Jetzt wird alles besser

Philips peilt auf dem Homeentertainmentmarkt mit witzigen Spots US-Konsumenten an

Philips peilt auf dem Homeentertainmentmarkt mit witzigen Spots US-Konsumenten anVon Thérèse Balduzzi Vergangenes Jahr wurden die Spots für Philips FlatTV und andere Homeentertainmentprodukte der Firma in Cannes mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Die in Amerika neu lancierte Kampagne für die «Star»-Produktereihe ist ebenso innovativ wie witzig.
Die Serie von vier TV-Spots von 30 Sekunden Länge dreht sich je um ein Angebot der Philips Electronics «Star»-Produkte, nämlich um einen futuristischen Fernseher, einen Widescreen-Fernseher, einen Digital Recorder mit TiVo-Service und um einen Audio-CD-Recorder (ACDR). Die Spots wurden von der Agentur Messner Vetere Berger McNamee Schmetterer/Euro RSCG in New York konzipiert und bauen auf überraschenden Pointen auf.
Im Spot «Dinner Date» empfängt ein junger Mann eine junge Schönheit zum Tête-à-Tête bei Kerzenlicht. Kurz bevor sie eintrifft, sieht man den Mann, wie er eine von ihm selbst aufgenommene CD mit dem Titel «Love Mix» in das Philips Audio-CD-Recorder-System steckt. Als die Schöne ihm gegenübersitzt, stellt er die Aufnahme per Fernbedienung an. Der Song entpuppt sich als grässliches Heavy-Metal-Stück, als eine mit teuflischer Stimme vorgerotzte Liebeserklärung. Nach kurzem Stutzen fängt die Umworbene jedoch an, sich zum Takt zu bewegen und lächelt ihm zu. Die Stimme im Off dazu: «Philips CD Recorder System. Burn it. Play it.»
In «Puppy Love» steht ebenfalls ein Liebespaar, etwa Mitte dreissig, im Zentrum. Er hat ihr einen süssen kleinen Hund gekauft, ihm eine hübsche, rote Masche umgeschlungen und wartet mit Spannung auf ihre Reaktion. Als die Frau nach Hause kommt, ruft sie «it’s adorable», stürmt jedoch am Hund vorbei und zielsicher auf den neuen Philips-Somba-Fernseher mit eingebautem Wecker zu. Der Mann nimmt das Hündchen mit einem lachenden und einem weinenden Auge in die Arme.
In «Ritual» schaut ein Footballfan einen Match am Fernsehen, der mit einem «Digital Recorder with TiVo Service» ausgerüstet ist. Während sein Team zum entscheidenden Kick ansetzt, stoppt er die Liveaktion, fährt schnell in die Kirche, um zu beten, setzt sich danach wieder aufs Sofa, und siehe da, sein Team gewinnt.
Ein vierter Spot mit dem Titel «Concession Stand» wirbt für einen Widescreen-TV. Bei jedem Spot wird die Pointe vom Beatles-Song «Getting Better» begleitet, der allerdings von der englischen Gruppe Montrose Avenue interpretiert ist. Die Tagline am Schluss der Spots lautet: «Let’s make things better».
Die Kampagne läuft auf allen Network-Sendern und zahlreichen Kabelsendern und strebt als Zielpublikum 18- bis 49-Jährige an. Parallel läuft auch eine Print- und Onlinekampagne, die für Philips RUSH! MP3 Player (digitale Audioplayer) und Pronto Intelligent Remote Control (Fernbedienungen) wirbt. Diese ist speziell auf Collegestudenten ausgerichtet und umfasst College-Marketing-Programme und Sponsoring der von der Zeitschrift Rolling Stone organisierten College Music Tour.

Unüblich frühe Höhenflüge

TV 3 blickt im Werbemarkt auf eine aufziehende Morgendämmerung und glaubt an Kontinuität

