Bund zahlt 62,5 Millionen für Öffentlichkeitsarbeit.

Die Schweizer Bundesverwaltung gibt für Öffentlichkeitsarbeit 62,5 Millionen Franken im Jahr aus.

Die Schweizer Bundesverwaltung gibt für Öffentlichkeitsarbeit 62,5 Millionen Franken im Jahr aus. 432 Personen werden für Kommunikationsaufgaben beschäftigt. Dies geht aus einer aktuellen Aufstellung der Finanzverwaltung hervor. Auf Vollzeitstellen umgerechnet, ergibt sich folgendes Bild: Information 114, Public Relations und Publikationen 28, Internet 37, Sekretariate 39, zusammen 218 Vollzeitstellen. Nicht berücksichtigt wurden die Kosten für Pflichtpublikationen, Übersetzungen und die interne Information. Die grössten Kostenträger sind die bei der EDMZ eingestellten Druckkosten (10,5 Millionen) und die Kommissionen und Honorare an Werbe- und PR-Agenturen. Künftig sollen redaktionelle und konzeptionelle Eigenleistungen Vorrang vor teureren Fremdaufträgen haben, sofern die internen Ressourcen vorhanden sind.O wie elitär ist die NZZ(-Werbung)! Folgender Satz war kürzlich auf einem Sujet der NZZ-Kampagne anzutreffen: «Manches leuchtet schneller ein, wenn präzis informiert, luzid analysiert und überzeugend informiert wird.» Um Himmels willen, was heisst denn nur luzid? Der ganz allgemein gebildete WerbeWoche-Journalist schaut halt im Fremdwörter-Duden nach: «luzid [lat.]: selten für hell, durchsichtig», steht da. Aha. Bei so seltenen Wörtern bleibt der Durchschnittsleser auf der Strecke. Man merkt die Absicht und erinnert sich: «Überzeugend», «luzid», waren die Kommentare zum Golgatha des NZZ-VR-Präsidenten Eric Honegger.
SDV MIT NEUER FACHGRUPPE. Der Schweizer Direktmarketing Verband (SDV) hat eine neue Fachgruppe für Internet und E-Commerce gegründet. Zum Leiter dieser Fachgruppe ist Erwin Schnee (ADIM Agentur für Direktmarketing AG, Hünenberg) gewählt worden. Neuer SDV-Vize wurde Guido Wietlisbach (WBO OgilvyOne AG, Zürich). Er gilt als zukünftiger Präsident des Verbandes.
CATCH THE SPERM. Das Bundesamt für Gesundheit fischt mit seiner Stop-Aids-Kampagne nach Webusern: «Catch the sperm» ist ein Fangspiel, das alle «Spielgefährdeten» auf der Website www.stopaids.ch abrufen können. Dabei tauchen die Surfer in eine «faszinierend dreidimensionale Welt ein», wie die Aids-Hilfe Schweiz schreibt. Hier bewegen sich Spermien in einem frechen und unwiderstehlichen Look. Hier schwimmen aber auch HI-Viren. Geschickte Spieler sammeln Punkte, mit denen sie wöchentlich eine der beliebten Stop-Aids-Mausmatten gewinnen können. Entwickelt hat das Spiel die Phenomedia AG.
PUBLICIS SPIELT FEUERWEHR. Zehntausende Schaulustige wohnen jeweils dem Sechseläuten bei, einem Brauch, mit dem die Zürcher den Winter vertreiben. Unmittelbar bei der Sechseläutenwiese ist die Zürcher Werbeagentur Publicis domiziliert. Von ihren Büros geniesst man einen herrlichen Blick auf den Schauplatz. Diesen privilegierten Ausblick möchte Publicis dieses Jahr mit einigen Gästen teilen, was sie Auserwählte durch eine witzige Einladung wissen liess: «Verhalten bei Feuer» heisst die Headline einer im Stile einer Notfallanleitung gestalteten Karte. Die Einladung ist mit einem Wettbewerb gekoppelt, bei dem gewinnt, wer exakt vorhersagt, wann der Kopf des «Böögg» explodiert.
DIE VBZ LADEN ZUM PLAKATWETTBEWERB. Allein in der Stadt Zürich sind täglich 750000 Fahrgäste mit der VBZ Züri-Linie unterwegs. «Da lohnt es sich, ein Wagenplakat so zu gestalten, dass es in die Augen springt und beachtet wird», meinen die VBZ in ihrer Ausschreibung zu einem Wettbewerb, bei dem die kreativsten Tramplakate gesucht werden. Zur Teilnahme lädt die VBZ TrafficMedia Auftraggeber und Werbeagenturen. Die Prämierung findet im Dezember durch eine unabhängige Fachjury statt. Als Hauptpreis winkt ein Gratisaushang von 800 Wagenplakaten für zwei Wochen im Wert von 13000 Franken. Zugelassen sind alle Wagenplakate, die für einen Aushang zwischen dem 2. Mai und dem 31. Dezember 2001 gebucht sind. Weitere Infos bei www.vbz.ch/ trafficmedia

Radio HerzSchlaG nimmt Abstand von Radio Aktuell. Das St. Galler HSG-Studentenradio HerzSchlaG, das vom Bundesamt für Kommunikation vorerst eine einmonatige Sendebewilligung erhalten hat (1. bis 30. Mai 2001), wird pro Tag auch fünf Minuten Werbung ausstrahlen dürfen. Ursprünglich wollten die Initianten für die Werbeakquisition mit Radio Aktuell zusammenarbeiten. Wegen der aktuellen politischen Diskussion im Kanton St. Gallen über das Monopol der Tagblatt-Gruppe will sich HerzSchlaG nun von Radio Aktuell unabhängiger positionieren und sucht gemäss Geschäftsführer Michael Rohmeder einen anderen Akquisitionspartner. Radio Aktuell, das einen Beitrag von 100000 Franken an die HerzSchlaG-Trägerstiftung bezahlt hat, bleibt weiterhin im Stiftungsrat vertreten.
Expo.02-Sponsoren gründen Interessengemeinschaft. Neun Sponsoren der Expo-Arteplage Biel haben sich zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengeschlossen. Sie wollen dazu beitragen, dass die Expo.02 an die Erfolge früherer Landesausstellungen anknüpfen kann. Die Gemeinschaft besteht aus Credit Suisse, IBM, Migros, Nationalbank, Swisscom, Swissmem, SwissRe, Verband Schweizerischer Kantonalbanken und «Zürich»-Versicherungen. Die IG will organisatorische und inhaltliche Synergien nutzen und engen Kontakt mit den Stadtbehörden von Biel pflegen, heisst es in einer Mitteilung.
Editorial

Even Cowgirls get the Blues
Anmache aus den Sechzigerjahren: Er, der brave Nachbar von nebenan, korrekte Schmalzlocke und eine lässig im Mundwinkel hängende Zigarette; sie, Hollywood-Sternchen, hochgezogene Augenbrauen und Pepsodentlächeln. Nur etwas trübt das Bild der trauten Zweisamkeit – das hineingeflickte Frage-und-Antwort-Spiel: «Mind if I smoke?» – «Care if I die?»
Längst sind es nicht mehr nur solche Plakatsujets der Anti-Tabak-Lobby, die der Tabakindustrie das Leben schwer machen. Vorwürfe über Unterstützung von Zigarettenschmuggel, Schadenklagen, Parteispenden und ethisch fragwürdige Praktiken wie das systematische Abstreiten Krebs erregender Eigen-schaften des Tabaks kratzen an ihrem Image und wiegen mindestens so schwer wie ein drohendes Werbeverbot. Hätte der Souverän heute, acht Jahre nach der Verwerfung der Zwillingsinitiative, über die gleiche Frage zu entscheiden, das Resultat sähe wahrscheinlich anders aus. Das vom Europäischen Gerichtshof abgeschmetterte Tabakwerbeverbot werten selbst Experten als kurze Verschnaufpause. Denn: Macht das kanadische Modell, medizinische Schockbilder als Warnhinweise auf den Zigarettenschachteln, Schule und werden Begriffe wie «mild» oder «light» untersagt, steht die Tabakindustrie mit dem Rücken zur Wand. Angesichts des Imageschadens könnten dann Argumente wie die rigorose Selbsteinschränkung in der Werbung, die Zigarette als Bestandteil unseres Kulturgutes, als wichtiger Posten der AHV-Finanzierung oder als Werbeauftraggeber – knapp in den Top 20, Tendenz sinkend – ihre Glaubwürdigkeit ganz verlieren.
Dass der Produktauftritt für Zigaretten kreativ verbessert werden muss, wie dies Marketingleiter Peter Paetzel des Philip-Morris-Konzerns Deutschland betont, sei ihm nachgesehen. Das «No Comment» der Schweizer Philip-Morris-Zentrale zu ihrem Verzicht auf das Marlboro-Cowgirl bleibt unerklärlich. Wartet man lieber den Response der Rauchenden ab? Oder ist die neue Künstler-Kampagne für Parisienne Blue (Seite 10) die richtige Antwort auf Marlboros Cowgirl-Blues? Eine Antwort steht heute schon fest: Die tradierten Marketingkonzepte für Zigaretten haben ausgedient. Luca Aloisi

