Aalglatt Richtung Spitze

Von Beat FritschLiebe Leserinnen, liebe Leser. Hier folgt jetzt der Rechenschaftsbericht über das Abschneiden der von Ihnen via Abogebühr mitfinanzierten WerbeWoche-Mannschaft am diesjährigen Ideé-Curlingturnier. Auch heuer schickten wir ein gemi

Von Beat FritschLiebe Leserinnen, liebe Leser. Hier folgt jetzt der Rechenschaftsbericht über das Abschneiden der von Ihnen via Abogebühr mitfinanzierten WerbeWoche-Mannschaft am diesjährigen Ideé-Curlingturnier. Auch heuer schickten wir ein gemischtes Team aufs Eis, um die Ehre des Blattes zu verteidigen. Geschätzte bekannte und unbekannte Gönner, erst die schlechte Nachricht: Leider hatte unsere Mannschaft einmal mehr und im ungünstigsten Moment ein absolutes Formtief.
Und jetzt die guten Nachrichten! Es gab keine Verletzten, und nach der Vorrunde lag das WerbeWoche-Team (schulterklopf!) auf dem sagenhaften 2. Rang. So sah die Jagdstrecke aus: Zuerst revanchierten wir uns bei den Persönlich-Curlern für die letztjährige Niederlage. Obwohl mit Fabrizio Milano nur noch einer vom 2000er-Team dabei war, hats ziemlich gut getan. Fazit für den neuen Persönlich-Skip Stephan Küng: Abgetrocknet! Danach schickten wir die Gentlemen aus der Aargauer Agentur Robert von der Aare die Limmat runter. Obwohl uns die angegrauten Herren eigentlich sehr sympathisch waren: 7 zu 1 zermalmt! Als Vorrundendessert nahmen wir uns noch die Facts-Curler mit Nicole Costa, Kilian Gasser, Jean-Claude Plüss und dem eingekauften Skip Röbi Baier zur Brust; immerhin die Sieger des letztjährigen Turniers. Und bis dato auch unsere härtesten Gegner – trotzdem: nach zähem Ringen vom Eis gefegt!
Vielleicht lag es an der Wartepause vor der Finalrunde oder am schweren Essen. Zudem klagten die Herren von der WerbeWoche über Flüssigkeitsmangel. Vielleicht wars der zu hohe Erfolgsdruck – zum Erhalt des 2. Platzes reichte nur ein weiterer Sieg. Im letzten Spiel kam der grosse Einbruch, und die Steine rutschten, wohin sie wollten. Der empfindliche Finalverlust gegen die viertplatzierten Conquestadoren (Agentur Conquest) warf uns auf Rang 7 zurück. Was immerhin eine Steigerung gegenüber dem zweitletzten Platz (23.) im Vorjahresturnier bedeutete.
Ausserdem ging die Sache, liebe Teamsponsoren, langsam, aber sicher ins Geld! Eine ungeschriebene Curlingregel verlangt bekanntlich, dass den Verlierern eines Spiels jeweils ein Umtrunk spendiert wird. Und wir hatten zu spendieren, und nicht zu knapp.
Neben den vielen Turniersponsoren, die mit eigenen Teams zugegen waren, sah man auch Ehrengäste. Beispielsweise Monika Luck und Piero Schäfer von der SW, Jazzer Robi Weber oder Headhunterin Hélène Müller mit Seiler-DDB-CD Markus Cavegn, der so begeistert war, dass er sich gleich fürs nächste Jahr anmelden wollte. McCann-Erickson-CD Frank Bodin verstärkte gar spontan die Mannschaft von Michi Frank in deren letztem Spiel.
Gewonnen haben die Paul’s Curler von der Werbeabteilung der Zürcher Kantonalbank, gefolgt von Metropol mit Urs Zeier und dem Team HBH on Ice von Angelica Hiltmann.
Ein Dankeschön auch der Turnierleitung unter Heinz Egli und Monika Ducry, obwohl diese vielleicht gelegentlich den Auslosungsmodus der Vorrundenspiele überprüfen sollten. Es ist nämlich schon seltsam, dass Persönlich und WerbeWoche jedes Mal gegeneinander antreten müssen.
So hoffen wir, verehrte Sportmäzene, auch auf Grund unseres ansprechenden Abschneidens, dass Sie das WerbeWoche-Curlingteam in der nächsten Saison wiederum unterstützen werden. Wir werden unsererseits weiterhin hart trainieren. Und das nicht nur am Tresen.
Skip Beat Fritsch

stellte nach dem lausigen Resultat am letztjährigen Idée-Curlingturnier – Schuld am Debakel hatten damals die beiden Redaktionsvolontäre Carole und Bruno – eine frische Mannschaft zusammen.
Mit von der Partie waren dieses Mal unsere Fotografin Claudia Linsi (unten), die ehemalige Shortlist-Autorin Flavia Schlittler (oben) und als externe Verstärkung der Treuhänder Dani Leemann (links). Das neue Team bewährte sich und rutschte in der Endabrechnung glatte 16 Plätze nach vorne.
Wer sonst in der Kommunikationsbranche ins Schlittern gerät und Steine schiebt, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas
zu berichten? Greifen Sie
zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (info@werbe
woche.ch). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Kleine Rutschpartie für SF DRS

Das Schweizer Fernsehen DRS hat kein gutes Jahr hinter sich: Insgesamt 1,1 Marktanteilspunkte musste das Deutschschweizer Fernsehen im Jahr 2000 an die Konkurrenten abgeben. Nur dank zugkräftiger Sportveranstaltungen, die SF 2 einen Zuschauergewinn b

Das Schweizer Fernsehen DRS hat kein gutes Jahr hinter sich: Insgesamt 1,1 Marktanteilspunkte musste das Deutschschweizer Fernsehen im Jahr 2000 an die Konkurrenten abgeben. Nur dank zugkräftiger Sportveranstaltungen, die SF 2 einen Zuschauergewinn bescherten, konnte ein noch markanterer Rutsch verhindert werden. Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten von SF DRS. So konnte SF 2 mit seinem «Nickelodeon»-Programm bei den Kindern und Jugendlichen über vier Marktanteilspunkte wettmachen. Seite 24

Zwischen Protest und Chance

Kommen schon bald weitere Gratiszeitungen an die Kioske?

