Frank Bodin

Jurypräsident der Kategorie Public Service und Design

Jurypräsident der Kategorie Public Service und DesignDie Kuoni-Kampagne hat alle anderen überragt. Weshalb ist sie so wegweisend?: Weil man diese Punkte selten alle mit Ja beantworten kann: 1. Strategische Konsistenz? 2. Konzeptfähigkeit? 3. Werbeidee? 4. tiekgitrasrednA? 5. Rdktn (Reduktion)? 6. Exzellente Umsetzung? 7. IQ? 8. EQ 9. Glaubwürdigkeit? 10. Relevanz für die angesprochene Zielgruppe?
Wie beurteilen Sie das Niveau in Ihrer Kategorie? Sehen Sie neue Trends?
Bodin: Public Service: Das Niveau war höher als beim ADC Österreich und tiefer als in Cannes. Design: Nehmen wir an, unsere Filme, Anzeigen, Plakate würden fast ausschliesslich von Designern beurteilt – entweder wir holen die besten Designer für die Beurteilung von Design oder diese Kategorie muss gespült werden. Wer von uns kann begründen, warum der Erfindergeist, der in der Motorex-Flasche (eine Motorenölflasche mit Einfüllstutzen!) steckt, weniger Wert sein soll als Briefpapier mit einem Sprung in der Schüssel für eine Psychologin?
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Bodin: Es hat mehr relevante Werbekampagnen für relevante Marken. Es hat aber auch mehr Wirbastelnwasfürdenadcwerbung als auch schon. Das Resultat bei den Fachanzeigen ist unerträglich und in der Direktwerbung krank.
Welche Arbeiten könnten am Festival in Cannes Chancen haben?
Bodin: Die Resultate der Schweizer Werbemeisterschaft geben keinen Hinweis auf das Ergebnis an der Werbeweltmeisterschaft. Jedenfalls nicht, solange beim ADC 10000-Meter-Läufer (erhellende Waschmittelwerbung) gegen 100-Meter-Sprinter (noch lustige Schwulenpartyeinladung) antreten müssen. Folgendes würde ich zur Einreichung in Cannes aufbereiten: Die Hakle-Waage und den Hakle-erst-trocken-dann-feucht-Demo-Spot, das eine oder andere für Kuoni, die Snowboardgrabsteine für die SUVA.
Worauf legten Sie bei der Bewertung besonderes Augenmerk?
Bodin: Siehe 1. Insbesondere die Frische der Idee innerhalb der Kategorie und die Relevanz für die angesprochene Zielgruppe.
Der ADC ist 25-jährig: Setzten Sie die Messlatte deshalb noch höher als sonst an?
Bodin: So viel ich weiss, haben wir uns das für den Fünfzigsten aufgespart.

Uwe Schlupp

Jurypräsident der Kategorie Gesamtkampagnen

Jurypräsident der Kategorie GesamtkampagnenWas ist an der Kampagne für den Reiseveranstalter Kuoni so wegweisend, dass sie mit einem Goldwürfel bedacht worden ist?: Ferien, in denen man alles vergisst, sind genau das, was man sich von Ferien wünscht. Die Umsetzung, die immer wieder überrascht, ist genau das, was man sich von guter Werbung wünscht.
Wie beurteilen Sie nach Einblick in alle vorgelegten Arbeiten das Niveau in Ihrer Kategorie?
Schlupp: Die Kategorie Gesamtkampagne war wahrscheinlich eine der wenigen, in der man sogar gerne einen Preis mehr vergeben hätte. Die beiden Sieger, Kuoni (Gold) und ZVV (Silber), sind für mich die Kampagnen des Jahres. Bei Editorials und Buchgestaltung war das Niveau sehr unterschiedlich. Wir hätten lieber weniger Bronze, dafür einmal Silber mehr vergeben. Für einen Goldwürfel hat es hier nicht gereicht.
Wie ist es grundsätzlich um die Qualität dieses Werbejahrgangs bestellt?
Schlupp: Die Qualität der Arbeiten ist so gut wie sonst, aber sie hat sich teilweise von den grossen, sehr sichtbaren Budgets zu den kleineren Kunden verlagert.
Welche Arbeiten könnten Ihrer Meinung nach in Cannes Chancen haben?
Schlupp: Sicher eher die einfachen, visuell starken Kampagnen wie unsere diesjährigen Goldsieger bei Anzeigen und Filmen. Die Kuoni-Kampagne wird es
da schwerer haben, weil sie, isoliert von Umfeld und Aktualität, erklärungsbedürftig wird und erst noch übersetzt werden muss. Aber einer der Filme hat
es ja letztes Jahr in Cannes bereits geschafft.
Worauf legten Sie bei der Bewertung besonderes Augenmerk?
Schlupp: Wie immer auf die Idee. Bei den Gesamtkampagnen dann noch auf die Tragfähigkeit dieser Idee.
Der ADC ist 25-jährig: Setzten Sie die Messlatte deshalb noch höher an als sonst?
Schlupp: Im Gegenteil. Das neue Jurierungsmodell hat ja eher mehr Bronzepreise zugelassen als sonst. Bei Silber und Gold sind dann aber in meinen Jurygruppen keine Jubiläumsgeschenke mehr verteilt worden.