Bannerwerbung wächst und wächst…

Bruttowerbeausgaben von Mediafocus zeigen einen durchzogenen Februar

Bruttowerbeausgaben von Mediafocus zeigen einen durchzogenen FebruarDer Februar war, verglichen mit dem Vergleichsmonat des Vorjahres und gemäss den Erhebungen von Mediafocus, ein schwacher Werbemonat: Gesamthaft waren die Bruttowerbeausgaben der kommerziellen Werbung nur um 0,9 Prozent oder 2,7 Millionen Franken höher.Dabei schnitten Printmedien sehr unterschiedlich ab: Die Zeitungen verzeichneten einen Rückgang von 2,1 Prozent (minus 2,7 Millionen Franken), und die Publikumszeitschriften verloren gar 4,3 Prozent (minus 2 Millionen Franken). Demgegenüber legte die Auswahl der Fachzeitschriften um 8,8 Prozent (plus 1,4 Millionen Franken) zu.
TV-Sender liegen minim (plus 2,4 Prozent) über Vorjahresniveau, während Radios den zweiten Rückschlag im laufenden Jahr hinnehmen müssen (minus 5,9 Prozent). Ebenfalls einen Taucher setzt es für das Medium Teletext ab (minus 6,1 Prozent).
Zu den Gewinnern gehören die Kinos, die mit 23,3 Prozent gleich eine zweistellige Zunahme der Bruttowerbeaufwendungen (plus 647000 Franken) ausweisen können. Und die Plakatgesellschaften machten ihren miserablen Januar mehr als vergessen und konnten im Februar um 14,8 Prozent zulegen. Weiter auf dem Vormarsch befindet sich die Onlinewerbung, sie legte um 37,9 Prozent oder 349000 Franken zu. Sie hatte bereits im Januar ein Plus von 24,2 Prozent verzeichnen können.
In den ersten zwei Monaten dieses Jahres bewegten sich die Bruttowerbeausgaben um 2,2 Prozent (plus 11,8 Millionen Franken) über dem Vergleichswert des Vorjahres. Die Onlinewerbung (plus 31,4 Prozent), Kino mit einem Plus von 20 Prozent, die Fachzeitschriften (plus 9,8 Prozent) und das TV mit einem Plus von 8,5 Prozent sind die bisherigen Gewinner bei den Medien.
Unten durch mussten bisher vor allem Radios mit einem Minus von 8,2 Prozent sowie die Zeitungen, die 0,4 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres liegen. Wenigstens einen minimen Zuwachs verzeichneten die Publikumszeitschriften (plus 0,6 Prozent), und Teletext und Plakat stehen immerhin um 1,6 Prozent beziehungsweise 2,6 Prozent besser da. Markus Knöpfli
Bruttowerbeaufwand nach Medien

Februar 2000/2001 im Vergleich
in 1000 Fr. 2000 in 1000 Fr. 2001 +/– %
Tageszeitungen 127 908 125 224 – 2,1
Publ.-Zeitschriften 46 304 44 291 – 4,3
Fach-Zeitschriften 15 874 17 278 8,8
TV 55 579 56 907 2,4
Radio 10 154 9 553 – 5,9
Kino 2 774 3 421 23,3
Teletext 1 655 1 554 – 6,1
Plakat 29 551 33 925 14,8
Internet Banner 920 1 269 37,9
Gesamt 290 721 293 422 0,9
Quelle: Media Focus Hergiswil (NW)

Wo jeder Leser wirklich hinguckt

Die Wahrnehmung von Anzeigen hat viel weniger mit der Platzierung als mit Sinneseindrücken zu tun