Kommen schon bald weitere Gratiszeitungen an die Kioske?Von Markus KnöpfliDass die Kiosk AG nun versuchsweise Pendlerzeitungen vertreiben will, brachte einige grosse Verlage in Rage. Auch Retourkutschen werden erwogen. Gleichzeitig wittern einige Verleger auch Chancen für ihre Gratistitel.
Als «Schuss vor den Bug» bezeichnet Daniel Sommer, Verlagsleiter der Basler Zeitung, den Versuch der Kiosk AG, ab dieser Woche auch Pendlerzeitungen an ihren Verkaufsstellen abzusetzen. Franziska von Weissenfluh, Geschäftsführerin der Berner Zeitung, findet das Vorgehen «nicht sehr schön gegenüber einem langjährigen Partner», und auch Dietrich Berg, Verlagsleiter Tages-Anzeiger, versteht «unter partnerschaftlicher Beziehung etwas anderes». «Wenn wir das gut finden würden, wäre das Masochismus, denn wir sind der Verlag mit den meisten Titeln am Kiosk», sagt der Ringier-Konzernsprecher Fridolin Luchsinger. Und Willy Schib, Leiter Regionalzeitungen bei der NZZ, stimmt ein: «Obwohl es uns nicht allzu sehr betrifft, sind wir nicht sehr erfreut.»
Am meisten verärgert ist man bei den Verlagen über die späte oder mangelnde Information der Kiosk AG. Da und dort ist allerdings auch grundsätzlichere Kritik an der Kiosk AG zu hören. Wenn die Kiosk AG ihre Produkte gratis abgebe, brauche es sie ja gar nicht mehr (Luchsinger). Zeitungen seien der Kiosk AG offenbar zweitrangig, im Gegensatz etwa zu Kaugummis und Souvenirartikeln (Schib).
Einige Verlage erwägen denn auch Alternativen zur Kiosk AG. Doch solche Äusserungen sind kaum mehr als Winke mit dem Zaunpfahl, zumal sich der Presseverkauf über Poststellen vor einigen Jahren als wenig erfolgreich erwiesen hatte. «Ich bin eher skeptisch», sagt deshalb Schib.
Die Kiosk AG hat
Begehrlichkeiten geweckt
Ebenfalls bei der Kiosk AG vorstellig wurde Eva Keller, stellvertretende Geschäftsführerin Verband Schweizer Presse (CHP). Das Thema werde auch noch im CHP-Präsidium behandelt, kündigt Keller an. «Wir waren aber mehr über das Vorgehen als über den Versuch erstaunt», sagt sie und erinnert an die freie Marktwirtschaft. Zudem vermutet sie, dass auch weitere Verleger Gefallen daran finden könnten, ihre Gratistitel an den Kiosk zu bringen.
Und genau dies tun sie auch. «Wir werden dies demnächst intern diskutieren, denn wir wollen für den ZürichExpress gleich lange Spiesse», sagt etwa Willy Schib. Ähnliches hat man gemäss Daniel Sommer auch beim Baslerstab vor. Dieser ist zwar schon am Kiosk erhältlich, kostet dort jedoch 60 Rappen. Nun will die BMG wissen, was die Gratisabgabe kosten würde.
Hellhörig wurde man auch beim Verband Schweizerischer Gratiszeitungen (VSGZ): Präsident Willy Grüninger, Verleger von Schaffhauser Bock und Winterthurer Woche, will deshalb mit der Kiosk AG sprechen. Auch andere VSGZ-Mitglieder seien interessiert, weiss Grüninger.
«Sehr offen» sei man seitens der Kiosk AG für solche Kooperationen, sagt deren Direktor Josef Jungo. Die Vorwürfe an seine Firma hingegen findet er etwas einseitig. Die Kiosk AG habe unter anderem 25 Millionen Franken in ein System investiert, mit dem primär der Presseverkauf tagesaktuell festgestellt werden könne. «In keine andere Warengruppe investieren wir so viel wie in die Presse.»
Zudem würden die Verlage die Abos ihrer Titel gegenüber dem Einzelverkauf bis zu 70 Prozent günstiger anpreisen, «was uns das Leben im Einzelverkauf extrem schwierig gestaltet». Schliesslich seien manche Verlage im Druck- oder Internetbereich Partnerschaften mit den Pendlerzeitungen eingegangen. «Sollten wir da tatsächlich nur zuschauen wie das Kaninchen vor der Schlange?», fragt Jungo.

Aufgefallen: Wie schön, dass nun auch das Autounternehmen Alfa Romeo den Schritt in die Haute Couture gewagt hat.

AufgefallenWie schön, dass nun auch das Autounternehmen Alfa Romeo den Schritt in die Haute Couture gewagt hat. Schliesslich produziert Versace auch Teller und Armani modische Betten. Wie schön, dass auch die Autobranche das Crossmarketing entdec

