News: Impiric gewinnt Dialogetat der Lufthansa

Impiric Deutschland wird weltweite Leadagentur für Dialogmarketing der Lufthansa Passage Airline, des Geschäftsbereichs Linienluftverkehr beim deutschen Flugkonzern.

Impiric Deutschland wird weltweite Leadagentur für Dialogmarketing der Lufthansa Passage Airline, des Geschäftsbereichs Linienluftverkehr beim deutschen Flugkonzern.News Impiric gewinnt Dialogetat der Lufthansa
Der achtstellige Etat umfasst umfangreiche Beratungs- und Konzeptionsarbeiten sowie die Entwicklung und Produktion von integrierten Kampagnen in allen Medien.
Gateway vergibt Media an InitiativeDer US-Computerhersteller Gateway hat sein gesamtes Mediabudget zu Initiative Media verschoben. Bisher wurde der auf 250 Millionen Dollar geschätzte Etat von Universal McCann betreut. Im Februar lud Gateway vier Agenturen zum Pitch, nachdem bereits der Kreativetat von McCann-Erickson abgezogen worden war. Universal durfte sich am Pitch beteiligen.
Dell konsolidiert bei OmnicomDer Computerkonzern Dell konsolidiert seine weltweiten Werbe- und Mediabudgets bei den Omnicom-Agenturen DDB und OMD. DDB Chicago verantwortet künftig die Kreation für Dell. Die Agentur setzte sich im Pitch gegen Lowe Lintas durch, die bisher das Retailgeschäft des Konzerns betreute. DDB übernimmt auch den Corporate-Branding-Etat, für den zuvor ihre Schwesteragentur BBDO zuständig war. US-Branchenkenner schätzen das konsolidierte Budget auf 150 bis 200 Millionen Dollar.
Guinness ist clio-Advertiser of the YearDer britische Bierkonzern Guinness ist Werbetreibender des Jahres 2001 der Clio Awards. «Seit mehreren Jahren haben unsere Jurys Guinness regelmässig mit Gold-Clios für seine Print- und TV-Werbung ausgezeichnet», heisst es in der Begründung. Guinness hatte kürzlich seine weltweiten Budgets bei Abbott Mead Vickers BBDO und Saatchi & Saatchi konsolidiert; in der Ehrung werden aber ausdrücklich auch die früheren Agenturen HHCL, Weiss Stagliano und Ogilvy & Mather erwähnt.

«Unser Anspruch ist derselbe, den die NZZ auch hat»

Daniel Weber, Redaktionsleiter NZZ Folio, über den Werbeauftritt seiner Zeitschrift