Die Wahrnehmung von Anzeigen hat viel weniger mit der Platzierung als mit Sinneseindrücken zu tunVon Wolfgang KoschnickLinks oder rechts, farbig oder schwarzweiss, inter pares oder
im Alleingang? Die Platzierung von Anzeigen, aber auch Faktoren wie Farbe, Grösse und inhaltliche Qualität sind Bestandteil der Werbewirkungsforschung. Die jedoch trotz (oder gerade wegen) zahlreicher Analyseresultate
keine Einigkeit hervorbringt.
Die Vorstellung, dass Werbung besonders machtvoll wirkt, wenn sie an einer günstigen Stelle platziert ist, hält sich in der Werbewirtschaft hartnäckig. Doch wo könnte eine solche Stelle sein? Und weshalb sollte ein und dieselbe Werbung an der einen Stelle atemberaubende Erfolge erzielen und einer anderen Stelle sang- und klanglos den Bach heruntergehen?
Werber glauben, dass eine Anzeige rechts oben auf der Seite viel besser wirkt als links unten, und selbst rechts unten wirkt sie noch stärker als links unten – der Ecke der absoluten Werbefinsternis. Selbst Werber, die sich eingehend mit Werbewirkung beschäftigt haben, glauben das. Und sogar solche, die sich kritisch-selbstkritisch fragen, warum das so sein sollte, sagen dann: «Platzieren Sie die Anzeige bitte rechts oben.» Nicht weil sie glauben, da wirke sie stärker. Aber man kann ja nie wissen. Und schaden kann es auf keinen Fall.
Lange wollte die Werbung von Psychologie nichts wissen
Historisch gesehen ist Platzierung die erste und älteste Fragestellung der Werbeforschung überhaupt. In den frühen Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts begannen die ersten Psychologen das «Wirkungsprinzip der Reklame» zu untersuchen. Dazu verwendeten sie rudimentär quantitative Methoden, um die Rolle der Anzeigenplatzierung zu erforschen.
So liess der Werbepsychologe Bernhard Wities 1892 mehrere identische Anzeigen an verschiedenen Stellen einer Zeitung erscheinen und stellte fest, dass eine Anzeige auf der letzten Seite viermal so viele Anfragen beim Werbetreibenden einbrachte wie eine in der Mitte der Zeitung.
Das war sozusagen der erste mehr oder weniger kontrollierte Test in der Direct-Response-Werbung. Ein anderer Test aus dem Jahr 1894 ermittelte für eine in regelmässigen Zeitabständen geschaltete Anzeige, dass die jeweils dritte und vierte Veröffentlichung stärker wirkte (also Anfragen auslöste) als die erste und zweite.
Diese frühen Forschungen deutscher Werbepsychologen waren indes für die Katze. Kein Mensch interessierte sich dafür. Schon gar nicht die Werbewirtschaft. Die Werbeauftraggeber kümmerten sich zu Beginn des
20. Jahrhunderts keinen Deut um die Erkenntnisse der Wissenschaft. Damals galt es in Europa noch als abwegig, überhaupt irgendwelche wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Betriebsführung umzusetzen. Die angewandte Wirtschafts- und Betriebspsychologie hatte in Europa erst um 1910 Fuss fassen können. In den Zwanzigerjahren begann der zaghafte Brückenschlag von der Wissenschaft zur Wirtschaft.
Qualifizierte Labortests mit
elementaristischer Psychologie
Selbst im Jahr 1920 stellte Heinrich Niklisch, einer der Begründer der Betriebswirtschaftslehre in Deutschland, resigniert fest, dass «sich die Psychologen noch heute vor ihren Lesern entschuldigen, wenn sie die Reclame zum Gegenstande ihrer Untersuchung machen».
Die Amerikaner hatten schon damals einen Vorsprung gegenüber den Europäern. In den USA untersuchten seit der Jahrhundertwende Wissenschaftler wie Harlow Gale, Walter Dill Scott und Daniel Starch die Wirkungen von Anzeigenelementen wie Gestaltung, Grösse und Platzierung.
In Europa knüpfte Hugo Münsterberg in seinem Buch «Psychologie und Wirtschaftsleben» an die amerikanischen Studien an und klagte: «Die wirtschaftliche Welt spendet jährlich Millionen für die Anzeigen oben rechts und Millionen für die Anzeigen unten links und weiss nichts davon, dass die einen doppelten Wert von den anderen besitzen.»
Als Vertreter der praxisorientierten Psychotechnik setzte Münsterberg quantifizierende Laborexperimente ein. Er stand unter dem Einfluss der von Gustav T. Fechner und Ernst Heinrich Weber im 19. Jahrhundert entwickelten Elementenpsychologie. Im Gegensatz zur Ganzheits- und Gestaltpsychologie ging die Elementenpsychologie davon aus, dass alle psychischen Vorgänge und Inhalte wie Wahrnehmung, Gedächtnis, Bewusstsein durch die Annahme kleiner Einheiten (also Elemente) interpretierbar sind, die als unabhängige und unteilbare Bausteine die Inhalte und Vorgänge der Psyche konstituieren. Vereinfacht ausgedrückt ergibt sich das psychische Ganze danach aus der Summe seiner Teile.
Daher basierte die elementaristische Psychologie auf der Annahme, Wahrnehmung sei die Summe physikalischer Aussenreize, und die Stärke der Empfindungen lasse sich daher auf Grund der Stärke der Reize berechnen. Die umfassende Wahrnehmung setzt sich aus kleinsten physischen Elementen zusammen. Empfindungen stehen in einem konstanten, berechenbaren Verhältnis zur Stärke des physikalischen Reizes aus der Umwelt.
Das daraus abgeleitete webersche Gesetz (oder auch fechner-webersches Gesetz) unterstellte eine konstante und berechenbare Beziehung zwischen der Stärke des Reizes, die mit physikalischen Methoden bestimmt werden könne, und der Empfindung, deren Intensität vom Erlebenden selbst skaliert werden müsse. Heute nennt man das deshalb die «klassische Konstanzannahme». Da es bei den entsprechenden Untersuchungen um die Beziehung zwischen psychischen und physikalischen Intensitäten ging, wurde diese Forschungsrichtung auch häufig als Psychophysik bezeichnet.
Die «Holzhammerreklame»
feiert Wiederauferstehung
Vor allem die Werbepsychologie war in ihren Anfängen stark von der Elementenpsychologie beeinflusst und untersuchte, welche Beziehung zwischen der Grösse oder Platzierung eines Werbemittels und seiner Beachtung bestehe. Für die Werbepsychologie ergab sich daraus die Schlussfolgerung, dass eine hinreichende Menge von starken physischen Reizen in stetiger Wiederholung starke Assoziationen und Empfindungen bei den Umworbenen erzeugen und so Werbeerfolge garantieren müsse.
Um den Werbeerfolg einzelner Massnahmen im Rahmen eines Werbefeldzugs zu untersuchen, begnügte sich die elementenpsychologische Schule damit, die Reizstärke und Auffälligkeit isolierter Teilaspekte wie die Anzeigengrösse, ihre Platzierung auf der Seite, ihre farbliche Gestaltung, ihre Aufmerksamkeitswirkung und anderes mehr zu untersuchen und daraus automatisch Schlussfolgerungen über ihre Werbewirkung und Verkaufswirkung zu ziehen.
Da nach dieser ältesten Wahrnehmungstheorie nur der physikalische Reiz für die Werbewirkung von Bedeutung war, empfahl man den Werbetreibenden, möglichst reizstarke Werbemittel zu verwenden: gross, bunt, laut, oftmals wiederholen. Der daraus resultierende Werbestil wurde nicht zu Unrecht als «Holzhammerreklame» bezeichnet. Er feiert heutzutage fröhliche Auferstehung, wenn auch unter dem Vorwand des Werbedrucks: Um im lauten Getöse mannigfacher und mannigfaltiger Werbung überhaupt noch gehört zu werden, muss man das Gedröhne der anderen übertönen. Anders kann man sich kein Gehör verschaffen.
Rinks oder lechts? – Kann
man getrost vergessen
Die in den Zwanzigerjahren begonnenen Studien wurden auch nach dem Zweiten Weltkrieg eifrig fortgeführt. Ganz allgemein haben die neueren Forschungen vor allem die Prämissen der Elementenpsychologie immer stärker erschüttert, bis schliesslich ein Punkt erreicht war, an dem man unterstellte, dass Faktoren wie Format, Grösse, Platzierung auch in den besten Fällen nur minimale bis gar keine Einflüssen haben.
Eine typische Untersuchung dieser Art war die gross angelegte Studie des Heinrich Bauer Verlags, Hamburg, über «Messverfahren der Anzeigenwirkung». Sie wurde erstmals 1972 durchgeführt und 1996 wiederholt. Ergebnis: Im Mittel erinnerte sich ein Betrachter an 1,8 Anzeigen auf der rechten Seite und an 1,7 der Anzeigen auf der linken Seite. Und die Anzeigenwiedererkennung betrug 38,2 Prozent bei rechtsseitigen Anzeigen, 37,7 Prozent bei linksseitigen. Die Untersuchung analysierte dies durch ungestützte Erinnerung und Anzeigenwiedererkennung bei Heftvorlage.
Das alles spricht nicht gerade dafür, dass die Platzierung von Anzeigen eine eindrucksvolle Rolle bei der Anzeigenwirkung spielt. Ganz ähnlich sind die Befunde über die Platzierung «vorn» oder «hinten» im Heft: Bei aktuellen Illustrierten nimmt die spontane Erinnerung tatsächlich ab, je weiter hinten im Heft die Anzeigen platziert sind. Für Frauenzeitschriften gilt dies aber schon nicht mehr. Bei ihnen werden Anzeigen im letzten Sechstel am stärksten erinnert.
Die gestützte Wiedererkennung schliesslich zeigt für beide Gruppen von Zeitschriften das gleiche Bild: Eine systematische Abhängigkeit von der Platzierung weiter vorne oder weiter hinten ist nicht erkennbar. Im Prinzip sind alle moderneren Untersuchungen zu ähnlichen Erkenntnissen gelangt.
Allein der aktuellen Illustrierten Stern liegen Befunde zur Anzeigenbeachtung aus über 6000 Anzeigen-Copytests vor. Das ist eine ziemlich grosse Zahl. Befunde zur Platzierung: 44 Prozent der Befragten konnten die Anzeige auf der rechten Seite wiedererkennen (Recognition), 43 Prozent die linke Seite. Bei der ungestützten Erinnerung (Recall) ist das Verhältnis sogar 28 zu 26 zu Gunsten der linken Seite.
Copytests sind eine unsichere Erhebungsmethode
Auch helvetische Medienmacher hat die Frage nicht losgelassen, welchen Einfluss Platzierungseffekte auf die Werbewirkung haben könnten. Ein von Ringier im Vorfeld der Qualitativen Media-Studie (QMS) und der MACH 90 von November 1988 bis Januar 1989 durchgeführter Copytest mit insgesamt 994 Anzeigen für 15 Zeitschriften aus der Deutschschweiz und der Suisse romande gelangte zum Befund, die verbreitete Ansicht, die Nutzung einer Zeitschrift nehme generell nach hinten ab, sei unbegründet.
Bei den ganzseitigen vierfarbigen Anzeigen zeigte sich zum Beispiel folgendes Bild: Von den 300 in den Test einbezogenen Inseraten befanden sich 99 im ersten Viertel, 57 im zweiten, 54 im dritten und 90 im letzten Viertel der einzelnen Hefte. Die Beachtung der Anzeigen lag jedoch in allen Heftteilen ungefähr auf dem gleichen Niveau.
Die meisten dieser Befunde wurden auch in einem zuletzt 1999 unter dem Titel «Qualitative Resonanzanalyse» veröffentlichten Langzeitvergleich von Copytestergebnissen der Zeitschrift Hörzu von 1982 bis 1998 bestätigt. Dabei zeigten sich im Einzelnen folgende Punkte:
Einfluss der Platzierung im Heft: Die Erinnerungswerte für Anzeigen in beiden Hefthälften (vorderer Heftteil versus hinterer Heftteil) sind nahezu gleich. In den einzelnen Format-/Farbigkeitsgruppen gibt es leichte Unterschiede. Einmal schneiden die Anzeigen im vorderen Heftteil etwas besser ab, einmal diejenigen im hinteren Heftteil.
Ursache für diese Abweichungen dürfte die Zusammensetzung der Testanzeigen in den einzelnen Gruppen sein. Einmal gibt es mehr attraktive Anzeigen im vorderen Teil, einmal mehr im hinteren Teil. So traten bei den doppelseitigen Vierfarbanzeigen im hinteren Heftteil vermehrt Lebensmittelanzeigen auf, die überdurchschnittliche Erinnerungswerte erzielten.
Bei den ganzseitigen Vierfarbanzeigen waren Kaufhausanzeigen überproportional im vorderen Heftteil enthalten und erhöhten somit den Durchschnitt. Aber auch das uneinheitliche Bild der jeweiligen Abweichungen bestätigt, dass die Anzeigen in beiden Hefthälften gleich gut erinnert werden.
Einfluss der Platzierung auf der Doppelseite: Auch die Ergebnisse der Hörzu-Copytests bestätigten, dass rechtsseitige Anzeigen nicht grundsätzlich besser erinnert werden als linksseitige. Lediglich bei den dreiviertelseitigen Vierfarbanzeigen weisen die linksseitigen Anzeigen deutlich schlechtere Erinnerungswerte auf. In dieser Gruppe häuften sich allerdings die Pharma-Anzeigen, die insgesamt ein unterdurchschnittliches Erinnerungsniveau verzeichneten und so den Durchschnitt herunterzogen.
