«Noch nie wurde die Idee, Heckscheiben als Werbeflächen zu nutzen, so professionell, plausibel und effizient umgesetzt wie bei You-AD», schwärmte Walter Bosch, VR-Mitglied von You-AD, in der WerbeWoche. Der Aussage gab eine Studie vom Ernest-Dichter-Institut Gewicht. Von Michel Jaussi fotografierte Beine verleihen ihr jetzt noch ein Gesicht. Ab nächster Woche will der junge Start-up mit dem inhouse entwickelten Auftritt in Zürich für Aufsehen sorgen und beweisen, wie gut die mobile Werbefläche wirkt. «Eine bewusste und sexy Verbeugung vor der Werbebranche», so Mitinhaber Thomas Gfeller über die Werbung in eigener Sache.Hommage an Troxler. Zwar haben dieses Jahr die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) und das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) den seit 60 Jahren durchgeführten Wettbewerb «Schweizer Plakate des Jahres» sistiert, weil sie an einer Neuausrichtung der Prämierung arbeiten. Trotzdem wollte die APG die traditionelle Ausstellung nicht sang- und klanglos ausfallen lassen. Als Trost organisierte die Luzerner APG-Niederlassung eine Sonderausstellung über den Plakatkünstler Niklaus Troxler. Seine unter anderem im New Yorker MoMA ausgestellten Plakate gehen zusammen mit den «Plakatperlen der Zentralschweiz 2000» auf Wanderschaft und sind in neun Gemeinden zu sehen.
EXPONIERTER PITCH. «Mit Freude» teilt Markus Gut von Publicis mit, dass sein Team in einer Konkurrenzpräsentation den gesamten Werbeauftrag der Migros zum Expo-Auftritt an Land gezogen hat. Die «überraschende und gradlinige Idee» der Publicis konnte sich im Pitch bereits in der ersten Runde gegen die Vorschläge der Konkurrenz durchsetzen. Beim orangen Kulturförderer ist Beat Mühlemann für das Expo-Budget zuständig.
Die Ära der Werbeassistenten ist vorbei. 105 Kandidatinnen und Kandidaten haben die Ausbildung als Planer(in) Marketingkommunikation erfolgreich abgeschlossen. Zum ersten Mal fanden die Prüfungen nach dem neuen Reglement 2000 statt. Es ersetzt die bisherige Berufsprüfung als Werbeassistent(in). Die Erfolgsquote war mit 56 Prozent «nicht gerade berauschend», wie die Schweizer Werbung (SW) schreibt. Als Grund sieht sie die stärkere Gewichtung des schriftlichen Teils und das neue Hauptfach Kommunikationsplanung.
Der neue «Stuhlmann». Zu seinem Einstand als neuer Chairman von Euro RSCG hat Frank Bodin Kunden und Mitarbeiter mit einer ganz eigenen Postkartenkampagne überrascht und gleich selbst den neuen kreativen Wind angekündigt. Mit diversesten Sitzgelegenheiten (vom elektrischen Stuhl bis zum orangen Panton-Stuhl als Ehreerweisung an Kunde Orange) und markanten Statements hält er fest, worauf es ihm bei guter Werbung ankommt. Intern hat der CEO zudem einen Wettbewerb lanciert, um herauszufinden, auf welchem Sessel ihn die Belegschaft gerne sähe. Zynikern ist er aber zuvorgekommen: «Der Schleudersitz ist nicht dabei», meint Bodin schelmisch.
IM GIESSEREIOFEN GEGART. Nach einer Agenturevaluation beauftragte die Giesserei Oerlikon die Zürcher Agentur Bonaparte mit der Konzeption ihrer Kommunikation. Zunächst soll bei den umliegenden Firmen bekannt gemacht werden, dass in dem Restaurationsbetrieb, der bisher an drei Abenden in der Woche geöffnet war, neuerdings auch täglich zu Mittag gegessen werden kann. Dieses Ziel wollen die Werber mit einer Freecard erreichen. Das auffällige Motiv stellt den sozusagen archaischen Charme der Giesserei in Kontrast zu ihrer kulinarischen Erlebniswelt. Das abgebildete «Besteck» stammt aus den verbliebenen Werkzeugbeständen des ausrangierten Industriebetriebs, der Teller wurde auf dessen Fussboden abgelichtet. «Das heisst aber nicht, dass die Gäste hier auf dem Boden sitzend speisen», sagt Texter Adrian Sulzer.
Editorial
Noch nicht das letzte Opfer…Kürzlich erst musste SwissOnline das Aus für ihr gerade mal ein Jahr alt gewordenes Kundenmagazin Netlife bekannt geben. Jetzt kommt dieselbe Hiobsbotschaft vom Internet Standard, der gleichzeitig gestartet war. Von den drei Printtiteln zur New Economy, die im vergangenen Jahr voller Optimismus auf den Markt gingen, bleibt nur das B2B-Blatt Netzwoche übrig.
Allen drei Titeln ist gemeinsam: Sie wurden im Boom geplant und setzten für ihre Entwicklung auf eine Fortschreibung des Hypes in der New Economy. Nach dem nicht ganz überraschenden Crash blieben die Aufräumarbeiten. Statt über all die prophezeiten Erfolgsstorys mussten sie bald nur noch über die tückenreichen und geldvernichtenden Dotcomfirmen berichten. Dass aus einem derart ungemütlich gewordenen Umfeld Inserenten wie Leser davonlaufen, liegt auf der Hand.
Die Netzwoche ist in einer etwas komfortableren Situation, denn ihr Zielpublikum, die Entscheider in den Unternehmen, müssen sich auch weiterhin mit dem Internet auseinandersetzen, ob sie wollen oder nicht.
Sicher wird der Internet Standard aber nicht das letzte Medienopfer der geplatzten New-Economy-Blase sein. Neben diversen weiteren Sites und Portalen, die zu den bereits geschlossenen hinzukommen werden (siehe auch Seite 1), ist ein Grossprojekt massiv bedroht: Roger Schawinskis Money 24 mit dem geplanten Finanzportal als Haupteinnahmequelle. Der Börsensender sieht sich jetzt gleich mit einem doppelten Scherbenhaufen konfrontiert: dem Börsencrash und dem Crash der Internetillusionen. Genau die richtigen Voraussetzungen für ein weiteres Debakel. Daniel Schifferle