Daniel Weber, Redaktionsleiter NZZ Folio, über den Werbeauftritt seiner Zeitschrift«Unser Anspruch ist derselbe, den die NZZ auch hat»
Rund vier Jahre fragte eine Kampagne für die NZZ-Beilage Folio nach dem Erscheinungstermin der Zeitschrift. Nun positioniert ein neuer Auftritt die journalistische Leistung der NZZ-Folio- Journalisten, indem sie diese mit der Leistung anderer Jounalisten vergleicht und den Betrachter auffordert, den Unterschied zu lesen. Redaktionsleiter Daniel Weber sieht in diesem elitären Ansatz lediglich einen Spiegel, der das Selbstverständnis der Zeitschrift ausdrückt.
Was ist es für ein Gefühl, Redaktionsleiter der Schweizer Elitezeitschrift schlechthin zu sein?
Daniel Weber: Elitezeitschrift schlechthin ist ein grosses Wort, aber es ist natürlich ein gutes Gefühl. NZZ Folio wird im nächsten Sommer zehnjährig. In dieser Zeit haben wir uns auf eine überzeugende Art etabliert. Bei den Lesern bereits sehr früh, in der Werbewirtschaft dauerte es ein wenig länger. Aber das ist normal. Inzwischen kann man sagen, dass sich NZZ Folio als Titel klar durchgesetzt hat. Ein sehr schönes Gefühl ist es ebenfalls deshalb, weil wir weitgehend noch dasselbe Team wie zu Beginn sind. Wir alle glauben, gemeinsam etwas geleistet zu haben.
Für wen schreiben Sie NZZ Folio?
Weber: Diese Frage haben wir uns vor allem zu Beginn gestellt. Wir richten uns nicht an eine eng fokussierte Zielgruppe, sondern stehen dazu, auch eine Beilage der NZZ zu sein. Unsere Leserschaft ist zwar nicht deckungsgleich, aber unser Anspruch ist derselbe, den die NZZ auch hat. Das bringt natürlich einen leicht elitären Charakter mit sich.
Unser Konzept ist es, breiter an die Stoffe heranzugehen, als es eine Zeitung kann, die im Tagesrhythmus produziert wird. Wenn wir etwa das Thema Gentechnologie behandeln, dann wollen wir diesen Stoff einerseits so aufarbeiten, dass ihn allgemein interessierte Leser verstehen. Andererseits muss er von der Qualität her so solide sein, dass wir auch vor den Spezialisten bestehen.
Weshalb positioniert die aktuelle NZZ-Folio-Werbung Ihr Magazin als das Mass aller journalistischen Dinge?
Weber: Ich bin nicht sicher, ob man das so sagen kann, und möchte auch nicht, dass man das so sieht. Es ist sicher eine selbstbewusste Kampagne, doch sie ist nicht arrogant und soll auch nicht überheblich sein. NZZ Folio ist aber schon ein wenig eine spezielle Publikation: Beilagen erscheinen in der Regel wöchentlich, NZZ Folio aber monatlich. Ferner sind wir ein Schwerpunktheft. Wir behandeln wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Themen, sind aber weder Wirtschaftsheft noch Kulturzeitschrift noch Wissenschaftsmagazin. Zu Beginn wurde es vor allem von unserem Verlag ein wenig als Handicap empfunden, dass die Zeitschrift nicht richtig einzuordnen war. Versucht man die Fakten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen, dann ist NZZ Folio einfach anders. Dieses Verständnis setzte die Werbeagentur im Claim «Lesen Sie den Unterschied» um, der an sich eine neutrale Formulierung ist, die lediglich aussagt, dass es einen Unterschied gibt.
Die Kampagne spricht von NZZ-Folio-Journalisten und von irgend andern Journalisten. Zweifeln Sie die Leistung der Kollegen an, die nicht für NZZ Folio schreiben?
Weber: Nein, nein, und auf gar keinen Fall möchte ich, dass man einen derartigen Sinn aus dem Auftritt mitnimmt. Ich könnte umgekehrt sagen: «Wenn jemand die Kampagne so versteht, dann hat er ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl.» Es gibt unzählige Möglichkeiten, eine Kampagne zu lesen und zu verstehen. Der Claim «Lesen Sie den Unterschied» kann auch bedeuten, es gibt einen Unterschied in der Art, wie wir die Themen aufbereiten, in der Art, wie wir einem Autor die Möglichkeit geben, Zeit in eine Geschichte zu investieren, in der Art, wie wir mehrere Autoren miteinander kombinieren, weil wir eben ein Themenheft sind. Wir schreiben nicht jeden Monat irgendeine schöne Geschichte, die wir mit ein wenig Gemüse garnieren, sondern wir bringen zu jedem Thema ein Dutzend Geschichten. Als Ganzes versucht jedes Heft einem Thema gerecht werden. Das ist meine Art, diese Kampagne zu lesen. «Lesen Sie den Unterschied» heisst nicht: Die anderen können es weniger gut, sondern: Durch den aufgezeigten Kontext bekommen die Geschichten in NZZ Folio eine andere Farbe. Wir trumpfen in dieser relativ diskreten Kampagne eben gerade nicht auf. Wir sagen nur: «Es gibt einen Unterschied, und den kann man lesen.» Klar ist das eine Behauptung, aber auch eine Einladung, das zu überprüfen.
Auf welches Echo stösst die Kampagne beim Publikum?
Weber: Die Reaktionen stammen von langjährigen NZZ-Folio-Lesern. Die finden, das sei gerade nach der letzten Kampagne ein munterer und amüsanter Auftritt.
Das 10-Jahre-Jubiläum steht vor der Tür. Welche Änderungen planen Sie?
Weber: Eine Stärke von NZZ Folio ist, dass es über diese zehn Jahre konstant geblieben ist. Auch im äusseren Auftritt. Wir haben vor gut zwei Jahren zwar eine leichte Renovation vorgenommen, hatten aber nie das Gefühl, dass wir bei null beginnen müssten. Als wir starteten, setzten wir bewusst einen Kontrapunkt zu den Stadt-, Trend- und Lifestylemagazinen, die es damals gab. NZZ Folio sollte eher klassisch aussehen. Wer uns böse wollte, nannte es altmodisch. Aber das nahmen wir in Kauf. Inzwischen hat man Strömungen kommen und gehen sehen. Tendenziell geht die Zeitungssprache gestalterisch eher wieder auf ruhigere, klassischere Formen zurück, sodass wir ein wenig die Avantgarde waren. Was sich ebenfalls nicht ändern wird, ist der Umstand, dass wir ein Themenheft sind. Dieses Konzept hat sich eingebürgert und bewährt. Es wäre ein Blödsinn, davon wegkommen zu wollen. Ferner scheint uns der Monatsrhythmus immer noch sehr gut zu funktionieren. Eine kürzere Kadenz wäre für den Leser wahrscheinlich zu viel. Meines Wissens werden die Hefte ziemlich lange genutzt und aufbewahrt. Wir haben nicht den Eindruck, uns auf das 10-Jahre-Jubiläum hin ein neues Gesicht geben zu müssen. Interview: Ernst Weber

Bruno Widmer tritt zurück

Nach drei Jahren Amtszeit tritt Bruno Widmer Ende April als Chairman von Young & Rubicam Europe, Middle East and Africa zurück.

Nach drei Jahren Amtszeit tritt Bruno Widmer Ende April als Chairman von Young & Rubicam Europe, Middle East and Africa zurück.Das Amt des CEO gab er bereits 2000 an Bert Meerstadt weiter. Widmer bleibt Vorsitzender von Y&R Schweiz und VR-Präsident von Advico Young & Rubicam.

«Ich werde ein Alkoholwerbeverbot bei Sportanlässen thematisieren»