Einfluss der Platzierung auf Umschlagseiten: Anzeigen auf der zweiten Umschlagseite (U2) werden nicht besser erinnert als die durchschnittliche Anzeige. Anzeigen auf der dritten (U3) und der vierten Umschlagseite (U4) weisen etwas höhere Erinnerungswerte auf. Ob dieser Effekt durch die exponierte Platzierung im Heft hervorgerufen wurde oder durch ein vermehrtes Auftreten von grossen, sehr werbeaktiven Marken in der Kollektion der Testanzeigen auf dieser Platzierung, liess sich nicht feststellen.
Zwei Aspekte verursachen beim kritischen Betrachter der Befunde etwas mulmige Gefühle in der Magengrube:
Praktisch alle schönen Untersuchungen, in denen stets herauskam, dass alle Plätze in einer Zeitung oder einer Zeitschrift gleich gut sind, wurden von Verlagen oder deren Vermarktungsorganisationen durchgeführt. Es liegt im wirtschaftlichen Interesse der Veranstalter dieser Studien, dass dabei genau dies und nichts anderes herauskam. Das ist in höchstem Masse suspekt.
Zweitens stammen diese Erkenntnisse aus Copytests. Und die sind ein ziemlich grobes und unergiebiges Forschungsinstrument. Methodisch handelt es sich um
ein Wiedererkennungsverfahren (so genannter Starch-Test) unter Verwendung von Originalheften oder Originalwerbemitteln (in der Regel Anzeigen), also der Originalheftmethode (Through-the-Book-Technique). Der Interviewer legt dem Befragten eines oder mehrere der zu testenden Werbemittel oder eine komplette Zeitung oder Zeitschrift oder eine Broschüre vor, geht sie Seite für Seite mit ihm durch und fragt bei jeder einzelnen Seite, jedem einzelnen redaktionellen Beitrag, jeder einzelnen Anzeige, ob der Befragte sich daran erinnern kann, sie gesehen oder gelesen zu haben (Claimed Readership).
So wird Schritt für Schritt ermittelt, welche Teile des redaktionellen Teils oder/und des Anzeigenteils beachtet und teilweise oder ganz gelesen wurden. Im zweiten Schritt werden bei Copytests häufig Teile der Werbemittel abgedeckt und die Befragten aufgefordert anzugeben, an welche Einzelheiten der abgedeckten Teile sie sich noch erinnern. Dabei wird ganz konkret nach der Erinnerung an spezifische Einzelheiten wie den Namen des Werbungtreibenden, die Firmenbezeichnung, die Überschrift, einen Slogan und dergleichen gefragt (proven readership, proven recall).
Von wirkungsvoller Bedeutung ist die Orientierungsreaktion
Doch wozu braucht man aufwändige Copytests, wenn man den konkreten Leseverlauf auf einer Seite auch mit Hilfe einer Blickbewegungskamera minutiös verfolgen kann? Blickbewegungskameras werden in der psychobiologischen Werbewirkungsforschung eingesetzt und stellen damit einen ganz und gar anderen Ansatz dar als die Elementenpsychologie. Sie gehen von vornherein davon aus, dass Werbewirkung das Resultat der Aktivierungswirkung von äusseren Reizen darstellt. Und damit ist eigentlich schon von der Prämisse her klar: Platzierung ist kein starker Reiz, der grossartige Aktivierung auslösen könnte. Wichtig ist die Qualität des Reizes und wichtig ist, dass ein Reiz Orientierungsreaktionen auslöst. Aber wo er steht, ist völlig unerheblich.
Der menschliche Körper verfügt über ein spezifisches Aktivierungssystem, das die Aktivität des Menschen steuert und die Verarbeitung individuell relevanter Reize fördert. Die Aktivierungswirkung von Reizen hängt von physikalischen Eigenschaften sowie von kognitiven und emotionalen Eigenschaften des Reizmaterials ab. So gelten physikalisch starke Reize (laut, hell, der Farbbereich Gelb, Orange, Rot) als stark aktivierend.
Für die Informationsaufnahme ist speziell eine elementare Reaktion auf aktivierende Reize bedeutsam: der Orientierungsreflex – eine der Reizdarbietung folgende kurzzeitige Reaktion. Sie stellt den Organismus auf den Reiz ein, sensibilisiert das Informationssystem und vermehrt die Informationszufuhr aus der gesamten Umwelt. Der Orientierungsreflex erfolgt weit gehend automatisch. Er wird von diesen Eigenschaften eines Reizes bestimmt: Intensität, Farbe, Grösse, Neuartigkeit, Ungewissheit.
Vor allem Farbe löst starke Orientierungsreaktionen aus und führt zu einer verstärkten Informationsaufnahme. Elemente, die sich durch farbliche Gestaltung abheben, bewirken eine Orientierungsreaktion des Betrachters und ziehen den Blick auf sich. Gleichartige Reaktionen kann man von allen Reizen mit starkem Aktivierungspotenzial erwarten.
In Anzeigen werden so die stark aktivierenden Elemente im Durchschnitt um rund 40 Prozent häufiger fixiert als die schwach aktivierenden Elemente. Die Informationsaufnahme ist bei diesen Elementen auch entsprechend höher.
Die häufigere Fixation der aktivierenden Elemente führt auch zu einer besseren Erinnerung. Farbige Illustrationen aktivieren stärker als klein gedruckte Textwüsten. Die Leser nehmen die Informationen besser auf: wohlgemerkt die im Bild selbst enthaltenen Informationen.
Starken steuernden Einfluss übt die Gestaltung in der Orientierungsphase aus. Wie der Blick des Lesers eine Seite in der ersten Sekunde exploriert – das hängt in starkem Masse von der «Architektur» einer Seite ab. Selbst wenn eine visuelle Reizvorlage längere Beachtung als eine andere findet, ist das nicht per se ein Indiz einer höheren Wirksamkeit.
Eine Betrachtungsdauer von zwei Sekunden kann daher für eine Anzeige, die lediglich den Namen einer Marke im Gedächtnis der Konsumenten halten soll, sehr lang sein. Für eine komplex gestaltete Anzeige mit vielen Gestaltungselementen können zwei Sekunden viel zu kurz sein.
Wenn also Leser zwei Sekunden lang den für die Werbeziele der Anzeigen irrelevanten Blickfang einer Anzeige anschauen, verpufft die Werbung wirkungslos trotz langer Betrachtungsdauer. Alles in allem: Für irgendwelche Platzierungseffekte hat die Blickbewegungsforschung keinerlei Anhaltspunkte gefunden. Die grösste Chimäre der populären Vorstellungen über die Wirkung von Anzeigen ist zerplatzt.
Platzierungseffekte bei Zeitschriftenanzeigen• Eine ganzseitige vierfarbige Anzeige gegenüber einer ganzen Anzeigenseite platziert, erbringt im Durchschnitt einen um 5 Prozent höheren Beachtungswert als eine Anzeige gegenüber redaktionellem Text.
• Eine ganzseitige Schwarzweissanzeige gegenüber einer ganzen Anzeigenseite erbringt im Durchschnitt einen 12 Prozent höheren Beachtungswert.
• Je höher die Zahl der Anzeigen im geschlossenen Anzeigenteil, desto grösser ist der Nutzen, den der Werbetreibende davon hat, dass seine Anzeige gegenüber einer anderen Anzeige platziert ist.
• Eine Platzierung in einem produktnahen redaktionellen Teil erbringt eine 10 Prozent höhere Beachtung als eine Platzierung in einem nichtproduktgerechten redaktionellen Umfeld.
• Redaktionelle Farbseiten werden häufiger aufgeschlagen als Schwarzweissseiten und erhöhen dadurch die Anzeigenbeachtung.
• Je grösser die Zahl und je dichter die Anzeigen eines Produktfelds nebeneinander platziert werden, desto höher ist die Anzeigenbeachtung jeder Anzeige in diesem Feld.
• Anzeigen auf der vierten Umschlagseite erzielen eine um 20 bis 30 Prozent höhere Beachtung als im Innenteil der Zeitschrift.
Platzierungseffekte bei Anzeigen in Tageszeitungen • Anzeigen auf der linken oder rechten Seite haben gleich gute Beachtungschancen.
• Eine Anzeige ist in der unteren Hälfte einer Zeitungsseite ebenso gut wie in der oberen Hälfte platziert. Eine Platzierung nach diesem Gesichtspunkt hat keinen Einfluss auf die Anzeigenwirkung.
• Eine Platzierung allein unter Text ist nicht wirkungsvoller als neben anderen Anzeigen.
• Ein Bild im Umfeld der Anzeige lenkt den Leser nicht ab. Im Gegenteil: Ein belebtes redaktionelles Umfeld mit Bildern wirkt eher positiv als ein reines Textumfeld, das sich aus langen redaktionellen Beiträgen zusammensetzt. Das Auge des Lesers sucht bei einem belebten redaktionellen Umfeld nach interessanten Beiträgen, und die Anzeige verbleibt daher in der Regel länger im Wahrnehmungsfeld des Lesers.
• Auch der Wochentag der Anzeigenschaltung hat keinen Einfluss auf die Wirkung der Anzeigen. Im Durchschnitt aller Produktbereiche konnten keine Unterschiede in der Anzeigenwirkung der einzelnen Wochentage beobachtet werden. Die Leser lesen an allen Wochentagen mit gleicher Aufmerksamkeit die Zeitung.
• Ob eine Anzeige auf der Rückseite oder der Innenseite eines Zeitungsteils platziert ist, macht nur einen geringfügigen Unterschied. Ein kleiner Vorteil liegt bei den Anzeigen auf Innenseiten.
Platzierungseffekte in den elektronischen Medien
Platzierungseffekte können auch in elektronischen Medien eine Rolle spielen. Die Association of National Advertisers (ANA) in den USA hat die Bedeutung der Platzierung eines Werbespots innerhalb eines Werbeblocks sowie die Auswirkung verschiedener TV-Spotmengen auf die Wirkung des einzelnen Spots im Block untersucht und dabei folgende Erkenntnisse gewonnen:
• Der Einfluss steigender Spotzahlen innerhalb eines Werbeblocks wirkt sich unterschiedlich je nach der Positionierung des Spots aus. Der erste Spot eines Blocks hat einen Vorteil gegenüber den folgenden. Allerdings zieht häufig der letzte Spot in einem Block die Aufmerksamkeit der Zuschauer wieder auf sich.
• Der Einfluss steigender Spotzahlen auf die Wirkung eines Spots hängt von der «Qualität» des Spots ab. Spots, welche die Zuschauer durch die Art des Produktes oder die Gestaltung stark interessieren, sind immer «immun» gegenüber einem steigenden Werbedruck in einem Block. Spots, die das Engagement der Zuschauer nicht wecken, können jedoch durch steigenden Werbedruck in ihrer Wirkung negativ beeinflusst werden.
• Die Zuschauer lernen sehr schnell das Muster, nach dem ihre favorisierten Sendungen durch Werbung unterbrochen werden. Sie haben dann die Möglichkeit, sich der Werbung zu entziehen. Dieser Effekt ist bei den einzelnen Programmarten unterschiedlich. Programme, die von den Zuschauern häufig eingeschaltet werden, unterliegen diesem Effekt wesentlich stärker als Sendungen, denen man nur gelegentlich zuschaut. Im Durchschnitt übt die Zahl der Spots in einem Block eine entscheidend starke Wirkung aus.
Weiter führende LiteraturEine weiter führende Literaturliste zum Thema «Platzierungseffekte in der Werbung» können Leser und Leserinnen über die Redaktion der WerbeWoche beziehen (info@werbe woche.ch). Die Liste enthält ein Verzeichnis der wichtigsten Veröffentlichungen und Untersuchungen zu diesem Thema und wird per E-Mail zugestellt.
Was taugen Copytests?Copytests werden normalerweise als Posttests durchgeführt, aber auch als Pretests zur Abschätzung der Werbewirksamkeit alternativer Werbekonzepte. Bei Copytests wird gemeinhin unterstellt, dass die mit ihrer Hilfe ermittelten Kontaktwahrscheinlichkeiten gegenüber den reinen Abfragemodellen unter Verwendung von Listen oder Titelkarten höhere Validität (Gültigkeit) haben.
Es bestehen jedoch erhebliche Zweifel an der Richtigkeit dieser Annahme. Da zahlreiche verzerrende Einflüsse auf die durch Copytests ermittelten Erinnerungswerte eingewirkt haben, sind ihre Ergebnisse vor allem aussagekräftig über die Wirkungs- und Gestaltungsstärke des Werbemittels selbst sowie über die Aufnahmefähigkeit und -bereitschaft der angesprochenen Personen selbst.
R. Fletcher hat mit Hilfe von Blickregistrierungsverfahren nachgewiesen, dass die Angaben von Auskunftspersonen über ihre eigenen Lese-Erinnerungen und ihr tatsächliches Leseverhalten stark divergieren, und zwar in beiden Richtungen: Ein Teil der Auskunftspersonen gab an, sich an Passagen zu erinnern, die sie gar nicht gelesen hatten (Overclaiming), und ein anderer konnte sich an die Passagen nicht mehr erinnern, die sie dennoch gelesen hatten (Underclaiming).
Wie Werbung wirklich wirktMit diesem Beitrag des Allensbacher Fachjournalisten Wolfgang J. Koschnick setzt die WerbeWoche ihre Artikelreihe zur Werbewirkung fort (Teil 4).
Jeder Artikel dieser Folge will Antworten auf brennende Fragen über den heutigen Wissensstand zur Wirkung von Werbung geben. Das ist durchaus auch als Einladung an die Leserinnen und Leser der Werbe-Woche aufzufassen. Wer Fragen zu Aspekten der Werbewirkung hat, möge sie an uns richten ([email protected]). Wir werden sie gerne nach bestem Wissen beantworten.
Bei der Themenauswahl für diese Serie kann Wolfgang J. Koschnick auf mehrere Hundert wissenschaftliche Untersuchungen zur Werbewirkung zurückgreifen, die in den vergangenen 50 Jahren im In- und Ausland erschienen sind.