AufgefallenWie schön, dass nun auch das Autounternehmen Alfa Romeo den Schritt in die Haute Couture gewagt hat. Schliesslich produziert Versace auch Teller und Armani modische Betten. Wie schön, dass auch die Autobranche das Crossmarketing entdeckt hat. Wie schade, dass man nicht weiss, ob die Anzeige für den Alfa 147 die Alfa-Besitzerin oder eher die Begleitperson eines Alfa-Besitzers ansprechen will. Aber klar bleibt, dass ein weiblicher Torso nach wie vor eine gern gesehene Kühlerfigur ist.
Übrigens, erinnert das italienische Kühlerdesign nicht auch an einen Lendenschurz? Vielleicht fahren ja in Zukunft Autofetischisten nicht nur in ihrem blechernen Phallussymbol herum, sondern tragen auch gleich die passende Rüstung dazu.
Chandra Kurt
KolumneMissbrauch
Von Liz Sutter
Zwischen Epoisses und Tarte Tatin
hat sie dem Mann kurzerhand ihre Steuererklärung unter den Teller geschoben. Zwar kennt sie den Neuen ihrer alten Freundin Benni noch kaum, aber wann hat man schon das Glück, einen Steuerberater zu Gast zu haben? In der Sauna zögert man ja auch nicht, der Person, die neben einem schwitzt, die seltsame Hautveränderung in der Nierengegend unter die Nase zu halten. Wo man schon mal nackt ist. Schliesslich ist die Frau Ärztin. Das hat man sofort gemerkt, als man das Gespräch belauschte. So eine Blitzkonsultation spart Wartezeiten und Telefongebühren, und die Krankenkasse wird auch nicht belastet.
Anständige Leute machen so was natürlich nicht. Nicht mit dem ehrlich arbeitenden Teil der Bevölkerung. Sie stürzen sich lieber auf die Künstler, denn die haben es nicht besser verdient. Hätten sie einen normalen Beruf erlernt, statt einem inneren Drang zu folgen! Und weil der bekanntlich 24 Stunden am Tag drängt, ist es pure Menschenliebe, wenn man einer Pianistin den Klavierstuhl unterschiebt, damit sie den inneren Stau abarbeiten kann, während die andern Gäste am Prosecco nippen. Kabarettisten und Komiker, die zwecks Gratisvorstellung eingeladen werden, können sich durch strikte Scherzverweigerung einigermassen elegant aus der Affäre ziehen. Es gibt auch keinen eindeutigen Gegenstand, kein Instrument, das man ihnen in die Hand drücken könnte. Ein Mikrofon wäre allzu plump. Dafür sind Zeichnerinnen, Grafiker und Anverwandte umso dankbarere Opfer. Ein Stück Papier ist schnell gefunden, und wenn er oder sie keinerlei Anstalten macht, künstlerisch zu wirken, schickt man die Kinder vor. Wer kann da schon widerstehen? Wenn also Gestalterin oder Illustrator mal kreativ nicht auf der Höhe ist, sollten wir daran denken: Vielleicht wurden sie am Abend zuvor vor versammelter Gästeschar in bester Absicht missbraucht.
SprachbeobachterAb der Welt
Er war weithin zu sehen in seiner Zurückgezogenheit. Symeon der Ältere lebte gegen Ende seines Lebens nur noch auf Säulen: erst fünf, dann zehn, am Ende zwanzig Meter über der Erde. Er stand dort meist auf einem Bein, in Trance, der Welt entrückt. Selten setzte er sich oder nahm Nahrung zu sich, um den Körper am Leben zu halten, bis er 459 nach unserer Zeitrechnung starb. Aufrecht stehend, so will es die Legende, erstarrte er zur Leiche.
Symeon wurde zum Vorbild für zahlreiche Asketen (Styliten), die noch im Mittelalter auf Säulen ihre Weltentrücktheit zeigten – und damit die Möglichkeit, die Welt zu überwinden, ohne sie zu verlassen. Diese Utopie des Lebens auf der Säule prägt heute wieder vermehrt das Lebensgefühl in der westlichen Gesellschaft. Die Heilslehren von Politik, Wirtschaft und Kirche waren nicht geeignet, dem Paradies auf Erden näher zu kommen. Der Fortschrittsglaube erweist sich mit jeder Katastrophenmeldung als absurder, und die Utopie hat seit den Versuchen ihrer Verwirklichung durch Hitler, Stalin & Co. an Anziehungskraft verloren. Was bleibt, ist das Gefühl, einer heillosen Gegenwart ausgeliefert zu sein.
Wolkenkuckucksheim, Elfenbeinturm, Cocooning, sich einspinnen in nächtlichen Chats, im Netz der Netze. Oder Julia Hill: Sie lebte zwei Jahre in den kalifornischen Redwoods, aus Protest gegen den Kahlschlag. Unterdessen setzen sich zahlreiche Jugendliche im Zug oder auf der Strasse den Walkman auf und begegnen dem Rauschen der Gegenwart mit einem Gegenrauschen.
Moderne Styliten verwenden zunehmend auch Medien zur Demonstration ihrer Weltentrücktheit. Daniel Gallmann zum Beispiel malt nur noch zwei Sujets: Mutter mit Kind und Landschaft. Er beantwortet die Informationsflut mit freiwilliger Beschränkung und verfolgt die Idee, den Punkt festzuhalten, wo das Ende wieder zum Anfang wird, sodass er «Ursprung und Ziel in einem Bild» entdecken kann.
Sein Malerkollege Roman Opalka hat 1965 sein letztes Werk in Angriff genommen: Er zählt auf 1,96 x 1,35 Meter grossen Leinwänden von 0 an aufwärts. Die erste Leinwand ging bis 35 327, die zweite begann mit 35 328. Das Werk heisst «0–8». Jeden Abend fotografiert er sich. Und bei jeder neuen Leinwand gibt er der schwarzen Grundierung 1 Prozent mehr Weiss zu, sodass er, wenn er lange lebt, dereinst weiss auf weiss malen wird.
Indem sie Tausende von Landschaften und Millionen von Zahlen auf Leinwände malen, skizzieren Gallmann und Opalka ihr eigenes letztes Selbstporträt. In der Wieder-Holung halten sie nicht nur das Älterwerden fest, sondern auch die Tatsache, dass sie alt sind: Sie haben mit dem Leben insofern abgeschlossen, als sie es wagen, das Werk ihr letztes zu nennen.
Beat Gloor
www.textcontrol.ch

Neun Goldwürfel zum Jubiläum

Advico Young & Rubicam sahnte am 25. ADC Schweiz gleich in zwei Königsdisziplinen ab

