305 Schweizer auf Löwenjagd

Schweizer Cannes-Experten beurteilen die Chancen der helvetischen Einreichungen «Weder Provinz noch Grossmacht» Frank Bodin, CEO Euro RSCG

Schweizer Cannes-Experten beurteilen die Chancen der helvetischen Einreichungen «Weder Provinz noch Grossmacht» Frank Bodin, CEO Euro RSCGMit 305 Einreichungen sind die Schweizer Agenturen dieses Jahr zwar nicht so euphorisch wie auch schon nach Cannes gezogen – quantitativ gesehen. Qualitativ aber soll 2001 ein besonders guter Jahrgang sein, meinen die Experten. Gemäss unserer Cannes-Umfrage gibts denn auch einige heimliche Favoriten. Die untenstehenden Fragen haben wir wichtigen Schweizer Cannes-Experten gestellt.Welcher internationale Spot muss in Cannes unbedingt einen Preis gewinnen?Welche sind Ihre Favoriten unter den Schweizer Spot-Einreichungen?
Welche Schweizer Beiträge im Bereich Print haben Chancen?Wie viele Auszeichnungen und Nominierungen in der Shortlist würden Sie für die Schweiz als angemessen erwarten?
Wie wenig Preise müssten anfallen, damit die Schweiz zwingend als Werbeprovinz bezeichnet werden kann?Was bedeutet Ihnen der Wettbewerb von Cannes?
Welches ist Ihr schönstes persönliches Erlebnis in Cannes?Welches ist Ihr guter Vorsatz für dieses Jahr in Cannes?
Beenden Sie bitte den angefangenen Satz «In Cannes gewinnt man vor allem, wenn …»«Weder Provinz noch Grossmacht»Frank Bodin, CEO Euro RSCG
Welcher internationale Spot muss einen Preis gewinnen?
Frank Bodin: Fernab jeder Zivilisation einige Braunbären am Fluss. Ein Mann rennt schreiend ins Bild und beginnt eine unkonventionelle Schlägerei mit einem der Bären. Ein Tritt zwischen die Beine des Bären, und der Mann kann ihm einen Lachs entreissen und abhauen. Mit einem so erfrischenden Spot für frische Büchsenfische von John West fischt sich Leo Burnett einen Löwen.
Welche sind Ihre Favoriten unter den Schweizer Einreichungen?
Bodin: Löwen-Chance: Der Hakle-«Scheibenwischer»-Spot von AY&R, weil dieser in einer eher trockenen Kategorie den Consumer Benefit feuchtfröhlich demonstriert. Zwei Shortlist-Chancen: die mit Kortschnoi Schach spielende Milchkuh und Médecins sans Frontières. Einige Spots kann ich nicht beurteilen, weil ich nach Mitternacht nie Tele 24 schaue.
Welche Schweizer Beiträge im Print-Bereich haben eine Chance?
Bodin: Shortlist-Chancen: Das Médecins-sans-Frontières-Sujet, das den Goldgewinnern vom letzten Jahr die Zunge zeigt. Die Weltliteratur für die VBZ. Die Milchkuh im Schlafsack. Flims/Laax/Trallala für die höchste Halfpipe. «Sacré du Printemps» fürs Zürcher Ballett. Das SBB-Plakat «Brussels–Geneva». Die Bierdeckelidee für die Anonymen Alkoholiker. Die Suva-Grabsteine. Das Arena-Plakat zum Wegtragen. Nicht vergessen: Das Kuoni-Plakat von AY&R mit der grössten Löwen-Chance.
Wie viele Auszeichnungen wären für die Schweiz angemessen?
Bodin: Ein Filmlöwe, drei Printlöwen, ein Medialöwe und ein Cyberlöwe pro Jahr müssten das Ziel sein. Und alle sieben Jahre einen Grand Prix. Aber es soll sich niemand wundern, wenns dieses Jahr keinen einzigen Löwen gibt.
Ab wie wenig Preisen müsste die Schweiz zwingend als werblerische Provinz bezeichnet werden?
Bodin: Machen wir Werbung für Schweizer Werbung? Machen wir uns Gedanken zur Markenführung Schweizer Qualitätswerbung? Wie oft ist die Schweiz im AdAge präsent? Welche weiteren internationalen PR-Kanäle belegen wir systematisch? Haben wir Botschafter? In welchen Büchereien im Ausland gibts das ADC-Jahrbuch Schweiz? Was tun wir, um den Werbestandort Schweiz für ausländische Unternehmen attraktiv zu machen? Wie spitzen wir die Förderung junger Talente zu? In wie vielen Agenturen ist internationales Niveau das Mass aller Dinge? – Die Schweiz ist weder Provinz noch Grossmacht, sondern ein kleines demokratisches Land mit der Einwohnerzahl einer anständigen US-Stadt. Und mit Eigenschaften wie Wohlstand, Kompromissbereitschaft und Langsamkeit. Die Werbung ist nur ein Spiegel dieser Realität. Und selbst der ADC kann sich ihr nicht entziehen: So lange sich automatisch 25 Prozent der am ADC eingereichten Arbeiten mit Bronze schmücken dürfen, also ein quantitativer Massstab angewendet wird, wird die Qualität nicht verbessert.
Was bedeutet Ihnen der Wettbewerb von Cannes?
Bodin: Die beste Kreativschule der Welt.
Welches ist Ihr bisher schönstes persönliches Erlebnis in Cannes?
Bodin: Einen Löwen gewonnen zu haben.
Ihr Vorsatz für dieses Jahr?
Bodin: Einen Media-Löwen zu gewinnen.
In Cannes gewinnt man vor allem, wenn…
Bodin: …man nicht am Strand liegt.

