigen Preisverleihung des Creative Club Austria wurde einer Kampagne von WHS Wien für die Wiener Obdachlosen-Zeitung Augustin wegen – wie Creative Director Andreas Putz beteuerte – unbegründeten «Kupferverdachts» eine Goldmedaille aberkannt. Nun wurde das Anzeigensujet «Bettdecke» aus diesem Auftritt vom Verein Österreichischer Zeitungen (VöZ) mit dem Prädikat Anzeige des Jahres im Bereich Social Advertising ausgezeichnet. Ferner gewann die «Wiener Schnecke» beim ARD-Award für die besten Radiospots eine Silberauszeichnung. Mit einem silbernen Ramses-Award wurde eine Radiokampagne von WHS Berlin für das Autohaus Sandler geehrt.
VORSICHT, PLAKATBOMBE! Als vergangene Woche im Swisscom-Shop an der Zürcher Füesslistrasse eine Bombendrohung einging, mussten die umliegenden Gebäude evakuiert werden, darunter auch das Vegi-Restaurant Hiltl. Die Drohung stellte sich als Fehlalarm heraus. Wohl aus Erleichterung darüber hatte Geschäftsführer Rolf Hiltl die Idee, den Vorfall an die Werbeglocke zu hängen, und liess die Wirz Werbeberatung über Nacht einen Plakatwitz auf das gar nicht witzige Ereignis kreieren. Bereits anderntags warb am Ort des Nichtgeschehens eine als Erdbeere verkleidete Vitaminbombe für das vegetarische Restaurant.
Neuer Vorstand der IGEM. Die Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) hat ihren Vorstand neu organisiert. Der bisherige Vizepräsident Urs Renner, The Media Edge, löst Matthias Luchsinger als Präsident ab. Neuer Vizepräsident ist Michael Frank, Belcom. Die Leiter der Arbeitsgruppen, bisher ohne Stimmrecht im Vorstand vertreten, sind nun vollwertige Mitglieder (Peter Döbeli, Stephan Küng, Pierre C. Meier und Bea Winter). Für die SRG-Programme nimmt neu Ingrid Deltenre Einsitz, nachdem die Publisuisse vor zwei Wochen der IGEM beigetreten ist. Ein Vorstandssitz bleibt reserviert für einen Vertreter aus dem Internetbereich.
399 SCHWEIZER IN CANNES. Rekordzahlen vermeldet die Schweizer Cannes-Geschäftsstelle Cinecom: 399 Arbeiten wurden von Schweizer Agenturen für das Werbefestival an der Côte d’Azur (19. bis 24. Juni) eingereicht. Das sind 72 Prozent mehr als 1999. Die Einreichungen konzentrieren sich auf die klassischen Kategorien Press & Poster (255) und Film (120). In der New-Media-Kategorie Cyber Lions bewerben sich
15 Arbeiten. 9 Schweizer Beiträge kämpfen um einen Media Lion für innovative Mediastrategien.
St. Galler Tagblatt strukturiert um. Die St.-Galler-Tagblatt-Gruppe trägt der wachsenden Bedeutung der elektronischen Medien Rechnung und hat deshalb einen Bereich «Neue Medien» geschaffen. Die Verantwortung übernimmt dort Jürg Bachmann, bisher Geschäftsleiter von Tele Ostschweiz. Bachmanns Aufgaben bei Tele Ostschweiz übernehmen ein noch zu bestimmender Marketingleiter sowie Tele-Ostschweiz-Redaktionsleiter Patrick Senn.
Bussenregister für Biker. Alle Jahre wieder kommt mit dem Frühling die neue Sportplausch-Wider-Kampagne. Auch heuer melden sich die beiden Kreativen Markus Ruf und Markus Gut mit ironischen Ideen zurück. Nebst den plakativen Bio-Doping-Tipps (siehe S. 31) und den sechs neuen Radiospots mit dem fiktiven Testfahrer Walti haben sie ein Mail in der Form eines Bussenregisters für Biker zusammengestellt, das in der engsten Radlerhose Platz hat. Unter dem Titel «Damit Ihr Bike auch nach dem Kauf nicht zuviel kostet» erfahren Biker, wie teuer ihre Verkehrssünden zu stehen kommen – vom Biken in angetrunkenem Zustand über das Beleidigen von Polizeibeamten bis hin zum Abbiegen ohne Handzeichen.
Neue Luzerner Zeitung in Topform. Die Neue Luzerner Zeitung hat für 1999 das mit Abstand beste Resultat innerhalb der letzten drei Jahre präsentiert. Der Umsatz legte um 13,1 Prozent auf 127,7 Millionen Franken zu, der Reingewinn stieg fast um die Hälfte auf 6,8 Millionen Franken. Auch beim Cashflow verzeichnete das Zentralschweizer Unternehmen einen happigen Zuwachs, nämlich um 47,1 Prozent auf 25,3 Millionen Franken. Das gute Jahresergebnis ist wesentlich auf den boomenden Stellenmarkt zurückzuführen, der den Hauptbeitrag für die um 33,3 Prozent gewachsenen Anzeigenflächen lieferte. Aber auch bei den kommerziellen Anzeigen belegte die Neue Luzerner Zeitung mit einer Zuwachsrate von 6 Prozent einen Spitzenplatz unter den Schweizer Printmedien.
DEN KUNDEN EINEN BÄREN AUFGEKLEBT. Nicht nur der Migros-Genossenschafts-Bund, sondern auch die regionalen Genossenschaften setzen sich im Bereich Kommunikation in Szene. Nach dem Motto «Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft» verteilt die Genossenschaft Migros Luzern im Einkaufszentrum Zugerland sechsmal pro Jahr ein kleines Geschenk an ihre Kunden. Diese Geschenke werden auf B12-Plakate geklebt; abgegeben werden jeweils 5000 Packungen oder Einheiten Gummibärchen, Sonnencrèmes, Sonnenblumen oder Schoggikäferli.
Screen-up 01 noch ohne Publisuisse. Die dritte schweizerische Telemesse screen-up 01, die von den TV-Vermarktern IP Multimedia (Schweiz) und Cinecom & Media durchgeführt wird, findet am 19. Oktober 2000 in der ABB-Halle in Oerlikon statt. Gemäss einer konsultativen Umfrage der Veranstalter «hat die Mehrheit der Stationen» ihre Teilnahme angekündigt. Einmal mehr nicht dabei ist aber die Marktleaderin Publisuisse, obwohl sie Ende April der Interessengemeinschaft elektronischer Medien (IGEM) beigetreten ist. Nach dem IGEM-Beitritt sei die Zeit bis zur screen-up für die Publisuisse zu kurz, zudem sei ein solcher Auftritt nicht budgetiert, begründete Geschäftsführerin Ingrid Deltenre die Absage. Für eine Teilnahme im nächsten Jahr sei man aber offen.
NEUES MARKENSYMBOL FÜR SAAB. Saab Automobile führt ein neues Markensymbol ein. Das Design soll deutlicher die Werte der Marke Saab veranschaulichen und ist eine Entwicklung aus dem früheren Symbol, das Mitte der achtziger Jahre eingeführt wurde. Saab ist das Kürzel für Svenska Aeroplan Aktienbolaget, was Schwedische Flugzeugfabrik AG bedeutet. Seit 1947 baut das Unternehmen auch Autos.
Das neue Symbol wird mit dem Modelljahr 2001 eingeführt.
Editorial