Advico Young & Rubicam sahnte am 25. ADC Schweiz gleich in zwei Königsdisziplinen abVon Luca AloisiDie Luft an der Spitze wird dünner. Der üppige Würfelsegen beim ADC 2001 konzentrierte sich nur noch auf die grössten Agenturen. Zum Ärger einiger Goldjuroren wischte der eiserne Besen auch sehr gute Arbeiten zu früh vom Tisch. Strenge Selektion und «Überreglementierung» sorgten für heftige Diskussionen.
Die ADC-Jury 2001 stand nicht nur im Zeichen der besten Werbung, sondern auch unter dem der «Überreglementierung», wie es ADC-Chairman Andreas Prokesch in seiner pointierten Art formulierte. In einigen Dissonanzen kam das Bestreben des Art Director Club, den schwierigen Juriermodus zu optimieren, deutlich zum Ausdruck. In die Praxis liessen sich die Verbesserungen dann doch nicht alle umsetzen.
Die Zusammensetzung und die Grösse der Goldjury wurde unter dem neuen Modus von zwölf – entsprechend der Anzahl Kategoriegruppen – auf acht reduziert, weil pro Agentur jeweils nur noch ein Jurypräsident auch in der letzten Ausscheidung mitbestimmen durfte. So mutete das achtköpfige Gremium fast familiär an, was aber nur scheinbar der Einigkeit und den klaren Entscheiden förderlich war.
Denn wie in jeder guten Familie wussten sich die Mitglieder aufs Trefflichste zu streiten und zu versöhnen. Das erste Streitgespräch liess denn auch nicht lange auf sich warten. Mussten doch vorerst zwei Arbeiten, die gleich in mehreren Kategorien zu Silberehre gekommen waren, zurückgezogen werden, da sie sonst gegen die neue Regel, wonach eine Arbeit nur einen Preis erhält, verstossen hätten. An diesem Problem erhitzten sich die Gemüter nachhaltig.
Während das eine Lager sich strikt an die neuen Satzungen gehalten hatte und nun die Chancengleichheit in Gefahr sah, verteidigten sich die anderen mit dem Argument, dass der Begriff «Arbeit» unglücklich sei, weil er nicht spezifiziere, ob Idee oder Werk gemeint seien. Letztere lenkten doch ein und profitierten vom offenen Hintertürchen – keine Regel ohne Ausnahme: Alle Arbeiten, die bei den Gesamtkampagnen ins Rennen gehen, dürfen einzeln auch in den entsprechenden Kategorien um Würfel kämpfen.
Die Mühen mit dem Erfolg spürt auch der ADC
Bevor es jedoch so weit war, betonte Andreas Prokesch in seiner Einleitung: «Solange ich Chairman bin, wird die Presse immer dabei sein.» Damit will er dem Gerücht entgegenwirken, dass unter dem Mantel der Diskretion die ADC-Juroren nur im eigenen Interesse würfeln würden. Einzig Transparenz und Medienpräsenz – heuer einzig durch die WerbeWoche wahrgenommen – können solche Behauptungen Lügen strafen, führte er aus.
Es entbehrt deshalb nicht einer gewissen Ironie, dass der Würfelregen, der dann alles andere als ergiebig und homogen fiel, seinem Bestreben diametral entgegenlief. Trotz der gutgemeinten open policy bestätigt der Würfelspiegel, wie er sich dieses Jahr präsentiert, den Eindruck, dass an der Schweizer Werbemeisterschaft nur die Elite beziehungsweise nur jene Agenturen, die ihre Werbearbeiten auch einreichten, Aussichten auf eine Auszeichnung hatten. Was nämlich gerne und allzu oft vergessen wird: Ein umfassender repräsentativer Querschnitt der kreativsten Werbearbeiten der Schweiz kann der ADC de facto nicht geben, da nur die Einsendungen beurteilt werden.
So lässt der Chairman des Clubs gelten, dass der ADC zwar elitär sei, «was aber nicht mit Arroganz zu verwechseln ist». Dass die Vereinigung der führenden Kreativen in Zukunft noch mehr mit solchen Etiketten zu leben hat, wird kaum zu vermeiden sein, wenn man bedenkt, dass die Teilnahme an der Jury nur noch jenen erlaubt ist, die in den letzten drei Jahren mindestens einmal Bronze gewonnen haben.
Neu mussten die 82 Jurorinnen und Juroren im Bronzedurchlauf nicht nur die eigene Kategorie, sondern gleich mehrere bewerten. «Durch diese qualifizierteren und grösseren Jurys erhoffen wir uns ein repräsentativeres und gerechteres Urteil», erklärt Prokesch. Lobbying sei auf dieser Stufe durch die Bewertung mit Punktesystem im Alleingang und ohne Diskussion weitgehend ausgeschlossen, sagt er.
AY&R glänzt mit
Tourismus und Hygiene
285 von 1157 eingereichten Arbeiten zeichnete der ADC aus – 220 mit Bronze, 56 mit Silber und neun mit Gold. Damit blieb die Erfolgsquote bei den Einsendern gleich: Von 141 Einsendern haben 43 eine Auszeichnung erhalten. Davon sind mehr als die Hälfte nicht im ADC vertreten. Damit will der Club beweisen, dass man nicht ADC-Mitglied sein muss, um eine ADC-Auszeichnung zu gewinnen.
Der nachdrückliche Hinweis darauf, dass auf der Liste der Gewinner zahlreiche neue Namen erscheinen – «und zwar von kleineren Agenturen» –, lässt sich nur als Imagekorrektur lesen. (Vielleicht die Nachwehen des ADC-Festes 1999, als sich die Werbergilde selbstironisch und -gefällig als Mafiaclan präsentierte.) Wer den Würfelspiegel und besonders die Gold- und Silberränge genauer studiert, stellt fest, dass sich im Olymp der Kreativsten kaum etwas geändert hat. Neue Massstäbe zu setzen gelang im vergangenen Jahr weniger Agenturen als auch schon.
Nicht mehr in den Goldgenuss kamen heuer Wirz Werbung (fünf Silber und 14 Bronze) und Wyler Werbung (acht Bronze). WHS hingegen stiess dank der Publikumsanzeigen für die Web-Security-Firma Open Systems wieder in den Bund der glorreichen Goldschürfer. Publicis kam auf zwei, McCann-Erickson und Guye & Partner auf je einen der begehrten Goldwürfel. Mit ganzen vier Goldwürfeln war Advico Young & Rubicam (AY&R) der erfolgreichste Goldhamster des Jahres.
Edelmetall sahnten die Gockhausener in den Königsdisziplinen ab: Werbefilm und Publikumsanzeige für Hakle sowie Gesamtkampagne für Kuoni. AY&R glänzt zum wiederholten Mal für die beiden Auftraggeber: Schon vergangenes Jahr holte die Agentur in der Kategorie Gesamtkampagne Gold für Kuoni-Tochter Helvetic Tours und Hakle konnte sie inzwischen als ADC-Dauerbrenner etablieren. Wegen seiner Bildsprache und Dramaturgie, die nur eine Deutungsebene anbietet, sowie dank seines Witzes attestieren die meisten Goldjuroren dem Hakle-Spot «Scheibenwischer» auch für Cannes gute Chancen.
Es glänzt nicht alles,
was silbrig ist
Im Unterschied zu Kategorien, in denen mit gutem Gewissen und sogar mit klaren Mehrheiten Arbeiten vergoldet wurden, zeigte sich die Gold-Jury in anderen Disziplinen wie Direktwerbung, Foto/Illustration/Graphics oder Fachanzeigen ob der dürftigen Silberauslese sichtlich konsterniert bis schockiert. «Völlig überbewertet» bis «diskrepantes Gefälle zwischen den Kategorien» kommentierten die Juroren einige Arbeiten, die es bis in die Goldrunde geschafft hatten.
Am meisten Mühe bereitete dieser Umstand Chairman Prokesch, der auf einen klar erkennbaren Level zwischen den einzelnen Rängen Wert legt. «Viele täuschen sich, wenn sie glauben, dass ADC-Goldjuroren auf eine Meinung geeicht werden», verteidigt er den Juriermodus. Auch der Umstand, dass aussichtsreiche Arbeiten zu einem frühen Stadium unter den Tisch flogen und für zusätzliches Kopfschütteln sorgte, sei nichts Neues.
In einem Fall sah sich die Jury dann trotzdem gezwungen, mittels Ausnahmebestimmung eine Silberarbeit zurückzuweisen, weil sie auch in einer anderen Kategorie eingereicht und dort schon versilbert wurde. Nicht genug der Ungereimtheiten: In der Kategorie Eigenbedarf erhielt eine Arbeit einen Silberwürfel, die schon 1998 Bronze erzielt hatte. «Es kommt öfters vor, dass ich ‹posthum› Zuschriften erhalte, die auf Gekupfertes und Regelverstösse aufmerksam machen. Doch dies stichhaltig nachzuprüfen gelingt nur selten, weil wir hier keine Handhabe haben», sagt Andreas Prokesch. Aus Erfahrung weiss er aber, dass sich die Involvierten unter Ausschluss der Öffentlichkeit sehr schnell einig werden. Was allen peinliche Situationen erspare.
ADC 2001: Die Goldgewinner