Der eBund in neuem Kleid

Das Redesign des eBunds veranschaulicht zwei Trends im Onlinepublishing

Das Redesign des eBunds veranschaulicht zwei Trends im OnlinepublishingDie elektronische Ausgabe der Berner Tageszeitung Der Bund, eBund, präsentiert sich seit dem 5. Juni mit einem aktualisierten Auftritt. Neben Änderungen am Erscheinungsbild wurde auch die Struktur der Website im Sinne einer verbesserten Navigation überarbeitet. Werbetreibenden bietet der eBund eine neue Werbeart in Form eines im Textteil eingebundenen Werbefensters (430 ¥ 140 Pixel), das tageweise zu einem Fixbetrag gebucht werden kann.Auch inhaltlich verändert sich der eBund: Die Onlinenews werden massiv ausgebaut. Unter «eBund aktuell» werden dem Besucher nun auch Meldungen aus den Bereichen Ausland, Inland, Region, Wirtschaft und Boulevard angeboten. Die Inhalte der aktuellen Tageszeitung werden weiterhin vollständig online publiziert, aber nicht mehr so prominent auf der Startseite platziert.
Das Redesign des eBunds veranschaulicht zwei Trends im Webpublishing: Zum einen stellen die Websitebetreiber den Werbenden immer attraktivere, im Zentrum der Website liegende Werbeplätze zur Verfügung. Diese Entwicklung ist vor allem mit der harzigen Entwicklung der Onlinewerbewirtschaft zu erklären. Websitebetreiber haben festgestellt, dass sie den Werbenden etwas entgegenkommen müssen. Die neue Positionierung soll laut Peter Wyss, Verantwortlicher Neue Medien bei der Bund Verlag AG, mehr Beachtung garantieren. Die Abrechnung über Fixbeträge ermögliche es auch Kunden mit speziellen Bedürfnissen, unkompliziert Werbung zu schalten.
Vereinheitlichungstendenz im Webdesign
Der neue eBund dokumentiert auch einen schon länger anhaltenden Trend zu einer gewissen Design-Vereinheitlichung in der Onlinemedienlandschaft. Dies bestätigt auch Wyss: Beim Redesign sei trotz Wahrung eines eigenständigen Auftritts eine Annäherung des Erscheinungsbildes an gleichartige Angebote in Kauf genommen worden, die sich als benutzerfreundlich erwiesen hätten. Ähnliches war schon beim kürzlich erfolgten Redesign von Blick Online feststellbar: Die Site behielt zwar ihre Unverwechselbarkeit, erhielt aber ein dreispaltiges Layout. Ein solches ist unterdessen auf den Websites der meisten Zeitungen zu finden. Am linken Bildschirmrand befindet sich jeweils das Navigationshauptmenü, der Hauptteil in der Mitte des Bildschirms ist für Haupttexte und Schlagzeilen reserviert, die rechte Spalte wird meistens dazu genutzt, um eigene Spezialangebote oder solche von Partnern anzureissen.
Eine Angleichung der verschiedenen Websites ist auch bei Portalen und E-Commerce-Shops feststellbar. Oft profitieren vor allem kleinere E-Commerce-Anbieter von den Forschungen der Branchenleader bezüglich Usability und kopieren Designelemente, die sich bewährt haben. Das hilft den Besuchern, sich auch auf neuen Websites schneller zurechtzufinden. Clemens Hörler