«Der Zeitpunkt ist perfekt»

Danielle Lanz hat sich von Guye & Partner getrennt und gründet eine eigene Agentur

Danielle Lanz hat sich von Guye & Partner getrennt und gründet eine eigene AgenturEs rumort in der Agentur Guye & Partner. Kürzlich ging der langjährige Kunde SSR an By Heart verloren, und nach knapp drei Jahren macht sich Creative Director Danielle Lanz selbstständig. Die Werberin des Jahres 1999 will demnächst eine eigene Agentur eröffnen. Guye & Partner belegt im BSW-Ranking Rang 26 und erwirtschaftete 1999 einen Bruttobetriebsertrag von 3,7 Millionen Franken.Seit Wochen brodelt die Gerüchteküche. Es wird gemunkelt, dass Sie die Agentur Guye & Partner schon Anfang Jahr verlassen haben. Weshalb erfolgte so lange keine offizielle Stellungnahme?
Danielle Lanz: Christophe Guye und ich haben vereinbart, dass die Pressemitteilung erst Ende Januar an die Öffentlichkeit gelangt. So war genug Zeit da, die Kunden vorher zu informieren.
Wie schauen Sie auf Ihre Zeit bei Guye & Partner zurück?
Lanz: Die Zusammenarbeit mit Christophe Guye war sehr angenehm. Wir hatten die gleiche Vorstellung davon, was gute Werbung ist und waren ein prima eingespieltes Team. Als ich vor knapp drei Jahren als Creative Director zu Guye & Partner kam, waren neun Mitarbeitende beschäftigt; heute sind es 26. Es war für mich eine Herausforderung, die Agentur – zusammen mit den Textern und ADs – an die kreative Spitze zu bringen und sie dort zu halten.
Warum verlassen Sie denn Guye & Partner?
Lanz: Nachdem ich fast drei Jahre lang als CD bei Guye & Partner gearbeitet habe – übrigens immer im Freelanceverhältnis –, bin ich jetzt reif für eine neue Herausforderung.
Man hörte auch, dass Sie sich bei Guye & Partner beteiligen würden. Warum wurde daraus nichts?
Lanz: Christophe Guye hat mir zwar eine finanzielle Beteiligung angeboten, doch über die Konditionen konnten wir uns nicht einigen. Ich bin deshalb zum Schluss gekommen, dass es für mich in vielerlei Hinsicht die attraktivere Variante ist, eine eigene Agentur zu gründen. Ich habe jetzt – mit 31 Jahren – die Lust und auch den nötigen Drive dazu. Der Zeitpunkt ist perfekt.
Wann soll es denn losgehen?
Lanz: Der Agenturstart ist auf Mitte Jahr in Zürich geplant. Ich werde mit sechs Mitarbeitenden beginnen. Gespräche mit möglichen Partnern sind noch im Gange. Momentan bin ich auf der Suche nach Agenturräumen und dankbar für Tipps.
Einen Agenturnamen gibt es auch schon?
Lanz: Den gibts, sobald die Agenturkonstellation feststeht. Eine Bürotelefonnummer, unter der ich ab sofort erreichbar bin, ist hingegen schon in Betrieb: 01 212 10 47.
Wenn Sie gleich mit sechs Leuten starten wollen, haben Sie sicher auch schon Kunden?
Lanz: Zwei grössere Budgets sind mir bereits zugesichert worden. Ihre Namen werde ich zu gegebener Zeit bekannt geben. Eines ist jedoch jetzt schon sicher: Ich werde zusammen mit dem freien Konzepter Markus Ruf weiterhin die Werbung für die Modekette BIG betreuen. Die neue Kampagne startet übrigens demnächst.
Welches wären Ihre Traumkunden?
Lanz: In erster Linie sind es Kunden, die wie ich daran glauben, dass sich kreative Werbung besser verkauft. Was ja auch die Effie-Jurierung regelmässig zeigt. Aus welcher Branche diese Kunden kommen, ist für mich lediglich zweitrangig.
Der Werber des Jahres 2000, Markus Ruf, und Sie arbeiten schon seit geraumer Zeit zusammen und haben auch dieses Jahr beim ADC abgesahnt. Wäre das nicht eine Traumkonstellation für Ihre neue Agentur?
Lanz: Markus Ruf schätzt bekanntlich seine Freiheit und Ungebundenheit. Es dürfte deshalb nicht ganz einfach sein, ihn in eine Agentur einzubinden und für Dinge wie Budgetkontrolle, Spesenabrechnungen und Montagmorgenmeetings zu begeistern. Aber es wäre sicher eine interessante Konstellation. Wir werden sehen.
Interview: Samuel Helbling

