Der Rosenkrieg der Kreativen

Die HandelsZeitung hat zu einem Podium über «kreative Werbetrends» geladen

Die HandelsZeitung hat zu einem Podium über «kreative Werbetrends» geladenVon Andreas PanzeriRund um die Präsentation der «Werbetrends 2001» hat die HandelsZeitung auch vier führende Geburtshelfer für gute Ideen über «kreative Werbetrends» fachsimpeln lassen. Die geplante Stilsuche zwischen New Publicity und Old Economy endete als Rosenkrieg zwischen zwei Generationen.
«Alles ist Trend», meinte Jean Etienne Aebi und zelebrierte zum
x-ten Mal an einem solchen Podium seine Überzeugung: «Trenddiskussionen sind komische Diskussionen. Alles, was gut gemacht ist, hat nebeneinander Platz.»
Vom Moderator Ralph Büchi, Verleger der HandelsZeitung, schliesslich doch noch zu einem zitierwürdigeren Statement gekitzelt, verriet der ADC-Präsident, dass «real people» international sicher eine der stärksten Trendentwicklungen sei.
Realität zeigen mit «Menschen und ihren Geschichten» gilt auch als Trend bei Frank Bodin. Der frisch gebackene Executive Chairman von Euro RSCG Schweiz hat in Cannes zudem eine «Tendenz zu grossen Bildern» festgestellt. Subtilität und «raffiniertere Ausleuchtungen» sieht Bodin ebenfalls im Trend – oder anders gesagt: «Lustige Ideen ohne Bezug zur seriösen Markenführung gibts nicht mehr.»
In einem immer unübersichtlicher werdenden Markt wird die saubere Markenstrategie Zukunft haben. Da war sich die Runde einig. «Gut gelernt», kommentierte Jean Etienne Aebi und belohnte die Aussage seines früheren Schülers Bodin mit einer Rose aus der rund um die Sofas prangenden Bühnendekoration.
Wer gegen den Strom wirbt, wird Erfolg haben
Diese gegenseitige Auszeichnung mit dornigen Blumen sollte in der Folge zum Running-Gag des Abends werden, denn auch Bodin gab nun bei jeder gescheiten Bemerkung von Aebi die Rosen gleich bündelweise an diesen zurück.
Zum Thema «Humor in der Werbung» erntete Frank Bodin ansonsten noch einmal einen Lacher mit seiner Analyse, dass bei den verschlossenen Schweizern wenigstens beim Lachen etwas offen sei – nämlich der Mund. Für seinen Satz «Charme ist immer erfolgreich» bekam er von Danielle Lanz umgehend eine der Rosen zurück.
Die Veranstaltung prägte auch das Thema «kreativer Ungehorsam». Viele werbetreibenden Unternehmen sind nämlich erst richtig top geworden, weil sie mit ihren Kampagnen gegen den Strom geschwommen sind. Positives Beispiel: die unkonventionelle Jeans-Werbung von Diesel.
Aber: Viele dieser ganz neuen Trends «segeln immer noch an der Schweiz vorbei, weil wir zu wenig Mut für Neues haben». Neue Talente entdecken wäre also nicht nur kreativer, sondern auch billiger, rechnete Hans Tanner von der Wirz-Geschäftsleitung.
Was braucht es aber, um tatsächlich an die Spitze zu kommen? Danielle Lanz: «Das Talent, Rückschläge einzustecken und sich für etwas zu interessieren, für das man sich vorher nicht interessiert hat. Zum Beispiel für Versicherungen.» Eines ihrer persönlichen Erfolgsrezepte: «Die Beschränkung auf eine einzige Botschaft.»
«Kreativität heisst auch, eigene Ideen beiseite legen und sich als Dienstleister mit dem Auftrag des Kunden auseinandersetzen», so Hans Tanner. Was aber kann ein Kunde dazu beitragen, dass eine Agentur möglichst kreativ ist? Bodin: «Werbung müsste bei den Auftraggebern unbedingt Chefsache sein. Grosse Gremien sind der Tod für jede kreative Idee.»
Alles andere denn als Rosenkavalier warnte hingegen Aebi zum Schluss: «Vieles, was wir Werber machen, wird zu Recht abgeschossen, weil es tatsächlich Bullshit ist.»

Onlinekunden werden immer teurer

Nur wer eine Multichannelstrategie fährt, wird künftig weniger für neue Kunden zahlen

Nur wer eine Multichannelstrategie fährt, wird künftig weniger für neue Kunden zahlenStarke Offlinebrands müssen meist weniger Geld als reine Internetanbieter ausgeben, um neue Onlinekunden zu gewinnen. Laut einer neuen Studie des US-Marktforschungsunternehmens IDC wird die Akquisition neuer Kunden im Internet in den nächsten Jahren spürbar teurer.Beliefen sich die durchschnittlichen Akquistionskosten in den USA im letzten Jahr auf 95 Dollar, so werden diese bis 2003 auf
122 Dollar anwachsen. Erst 2004 beziehungsweise 2005 soll es zu einer Konsolidierung bei etwa
120 Dollar kommen. Zu den Akquisitionskosten zählt IDC die gesamten Marketingaufwendungen, die zur Generierung von Online-Neukunden eingesetzt werden.
Als Grund dafür gibt IDC den immer noch starken Verdrängungskampf unter den Anbietern um die besten Plätze als Massen- oder Nischenanbieter, das Umwerben der neuen Internetnutzer und die Motivation der E-Commerce-Betreiber durch die weiterhin prophezeite Umsatzexplosion im E-Commerce an.
In Zukunft wird es für die
E-Tailer, die längst nicht mehr Geld wie Heu haben, immer wichtiger werden, die Kosten für die Kundenakquisition in den Griff zu bekommen. Denn die Zeiten, als die E-Commerce-Anbieter allein an ihrer Kundenzahl gemessen wurden, sind endgültig vorbei, wie der sang- und klanglose Abgang des grössten Online-Spielzeughändlers eToys von der Internetbühne unter Beweis stellt. Die Kosten – auch für die Kundengewinnung – rücken immer mehr in den Vordergund.
Vorteile im Sparkampf haben Händler mit einer Multichannel-strategie. Sie können niedrigere Akquisitionskosten als ihre Onlinekollegen ausweisen. Erfolgreich werden gemäss IDC Unternehmen sein, die ihre Offlinekunden rasch in Onlinekunden umwandeln und ihre Läden oder Kataloge als Promotionswerkzeuge für ihr Onlineangebot einsetzen. Vor allem neue, unerfahrene Nutzer liessen sich im Internet eher von starken Offline
marken anziehen als von den Internetpionieren. Carmen Gasser

Kopf der Woche: «Ich will nichts umkrempeln, sondern die Produktepalette ausbauen»