Online-Marketing: Leybold Optics

Ziel: Traffic erzeugen sowie strategische Platzierung.

Ziel: Traffic erzeugen sowie strategische Platzierung.Leybold Optics Werbemittel: Gif-Banner.
Auftraggeber: Leybold Optics. Werbeagentur: FKP & Partner, St. Gallen.

Schweizer in New York versilbert

Der ADC New York hat Niklaus Troxler, Willisau, beim ADC-Award mit Silber ausgezeichnet.

Der ADC New York hat Niklaus Troxler, Willisau, beim ADC-Award mit Silber ausgezeichnet.In der Kategorie Graphic Design überzeugte sein Poster «Ellery Eskelin-Han Bennink». Gestaltet wurde es für Jazz in Willisau. Einen Distinctive Merit gewann er zudem für ein Plakat zur Art Nyon. Ein Distinctive Merit in Advertising ging an McCann-Erickson, Zürich, für «Police Control» für die Anonymen Alkoholiker.

Weltweit gültig und ethnisch korrekt

AY&R konzipiert einen internationalen Auftritt für den Rückversicherer Swiss Re

AY&R konzipiert einen internationalen Auftritt für den Rückversicherer Swiss ReRund zwei Jahre arbeitete die Zürcher Agentur Advico Young & Rubicam (AY&R) an der Konzeption einer weltweiten Imagekampagne für die Schweizer Rückversicherung Swiss Re. Seit Mitte Mai läuft nun der vorerst aus drei Sujets bestehende Inserateauftritt, der in Europa, den USA, in Südamerika, Asien und Australien geschaltet wird. Laut Agentur hängt diese für Schweizer Verhältnisse ungewöhnlich lange Entwicklungsdauer mit einer Diskussion zusammen, die mit den Verantwortlichen der Swiss-Re-Divisonen der genannten Märkte geführt worden ist, um nicht nationale ethische Gegebenheiten zu verletzen, in denen die Kampagne erscheint.
«Obwohl sich das Ganze über zwei Jahre hinzog, war es doch schön, für eine Konzeption einmal so viel Zeit zu haben», sagt Christian Baertschi, Berater bei AY&R.
Der neue Auftritt soll Swiss Re auch bei seinen 9000 Mitarbeitenden als Unternehmen positionieren, das im Kapital- und Risikomanagement durch kreatives Denken unkonventionelle Lösungen erbringt. Bewirken will man dies durch den Claim «Solutions beyond the obvious», der als Erläuterung etwa bei einem Motiv steht, das mehrere Wolkenkratzer zeigt, die sich im Sturmwind biegen. Ernst Weber

Best of South-West

(1. Quartal 2001) Affinität der Anzeigen bei den Supportern in der «bürgerlichen Ecke»

(1. Quartal 2001) Affinität der Anzeigen bei den Supportern in der «bürgerlichen Ecke»Best of Print AdvertisingDie Anzeigenhits 2001 aus dem Advertising-Index des Marktforschungsinstituts Demoscope
In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope präsentiert Publimedia den Leserinnen und Lesern der WerbeWoche fünfmal pro Jahr einen Auszug der
Resultate aus dem Advertising-Index (AX Print). Dieser Index (siehe Kasten) ist ein Modul des Market Radar und misst die Beliebtheit von Anzeigensujets. In den oberen beiden Reihen befinden sich jene Sujets, die in der betreffenden psychografischen Zielgruppe (siehe Windrose) die grösste Akzeptanz erzielten. Die drei Sujets, die
bei der gesamten Stichprobe, also bei allen vier Zielgruppen insgesamt, im 1. Quartal 2001 am besten abschnitten, werden unter dem Titel «Top three» gezeigt.