Werbestars im Albisgüetli

Hollywoodgerecht mit Couverts für die Goldsieger wurde die Würfelübergabe an der diesjährigen ADC-Gala abgewickelt.

Hollywoodgerecht mit Couverts für die Goldsieger wurde die Würfelübergabe an der diesjährigen ADC-Gala abgewickelt.Von Beat Fritsch Richtig: Für einmal hiess die Jahresparty der elitären Kreativriege namens Art Directors Club mit den vielen ausgezeichneten Mitgliedern nicht Fest, sondern Gala. Weils das 25-Jahr-Jubiläum war, fanden sich auf der Gästeliste mehr Schweizer Promis denn je. So folgten der Einladung von ADC-Präsident Jean Etienne Aebi und Geschäftsführerin Helen Müller neben Zürichs Stapi Josef Estermann samt Gattin Maggie auch Zürichs Kulturchef Jean-Pierre Hoby mit Frau Katharina, SRG-Boss Armin Walpen, Mathias Hagemann, VR-Präsident der Basler Mediengruppe, Migros-Kulturchefin Jana Caniga, Publisuisse-Chefin Ingrid Deltenre, Martin Heller, künstlerischer Leiter Expo.02, der Geschäftsführer der Schweizer Presse, Peter Hartmann, Regisseur Volker Hesse, APG-Chef Christian Kauter und die Zürcher Theatermenschen Otto Kukla (Neumarkt) und Armin Kerber (Gessnerallee).
Erstaunt zeigte man sich dieses Jahr über die schon unverschämt vielen Goldwürfel für die Grossen. Noch nie haben diese, die ja auch einige ADC-Mitglieder stellen, so viele Preise abgeräumt. Dass rund die Hälfte der prämierten Arbeiten von Nichtmitgliedern stammte, geht gerne vergessen – in der Mehrzahl wurden sie mit Bronzewürfeln bedacht.
Grundsätzlich zeigte man sich den Juryentscheiden gegenüber kulant. Bis auf eine Ausnahme! Einhellige Unstimmigkeit und viel Gemurre gabs beim Goldwürfel in der Kategorie Radiospots. Testfahrer Walti, von Publicis für Sportplausch Wider ins Rennen geschickt, hat, wie es sich für einen erfolgreichen Spitzensportler gehört, eben auch Neider.
Die Vergabe des Facts-Pressepreises an die Rüebliland-Kampagne von Ruedi Wyler adelte den Spürsinn der WerbeWoche-Leser. Sie haben den Konzepter der Sujets, Markus Ruf, bereits zum Werber des Jahres 2000 erhoben.
Dass die Ereignisse von Davos Auswirkungen bis ins Albisgüetli zeitigten, hätte wohl niemand erwartet. So verpasste beispielsweise Peter Schellenberg die Gala, weil ihm nicht mehr gelang, was Hannes Britschgi gerade noch schaffte: Flucht aus dem schwer belagerten Davos, das Durchbrechen der Réduitschneise Landquart. Drôle de guerre!
Als bittere Pille dürfte sich für den TV-Direktor dann aber insbesondere herausgestellt haben, dass der von ihm zu verleihende Preis schliesslich von Erzfeind Roger Schawinski übergeben wurde. Ob sich Moderatorin Mona Vetsch hiermit präventiven Goodwill für einen allfälligen Stellenwechsel schaffen wollte, lassen wir mal unbeantwortet dahingestellt.
Viel Lob gabs für die Festzeitschrift «persönlicher». Vor allem an die Adresse von Publicistexter Dani «Trappatoni» Krieg fürs Editorial, das nach dem Motto «lieber eine gute Idee veredeln als selber eine schlechte haben» eine echte Brüllnummer wurde.
Beat Fritsch