Warmduscher, Sitzpinkler, Schlampenschlepper
Auf rätselhafte Weise haftet dem Wort Trend hierzulande etwas Halbseidenes an. Trends seien purer Mumpitz, behauptet der Stammtisch. Ebenso ressentimentgeladen tönt es aus den Reihen vieler Hochschullehrer. Trends hielten keinen wissenschaftlichen Kriterien stand und beruhten lediglich auf subjektiver Wahrnehmung. In heiligem Zorn und mit beissendem Zynismus – mitunter fast sektiererisch – geisselt beispielsweise der deutsche Soziologe Holger Rust die Trendforscher als Scharlatane und Abzocker und fordert klares Denken statt Trendgemunkel.
Unverkrampfter gehen die Amerikaner damit um: Jenseits des Atlantiks ist die Trendforschung ein anerkanntes Anhängsel der Konsumgüterindustrie. Mit Erfolg. Es ist sicher kein Zufall, dass Amerikas Wirtschaft die europäische punkto Innovationsfähigkeit weit hinter sich gelassen hat…
Wir tun uns schwer mit der Kultur des Wandels. Wir können das Leichte, Verspielte schwer ertragen. Wir sehnen uns nach Gewissheiten, ewigen Werten, Tiefe. Im Grunde handelt es sich bei
der Trendforschung um eine Art ethnologischer Betrachtung unserer eigenen Kultur. Durch die Augen der Trendforscher betrachtet sich die Gesellschaft selbst. Mit Akribie beschreibt etwa Matthias Horx die Trends als «kulturelle Anpassungsübungen an veränderte Gegebenheiten».
Am 18. Mai fand in Hamburg der
5. deutsche Trendtag statt (siehe S. 16). Organisiert wurde die Tagung vom Trendbüro Hamburg, das kürzlich in Zusammenarbeit mit dem altehrwürdigen Mannheimer Verlagshaus den Szene-Duden publizierte. Darin finden sich Wörter wie Schlampenschlepper, Sitzpinkler und Kaltduscher. Wenn jugendliche Sprachschöpfungen wie diese in einem einschlägigen Standardwerk der deutschen Sprache Einzug halten, ist das vielleicht ein Indiz für eine steigende Akzeptanz von Trends.
Unter www.szenesprachen.de ist der neuste Duden auch im Internet präsent und soll im Rahmen diverser Chats fortgeschrieben werden. Wenn das keine Kulturrevolution ist!
Samuel Helbling

Führungswechsel bei Ckdt: Burckhardt wandert aus

CEO Stephan Burckhardt verlässt die Allschwiler Werbeagentur Ckdt Communications. Burckhardt übernahm 1996 die damalige Allcom gemeinsam mit zwei Partnern.