Zweieiige Zwillinge

Starke Unterschiede bei Internetpanels von ACNielsen und MMXI

Starke Unterschiede bei Internetpanels von ACNielsen und MMXIVon Markus KnöpfliACNielsen hat erstmals die Daten seines Internet-Homepanels für die Schweiz veröffentlicht. Doch obwohl das Panel fast identisch wie das von MMXI Switzerland angelegt ist, unterscheiden sich die Resultate zum Teil erheblich. Allein die Nutzungszeit im April weist eine Differenz von über einer halben Stunde aus.
Gemäss den erstmals von Nielsen/Netratings veröffentlichten Daten haben im April 1,57 Millionen Personen in der Schweiz das Web im Schnitt sechs Stunden daheim genutzt. Ganz andere Daten weist MMXI Switzerland für April aus (WW 21/01): Demnach nutzten 2,195 Millionen Personen das Web während rund fünfeinhalb Stunden.
Die Unterschiede erstaunen, gleichen sich doch die Panels fast wie ein Ei dem anderen: Zwar hat MMXI mit 4863 Personen eindeutig das grössere Panel, ACNielsen fällt mit 3333 Teilnehmern etwas ab. MMXI schätzt die Grundgesamtheit jener Personen mit Internetanschluss zu Hause auf 2,8, ACNielsen auf 2,99 Millionen. Beide führen monatliche Befragungen durch, um die Daten laufend anzupassen. Und beide messen die Internetnutzung am PC der Panelteilnehmer mittels einer Software, welche die Daten zeitgleich an eine Zentale übermittelt.
Und doch besteht der grösste Unterschied bereits in der hochgerechneten Zahl der aktiven Internetnutzer, die um 600000 Personen (!) differiert. Ein zweiter wesentlicher Unterschied liegt bei den Ratings. So ähnelt die Top-20-Domain-Liste von Nielsen/Netratings jener von MMXI nur auf den ersten neun Plätzen, weiter hinten sind hingegen eklatante Unterschiede auszumachen. Schon auf Platz 10 und 11 weist ACNielsen mit Geocities.com und Bluewindow.ch zwei Kandidaten auf, die bei MMXI nicht unter den Top 20 zu finden sind. Und auf den Rängen 13, 17 und
19 bringt Nielsen/Netratings mit Netscape.com, Gmx.net und Yahoo.fr weitere «Fremdlinge» ins Spiel. Andere wie Altavista.com oder Swissonline.ch machen je nach Panel grosse Sprünge nach vorn oder zurück.
Erklärungsversuche sind nicht über alle Zweifel erhaben
Erklärungsversuche für die Differenzen gibt es auf beiden Seiten, doch sie sind wenig glaubwürdig. Von ACNielsen wurde behauptet, dass MMXI schon bei der Rekrutierung der Panelteilnehmer mit der Fragestellung vor allem auf Heavy-User aus sei, während Nielsen/Netratings lediglich danach frage, ob zu Hause ein Internetanschluss vorhanden sei.
Dies wird aber von MMXI bestritten: Man frage ebenfalls nach einem Internetanschluss, hiess es da. MMXI moniert dafür, die Software von Nielsen/Netratings erkenne einen zwischenzeitlichen Wechsel zu Offline-Applikationen nicht, weshalb höhere Nutzungswerte ausgewiesen würden. Hierzu scheint aber die Differenz von einer halben Stunde zu gering.
Das Panel von ACNielsen hat aber einen Vorteil, den MMXI (noch) nicht bieten kann: Es misst, wie viele Prozente der Nettobesucher auf ein Banner oder einen Button klicken. Die durchschnittliche Click-Rate betrug demnach im April 0,43 Prozent. Neue Webwerbeformen werden laufend in die Messsoftware integriert.