Ausserdem: Ab sofort ist Flavia Schlittler zuständig für das Art Buying bei Seiler DDB Zollikerberg, Seiler DDB Bern sowie Ckdt.

Ausserdem Ab sofort ist Flavia Schlittler zuständig für das Art Buying bei Seiler DDB Zollikerberg, Seiler DDB Bern sowie Ckdt. Die 37-Jährige bringt Erfahrungen im Produktions- und Kommunikationsbereich ins Seiler-Kreativteam.

Ausserdem Ab sofort ist Flavia Schlittler zuständig für das Art Buying bei Seiler DDB Zollikerberg, Seiler DDB Bern sowie Ckdt. Die 37-Jährige bringt Erfahrungen im Produktions- und Kommunikationsbereich ins Seiler-Kreativteam.
Die AZ Medien Gruppe hat die Nachfolge von Christian Stärkle geregelt: Per Mitte August wird Florenz Schaffner, zum Leiter der elektronischen Medien ernannt. Derzeit arbeitet er als Abteilungsleiter Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung von Schweizer Fernsehen DRS. Er wird für Radio Argovia sowie die Regionalfernsehsender Tele Tell (Luzern) und Tele M1 (Aarau) verantwortlich sein und bei Tele M1 zugleich Geschäftsführer. Zudem wurde Roland Baumgartner, bisher als Stellvertreter tätig, zum neuen Geschäftsführer von Radio Argovia gewählt.
Maike Juchler übernimmt im April die Verlagsleitung der IDG Communications AG in Zürich. Damit erhält sie die Verantwortung für die Zeitschriften Computerworld und PCtip. Juchler war bisher Verlagsleiterin bei Wir Eltern. Der dritte Schweizer IDG-Titel, der Internet Standard, wird vom eigenständigen Bereich IDG Internet herausgegeben und steht weiter unter der Leitung von Claude Settele.
Die Werbevermarkterin IP Multimedia (Schweiz) hat ihre Verkaufsteams komplettiert. Mehmet U. Inan hat die Stelle des Account Management Directors Radio übernommen.
Eric Lehmann, Präsident der SRG, hat Anfang April den Direktorenposten bei Provins übernommen. Lehmann wird die SRG trotz seiner neuen Aufgaben weiter präsidieren.

News: Blick Online jetzt mit zhol und sobli

Zum fünften Geburtstag am 23. April wird Blick Online umgebaut. Inhaltlich setzt Blick Online neu auf laufend aktualisierte News

Zum fünften Geburtstag am 23. April wird Blick Online umgebaut. Inhaltlich setzt Blick Online neu auf laufend aktualisierte NewsNews Blick Online jetzt mit zhol und sobli
(von 8 bis 20 Uhr) sowie vermehrt auf audiovisuelle Elemente. Die bisher selbstständigen Websites SonntagsBlick Online und Zürich online (ZHOL) werden in Blick Online integriert. ZHOL heisst künftig CityBlick Zürich und soll sich auf lokale Aspekte konzentrieren. Das Konzept sieht eine operative Geschäftseinheit mit 30 Mitarbeitenden vor, davon 24 Journalisten. Geschäftsführer und Chefredaktor wird André Maerz. Die redaktionelle Leitung von Blick Online übernimmt Richard Schmidt, jene von CityBlick Zürich Urs Padel. Die finanziell vom Printprodukt gelöste Unit strebt 2003 den Break-even an.
Ad Link vermarktet Fernsehen.ch
Die Online-Vermarkterin Ad Link besitzt neu Fernsehen.ch in ihrem Portfolio. Fernsehen.ch präsentiert TV-Programmdaten von über 105 europäischen Sendern. Das TV-Programm ist vier bis zehn Wochen im Voraus abrufbar und wird alle zehn Minuten aktualisiert.
Ebookers.ch mit mehr Traffic
Rechtzeitig vor den Osterferien hat die Schweizer Filiale des Onlinereisebüros Ebookers eine Inseratekampagne in den Deutschschweizer Printmedien lanciert. Mit dem Ergebnis der inhouse gestalteten Kampagne zeigt sich Ebookers sehr zufrieden: «Seit dem ersten Tag verzeichnen wir bis zu viermal mehr Besucher auf unserer Website an den Erscheinungstagen und einen markanten Zuwachs der Flugbuchungen», erklärte Marketingmanager Matthias Thürer.
illustrazione ticinese geht zu tredicomDie Verlegerin Tredicom SA in Lugano übernimmt die Anzeigenregie der Illustrazione Ticinese von der Senger Media AG in Zürich. Verantwortlich für Beratung und Abwicklung in der deutschen und französischen Schweiz ist Erhard Grütter. Er war seit über 20 Jahren bei Senger Media AG für den Tessiner Titel zuständig.

Muse & Musse: Michel Corbaz

Muse & Musse Michel CorbazWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Michel Corbaz: Ein Konzert des Gymnasium- und College-Orchesters von Lausanne in Vevey, bei dem meine Tochter Geige gespielt hat.Was lesen Sie ger

Muse & Musse Michel Corbaz
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Michel Corbaz: Ein Konzert des Gymnasium- und College-
Orchesters von Lausanne in Vevey, bei dem meine Tochter Geige gespielt hat.
Was lesen Sie gerade?
Corbaz: Ein sehr theoretisches Buch übers Schachspiel, weil Schachspielen gleichzeitig etwas sehr Rationelles und Kreatives ist.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Corbaz: «Concert by the sea» von Oscar Peterson.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Corbaz: Keinen, ich verbringe meine Zeit lieber damit, neue
Filme zu entdecken.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Corbaz: «Qui veut gagner des millions?» von Jean-Pierre Foucault.
Welche ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Corbaz: Eine neue Image-Datenbank.
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Corbaz: Auf Musik.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Corbaz: Ich zähle bis sechzig.
Liebe ist…?
Corbaz: …wie die Werbung:
einen Traum vermitteln, ohne
dabei die Garantie zu haben, dafür eine Gegenleistung zu bekommen.

Sprachgewirr der Medien

Babylon lanciert ein intermediales Dialogprojekt

Babylon lanciert ein intermediales DialogprojektVon Ernst WeberEs ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, die gegenwärtige Mediensituation als moderne Version des Turmbaus zu Babel zu charakterisieren: Verwirrung herrscht, weil alle von der Entwicklung betroffen sind, aber niemand genau sagen kann, wohin sie führen wird. Nun stellt ein Crossmediaprojekt mit dem sinnigen Namen Babylon 1.7 Transparenz in Aussicht.
Babylon 1.7 ist ein Crossmedia-projekt zur Förderung des offenen Dialoges über die gegenwärtige Mediensituation. Die von einer Arbeitsgruppe Babylon eingerichtete Kommunikationsplattform besteht aus einem Printobjekt mit dem Titel «Liebeserklärung an die Medien» und einem interdisziplinären, interaktiven Webobjekt www.babylon 17.ch.
Während im Printobjekt, das vorerst dreimal pro Jahr erscheinen wird, Gastautorinnen und Gastautoren Inputs für die Auseinandersetzung liefern, stellt die Website ein Forum dar, in dem im gegenwärtigen End-of-Print-Diskurs eine konstruktive, Transparenz schaffende Diskussion über die moderne babylonische Verwirrung anheben soll.
Initiiert wurde das Projekt vom Designer Robert Krügel und vom freischaffenden Werbetexter Roland Müller. Zur Realisierung der Idee hätten sich die beiden im Beisein vor Christoph Müller, Mitinhaber der Druckvorstufenfirma Typolitho, in einer emotionalen Stunde entschlossen, sagt Marianne Egli, Inhaberin der PR-Agentur Union 3 und Mitglied der siebenköpfigen Arbeitsgruppe Babylon, die das Projekt als Trägerschaft «mit Know-how, Fronarbeit und Geld unterstützt».
Den kommunikativen über den kommerziellen Aspekt gestellt
Das Engagement dieser Arbeitsgruppe, die sich ausschliesslich aus Leuten zusammensetzt, die mit der kommerziellen Kommunikation verbandelt sind, erstaunt umso mehr, als es sich bei Babylon 1.7 um ein Experiment handelt: Keiner der Beteiligten weiss genau, was einmal daraus werden wird.
Die Arbeitsgemeinschaft Babylon versteht sich als offener Kreis, der im Wissen wachsen möchte, dass die Entwicklung der Medien ein offener Prozess ist. Die Vision ist nicht, die Verwirrung um alte und neue Medien zu entflechten, sondern als «eine unter vielen Stimmen aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchten zu können, wie sich die verschiedenen Medienwelten gegenseitig befruchten, konkurrenzieren und Neues generieren», heisst es in einer Erklärung. «Die Freude an den Medien, wenn man sieht, dass sich da eine ganze Welt auftut, gibt den Ausschlag, sich zu engagieren», sagt Marianne Egli.
Ein zum besseren Verständnis herausgegebenes Probeheft in der Form einer Tragtasche, das das Projekt physisch vorstellt, stiess an der diesjährigen Leipziger Buchmesse auf reges Interesse. Namhafte Schriftsteller und Medienkoryphäen wie etwa Negro Ponte vom Massachusetts Institute of Technology sagten bereits zu, die angestrebte Diskussion durch eigene Beiträge zu unterstützen.
Babylon 1.7 soll aber weder
a priori ein intellektueller Erguss werden noch sonst in eine abgehobene Geschichte ausarten: «In diesem Gefäss soll wirklich alles Platz haben, was zu einer umfassenden medialen Diskussion gehört», meint Marianne Egli.