Tamara Tschuor ist die neue Business-Manager bei Reader’s Digest Schweiz

Tamara Tschuor ist die neue Business-Manager bei Reader’s Digest SchweizKopf der Woche: «Ich will nichts umkrempeln, sondern die Produktepalette ausbauen» /
Alles neu macht der März! Eine Variante des bekannten Sprichwortes? Für die ehemalige Leiterin des Lesermarketings der Aargauer Zeitung AG, Tamara Tschuor (32), trifft dies jedenfalls zu. Denn im vergangenen Monat trat sie nicht nur die Führung der Schweizer Niederlassung von Reader’s Digest an, sie ist auch von Aarau nach Zürich gezogen und hat als Dozentin am Medieninstitut des Verbandes Schweizer Presse zu unterrichten begonnen.
In ihrer Funktion als Business-Manager Schweiz ist Tschuor bei Reader’s Digest vor allem für die Erschliessung neuer Märkte zuständig. Eine weitere grosse Aufgabe stellt die Eingliederung des Zürcher Zweigs in die Reader’s Digest GmbH in Stuttgart dar. 1999 war die Schweizer Niederlassung in die deutsche integriert worden. «Nachdem ich das Verlagswesen im Kanton Aargau kennen gelernt hatte, reizte es mich, ein internationales Produkt zu betreuen», begründet Tamara Tschuor ihren Wechsel.
Das Leben jenseits der helvetischen Grenzen faszinierte Tamara Tschuor schon von Kindesbeinen an. Als Teenager lebte sie während sieben Monaten in Chicago, wo der Vater eine Weiterbildung absolvierte. Komme man mit zwölf Jahren aus einem 2000-Seelen-Dorf im Kanton Aargau plötzlich in eine amerikanische Grossstadt, erweitere dies natürlich den persönlichen Horizont, meint sie lachend. Später folgten Reisen nach Spanien, Asien, Australien und erneut in die USA.
Erste Berufserfahrungen sammelte sie nach der Wirtschaftsmatura beim Verkehrs- und Kongressbüro in Lausanne. Darauf folgte die Ausbildung zur Marketingplanerin, die sie parallel zu ihrer Tätigkeit bei der KLM Royal Dutch Airlines absolvierte. 1997 stiess sie in der Funktion als Redaktorin zur Aargauer Woche, wo sie nach einjähriger Tätigkeit die Leitung des Lesermarketings der Aargauer Woche und Aargauer Zeitung übernahm. Nebenbei erwarb sie auch noch das Biga-Diplom für Verlagsfachleute.
Und was meint die Expertin zu den sinkenden Auflagenzahlen (von 201112 auf 188482, gemäss Wemf 99) von Das Beste? «Im Verlagswesen hat man bei sinkender Auflage das Gefühl, alles steht und fällt mit dieser Zahl», entgegnet Tschuor. «Natürlich ist die Entwicklung der Auflage auch für uns ein wichtiger Aspekt, aber die Zeitschrift ist nur eines unserer Produkte. Eine profitable Auflage ist die Maxime für den Gesamtverlag.» Und mit dem Gesamtumsatz des Schweizer Marktes sei man sehr zufrieden, fügt sie an.
Viel freie Zeit bleibt Tamara Tschuor nicht. Sie hofft jedoch, durch den Umzug nach Zürich ein bisschen Raum zu schaffen, um ihren Hobbys, vom Tennis bis zum Inlineskating, nachzugehen und vor allem, um ihren Freundeskreis vermehrt zu pflegen. Simone Keller

«Der Solidaritätsgedanke muss mehr in den Vordergrund»

Georges Oberson, Kommunikationschef La Suisse, sieht grossen Werbebedarf für Versicherer

Georges Oberson, Kommunikationschef La Suisse, sieht grossen Werbebedarf für VersichererDie Versicherung La Suisse verfügt über einen geringen Bekanntheitsgrad. Erste Priorität für den Kommunikatinsverantwortlichen Georges Oberson hat daher der Werbeauftritt des Unternehmens.La Suisse hat eine Imagekam-pagne lanciert. Warum?
Georges Oberson: Eine Umfrage hat ergeben, dass La Suisse einen tiefen Bekanntheitsgrad hat. Zudem befinden wir uns als Versicherer in einem Verdrängungsmarkt. Wenn man aber die Werbeauftritte der einzelnen Versicherungsgesellschaften betrachtet, sind diese austauschbar. Wir wollten darum eine Kampagne, die uns von der Konkurrenz abhebt.
Hat La Suisse in der Vergangenheit nicht genügend kommuniziert?
Oberson: Ganz allgemein haben die Versicherungen in der Vergangenheit wenig kommuniziert, ganz nach dem Motto: Je weniger man von uns spricht, desto besser. Bis anhin stand uns nur ein kleines Budget für die Werbung zur Verfügung. Wir haben wohl punktuell Werbung gemacht, ohne einen Bekanntheitsgrad zu schaffen. Erst vor einem Jahr hat die Direktion beschlossen, dem Auftritt in der Öffentlichkeit mehr Bedeutung beizumessen.
Die Konkurrenz ist mit Werbung sehr präsent, vor allem im Fernsehen. Haben Sie deshalb für Ihre Imagekampagne auf TV-Spots verzichtet?
Oberson: Aus finanziellen Gründen haben wir in der ersten Welle der Kampagne darauf verzichtet.
Wie beurteilen Sie das Konzept von Publicis, Lausanne, das für die Versicherungsbranche eher unüblich ist?
Oberson: Ich habe innigst gehofft, dass etwas Aussergewöhnliches präsentiert würde. Die Idee mit den Volksstämmen hat uns gefallen. Volksstamm bedeutet ja auch kleine Gemeinschaft. Unser Zielpublikum sind kleine und mittlere Unternehmen sowie Familien.
Die Plakate könnten doch ebenso gut für verlockende Feriendestinationen werben. Denken Sie, dass der Mann von der Strasse die Botschaft verstehen wird?
Oberson: Wahrscheinlich wird der Betrachter zweimal hinschauen müssen, um zu begreifen, dass die Botschaft von einer Versicherungsgesellschaft kommt. Aber das ist ja gerade wünschenswert, denn so wird er sich an den Namen der Versicherung erinnern.
Soll die Kampagne mithelfen, das Image zu verjüngen?
Oberson: Ja, ganz bestimmt. Die Versicherungen haben ja zum Teil immer noch ein etwas verstaubtes Image. In der Öffentlichkeit herrscht das Klischee der Versicherung als etwas Kompliziertes mit viel Kleingedrucktem. Wir haben übrigens in dieser Hinsicht auch eine Korrektur vorgenommen. Wir haben alle Formulare überarbeitet. Bei La Suisse gibt es nichts Kleingedrucktes mehr. Publicis hilft uns zudem bei der Formulierung der Texte unserer Broschüren und Formulare.
Haben Sie nicht darüber nachgedacht, bei dieser Verjüngungskur auch das Logo der Versicherungsgesellschaft zu überarbeiten?
Oberson: Dieser Schritt wäre im Moment zu riskant. Die einzige Änderung, die wir vorgenommen haben, ist der Wechsel der Hintergrundfarbe des Schriftzuges von Weiss auf Schwarz.
«Echte Werte bewahren» steht unter dem Firmenschriftzug. Was bedeutet für Sie dieser Claim?
Oberson: Es sind die ursprünglichen Werte des Versicherers. Versicherungen sollen ja nicht nur wegen der fetten Prämiengewinne abgeschlossen werden. Die Prämien, von denen der eine viel bezahlt und der andere wenig, sollen gerecht verteilt werden und Not lindern helfen, wo der Einzelne überfordert ist. Die Einstellung, die seit den Achtzigerjahren zunehmend vorherrscht, «Je mehr ich bezahlt habe, desto mehr steht mir zu», ist eigentlich falsch. Der Solidaritätsgedanke sollte wieder mehr im Vordergrund stehen.
Sie sind seit einem Jahr verantwortlich für die Kommunikation des Unternehmens. Welches sind Ihre Prioritäten?
Oberson: Erste Priorität hat der Auftritt in der Öffentlichkeit, damit wir als dynamische Versicherung wahrgenommen werden und in Erinnerung bleiben. Und ein weiteres Anliegen ist die Ausarbeitung eines Sponsoringprogramms.
Welche Pläne haben Sie in der Schublade bezüglich Sponsoring?
Oberson: In der Vergangenheit haben wir den Volleyball unterstützt. Wir sind aber ein zu kleines Unternehmen, um mit den Grossen mitspielen zu können. Es wäre auch nicht korrekt gegenüber unseren Prämienzahlern, mit der grossen Kelle anrühren zu wollen. Wir werden uns darum auf kleinere Anlässe konzentrieren, auf Events auch, die unseren Kunden zugute kommen. So sponsern wir das Skinachwuchskader. Interview: Anita Vaucher