Heinz Keller vom Bundesamt für Sport erwägt ein Alkoholwerbeverbot in Stadien

Heinz Keller vom Bundesamt für Sport erwägt ein Alkoholwerbeverbot in Stadien«Ich werde ein Alkoholwerbeverbot bei Sportanlässen thematisieren»
Wie lässt sich Gewalt in Sportstadien eindämmen? Nach den Ausschreitungen in Lugano am 7. April präsentierte Heinz Keller, Direktor des Bundesamtes für Sport, fünf Ideen, darunter auch ein Alkoholverbot in Stadien. Ein Alkoholwerbeverbot will er ebenfalls zur Sprache bringen. Am 8. Mai werden seine Ideen diskutiert.
Herr Keller, bei Ihrem Fünf-Punkte-Katalog berufen Sie sich auf eine Europaratskonvention. Was besagt diese?
Heinz Keller: Die fünf Punkte sind eigentlich eine Zusammenfassung jener Konvention, die nach dem Drama im Brüsseler Heysel-Stadion 1985 zu Stande kam und von der Schweiz 1990 ratifiziert wurde. Sie verlangt unter anderem, dass die Abgabe alkoholischer Getränke bei internationalen Sportbegegnungen und Nationalligen verboten oder zumindest reduziert wird.
Ist in der Konvention auch von einem Alkoholsponsoring- oder
-werbeverbot die Rede?
Keller: Nein, nicht direkt. Es geht nur um den Konsum und den Verkauf von Alkoholika.
Wie verbindlich sind solche Konventionen?
Keller: Ihnen kommt eigentlich in jedem Land Gesetzesstatus zu. Allerdings enthält jede Konvention die Formulierung, dass «die Staaten im Rahmen ihrer Möglichkeiten» handeln sollen. Damit ist natürlich die ganze Verbindlichkeit dahin. Doch das gemeinsame Credo bleibt. Zudem hat die Uefa alle diese Forderungen übernommen und macht sie bei ihren Spielen zur Bedingung.
Ist der Alkohol die Ursache für Gewalt bei Sportanlässen?
Keller: Nein, er ist das sekundäre oder gar tertiäre Motiv, und zwar nicht einmal bei den Hooligans selbst, sondern bei Zuschauermitläufern. Wenn in einem Stadion Gewalt ausbricht und einige Zuschauer alkoholisiert sind, kippen diese eher auf die Seite der Gewalttäter als Nichtalkoholisierte.
Wünschen Sie denn auch ein Alkoholverbot an Sportanlässen ausserhalb von Stadien?
Keller: Dafür gibt es keine gesetzliche Grundlage, zudem wäre dies nicht durchsetzbar. Der Sport sollte aber selbst die Botschaft verbreiten, dass sich Aktivsport und Alkohol ausschliessen. Jedenfalls sollte er nicht den Alkoholgenuss initiieren.
Nun sind aber die Sportverbände diesbezüglich befangen, wenn man an deren Einnahmen durch Sponsoring und Bandenwerbung von Feldschlösschen, Cynar oder Martini denkt.
Keller: Genau deshalb muss ich als staatlicher Vertreter dieses Thema einbringen.
Fordern Sie ein eigentliches Alkoholwerbeverbot bei Sportanlässen?
Keller: Ich werde das sicher thematisieren. Aber es ist klar: Weil der Staat nicht mit den entsprechenden Ersatzfinanzen einspringt, ist er an einem kurzen Hebel.
Um wie viel Geld geht es denn?
Keller: Von den geschätzten 350 Millionen Franken, die pro Jahr in der Schweiz allein durch Sportsponsoring zusammenkommen, dürfte das Sponsoring durch Alkohol- und Zigarettenmarken etwa 50 bis 100 Millionen Franken ausmachen.
Wie reagierten die Spitzenvertreter der Sportverbände auf das Thema Alkoholverbot?
Keller: Alle, die am Osterdienstag am Gespräch teilgenommen haben, sind einhellig der Meinung, dass Alkohol kein Motiv sein darf, um an eine Sportveranstaltung zu gehen. Zudem wollen alle den Alkoholkonsum auf einem möglichst tiefen Niveau halten. Meine Rolle als Vertreter des Staates ist es nun, darüber hinaus zu verlangen, dass Sport und Alkohol gar nichts miteinander zu tun haben sollten. Und diese Rolle will ich auch spielen.
Halten Sie es denn für möglich, dass die Sportverbände innerhalb nützlicher Frist selbst auf Alkoholsponsoring und -werbung verzichten können und wollen?
Keller: Ich halte es für möglich, dass die Sportverbände ihre Mitglieder zu einem massvollen Alkoholkonsum anhalten. Zweitens haben auch die Alkoholsponsoren ein Interesse daran, dass speziell im Sport ihre Getränke nur mit Mass konsumiert werden. Deshalb werden sie einsehen, dass ein sportfreundliches Sponsoring nicht einen möglichst hohen Alkoholkonsum erzielen will. Sondern dass es etwa darum gehen könnte, Alkoholika als Getränke zu bewerben, die nach dem Spiel – in guter Atmosphäre – konsumiert werden sollten. Und drittens liegt es im Interesse der Sponsoren, dass sie keinen penetrant negativen Auftritt im Zusammenhang mit Gewalt erleben. Deshalb habe ich sehr viel Hoffnung, dass wir mit den Sportverbänden und den Sponsoren einen gemeinsamen Weg gehen können. Interview: Markus Knöpfli
Fünf Vorschläge gegen Gewalt in den Stadien

1. Generelles Alkoholverbot in allen Stadien
2. Konsequentere Zutrittskontrollen bei den Stadien
3. Sanktionen und Durchführungsverbote für nachlässige Organisatoren
4. Clubs sollen Fanarbeit ernster nehmen
5. Stadienverbot und Strafen für bekannte Randalierer

Brillanten für Freunde

In Toronto erregt ein Juwelier mit einer Werbekampagne mit schwulem Touch Aufsehen