CEO Stephan Burckhardt verlässt die Allschwiler Werbeagentur Ckdt Communications. Burckhardt übernahm 1996 die damalige Allcom gemeinsam mit zwei Partnern.Letztes Jahr wurde Ckdt zu 100 Prozent an die Seiler Com Holding verkauft. Nun will Burckhardt mit seiner Familie nach Irland oder in die USA ziehen. Neuer CEO von Ckdt wird Herbert Seiler, der die Geschäftsleitung gleich ziemlich umkrempelt. Vom alten Team bleibt nur Ellen Heitlinger, die den Bereich Healthcare managt. Neu sind Jürg Siegrist, bisher Beratungschef bei Euro RSCG Zürich, als Managing Director für Corporate und Marketing Communication sowie Guillermo Garcia, bisher bei Impiric Zürich, als Creative Director. Nächstes Jahr soll Ckdt von Allschwil nach Basel ziehen, an möglichst zentrale Lage. «Bisher musste ich jedesmal das GPS einschalten, wenn ich zu Ckdt wollte», klagt Seiler.
Am Gesamtkonzept der Agentur will Seiler nichts ändern. Zwar besitzt die Seiler Com Holding nach dem Umzug mit Ckdt und cR Communications zwei ähnlich ausgerichtete Basler Agenturen. Die Frage einer Anpassung oder gar Zusammenlegung stelle sich aber schon wegen der Beteiligungsstruktur nicht: Ckdt ist innerhalb der Seiler Com Holding eine Schwesteragentur der Seiler DDB, welcher die cR als Tochter gehört.
Erzürnt zeigte sich Seiler über die Behauptung des Wirtschaftsmagazins Cash, wegen Burckhardts Abgang liefen Ckdt die Kunden und Mitarbeiter davon. Seiler: «Nichts davon ist wahr.»
Zumindest bei Neukunde Bell führte der Managementwechsel zu Verunsicherung. Marketingleiter Hans Reutegger: «Es kam uns eigenartig vor, dass alle unsere Ansprechpartner die Agentur verlassen.» Eine Neuausschreibung überlege man sich aber frühestens nächstes Jahr. (sm)

«Juristen und Medienfragen – das kommt selten gut»

Edipresse-Verleger Pierre Lamunière rügt die eidgenössische Wettbewerbskommission

Edipresse-Verleger Pierre Lamunière rügt die eidgenössische WettbewerbskommissionIn einem Gespräch mit der WerbeWoche erläutert Edipresse-Verleger Pierre Lamunière seine Vorwürfe an die eidgenössische Wettbewerbskommission. Diese habe noch nicht begriffen, dass nur grosse und starke Mediengruppen eine Chance hätten, in der weltweit anlaufenden Megafusionswelle zu überleben (siehe auch Seite 19).An der diesjährigen Bilanzpressekonferenz haben Sie böse verbale Hiebe an die Adresse der eidgenössischen Wettbewerbskommission ausgeteilt. Der Auslöser für die Schelte waren Probleme von Edipresse in Genf. Was ist passiert?
Pierre Lamunière: Vor einem Jahr wollten wir einige kleine Quartierzeitungen übernehmen. Wir mussten durch eine regelrechte Papier- und Formularmühle hindurch, um die Genehmigung zu erhalten. Aber dies ist nur ein Beispiel. Schauen Sie, was zurzeit im Raum Bern passiert: Die Gruppe Berner Zeitung will sich etwas ausdehnen, und die Wettbewerbskommission macht eine Riesensache daraus. Das ist doch völlig absurd. Die Schweizer Mediengruppen können kaum mehr wachsen. Dabei muss man wachsen können, um eine Zukunftschance zu haben.
Andere Länder betreiben doch auch Wettbewerbsschutz, um Monopole und marktbeherrschende Positionen zu verhindern.
Lamunière: Klar, aber die anderen Länder sind viel grösser. In den USA ist die Situation auf dem amerikanischen Medienmarkt entscheidend, und dieser besteht aus Hunderten von Millionen Menschen. Wir dagegen sind sieben Millionen. Und die Wettbewerbskommission teilt den Schweizer Markt zusätzlich in Sprachregionen auf. Noch schlimmer: Sie nimmt die regionalen Märkte als Richtgrössen und untersucht beispielsweise, ob im Raum Bern marktbeherrschende Positionen bestehen. Das ist, wie wenn die amerikanischen Wettbewerbsbehörden dafür sorgen wollten, dass im Süden von South Carolina keine marktbeherrschende Position entsteht.
Wäre es denn besser, man liesse die Sache einfach laufen?Lamunière: Man muss den Wettbewerb laufen lassen. Sehen Sie, es ist völlig falsch, heute den Presse- und Medienmarkt als einen abgeschlossenen Markt zu betrachten. In Zukunft werden die Bereiche Presse, TV, Telecom, Computer, Internet usw. mehr und mehr zusammenwachsen. Gruppen wie beispielsweise Microsoft, Warner und Telefonica schmieden Megafusionen; die alten Grenzen fallen. Wenn die Schweiz eine Chance haben will, müssen die grossen Schweizer Mediengruppen frei sein, Fusionen durchzuführen, ohne zuvor fünf Monate lang Formulare ausfüllen zu müssen. Denn allein diese Verspätung kann fatal sein.
An der PK haben Sie gesagt, die Schweiz brauche vielleicht fünf grosse und starke Mediengruppen. Wen zählen Sie dazu? Edipresse, Ringier, TA-Media, Gruppe NZZ, Gruppe Basler Zeitung?
Lamunière: Vielleicht auch die Gruppe Berner Zeitung, vielleicht noch andere. So genau habe ich mir das nicht überlegt. Aber wir dürfen nicht nur an die grossen Verlagsgruppen denken. Worauf es mir ankommt: Wenn die Schweiz eine Chance haben will, müssen die grossen Verlagsgruppen, aber auch Publigroupe und Swisscom wachsen und fusionieren können. Doch was geschieht heutzutage? Man limitiert sie – angeblich, weil sie marktbeherrschend sind oder zu werden drohen. Wenn ich höre, dass Edipresse eine «position dominante» haben solle, muss ich lachen.
Aber in der Westschweizer Pressewelt sind Sie doch dominant?Lamunière: Nochmals: Sie dürfen den Pressemarkt nicht gesondert betrachten. Es ist durchaus möglich, dass ausländische Betreiber von spezialisierten TV-Kanälen eines Tages auch in der Schweiz Printprodukte anbieten: In ein paar Jahren wird ja der TV-Apparat mit einem Drucker gekoppelt sein. Etwas Ähnliches bahnt sich im Bereich Online an: Internetsites werden immer mehr auch Printservice bieten. Das Zusammenwachsen von Internet und TV-Apparat dank der Technologie der Westschweizer Firma Kudelski …
… deren Chef André Kudelski im Edipresse-Verwaltungsrat sitzt …Lamunière: … richtig, dieses Zusammenwachsen hat zur Folge, dass die Grenzen zwischen Bild und Text, zwischen Presse und TV und Internet, immer mehr verwischen. Ein Beispiel: Das Journal de l’Horlogerie bietet neuerdings auch eine Videoversion auf Internet an. Das ist die Zukunft. Aber die Wettbewerbskommission hat das noch nicht kapiert. Dort sitzen vor allem Juristen. Wenn sich Juristen mit Medienfragen abgeben, dann kommt es selten gut heraus.
Die Verwischung der Grenzen bedeutet wohl, dass Edipresse immer mehr an eine Diversifizierung im Bereich TV denkt?Lamunière: Unsere Strategie ist klar: Wir wollen kein Fernsehen fürs grosse Publikum machen. Eine Beteiligung à la TV3 kommt für uns absolut nicht in Frage, «télévision généraliste» interessiert mich nicht. Aber ich könnte mir durchaus ein Engagement an einem Spartensender vorstellen.
Wird die Edipresse allfällige Diversifizierungsschritte gewissermassen intern generieren, oder denken Sie an Beteiligungen und Übernahmen?Lamunière: Ich schliesse Übernahmen und Beteiligungen keineswegs aus. Alle Mittel, die unsere Position stärken können, werden studiert. Ich nehme an, dass wir bis Ende Jahr eine oder zwei Operationen ankündigen können.
Wir sind gespannt! Monsieur Lamunière, vielen Dank.
Interview: Christophe Büchi