Tiefstapeln ist erlaubt

Was die beglaubigten Auflagezahlen aussagen – und was nicht

Was die beglaubigten Auflagezahlen aussagen – und was nichtVon Markus knöpfliDie von der AG für Werbemedienforschung (Wemf) beglaubigte «verkaufte Auflage» eines Titels muss nicht der effektiv verkauften Auflage entsprechen. Die Wemf-Bestimmungen geben den Verlegern doch viel Spielraum, um bei der Beglaubigung auch marketingstrategische Überlegungen einzubeziehen.
Fall 1: Der Titel X wurde vor fünf Jahren lanciert und verzeichnete im ersten Jahr durchschnittlich 50000 bezahlte Abos. Deren Zahl nahm im zweiten Jahr weiter auf 58000 zu, nach dem dritten Jahr waren es 64000, nach dem vierten 68000, heute sind es 70000 bezahlte Abos. Obwohl diese Zahlen der effktiv verkauften Auflage entsprechen, wies die Wemf für den fiktiven Titel in allen Jahren tiefere Werte aus – auf Wunsch des weitsichtigen Verlagsleiters Heini Müllermeier.
Demgemäss stieg die offiziell beglaubigte Auflage von anfänglich 44000 in regelmässigen 6000er-Schritten auf heute 68000 verkaufte Exemplare. Müllermeiers Kalkül ging auf: Dank des anfänglichen Tiefstapelns konnte er die langsam abflachende Wachstumskurve von X kaschieren – aus marketingstrategischen Gründen.
Auch wenn er von nun an auf die effektiven Zahlen wird umschwenken und somit eine Marktsättigung zugeben müssen, werden er und sein Titel künftig mit dem Attribut «erfolgreich» versehen.
Christel Plöger, oberste Auflagenbeglaubigerin bei der Wemf, bestätigt, dass solches Gebaren möglich ist. «Es ist nirgends festgelegt, dass die effektiv verkaufte Auflage beglaubigt werden muss. Aber die beglaubigte Auflage muss effektiv vorhanden sein», sagt sie. Bei Neulancierungen oder auch Titelfusionen empfehle sie Verlegern im Übrigen, anfänglich tiefzustapeln.
«Sie verzichten dann zwar auf bestimmte Inserateeinnahmen, doch dafür können sie eine stetig zunehmende Auflage ausweisen.» Es gebe Titel, die bis zu 50 Prozent tiefstapeln, weiss Plöger. Bei den grösseren, von der WerbeWoche aufgelisteten Titeln würden sich die heftigsten Tiefstapler aber maximal 5 bis 10 Prozent unter ihrem Wert verkaufen.
Damit nicht genug: Die beglaubigte «verkaufte Auflage» kann gemäss Wemf-Bestimmungen auch Gratisabos enthalten, sofern diese nicht mehr als 5 Prozent der bezahlten Abos überschreiten (siehe Kasten).
Realität ist, was ich als
Wirklichkeit verkaufe
Fall 2: Titel Y ist seit Jahren auf dem Markt, die beglaubigte Auflage ist stabil und liegt bei rund 120000 Exemplaren. Die ausgewiesenen Schwankungen bewegen sich im Bereich plus/minus 1000 Exemplare (rund 1 Prozent). Tatsächlich präsentiert sich die Situation für Verlagsleiterin Heidi Meiermüllerin aber wesentlich turbulenter: Die effektiv verkaufte Auflage liegt je nach Jahr mal bei 115000, mal bei 121000 und dann wieder bei 119000 Exemplaren. Meiermüllerin hat bei der Beglaubigung die ihr zustehenden 5 Prozent Gratisabonnemente mal mehr, mal weniger ausgeschöpft und konnte so über längere Zeit eine angeblich stabile Auflage ausweisen.
Vermitteln denn die von der Wemf erhobenen Auflagen noch ein realitätsgetreues Bild? Christel Plöger lacht. «Wo haben Sie denn heute noch ein wahrheitsgetreues Bild der Realität?», fragt sie. «Es versucht sich jeder so durchzuschlagen, wie es für ihn am besten ist. So lange dies innerhalb unserer Bestimmungen geschieht, ist dies legitim.»
Was die Wemf als «verkaufte Auflage» beglaubigt