versuchte sich auch als Testesser im neuen ADC-Restaurant «Schloss Albisgüetli». Fazit: Der Koch mit dem karnophilen Namen André Jaeger kocht exzellent und in erster Linie Meeresgetier. Darum hätte er für seine Leistungen am Herd mindestens eine goldene Krabbe verdient. Und die ADC-Ehrenmitgliedschaft dazu – für seine höchst kreativen Teller.
Wer sonst in der Kommunikationsbranche wo schlemmt, wird an verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Hans Tanner

Jurypräsident der Kategorie Fachanzeigen

Jurypräsident der Kategorie FachanzeigenWeshalb glauben Sie, wurde in Ihrer Kategorie kein Gold verliehen?: Weil keine wegweisende Arbeit auf dem Tisch lag.
Wie beurteilen Sie das Niveau in Ihrer Kategorie?
Tanner: Viele gute Arbeiten. Wie meistens in dieser Kategorie: viele Einzelmotive, weniger Serien. Die Silberjury hat hart, aber gerecht juriert.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Tanner: Aus der Sicht der Fachanzeigenjury ist die Frage beantwortet. Von dem zu beurteilen, was ich so im Allgemeinen sehen konnte, war es ein guter Jahrgang. Es gab viele ausgezeichnete Kampagnen.
Welche Arbeiten könnten am Festival in Cannes Chancen haben?
Tanner: Das ist eine hypothetische Frage, die nur spekulativ beantwortet werden könnte. Deshalb lasse ich es lieber.
Worauf legten Sie bei der Bewertung besonderes Augenmerk?
Tanner: Wie immer auf Qualität, das heisst: Wo ist die Idee? Verstehe ich die Botschaft schnell und unkompliziert? Ist das Artwork outstandig?
Der ADC ist 25-jährig: Setzten Sie die Messlatte deshalb noch höher an als sonst?
Tanner: Nein, sicher nicht.

Martin Spillmann

Jurypräsident der Kategorie Electronic Publishing

Jurypräsident der Kategorie Electronic PublishingJurypräsident der Kategorie Electronic Publishing
Was ist an der Kuoni-Kampagne so wegweisend, dass sie Gold bekommen hat?
: Sie ist eine der wenigen grossen Kampagnen, bei der ein grosser Kunde den Mut hat zu einem verblüffenden Werbeversprechen und einer Umsetzung, die nicht branchengenerisch ist.
Weshalb wurde in Ihrer Kategorie kein Gold verliehen?
Spillmann: Weil von den drei Silberarbeiten keine eindeutig herausstach.
Wie beurteilen Sie das Niveau in Ihrer Kategorie? Sehen Sie neue Trends?
Spillmann: In der Kategorie Electronic Publishing wird die Gestaltung immer professioneller und die Animation immer verblüffender. Ich vermute aber, dass viele sehr gute Arbeiten aus diesem Bereich gar nicht eingesandt wurden, da noch nicht alle wissen, dass der ADC auch diese Kategorie prämiert.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Spillmann: Es hatte weniger Einzelanzeigen, weniger Gimmicks. Und dafür mehr Serien, die auf einer soliden Strategie und einer überraschenden Idee beruhen.
Welche Arbeiten könnten am Festival in Cannes Chancen haben?
Spillmann: Chancen haben Ideen mit einem nie gesehenen Visual: Open Systems, Opernhaus Nussknacker, Hakle Waage. Auch die Kuoni-Kampagne wurde international bereits mehrfach ausgezeichnet, weil sie den starken Verbrauchernutzen völlig verblüffend dramatisiert.
Worauf legten Sie bei der Bewertung besonderes Augenmerk?
Spillmann: Eine Arbeit wird einerseits bewertet von , dem Werber: «Hat die Arbeit eine gute Idee? Überzeugen Wort, Bild, Gestaltung usw.» Und andererseits wird die Arbeit bewertet von , dem Konsumenten: «Schaue ich diese Arbeit gerne an? Und was habe ich als Konsument davon?»
Der ADC ist 25-jährig: Setzten Sie die Messlatte deshalb noch höher als sonst an?
Spillmann: Nein.