Denn sie wissen genau, was sie tun

Wir sind heute alle Lebensunternehmer in der «Ich AG», so das Résumé des 5. deutschen Trendtags

Wir sind heute alle Lebensunternehmer in der «Ich AG», so das Résumé des 5. deutschen TrendtagsVon Oliver Classen Immer mehr Menschen begreifen sich als flexible Lebensunternehmer. Was bedeutet dieser Bewusstseins- und Strukturwandel für unsere sozialen, ökonomischen und kreativen Ressourcen? Wie denkt, arbeitet und konsumiert eine solche «Ich AG»? Erste Antworten auf die Frage «Wie wirtschaften im Zeitalter der Ich AG?» lieferte der 5. deutsche Trendtag in Hamburg.
Der längste Eintrag im kürzlich erschienenen «Wörterbuch der Szenesprachen» ist dem Begriff «Warmduscher» und seinen zahllosen Synonymen gewidmet. Warmduscher (vulgo: Spiesser oder Softie) heissen im Trend-slang jene Zeitgenossen, die nicht hart und hip genug drauf sind, um sozial und ökonomisch zu reüssieren. Woraus folgt, dass Erfolgsmenschen heute durchweg eiskalt duschen, im Stehen pinkeln und sich nicht mehr als unbedingt nötig um ihre Umwelt scheren. Alle anderen (Männer) sind «Sitzpinkler», «Rücksichtnehmer» oder schlicht Weicheier. Laut unbestätigten Gerüchten erkennt man diese uncoole Spezies auch daran, dass sie «Milde Sorte» rauchen, «denn das Leben ist schon hart genug».
Bricht nun die Epoche der
Kaltduscher an?
Jugendliche Sprachschöpfungen wie diese sind Seismografen des gesellschaftlichen Wertewandels. An ihnen lässt sich besser noch als an der Mode ablesen, was gerade angesagt ist und was nicht. Diese oft diffusen Tendenzen auf einen prägnanten und möglichst direkt in Marketingstrategien übersetzbaren Begriff zu bringen: Darin sehen das Hamburger Trendbüro und dessen Gründer Peter Wippermann die zentrale Aufgabe der Trendforschung. Am letztjährigen 4. deutschen Trendtag präsentierten Wippermann & Co. mit «Scientification» (Ver-wissenschaftlichung) noch ein Kommunikations- und Produktdesign, das mit Jogurtnamen wie LC1 und silberfarbenen Autos heute schon weitgehend Mainstream und damit out of trend ist.
Die neuste Kreation aus dem 1992 gegründeten Zeitgeistlabor, das auch für oben erwähntes Szenelexikon verantwortlich zeichnet, lautet «Ich AG», was nach obiger Massgabe und ironisch verkürzt etwa so viel wie «Kaltduscher» bedeuten könnte. 350 Werber, Marktforscher und Marketingmanager wollten genauer wissen, wer und was sich hinter dieser blumigen Bezeichnung verbirgt – und kamen zum 5. deutschen Trendtag nach Hamburg, um von neun ausgewiesenen Trendsettern auf den neusten Stand der Konsumwünsche und Kundenbedürfnisse gebracht zu werden.
Immaterielle Qualitäten
entscheiden
Wer konkrete Handlungsanleitungen erwartete, wurde von Norbert Bolz’ Eingangsreferat über die «Wirtschaft des Unsichtbaren» (vulgo: New Economy) zunächst enttäuscht. Der in akademischen Kreisen als Pop-Philosoph verdächtigte Professor für Kommunikationstheorie vertrat die Ansicht, dass der Erfolg von Marken und Produkten künftig viel weniger von deren realer Güte als von virtuellen Qualitäten wie Image und Stil abhängen wird. «Das ökonomische System des Westens befindet sich mitten in einer Umstellung von Substanz auf Funktion, vom Was der Ware auf das Wie der Kommunikation», so Bolz. Ausserdem beobachtet er eine Umkehrung der Verhältnisse von Mittel und Zweck: Suchten bis anhin Leute mit Geschäftsideen (Zweck) nach Leuten mit Kapital (Mittel), so verhalte es sich in der postkapitalistischen Gesellschaft genau umgekehrt.
Diese Einschätzung bestätigte Shobhna Mohn, CEO von Bertelsmann Valley, einem jener Inkubatoren, die Start-ups mit Risikokapital und Know-how auf die Beine zu helfen versuchen. Internet-Jungunternehmer, die auf einen Platz in Bertelsmanns Business-Brutkasten aspirieren, müssen laut Mohn nebst Enthusiasmus und «einer ganz eigenen Story» (vulgo: Geschäftsidee) vor allem die Fähigkeit mitbringen, diese so überzeugend zu erzählen, dass zunächst der Geldgeber und später auch die Kunden sich mit dieser Geschichte identifizieren können. «Erst ein Self-Marketing, das Sinnangebote enthält, ebnet den Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit», liesse sich die Devise von Mohn für erfolgreiches New Business zusammenfassen.