TV 3 blickt im Werbemarkt auf eine aufziehende Morgendämmerung und glaubt an KontinuitätVon Daniel Schifferle TV 3 erlebt Quotenhöhenflüge, wie sie für einen jungen Sender unüblich sind. Dank neuer und erfolgreicher internationaler Programmformate. Doch nicht alles funktioniert rund um «Big Brother»: Das Printmagazin dazu interessiert weder Leser noch Inserenten und wird eingestellt.
Remo motzt, weil jemand wieder mehr Bier und Wein getrunken hat, als ihm zusteht. Und beim Nachtessen gehts auch nicht viel freundlicher weiter. Dieses Mal ist es die Menüplanung, welche die Mundwinkel der «Big Brother»-Bewohner nach unten zieht. Eigentlich ist es weder aussergewöhnlich noch besonders aufregend, was die Zuschauer sechs Mal die Woche aus dem «Big Brother»-Haus vorgesetzt bekommen. Doch offensichtlich sehr interessant, denn dem Publikum gefällts. Und die Quoten von TV 3 steigen und steigen.
Noch im August dümpelte der Sender in der Prime Time mit 2,5 Prozent Marktanteil bei den 15- bis 49-Jährigen. Doch mit dem Start von «Big Brother» gings rasch bergauf. Bereits im September, dem ersten vollen Monat mit «Big Brother», sprang der Marktanteil auf 8,7 Prozent – mehr als eine Verdreifachung gegenüber dem Monat August.
Aber nicht genug: Im Oktober überschritt TV 3 sogar erstmals die Zehn-Prozent-Marke, wenn auch nur ganz knapp. Summa summarum ein vervierfachter Prime-Time-Marktanteil in nur sechzig Tagen. Nicht schlecht. Mir ist jedenfalls kein anderer Privatsender bekannt, der bereits in so früher Jugend so aussergewöhnliche Steigerungsraten erzielt hätte.
Rekordwerte bei den ganz jungen Zuschauergruppen
Aber es kamen dem Sender ja auch aussergewöhnliche und erfolgreiche neue Programmformate zu Hilfe, die zusammen mit der Lancierung von TV 3 im Programmmarkt auftauchten. Das bisher stärkste ist das Container-spektakel, das so viele Zuschauer zu TV 3 bringt wie nie zuvor. So sehen sich regelmässig zwischen 250000 und 300000 Personen die Zusammenfassungen unter der Woche und am Sonntag an, beim «Big Brother»-Talk schauen sogar über 350000 Personen regelmässig zu.
Und besonders vorteilhaft: Es ist ein sehr junges Publikum, bei dem «Big Brother» Rekordwerte erzielt. Zum Beispiel erreicht das Format über 30 Prozent Marktanteil bei den 15- bis 24-Jährigen wie auch bei den 15- bis 34-Jährigen.
Zielgruppen, in denen bisher vor allem die deutschen Privatsender stark waren. TV-3-Chef Jürg Wildberger sieht sich mit der jüngsten Erfolgswelle seines Senders bestätigt: «Trotz Kritik, wir würden Sendungen zu früh kippen, haben wir uns konsequent dorthin bewegt, wo wir hin wollen: Sendungen zu machen für junge Leute, die Neues suchen.»
Aber auch mit üblichen Formaten konnte TV 3 in den letzten Monaten Publikumsgewinne erzielen. Etwa die Serien in der Vorabendschiene legten teils markant zu.
Ausländische Sender guckten in die Röhre
Diese Gewinne gingen überwiegend zu Lasten der ausländischen Programme. Bei ihnen hat die Quotensteigerung von TV 3 vor allem Zuschauer abgeholt. SF 1 blieb einmal mehr praktisch unberührt mit lediglich einem halben Prozentpunkt Marktanteilverlust im September. SF 2 verbesserte sich sogar kräftig, aber dies ging vor allem auf das Konto der Olympischen Spiele.
Von den ausländischen Sendern blieb hingegen kaum einer ungeschoren, wobei die Öffentlichrechtlichen am meisten Haare lassen mussten. Einen Rekordverlust mussten die Österreicher einstecken, deren ORF 1 allein im September von 5,9 Prozent auf 3,6 Prozent absackte. Aber ARD und ZDF mussten ebenfalls beide über einen Prozentpunkt abgeben. Glimpflich kamen nur die Privaten davon. Allen voran Sat 1, das gar nichts einbüsste. Aber auch für RTL, RTL 2 und Pro 7 war der Verlust mit einem halben Prozentpunkt kaum der Rede wert.
Eine Entwicklung, die für den Schweizer TV-Werbemarkt nur gut ist. «Denn das Publikum ist vor allem von Sendern abgewandert, bei denen wir sie mit Schweizer TV-Werbung nicht erreichen können: ORF, ZDF und ARD», sagt Optimedia-Chef Andy Lehmann.
Niemand kennt die Haltbarkeit der neuen Erfolgsformate
Doch trotz Optimismus darf man nicht ganz vergessen, worauf der aktuelle Erfolg von TV 3 beruht. Praktisch ausschliesslich auf den drei Formaten «Big Brother», «Millionär» und «Robinson». Und wie lange diese erfolgreich sein werden, steht in den Sternen. Ihrer Haltbarkeit kaum förderlich dürfte die Tatsache sein, dass sie auf bald allen empfangbaren Kanälen abgenudelt werden.
Doch Wildberger ist optimistisch und setzt auch im kommenden Jahr wieder voll auf seine bisherigen Quotenrenner: «Big Brother» geht nach nur kurzer Pause weiter, «Millionär» kommt neu zwei Mal die Woche, und «Robinson» steht vor der dritten Auflage. Allerdings ohne Wunsch-partnerin ORF, denn sie hat das Format kurzerhand gekippt – wegen Budgetkürzungen.
Aber das sind für TV 3 im Augenblick zweitrangige Probleme. Am meisten beschäftigt die privaten TV-Produzenten derzeit die Frage, was nach «Big Brother» kommt. «Da läuft gegenwärtig ein riesiges Brainstorming», betont Wildberger, «wie geht es weiter mit diesen neuen Reality-Formaten? Kombinieren wir sie in Zukunft mit Fiktion?» Die Ideen seien im Moment am Sprudeln, weiss der Fernsehchef. TV 3 verfolge genau mit, was sich auf den internationalen Produzentenmärkten tue. Deshalb befürchtet Wildberger keine Engpässe für die Zukunft, zumal diverse interessante Formate produktionsreif seien.
Aber am liebsten möchte der TV-3-Chef noch längere Zeit mit «Big Brother» verbringen. Zum Beispiel später als fix programmierte wöchentliche Soap. « ist doch eigentlich sehr vergleichbar mit «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» – nur ist das eine eine Reality- und das andere eine Fiktion-Soap», sagt Wildberger. Entscheide über grössere neue Programmprojekte seien aber im Moment nicht spruchreif.
Multiplattformen boomen, denn Erfolg macht Appetit
Eines werden die kommenden Sendeformate aber gemeinsam haben: die Kombination von Fernsehen mit anderen Plattformen. In diesem zukunftsgerichteten Sektor konnte «Big Brother» mit seinem Internetangebot und den Telefonservices wichtiges Know-how erarbeiten. Und das will man natürlich bei neuen Programmentwicklungen auch weiter pflegen.
Mit gutem Grund, denn bereits die ersten Erfahrungen mit echten Multiplattformen haben bemerkenswerte Erfolge gezeigt. Mindestens zum Teil. So wurde die «Big Brother»-Site allein bis Ende November mehr als 20 Millionen Mal aufgerufen, prognostiziert hatte der Sender 19 Millionen Aufrufe für die ganze Dauer der ersten Staffel. Ebenfalls sehr gut genutzt und zum Teil auch einträglich waren laut Wildberger die Telefondienste. Zahlen sind dazu allerdings nicht erhältlich.
Aber es gibt auch Dinge im Multiplattformensystem, die weniger gut funktionieren. Das nur schwach nachgefragte Printmagazin zu «Big Brother» zum Beispiel verschwindet aus dem Konzept für die zweite Staffel. Ausgerechnet jenes Element, bei dem Tamedia Kernkompetenz ausweist? «Es hat sich gezeigt, dass für den speziellen Brand die anderen Kanäle stärker sind, da braucht es kein Magazin», begründet René Gehrig, GL Verlagsmarketing bei Tamedia, den Verzicht. Auch mit den jüngsten Ausgaben war es nur gerade gelungen, rund 10000 Exemplare abzusetzen, und dies auch nur, weil Neuabonnenten jeweils alle vorangegangenen Hefte auch noch mitgeliefert bekamen.
Erste Buchungen für 2001 weisen auf ein fettes Jahr hin
Obwohl noch nicht alles funktioniert, steuert der Bereich Multiplattformen bereits auch finanziell seinen Teil bei. «Zwanzig Prozent könnten es bereits sein», schätzt Wildberger. Den grossen Rest muss er weiterhin aus dem On-Air-Bereich erwirtschaften. Hier haben sich die Aussichten nach einer zwar quotenstarken, aber trotzdem werbeschwachen Saison deutlich verbessert. Laut Wildberger zeichnen sich für den Start von 2001 bereits Buchungseingänge ab, die um ein Mehrfaches über denen der vorausgegangenen Monate liegen.
Trotzdem wirft TV 3 beim Budget für das nächste Jahr nicht mit dem Geld um sich. Siebzig Millionen Franken soll der Sender laut Wildberger zur Verfügung haben. Genau gleich viel wie im ersten Jahr, jetzt jedoch verspricht derselbe Betrag bereits deutlich mehr Wirkung auch auf der Einnahmenseite. Immer vorausgesetzt, den neuen Erfolgsformaten geht nicht doch unerwartet die Luft raus.
Sendungsdurchschnitte3. September bis 21. November 2000
Pers 3+ 15–24 Jahre 15–49 Jahre 15–34 Jahre
Datum Beginn Sendung AgeØ R–T MA MA MA MA
ø Mo 21:00 Wer wird Millionär? 45.1 289.3 16.0 17.0 18.8 20.5
ø Mo–Fr 20:00 Big Brother 32.9 231.2 12.9 32.4 23.2 29.8
ø So 20:00 Big Brother – Die Woche 33.6 281.0 13.4 31.1 22.5 29.6
ø So 21:00 Big Brother live 35.5 358.6 18.1 34.0 25.5 32.5
ø Mi 21:00 Cinderella 38.5  81.7  4.9  7.2  7.3  9.0
ø Mo–Fr 19:55 News 37.4  57.0  3.5  7.9  6.3  7.8
ø Mo–Fr 17:40 Die Simpsons 22.5  46.8  6.8 20.2 11.9 15.1
ø Mo 21:50 Crazy Camera 40.1  85.6  5.8  9.4  7.9 10.1
ø Do 21:00 Die unglaublichsten… 37.2  88.5  5.4 11.6  8.6 11.0
ø Sa 20:00 Abenteuer CH 37.4  69.3  3.8  5.3  5.9  6.3
ø Mi 21:50 Discovery: Sex Files 42.5  71.8  4.8  6.3  6.1  6.4
Quelle: Telecontrol / TC2000 Reporter (D-CH)

Best of South-West (3. Quartal 2000)

Affinität der Anzeigen bei den Supportern in der «bürgerlichen Ecke»

Affinität der Anzeigen bei den Supportern in der «bürgerlichen Ecke»Best of Print Advertising Die Anzeigenhits 2000 aus dem Advertising-Index des Marktforschungsinstituts Demoscope
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der WerbeWoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der
Resultate aus dem Advertising-Index (AX Print). Dieser Index (siehe Kasten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigensujets. In den oberen beiden Reihen befinden sich diejenigen Sujets, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe (siehe Windrose) die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen insgesamt, im 3. Quartal 2000 am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top three» gezeigt.