Wahrheit und Dichtung

Einmal mehr jährte sich vergangene Woche die Präsentation des – neben dem Lürzer’s-Archiv – beliebtesten Ideengenerators aller um Fantasie ringenden Kreativen: Im Studio Aeschbacher stand die Vernissage

Einmal mehr jährte sich vergangene Woche die Präsentation des – neben dem Lürzer’s-Archiv – beliebtesten Ideengenerators aller um Fantasie ringenden Kreativen: Im Studio Aeschbacher stand die VernissageVon Beat Fritsch des neuesten ADC-Jahrbuchs auf dem Programm.
Das Buch der (Werbe-)Bücher zeigt wie immer die preisgekrönten Kampagnen der letzten ADC-Jurierung. Darum wird wohl auch das diesjährige, von Müller+Hess gestaltete Werk wieder als Fundus für denkfaule Couponinseratedesigner herhalten müssen.
Das Team um Magazin-Cheflayouter Wendelin Hess bestand neben Partner Beat Müller aus Ludovic Balland sowie Stephan Liechti und liess sich etwas Besonderes einfallen: Der zentrale Teil des Wälzers zeigt in gewohnter Weise die Arbeiten, die von der Jury mit Würfelehren bedacht wurden. Getreu dem Jahrbuchmotto «Verlieren ist wie gewinnen. Nur umgekehrt» werden allerdings die Seiten der schillernden Sieger von ausdrucksstarken Bildern von Verlierern und von fotografisch inszeniertem Scheitern umrahmt. Gedruckt auf gewöhnlichem Zeitungspapier! Ein Konzept, so einfach wie bestechend, was auch Jean Etienne Aebi im Vorwort bereits trefflich vermerkt hat.
Apropos Vorwort: Nur höchst ungern korrigieren wir unsere Kreativgötter. Ganz besonders, wenn es sich um den jüngsten ADC-Ehrenpräsidenten handelt. Aber das von Aebi erwähnte Hochglanzpapier gibt es halt einfach nicht, auch wenn es so aussieht! Ein Blick in die Credits verrät, dass es sich beim Trägermaterial der glänzenden Seiten um ein Phoenix Imperial halbmatt (!) hochweiss Stoffklasse 3 KD handelt, dem – wie auch schon manch einer Werbekampagne – mit einer nachträglichen Glanzlackierung auf die Sprünge geholfen wurde.
Genug der Spitzfindigkeiten und Besserwisserei: Das Buch wird seinen Zweck erfüllen, und die Innenseiten glänzen ja wirklich! Gut gemacht! Nicht nur wegen der brillant umgesetzten Arbeiten, sondern auch wegen des sensationellen Drucks.
Nicht ganz dieser Meinung
war der Mann fürs Grobe, Andreas Mossner von Advision. Gemäss eigener Aussage habe er kurz vor unserem Eintreffen dem Ehrenpräsidenten die Leviten gelesen, was die von den ADC-Mitgliedern gemeinhin als kreativ bezeichneten Arbeiten betreffe. Ob sich hier wohl so etwas wie der Neid der (Würfel-) Besitzlosen äusserte? Die Anderen handeln nämlich diese immer wiederkehrende Thematik schon anlässlich der Würfelparty an der ADC-Gala ab.
Da der ganze Anlass bei optimalen Gartenbeiztemperaturen stattfand, und das erst noch gegenüber dem sonnenbeschienenen Outdoor-Sitzplatz der Schiffbaukneipe LaSalle, zeigten die Werber für einmal keinen allzu grossen Durchhaltewillen. Das Interesse an den gereichten Drinks war erschreckend niedrig, das an den feinen Häppchen von Edel-Caterer Peter Gamma nur unwesentlich grösser. So kam es, dass sich nach den handelsüblichen Lobreden, dem Instantaustausch der aktuellen Branchengossips und der Gratisbuchentgegennahme das Gros der anwesenden High-Creativity-Society schnell wieder aus dem Staub machte.
Des Märchens Prolog:
Schon lange mal wieder wäre eine märchen- und feenhafte Frauen-Shortlist fällig. Und zwar nicht eine für, sondern eine ausschliesslich mit Frauen!
Wie gerufen kam deshalb die Einladung zur Launch-Party der Agentur Biba-Models von Babina Mayer. Einfach märchenhaft! Die schöne Bündnerin ist – 8-ung, Spiel mit Wortstil! – übrigens kein alter Hase, aber trotzdem eine erfahrene Profifrau im Modelbusiness.
Bereits vor acht Jahren organisierte sie, mehr aus Plausch als aus professionellem Ehrgeiz, im Churer In-Lokal Felsenkeller mit Kolleginnen Modeschauen. Angesichts der umgehend einsetzenden Nachfrage wurden daraus bald die gekrönten Biba-Models, die nicht nur mit (Schönheits-)Prinzessinnen und Prinzen aufwarteten, sondern auch mit Konzepten für Choreografie und Events.
Des Märchens Fortgang:
Da der ganze Hofstaat immer mehr schöne Prinzessinnen und Prinzen anzog, wurden auch die strengen Sittenwächter der Kommunikation im zwinglianischen Zürich auf die Bündner Schönheitsmonarchie aufmerksam. Die Nachfrage aus der Stadt nach minnehaft aussehenden Bündner Edelfrauen und -männern stieg ins schier Unermessliche. So beschlossen Ihre Majestät Königin Biba und ihre Palastdamen, fortan in Zürich zu residieren.
Des Märchens Erfolgsgeheimnis:
Es wurde just ein Hofball angekündigt, stattfindend in der altehrwürdigen Giesserei zu Zürich-Oerlikon. Und wie gerufen, aschenputtelten sämtliche ledigen Zürcher Jungmänner, Shortlistautor inklusive, ins Kastell an der Birchstrasse, um die Damen aus dem fernen Kantone zu besingen und zu betören.
Sogar Gesandte aus unbekannten und weit entfernten Reichen seien an dem Feste gesehen worden, wurde uns erzählt. Der Sultan von Bagdad habe seinen Gesandten Emir Baur ans Fest entsandt, der Kaiser von China gar seinen Stellvertreter.
Des Märchens Epilog:
Genau auf diesem Wege kamen Bibas Prinzessinnen und Prinzen an die Ufer der Limmat…und wenn sie nicht gestorben sind, kann man sie noch heute buchen. Wers glaubt, wird selig!
BEAT FRITSCH