Auch für Sebastian Turner von der Berliner Werbeagentur Scholz & Friends weist der gesellschaftliche Generaltrend in Richtung Entrepreneurship. Die Anzeichen dafür bezeichnet der Vater der berühmten FAZ-Kampagne «Kluge Köpfe» als überwältigend: In den Siebzigern noch sei der öffentliche Dienst der begehrteste Arbeitgeber gewesen, in den Achtzigern hätten dann die Blue Chips diese Rolle übernommen und in den Neunzigern schliesslich die Beraterfirmen. Heute hingegen wollen sich bis zu zwei Drittel der Wirtschaftsabsolventen selbstständig machen.
Als weiteres Indiz für den jüngsten Mentalitätswechsel wertet Turner den in der Tat bemerkenswerten Umstand, dass es in Deutschland dieses Jahr erstmals mehr Aktionäre als Gewerkschafter geben wird.
Die galoppierende Ökonomisierung des Individuums stellt auch den Arbeitsmarkt auf den Kopf. Dass Humankapital anders als andere Kapitalformen nicht den Besitzer wechseln kann, zwingt Unternehmen zu einer Neuorientierung, wie sie sich Gewerkschafter wohl nicht mal im Vollrausch erträumt hätten: «Nicht mehr die Kunden sind die wichtigsten Aktiva, sondern die Mitarbeiter», resümiert Turner eine Entwicklung, die durch den Pillenknick noch zusätzlich verstärkt wird.
Schon heute werde ein Pixelpark-Programmierer von der Börse mit 10 Millionen Mark bewertet. Gegen solche Summen für junge «High Potentials» nehmen sich die Ablösesummen für Profifussballer geradezu bescheiden aus.
Selbsterfindung wird
zur Pflicht
Trendbüro-Chef Peter Wippermann eröffnete seine «Von der Deutschland AG zur Ich AG» betitelte Trenddiagnose mit einem Zitat aus dem Schröder-Blair-Papier von 1999: «Wir wollen das Sicherheitsnetz aus Ansprüchen in ein Sprungbrett der Eigenverantwortung umwandeln», heisst es darin zur Zielsetzung von Europas neuer Sozialdemokratie. Dieses politische Programm, das selber Trends setzt statt Traditionen wahrt, hat für den Einzelnen weit reichende soziale und psychologische Konsequenzen. Galt für die «Softindividualisten» (Jahrgänge 1966 bis 1977) noch die blosse Option zur Selbstreflexion, so herrscht für die 1978 oder später geborenen «Ich AG-ler» gemäss Wippermann der Zwang zur steten Selbsterfindung. In einer durch globale Medien und Marken vereinheitlichten Kultur will man sich wieder abgrenzen und abheben. Zur Konstruktion einer markttauglichen Identität, die das emotionale Bedürfnis nach Originalität und Authentizität befriedigt, bedürfe es allerdings eines ausgeklügelten Self-Branding. Mit dieser These variierte Wippermann die schon früher konstatierte allgemeine Individualisierungspflicht, die letztlich in einen «Konformismus des Andersseins» (Bolz) mündet. Diesem Phänomen tragen jene Anbieter Rechnung, die ihre Massenware mit einfachen, aber wirkungsvollen Tricks zu emotionalisieren und personalisieren versuchen.
Massenhafte Massschneiderung
Zwei solche Produkte, die Jugendliche gezielt zur Führung der Marke Ich einsetzen, stellte die eigens aus Los Angeles eingeflogene Dee Dee Gordon vor: den iD-Shoe von Nike und den Schweizer Web-Fashion-Store
skim.com, der seine Waren mit den individuellen E-Mail-Anschriften seiner Kunden versieht. «Style customization» (massgeschneiderter Stil) nennt die Trendpäpstin die Ablehnung vorgefertigter Markenartikel und den neuen Spass am Selbstgestalteten. «Just-for-me-Produkten gehört die Zukunft – und die hat längst angefangen», weiss Gordon aus ihrer Feldforschung, die 500 Kids weltweit für ihre Trendagentur LookLook durchführen. Soll heissen: Konsumenten sind weniger an den Produkten selbst als an der Kommunikation darüber interessiert.
Eine ähnliche Formulierung desselben Befunds hatte das illustre Publikum Stunden zuvor schon von Norbert Bolz gehört. Diese Wiederholung lässt zwei Schlüsse zu: Entweder sind Trends wie dieser so «hot», dass sie an einer solchen Tagung zwangsläufig mehr als einmal auftauchen. Oder aber Trends werden durch solche an Beschwörungsrituale erinnernde, formelhafte Repetitionen erst geboren. Die Veranstalter dürfte es indessen so oder so freuen, dass ihre «Ich AG» – die von Spiegel bis FAZ bereits ohne Anführungszeichen zitiert wird – inzwischen Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden hat. Die Karriere des Warmduschers hat schliesslich auch einmal so angefangen.