WHS gründet eine Public-Relation-Unit

Die Leitung der neuen PR-Abteilung von WHS übernimmt der 37-jährige Christian Wick.

Die Leitung der neuen PR-Abteilung von WHS übernimmt der 37-jährige Christian Wick.Der PR-Fachmann ist Gründungsmitglied der Inhalt&Form Kommunikations AG und war dort fünf Jahre als Partner zuständig für Public Relations. Von Inhalt&Form bringt Wick auch erste Kunden in die Unit mit: Walter Meier AG, Canon (Schweiz) AG und Atraxis Management Services AG. Wick sagt dazu: «Diesen Kunden kann ich jetzt einen Fullservice bieten, denn die Disziplinen vermischen sich immer mehr und die Kunden möchten vermehrt einen Ansprechpartner für alle Bereiche haben.»Zunächst soll die frisch gegründete Abteilung die Betreuung der neuen Kunden und der Klientel von WHS optimieren. Rasantes Wachstum hingegen ist nicht geplant. Wick will in erster Linie auf Qualität setzen. (ba)

Markus Ruf

Jurypräsident Radio und Verkaufsförderung

Jurypräsident Radio und VerkaufsförderungWas ist an den Radiospots für das Walliseller Unternehmen Sportplausch Wider so wegweisend?: Das ist für mich schwierig zu sagen, da ich wegen Beteiligung an diesem Auftrag draussen bleiben musste. Ich denke aber, die Spots sind deshalb mit Gold ausgezeichnet worden, weil hier ein Kunde nicht innert 20 Sekunden einen Witz, eine Adresse, eine Telefonnummer, einen Jingle und die zwölf wichtigsten Produktvorteile unterbringen will. Sondern einen Antihelden etabliert hat, der skurril, überfordert und auch mal unkorrekt sein darf – und pro Spot immer nur für etwas Werbung macht. Persönlich hätte ich allerdings eher den Partner-Winner-Radiospots Gold gegeben.
Und warum wurde in der Kategorie Verkaufsförderung die Kampagne «VBZ-Kurzgeschichten» mit Gold beehrt?
Ruf: Weil sie die kurzen Wartezeiten der VBZ auf überraschende und herrlich respektlose Art dramatisiert. Indem sie all die Klassiker der Weltliteratur, mit denen Deutschlehrer ihre Schüler quälen, in 60 Sekunden zusammenfasst.
Wie beurteilen Sie das Niveau in Ihren Kategorien? Erkennen Sie neue Trends ?
Ruf: Das Niveau war – einmal ganz vornehm ausgedrückt – nicht so toll. Einige Spots waren zwar gut gedacht, aber nicht so gut gemacht. Neue Trends habe ich bei den Radiospots keine gehört. Leider dominiert noch immer noch das Prinzip «Vorne eine Pointe zünden, hinten irgendwie aufs Produkt hinbiegen».
Wie ist es um die inhaltliche Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Ruf: Viel Kuchen, wenige Rosinen. Und davon wurden auffallend viele in der gleichen Küche gebacken.
Welche Arbeiten könnten denn an der Werbeweltmeisterschaft in Cannes Chancen haben?
Ruf: Im Print: jene, die auf überraschenden Bildideen basieren, zum Beispiel die Hakle-Einzelanzeige «Waage». Oder die Nico-Jahrbuch-Kampagne. Im Film: der Hakle-Spot «Scheibenwischer», denn er erklärt den Nutzen von trockenem und feuchtem Toilettenpapier wirklich verblüffend. Zudem kennt jeder Juror das Produkt.
Worauf legten Sie bei der Bewertung der eingereichten Radiospots und der Verkaufsförderung besonderes Augenmerk?
Ruf: Darauf, dass die Arbeit eine gute Idee hat. Eine gute Idee ist eine, die man selber gern gehabt hätte. Und die auch noch gut aussieht, beziehungsweise die sich gut anhört.
Der ADC ist 25-jährig: Setzten Sie die Messlatte bei der Bewertung der Arbeiten deshalb noch höher an als sonst?
Ruf: Nein.