Ein schwacher Inserateoktober

Bisheriger markanter Aufwärtstrend kam infolge weniger Stellenanzeigen beinahe zum Erliegen

Bisheriger markanter Aufwärtstrend kam infolge weniger Stellenanzeigen beinahe zum ErliegenVon Daniel Schifferle Der Boom der Stellenanzeigen legte im Oktober eine Pause ein. Damit sank auch das gesamte Inseratewachstum praktisch auf den Nullpunkt.
Mit einem Zuwachs von lediglich 0,1 Punkten verzeichnet der Publicitas-Index der Werbeausgaben in der Tagespresse im Oktober das geringste Plus in diesem Jahr überhaupt. Den Hauptgrund für diese «Herbst-pause» ortet die Publicitas beim Ausbleiben landesweiter Wahlen, die 1999 eine grosse Anzahl politischer Inserate mit sich gebracht hatten. Dieser schwer zu kompensierende Ausfall hatte sogar zu einem Rückgang bei den Gelegenheitsinseraten um gegen dreissig Prozent geführt.
Die Inseratestatistik des Verbandes Schweizer Presse und des VSW macht einen weiteren Grund für das geringe Wachstum im Oktober verantwortlich: die Stelleninserate, die nur noch um 14,1 Prozent zugelegt hätten. Ein Rekordtief innerhalb der letzten drei Jahre, das nur im vergangenen Juni noch schlechter ausgefallen war.
Gesamtresultat im Stellenmarkt bleibt hoch
Trotzdem ist das diesjährige Gesamtresultat bei den Stellenanzeigen weiterhin hoch, denn kumuliert liegt der Zuwachs seit Jahresbeginn nach wie vor bei hervorragenden 31,3 Prozent. Grösster Gewinner ist dabei das Tessin, wo das Stellenvolumen in diesem Jahr deutlich stärker zunimmt als in den beiden anderen Sprachregionen.
Eine unfreundliche Entwicklung weist die VSW-Statistik im Oktober ebenfalls für die kommerziellen Inserate aus. Insgesamt mussten die Schweizer Zeitungen gegenüber dem Vorjahresmonat einen Verlust von 7,1 Prozent hinnehmen. Die einzige Ausnahme bildete das Tessin. Dort wurde auch im Oktober ein Aufwärtstrend (+3,2 Prozent) festgestellt. Dafür waren aber die Taucher sowohl in der Deutschschweiz (–8,3 Prozent) wie in der Romandie (–7,1 Prozent) umso massiver.
Unter den Zeitungen blieben im Oktober einzig die Wochentitel vom allgemeinen Abwärtstrend verschont. Mit 12,8 Prozent mehr publizierten Inseraten konnten sie sogar ein stolzes Wachstum erzielen, das besonders markant in der Westschweiz (+22,8 Prozent) und im Tessin (+34,1 Prozent) ausfiel.
Die zweite Ausnahme sind die Zeitschriften, die das Gesamtresultat bei den Printmedien im Oktober vor einem Totalabsturz bewahrt haben. Im landesweiten Schnitt legten sie immerhin um 2,8 Prozent zu. Allerdings profitierte der Tessiner Zeitschriftenmarkt nicht vom Wachstum und büsste sogar 11, 8 Prozent ein.

Best of North-West (3. Quartal 2000)

Affinität der Anzeigen bei den Supportern im «Yuppieland»

Affinität der Anzeigen bei den Supportern im «Yuppieland»Best of Print Advertising Die Anzeigenhits 2000 aus dem Advertising-Index des Marktforschungsinstituts Demoscope
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der WerbeWoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der
Resultate aus dem Advertising-Index (AX Print). Dieser Index (siehe Kasten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigensujets. In den oberen beiden Reihen befinden sich diejenigen Sujets, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe (siehe Windrose) die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen insgesamt, im 3. Quartal 2000 am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top three» gezeigt.

Muse & Musse: Markus Siegenthaler

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?Muse & Musse Markus Siegenthaler
Markus Siegenthaler: Die Generalprobe des Philharmonischen Orchestervereins Basel, weil ich dazu auch die Kinder mitnehmen konnte.
Was lesen Sie gerade und warum?
Siegenthaler: Das «Neue», weil mich gerade keiner sieht.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Siegenthaler: Die «Vier Jahreszeiten» von Antonio Vivaldi.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen und warum?
Siegenthaler: «The Meaning of Life» von Monty Python, denn Humor ist, wenn man trotzdem lebt.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Siegenthaler: Sorry, ich habe Kinder, keinen Fernseher. Und die halten mich wach!
Welches ist Ihre neuste Entdeckung im Internet?
Siegenthaler: www.sbb.ch: neu mit städtischen Verkehrsbetrieben und Ortsplänen.
Liebe ist …?
Siegenthaler: …Verschwendung. Das Einzige, was sich durch Verschwendung vermehrt!

Ausserdem: Die Geschäftsleitung der PR-Agentur C-Matrix Group (vormals Aloha Communications) wird seit November durch Hans Peter Graf verstärkt.

Ausserdem Die Geschäftsleitung der PR-Agentur C-Matrix Group (vormals Aloha Communications) wird seit November durch Hans Peter Graf verstärkt. Er übernimmt die Leitung einer PR-Beratungsgruppe und baut die Bereiche Public Affairs, politische PR

Ausserdem Die Geschäftsleitung der PR-Agentur C-Matrix Group (vormals Aloha Communications) wird seit November durch Hans Peter Graf verstärkt. Er übernimmt die Leitung einer PR-Beratungsgruppe und baut die Bereiche Public Affairs, politische PR und E-Government aus.
Per 30. Juni 2001 verlässt Rudolf Hackl die Tamedia-Tochter Condor Communications AG. Hackl war GL-Mitglied und Leiter Corporate Communications.
Sawi-Präsident Hans Peter Rohner ist neu in den Stiftungsrat des Schweizerischen Public Relations Instituts (SPRI) gewählt worden. Rohner ist seit 1985 in der Generaldirektion von Publicitas/PubliGroupe tätig, heute als CEO Publicitas Promotion Network Europa/Asien/Lateinamerika und Mitglied der Konzernleitung.
Schweiz Tourismus hat eine neue Abteilung für Unternehmenskommunikation aufgebaut. Dazu gehört eine Newsredaktion. Als Mediensprecherin Corporate Communications fungiert Daniela Gren, die während fünf Jahren die Öffentlichkeitsarbeit der Fussballsektion des Grasshopper-Clubs Zürich betreute. Die Redaktion besteht aus Leiter Heinz Keller, Laurence Gabriel und Silvia De Vito.
Die EGB Print AG, ein Tochterunternehmen der Basler Mediengruppe, trennt sich von ihrem bisherigen Geschäftsleiter Friedrich Kraut. Dieser hat seinen Vertrag gekündigt und wird neue Aufgaben ausserhalb des Konzerns übernehmen. Die interimistische Geschäftsführung wird ab sofort von Andreas Gass (Verkauf) und Rolf Beyeler (Technik) übernommen. Gesamtverantwortlich zeichnet Erich Läuppi, Mitglied der Konzernleitung der Basler Mediengruppe.