In Toronto erregt ein Juwelier mit einer Werbekampagne mit schwulem Touch AufsehenVon Werner CatrinaHenry Birks & Sons, Kanadas ältestes Juweliergeschäft, betritt für die Branche Werbeneuland und wirbt in seinen Schaufenstern mit verliebten homosexuellen Pärchen. Die Kanadier finden nichts Anstössiges dabei und loben die Kampagne.
«Lovers» lautet der prägnante Slogan in den neu gestalteten Schaufenstern des kanadischen Juweliers Birks. In einem roten Herzen ist ein strahlender jüngerer Mann abgebildet, der seinem glücklichen älteren Freund den Arm um die Schulter legt. Dazu werden eine männlich gestylte Uhr, ein schwarzes, dem Schweizer Militärmesser nachempfundenes Sackmesser mit silbernen Klingen und funkelnde Manschettenknöpfe drapiert. Das nächste Schaufenster zeigt zwei Frauen in ähnlich verliebter Pose, dazu eine Halskette und eine Brosche – mehr nicht. Und so geht es weiter die ganze Schaufensterfront der eleganten Bloor Street in Toronto entlang.
Über Nacht hat die erfrischend tolerante und natürliche Kampagne landesweit Aufmerksamkeit erregt und ein unisono wohlwollendes Presseecho ausgelöst. Die grösste kanadische Zeitung, The Globe And Mail, wies gar mit einem Aufmacher auf der ersten Seite und einem Bericht im Innern des Blattes auf die Kampagne hin und multiplizierte damit die Wirkung der Schaufenster enorm.
«Birks versucht, aus dem konservativen Denkschema auszubrechen», erklärt Mary Olivier, Managerin bei der Schmuckfirma, «aber nicht auf schockierende Art. Diese Kampagne handelt von wirklichen Menschen, ihr Anliegen ist echte Kommunikation.»
Erfreut reagierten die direkt Angesprochenen. «Es ist wirklich schön zu sehen, dass ein doch eher traditionsorientiertes Juweliergeschäft wie Birks jetzt anfängt, über etwas nachzudenken, was die kanadische Gesellschaft längst akzeptiert hat», erklärt Dirk Gallagher, ein Vertreter der Gay Community in Toronto, «lasst uns alle Kanadier gleich behandeln!»
Henry Birks & Sons ist Kanadas ältestes Juweliergeschäft. In den frühen Neunzigerjahren wirtschaftete das etwas verstaubte Haus am Rande der Pleite herum und wurde dann an die italienische Holding Iniziativa Regaluxe verkauft, was Restrukturierungen und einen starken Innovationsschub auslöste.
Birks profiliert sich jetzt als Trendsetter des teuren Luxusschmuckes. Wie die Managerin erklärt, hat sich die Kundschaft in den letzten Jahren stark verjüngt; der Altersschwerpunkt liege jetzt zwischen 34 und 54 Jahren, stellt Mary Olivier fest.
Ein vollkommen neues Image für die Juwelenbranche
Marketing und Werbung mit Gay-Thematik sind in Kanada nichts Neues; für Gold und Edelsteine bedeutet diese Kampagne im nordamerikanischen Land jedoch eine Premiere. Wie eine kleine Umfrage von The Globe and Mail zeigte, identifizierten manche Betrachter das Männerpaar überraschenderweise als Vater und Sohn. Und eine Passantin gab zu Protokoll: «Ich sehe zwei gute Freundinnen, sicher keine Lesben!»
Mary Olivier findet das alles spannend: «Man sieht das, was man sehen will.» Einen Fluchtweg liessen die Dekorateure von Birks im Übrigen noch offen. Die Displays können je nach Bedarf gedreht werden: auf der Hinterseite der Herzen sind wahlweise eine Mutter mit Kind und ein älteres Paar zu sehen. Mit dem passenden Schmuck, versteht sich.

Auch Werbung gehört ins Museum

In Paris zeigt das Musée de la publicité eine sehenswerte Ausstellung zur Geschichte der Werbung