Jean Etienne Aebi

ADC-Präsident, ohne Stimmrecht bei der Goldjurierung

ADC-Präsident, ohne Stimmrecht bei der GoldjurierungDie Kuoni-Kampagne hat alle anderen überragt. Was ist das Wegweisende an ihr?: Multimedial und auf den Ort der Platzierung abgestimmte Stopper, die alle konzis auf die Pointe hinauslaufen.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell be-stellt?
Aebi: Gut bis sehr gut – bis auf alles, was nicht gut bis schlecht ist.
Welche Arbeiten könnten am Festival in Cannes Chancen haben?
Aebi: Alle Goldgewinner. Plus das eine und andere, das fälschlicherweise als Bronze liegen blieb. (Keine Jurierung ergibt die reine Wahrheit.)
Worauf wurde bei der Bewertung besonderes Augenmerk gelegt?
Aebi: Die Idee. Die Idee. Die Idee. Und deren Umsetzung.
Der ADC ist 25 Jahre alt geworden: Setzte die Jury die Bewertungsmesslatte deshalb noch höher an als sonst?
Aebi: Nein. Aber der Modus war ein völlig anderer. Statt sieben Juroren diskutierten 20 in einer Kategorie und bewerteten jede Kampagne einzeln mit Noten. Ohne Freundlichkeiten unter Kollegen und deshalb vielleicht doch härter.
Sind Sie mit der Jury zufrieden?
Aebi: Im Ganzen wurde das Richtige mit Silber und Gold belohnt. Etwas zu wenig wohl Werbedimensionen, die Muster brechen. Auch der ADC ist nicht davor gefeit, in vertrauten klassischen Formaten und Lösungen zu denken.

Das Tor zum Glück ist blue

Wirz beheimatet Bluewin dort, wo die Seele jauchzt

Wirz beheimatet Bluewin dort, wo die Seele jauchztDas Internetportal Bluewin hält neuerdings die heile Winterbergwelt werblich besetzt. Die Möglichkeit dazu gibt ihm ein von Wirz Werbung, Zürich, konzipierter autonomer Auftritt. Der Umsetzung liegt der strategische Begriff «Erlebnisportal» zu Grunde. Von dieser Umschreibung der Markenidentität ausgehend, verwandelt der Auftritt virtuelles in reales Geschehen, das er in die Sinnlichkeit der winterlichen Bergwelt einsenkt: Der Portalcontent «News» etwa taucht in der Kampagne als zeitungslesender Sesselbahnpassagier auf, die Onlinedienstleistung «Hotels» als in Bau befindliche Schneehütte.
Das neue Keyvisual, mit dem Bluewin eine im E-Bereich kommunikativ unberührte Gegend betritt, wird auch in einem faszinierenden Szenefilm angewandt, in dem die Weltklasse-Snowboarder Gian Simmen und Bertrand Denerveau so akrobatisch in die Engadiner Täler hinunter stieben, dass die Seele des Betrachters noch heller jauchzt, als sie es ohnehin bereits tut, wenn sich das Weiss des Schnees im Blau des Berghimmels spiegelt.
Mag der geringere Atmosphärendruck die Ursache oder der majestätische Anblick der Engadiner Gipfel der eigentliche Anlass des Glücksempfindens sein: Die Winterberge geben der Marke Bluewin Heimat und Identität. Seite 6

Mark Stahel

Jurypräsident der Kategorie Eigenbedarf

Jurypräsident der Kategorie EigenbedarfWeshalb glauben Sie, wurde in Ihrer Kategorie kein Gold verliehen?: In keiner anderen Kategorie ist die gestalterische Freiheit so gross wie bei «Eigenbedarf». Jeder Einsender ist Auftraggeber und eigener CD. Wer Gold in dieser Kategorie gewinnen will, muss die Branche wirklich mit einem Überflieger vom Sockel hauen.
Wie beurteilen Sie das Niveau in Ihrer Kategorie?
Stahel: Abgesehen von einigen Ausnahmen: relativ hoch.
Wie ist es um die Qualität dieses Werbejahrgangs generell bestellt?
Stahel: Beim Film überdurschnittlich, sonst Durchschnitt.
Welche Arbeiten könnten am Festival in Cannes Chancen haben?
Stahel: «Scheibenwischer» für Hakle.
Worauf legten Sie bei der Bewertung besonderes Augenmerk?
Stahel: Where’s the beef?
Der ADC ist 25-jährig: Setzten Sie die Messlatte deshalb noch höher an als sonst?
Stahel: Ja. Aber, weil der Art Directors Club mittlerweile einen Mitgliederbestand von über 120 ausgezeichneten Kreativen aufweist.