Publikumsanzeigen (Einzelmotive): AY&R mit «Waage» für Hakle, Publicis mit «Die 300 reichsten Schweizer» für Bilanz.
Publikumsanzeigen: WHS mit «Immunsystem» für Open Systems.
Aussenwerbung (Einzelmotive): Guye & Partner mit «Superman» für Arena.
Werbefilm: AY&R mit «Scheibenwischer» für Hakle.
Radiospots: Publicis, Zürich, mit «Testfahrer Walti» für Sportplausch Wider.
Verkaufsförderung: AY&R mit «Literatur» für die VBZ.
Public Service: McCann-Erickson, Genf, mit «Cindarella» und «Nussknacker» für das Opernhaus Zürich.
Gesamtkampagne: AY&R mit «Ferien, in denen Sie alles vergessen» für Kuoni.
ADC 2001: Werbeagentur-Ranking

Rang Einsender Auszeichnungen Gold Silber Bronze Punkte Rang00 Rang99
1 AY&R 46 4 13 29 67 (2) (3)
2 Publicis 50 2 6 42 60 (1) (1)
3 WHS 29 1 7 21 38 (3) (2)
3 Guye & Partner 30 1 6 23 38 (5) (4)
5 McCann-Erickson 29 1 5 23 36 (4) (5)
6 Wirz Werbung 19 0 5 14 24 (7) (8)
(Gold = 3 Punkte, Silber = 2 Punkte, Bronze = 1 Punkt)
Die Facts-Pressepreise 2001

Zum fünften Mal prüfte eine Pressejury – unabhängig von der ADC-Jury – alle Zeitschriftenanzeigen und verlieh die Auszeichnungen wie folgt:
Gold: Wyler Werbung mit der Imagekampagne «Rüebli» für die Aargauer Zeitung.
Silber: McCann-Erickson für Rama (Lipton-Sais).
Bronze: Lowe Lintas GGK mit «VW New Beetle» für AMAG.