Schönwetterlage für ASW

Welche Klimaeinflüsse werden sich im kommenden Jahr bestimmend auf die Schweizer Werbebranche auswirken?

Welche Klimaeinflüsse werden sich im kommenden Jahr bestimmend auf die Schweizer Werbebranche auswirken?Von Andreas Panzeri Wird die Schönwetterlage weiterhin anhalten? Die Allianz Schweizer Werbeagenturen (ASW) wollte es genau wissen und hat extra drei Original Muotataler Wetterfrösche an ihr Jahresendessen in Schwyz per Traktor einfahren lassen.
Bergbauer Kari und seine Kollegen wollten sich allerdings nicht auf die Äste hinauswagen. Zwar zeigten sie beim Interview mit ASW-Präsident Stefan Hofmann viel Naturtalent in Sachen Werbung. «Wir haben als Muotataler Wetterfrösche mit 600 Vereinsmitgliedern und 10 Franken Jahresbeitrag überhaupt kein Geld für Eigenwerbung. Trotzdem sind wir seit 250 Jahren im ganzen Land bekannt», meinten die Thomas-Bucheli-Konkurrenten. Das nennt man erfolgreiche Markenpflege.
Statt auf Konjunkturprognosen zu machen, versprachen die Bergler den gutgläubigen Werbern lieber «Schnee von Weihnachten bis Neujahr – und damit bestes Wetter für Skiferien». Wie weit der Geheimtipp der Bergfrösche – «Für kurzfristige Prognosen schauen wir auf das Weibervolk und seine Launen» – ebenfalls für die Werbeszene von Gültigkeit sein könnte, soll nicht weiter erörtert werden. Obwohl die Männer vom Muotataler Ländlerchörli sofort auf «sehr viel Schnee in diesem Winter» getippt haben, nachdem die in Trachten gewandeten Sänger im Rathaus von Schwyz auch noch die Techno-Jodlerin Christine Lauterburg über sich hatten ergehen lassen.
Unkonventionell und urchig präsentierte sich der Showblock bei diesem Jahreshöck der inhabergeführten Agenturen. «Wir nennen uns Allianz der Schweizer Agenturen, da ist es doch an der Zeit, dass wir unsere Party endlich auch einmal mitten im Herzen dieser Schweiz stattfinden lassen», erklärte ASW-Geschäftsführer Karl Heinrich von Grote.
Als eines der wichtigsten Traktanden der Versammlung im 1593 erbauten Rathaus von Schwyz durften in diesem Jahr gleich fünf neue ASW-Agenturen ihre Mitgliedschaftsurkunden entgegennehmen.
Zwar fehlten bei der Übergabe Katia Bonadei und Michel Bootz von der Bootzgrolimundbootzbonadei AG aus Zürich. Ihre Urkunden nachschicken liessen sich auch Oliver Fiechter und Uccico C. Demirci von der Fiechter Demirci Werbung + Public Relations AG, Widnau. Stolz auf das in Plexiglas eingelegte Diplom zeigten sich dafür Sabine und Mark Schönholzer von der Factum AG für Marketing, Zürich.
«Durch ein Stahlgewitter von Prüfungsfragen» seien sie von Stefan Hofmann, dem Präsidenten der Aufnahmekommission, gejagt worden, meinten die DM-Spezialisten. Ebenfalls neu im Verband ist Peer Messerli von Messerli Werben in Ottenbach. Messerli wurde als «Philosoph unter den Werbern» vorgestellt.
Die fünfte Urkunde ging an die Agentur mit dem naturkräftigen Namen Blitz & Donner von Stefan und Annette Michel Gilgen. Die AV-Spezialistin Annette kehrt mit dieser Neugründung nach kurzem Austritt «zur grossen Freude aller» wieder zum ASW zurück und hat sich gleich auch wieder für eine Arbeit im Vorstand angemeldet.
Nach dem offiziellen Teil im Rathaus hat das Treffen seinen kulinarischen Abschluss im benachbarten «Wyssen Rössli» gefunden. Dieser Teil des Abends war bewusst ohne weitere Musik gestaltet, denn die inzwischen 92 aktiven Mitglieder der Alllianz sollten hier vor allem in weiterführenden Gesprächen ihre Beziehungen noch stärker zu einem funktionierenden Netzwerk ausbauen.
Andreas Panzeriflitzte über die Autobahn nach Schwyz und traf mitten im Herzen der Schweiz auf eine urchige Werberparty. Beim Jahresendessen der ASW-Agenturen wurde nicht nur bodenständig gejodelt, sondern ebenso fundiert und in schönsten Tönen gefachsimpelt von einem guten kommenden Jahr für die Allianz der inhabergeführten Agenturen in der Schweiz.
Wer sonst etwas zu jodeln, laut, falsch oder belcantomässig zu besingen hat, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (info@werbe woche.ch). Veranstaltungstipps gibt es online unter www.werbewoche.ch/shortlist

Leserbrief: Links gehts rum, WW 41/00

Bisher keine Beschwerden erhalten

Bisher keine Beschwerden erhaltenDie Behauptung, alle Anbieter seien unfreiwillig auf die insernet.ch-Linksammlung gekommen, ist nicht korrekt, weil sie nahe legt, dass Insernet in irgendeiner Form Fremdinserate verwertet oder sich fremde Wertschöpfung aneignet. Tatsächlich wurde rund ein Drittel der Anbieter auf ihren eigenen Antrag aufgenommen. Einige von ihnen platzieren sogar ihre Werbung bei insernet.ch. Zu Gunsten der User und Anbieter erbringt unsere Linksammlung Eigenleistungen wie Eruierung der Online-Inserateanbieter und Bewerten der Angebote, Schaffung einer Übersicht durch Katalogisieren der Angebote in Rubriken, redaktionelle Kommentierung der Anbieter, Werbung und anderes mehr. Bezeichnenderweise erhielten wir bisher keine Beschwerden. Insernet erfüllt auf dem Inserategebiet die gleichen Bedürfnisse wie die diversen Gratis-Branchen- und Lokaltelefonverzeichnisse, in denen auch alle Telefonabonnenten vollständigkeitshalber «unbefragt» aufgeführt sind. K. Svec, Insernet.ch