kann – und diese Eigenschaft teilt er mit WHS-Inhaber Reini Weber oder Werber des Jahres Markus Ruf – nicht Auto fahren. Denn die Fahrprüfung wurde nie in Angriff genommen! Da er als Shortlistautor aber sowieso nur einen Bruchteil des Einkommens der Werbestars verdient, könnte er sich sein Traumauto eh nicht leisten. Umso genüsslicher setzte er sich auf die Haube des Porsche 911. Der gehört dem berühmt-berüchtigten Partylöwen Emanuele N., der ausdrücklich die Nennung des Namens untersagte. Die Schönheiten auf der Haube der Edelkarrosse gehören zur Agentur Biba-Models.
Wer bewundernswerte Werbung macht und dafür zu Recht bestaunt wird – oder wer Märchen erzählt –, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (info@werbewoche .ch). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Lesters Ruf war doch stärker als der von Impiric

Kann man sich beim Branding auch die Finger verbrennen?

Kann man sich beim Branding auch die Finger verbrennen?Diese Frage stellte sich Impiric, nachdem das Direktmarketingnetzwerk von Young & Rubicam nach nur einem Jahr erneut einen Namenswechsel vornehmen will. Die Umbenennung von Wunderman Cato Johnson in Impiric im Februar 2000 sollte die Agentur als moderne, ganzheitliche Spezialistin für Customer Relationship Management positionieren. Das kam aber im Markt nicht gut an, lässt sich Jörg Rindlisbacher, CEO von Impiric Schweiz, entlocken. Nach wie vor hält Rindlisbacher aber viel vom Namen Wunderman. Agenturgründer Lester Wundermann geniesse einen Ruf mit «unschätzbarem Wert im Direct-to-Consumer Marketing», erklärt auch Daniel Morel, CEO von Wunderman. Aus diesem Grund soll der damals von Young & Rubicam beschlossene Namenswechsel jetzt wieder rückgängig gemacht werden, auch wenn das schon nach so kurzer Zeit für eine Kommunikationsagentur etwas peinlich sei. In einer Übergangsphase bis Ende Jahr wird die Schweizer Niederlassung als Wunderman Impiric auftreten. (pan)