In Paris zeigt das Musée de la publicité eine sehenswerte Ausstellung zur Geschichte der WerbungVon Andreas PanzeriWas in der Schweiz noch ein Traum in den Köpfen von einigen geschichtsbewussten Kreativen ist, hat in Paris bereits Gestalt angenommen: das Musée de la publicité. Jetzt lockt die reiche Sammlung mit der ansonsten schnell vergänglichen Alltagskunst zu einer Sonderschau «250 ans de pub». Paris ist für Werber eine Reise wert. Ganz sicher noch bis 14. Oktober.
Mona Lisa hat gut lächeln. Wenn jetzt die Touristenströme sich wieder endlos vor dem Louvre stauen, kann die Grande Dame der Kunst trotzdem gute Laune bewahren. Seit Mitte März weiss da Vincis Mona nämlich: Es gibt auch Alternativen zum stundenlangen Schlangestehen vor ihrem Konterfei. Gleich um die Ecke zur Glaspyramide des Louvre, an der Rue de Rivoli 107–111 nämlich, befindet sich die Union centrale des arts décoratifs. Und darin ist neben einem Musée de la mode et du textile im obersten Stock auch ein Musée de la publicité eingerichtet.
Zwar hat dieses junge Museum bis jetzt noch wenig Aufsehen
im grossartigen Stil des Louvre oder des Centre Pompidou erregt. Mit der im März eröffneten und noch bis 14. Oktober dauernden Ausstellung «250 ans de pub» könnte sich das aber ändern. Auch wenn nicht ein da Vinci, sondern nur ein gewisser Jean Nouvel die Innendekoration des Werbemuseums als Architekt gestaltet hat.
Eröffnet wurde das sieben Räume plus «Trend»-Bar und Médiathèque umfassende Kleinod im November 1999. Als Vorläufer existierte bereits seit 1978 in Paris ein Musée de l’affiche. Seine Bestände sind nun vom Museum der Werbung übernommen worden, ergänzt mit einer umfangreichen Sammlung von Spots, Verpackungen und anderen medialen Dokumenten.
Klimt, Toulouse-Lautrec,
Warhol – alle sind sie da
50000 historische Plakate von Henri de Toulouse-Lautrec bis Gustav Klimt und 50000 zeitgenössische Affichen für Perrier über Andy Warhol bis Benetton sind inventarisiert. Diese werden ergänzt von 10000 Werbespots aller Epochen, gedreht unter anderen von Federico Fellini bis Ridley Scott. Dazu kommen täglich neue Sammelstücke von Emailplaketten über Fotos und Anzeigen bis Radiospots, Werbegeschenke und andere Promotionsartikel zur Geschichte und Zukunft der Marken.
Mit seiner umfangreichen Sachbibliothek sowie den modernsten interaktiven Möglichkeiten auch für berufsspezifische Forschungsarbeiten im Archiv gilt das Pariser Musée de la publicité als bisher einmaliges Pionierprojekt in der internationalen Welt der Werbung. Geleitet wird das Museum von Réjane Bargiel. Als Sponsoren agieren die namhaftesten französischen Werbeagenturen. Dem französischen Art Directors Club dienen die Ausstellungsräume regelmässig als Treffpunkt für jede Sorte von Veranstaltungen.
Das Museum zeigt mehrere Wechselausstellungen pro Jahr. Unter dem Titel «250 ans de pub» ist nun die bisher umfangreichste Show gestaltet worden. Die chronologisch aufgebaute Dokumentation gliedert die Werbezeit in sechs Abschnitte mit immer kürzer werdenden Intervallen bis zum schliesslich aktuellsten Kapitel «1990–2000». Die Ausstellung beschränkt sich ausschliesslich auf die Geschichte der Werbung in Frankreich. Trotzdem wirkt sie sehr repräsentativ.
Der erste Raum, «1750–1880», erzählt in einer Tonbildschau die Anfänge der Werbung mit dem Herold, der erstmals 1180 königliche Befehle ausgerufen und ab 1415 auch Waren angekündigt hat. Seither ist das Verkaufen von Konsumgütern immer auffälliger mit einer kunstvollen und immer raffinierteren Anpreisung einhergegangen.
Eine eigentliche Geburtsstunde der Werbung war schliesslich 1722 die Gründung der Corporation des afficheurs, verbunden mit dem offiziellen Recht zum Drucken und Aufhängen von Plakaten.
Bereits 1857 gab es in Frankreich ein Marken-Gesetz, «loi sur la marque de fabrique». Interessant für heutige Vergleiche: Bereits 1865 füllten die Anzeigen ein Drittel des gesamten Raumes in Pariser Zeitungsspalten aus.
Mit solchen und anderen überraschenden Details bewegt sich die Ausstellung zu den Plakaten von Toulouse-Lautrec in der Epoche «1880–1920». Eine erste Fachzeitschrift La Publicité wurde 1903 gedruckt. Erste Fachbücher wie «La publicité suggestive et raisonnée» wurden in jener Pionierzeit gelesen. Bereits 1889 fand die erste Pariser Plakatausstellung statt.
«1920–1950» zeigt Bilder vom Eiffelturm, der 1925 von Citroën im Rahmen eines ersten «Event Marketing»-Anlasses farbig illuminiert worden ist. Ein Jahr später wurde die Agentur Publicis gegründet.
Geschichte wird in den
sozialen Kontext eingebettet
All diese Geschichten sind nicht nur mit zahlreichen Fotos und vielen originalen Plakaten und Dokumenten illustriert. Für jede Epoche ist jeweils auch ein Videofilm mit historischen Aufnahmen zur Zeit sowie nostalgischen Impressionen gestaltet worden. Besonders dankbar zeigt sich neben den wilden Dreissigerjahren natürlich das Aufkommen der Kinowerbung in der Epoche «1950–1970». Die Gestalter durften damals in einem alten Film für Mineralwasser von Vittel noch herrlich lang in schönen Bildern schwelgen.
Auch bei der ersten TV-Übertragung der Tour de France sind die Fahrer noch ziemlich gemütlich durch die Landschaft geradelt. Dann aber wird die Kadenz immer schneller.
  Der Raum «1970–1990» macht auch mit seiner kaum mehr überblickbaren Informationsmenge deutlich, dass jetzt die Werbeausgaben seit dem Beginn der Fünfzigerjahre bis 1970 auf das Fünffache angestiegen sind. Inhaltlich spiegelt sich die immer stärker werdende Macht der Werbung in immer mehr Fusionen unter den Agenturen.
Im Internet lässt sich der
Museumsbesuch vorbereiten
Im Vergleich zu den Anfängen wird notgedrungen nur noch rudimentär die letzte Epoche von «1990–2000» erzählt. Nicht nur die Benetton-Plakate sind dem Publikum bereits vom Alltag her bestens bekannt. Wie diese aktuelle Zeit mit ihren täglich neuen Errungenschaften auch auf dem Gebiet der interaktiven Medien mit der Werbung in Verbindung gebracht werden kann, zeigt deshalb eindrücklicher die Médiathèque beim Eingang der Ausstellung neben dem «Trend»-Café. Hier können interessierte Besucherinnen und Besucher stundenlang in allen Eingeweiden der umfangreichen Sammlung des Museums surfen.
Ein Teil davon kann auch über Internet unter www.museedela pub.org abgerufen werden. Auf der Homepage des Museums befinden sich ebenfalls Details zu den täglichen Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonntag.

Schweizer Werber gewinnen zwei Print-Clios

Schweizer Werber haben an der 42. Verleihung der Clio Awards zwei Preise in der Kategorie Print gewonnen.