Wie man sich nicht behindern lässt

MLB macht in der neuen Pro-Infirmis-Kampagne aus Behinderten Persönlichkeiten

MLB macht in der neuen Pro-Infirmis-Kampagne aus Behinderten PersönlichkeitenMutiger, als man es von der Pro Infirmis je erwartet hätte, tritt sie ab Mitte Dezember in einer neuen Imagekampagne für die Interessen behinderter Menschen ein. Der Medienrummel um den Mitte Dezember startenden Auftritt der Behindertenorganisation scheint vorprogrammiert. Denn die Direktheit der visuellen Umsetzung kommt einem Kampfruf gleich und dürfte die Geister entzweien wie weiland die nackte Schwangere, die für die Muba warb.In den kräftigen Aufnahmen von Modefotograf Hannes Schmid werfen sich die körperlich und geistig behinderten Models in modischer Ästhetik in Pose und strahlen überraschend viel Selbstbewusstsein aus, wollen anderen Behinderten Mut machen und verpassen ihren Artgenossen und ihrer Dachorganisation ein frecheres Image.
Verantwortlich für den Kurswechsel im kommunikativen Selbstbild der Pro Infirmis ist die Erlenbacher Agentur Metzger Lehner Briccola, die der Organisation mit sechs Printsujets auf rund 3500 Plakatstellen und in der Publikumspresse eine Verjüngungskur verpasst. Nicht mehr das Mitleid erheischende Bild, sondern der Mensch als Ganzes steht im Mittelpunkt der Kampagne.
Die beiden CDs Alfredo Briccola und Marco Lehner liessen Schmid auf die beruflichen und persönlichen Wünsche und Träume der Protagonisten fokussieren statt auf deren Beeinträchtigungen. Selbst vor heissen Eisen wie der Liebe zwischen zwei Down-Syndrom-Menschen fürchtete man sich nicht. Denn, obwohl Eugenik und Sterilisation bei uns offiziell abgeschafft sind, von gesellschaftlicher Akzeptanz lässt sich noch lange nicht sprechen.
Das überzählige Chromosom wie Behinderungen im Generellen werden denn auch im neuen Organisationslogo mit dem i-Punkt am falschen Ort grafisch aufgefangen. Verstärkt wird die selbstbewusste visuelle Inszenierung durch den ebenso stolzen Slogan «Wir lassen uns nicht behindern». «Mitleid stellt sich so erst gar nicht ein, im Gegenteil», ist sich Alfredo Briccola sicher. Luca Aloisi

Elke Zappe powert neu für Bilanz

Die Ex-Werberin Elke Zappe (Studer & Zappe) übernimmt per 1. Januar die Leitung der WM Wirtschaftsmedien AG von Edi Häusler, der neu dem Bereich Customer Service vorstehen wird.

Die Ex-Werberin Elke Zappe (Studer & Zappe) übernimmt per 1. Januar die Leitung der WM Wirtschaftsmedien AG von Edi Häusler, der neu dem Bereich Customer Service vorstehen wird.Zappe soll mit Medard Meier, Chefredaktor Bilanz, «die Multimediastrategie der Bilanz» weiterentwickeln, heisst es in einer Medienmitteilung der Jean Frey AG weiter. Häusler löst Peter Kümmerli, Verlagsleiter Beobachter, ab, der interimsweise für Customer Service zuständig war.

Management by Durcheinander

In der europäischen Plakatforschung gibt es keine einheitlichen Modelle zur Messung der Werbewirkung