Optimismus trotz TV-Debakel

Medien Z schreibt rote Zahlen – wegen des Engagements bei RTL/Pro7 Schweiz

Medien Z schreibt rote Zahlen – wegen des Engagements bei RTL/Pro7 SchweizRTL/Pro 7 Schweiz hat eine Zukunft – wenn die Zeit dafür gegeben wird.» Dieser Satz steht so im Geschäftsbericht 1999 der Medien Z Holding AG. Das Spezielle daran: Der Bericht wurde erst abgefasst, als RTL/Pro 7 Schweiz bereits eingestellt war. Davon zeugt ein weiterer Satz, der sogar zweimal im Bericht steht: «Nach sieben Monaten, am 24. März 2000, musste das Programmfenster definitiv geschlossen werden, weil trotz erfolgreichstem privatem Schweizer Programmangebot die Ergebnisse deutlich hinter den Erwartungen und Zielsetzungen der Gesellschafter zurückblieben.» Alles in allem gewinnt man beim Lesen des Berichtes den Eindruck, dass die Medien Z, die zu 16 Prozent an RTL/Pro 7 beteiligt war, mit dem Einstellungsbeschluss hadert.
Wie dem auch sei, der Entscheid hinterlässt jedenfalls in der Bilanz 1999 der Medien Z tiefe Spuren in Form hochroter Zahlen. So wurden die getätigten Investitionen und die damit verbundenen Auflösungs- und Liquidationskosten von rund 2,5 Millionen Franken auf der Basis der 16-prozentigen Beteiligung der Holding so weit als abschätzbar im Geschäftsjahr 1999 abgeschrieben.
Bilanzverlust trotz Gewinn nach Rückstellungen
Dies hatte einen Bilanzverlust von 684088 Franken zur Folge. Das ist umso happiger, als die Medien Z 1998 immerhin einen Gewinn von gut 600000 Franken verzeichnen konnten, nach Rückstellungen von 650000 Franken.
Trotz des Defizits war das Jahr 1999 gemäss Pressemitteilung der Medien Z mit der 100-prozentigen Tochter Radio Z ein «hervorragendes Geschäftsjahr». Sie fühlt sich denn auch für ihre Tätigkeit im elektronischen und digitalen Medienmarkt «für die Zukunft gut gerüstet».
Trotz des TV-Debakels werden als Erfolgsfaktoren des Unternehmens weiterhin «Innovation, vermehrte strategische Partnerschaften und die Bereitschaft, den Wandel anzunehmen», genannt.
Die Medien Z, die über die IP Multimedia die Sender RTL, RTL 2, Pro 7 und Kabel 1 vermarktet, ist zu 30 Prozent an Radio Ri und zu 20 Prozent an Radio Eviva beteiligt. Zudem hält sie 40 Prozent am neuen elektronischen Verlagsunternehmen Swisscontent Corporation.
Markus Knöpfli

«Manipulation ist kaum möglich»