Der Einzug der Verbannten

20 Minuten und Metropol erhalten einen zusätzlichen Vertriebskanal: die Kiosk AG

20 Minuten und Metropol erhalten einen zusätzlichen Vertriebskanal: die Kiosk AGVon Markus KnöpfliDas gibt Wirbel: Ab 5. Februar können die Pendlerzeitungen
20 Minuten und Metropol auch an ausgewählten Kiosken der Kiosk AG bezogen werden. Letztere will damit ihr Monopolistenimage durchbrechen und erhofft sich mehr junge Kunden.
Die Idee, die Pendlerzeitungen (auch) über Kioske zu vertreiben, ist nicht neu. Schon vor rund einem Jahr haben sowohl 20 Minuten als auch Metropol bei der zur Valora-Gruppe gehörenden Kiosk AG angeklopft. Damals kam aber von der Kiosk AG noch ein klares Njet, «zum Schutz der bestehenden Verlagshäuser», wie Valora-Pressesprecherin Stefania Misteli heute erklärt.
Doch dieses Bollwerk der Verlage bröckelt. Ab dem 5. Februar stellt die Kiosk AG auch den beiden Pendlerzeitungen einen Dispenserplatz an ausgewählten Kiosken und bei Lizenznehmern (Tabakläden, Grossverteilern) zur Verfügung – versuchsweise und während sechs Monaten. Metropol wird gemäss Geschäftsführer Urs Zeier an je 30 Stellen in Basel und St. Gallen präsent sein, 20 Minuten hingegen soll laut Verlagsleiter Rolf Bollmann an je 60 Kiosken in Basel, Bern und Zürich aufliegen. Allerdings sind Bahnhofkioske vorläufig für beide Gratisblätter kein Thema.
Doch weshalb diese Kehrtwende bei der Valora-Tochter? «Seit 20 Minuten und Metropol auch von Schweizer Verlagshäusern gedruckt werden, müssen wir keine Rücksichten mehr nehmen», sagt Misteli bestimmt.
Mit den Pendlerzeitungen mehr Zeitungen verkaufen
Laut der Valora-Presseprecherin haben aber beim Entscheid auch noch einige weitere Überlegungen eine Rolle gespielt. Erstens will die Kiosk AG damit ihr Monopolistenimage durchbrechen. Immer wieder sei zu hören, die Kiosk AG behindere mit ihrer mächtigen Position den Markt, sagt Misteli. «Jetzt aber zeigen wir, dass wir als Pressevertrieb die Pressefreiheit gewährleisten wollen.»
Zweitens werde mit den Pendlerzeitungen die eigene Vertriebsorganisation besser ausgelastet. Und drittens erhofft sich die Kiosk AG laut Misteli mehr Jugendliche an ihren Verkaufsstellen, ein Kundensegment, das dort noch untervertreten, aber durchaus kaufkräftig ist.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Der ohnehin rückläufige Einzelverkauf von Tageszeitungen hat sich wegen der Pendlerzeitungen akzentuiert, was auch die Kiosk AG zu spüren bekam (siehe WW 31/00). Das bestätigt auch Misteli. «Zahlen geben wir keine heraus», sagt sie und betont, dass die Pendlerzeitungen jedoch kaum Einfluss auf den Absatz von Zeitschriften und weiteren Kioskprodukten hätten. «Insgesamt haben die Kioskumsätze im letzten Jahr eher zugenommen.»
Ganz anders gelagert sind Erwartungen, die die beiden Pendlerzeitungen an den Versuch haben. «Wir haben derzeit unsere Zielauflage erreicht und suchen keinen zusätzlichen Vertriebskanal. Mit der Kiosk AG testen wir deshalb bloss, ob wir über die Kioske unser Zielpublikum besser und günstiger erreichen können als mit den bisher eingesetzten Mitteln», sagt Zeier von Metropol. Und betont: «Wir wollen nicht irgendwen erreichen.»
Demgegenüber betrachtet Bollmann den Vertrieb über die Kioske als «Ergänzung zur klassischen Distribution». Da die ausgewählten Kioske alle an gut frequentierten Lagen, aber eben nicht an Bahnhöfen stünden, «erhalten wir die Möglichkeit, mehr an Nichtpendler wie Hausfrauen, Binnenpendler (Fussgänger) oder Autopendler heranzukommen.»
Beide gehen zudem davon aus, dass die Kioskpräsenz ihrer Titel einen Wirbel unter Verlegern auslösen dürfte. Anders sieht es Misteli. «Wir nehmen nicht an, dass die Emotionen hoch gehen.»
Und wie will man reagieren, wenn auch andere Verleger auf den Geschmack kommen und ihre wie auch immer gearteten Gratistitel über Kioske vertreiben wollen? «Dafür sind wir durchaus offen», sagt Misteli – und verweist auf die Pressefreiheit.
Kommentar

Revolution in der Kioskauslage
Von Markus Knöpfli
Stellen Sie sich vor, im Kaffeeregal von Migros oder Coop finden Sie neben diversen Kaffeesorten in Halbkiloverpackungen (fünf bis sieben Franken) fortan eine neue Sorte – in kleineren Packungen zwar, aber gratis und auch mit regelmässigem Nachschub.
Unvorstellbar. Doch was Coop und Migros nie tun würden, wagt die Kiosk AG. Als erster Schweizer «Grossverteiler» bietet sie in gut 200 «Läden» gleich zwei Produkte – Tageszeitungen – gratis an. Regelmässig und täglich frisch.
So gesehen ist dieser Schritt der Kiosk AG revolutionär. Andererseits ist der zu erwartende Protest der vereinigten Verleger verständlich.
Doch halt! Lässt sich Kaffee mit Gratisblatt vergleichen? Kommen die Pendlerzeitungen und ihr Inhalt nicht eher einem Kleidungsstück gleich, das nur in einer Kindergrösse angeboten wird? Wem es zu kurz oder knapp ist, der lässt es auch liegen, wenn es gratis ist. Alle wachsen da mal raus.
So gesehen ist der Schritt der Kiosk AG «nur» pionierhaft, während der zu erwartende Protest der vereinigten Verleger etwas überängstlich wirkt.
Doch auch der Vergleich mit dem Kleidungsstück hinkt. Denn Zeitunglesen und Informationen verdauen ist Arbeit. Und dazu habe ich nicht immer gleich viel Zeit oder Lust. Also wähle ich je nach Situation jenes Menu, das meiner verfügbaren Zeit, meinem Hunger und meinem Geldbeutel entspricht. Mit anderen Worten: Die Kiosk AG ist am ehesten vergleichbar mit einem Restaurant, das auf seiner Speisekarte auch ein kleines Gratissandwich führt – was am ehesten Kindern und Jugendlichen entgegenkäme. Genau jenem Publikum also, das die Kiosk AG vermehrt ansprechen will.
So gesehen ist der Schritt der Kiosk AG zwar innovativ, aber überfällig. Denn weshalb bietet sie nicht schon längst noch jugendspezifischere Gratistitel an (Junior, MEX oder wie sie alle heissen)? So gesehen klingt zudem der zu erwartende Protest der vereinigten Verleger hohl und heuchlerisch. Denn sie hätten schon lange auf diese Idee kommen können. Zudem schielen sie ja sowieso alle nach den Druckaufträgen der Pendlerzeitungen.
Es soll also ja keiner protestieren!