In der europäischen Plakatforschung gibt es keine einheitlichen Modelle zur Messung der WerbewirkungVon Wolfgang Koschnick Mobilität, Verkehrsschätzung und Sichtbarkeit. Diese drei Merkmale der britischen Oscar-Plakatforschung erlauben derzeit die zuverlässigsten Aussagen über die Qualitäten von Aussenwerbestellen. Summarische Betrachtungen sind durch Einzelstellenbewertungen abgelöst worden. Was sie im Einzelnen zu leisten vermögen, zeigt das Beispiel aus Grossbritannien.
Europas Aussenwerbewirtschaft bietet ein scheckiges Bild. In manchen Ländern ist sie geradezu an den Rand der Gesellschaft gedrückt. Führende Plakatnationen sind Frankreich und Belgien, und zwar in jeder Hinsicht. Die Aussenwerber in Belgien streichen sagenhafte 13 Prozent und die in Frankreich volle 12 Prozent der gesamten Werbeeinnahmen ein. In Frankreich kommt die gesamte Zeitungspresse auch nur gerade mal auf 13,8 Prozent. Ein ähnliches Gewicht hat Aussenwerbung weltweit sonst nur noch in Japan mit 12,8 Prozent.
Doch immer wieder gibt es Länder, die völlig aus der Reihe tanzen. In der Schweiz erzielen die Aussenwerber einen Marktanteil von 11,5 Prozent. Damit setzt die helvetische Aussenwerbewirtschaft fast denselben Betrag um wie die Fernsehwerbung. Die klassischen Medien liegen in den meisten Ländern stets irgendwo auf ähnlichem Niveau. Aber in der Aussenwerbung gibt es von Land zu Land geradezu atemberaubende Unterschiede. Die Plakatwerbung lässt sich einfach nicht über einen Kamm scheren.
Das Werbemittel Plakat spielt überdies nur noch in Österreich, Grossbritannien, Deutschland, Spanien, Italien, Griechenland, den Niederlanden sowie – wenn auch erst seit kurzem – in den meisten osteuropäischen Ländern eine einigermassen nennenswerte Rolle. In allen übrigen Ländern sind die Aussenwerbeaufwendungen und der Anteil am gesamten Werbekuchen eher eine Quantité négligeable.
So fällt Aussenwerbung in den dünn besiedelten Ländern Skandinaviens kaum ins Gewicht. Und deshalb ist es auch bestenfalls von peripherem Interesse, wie die Plakatforschung in diesen Ländern organisiert ist. Meistens überhaupt nicht oder schlecht. Und ist kaum der Rede wert.
Aussenwerbeforschung tanzt nach einer anderen Melodie
Doch wie haben Europas führende Plakatnationen ihre Forschung organisiert? Gibt es Gemeinsamkeiten oder wenigstens gemeinsame Trends? Zieht zumindest der grosse Tross in dieselbe Richtung, selbst wenn ein paar versprengte Reiter nach hinten preschen? Tatsächlich hat die europäische – und mit ihr die weltweite – Werbeträgerforschung in der Aussenwerbung in den letzten Jahrzehnten einige Quantensprünge erlebt und scheint sich heuer so ganz allmählich auf ein hybrides Modell hin zu bewegen, das in der einen oder anderen Konkretisierung in den meisten europäischen Ländern Akzeptanz findet.
Das Plakat ist ein kompliziertes Medium, und die Plakatforschung die hohe Kür der Mediaforschung. Die allgemeine Werbeträgerforschung lässt sich mit der Herstellung von Präservativen vergleichen: Da wird immer dasselbe Stück Gummi über denselben Kolben gestülpt. Für jeden Werbeträger braucht man Kontaktzahlen, Frequenzen, Reichweiten, Nutzer im Erscheinungsintervall und vieles andere mehr. Und das funktioniert bei allen Medien im Prinzip nach dem gleichen Muster. Bloss bei der Aussenwerbung geht das nicht. Das hat mindestens zwei Gründe:
Bei den «normalen» Werbeträgern gibt es «normale» Nutzer (Leser, Fernsehzuschauer, Radiohörer, Kinobesucher), die nebenher auch Werbekontakte haben. Beim Plakat gibt es diese Nutzer nicht. Der Werbeträger «Anschlagstelle» per se hat überhaupt kein Publikum. Niemand nutzt eine Anschlagstelle, wenn kein Plakat drauf ist.
Der Werbeträger ist für die Werbung nichts wert, wenn da kein Werbemittel drauf ist. Bei den «normalen» Werbeträgern ist das Gegenteil der Fall. Man gewinnt also in der Plakatforschung aus der Nutzung des Werbeträgers «Anschlagfläche» keinerlei Anhaltspunkte für die Nutzung des Werbemittels «Plakat».
Die «normalen» Werbeträger sind alle gleich: Eine Tageszeitung ist überall in ihrem Erscheinungsgebiet das gleiche Blatt. Eine Zeitschrift ist überall gleich, egal ob man sie in Basel, Zürich oder Bern liest. Das Programm eines Radio- oder eines Fernsehsenders kommt bei jedem Hörer und jedem Seher genauso wie bei jedem anderen Hörer oder Seher an. Die Gleichartigkeit der Werbeträger ist ihr überragendes Charakteristikum. Deshalb sind sie einfach zu messen und zu vergleichen.
Beim Plakat ist das ganz und gar anders. Die eine Plakatstelle steht mitten im Getümmel des Zürcher Flughafens. Da kommen täglich Hunderttausende vorbei. Die andere steht in einer Kleinstadt, in der nicht viel los ist, aber es gehen immer noch tausend Leute daran vorbei. Und wieder eine steht in einem entlegenen Dorf mit der Vorderseite in Richtung Wald. Die sehen noch nicht einmal der Fuchs und der Hase, wenn sie einander gute Nacht sagen.
Kurzum: Keine Plakatstelle gleicht der anderen. Die Verschiedenartigkeit der Werbeträger ist das Grundcharakteristikum der Aussenwerbung. Gleichartigkeit ist das Merkmal aller übrigen Werbeträger. Damit muss die Plakatforschung zurechtkommen, wenn sie den Besonderheiten des Werbeträgers Plakat gerecht werden will. Seit neuestem spielen in den europäischen Diskussionen über den rechten Weg der Plakatforschung vor allem vier unterschiedliche Modelle eine Rolle:
• das britische Postar-Modell
• die niederländische «Buitenreclame 2000»
• das deutsche PMA-Modell
• das österreichische PWÖ-Modell
Aus diesen am weitesten entwickelten Grundmodellen, die teils sehr stark voneinander abweichen, lassen sich neuere Trends in der Aussenwerbeforschung herauskristallisieren.
Das britische Postar-Modell gilt seit Mitte der Neunzigerjahre als wegweisendes Modell. Postar ist ein Akronym, das aus «poster advertising research» (Anschlagwerbung) zusammengesetzt ist, geschickt den Gleichklang der Wörter «poster» und «Postar» nutzt und ausserdem im Englischen auch noch so wie «Plakat-Star» klingt. Es ist die Fortsetzung des alten Oscar-Modells aus den Achtzigerjahren mit moderneren Mitteln und steht in der langjährigen Tradition der britischen Aussenwerbeforschung. Sie wird heute allerdings nicht einmal mehr durch das Gewicht der Aussenwerbung auf den Britischen Inseln getragen; denn Grossbritannien gehört schon längst nicht mehr zu den führenden Plakatnationen Europas – wie noch vor zehn, zwanzig Jahren.
Auch das erste, internationale Massstäbe setzende Modell stammt aus England. Es entstand schon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Mitte der Fünfzigerjahre. Die Aussenwerbung hatte damals einen anderen Stellenwert als heute. Unmittelbar nach dem Krieg gab es Wichtigeres als Werbung mit Plakaten. Der Kampf ums Überleben beherrschte den Alltag. Selbst als die wirtschaftliche Entwicklung voranschritt, war Aussenwerbung eher eine Nebensache. Es gab wenig Anschlagstellen. Plakate waren als Werbeträger nicht sehr verbreitet.
Werbung ganz allgemein war auf den Verkäufermärkten der Fünfziger- und selbst noch der Sechzigerjahre unbedeutend: Nicht die Nachfrage bestimmte das Angebot, sondern alles, was angeboten wurde, fand auch eine Nachfrage. Solange Knappheit herrschte, war Werbung bedeutungslos, Aussenwerbung war es erst recht; denn nur eine Minderheit der Konsumenten besass überhaupt ein Automobil oder war auch nur im entferntesten so mobil, wie die Leute von heute es sind.
Der A-Wert entstand, als Europa noch in Trümmern lag
In dieser Situation galt es, ein auf die damaligen Verhältnisse zugeschnittenes Modell der Plakatforschung zu finden, mit dessen Hilfe man Werbungtreibenden eine grobe Orientierung an die Hand geben konnte, sodass sie im Grossen und Ganzen und einigermassen zuverlässig die werbliche Eignung unterschiedlicher Anschlagstellen beurteilen konnten. Dabei konnte man alle Faktoren, die heute für die Werbewirksamkeit von Anschlagstellen von zentraler Bedeutung sind, unter den Tisch kehren: Weder die inzwischen exponentiell angestiegene Mobilität der Bevölkerung noch die unterschiedlichen Beachtungschancen für verschiedene Anschlagstellen spielten eine wichtige Rolle bei der Beurteilung ihrer Wirksamkeit.