Schweizer Werber haben an der 42. Verleihung der Clio Awards zwei Preise in der Kategorie Print gewonnen.Diese werden am 23. Mai in Miami überreicht. Ermittelt wurden die Sieger ebenfalls in Miami von einer aus 14 Mitgliedern bestehenden internationalen Jury, in der die Schweiz durch Frank Bodin, CEO Euro RSCG, vertreten war. Vergangenes Jahr holte die Schweiz drei Print-Clio-Awards.Die siegreichen Printarbeiten wurden aus 8200 Einsendungen bestimmt, von denen es rund 1000 auf die Shortlist schafften. «Noch nie wurden so viele Print-Entries wie dieses Jahr verzeichnet», erklärte Bodin. Insgesamt kamen 13 Schweizer Beiträge zu Shortlist-Ehren: Von AY&R die SMP-Sujets «Open air» und «Bremer Stadtmusikanten», die Motive «Wegweiser» und «Recycling» aus dem Flims-Laax-Falera-Auftritt sowie die Kampagne «Weltliteratur» (VBZ) und die Kuoni-Plakate. Ebenfalls mit mehreren Arbeiten wurde McCann-Erickson nominiert: mit dem für Caritas gestalteten «Rubbel-Plakat» sowie mit den Sujets «Geneva–Brüssel» (SBB), «Gepäckband» (Microsoft), «Cinderella» (Opernhaus) und «Gravestones» (Suva). Des Weiteren in die Kränze kamen Honegger von Matt mit einem Inserat für Zelo Hairstylist und Seiler DDB, Zollikon, mit der Anzeige «Unforgettable Days» (Hotel Eden). (ew)

Aufsteller: Roland Wahrenberger: «Lückenhaft»

Aufsteller«Lückenhaft»Ist für Sie das neue Programmheft TVvier ein Aufsteller oder ein Absteller?Roland Wahrenberger: Weder noch. Es ist schlicht ein neuer Mitbewerber, der den Markt beleben wird. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es schwie

Aufsteller«Lückenhaft»
Ist für Sie das neue Programmheft TVvier ein Aufsteller oder ein Absteller?
Roland Wahrenberger: Weder noch. Es ist schlicht ein neuer Mitbewerber, der den Markt beleben wird. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es schwierig ist, ein Programmheft vier Wochen im Voraus zu machen. Denn vor allem die privaten Stationen wissen in der Regel erst eine oder zwei Wochen vorher, was sie senden werden. Wenn man aber sechs bis acht Wochen im Voraus produzieren muss, hat man ein Heft, in dem vieles nicht mehr aktuell ist. Wir werden sehen, wie dieses Problem gelöst wird.
Sie rechnen nicht damit, TVvier könnte den bestehenden Programmheften Leser wegnehmen?
Wahrenberger: Anfänglich vielleicht schon. Aber viele Leser werden auf die klassischen Programmhefte zurückkommen, denn TVvier ist vor allem im Bereich der Lokalsender unvollständig.
Haben Sie keinerlei Sorgen, die billige Machart von TVtäglich könnte sich nun rächen und den Markteintritt für einen neuen Konkurrenten einfach machen?
Wahrenberger: Der grosse Vorteil von TVtäglich: Es ist kostenlos und liefert dieselbe Datenqualität wie Tele oder die anderen Programmzeitschriften. Ein Relaunch von TVtäglich wurde übrigens schon eingeleitet, bevor das Projekt TVvier überhaupt bekannt war. Das Layout werden wir so verändern, dass die Übersichtlichkeit noch steigt.
Wie lange geben Sie TVvier?
Wahrenberger: Keine einfache Frage, zumal ich weder die Leute kenne, die hinter dem Produkt stehen, noch etwas über deren finanzielle Möglichkeiten weiss. Rufen Sie mich doch in einem Jahr wieder an.
Interview: Daniel Schifferle

News: Berner Woche neu im Internet

Die Berner Woche (www.berner woche.ch), Ausgehmagazin des Berner Bundes, ist jetzt online abrufbar:

Die Berner Woche (www.berner woche.ch), Ausgehmagazin des Berner Bundes, ist jetzt online abrufbar:NewsBerner Woche neu im Internet
Unter «Agenda» sind die wichtigsten Veranstaltungen zu finden, unter «Szene» Beiträge zum Berner Kulturgeschehen, und «Cinema» enthält die Kinoprogramme aus dem Kanton Bern.
Best-of-Swiss-Web-Gütesiegel-verleih20 Websites haben das Best-of-Swiss-Web-Gütesiegel erhalten. Die Gewinner sind beyoo.ch, future life.ch, nzz.ch, cede.ch, fun fox.ch, oelpooler .ch, ofag.ch, sarasin.ch, web insurance.ch, wechselstube. ch, allmedia box.com, argo brand.de/redsafe, beerculture .com, contexta.ch, maggi.ch, miosphere.ch, net vertising.ch, patman.ch, viper.ch, zweifel. ch. Der Award wird von der Swiss Interactive Media Association (Sima) und von Netzwoche verliehen.
Breitbandzugänge lassen sich ZeitLaut einer Studie von Jupiter MMXI (www.mmxieurope.com) wird sich die Breitbandtechnologie in Europa langsamer durchsetzen als erwartet. Nur gerade 10 Millionen Haushalte verfügen bis 2003 über einen Breitbandwebzugang. Grund für das Desinteresse der User: hohe Kosten von zurzeit durchschnittlich 50 Euro im Monat und mangelnde Information.
Amazon und Adobe kooperierenAmazon.com-Besucher können neu den Acrobat-E-Book-Reader herunterladen und damit zwischen fast 2000 digitalen Büchern im Adobe-PDF-Format auswählen. Ausserdem werden hier auch elektronische Bücher angeboten, die Microsofts Reader-Software verwenden. Damit steigt die Zahl der lieferbaren E-Bücher auf über 4000.
Internationaler Facts-WettbewerbFür seinen neuen Webauftritt hat das Nachrichtenmagazin Facts einen internationalen Wettbewerb (www.facts.ch/de sign) ausgeschrieben. Rund 400 Web- und Designagenturen erhielten ein Mail zugestellt. Ziel der neu gestalteten Website ist ein hoher Servicegrad.