Die Pendlerzeitungen grasten ab

Die Gewinner und Verlierer der Wemf-Auflagenerhebung 2001 auf einen Blick

Die Gewinner und Verlierer der Wemf-Auflagenerhebung 2001 auf einen Blickvon Daniel SchifferleDie neuesten Auflagezahlen der AG für Werbemedienforschung (Wemf) belegen es: Im dicht besetzten Schweizer Printmedienmarkt hat sich einiges bewegt. Dies führen der Tages-Anzeiger und die Pendlerzeitungen dramatisch vor. Aber der Wind blies für Zeitungen und Zeitschriften mancherorts auch kräftig aufwärts.
Die Pendlerzeitungen haben einigen Deutschschweizer Zeitungen ganz schön eingeheizt, wie die Wemf-beglaubigten Auflagen 2001 zeigen. Entgegen der Befürchtungen vieler Verlage beschränken sich allerdings die Verluste auf die beiden im Einzugsgebiet der Pendlerzeitungen am meisten verankerten Titel, den Tages-Anzeiger und die Aargauer Zeitung, sowie auf den Blick. Am härtesten getroffen hat es den Tages-Anzeiger, der im ersten vollen Jahr, seit es die neuen Gratiszeitungen gibt, 4,2 Prozent seiner Auflage oder gut 11700 Exemplare eingebüsst hat. Noch nie zuvor hatte das Flaggschiff der Tamedia AG in einem Jahr so viel Auflage verloren.
Für René Gehrig, Chef Verlagsmarketing bei Tamedia, ist der markante Abrutscher allerdings keine Überraschung. «Uns war schon mit dem Start der Pendlerzeitungen klar, dass die regionalen Zeitungen im Einzugsgebiet am meisten betroffen sein werden», sagte er. Befürchtungen, es werde auf Grund der Erfahrungen mit Pendlerzeitungen in Norwegen zu Auflageeinbussen kommen, sind beim Tages-Anzeiger voll eingetroffen.
Und Gehrig erwartet auch fürs laufende Jahr nochmals einen Verlust «in derselben Grössenordnung». Den neuen Gratiszeitungen rechnet die Aargauer Zeitung ebenfalls ihren Auflagenverlust in der Höhe von 1,5 Prozent oder 1550 Exemplaren zu. Besonders entlang der Achse Dietikon-Baden-Lenzburg-Aarau habe sich die neue Konkurrenz niedergeschlagen. In der Kantonshauptstadt Aarau habe ausserdem die «flächendeckende Hauszustellung von Metropol» der Aargauer Zeitung zu schaffen gemacht, begründete die Verlagsleitung den Abwärtstrend.
Gerade noch mit einem blauen Auge ist der Blick aus dem wachsenden Trend zum Gratislesen davongekommen. Seine Auflage schrumpfte lediglich um 1,5 Prozent, was in absoluten Zahlen aber doch 11700 Exemplare ausmacht.
Ein Aufatmen bedeutet die aktuelle Beglaubigung für die meisten anderen Zeitungen im oder an den Rändern des Einzugsgebietes der Pendlerzeitungen, bei deren Start sich auch bei ihnen Angst vor Verlusten breit gemacht hatte. Als resistent hat sich die Neue Zürcher Zeitung erwiesen. Sie baute ihre Auflage im ersten vollen Jahr mit den Pendlerzeitungen sogar um 0,3 Prozent aus. Und der Winterthurer Landbote, ebenfalls im Einzugsgebiet der Pendlerzeitungen, hat sich mit einem Auflagengewinn von 1,8 Prozent bestens gehalten.
Aber auch sonst behaupteten sich die Deutschschweizer Zeitungen nicht schlecht im Rennen um die Gunst ihrer Leserinnen und Leser. Sowohl der SonntagsBlick und die SonntagsZeitung als auch die Berner Zeitung und der Bund konnten leicht zulegen. Sogar happige Auflagengewinne wurden bei den Wirtschaftstiteln realisiert. Die hoch rentable Finanz und Wirtschaft wuchs erneut um 8,9 Prozent. Damit hat der Finanztitel innert nur dreier Jahre mehr als 6000 verkaufte Exemplare hinzugewonnen. Auch Cash war mit einer Auflagensteigerung um 2,1 Prozent klar im Aufwind.
Zu einem Desaster hat sich das letzte Jahr hingegen für Die Weltwoche entwickelt. Ihre Auflage brach um 8,8 Prozent oder um 8000 Exemplare ein. Mit dem zweitgrössten Taucher in der Geschichte des Blattes wurde der leichte Aufwärtstrend der vorangegangen drei Jahre brutal gestoppt.
Weltwoche-Verlagschefin Uli Rubner begründet die neuerliche Talfahrt des Sorgenblattes mit der Abkehr von der früheren Massenstrategie im Marketing. «Statt Auflagensteigerung um jeden Preis wurde ein Teil der Marketingmittel in die Stärkung der Marke umgeschichtet.» (Siehe auch WW 13/01.)
Auch ZürichExpress profitiert von den Pendlerzeitungen
Keine Sorgen plagen die Gratiszeitung ZürichExpress (ZE). Seine Auflage ist um 4,4 Prozent oder fast 8500 Exemplare gewachsen. Und dies trotz oder besser: wegen der Pendlerzeitungen. René Gehrig deutet den fabelhaften Aufwärtstrend so: «Im Grossraum Zürich hat sich ein Markt für Gratiszeitungen entwickelt, von dem auch der ZE profitiert.»
Auf erste offizielle Auflagenzahlen der Pendlerzeitungen wartet man noch vergebens, weil sowohl 20 Minuten als auch Metropol ihre Verteilgebiete in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres weiter ausbauten. Allerdings wird für beide Titel die Stunde der Wahrheit bereits im Herbst schlagen, wenn die Wemf die neuesten Leserschaftszahlen der Schweizer Printmedien veröffentlicht. Bis dahin steht lediglich die Druckauflage als Anhaltspunkt zur Verfügung, die bei beiden um die 310000 Exemplare liegt.
Nicht von Pendlerzeitungen geplagt waren zwar die Westschweizer Zeitungsverleger, trotzdem hat es aber im Gebälk einiger Titel geknarrt. Besonders gelitten hat Le matin dimanche, der
3,3 Prozent oder mehr als 7000 Exemplare eingebüsst hat, und auch die Wochenausgabe von Le matin war mit 3,4 Prozent oder gut 2000 Exemplaren im Krebsgang.
Ob der Verlust allerdings zum Vollwert zu nehmen sei, müsse erst noch abgeklärt werden, relativiert Theo Bouchat, Chef Publikationen bei Edipresse. Im Augenblick seien gerichtliche Ermittlungen zu einer Person im Gange, die regelmässig Zeitungsboxen geplündert habe.
Gut möglich, dass der Ausrutscher damit etwas korrigiert werde, sagt Bouchat. Auch den anderen grossen Westschweizer Zeitungen ging es nicht sonderlich glänzend. Sowohl 24 heures als auch Tribune de Genève mussten Verluste von je 1,3 Prozent einstecken. Deutlich im Rückwärtsgang fuhren aber auch kleinere Titel wie L’Impartial, der 3,6 verlor, oder L’Express, der im vergangenen Jahr 2,6 Prozent weniger Exemplare verkaufte.
Auf- und auch Abwärtstrends in den Zeitschriftenmärkten
Von einigen Turbulenzen gekennzeichnet waren dann auch die Zeitschriftenmärkte. Happige Verluste gab es erneut für Das Beste. Die Auflage der Deutschschweizer Version aus dem Hause Reader’s Digest (siehe auch Seite 3) sank um weitere 1,5 Prozent, die französischsprachige Ausgabe brach sogar um 6 Prozent ein. Nochmals um
3 Prozent nach unten ging es für die Glückspost, deren Auflage ebenfalls bereits seit mehreren Jahren bröckelt. Und auch die Automobil Revue setzte mit einem Minus von 5 Prozent den Abstieg praktisch im Tempo des Vorjahres fort.
Keinen leichten Stand hatten auch die Frauentitel diesseits und jenseits der Sprachgrenze. Das erst wenige Jahre alte Westschweizer Edelweiss hat bereits wieder leicht Auflage eingebüsst. Und bei der Annabelle sank die Auflage ebenfalls um 1,7 Prozent, immerhin deutlich weniger als noch im Vorjahr.
Bös getroffen hat es Meyer’s, das auch im Jahr des Relaunches immer noch schlingerte. Um satte 9,8 Prozent oder mehr als 11000 Exemplare ging es dieses Mal runter. Für Verlagschefin Maya Ziegler ist der Taucher eine Folge der radikalen Neupositionierung des Heftes. «Wir machen jetzt ein Newsmagazin für Family- und Businessfrauen, ein völlig neuer Stil, in dem sich viele ältere Leserinnen nicht mehr wiederfinden können», sagt sie.
Die Folge: Zahlreiche ältere Abonnentinnen, die sich noch mit dem biederen Mode- und Schnittmusterheftli identifiziert haben, kündigten ihre Abos. Mit dem neuen Konzept ist Ziegler aber «sehr glücklich» und überzeugt, dass es das richtige Rezept für die Zukunft sei.
Da rauf, dort runter:
Tamedia im Wechselbad
Überrascht haben auch die Zahlen von Facts. Zwar ist dessen Auflage schon in den beiden Vorjahren nur schwach gewachsen, aber dass es dieses Mal gleich zu einem Taucher um 3,2 Prozent oder
3360 Exemplaren gekommen ist, schmerzt. Doch René Gehrig sieht im ersten Auflagenverlust seit der Lancierung noch keinen Hinweis dafür, Facts könnte den Plafond bereits erreicht haben.
«Der Abrutscher ist ein Effekt des intensiveren Marketings in der Lancierungsphase. Die Auflage wird jetzt lediglich bereinigt.», sagt Gehrig. Der neueste Trend gebe aber wieder zu Optimismus Anlass. Gehrig: «Seit Hannes Britschgi Chefredaktor ist, steigen Rücklauf der Mailings und Umwandlungsquote der Probeabos.»
Voll auf die Bremse getreten ist die Tamedia letztes Jahr mit ihrem bisherigen Auflagensorgenkind Schweizer Familie. Nach dem letztjährigen Fall um 10 Prozent ist es jetzt sogar zu einem hauchdünnen Plus gekommen. Eine kleine Sensation, denn klassische Familientitel sind ein schwieriges Erbe im Zeitschriftenportefeuille der Verlagshäuser. «Der nochmals erhöhte Nutzwert und die Fokussierung auf die Bereiche Natur und Gesundheit kommen an», freut sich Gehrig.
Neben den erwähnten Problemen hatten die Zeitschriften insgesamt aber auch viel Erfreuliches zu bieten. Diverse bereits nicht mehr so junge Titel wie Du, Tierwelt oder Wir Eltern zeigten mit je über 3 Prozent Zuwachs neue Frische. Dem Junior im Deutschschweizer Zeitschriftenmarkt, Gesundheit-Sprechstunde, gelang sogar ein Sprung um 13,3 Prozent oder fast 9000 Exemplare. Und auch der Puls-Tip lag im immer noch steil aufwärts zeigenden Trend der Gesundheitsthemen goldrichtig. Mit zusätzlichen 7400 Exemplaren oder einem Plus von 5,3 Prozent profitierte er nur geringfügig weniger als die Gesundheit-Sprechstunde.
Positive News gibt es bereits von den jüngsten Kindern im Zeitschriftenmarkt. René Schuhmachers Saldo, die werbefreie Konkurrenz zum K-Tip, wird erstmals beglaubigt und schafft es auf Anhieb auf 141275 verkaufte Exemplare. Auf der anderen Seite ist die K-Tip-Auflage nach jahrelangem Aufstieg erstmals um 0,8 Prozent gesunken. Aber das ist noch kein Grund zur Besorgnis, denn mit fast 379000 Exemplaren ist der K-Tip weiterhin souveräner Leader unter den Schweizer Zeitschriften.
Zwar noch nicht Leader unter den Publikationen der Verlagsgruppe HandelsZeitung ist das Anlegermagazin Stocks, aber auch nicht mehr so weit entfernt. In der ersten provisorischen Beglaubigung für die Monate Februar bis März 2001 kommt das Zeitschriftenbaby der Deutschschweiz auf 26996 Exemplare – nur 10000 Exemplare weniger als der grosse Bruder HandelsZeitung, und das bereits im zarten Alter von fünf Monaten.
Das freundliche Klima für Wirtschaftsthemen spürte auch der Westschweizer Bilan, der nach dem Taucher des Vorjahres jetzt um 3,3 Prozent zulegen konnte.
Im Übrigen präsentieren sich die neuesten Zeitschriftenauflagen der Westschweiz als Wechselbad. Als markante Verlierer tut sich dabei nebst Sélection Animan hervor. Beide haben happige 6 Prozent verloren. Bon à savoir mit
5,5 Prozent plus und Générations mit sogar plus 6,8 Prozent waren indessen in Topform.
Im Tessin schliesslich ist die Entwicklung so stabil, dass der Blick über die Alpen kaum Neues bringt. Alle drei Tessiner Tageszeitungen segelten mit leichten Zugewinnen solide im Markt. Für die Gratistitel Il mattino della domenica und Illustrazione Ticinese ging es sogar um je 2,3 Prozent aufwärts.
Ausschlaggebend für Mediaplaner sind die Leserschaftszahlen der Mach Basic. Man darf deshalb gespannt sein auf diesen zweiten Akt im alljährlichen Zahlenspektakel der Printmedien, der im Herbst folgt. Dann auch inklusive Pendlerzeitungen.