Entscheidend war: Das Modell der Plakatforschung musste einfach und leicht zu handhaben sein. Und so fand der britische Marktforscher Brian C. Copland ein für die damaligen Verhältnisse geradezu genial einfaches Modell. Man nannte es nach seinem Erfinder meist das «Copland-Modell». Die Formel, die Copland entwickelt hatte, nannte man den A-Wert. Und weil die gesamte britische Werbewirtschaft diesen Wert für das wegweisende Plakatforschungsmodell schlechthin hielt, nannte man ihn beim Institute of Practitioners in Advertising (IPA) – dem Forschungszweig der Advertising Association (AA) – auch einfach die «IPA-Formel».
Als Brian Copland 1949 mit den Vorarbeiten zur Entwicklung seines Modells der Plakatforschung begann, lag Europa noch in Trümmern. Das erklärt so manches, auch die genialische Simplizität seines A-Werts. Die europäischen Städte und Gemeinden waren noch weit entfernt von dem unerhörten Mass an Komplexität, Flexibilität und Mobilität, die sie heute auszeichnen. Und es gab auch 1956, als Copland im Auftrag des Institute of Practitioners in Advertising seine wegweisende «Newport-Studie» durchführte, weitaus weniger mediale Vielfalt, gegen die sich die Aussenwerbung zu behaupten hatte, als dies heute der Fall ist. Das Fernsehen spielte als Massenmedium so gut wie keine Rolle. Um den Publikumsverkehr um Plakatanschlagstellen einigermassen wirksam zu messen, kam man mit wenigen Daten aus.
In der damaligen Situation war der A-Wert ohne jeden Zweifel das Nonplusultra in der Plakatforschung. Als Massfaktor für Kontakte pro Kopf der Bevölkerung und Anschlagstelle in einem Gemeindegebiet berücksichtigt er lediglich die Gesamtzahl der Kontakte oder Passagen in einem Belegungszeitraum, die Einwohnerzahl eines Ortes und die Zahl der Anschlagstellen. Dabei ist die durchschnittliche Passagewahrscheinlichkeit mathematisch-statistisch gesehen eine Funktion der Einwohnerzahl des Orts.
Einfacher ausgedrückt: Hat man die Zahl der Anschlagstellen und die Zahl der Einwohner, ergibt sich automatisch die Passagewahrscheinlichkeit. Je mehr Einwohner ein Ort hat, desto kleiner ist der Wert für die Passagewahrscheinlichkeit. Im Grunde ist also die einzige Variable in der Gleichung die Einwohnerzahl, und es würde danach durchaus genügen, die Städte und Gemeinden eines Landes nach ihrer Einwohnerzahl in eine Rangfolge zu bringen (oder auch zu kategorisieren), um ein wenigstens steinzeitlichen Ansprüchen genügendes Mass für die durchschnittliche Passagewahrscheinlichkeit an durchschnittlichen Anschlagstellen zu gewinnen.
Darüber hinaus ist der dem A-Wert zu Grunde liegende Denkansatz geradezu getränkt von der Philosophie des arithmetischen Mittels. Jede Differenzierung in der Realität wird auf das Mittelmass des Durchschnitts niedergewalzt. Jede Anschlagstelle hat denselben Wert, ob sie nun gross oder klein, gut oder schlecht zu sehen, frontal oder parallel positioniert ist.
Ganz und gar unberücksichtigt bleibt darin die Mobilität der Bevölkerung. Dem Phänomen, dass heute ganze Städte teils aus reinen Wohngebieten und teils aus reinen Pendlergebieten bestehen und ein grosser Teil der Bevölkerung täglich von einer Stadt zur nächsten oder von einem Stadtteil in den anderen reist, um zur Arbeit zu gelangen, trägt der A-Wert überhaupt nicht Rechnung. Für ihn zählt allein die Einwohnerzahl.
Der A-Wert musste dem Oscar und dem Postar weichen
In Grossbritannien wuchs im Laufe der Achtzigerjahre die Einsicht, dass Brian C. Coplands A-Wert nicht mehr in der Lage war, der wachsenden Differenziertheit und Kompliziertheit moderner Gesellschaften gerecht zu werden. Und so begann man, über ein neuzeitliches Modell nachzudenken, nachdem man zunächst vergeblich versucht hatte, den guten alten A-Wert an die Erfordernisse der heutigen Zeit anzupassen. Das erwies sich als nicht machbar.
In Grossbritannien wird der A-Wert seit 1980 überhaupt nicht mehr verwendet. In Frankreich gab es einen kurzen Wiederbelebungsversuch in einer Reihe von Studien, die das Centre d’Etude de Support de Publicité (CESP) zwischen 1983 und 1985 in verschiedenen Städten durchführte. Allerdings verwendete bereits das CESP eine Fortentwicklung des coplandschen A-Werts, nachdem deutlich geworden war, dass die Aussagekraft des ursprünglichen Werts nichts mehr hergab.
Heute werden Variationen des A-Werts noch in der Schweiz, in Belgien, in Schweden und in Polen eingesetzt. Aber es gibt keinen Zweifel, dass es sich dabei um ein Auslaufmodell handelt. In Schweden beispielsweise werden Kontakthäufigkeit und Reichweite nach einem Copland-Modell errechnet, das von Gunnar Ekman an schwedische Verhältnisse angepasst wurde.
Und so entwickelte man 1981 in Grossbritannien ein noch genialeres Modell, das überdies den Vorzug grösstmöglicher Differenziertheit besitzt und den Anforderungen der modernen Gesellschaft uneingeschränkt Rechnung trägt: Oscar. Die Abkürzung steht für Outdoor Site Classification and Audience Research, auf deutsch: Anschlagstellenklassifizierung und Reichweitenforschung. 1996 wurde Oscar dann zu Postar weiterentwickelt.
Einfach gesagt ist Postar so etwas wie eine Mediaanalyse für die Plakatflächen Grossbritanniens (oder eines beliebigen anderen Landes). Als eine kontinuierliche Werbeträgeranalyse bietet sie sowohl intermediale als auch intramediale Vergleichbarkeit. Bereits mit Oscar lagen ab 1987 für praktisch jede einzelne der damals insgesamt 125000 Anschlagflächen auf den Britischen Inseln genaue Zahlen über ihre Reichweite, die Kontakthäufigkeit und die demografische Zusammensetzung ihres Zielpublikums vor. Das Werbemittel Plakat und sein Werbeträger Anschlagfläche wurden mit Oscar und erst recht mit Postar ebenso planungstransparent und handhabbar wie das Fernsehen oder ein beliebiges Printmedium. Bis hin zu Postar führte ein Vierstufenprogramm:
• Totalerhebung aller Anschlagstellen Grossbritanniens.
• Für jede Anschlagstelle wurden sodann Masse ihrer Sichtbarkeit als Indikatoren ihrer Kontaktqualität entwickelt.
• Danach ermittelte man wiederum für jede einzelne Anschlagstelle Kontaktgelegenheiten (Opportunity to See [OTS]).
• Im vierten Schritt – dem Quantensprung von Oscar zu Postar – ermittelte man die Reichweiten aller einzelnen Anschlagflächen innerhalb der Gesamtbevölkerung und innerhalb von Zielgruppen und deren Kontakthäufigkeit mit der jeweiligen Plakatanschlagfläche.
Mit Oscar kam die Einzelstellenbewertung
Wegweisend für die Zukunft der Plakatforschung an Oscar war die Einzelstellenbewertung, die man in dieser Form bis dahin nicht kannte: Der Gedanke nämlich, dass der Kontakt mit einer Anschlagstelle nicht allein durch die Passage entsteht, sondern durch Eigenschaften der Stelle selbst, ihrer Sichtbarkeit und ihres Umfelds bestimmt wird.
Aus diesen Beobachtungsdaten entwickelte die Studie Schätzwerte für das Kontaktpotenzial, die Reichweiten und die Kontakthäufigkeit für jede einzelne Anschlagstelle. In einem späteren Stadium wurde dann die Zahl der Sichtbarkeitsfaktoren auf sieben reduziert.
Wie immer man den Wert des Modells einschätzen mag: Seit Oscar ist der Gedanke der Einzelstellenbewertung in der Welt. Und er lebt heute in den meisten moderneren Forschungsmodellen in der einen oder anderen Form fort. Lediglich die Vielzahl der Faktoren verursacht den Forschern in jüngster Zeit eher Kopfzerbrechen. Einen absoluten Höhepunkt erreichte der Hang zur Vielfaktorerei im deutschen FAW-Nielsen-Modell, das versuchte, den Kontakt mit Hilfe von sage und schreibe 37 verschiedenen Sichtbarkeitsfaktoren einzugrenzen. Weltweit besteht heute ein starker Hang zur Reduktion der Sichtbarkeitsfaktoren.
Drei Elemente zeichnen Postar aus