Nietzsche wird Elektriker

LGK platziert die Strommarke 1 to 1 energy mit einem kindlichen Fragenkatalog

LGK platziert die Strommarke 1 to 1 energy mit einem kindlichen FragenkatalogGegensätzlicher könnten die Werbeoffensiven der beiden Schweizer Stromriesen nicht sein: Während Axpo sich als Hersteller selbst empfiehlt, fokussieren die Bernischen Kraftwerke AG und 40 Elektrizitätswerke im Mittelland auf ihr Erzeugnis und machen aus Strom erstmals eine Marke, 1 to 1 energy. Folglich gehen die zwei auch im Markenaufbau – sechs Jahre vor der umfassenden Marktöffnung – andere Wege: Buhlt Axpo mit ungebackenem Butterzopf, rohen Bohnen und einem futuristisch-kosmopolitischen Spot in sozialistischer Heldenästhetik um Akzeptanz und Bekanntheit, profiliert die Mittelland-EW-Allianz 1 to 1 energy mit einem provinzielleren, dafür umso menschlicheren Auftritt. Pragmatisch daher auch ihre Dialogstrategie: Im Vorfeld der Abstimmung über das eidgenössische Elektrizitätsmarktgesetz stellt sich die Allianz für 1 to 1 energy mit ihrer Frage-Antwort-Kampagne als Kompetenzzentrum vor, um bei definitiver Liberalisierung auch bei den Privathaushalten als sympathische, kundenorientierte Strompartnerin zu gelten. Im Zentrum des Brandlaunchs stehen Kinder mit ihren simplen, aber überfordernden Fragen. Seite 10

Trevisan geht auch sonntags fischen

Mit dem geplanten Sonntagsblatt will die NZZ neue Kunden und Leser ansprechen

Mit dem geplanten Sonntagsblatt will die NZZ neue Kunden und Leser ansprechenVon Markus KnöpfliDas Schiff der «Alten Tante» NZZ legt ab, um erstmals mit einem eigenständigen Sonntagstitel im Anzeigen- und Lesermarkt auf Fischfang zu gehen. Einer der Kapitäne ist Tobias Trevisan, der aus seiner Tamedia-Zeit Erfahrungen mit Neulancierungen mitbringt.
Wenn die NZZ im nächsten Frühling ihr angekündigtes Sonntagsprojekt lanciert, wagt sie diesen Schritt wohl nicht zuletzt, weil zum Lancierungs-Triumvirat neben Felix E. Müller und Thomas Häberling auch Tobias Trevisan gehört. Er hat als Verlagsleiter Zeitungen nicht nur die Federführung in Verlagsfragen, er bringt aus seiner Zeit als Verlagsleiter beim Tages-Anzeiger auch Know-how und intime Kenntnisse aus den Anfängen von SonntagsZeitung (SoZ) und Facts mit. Darauf angesprochen weicht Trevisan aus und sagt: «Ich bin sicher, dass unser Team in der Lage ist, das Projekt zustande zu bringen.»
Der nationale Titel im Zeitungsformat peilt per Frühzustellung und Kioske ein Zielpublikum an, das gemäss Trevisan bezüglich Ausbildungs- und Anspruchsniveau über den beiden anderen Titeln steht. Zu Inhalt und Gestaltung des Blattes sind die Angaben etwas vage. Trevisan will sich weder über die Grösse der Redaktion noch über die Farbigkeit des Blattes äussern. Mittelfristig soll es aber eine Auflage von 150000 Exemplaren erreichen – so viel wie die NZZ-Inlandauflage. Dennoch will Trevisan die Leser des neuen Blattes «zur Hauptsache ausserhalb der NZZ-Leserschaft generieren».
Marktausweitung oder Verdrängungskampf?
Erreichen will er dies durch Marktausweitung und Doppelleser, vor allem aber durch Verdrängung. «Die künftigen Leser der NZZ am Sonntag sind heute wohl primär SoZ-Leser. Deshalb wäre es überraschend, wenn die SoZ-Auflage nicht tangiert würde», sagt Trevisan. Dennoch hält er auch eine Marktausweitung für möglich. Beide Sonntagstitel erreichten in der Deutschschweiz derzeit eine Reichweite von nur 40 Prozent, während in der Romandie Le Dimanche Matin allein auf rund 50 Prozent kommt.
Im Anzeigenbereich will Trevisan «neue Segmente ansprechen, die werktags nicht NZZ buchen, sondern eher bei der SoZ, der Regionalpresse und in Zeitschriften inserieren». Dies werde der SoZ «möglicherweise Frequenzen, aber keine Kampagnen kosten», sagt er; die Tagespresse indes werde wohl Kampagnen verlieren.
Ungeklärt ist noch die Organisation der sonntäglichen Hauszustellung. Naheliegend wäre ein Auftrag an die Zuvo, an der NZZ und Tamedia je 50 Prozent halten, doch die Zuvo hat für die Sonntagszustellung einen Exklusivvertrag mit der SoZ. Ähnliches gilt für weitere Vertragsorganisationen ausserhalb des Grossraums Zürich. Doch Trevisan hält einen Auftrag an die Zuvo nicht für unmöglich. «Wir kennen die rechtliche Situation, haben aber noch keine Gespräche geführt», sagt er. Man sei auch vom «worst case» (eigene Vertragsorganisation) ausgegangen. Selbst einen gemeinsamen Vertrieb mit dem SonntagsBlick will er prüfen.