Muse & Musse: Andrea Reinhart

Muse & MusseAndrea ReinhartWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?Andrea Reinhart: Die ADC-Jubiläums-Gala, weil ich ein Ticket hatte.Was lesen Sie gerade und warum?Reinhart: «Endlich Nicht

Muse & MusseAndrea Reinhart
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht und warum gerade diese?
Andrea Reinhart: Die ADC-Jubiläums-Gala, weil ich ein Ticket hatte.
Was lesen Sie gerade und warum?
Reinhart: «Endlich Nichtraucher» von Allen Carr (mit Unterbruch bei Seite 35).
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Reinhart: St-Germain.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen und warum?
Reinhart: «The Matrix» gross im Kino, da ich ihn nur auf DVD gesehen habe.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Reinhart: Eigentlich bei jeder.
Welches ist Ihre neueste Ent-
deckung im Internet?
Reinhart: www.komfort.ch (empfehlenswerter Klub in Bern).
Liebe ist…?
Reinhart:…unbeschreiblich.

Sotheby’s zeigt Crème der Avantgarde

Zürcher Ausstellung über Fotografie der Vorkriegsjahre in der Schweiz und Deutschland

Zürcher Ausstellung über Fotografie der Vorkriegsjahre in der Schweiz und DeutschlandUnter dem Titel «Avantgarde – Deutsche und Schweizer Fotografie der 1920er- und 1930er-Jahre» lädt das Auktionshaus Sotheby’s zu einer Ausstellung in Zürich ein. Präsentiert werden rund 60 Arbeiten, darunter auch Werke von Hans Finsler, der in den Vierzigerjahren Lehrer der Fotoklasse der Kunstgewerbeschule Zürich war und einige der berühmtesten zeitgenössischen Fotografen ausbildete.Weitere Exponate, die aus öffentlichen und privaten Sammlungen zusammengetragen worden sind, stammen von Jakob Tuggener, Herbert Matter, Franz Roh, August Sander, Albert Renger-Patzsch und Anton Stankowski. Von letzterem ist unter anderem sein in der Schweiz erstmals ausgestelltes Werk «Was ist wenn – Fotovarianten mit einer Schneiderbürste» zu betrachten. Es handelt sich dabei um eine aus 39 Einzelwerken bestehenden Bildserie.
Mit dieser Ausstellung will Sotheby’s die avantgardistischen Strömungen in Deutschland exemplarisch aufzeigen und ihren Einfluss auf die Schweizer Fotografie jener Zeit illustrieren. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Kuratorin Birgit Filzmaier. Hauptsponsoren sind die Bank Lombard Odier & Cie sowie die AXA Nordstern ART Versicherungen.
Chandra Kurt
Die Ausstellung dauert noch bis zum 9. Februar 2001: Sotheby’s Gessnerallee 1, 8021 Zürich. Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr.

Aufsteller: «Besser verfügbar»

Aufsteller«Besser verfügbar»Die Pendlerzeitungen Metropol und 20 Minuten sind ab nächstem Montag versuchsweise auch an Kiosken erhältlich – ein Auf- oder Absteller?Andy Lehmann: Ein Aufsteller. Grundsätzlich ist die bessere Verfügbarkeit

Aufsteller«Besser verfügbar»
Die Pendlerzeitungen Metropol und 20 Minuten sind ab nächstem Montag versuchsweise auch an Kiosken erhältlich – ein Auf- oder Absteller?
Andy Lehmann: Ein Aufsteller. Grundsätzlich ist die bessere Verfügbarkeit eines jeden Mediums ein Aufsteller.
Was bedeutet die Kioskpräsenz für das Image der Gratiszeitungen?
Lehmann: Auf den ersten Blick natürlich eine Aufwertung, denn am Kiosk befinden sie sich in einem etablierten Umfeld. Andererseits kommen sie damit auch in eine qualitativ andere Umgebung, wodurch das limitierte Potenzial der beiden Titel deutlicher sichtbar werden könnte. Sie könnten also zum Aschenputtel der Kioskauslage werden.
Und was ändert die Kioskpräsenz für Sie als Mediaplaner?
Lehmann: Noch nichts. Erst, wenn sich die Auflage massiv verändern sollte. Eine Frage ist zudem, ob sich die Leserschaft verändert.
Was glauben Sie?
Lehmann: Jetzt werden die beiden Titel von Pendlern gelesen; die Leser sind jung, urban und mobil. Der durchschnittliche Kioskkunde aber ist ein anderer Typ Mensch, eher langsamer, bewusster. Das könnte zu einer Verwässerung führen. Insofern bin ich nicht sicher, ob die Kioskpräsenz beiden Titeln so gut tut.
Wie werden die anderen Verleger reagieren?
Lehmann: Ich nehme an mit einem Riesenprotest. Bisher war der Kiosk eine Verkaufs-, keine Verschenkstelle. Zudem wird der Versuch auch berechtigte Ansprüche anderer Verleger mit Gratistiteln wecken. Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut der Kiosk AG stecken.
Interview: Markus Knöpfli

Gold und Gala zum ADC-Jubiläum

Weil Werbe-Ideen ein hohes Mass an Subjektivität aufweisen, kann man ihre Qualität nicht objektiv determinieren.