Die von der Wemf beglaubigte «verkaufte Auflage» einer Zeitung kann sich bei verbandsunabhängigen Titeln wie folgt zusammensetzen:1. voll bezahlte oder maximal um 50 Prozent ermässigte Abos im In- und Ausland
2. Schnupperabos, die maximal um 50 Prozent ermässigt sind. Die angerechnete Zahl wird gemessen an der Abodauer, auf ein Jahr umgerechnet
3. Effektiv über Kioske, Automaten verkaufte Exemplare
4. Abos für das eigene, fest angestellte Personal
5. Gratisabos, die regelmässig an Schulen, Altersheime, Inseratekunden, freie Mitarbeiter und andere mehr geliefert werden. Diese Abos dürfen aber
5 Prozent der Summe der Punkte 1 bis 4 nicht überschreiten. Was darüber hinaus geht, wird zur nicht beglaubigten Gratisauflage gerechnet.
Verleger müssen der Wemf zwar alle diese Zahlen vorweisen, sie können aber frei entscheiden, was und wie viel davon sie beglaubigen lassen wollen.
die elemente der Wemf-Auflage

Gratisabos (max. 5%
der anderen Auflagenelemente)
Abos für firmeneigenes PersonalEinzelverkauf (Kiosk + Automaten)
bezahlte Schnupperabosbezahlte Abos im Ausland
bezahlte Abos im InlandKommentar Wie viel
Boulevard darf es denn sein?
Zuerst wurde der Chefredaktor von dimanche.ch, Jean-Philippe Ceppi, «freigestellt» und durch Jacques Pilet ersetzt (Ringier). Und beim Le Matin wurde Chefredaktor Daniel Pillard weggemobbt. Ersetzt wurde er durch Theo Bouchat (Edipresse). Die Westschweizer Presse sucht verzweifelt Chefs.
Die Auseinandersetzungen kreisen um die Grundfrage: Wie viel Boulevard darf/soll/ muss sein? Le Matin und dimanche.ch wollen Zeitungen für den Mann (die Frau) auf dem Boulevard und im Bistrot machen. Beide kommen aber so anständig daher, dass es zum Verzweifeln ist. Nur die verwegensten unter den Journalisten getrauen sich, bisweilen nach Zürich zu verweisen. Nur, das darf man in der Romandie nicht. Will sich ein Chef abservieren lassen, reicht es, wenn er sagt, man solle doch mal einen Blick auf den Blick werfen.
Was den welschen Medien fehlt, ist der Mut zum schlechten Geschmack. Ich bin und will kein Boulevardjournalist sein. Aber wenn ich sehe, wie mir Kollege Bernhard Weissberg tief in die Augen sieht und er einen Kommentar zu der vom SoBli hoch gefahrenen Meier-Schatz-Story mit «Verlorenes Spiel der Heuchler» überschreibt, muss ich sagen: Chapeau, cher confrère!
Ist es Boulevard, hat es doch Methode. Christophe Büchi

«P» leistet sich weiter Webwerbung

Dank Erfolg bei Printinseraten steckt PubliGroupe Onlineflops weg

Dank Erfolg bei Printinseraten steckt PubliGroupe Onlineflops wegVon Christophe BüchiDie PubliGroupe («P») lässt sich vom Einbruch der E-Economy nicht beirren und hält an ihrer Internetstrategie fest. Und das Inserategeschäft läuft wie geschmiert. Die Aussichten für das laufende Jahr sind ausgezeichnet, erklärt «P»-Chef Jean-Jacques Zaugg.
Es kommt bekanntlich vor, dass die alte Generation der jungen unter die Arme greifen und aus der Patsche helfen muss. Und es ist halt so, dass die vor kurzem noch in den Himmel gejubelte New Economy neuerdings von der Old Economy gestützt werden muss. Auch bei der PubliGroupe verhält es sich ganz ähnlich. Da ist es das alte Geschäft mit den Presseinseraten, das zu glänzenden Gewinnen führt, die dann erlauben, Rückschläge beim Onlinesektor wegzustecken.
Zwar hat sich die Gruppe zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2004 die Hälfte ihres Betriebsgewinns ausserhalb ihres Stammgeschäfts, des Schweizer Pressemarkts, zu erzielen. Aber die im Sektor PubliPresse zusammengefassten Aktivitäten trugen letztes Jahr immer noch 326 Millionen Franken zum Konzernbruttogewinn (569 Millionen Franken) und stattliche 1,98 Milliarden Franken zum Konzernumsatz (2,7 Milliarden Franken) bei.
Auch wenn im Bereich PubliOnline der Umsatz von 105 Millionen Franken fast verdreifacht und der Gewinn nahezu vervierfacht worden ist, bleibt doch festzuhalten, dass dieser Anstieg nur dank Akquisitionen möglich gewesen war, die auf der Passivseite erhebliche Kosten bewirkten. Zu den neuen Töchtern zählt die New Yorker Beratungsfirma Panoramic Communications, aber auch die letztes Jahr übernommene Real Media Inc., die noch einige Probleme bereitete.
Real Media hob ab – und kam nochmals auf die Welt
Das Nettobetriebsergebnis der Gruppe ging um 40 Prozent auf 51Millionen Franken zurück. Schwer ins Gewicht fallen dabei rund 74 Millionen Franken, die wesentlich für die Restrukturierung der Onlinefirma Real Media nötig wurden, bei der die PubliGroupe letztes Jahr die Mehrheit übernahm. Laut Zaugg musste sie im Jahr 2000 drastisch saniert werden, nachdem sie zuvor eine forcierte Wachstumsstrategie verfolgt hatte: «In der Phase der New-Economy-Euphorie dachten die Firmen nur daran, Marktanteile zu gewinnen, statt an die Rentabilität zu denken.» Zaugg betont aber, dass die PubliGroupe in jener Phase noch nicht die Kontrolle über die Real Media Inc. ausgeübt habe.
Das beste Printmedienergebnis seit zehn Jahren
Der «P»-Chef versichert, die PubliGroupe habe seit Mitte letzten Jahres Ordnung geschaffen und glaube, gegen Ende dieses Jahrs bei Real Media das finanzielle Gleichgewicht herzustellen. Unsere Frage, ob die PubliGroupe heute ihre neue Tochterfirma faktisch kontrolliere, bejaht Zaugg. Die PubliGroupe belegt heute drei von fünf Verwaltungsratssitzen und stellt mit Walter Annasohn auch den Präsidenten von Real Media Inc. Allerdings zeichnet der frühere amerikanische Mehrheitsbesitzer Dave Morgan nach wie vor als Kopräsident, in Wirklichkeit scheint er aber höchstens noch als Kopilot zu fungieren.
Hat der Sturzflug bei Real Media schwer zu Buch geschlagen, so hat die Medaille auch eine positive Seite: Das Ergebnis der traditionellen Geschäftsbereiche hat sich stark verbessert. Besonders positiv hat sich dabei die – von gewissen Werbe-Auguren dem Tod geweihte – Printmedienwerbung entwickelt. «Wir hatten im traditionellen Inserategeschäft in der Schweiz das beste Ergebnis seit zehn Jahren», frohlockt der für die Printmedien zuständige Direktor Ernst Grab. Und dabei sind es nicht nur die Stellenanzeigen, die boomen. Auch bei der kommerziellen Werbung sind hohe Zuwachszahlen zu verzeichnen (9,8 Prozent). Und weil das alte Stammgeschäft blüht, kann die «P» die anderweitigen Probleme ohne starkes Bauchgrimmen «verdauen».
Pendlerzeitungen tangieren
Inserategeschäft kaum
Das PubliGroupe-Management glaubt weiterhin ans Internet als Werbeträger und will an der Onlinestrategie festhalten, bezweifelt aber, dass das klassische Inserategeschäft erheblich darunter leiden wird. Auf die Frage, ob neue Printmedien wie die Pendlerzeitungen nicht den traditionellen Verlegern – und damit auch der PubliGroupe – Sorgen bereiten, gibt sich Ernst Grab ganz gelassen: «Die Pendlerzeitungen haben zwar die Verkaufszahlen gewisser Zeitungen belastet, aber im Inserategeschäft fallen sie kaum ins Gewicht.» Und: «Es ist gar nicht sicher, dass es in zwei Jahren noch zwei Pendlerzeitungen in der deutschen Schweiz haben wird. Vielleicht haben deren Aktionäre einmal genug, defizitäre Zeitungen zu finanzieren.»