Kopf der Woche: «Ich habe gelernt, offener zu sein und kompetitiver zu arbeiten»

Alexander Jaggy (30) hat bei Jung von Matt/Limmat neben CD Daniel Meier die kreative Führung übernommen

Alexander Jaggy (30) hat bei Jung von Matt/Limmat neben CD Daniel Meier die kreative Führung übernommenNach sieben Jahren in ausländischen Vorzeigeagenturen wie Springer & Jacoby, Hamburg, zuletzt als Konzepter in deren Londoner Büro sowie zuvor bei Jung von Matt/Alster, kehrt Alexander Jaggy, dekoriert mit insgesamt 90 nationalen und internationalen Awards, als Creative Director in seine Heimat zurück. Genauer: zu JvM/Limmat, wo er Anfang April neben Daniel Meier auf dem neu geschaffenen zweiten CD-Sessel Platz genommen hat. «Ich vermisste die Schweiz als Land nicht. Viel mehr waren es meine emotionalen Verbindungen, Familie und Freunde, die uns hierher zurückzogen», begründet der junge Familienvater den Schritt. Allein die Lebensverhältnisse mit einem Kleinkind in der englischen Metropole bewogen seine Frau und ihn dazu, in die Schweiz zurückzukehren.
Und als Dominique von Matt als neuer Mehrheitsinhaber der Seefelder Agentur ihm das Angebot unterbreitete, stimmte für Jaggy Konstellation und Ziel der Agentur. Als ehemaliger Angestellter, der den Kontakt zu JvM nie abbrach, bringt er auch den «Stallgeruch» mit. Nicht nur dieser wird an der Korneliusstrasse zu spüren sein: «Ich habe gelernt, im kulturellen Sinn offener zu sein und kompetitiver zu arbeiten.»
Selbstgefälligkeit und egoistische Gärtchenpflege liegen ihm fern. Diese Mentalität hat ihm bei Aufträgen für Kunden wie Bilanz, DaimlerChrysler, Wasa, Miele, Audi oder Lufthansa geholfen.
Trotz Erfahrungen mit solchen Etats sieht er in der engeren Zusammenarbeit mit dem deutschen Mutterhaus keine Teutonisierungsgefahr. «Wir werden versuchen, das Teamwork und die Selbstkritik stärker zu fördern.»
Zwar wird sich das CD-Gespann das Kundenportfolio aufteilen, «aber wir werden beide immer in alle Konzepte Einblick haben», erklärt Jaggy und freut sich besonders, da er bisher vor allem für technische Kunden gearbeitet hat, auf Werbeetats aus dem Konsumgütersektor.
Die Pitcherfolgsrate solle auch in Zukunft so gut aussehen, ohne die Qualität zu kompromittieren. Denn durch die engere Verbindung zu JvM/Alster hat die Zürcher Agentur eine kreative Verpflichtung. Jaggy ist sich dessen voll bewusst: «Die Leute sind gespannt zu sehen, was wir hier konzipieren.»
Mit 15 hatte Jaggy das Schlüsselerlebnis, das ihn in die Werbewelt zog: «Als ich in der Blütezeit von Aebi und GGK, Basel, deren Plakate sah, wurde mir klar: Das wollte ich auch machen.» Er bewarb sich blind, um zuerst bei BBDO Business Communications zu landen und 1992 bei GGK, Zürich, anzudocken, bevor er zwei Jahre später seinen Werdegang als Werber im Ausland fortsetzte. Seine rar gewordene Freizeit geniesst er gerne zurückgezogen in der Familie und mit Freunden. Luca Aloisi

VWs Verwechslungsspiele

Der deutsche Automobilhersteller wirbt in den USA mit ziemlich schrägen Spots

Der deutsche Automobilhersteller wirbt in den USA mit ziemlich schrägen SpotsVon Thérèse BalduzziZur Einführung des neuen Passat-Modells in den USA setzt Volkswagen auf eine Kampagne, in der es ganz gerne etwas zu lachen gibt. Sie basiert auf der Idee, dass das neue Automodell viel teurer aussieht, als es ist, und seine Besitzer deshalb Opfer geldgieriger Verbrecher und Betrüger werden.
«It only looks like a Million Bucks» lautet die Tagline der neuen Passat-Kampagne, die TV- und Radiospots, Printanzeigen, eine Website und Direct Mail umfasst. Der erste der drei 30 Sekunden langen Spots, «Ransom» (Lösegeld), beginnt mit einem Passat-Fahrer, der sein Auto vor einer Hauswand parkiert hat. Als er mit einer Tasche in der Hand wegmarschieren will, rast ein blauer Kastenwagen heran. Maskierte Männer steigen aus, packen sich den Mann und fahren ab. Nach kurzer Zeit kommen sie zurück, lassen den Mann wieder aussteigen und entschuldigen sich: «Sorry, our mistake.» Die Entführer haben inzwischen realisiert, dass der Passat-Fahrer kein Millionär ist.
Im Spot «Whiplash» (Peitschenhieb) versucht ein Betrüger, mit einem uralten Trick einer Passat-Fahrerin Geld zu entlocken. Er parkiert seinen alten, verbeulten Wagen hinter ihrem neuen Passat und beginnt sie anzuschuldigen, die Beulen verursacht zu haben. Als er merkt, dass sie sich nicht einschüchtern lässt, winkt er einen Polizisten heran. Während er weiter seine Show abzieht, bildet sich bald eine Menschenmasse um die Szene.
In «Fund Drive» heizt ein ehrgeiziger Schulleiter einen Saal voll Primarschüler dazu an, beim Verkauf von Süssigkeiten in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld zu sammeln. Dem Gewinner winkt ein Besuch in einem Amusement Park. Die Horde Schulkinder strömt aus dem Schulhaus und – in Zeitlupe – geballt auf einen Passat-Fahrer zu und jagt ihm damit gehörigen Schrecken ein.
In den Printanzeigen wird die gleiche Idee mit anderen Vorzeichen weitergeführt. Der Passat wird in luxuriöse Umgebungen gesetzt, wo er sich optisch bestens einfügt, aber von den Titeln «entlarvt» wird. Ein Sujet zeigt den Passat in einer trendigen, noblen Gegend neben einer Frau, die ihren Pudel spazieren führt. Die Überschrift lautet: «More upper than crusty», ein Wortspiel mit dem Begriff «upper crust» (die oberen Zehntausend), «The new Passat, starting at an understated 21800».
Spätestens mit dem neuen Passat wird der Knigge fällig
Die Website www.vw.com dreht sich um die neuen Eigenschaften des neu designten Passat. Auch dort werden jedoch Benimmregeln vergeben, wie man sich in Gesellschaft wohlhabender Leute, in der sich Passat-Fahrer unverhofft finden werden, verhalten soll.
«Das Ziel der Werbung besteht darin, den loyalen VW-Fans zu sagen, dass es möglich ist, ein sehr tolles Auto zu besitzen, ohne ihr Budget oder ihre bodenständigen Werte auf den Kopf stellen zu müssen. Wenn gewisse Leute dabei glauben, man sei steinreich, warum nicht mitspielen?», sagt Alan Pafenbach, Creative Director bei der Agentur Arnold Worldwide in Boston, die für die Kampagne verantwortlich zeichnet. Volkswagen erfreut sich in Amerika grosser Erfolge und ist die meistverkaufte europäische Automarke.