Weil Werbe-Ideen ein hohes Mass an Subjektivität aufweisen, kann man ihre Qualität nicht objektiv determinieren.Damit die Branche dennoch weiss, was gute Werbung ist, befassten sich auch an der diesjährigen Jurierung der besten Werbearbeiten wieder Mitglieder des Art Directors Club (ADC) mit dieser Aporie. Und nicht allein, um an der ADC-Gala im Albisgüetli die Preisträger zu feiern. ab Seite 10

Kopf der Woche: «Ich bin alles andere als nur ein reiner Marketingmensch»

Gérard Geiger, bald der höchste Romand bei Ringier Romandie

Gérard Geiger, bald der höchste Romand bei Ringier RomandieKopf der Woche:«Ich bin alles andere als nur ein reiner Marketingmensch»
Wenn die Gruppe Edipresse in der Romandie Kaderleute sucht, geht sie meist auf Abwerbetour zu Ringier Romandie – diesmal ist es umgekehrt. Der neue Chef von Ringier Romandie heisst Gérard Geiger und ist zurzeit noch Chef der Zeitschriften im Hause Edipresse. Nachdem heute eine ganze Reihe von Edipresse-Managern ehemalige Ringier-Romandie-Boys sind, darf also künftig ein Edipresse-Mann bei Ringier Romandie zum Rechten sehen, als Nachfolger des zum Chef des welschen Fernsehens ernannten Gilles Marchand. Die Folge: Bald werden die Medienmanager der Westschweiz fast durchs Band jene Publikationen konkurrenzieren, die sie zuvor aufgepäppelt haben. Wenn das nur gut geht…
Viele welschen Journalisten betrachten Geiger als reinen Marketingmann. Auf die Frage, ob er sich in diesem Image erkenne, antwortet Geiger der WerbeWoche jedoch mit einem unmissverständlichen: «Pas du tout du tout du tout.» Wenn die Gruppe Ringier einen reinen Marketingmenschen gesucht habe, so habe sie sich getäuscht. Schon immer habe er sich für «les chiffres et les lettres» interessiert: für das Kommerzielle und für das Publizistische.
Der 40-Jährige aus der Walliser Kantonshauptstadt Sitten trägt einen illustren Namen: Der Fussballer Alain Geiger ist sein Cousin, der Gletscherpilot Hermann Geiger war ein Bruder seines Vaters, der im Übrigen 18 Geschwister hatte (die Mutter hatte nur 16). Wie dem Onkel und dem Cousin fehlt es auch G.G. nicht an Energie: Als Teenager ging der Jesuitenschüler im Austausch in die USA. Danach studierte er Lettres (phil. I) in Genf. Weil er Geld brauchte, begann er zu jobben. Mal musste er Hunde ausführen, mal bei Experimenten hinhalten, mal beim Journal de Genève Artikel schreiben.
Und so kam er zu den Medien. Und weil es ihm in der Branche so gut gefiel, blieb er dabei. Er diente sich bei den Editions de la Tour in Lausanne hoch, betreute die Publikation SQP (Swiss Quality Products), machte die Öffentlichkeitsarbeit für den Genfer Salon du livre et de la presse und leitete die Zeitschrift Optima, wo er auch mit Deutschschweizer Verhältnissen vertraut wurde. Damit war er bei Edipresse gelandet.
Nun kam ziemlich überraschend der Ruf von Ringier. «Ich zögerte natürlich», sagt Geiger, «denn bei Edipresse gefiel es mir gut.» Letztlich aber schwang doch die Lust obenaus, den beruflichen Horizont nochmals kräftig zu erweitern. Dass für die Familie – eine Genfer Gattin und zwei Buben im Alter von 9 und 13 Jahren – wie auch für die Hobbys (Tennis, präkolumbianische Kunst und Joggen mit dem Dalmatiner) nicht viel Zeit bleibt, ist abzusehen. Aber Geiger tröstet sich: «Qualität geht vor Quantität.» Möge er Recht behalten.
Christophe Büchi

René Sennhauser

Jurypräsident der Kategorie Direktwerbung I und Aussenwerbung

Jurypräsident der Kategorie Direktwerbung I und AussenwerbungJurypräsident der Kategorie Direktwerbung I und Aussenwerbung
Was ist am Arena-Fitnesscenter-Plakat so wegweisend, dass es Gold bekommen hat?
: Wegweisend bei dem Plakat ist der Umstand, dass mit einem Bild alles gesagt ist.
Wie beurteilen Sie das Niveau in Ihrer Kategorie? Sehen Sie neue Trends?
Sennhauser: Das Niveau reichte, plakativ ausgedrückt, vom Zürichberg bis zur Langstrasse, alle drei «S» kamen vor: seich, sexy und super. Ein neuer Trend ist nicht feststellbar, aber die Ausweitung eines vorhandenen: Das klassische Bild-Text-System ist durch starke Bilder abgelöst worden.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Sennhauser: Die Arbeiten hätten noch besser sein können und es gab einige Ausrutscher. Ich befürchte, aus meinem Exemplar des ADC-Jahrbuches 2001 einige Seiten herausreissen zu müssen.
Welche Arbeiten könnten denn an der Werbeweltmeisterschaft in Cannes Chancen haben?
Sennhauser: Das Arena-Plakat, eben, weil es eine Bildidee ist und daher international verständlich.
Worauf legten Sie bei der Bewertung der Arbeiten besonderes Augenmerk?
Sennhauser: Wie immer auf das Bild, den Text und die Idee.
Der ADC ist 25-jährig: Setzten Sie die Messlatte deshalb noch höher als sonst an?Sennhauser: Nein, vielmehr mussten wir aufpassen, dass aus dieser Messlatte nicht plötzlich ein Gummiseil wurde, das individuell nach oben und unten gedehnt wird.
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