«Das Werk» und Premiere

Ausserdem Ab 2. Mai übernimmt Stephan Küng, Verlagsleiter beim Branchenmagazin Persönlich, die Funktion des Managing Directors der Mediaagentur Initiative Media Switzerland und nimmt gleichzeitig Einsitz in den Verwaltungsrat. Neben der Gesamtlei

Da will wohl jemand den Markt von hinten aufrollen! Das war jedenfalls der erste Eindruck, der an der Eröffnung von «Das Werk Zürich» aufkam.Von Beat Fritsch Die neueste Filiale von Europas grösster und berühmtester Filmveredelungs-Schmiede, sprich Studio für digitale Bildbearbeitung, lud zum Eröffnungsevent nach Zürich-Altstetten. Weltweit gehören 50 Unternehmen mit 600 Mitarbeitern zur Werk-Gruppe.
Kein Wunder, war die Konkurrenz neugierig. Von Primetime etwa erreichte uns schon vor einiger Zeit die Anfrage, ob wir denn schon gehört hätten, dass eine neue Filmfirma in den Markt dränge. Dass da mit grosser Kelle angerichtet wird, war den Besuchern schnell klar. Auf zwei Etagen und gut 880 Quadratmetern steht in diversen, megacool eingerichteten Räumlichkeiten Studioequipment vom Feinsten zur Verfügung. Samt der dazugehörigen, mit den Maschinen vertrauten Composern, wie die Tricktechniker auch noch heissen. Man startet mit zwölf Mitarbeitern, natürlich die meisten mit internationaler Erfahrung von Babelsberg bis Hollywood.
So lesen sich die Palmares von Werk-Lead-Artist Sascha Luderer wie eine Aufzählung beliebter TV-Sendungen und bekannter Spielfilmproduktionen. Seine flinken Finger bedienten die Geräte bei Sitcoms und Serien wie «Sabrina», «Friends», «Home Improvement», «Spawn» und «Power Rangers» oder Filmproduktionen wie «Sunset Strip», «The Little Vampire» und «Charlie’s Angels». Die Produktion «Hollow Man», bei der er für Sony Pictures Imageworks mitarbeitete, wurde für einen Oscar in der Kategorie Best Visual Effects nominiert – gewonnen hat ihn allerdings der Abräumer «Gladiator».
Die Neugierde stillte Pumpkin-Film-Producerin Sonja Brandt, von Primetime gab sich Bettina Bussey die Ehre, Haag Productions schickte Rudi Haller, und der Filmer Daniel Cherbuin wollte von Werk-Mitbegründer Stefan Jung sofort eine Aufzählung aller technischen Möglichkeiten, die das neu eröffnete Studio zu bieten hat.
Leider mussten wir, kaum waren die bekannten Gesichter begrüsst, die fröhliche Openingparty wieder verlassen. Mit «Viktor Vogel – Commercial Man» stand im Kino Corso am Bellevue selben Abends noch eine Filmpremiere auf dem Programm.
Ein leichtfüssiges Vergnügen für Werber. Der Streifen handelt von einem Brancheneinsteiger, der, wie in der Werbung allgemein üblich, mit zwei, drei netten Ideen eine ganz rasante Karriere macht. Ganz zu schweigen davon, dass er sich auch gleich noch die hübsche Marketingleiterin des Kunden anlacht – ein Film, der das «echte» Werberleben zeigt. So wird kein Klischee ausgelassen. Von der naiv-doofen Assistentin und dem obercoolen Berater über den hypereitlen CD – gespielt von Götz «Schimanski» George – bis zum leicht verfressenen und Schürzen jagenden Agenturchef ist das gesamte Werber-Panoptikum vertreten.
Leicht chaotisch, wie in der Werbung üblich (das letzte Klischee, ich versprechs!), gings dann auch an der After-Film-Party im SixtyOne zu und her. Mal wurde einem trotz Vorweisen des Barpassepartouts der Drink verweigert, dann sprachen die stämmigen Security-Männer ein allgemeines Fotoverbot aus, mal wurde man von der oberen Promi-Etage ins Untergeschoss verbannt, nur, um einige Minuten später wieder bei den VIPs vorgelassen zu werden. Zu guter Letzt aber kamen doch alle voll auf ihre Kosten. Organisation ist eben alles – vor allem dann, wenn man sie selbst in die Hände nimmt.
BEAT FRITSCH

hat am Produktionsdesk in den neu eröffneten Studios von «Das Werk» alles im Griff. Leider war ihm nur ein kurzer Besuch vergönnt, denn «Klappe – Schnitt – gestorben!» gings gleich an eine weitere Premiere. Mit «Commercial Man» läuft diese Woche ein Film an, der in einer Agentur spielt
und die Werbetreibenden zum Thema macht.
Wer sonst in der Kommunikationsbranche bei Neueröffnungen anzutreffen ist oder Premieren feiert, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Vom Stamm der Versicherer

