Ellen Ringier und Sabine Danuser lancieren im Herbst ein nicht gewinnorientiertes ElternmagazinEltern mit Kindern im Schulalter fehlte
bisher ein Periodikum, das sie als Ratgeber und Begleiter in ihrer
schwierigen Aufgabe unterstützte. Diese Marktlücke füllt ab Mitte
September Fritz und Fränzi, ein von der Verlegersfrau Ellen Ringier
initiiertes, nicht gewinnorientiertes Magazin. Doch nur wenn die beiden
ersten Ausgaben ihre Ziele erreichen, soll das Heft definitiv vom
Stapel gehen.Eltern verstehen ihre Kinder nicht und umgekehrt.
Erziehung ist oft auch Überforderung. Besonders konfliktreich ist die
Lebensphase, in der die Kinder zur Schule gehen. In dieser Zeit stellen
sich die Probleme gleich haufenweise: der Generationenkonflikt, wie
geht man um mit Drogen, mit Gewalt oder mit der Sexualität. Vernünftige
Antworten sind oft rar. Klar ist vor allem eines: Das eigene Wissen und
die eigenen Erfahrungen der Eltern reichen meistens bei weitem nicht
aus, um alle auftauchenden Fragen beantworten zu können.
Auf
Geschriebenes zurückgreifen können Rat suchende Eltern ebenfalls nicht,
denn es existiert auf dem Schweizer Markt keine regelmässige
Publikation, die sich Kindern im Schulalter widmet. Zwar gibt es das
monatlich erscheinende Wir Eltern, doch dieses thematisiert lediglich
den Abschnitt von der Schwangerschaft bis zum Kindergarten. Kommen
Kinder in die Schule, stehen Eltern ohne Unterstützung durch ein
Printmedium da. Das wird sich ab Mitte September ändern. Dann erscheint
erstmals das neue Magazin Fritz und Fränzi.
Ellen Ringier wagt den Sprung in die MarktlückeInitiantin
von Fritz und Fränzi ist die engagierte Verlegersfrau Ellen Ringier.
Als Trägerschaft des Heftes hat sie Ende März die Stiftung Elternsein
ins Leben gerufen, die sie auch präsidiert. Ihre Aufgabe beschränkt
sich aber darauf, die Finanzmittel für das Magazin zu organisieren und
zu verwalten. Mit den Inhalten der Hefte selber wird weder sie selber
noch das Verlagshaus Ringier etwas zu tun haben. Und auch gedruckt wird
nicht auf den eigenen Rotationen, sondern bei der Zollikofer AG in
St.Gallen, die ebenfalls den Anzeigenverkauf besorgt.
Die Produktion
und die Gestaltung des Magazins liegen in den Händen von Sabine
Danuser, die nach ihrem Weggang bei Erich Grasdorf Ende vergangenen
Jahres ihre eigene Firma Sabine Danuser Editorial Service in Zürich
gründete. Zusammen mit einem kleinen Team wird sie alle zwei Monate ein
80 Seiten starkes Heft auf die Beine stellen.
«Wenn ich als Vater
oder Mutter Fragen zu psychologischen oder medizinischen
Gesichtspunkten oder zum Schul- und Bildungswesen hatte, rannte ich
bisher von Pontius zu Pilatus, musste den Umweg über Sozialämter,
Erziehungsdirektion, Schul- und Sportdepartemente machen, um zu den
gesuchten Antworten zu gelangen», beschreibt Danuser die
unbefriedigende aktuelle Situation. Der Zweck von Fritz und Fränzi sei,
eine Plattform zu schaffen, auf der diese verstreuten Informationen
zusammenfliessen können. Das Heft versteht sich aber nicht nur als
serviceorientierter Ratgeber für Eltern, sondern auch als Forum, auf
dem sich Schule und Bildungswesen, Ämter und Behörden, Institutionen,
Verbände und Vereine austauschen können.
Fritz und Fränzi brauchen Gönner und InserentenFür
die inhaltliche Gestaltung arbeitet Fritz und Fränzi mit einer Reihe
traditionsreicher schweizerischer Institutionen zusammen, die in den
angesprochenen Themenbereichen zu Hause sind: Pro Juventute, das
Marie-Meierhofer-Institut für das Kind, der Verein Schule und
Elternhaus sowie die Schweizerische Vereinigung der
Elternorganisationen (Sveo).
Aber nicht nur als Redaktionsbeirat,
sondern auch bei der Suche nach Abonnenten für das ausschliesslich im
Abo erhältliche Heft kommt den genannten Institutionen eine wichtige
Funktion zu: Deren Adresskarteien stehen für den Zielgruppenversand zur
Verfügung. Hauptkanal für die beiden ersten Ausgaben, die in einer
Auflage von 100000 Exemplaren gedruckt und gratis abgegeben werden,
sind aber die Schulen selber. Möglichst viele Schulkinder sollen ein
Exemplar mit nach Hause bekommen und ihren Eltern ans Herz legen.
Fritz
und Fränzi versteht sich als gemeinnütziges, nicht gewinnorientiertes
Heft, das auf Gönnerbeiträge angewiesen ist. Deshalb bewegt sich der
Inseratetarif mit 8000 Franken für 1/1 Seite (s/w oder 4-farbig) in
einem Bereich, der sich nicht alleine mit der Medialeistung
rechtfertigen lässt. Und auf Wiederholungsrabatte und Beraterkommission
müssen die Inserenten ebenfalls um des guten Zwecks willen verzichten.
Damit die Finanzierung und so die Zukunft des Heftes gesichert sind,
müssen laut Danuser pro Jahr eine Million Franken über Sponsoring und
nochmals derselbe Betrag über den Anzeigenverkauf reinkommen.
Gelingt
dies nicht oder ist die Resonanz bei den potenziellen Abonnenten zu
dürftig, bleibt es bei den ersten beiden Ausgaben. Läuft die Sache aber
gut vom Stapel, geht es 2002 mit sechs regelmässigen Ausgaben weiter.
Können in den folgenden Jahren sogar Überschüsse erzielt werden, soll
Fritz und Fränzi später auch in die Romandie und ins Tessin expandieren.
Daniel Schifferle