Kopf der Woche: «Ich habe mich stets von meiner Intuition leiten lassen»

Christoph Marty ist seit dem 1. April neuer Verlagsleiter des Tamedia-Nachrichtenmagazins Facts

Christoph Marty ist seit dem 1. April neuer Verlagsleiter des Tamedia-Nachrichtenmagazins FactsKopf der Woche «Ich habe mich stets von meiner Intuition leiten lassen»
Dass Christoph Marty heute als Facts-Verlagsleiter eine Führungsposition in der Kommunikationsbranche besetzt, ist Zufall: Zwei Wochen vor Beginn seiner KV-Lehre wusste Marty noch nicht, wo er sie antreten würde. Aus dem Bauch heraus habe er sich dann für eine Stelle bei der ofa Orell Füssli Werbe AG entschieden – und damit die Weichen für eine langjährige Karriere gestellt.
Als Marty den Abschluss in der Tasche hatte, setzte er seinen Werdegang bei der Printvermarkterin fort, unter anderem als Verantwortlicher Marketing Service sowie als Teamleiter von Werbeagenturen und Grosskunden.
Nach sechs Jahren drängte es den gebürtigen Schaffhauser zu neuen Taten: «Es war Zeit, nach einer anderen Herausforderung zu suchen.» Obwohl ihm damals bei der ofa eine führende Funktion angeboten worden war. «Ich fühlte mich als 25-Jähriger noch nicht reif dazu, eine so verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen», erklärt er heute.
Anstatt auf der Karriereleiter weiter zu steigen, stieg Marty als Projektleiter Marketing Service bei der damaligen TA Media AG ein. Dass er bei dem neuen Job weniger verdiente, spielte für ihn keine Rolle. Mit Herz statt Prestige an eine Sache herantreten, lautet seine Philosophie. «Ich habe mich stets von meiner Intuition leiten lassen.»
Der Erfolg gibt ihm Recht: Nach dem Start beim Zürcher Verlagshaus hat sich Marty zum Leiter Verkaufsförderung emporgearbeitet, wurde Marketingleiter von Facts und hat im April den Verlagsleiterposten des Nachrichtenmagazins übernommen.
Den Sprung nach oben nimmt der 33-Jährige gelassen: «Für mich muss ein Job vor allem Spass bereiten.» Karriere zu machen, sei nie sein Ziel gewesen. Einen faszinierenden Job brauche er eben wie die Luft zum Atmen, genauso wie Herausforderungen im Privatleben: «Ich trainiere momentan für den New Yorker Marathon.» Beim Laufen, sagt Marty, hole er sich neue Energien.
Und diesen Treibstoff kann er in seiner neuen Funktion gut gebrauchen – Facts kämpfte im letzten Jahr erstmals mit einer rückläufigen Auflage. Doch Marty ist optimistisch: «Obwohl wir uns in einer Konsolidierungsphase befinden, bin ich überzeugt, dass Facts Wachstumspotenzial hat.»
Schliesslich kennt er das Produkt nicht erst seit gestern. Sein Vorgänger René Gehrig, heute Geschäftsleitungsmitglied der Tamedia AG, hat bereits im Vorjahr einen grossen Teil seines Aufgabenbereichs ihm übertragen. «Der Wechsel von Facts ins neue Medienhaus war der optimale Zeitpunkt für die Ernennung», führt Marty aus. Trotzdem stosse natürlich auch er auf Neuland – nämlich beim Gefühl, für ein Produkt ganz alleine die Verantwortung zu tragen. Carole Koch
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