Publicis, Lausanne, bläst für La-Suisse-Versicherungen auch mal ins Didgeridoo

Publicis, Lausanne, bläst für La-Suisse-Versicherungen auch mal ins DidgeridooLange Zeit hat die Versicherungsbranche nicht oder wenig kommuniziert. Seit der Deregulierung des Marktes buhlen Versicherungsgesellschaften mit mehr oder weniger gelungenen Werbeauftritten um neue und alte Kunden. Vergleicht man die einzelnen Auftritte untereinander, stellt man fest, dass diese, mit wenigen Ausnahmen, austauschbar sind. Meistens stehen Unfall- oder Einbruchszenarien im Vordergrund. Oder es wird Beratung und nochmals Beratung angeboten. Alles déjà-vu.Anders geht die in Lausanne domizilierte Versicherungsgesellschaft La Suisse vor. Sie besinnt sich auf die Werte der Urvölker, um ihr Kommunikationsdefizit wettzumachen. Die von der Lausanner Agentur Publicis konzipierte Kampagne überrascht mit ungewöhnlichen Claims und Bildern, die die Werte der Urvölker vermitteln sollen. Diese Werte sollen aber auch in den Versicherungsalltag von La Suisse einbezogen werden und dem Kunden Vorteile bringen. Seite 10

100 Franken für eine Lochfolie

You-AD verkauft Werbeflächen auf Autoheckscheiben und wirbt dafür mit Walter Bosch und Bruno Widmer

You-AD verkauft Werbeflächen auf Autoheckscheiben und wirbt dafür mit Walter Bosch und Bruno WidmerVon Annelies Friedli Eine Idee, zwei bekannte Aushängeschilder und sehr viel Selbstvertrauen: Thomas Gfeller und Marusa Fasano wollen mit You-AD alle Rekorde brechen. Nächstes Jahr soll die im Oktober vergangenen Jahres gegründete Firma mit ihrer Heckscheibenwerbung Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe bringen.
Für Publicity ist gesorgt: Schliesslich konnten Thomas Gfeller und Marusa Fasano Bruno Widmer und Walter Bosch für ihre Werbeidee begeistern. Beide sind Aktionäre von You-AD, werben für die Firma. Die Idee, die dahinter steht, ist allerdings wenig revolutionär: Mindestens vier Firmen haben das Auto als Werbefläche vor Gfeller und Fasano entdeckt; zumindest zwei Firmen werben in der Schweiz schon seit einem Jahr mit dem Auto als Werbefläche.
Walter Bosch, Ex-Journalist, Ex-Werber und Verwaltungsratsmitglied von You-AD, stört das wenig: «Zugegeben, die Idee ist nicht neu, doch noch nie wurde die Idee, Heckscheiben als Werbeflächen zu nutzen, so professionell, plausibel und effizient umgesetzt wie bei You-AD.» (Siehe auch «Im Gespräch».)
Viel Vertrauen in sein neues Projekt hat auch Thomas Gfeller. Für den ehemaligen Studenten der Wirtschaftswissenschaften und der Philosophie, der zusammen mit Fasano zuletzt Strategieberater in einem amerikanischen Grossunternehmen war, steht fest: «Diese Firma hat grosses Potenzial.» Der Umsatz soll, so rechnet Gfeller, in einem Jahr bereits die zweistellige Millionenhöhe erreichen. Denn: «Wir sind daran, verschiedenste Länder – unter anderem auch die USA – für unser Projekt zu öffnen. Und es sieht gut aus», sagt Gfeller. Der Markteintritt in Deutschland konnte bereits realisiert werden.
Sechs Mitarbeiter beschäftigt You-AD derzeit in der Schweiz, einen in Deutschland, zwei weitere Key-Account-Manager sollen angestellt werden. «Wir sind noch immer in der Aufbauphase», sagt Gfeller. Statt auf einen Schnellschuss setzt das You-AD-Team auf einen gut organisierten, fundierten Aufbau: Zu diesem Zweck haben Gfeller und Fasano die Tauglichkeit ihres Projektes vom Ernest-Dichter-Institut Zürich überprüfen lassen. Mit dem Resultat, «dass wir belegen können, dass unser Medium wirkt».
Die Bilanz fünf Monate nach der Gründung kann sich sehen lassen: Mit Credit Suisse youtrade und dem Internetladen Le Shop.ch hat You-AD drei Pilotkampagnen durchgeführt. «Das Interesse ist gross», sagt Gfeller: «Wir stecken mitten in Verhandlungen mit 15 Agenturen.» Ein grosser Teil davon, ist Gfeller überzeugt, «wird zusagen». Grund zu dieser Behauptung gibt ihm die Werbewirksamkeit seiner Heckscheibenwerbefläche.
«Schliesslich, so beweist die Studie des Ernest-Dichter-Instituts, erreichen wir mit einer You-AD-Kampagne in Städten wie Zürich mit 25 Autos in einem Monat 100000 Leute. Und eine solche Werbewirksamkeit darf sich wirklich sehen lassen», sagt der Verwaltungsratspräsident von You-AD.
Fundierter Aufbau statt Schnellschuss
Angemeldet haben sich bei You-AD bislang 800 Fahrer, 350 davon in Zürich. Um von You-AD ausgewählt zu werden, müssen die Interessierten allerdings einige Kriterien erfüllen. Der Fahrer muss unter anderem mit seinem Auto monatlich mindestens 1000 Kilometer im für die Kampagne hauptsächlich relevanten Gebiet zurücklegen.
Als Gegenleistung bekommt der Fahrer 100 Franken pro Monat und die Möglichkeit, das Sujet, mit dem er herumfahren wird, selber auszuwählen. «Das führt dazu, dass die Autofahrer, die mitmachen, nicht einfach nur daran interessiert sind, auf billigste Art ihr Leasing zu finanzieren, sondern auch hinter der Kampagne stehen, mit der sie herumfahren», zeigt sich Gfeller überzeugt.
Er und sein Team sind derzeit daran, neue Werbefolien zu testen und einzuführen. Die sollen anders als die bisherigen keine Löcher mehr haben und dennoch durchsichtig sein. «Damit wird die Qualität der Heckscheibenwerbung weiter gesteigert», sagt Gfeller. Und damit soll sich das Geschäft auch für andere auszahlen. «Wir wollen nur das Beste anbieten», sagt er, «und das zu einem fairen Preis.» Eine zweimonatige Kampagne mit 200 Autos kostet rund 145000 Franken – 195 Franken pro Auto für die Produktionskosten, 265 Franken pro Auto und Monat für die Mediakosten.
Das denken Markus Ruf, Dominique von Matt und Co. über You-Ad