Kein Musikgehör für ein Portal

Die SRG verzichtet vorerst auf eine Koordination ihrer Webangebote, erlaubt aber deren Kommerzialisierung

Die SRG verzichtet vorerst auf eine Koordination ihrer Webangebote, erlaubt aber deren KommerzialisierungVon Daniel SchifferleWürde die SRG ihre verstreuten Internetangebote besser koordinieren, könnte sie im Netz leicht zur Schweizer Marktführerin werden. Doch der Weg zu einem gemeinsamen Portal ist weit. Immerhin dürfen die einzelnen SRG-Sites jetzt aber kommerzialisiert werden.
Bei der SRG geht der Traum jedes Webmasters in Erfüllung: Content in Hülle und Fülle, täglich produziert für die mehr als ein Dutzend Radio- und TV-Programme, steht auch für deren Internetsites zur Verfügung. Und macht sie mit von der SRG geschätzten 15 Millionen Page Impressions pro Monat zu den erfolgreichsten in der Schweiz überhaupt.
Detaillierte Nutzungszahlen stehen zwar nicht für alle Webangebote zur Verfügung, doch nur schon der Erfolg von www.sf drs.ch lässt die Publikumsgunst erahnen, die die SRG auch im Internet geniesst. Denn laut der letztjährigen MA Comis der Wemf steht die Site von SF 1 und SF 2 an der Spitze der Deutschschweizer Mediensites überhaupt, noch vor blick.ch.
Nähme man auch noch die Radio- und TV-Sites in der Romandie und im Tessin hinzu, käme die SRG wohl spielend in die Nähe des Schweizer Marktleaders blue win.ch, dessen weitetester Nutzerkreis (WNK) mit 859000 Personen nur rund doppelt so gross ist wie jener von sfdrs.ch.
Doch genau hier liegt das grosse Problem der Internetpräsenz der SRG: Alles ist lose verstreut auf über einem halben Dutzend einzelner Sites. Zusammengefasst in einem gemeinsamen Portal würde daraus ein geballtes Angebot – und eine Plattform, die sich auch für die Kommerzialisierung geradezu anbietet.
In der Portalfrage findet die
Publisuisse kein Musikgehör
Deshalb hat Publisuisse-Direktorin Ingrid Deltenre bereits vor mehr als einem Jahr in einem Facts-Interview die Bedeutung des Internets für die SRG hervorgehoben und ihre Wünsche nach einer schnellen Erschliessung dieses Potenzials geäussert. Noch im vergangenen November kündigte sie in der WerbeWoche (WW 42/00) baldige Beschlüsse an, die den Start einer gemeinsamen SRG-Plattform freimachen sollten. Deltenres Traum: Ein SRG-Portal, das die ganze Power der jetzt noch separaten Angebote zusammenführt. Und sich vermarkten lässt. Idee, Konzept und Businessplan – alles liegt in den Schubladen der Publisuisse zum Umsetzen bereit.
Doch der Vorstoss ist stecken geblieben. Mitte Januar hätte ein Grundsatzentscheid fallen sollen, ob die einzelnen Sites in Richtung gemeinsames Portal einschwenken oder nicht. Doch nichts ist geschehen. Gegenüber der WerbeWoche erklärte Deltenre, sie sei nicht mehr zuständig für die Portalangelegenheit und sie dürfe auch nicht dazu Auskunft geben.
Ist damit der Traum vom SRG-Portal definitiv vom Tisch? SRG-Sprecherin Josefa Haas relativiert: «Der Vorstoss der Publisuisse wird auf Ebene Geschäftsleitung angeschaut und diskutiert. Entscheide dafür oder dagegen sind jedoch noch keine gefallen. Aber es wird weiterhin intensiv analysiert und diskutiert», sagt sie und präzisiert mit Blick auf ein gemeinsames Portal: «Wenn wir sehen, dass gewisse Anliegen national geregelt werden müssen, dann liegt der Entscheid bei der Geschäftsleitung». Aber zumindest im Augenblick scheinen die einzelnen Abteilungen innerhalb der SRG ihr sprichwörtliches Gärtchendenken nochmals voll durchgesetzt zu haben.
Service für Gebührenzahler, kein eigenständiges Angebot