TV-3-Chef Jürg Wildberger setzt bei «Big Brother» auf Authentizität

TV-3-Chef Jürg Wildberger setzt bei «Big Brother» auf AuthentizitätBald steht endlich auch eines in der Schweiz: Das «Big Brother»- Haus wird demnächst von Endemol B&B in Glattfelden installiert und soll TV 3 konstante Einschaltquoten bescheren.Mit dem Zuschlag für «Big Brother» geht ein langer Poker zu Ende. War es so hart, den Preis für die Sendung auf die Möglichkeiten von TV 3 herunterzuhandeln?
Jürg Wildberger: Das Finanzielle war nicht der Punkt, darüber waren wir uns schon lange einig. Beim Seilziehen ging es um die Produktionsmodalitäten und die Rechte. Insbesondere das Internet, eine enorm wichtige Plattform für «Big Brother», erwies sich als harter Brocken.
Es gibt aber klare Hinweise, dass TV 3 an anderen Orten abspecken musste, um sich «Big Brother» leisten zu können: «Lust und Liebe» sowie «Liebe auf den ersten Blick» werden abgesetzt – zwei Sendungen, die Sie noch vor wenigen Wochen zu den richtungweisenden Formaten zählten. Weshalb der Gesinnungswandel?
Wildberger: Die beiden Sendungen haben ein ungenügendes Potenzial bei der Vermarktung, sie lassen sich auch in längerfristiger Perspektive kaum refinanzieren. Dafür bringen wir neu die starke Abenteuersendung «Nur einer kommt durch» am Samstag um 20Uhr. Und zusammen mit «Millionär» sowie der Basler Popsängerin Nubya als neuer Moderatorin von «Cinderella» garantieren wir konstante Ratings.
Dank der Zusammenarbeit mit Endemol kann die Produktionsfirma Bichsel & Burger (B&B) nun sämtliche der rund 400 Endemol-TV-Formate in der Schweiz anbieten. Hat TV 3 darauf bevorzugte Zugriffsrechte?
Wildberger: Es gibt keinen Exklusivvertrag mit B&B Endemol. Diese Formate stehen allen Schweizer TV-Sendern offen. Aber wir haben natürlich exklusiv die Option für Neuauflagen und Weiterentwicklungen von «Big Brother» und «Millionär».
Gibt es denn keinen Weg an Endemol vorbei, z. B. mit eigenen Variationen jener Erfolgsrezepte? Dabei würden die teuren Rechteabgeltungen wegfallen.
Wildberger: Wir haben in Europa diverse Produzenten, die auf der «Robinson»-Welle mitreiten und Kopien anbieten. Das ist aber nicht unser Stil. Immerhin steckt hinter «Big Brother» eine enorme Entwicklungsarbeit. Und abgesehen davon generiert die Firma Endemol ihre Einnahmen hauptsächlich über die Produktion. Die Lizenzkosten für die Idee schlagen bei den Gesamtkosten nur minim zu Buche.
Authentizität wurde bei «Big Brother» als oberstes Gebot bezeichnet. Bei der RTL-2-Version deutet aber vieles darauf hin, dass hinter dem täglichen Geschehen und den Diskussionen in der Container-Siedlung Drehbuchautoren stehen. Wie wird das bei TV 3 laufen?
Wildberger: Das Leben im «Big Brother»-Haus hat eine hohe Eigendynamik, die sich der Manipulation entzieht. Mit den Diskussionsthemen und Wochenaufgaben hat man von aussen eine minime Interventionsmöglichkeit. Entscheidend für die Dynamik ist die Auswahl der Teilnehmer.
Interview: Daniel Schifferle

Muse & Musse: Sascha Fanetti

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?Muse & Musse Sascha Fanetti
Sascha Fanetti: Stan Maxwell’s Lounch at «VARIO» – wer dort war, weiss warum.
Was lesen Sie gerade und warum?
Fanetti: «Im Namen der Ehre» von Anonymus (Joe Klein) ist ein Brüller.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Fanetti: Crazy Penis, weil sie hält, was der Name verspricht.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen und warum?
Fanetti: «Fightclub», vor allem die Szene mit dem Vileda-Handschuh.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Fanetti: «Dr. Stefan Frank», dem Arzt, dem die Frauen vertrauen.
Welches ist Ihre neuste Entdeckung im Internet?
Fanetti: www.paper.state51.co.uk
Liebe ist …?
Fanetti: … immer noch ein ganz lukratives Geschäft.

Shortlist: Die Zweite im Bund

Es war fast wie im Märchen, das Ambiente in der Mühle Hunziken in Rubigen bei Bern, wohin die Kommunikationsszene der Bärenstadt letzte Woche geladen wurde.