Markus Ruf, freier Konzepter: «Werbeflächen auf dem Autoheck? Nicht ganz unproblematisch. Wenn Werbung gut ist, fällt sie ja auf. Lenkt also vom Verkehr ab. Entweder gibts da rigorose gesetzliche Vorschriften, was erlaubt ist (wie bei Strassenplakaten). Oder die Auto-Reparaturwerkstätten können sich auf gute Geschäfte freuen. Spätestens, wenn H&M sich entschliesst, die nächste Bikini-Kampagne auch auf den Autohecks zu schalten. Eigentlich müsste die Werbefläche auf einem Aargauer Autofüdli mehr kosten, weils öfter im Baregg-Stau steht, die Werbung also intensiver gesehen wird. Da könnte ich mir Werbung für die SBB vorstellen, nach dem Motto: ‹Lieber im Zug sitzen und Zeitung lesen als im Stau stehen und Werbung lesen›.»
Dominique von Matt, Mitinhaber Jung von Matt/Limmat: «Für mich stellt sich die Frage: Wie wirkt dieses Medium, wenn man sich daran gewöhnt hat? Jetzt zieht der Überraschungseffekt. Aber in einigen Monaten? Zudem finde ich es nicht unproblematisch, dass sich diese Werbefläche bewegt. Wichtig ist, dass es einem mittels kurzer Botschaft gelingt, den Dialog mit den anderen Autofahrern und den Fussgängern aufzunehmen und die Aktualität der Botschaft als solche erkennbar zu machen. Schliesslich hat es schon genug Autos mit irgendwelchen Aufschriften von irgendwelchen Firmen.»
Matthias Freuler, CD, Wirz Werbung: «Ich finde die Idee grundsätzlich gut. Jedes neue Medium, das uns neue Möglichkeiten bietet, ist begrüssenswert. Und was bei Bussen und Trams seit Jahren gang und gäbe ist, sollte auch im Privatverkehr funktionieren. Sei es nur, um den Benützern von überfüllten Bussen und Trams zu sagen, wie viel angenehmer doch die Fahrt im eigenen Wagen wäre. Zweifel allerdings habe ich, ob genügend Autobesitzer bereit sind, ihren Porsche, Polo oder Pontiac zum Poster zu machen.»
Lajos Vizner, Beratungsgruppenleiter Wirz Werbung: «Diese Werbeform ist ein sehr gutes Ergänzungsmedium für das urbane Umfeld. Vor allem im Stau kommt dieses Medium optimal zum Tragen.»
Regula Scherrer, Beratungsgruppenleiterin WHS: «Ich bin überzeugt, dass es in Zürich funktioniert. Ich habe das You-AD-Angebot flankierend zu anderen Möglichkeiten bereits für einen Kunden aus dem Medienbereich ins Auge gefasst. Vor allem finde ich interessant daran, dass man die Werbeform noch nicht kennt; sie überrascht. Zudem stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis.»

Radio Aktuell und Publicitas erwägen Trennung.

Radio Aktuell löst sich definitiv nicht per 1. Mai von der Publicitas-Regie (siehe WW 6/01). Doch das Thema bleibt aktuell.

Radio Aktuell löst sich definitiv nicht per 1. Mai von der Publicitas-Regie (siehe WW 6/01). Doch das Thema bleibt aktuell. Beide Seiten bestätigen: Man spricht darüber. Jürg Bachmann, Leiter Neue Medien bei der St.Galler Tagblatt-Gruppe, konkretisiert: Der Verwaltungsrat hat kürzlich eine paritätische Arbeitsgruppe eingesetzt, die auch die Varianten Trennung und Status quo durchrechnen und die Stimmung bei Kunden ausloten soll. Werbewoche auf WAP. Ab sofort lässt sich via WAP-Handy (GSM/GPRS) jederzeit und von überall her auf den Inhalt der WAP-Homepage der Werbewoche zugreifen. Unter der Adresse wap.werbewoche.ch können die aktuellsten News, Anzeigenpreise, technische Daten, Termine und anderes mehr abgerufen werden.
MAGAZIN-FOTOPREIS 2000. Der Genfer Reportagefotograf Steeve Iuncker ist mit dem Magazin-Fotopreis 2000 in der Höhe von 10000 Franken ausgezeichnet worden. Er erhielt den Preis für eine Bildreportage über den an Aids erkrankten Xavier. Das langsame Sterben Xaviers hielt er während dreier Jahre fest. Die Reportage ist bis 22. April im EWZ-Unterwerk ausgestellt. Der Katalog zur Ausstellung ist bei Schwabe & Co. erschienen.
GESICHTER DER ORGANISIERTEN OSTKRIMINALITÄT. Am 11. April erschien im Tages-Anzeiger der erste Beitrag zur Serie «Organisierte Kriminalität aus dem Osten», die auch Bezüge zur Schweiz herstellt. Beworben wird die Serie durch ein von WHS, Zürich, konzipiertes Motiv, das eine Maske Boris Jelzins zeigt. «Es ist ein treffendes Bild, weil es das Phänomen vor Augen führt, dass sich wichtige Staatsrepräsentanten
ab und zu eine Maske anziehen», sagt Peter Johannes Meier, Reporter und Mitautor der Serie.
Lamm und Fisch für Kinogänger und Gourmets. Die Zürcher Werbeagentur Lesch+Frei hat für das italienische Restaurant Pizza Pasta Ciao in Zürich eine Kinodiaserie vom buchstäblich Feinsten kreiert: Unter dem Titel «The Silence of the Lambs» präsentiert sich ein rosa gebratenes Lammkotelett, unter der Headline «A Fish called Wanda» eine Antipasto-Sardine. «Wir wollten uns von den typischen Kinodias für Pizzerias mit den grünen Tischdecken und den roten Servietten unterscheiden», sagt CD Thomas Lüber. Weil sich das Restaurant oberhalb des Kinos Capitol befindet, lag der Bezug zur Kinowelt nahe.
Helvetic Tours: Kampagne ist irreführend. Die von Advico Young & Rubicam für Kuoni Reisen gestaltete Werbekampagne unter dem Titel «Helvetic Tours Volksinitiative ‹Judihui, Gratis-Ferien für alle›» hat die Stiftung für Konsumentenschutz erbost. Die Schweizerische Lauterkeitskommission heisst deren Beschwerde wegen irreführender Werbung gut. Die Kampagne erwecke den Eindruck, der Reiseveranstalter wolle eine Volksinitiative starten, damit die Krankenkassen die Ferien bezahlen müssen. Kuoni muss in der künftigen Werbung mit Bezug auf Volksrechte deutlich klar machen, dass es sich um einen Werbegag handelt (siehe auch Seite 12).
ALLES GUTE KOMMT VOM BODEN. Basiswerbung für ein höheres Niveau: «Vorsicht Bildungsstufe» heisst es auf einem Bodenplakat für die Qualitätszeitung Der Bund. Die Idee für dieses Medium stammt von der Berner Agentur Contexta. Gebucht wurde die Kampagne bei C-Line an
70 Kiosken in der Region Bern. Platziert wurde das Bodenplakat im Eingangsbereich des Kiosks. Weitere Informationen können bei www.c-line.ch abgerufen werden.
Publicom beteiligt sich in Afrika. Die Medienberatungsfirma Publicom in Kilchberg beteiligt sich an Mediafric S.a.r.l mit Sitz in Dakar (Senegal). Das neu gegründete Medienunternehmen gibt mehrere Publikationen heraus. Neben einem Mediennachschlagewerk für Westafrika («Medias-contacts») publiziert Mediafric die zweimonatlich erscheinende Fachzeitung Reflets, die sich mit den Beziehungen zwischen Afrika und der Schweiz befasst, sowie einen wöchentlich erscheinenden elektronischen Newsletter.
Editorial