Grundgedanke bei Oscar war es, Kontaktchancen, Kontakthäufigkeiten und Reichwerten auf der Basis von qualifizierenden Standortmerkmalen für Passagen zu ermitteln. Alle Leute, die innerhalb einer bestimmten Distanz einen Plakatstandort passierten, wurden als Personen mit einer Kontaktchance erfasst. Hier setzte später Postar an und bietet ein realistischeres Mass zur Bewertung der Impacts von Plakaten jener Personen, die wahrscheinlich das Plakat auch wirklich wahrnehmen und nicht nur daran vorbeigehen. Postar ist gekennzeichnet durch drei Elemente: eine Mobilitätsstudie, Verkehrsschätzungen und eine Sichtbarkeitsstudie.
Die Mobilitätsstudie diente dazu, mit Hilfe einer repräsentativen Stichprobe Daten über das Mobilitätsverhalten von Erwachsenen zu gewinnen. Die Untersuchung lief an 140 Orten in ganz Grossbritannien. Dabei wurden über 7000 Erwachsene befragt, und es wurden Angaben zu allen Strassen registriert, die eine Person beschritten oder befahren hat.
Die Plakatstellen selbst werden erst in der Analyse eingespeist, um zu errechnen, wie viele Standorte ein Befragter auf Fahrten und Fussgängen passiert haben musste. So können alljährlich beliebig viele neue Standorte zur Datenbasis hinzugerechnet werden, ohne dass jedes Mal neue Interviews geführt werden müssen.
Die Verkehrsschätzungen: Mit Hilfe dieser Daten konnte ein Drittel der Plakatstandorte korreliert werden, die Postar abdeckt. Für die restlichen zwei Drittel wurden Fahrzeugverkehrszählungen von allen Gemeinden gekauft, die über diese Daten verfügen. Diese Zählungen wurden zusammengefasst mit 6175 separaten Orten, von denen bereits potenzielle Modellierungsdaten auf einer Datenbank existierten. Das deckte über 10000 Plakatflächen ab – ungefähr zehn Prozent aller Flächen. Darüber hinaus wurden 9000 zwölfminütige Fussgängerzählungen an Plakatstellen im ganzen Land durchgeführt.
Zur Modellierung des gesamten Datenmaterials benutzte man neuronale Netzwerke, die so lange mit den Verkehrs- und Fussgängerzählungen gespeist wurden, bis sie die aufgenommenen Informationen zur Generalisierung oder Einschätzung des Verkehrs an den bis dahin unberücksichtigten Standorten einsetzen konnten. Die Schätzungen wurden anhand von realen Verkehrszählungen überprüft und erwiesen sich als sehr treffsicher: Bei einer Durchschnittskampagne mit tausend Plakatstellen betrug die Abweichung nur ±0,6 Prozent.
Die Sichtbarkeitsstudie: Die Daten zur Passage wurden im nächsten Schritt so verfeinert, dass sich ausrechnen liess, wie viele Personen das Plakat wahrscheinlich gesehen haben. Die Experimente zur Sichtbarkeit der Plakate wurden von der psychologischen Abteilung am Birkbeck College der Universität London durchgeführt. Dabei wurden 50 Testpersonen, die glaubten, an einem Verkehrssicherheitsexperiment teilzunehmen, in einem normalen Strassenszenarium mit Plakaten konfrontiert.
Um das genaue Beachtungsverhalten von Personen zu ermitteln, setzte Paul Barber vom Birkbeck College vom Computer entwickelte Standbilder von Anschlagflächen und einer Reihe von vorher bestimmten Ablenkungsfaktoren («distractors») ein. Die liess man Testpersonen zeigen und verfolgte deren Betrachtungsverhalten. Ihre Augenbewegungen wurden mit Hilfe der Infrarot-Messtechnik analysiert, sodass festgestellt werden konnte, wer, wann, wo ein Plakat wahrgenommen hatte.
Dabei zeigte sich, dass die Fixationen im Blickverhalten – also das genaue Hinschauen – durch fünf Faktoren bestimmt wurden: die Grösse und den Winkel der Fläche zum Betrachter (eigentlich also zwei Faktoren); «eccentricity»: das ist der Winkel zwischen der Fahrtrichtung und der Richtung, die man benötigen würde, um die Fläche voll zu sehen. Das ist also gewissermassen die Abweichung von der Vollsicht; Beleuchtung («illumination»); visuelle Häufung («visual clutter»): die Gesamtheit der Faktoren (Verkehrszeichen, Schaufenster, Umfeldkomplexität, Situationskomplexität etc.), die den Betrachter von der Plakatfläche ablenken; Dauer der Passage.
Auf dieser Basis war es möglich, ein Sichtbarkeitsmodell zu konzipieren, das auf jede bekannte Plakatstelle anwendbar ist. Es liefert eine Schätzung der tatsächlichen Seher oder der Dauer der Plakatbeachtung, wenn die Zahl der vorübergehenden Personen bekannt ist. Das Sichtbarkeitsexperiment erlaubt eine Schätzung der wirksamen Kontakte. Postar macht es also möglich, den Prozentsatz derjenigen Zielpersonen abzuschätzen, die tatsächlich ein Plakat sehen: die Reichweite.
Die Vorgehensweise bei Postar leuchtet zwar ein, ist aber nicht für jedermann nachvollziehbar. Das Gesamtmodell ist viel zu kompliziert. Das ist einer von zahlreichen Gründen, weshalb auf den Britischen Inseln die Begeisterung für das Modell schwindet. Postar ist in einen merkwürdigen Schwebezustand geraten, bei dem im Moment niemand so recht sagen kann, ob es nun vorwärts oder wieder zurück geht.
Neue Ansätze in der PlakatforschungMit diesem Beitrag beginnt die WerbeWoche eine neue Artikelreihe zum Stand der aktuellen Plakatforschung in Europa. Nach diesem ersten Teil, der die Grundprobleme der Aussenwerbewirtschaft schildert, werden im zweiten Beitrag die Vor- und Nachteile neuerer Ansätze in der Forschung beschrieben und analysiert, insbesondere die niederländischen, deutschen und österreichischen Forschungsmodelle.
Aussenwerbung nach aufwand in mio. euro 1999
Frankreich 1089
Grossbritannien 954
Deutschland 682
Italien 360
Schweiz 294
Spanien 217
Belgien 159
Griechenland 154
Niederlande 130
Polen 126
Österreich 119
Schweden 86
Irland 48,1
Ungarn 43,6
Dänemark 42
Portugal 32
Finnland 32
Norwegen 31
Slowakei 13,5
Luxemburg 1,6
Tschechien 1,5
Rumänien 0,5
Quelle: IP Status Report 2000 Advertising and the Economy
Die von OSCAR festgelegten Kriterien:• Strassenkategorie der Anschlagstelle: Dabei wurden die Stellen eingeteilt je nach gut sichtbarem Strassentypus.
• Standort: Differenziert wurde, ebenfalls unter Verwendung detailgenauer Definitionen, zwischen neun verschiedenen Standortkategorien.
• Verkehrsfluss: Unterschieden wurde danach, ob an der Anschlagstelle der Verkehrsfluss in einer oder in zwei Richtungen verläuft oder ob sie in einer Fussgängerzone ohne Automobilverkehr steht.
• Zahl der Fahrspuren
• Geschwindigkeitsbegrenzungen
• Nähe von Verkehrsampeln innerhalb von 100 Metern zur Anschlagstelle.
• Zugangswege: Positionen, von denen aus Fahrzeuge oder Fussgänger sich der Anschlagstelle nähern.
• Nähe zum Stadtzentrum: Dabei wird zwischen fünf Abstufungen unterschieden.
• Nähe zum nächsten Einkaufszentrum: Fünf Abstufungen.
• Sichtbarkeit für Ladengeschäfte: Dabei wird angegeben, ob die Anschlagstelle von einem Geschäft aus gesehen werden kann und um welche Geschäftskategorie es sich dabei handelt (zwölf Kategorien werden vorgegeben).
• Besondere Kennzeichen: Eigentümlichkeiten (Special Features) der Anschlagstelle werden nach 21 vorgegebenen Kategorien festgehalten.
• Anschlagstellentyp: Unterschieden werden zwölf Grundtypen.
• Sichtbarkeit: Angaben über die von den Feldarbeitern beobachteten und in einer von ihnen angefertigten Standortskizze festgehaltenen Sichtbarkeitsfaktoren für jede Anschlagstelle.
• Length of Visibility: Die weiteste Entfernung, von der aus ein Plakat auf der jeweiligen Anschlagstelle noch klar erkannt werden kann.
• Angle of Vision: Der Winkel, in dem die Anschlagstelle zur Strasse steht.
• Deflection from Natural Line of Sight: Die Abweichung von der natürlichen Sehlinie – das ist die Einschätzung des Winkels, um den ein Autofahrer den Kopf von seiner normalen Sehhaltung beim Fahren drehen muss, um eine Anschlagstelle zu sehen.
• Vorhandensein von Sichtbehinderungen: Angaben über Laternenpfähle, Verkehrszeichen, Bushaltestellen und dergleichen, die – nach Einschätzung der in der Studie eingesetzten Feldarbeiter – den freien Blick der vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmer auf die Anschlagstelle beeinträchtigen oder gar behindern.
• Height of Panel from the Ground: Höhe über dem Erdboden.
• Illumination: Beleuchtung der Anschlagstelle.
• Competition: Die Zahl der Anschlagflächen, die auf einer Anschlagstelle insgesamt angebracht sind und zusammen um die Aufmerksamkeit der Passanten buhlen.
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