Die neuen Jünger der alten Hasen

Das Jahresheft Sushi zeigt die besten Arbeiten des deutschen ADC-Nachwuchses

Das Jahresheft Sushi zeigt die besten Arbeiten des deutschen ADC-NachwuchsesVon Andreas PanzeriWer gehört zu den neuen Kreativstars von morgen? Bereits zum dritten Mal lud der Art Directors Club (ADC) in Deutschland zu seinem alljährlichen Nachwuchswettbewerb. 28 prämierte Diplomarbeiten und 17 aufgefallene Ideen aus der Praxis sind jetzt publiziert im Jahresheft Sushi 3.
Der Titel des Heftes ist irreführend. Unter einem Sushi versteht man ein inspirierend angerichtetes Häppchen, das aber keine Zukunft hat, weil es schon morgen stinkt und nicht mehr zu geniessen ist. Ganz anders verhält es sich mit den 28 prämierten Diplomarbeiten oder 17 ausgezeichneten Praxisarbeiten, die im Jahresheft Sushi 3 abgebildet sind.
Viel Zukunft lässt sich da erahnen bei dieser Dokumentation mit den besten Arbeiten des deutschen ADC-Nachwuchses. «Fangfrische Talente mit klasse Ideen», heisst es viel versprechend, aber wahr in einer Werbung zum Buch über die Werbung der Zukunft. Die neusten Ideen und Trends des Nachwuchses verblüffen mit einer frischen Denke ebenso wie mit stilistisch noch unverdorbenen Bildern.
«Kreative, die man auch gerne im Team hätte», umschreibt der Mainzer Verlag Hermann Schmidt die ausgewählten Talente. Veranstaltet wird der in Sushi dokumentierte Wettbewerb vom deutschen ADC. Mitmachen können Diplomanden und Berufsanfänger aus den Bereichen Werbung, Grafik-design, Fotografie, Film und neue Medien. Mit 28 Prozent mehr Teilnehmenden als noch vor einem Jahr freute sich der ADC über einen «Einsenderekord». 161 Diplomarbeiten und 112 Werke aus der Praxis stellten sich dem Urteil der Jury. Die Bewertungskriterien entsprechen denen des «grossen» ADC-Wettbewerbs. Auf Grund dieser harten Kriterien hat es in der Praxis kein Juniorfilm geschafft. Die 17 prämierten Printanzeigen sollen aber «hoch gelobt» durchgekommen sein, wie der Juryvorsitzende Delle Krause von Ogilvy & Mather schreibt.
Alte Hasen orakeln, wie die
Zukunft aussehen wird
Das Jahrbuch ist vom Stern mitfinanziert. Begründet wird dieses Engagement des Zeitschriftenverlags mit der Rechnung, dass ein durchschnittlicher Stern 220 Seiten habe, wovon 130 von der Redaktion gemacht und 90 von den Werbern. «Im Klartext: 40 Prozent unserer Hefte werden also von ADC-Mitgliedern gestaltet», schlüsselt Torsten Bardohn, Anzeigenleiter des Sterns, auf und folgert augenzwinkernd: «Damit diese 40 Prozent ebenso gut aussehen wie der Rest des Sterns, fördern wir den ADC-Nachwuchs.»
Das Jahrbuch Sushi umfasst 150 Seiten mit vielen grossformatigen Illustrationen. Die Bilddokumente werden ergänzt mit einem gesellschaftlichen Blick in die Zukunft, wie diese vom Szeneguru Matthias Horx gesehen wird. Der Trendforscher ortet einen Teil unseres künftigen Glücks in der Soziotechnik und damit in einem stark veränderten Verhältnis zur Arbeit. Wie diese sich in der Vergangenheit gestaltete, analysieren umgekehrt die alten Hasen Dietrich Zastrow und Michel Schirmer. Sie erzählen, wie ihre eigene kreative Karriere begonnen hat. Hintersinnig auf die Zukunft in der Gegenwart gerichtet ist ein Interview mit Kai Krause auf seiner Byteburg. Dorthin hat sich der Digitalguru zuückgezogen, nachdem er schon 1980 einen Music-Oscar für seine damals futuristischen Soundeffekte gewonnen hat und später mit Grafiksoftware reich geworden ist.
Sushi 3 mit der ISB-Nummer 3-87439-555-3 kostet 29.80 Franken.
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