20 Minuten später in der Metropole
Es zeigt sich bei der Ermittlung der neuesten Auflagenzahlen durch die AG für Werbemedienforschung ganz klar: Fürs Gratislesen gibt es einen wachsenden Markt, der sich als viel offener erweist als zum Beispiel der Fernsehmarkt. Der Raum Zürich hat sich dabei zum Vorreiter für die neue Kultur des Umsonstlesens entwickelt.
Dabei können die Zeitungen froh sein um ihre hohen Abonnementanteile. Ohne dieses Bollwerk wären die Verluste noch happiger ausgefallen. Aber es erstaunt natürlich nicht, wenn ein Landbote oder ein Zürcher Oberländer, die einen Anteil Einzelverkauf von nur je 2 Prozent der Auflage haben, gegen die Gratiszeitungen immun sind. Andererseits sieht man aber, wie verwundbar Publikumstitel am Kiosk sind. Von den beiden am meisten betroffenen Zeitungen im Einzugsgebiet der neuen Gratiszeitungen verkauft die Aargauer Zeitung sogar weniger als
2 Prozent am Kiosk, und trotzdem hat sie arg gelitten. Hingegen erstaunt es weniger, wenn der Tages-Anzeiger, der immerhin rund 10 Prozent seiner Auflage am Kiosk absetzt, am meisten in den Abwärtstrend gerissen wurde.
Aber ein hoher Abonnementanteil kann auch zum Stein am Hals werden, wenn man den Weg in die Zukunft mit veränderten Inhalten antritt. Das hat das zum Newsmagazin mutierte Meyer’s im letzten Jahr dramatisch vorgeführt.
Doch bei allen Zahlen muss auch die Frage erlaubt sein: Sind diese Auflagenzahlen tatsächlich so genau ausgewiesen, wie sie vorgeben? Oder sind sie nur das Produkt legaler Jongliererei mit Rücksicht auf Marketingüberlegungen der Verlage? Überzeugen Sie sich ab Seite 22 selbst davon, wer beim diesjährigen Auflagenrallye die Nase vorn hat.
Daniel Schifferle

Phase 4 jetzt auch in Zürich

Die Münchner Multimediaagentur Phase 4 Communications GmbH hat eine Zürcher Niederlassung gegründet.

Die Münchner Multimediaagentur Phase 4 Communications GmbH hat eine Zürcher Niederlassung gegründet.Die neue Agentur wird von Boris Jacklowsky geleitet, der fünf Jahre als Produktionsleiter bei Pixelpark tätig war, bevor er 1999 als IT-Manager zu Phase 4 wechselte. Als erste Kundin des neuen Büros betreut das Fünferteam die Rialto Film AG. Phase 4 Communications, die sich an der Biberlinstrasse am Zürichberg befindet, entwickelt für sie gemeinsam mit der Schweizer Agentur Getunik eine B2B-Website. «Der Schweizer Markt ist ideal für uns», sagt Peter Wolf, Geschäftsführer der deutschen Phase 4. «Viele Firmen aus dem Finanz- und Mediensektor, in dem wir besonderes Know-how aufbauen konnten, haben hier ihre Sitze.» Deshalb wolle man sich in der Zwinglistadt auf Kunden aus diesen Bereichen konzentrieren. In Deutschland zählt Phase 4 die Allianz sowie die Hypovereinsbank zu ihren Grosskunden. Für Letztere hat das Unternehmen als Leadagentur den aktuellen Internetauftritt konzipiert und auch umgesetzt. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte der Umsatz um gut 50 Prozent auf über sechs Millionen DM erhöht werden. Zurzeit beschäftigt die Agentur 35 Mitarbeiter. Mit der Niederlassung in Zürich ist Phase 4 erstmals im Ausland vertreten. (dz)

News: Initiative und Carat im Philips-Final

Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat die Shortlist seines Mediapitches auf zwei Agenturen gekürzt.

Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat die Shortlist seines Mediapitches auf zwei Agenturen gekürzt.News Initiative und Carat im Philips-Final
Starcom MediaVest, Mindshare und OMD sind aus dem Rennen um den millionenschweren Etat ausgeschieden; die Entscheidung um das konsolidierte weltweite Budget (600 Millionen Dollar) wird zwischen Initiative Media und Carat getroffen werden. Carat betreute Philips bisher in Europa, in der Schweiz vertreten durch Micom Carat, Zürich.
Schibsted sistiert d-Expansion Der norwegische Verlag Schibsted will mit seiner Gratiszeitung 20 Minuten erst Anfang kommenden Jahres von Köln in weitere deutsche Grossstädte expandieren. Bisher war man in der Branche davon ausgegangen, dass Schibsted bereits im Mai neue Ausgaben starten werde. Grund für den Aufschub sei der schwierige deutsche Markt, so Ekkehard Kuppel, CEO der 20-Minuten-Holding. Stattdessen wird nun der Start in anderen europäischen Ländern ins Auge gefasst.
WPP kauft Icon Brand NavigationDie britische Werbeholding WPP übernimmt die Markenberatungsfirma Icon Brand Navigation. Icon wurde 1993 in Nürnberg gegründet und beschäftigt heute 220 Angestellte in München, Hamburg, Istanbul, Madrid, Mailand, Paris und New York. Zu den Kunden gehören unter anderen Nestlé und Maggi. Im Geschäftsjahr 2000 verzeichnete Icon einen Umsatz von 87 Millionen Mark.
Kein @ mehr in D-Firmennamen In Deutschland darf das Sonderzeichen @, auch Klammeraffe genannt, nicht als Bestandteil eines Firmennamens eingetragen werden. Dieses Urteil fällte das Landgericht München vergangene Woche. Nach Ansicht der Richter darf ein Unternehmensname keine Zeichen enthalten, die nicht zur deutschen Rechtschreibung gehören. Damit wurde die Klage einer Firma, der die Münchner Behörden den Eintrag ins Handelsregister verweigert hatten, bereits in zweiter Instanz abgewiesen.
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