Es war fast wie im Märchen, das Ambiente in der Mühle Hunziken in Rubigen bei Bern, wohin die Kommunikationsszene der Bärenstadt letzte Woche geladen wurde.Die Zweite im Bund Von Beat Fritsch
Der Bund veranstaltete in Zusammenarbeit mit der Publicitas Bern die grosse Sause mit Food, Wein und Gesang.
Wie im Märchen deshalb, weil die Mühle Hunziken eines der schrägsten Konzert- und Partylokale der Schweiz ist. Die Einrichtung ist dermassen durchmischt und abgehoben, dass man sich im Kuriositätenkabinett des Dr. Caligari wähnt. Aus einer Ecke grinst eine Bebbi-Larve, daneben stehen zwei Madonnenstatuen (eine katholische und eine amerikanische), mitten auf der Galerie hats eine (funktionierende) Spielorgel, im Garten sitzt neben einer Skulptur des Original-Camel-Kamels ein versteinerter Bart Simpson auf dem Springbrunnen, und über dem Eingang begrüsst einen ein vollmechanisches Eichhörnchen.
Wer mit offenen Augen durch die verrückte Location schlendert, kommt vor lauter Entdeckungen aus dem Staunen nicht heraus. Für Anhänger von Skurrilitäten lohnt sich ein Besuch jederzeit.
Märchenhaft waren auch die Gründe zum Feiern, wie Bund-Verlagsleiter J. Pepe Wiss in seiner Ansprache verlauten liess. Schon das erste Bund-Fest sei ja ein Riesenerfolg gewesen, was allein Grund für eine Neuauflage sei. Zudem habe man letztes Jahr erstmals über 4000 Inserateseiten verkauft, die Auflage sei gestiegen – kurz: einmal mehr herrschte Freude. Auch bei Willy Schib, der die am Bund beteiligte NZZ vertrat. Und erst recht natürlich bei den Leuten der Publicitas Bern, die am Erfolg massgeblich mitbeteiligt waren. Raoul Wanger, Departementsleiter Verlag Bund bei der P, war jedenfalls voll im Schuss. Und auch die P-Damen Judith Ritter und Françoise Schädeli schienen sich sichtlich wohl zu fühlen.
Ebenfalls in Partylaune waren Bund-Werbeleiterin Isabel Coello, Jeanette Rieder, Leiterin Abo-Dienst, Bruno Zürcher und Ümran Öztok vom Anzeigenmarketing sowie Bund-Verkaufsleiter Michael Sutter.
Ein freudiges Wiedersehen gab es für BSW-Präsidentin und Publicis-Geschäftsführerin Cornelia Harder. Mit Beat Mühlemann, heute Kommunikationsleiter beim Migros-Genossenschafts-Bund, und Estée-Lauder- Marketingleiterin Vera Lüchinger sassen gleich zwei ehemalige Arbeitskollegen am Tisch.
Auch die Zigarren-Connection kam voll auf ihre Kosten, allen voran Röbel Riesen, den man hinter einer dicken Nebelwand aus feinstem Cohiba-Rauch fast nicht mehr erkennen konnte.
Kein Wunder, ging es den Besuchern gut. Nicht nur Getränke und Rauchzeug waren vom Feinsten und à discrétion erhältlich. Fürs Catering liessen die Verantwortlichen der Firma Eventmakers sechs Berner In-Lokale antanzen: das Lorenzini, das Du Théâtre, das Landhaus, die Krone, das Kornhaus und das De la Casa. Geschlemmt wurde bis nach Mitternacht, getrunken noch viel länger.
Aber nur die wenigsten Gäste hatten sich den Ratschlag zu Herzen genommen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Der Parkplatz vor der Mühle war voll, die extra organisierten Shuttle-Busse eher leer. Glücklicherweise sind bis heute keine Hiobsbotschaften eingetroffen – im Gegensatz zur Party von Absolut Film, wo ein Spätheimkehrer ineiner Kontrolle hängen blieb und zu Fuss nach Hause musste. Seinen Führerschein hat der Pechvogel für die nächsten Monate gegen eine Tramfahrkarte eingetauscht.
Also, nochmals: Wer an eine Party muss, geht besser mit dem Trolleybus!
Beat Fritsch stürzte sich in den Berner Werbekuchen und traf im Zaubergarten der Mühle Hunziken unerwartet auf Bart Simpson, den Liebling sämtlicher Jungwerber.
Wer sich sonst an den Partys der Kommunikationsbranche verlustiert, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Wer jedoch den definitiven Sprung auf die begehrten Shortlistplätze schafft, entscheidet die Redaktion. Haben Sie tatsächlich schon jetzt etwas zu berichten? Dann greifen Sie mal schnell zum Hörer (01 296 97 98) oder mailen Sie an [email protected]. Online gibt es Veranstaltungstipps bei www.werbewoche.ch

WBO Dialog übernimmt OgilvyOne

Die Zürcher Agentur WBO Dialog übernimmt rückwirkend per 1. Januar die DM-Unit OgilvyOne von Grendene Ogilvy & Mather.

Die Zürcher Agentur WBO Dialog übernimmt rückwirkend per 1. Januar die DM-Unit OgilvyOne von Grendene Ogilvy & Mather.Im Gegenzug beteiligt sich O & M Europe an der neuen Agentur WBO OgilvyOne. Die Mehrheit der Shares bleibt aber bei den bisherigen Inhabern Daniel Brüngger und Guido Wietlisbach. Weltweit ist die Ogilvy-Gruppe im Besitz des Kommunikationsmultis WPP (u. a. JWT, Conquest, Young & Rubicam).Brüngger und Wietlisbach versprechen sich vom Deal eine bessere Wahrnehmung bei Grosskunden. Dort werde der Agenturentscheid wegen mangelnder Marktkenntnis oft auf Grund der Bekanntheit des Namens gefällt. «Wir sind zwar die zweitgrösste Schweizer DM-Agentur; trotzdem stiessen wir als inhabergeführtes Unternehmen ohne internationale Vernetzung immer wieder an Grenzen, vor allem beim Akquisitionspotenzial», so Brüngger.
Weitere Gründe für das Zusammengehen seien auch die kreative Kompetenz der OgilvyOne-Agenturen, vorab in Deutschland, Spanien und den USA, und die Erkenntnis, dass bei Grosskunden die Entscheide über DM-Etats immer mehr auf internationaler Ebene gefällt würden.
Neu wurden Daniel Noll als Finanzchef und Barbara Dürst als Client Service Director in die Geschäftsleitung aufgenommen. Im laufenden Jahr will die Agentur, die u. a. für Swisscom, Die Post und Helsana arbeitet, einen BBE von rund 4 Mio. Franken erzielen. (bf)
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