Dabei war der gemeinsame Weg angelegt. Denn Radio-DRS-Chef Walter Rüegg, in der SRG der führende Mann, was Internetangebote betrifft, sollte auch die Fäden ziehen für das Zusammenschnüren der diversen Sites. Doch statt eines gemeinsamen Weges wird nun daraus zumindest vorderhand ein Alleingang: Rüegg wird für Radio DRS noch in diesem Sommer ein neues Internetangebot auf die Beine stellen.
Trotzdem will SRG-Sprecherin Haas nicht von mangelnder Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen den Unternehmenseinheiten reden. «Die Internetverantwortlichen tauschen sich innerhalb der SRG SSR regelmässig aus», sagt sie.
Gleichzeitig erinnert sie an die Strategie der SRG, wenn es um neue Technologien geht. Dabei habe man sich ganz bewusst auf ein schrittweises Vorgehen geeinigt. «Wir wollen die Entwicklung sorgfältig beobachten, und nicht überstürzt auf neue Technologien abstellen, die sich im Markt noch nicht breit durchgesetzt haben», sagt Haas.
Sie streicht eine zentrale Aufgabe hervor: «Die Internetangebote sind ganz klar als Service für die Gebührenzahlerinnen und -zahler positioniert: Ein weiterer Kanal, auf dem sie Produkte konsumieren können, für die sie bereits Gebühren entrichten und zusätzliche Informationen dazu erhalten.»
Doch dies gilt nur für jene SRG-Kunden, die auch wissen, wie sie das Gesuchte finden. So lange die Sites nicht in einem Portal zusammengefasst sind, gibt es auch keine Transparenz über das gesamte Angebot. Zwar nennt die SRG zwei Hauptzugänge, mit denen sämtliche einzelne Websites verlinkt seien: Auf der internationalen Ebene die Site swissinfo.org von Schweizer Radio International, und auf der nationalen Ebene die Site srg.ch. Doch ist Letztere vor allem für die Corporate Communication reserviert, und auch swissinfo.org dürfte beim Publikum kaum als Einstiegsort bekannt sein, von dem man zu den Sites der verschiedenen SRG-Abteilungen gelangen kann.
Erschwerend für die Suche ist zudem die Tatsache, dass die Internetangebote gar nicht oder nur ganz leise beworben werden. Trotz fehlender Promotion bedient sich das Publikum jetzt schon reichlich. Mehr als 100000 Audio- und Video-Files werden pro Monat von den verschiedenen Sites heruntergeladen, schätzt Haas. Eine erstaunliche Zahl, wenn man bedenkt, wie mager die Qualität der Videostreamings heute noch ist – und Beleg für ein verbreitetes und weiter wachsendes Bedürfnis, Sendungen zeitverschoben konsumieren zu können.
Doch trotz dieser rosigen Perspektiven bleibt die Hülle und Fülle der diversen Sites vorderhand noch im SRG-Kosmos verstreut. Immerhin erhält Publisuisse-Chefin Ingrid Deltenre ein Zückerchen: Die einzelnen Sites dürfen jetzt kommerzialisiert werden.
Ein wichtiger Schritt, denn bisher wurde erst auf sfdrs.ch Bannerwerbung verkauft und auch hier nur sehr zurückhaltend. Doch auch mit dieser Öffnung behalten die SRG-Abteilungen das Sagen, denn ob und wie die Kommerzialisierung geschieht, dafür muss die Publisuisse mit jeder Unternehmenseinheit separat verhandeln.
Top-MedienSites in der Schweiz1

Site WNK2sfdrs.ch 419000
blick.ch 417000
tages-anzeiger.ch 305000
nzz.ch 255000
tv3.ch 176000
sonntagsblick.ch 170000
facts.ch 169000
cash.ch 150000
beobachter.ch 143000
bettybossi.ch 135000
sonntagszeitung.ch 121000
1 Quelle: Wemf, MA Comis 2000; 2 Weitester Nutzerkreis: Anzahl Personen, welche die Website in den letzten sechs Monaten genutzt hat.
Webangebote der srg

Site Unternehmenseinheitwww.srg.ch SRG SSR idée suisse
www.swissinfo.org Schweizer Radio International
www.sfdrs.ch SF DRS
www.drs.ch Radio DRS
www.tsr.ch Télévision Suisse Romande
www.rsr.ch Radio Suisse Romande
www.rtsi.ch Radio Televisione di Lingua Italiana

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