Jetzt wirds mit Drive eng im Markt der Golftitel

Diesen Termin fürchten die beiden bestehenden Schweizer Golftitel: Am 27. April lanciert der Verlag St.Galler Tagblatt die erste Ausgabe seines neuen Golfmagazins

Diesen Termin fürchten die beiden bestehenden Schweizer Golftitel: Am 27. April lanciert der Verlag St.Galler Tagblatt die erste Ausgabe seines neuen GolfmagazinsDiesen Termin fürchten die beiden bestehenden Schweizer Golftitel: Am 27. April lanciert der Verlag St.Galler Tagblatt die erste Ausgabe seines neuen Golfmagazins mit dem Namen Drive (siehe auch WW 45/00). Die Auflage von zunächst rund 10000 Exemplaren soll im Abonnement und über den Kiosk an die Leser gelangen.
Bereits im Dezember vergangenen Jahres, als die WerbeWoche erstmals über das neue Zeitschriftenprojekt aus der Ostschweiz berichtete, gingen die Wogen hoch. Sowohl die Herausgeber von Golf & Country als auch von Golf Suisse lamentierten, weder im Publikums- noch im Werbemarkt sei Platz genug für ein weiteres Golfmagazin. Beide befürchteten deshalb einen neuerlichen Verdrängungskampf im (noch) kleinen Schweizer Golfmarkt.
Das neue Drive zielt auf ein breites Publikum. Der routinierte Klubspieler soll sich ebenso angesprochen fühlen wie die Anfängerin, die in der Public-Golf-Anlage auf die Platzreife hin arbeitet. Drive will über das Geschehen in der internationalen und nationalen Golfszene berichten, aber auch die hiesige rasante Entwicklung von der Elitesportart hin zu einem für jedermann zugänglichen Freizeitvergnügen thematisieren.
Zu guter Letzt sollen ebenfalls die von den bestehenden Golfzeitschriften extrem umworbenen Schweizer Golfklubs viel Aufmerksamkeit erhalten – verbunden mit der Hoffnung natürlich, bei dieser für den Erfolg so wichtigen Klientel einen Fuss in die Tür zu setzen. (dse)

Goldene Zeiten für goldene Hasen

WellCome fährt mit der Goldhasen-Promotion in den Top of mind

WellCome fährt mit der Goldhasen-Promotion in den Top of mindRund eine Million Goldhasen in verschiedenen Grössen werden an diesen Ostern über die Ladentische in Schweizer Einkaufstaschen hüpfen und als Produktlinie einen zuckersüssen zweistelligen Umsatzanstieg ins Nest von Lindt & Sprüngli legen – so die Prognosen des verantwortlichen Product Managers Monika Baumberger. Überraschendes Detail: Die Erfolgsstory stammt nicht aus der Schokoladenhochburg Schweiz. Zwar sind die Eidgenossen mit knapp zwölf Kilogramm Schokoladekonsum pro Kopf (2000) mit Abstand Weltmeister, aber die Idee stammt aus Deutschland. Zur Freude der Nachkriegsgeneration brachte Lindt & Sprüngli Deutschland vor gut einem halben Jahrhundert den «Schneehasen» auf den Markt. Vermarktungstechnische Veredelung wie die goldene Verpackung oder das rote Band mit der Schelle verwandelten ihn in den Goldhasen und positionierten diesen im obersten Qualitätssegment, der dem Premiumcharakter des Kilchberger Schokoladenherstellers entspricht. Seit seiner Freisetzung diesseits des Rheins im Jahre 1994 scheint sich Meister Lampe im goldenen Kleid hier zu Lande ganz heimisch zu fühlen.
Doch trotz Produktqualität, starker Markenführung und erfolgreich gesteigerten Bekanntheitsgrades fällt es dem Goldhasen – schon wegen seiner Dimensionen – nicht leicht, im ständig wachsenden Osterspezialitätensortiment aufzufallen. Zudem will man den Goldhasen als Flaggschiff für Lindts Osterpalette pushen.
Flankierend zu Anzeigen, TV-Spots und Sponsoring hat des-halb die Zürcher Agentur WellCom ein Multilevel-Promotionskonzept entwickelt, das zwei Wochen vor Ostern
angerollt ist. Damit will WellCom die
Bekanntheit und Impulskäufe des Goldhasen steigern, das Image des Herstellers im feierlichen Umfeld unterstreichen und festigen sowie durch den Smart-Wettbewerb Adressen generieren.
Um dies zu erreichen, hat das Werberteam mit Medienpartnerschaften (Blick, il caffè della Domenica und Radio NRJ) das Netz für «Die Goldhasen sind los»-Aktion national noch feiner geknüpft. Als Stopper fungieren die Elemente Goldfolie und Glöckchen. Selbst die Promoteams touren mit einarmigen Banditen im Hasenlook durch die Schweiz. So überrascht es wenig, dass die Hauptgewinne ebenfalls im Hopperstil aufkreuzen – mit originalgetreuer Schelle auf dem Hinterteil des Smarts. Luca Aloisi

Aufgefallen: Aufgepasst, hinter dieser Anzeige verbirgt sich mehr, als Sie sehen.

AufgefallenAufgepasst, hinter dieser Anzeige verbirgt sich mehr, als Sie sehen. Denn sie preist nicht nur die Vorzüge für Iglo-Tagliatelle. Sie ist viel mehr. Sie öffnet die Tür zu einem Fotoromanzo der besonderen Art. Darin bekommt der Betracht

Aufgefallen Aufgepasst, hinter dieser Anzeige verbirgt sich mehr, als Sie sehen. Denn sie preist nicht nur die Vorzüge für Iglo-Tagliatelle. Sie ist viel mehr. Sie öffnet die Tür zu einem Fotoromanzo der besonderen Art. Darin bekommt der Betrachter Einblicke in das Alltagsleben von Holger und Max, einem ganz normalen schwulen Pärchen aus Deutschland. Gay Brother lässt grüssen. Wollen Sie wissen, welche Websites die Jungs am liebsten besuchen oder welches ihre Lieblingsfotos sind? Kein Problem. Iglo machts möglich. Und plötzlich wird auch der biederen Hausfrau klar, dass ihr Voyeurismus so gross ist, dass es ihr nichts ausmacht, wenn zwei Männer an der selben Tagliatella kauen (hoffentlich al dente!) und zusammen ihr Leben teilen. Sofern sie es nur im Internet ausleben, ist das schon o.k., oder? Bekanntlich steckt aber in jedem von uns ein kleiner Voyeur…Wer also sehen will, wie die Kuschelecke der beiden Lovers aussieht, kann sich unter www.holgerundmax.de einloggen. Guten Appetit. Und keine falschen Hemmungen, Iglo isn’t watching you. Chandra Kurt
Kolumne

Der Blocher
des Jahres
von Martin Lanz
Das Indianerspielen auf den Juraweiden kostet uns jedes Jahr vier Milliarden Franken. Bezahlen Sie und ich. Ab und zu stirbt auch ein Soldat. Mal verliert er auch nur ein Auge. Mal ein Bein. Eins für den Frieden, eins fürs Liebvaterlandkannstruhigsein.
Aber jetzt weiss das Militär nicht mehr, was es mit sich selber machen soll. Niemand mag uns so richtig bedrohen. Shit. Damit es nicht ganz überflüssig wird, will das Militär ins Ausland. Wer will, darf dort an Konflikten herumflicken.
Gerade dadurch entsteht ein Konflikt. Denn ich bin für jede Art von Öffnung. Aber gegen jede Art von Militär. Und meist bin ich gegen Blocher. Aber jetzt gerade könnt ich ihn knuddeln!
Wenn das Militär im Ausland nichts zu suchen hat, wenn es keinen Beitrag zur Friedenserhaltung leisten darf, wenn es nur hier zu Lande herumgumpen,
-furzen und -ballern darf, hier, wo es überhaupt keinen Sinn macht und Luft und Landschaft zerstört, dann ist das Militär eben sinnlos. Zwingende Logik.
Das weiss Herr Blocher. Aber er darf das im Albisgüetli nicht sagen. Sonst wird er von den Aktivdienstlern gesteinigt. Also sagt er etwas, was die gerne hören. Die Schweiz gehört uns. Und unsere Soldaten gehören der Schweiz. Und was ausserhalb der Schweiz ist, geht uns eh nichts an. Schon gar nicht unsere Soldaten. Applaus!
Blocher freuts. Er weiss, dass er intelligenter ist als die. Dass er dadurch die Armee abschafft. Dass er damit viel Steuern spart. Dass er ein Volksheld wird. Dass er den Friedensnobelpreis erhält. Und dass er zum Blocher des Jahres gewählt wird. Denn er hat begriffen, dass Werbung nicht einfach aus einem Konzeptli besteht. Intelligente Werbung kommt manchmal auf gewundenen Pfaden daher. Erfolgreiche Werbung ist stets auch einfache Werbung. Aber dahinter steckt oft komplexes Denken. Herr Blocher, ich schlage die Haxen zusammen. Salutiere. Briefing verstanden. Angriff lanciert. Armee. Rückwärts. Marsch!
[email protected], Martin Lanz ist freier Texter und Leiter der
Kreativ Akademie Zürich KRAZ
Sprachbeobachter

Aber ganz im Gegenteil
Einige Wörter sind nur noch in ihrer gegenteiligen Bedeutung lebendig. Zum Beispiel der Unfug. Er geht auf den Fug zurück, der noch in der Wendung mit Fug und Recht existiert.
abänderlichablässig
einflippen
antastbar
aufhaltsam
aufhörlich
ausgefleischt
ausstehlich
bändig
bedarft
beholfen
beirrt
beschreiblich
Bill, die
Chalance, die
entwegt
erbittlich
erfindlich
erhört
Euer Hochwohlgestorben
förmig
Fug, der
fürspenstig
Fürsprechanlage
Fürteil, das
gefähr
Geheuer, das
gelenk
Gereimtheiten
Getüm
Geziefer
gezogen
Grobschmecker
Grossod
heilvoll
Hold, der
Kleinmaul
Kontrapaganda
liebsam
Lope, die
nachahmlich
nütz
Poden, die
schätzbar
Schuldsmiene, die
sich kurzweilen
Steueraustreiber
stillbar
Stimmigkeiten
tadelig
Tiefzeit
todeslustig
todesfeige
trüglich
Tugut, der
übelhabend
Überseeboot
übertrefflich
unterdrüssig sein
Unterfremdung
Untermut
unterwältigt sein
verbesserlich
verblümt
verglimpfen
verhofft
verstalten
vertreuen
vorahmen
Wenigsauf, der
widerstehlich
wirsch
zählig
Beat Gloor, www.textcontrol.ch

Die Unsicherheit bleibt

Europäische Werbeauftraggeber und Mediaagenturen äussern sich über Onlinewerbung

Europäische Werbeauftraggeber und Mediaagenturen äussern sich über OnlinewerbungVon Thomas BrenzikoferEine europäische Studie unter Werbeauftragebern und Agenturen zeigt: Onlinewerbung hat viel Potenzial. Allerdings bedarf es noch viel Aufklärung, bis sie sich einen festen Platz im Mediamix gesichert hat. Offenbar weniger entscheidend für Onlinewerber ist die Clickthrough-Rate.
Bei der Onlinewerbung stellt sich nach dem Webhype kein Kater ein: Zu diesem Befund kommt die Studie Online@-trend Europe von Infratest Burke Incom, München. In Auftrag gegeben wurde sie vom deutschen Onlinewerbevermarkter Adlink. Sie basiert auf einer Befragung von 130 Werbekunden und 130 Mediaagenturen in Schweden (40), Deutschland (60), Grossbritannien (60), Frankreich (60) und Spanien (40).
65 Prozent der Auftraggeber und 83 Prozent der Agenturen sind der Ansicht, dass Onlinewerbung stark wachsen wird. Doch etabliert wird Onlinewerbung nicht schon morgen sein, sondern laut Auftraggeber erst in fünf, und nach Meinung der Agenturen erst in vier Jahren. Zu dieser Einschätzung passt auch, dass sowohl über 50 Prozent der Agenturen als auch der Auftraggeber nicht genau wissen, wie man Onlinewerbung in den medialen Kontext einbettet.
Nur eine Tendenz scheint sich zumindest bei den Agenturen abzuzeichnen. So wird Onlinewerbung auf Grund der Schnelligkeit des Mediums und der Zielgruppenaffinität zu jüngeren Nutzergruppen noch am ehesten mit dem Radio und dem Kino in Übereinstimmung gebracht. Allerdings wird von rund einem Drittel der Befragten auch die Artverwandschaft zur Printwerbung genannt. Eine kleinere Rolle spielt dabei das Fernsehen. Dies erstaunt umso mehr, als doch viele Nutzerstudien bislang an den Tag gebracht haben, dass der Fernsehkonsum bei steigendem Internetkonsum abnimmt.
Die Zahl der Klicks spielt
keine so grosse Rolle
Einigkeit herrscht hingegen bei der Wirkungsweise von Onlinewerbung. So sind nahezu 100 Prozent der Befragten überzeugt, dass Onlinewerbung den Traffic auf der Website erhöht. Allerdings kennt die Mehrheit der Auftraggeber, aber auch knapp die Hälfte der Agenturen, die durchschnittliche Klickrate einer Onlinekampagne gar nicht.
Entsprechend werten nur gerade knapp die Häfte der Auftraggeber und sogar weniger als die Häfte der Agenturen das Pay-per-Click-Verhältnis als Entscheidungskriterium für die Belegung einer Website. Für die meisten sind die Reichweite und die Visits sowie der Tausenderkontaktpreis als Entscheidungsträger massgebend.
Nahezu 100 Prozent der Agenturen geben an, dass kundenseitig Onlinewerbung selten abgelehnt werde, wenn sie als Werbemassnahme empfohlen wird. Die Mehrheit der Agenturen hat auch bereits einen Mediaplan ausgearbeitet, aber für die Umsetzung vom Kunden noch kein grünes Licht erhalten. Daraus zieht die Studie den Schluss, dass sich viele Onlinebudgets noch im Schwebezustand befinden.
Der Grund dafür liegt darin, dass den Auftraggebern die wichtigsten Researchdaten etwa zur Zielgruppenreichweite fehlen. Auch marktakzeptierte Planungs- und Analysesysteme werden vermisst. Gleichzeitig geht die Studie davon aus, dass die Onlinewerbebudgets sprunghaft zulegen würden, wären die notwendigen Voraussetzungen für die Entscheidungsfindung vorhanden.
Anders sieht diese Situation bei den Agenturen aus. Dort geben doch deutlich weniger als
50 Prozent an, dass ihnen die nötigen Analysetools fehlen. Darin ortet die Studie ein Defizit beim Know-how-Transfer von Agentur zum Auftraggeber und zieht den Schluss, dass die Onlinewerbung ihren festen Platz im Onlinewerbemix erst finden wird, wenn dort, wo die Mediainvestitionen abschliessend entschieden werden, die Unsicherheit überwunden ist.
Die Wirkungsweise von Onlinewerbung wird zwar von den Agenturen und den Auftraggebern (an)erkannt. Dennoch stecken die meisten von ihnen immer noch in der Pionierphase und erachten Onlinemedia als Experimentierfeld.
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