«Werbung ist nicht Kunst»

Rodolphe Deville über seine Kunst und sein Leben nach der Werbung

Rodolphe Deville über seine Kunst und sein Leben nach der WerbungAls Grand Maître der Schweizer Werbung kannte man ihn. Bis er 1997 mit 65 Jahren von der kommerziellen Bühne stieg: Rodolphe Deville. Erstmals stellt der Mitgründer und -inhaber der ins DDB-Network integrierten Wiener Deville Wälchli (WDW) seine Kunstmalerei in der Galerie Schedler in Warth TG aus. In einem Artikel über das Soziopsychogramm der Werbeleute hält Martin Suter fest, dass diese ihr anonymes Dasein mit auffälligem Benehmen in der Clique, gesellschaftskritischer Haltung sowie einem hohen Kunstverstand zu kompensieren versuchen. Mit Suter gefragt: Leben Sie nach dem Abschied von der Werbung diese Extrovertiertheit in der Malerei aus?
Rodolphe Deville: Nein. Erstens habe ich schon mit zwölf gemalt, und da wusste ich von Werbung noch nichts. Zweitens musste ich mich mit zwanzig entscheiden, ob ich in die Werbung oder in die Malerei einsteigen will, weil ich damals ein Kunststipendium erhalten hatte. Erst entschied ich mich für die Werbung und ging schnurgerade vom extrovertierten ins introvertierte Metier. Im Geheimen habe ich aber immer gemalt. Bis heute habe ich über meine introvertierte Malerei selten geredet und sie auch niemandem gezeigt.
Wenn Kunst Ihre wahre Berufung ist, weshalb haben Sie sich in Ihrer Jugend gegen den Geist für die Werbung – Geld und Statussymbol – entschieden?
Deville: Werbung hatte damals null Statussymbol. Niemand fand das besonders lustig. Werbung interessierte mich so wie das andere Extrem, die Malerei. Ich habe Werbung aus Sicherheitsgründen gewählt, also wegen des Geldes, trotz Stipendium.
Was halten Sie von Michael Schirners These, wonach Werbung Kunst sei?
Deville: Nichts. Weil Werbung eine völlig kommerzielle Geschichte ist. Man kann sie schon zur Kunst hoch stilisieren – das tun Werber besonders gerne –, aber dann muss sie auf dem Niveau gemacht werden, wie sie Bill Bernbach machte. Und auch dann ist es noch keine Kunst. Kunst unterstellt sich anderen Kriterien als Werbung.
Während Jahrzehnten verliehen Sie den beworbenen Produkten und Marken eine Identität. Wie viel von Rodolphe Deville steckt in den abstrakten, rationalen Bildern?
Deville: Das kann ich nicht sagen. Vermutlich sieht man etwas von mir in den Bildern, aber das wäre unbewusst. Im Gegensatz zur Werbung, die einer Marke bewusst eine Identität gibt. Solche Probleme habe ich nicht und daher nicht das Bedürfnis, mich wie eine Marke zu positionieren.
Wenn wir trotzdem bei den Marken bleiben, könnte man von Warhol sagen, dass er das Coca-Cola der Kunstwelt war. Mit welchem Konsumgut würden Sie Ihre Kunst verbinden?
Deville: Keinem. Ich bin doch kein Produkt. Wenn Warhol sich selbst oder die Medien ihn dazu gemacht haben, dann hat er vielleicht darüber geschmunzelt und gesagt: Mir ist das recht. Wenn mir jemand sagen würde, ich entspreche einer Marke, dann würde ich mich halt kategorisieren lassen – kommentarlos.
Nur wenige wussten, dass Sie schon während Ihrer Zeit als Agenturmitinhaber und CD privat in einem Atelier auf der Forch malten. Weshalb stellen Sie Ihre Werke erst jetzt aus?
Deville: Meine Frau und meine Söhne haben mich dazu motiviert. Hinzu kommt, dass ich keinen Platz mehr für meine Bilder habe. Ich bringe kein Bild mehr in meinen Kellern unter, weder hier noch in Frankreich. Also mache ich jetzt eine Ausstellung, obwohl ich mich lange dagegen gewehrt habe, gerade aus solchen Überlegungen, die Martin Suter im besagten Artikel erwähnt hatte.
Ehemalige Kollegen von Ihnen sagen, dass Sie selten zufrieden waren mit sich selbst. Wie lange arbeiten Sie durchschnittlich an einem Bild, bis Sie es als vollendet betrachten?
Deville: Bis es fertig ist. Ich setze mir keine Termine.
Sie sind nicht nur bekannt als pedantischer Perfektionist, Sie galten auch als einer der wenigen CD, die Storyboards wie Schriften frei zeichneten. Als begehrter Gestalter wiesen Sie schon mal ein Honorar zurück, weil es Ihrem Marktwert nicht entsprach. Hat Ihr Name auch in der Kunst seinen Preis?
Deville: Da fange ich frisch an. Das sage ich Ihnen in zehn Jahren. So lange brauchte ich auch in der Werbung. Interview: Luca Aloisi

News: Zeitungskombi für Jura-Südfuss

Der Anzeiger für Gäu und Thal und die Solothurner Woche starten ein gemeinsames Inserateangebot unter dem Namen Jura Südfuss Kombi.

Der Anzeiger für Gäu und Thal und die Solothurner Woche starten ein gemeinsames Inserateangebot unter dem Namen Jura Südfuss Kombi.Zeitungskombi für Jura-Südfuss Die gemeinsame Auflage beträgt 93977 Exemplare. Das Kombi deckt den Raum Grenchen, Solothurn, Oensingen, Egerkingen sowie Gäu und Thal ab. Beide Titel erscheinen jeweils donnerstags.
VSM plant Online-Marktplatz Das Webportal Hallo-mittel land.ch soll um einen Marktplatz erweitert werden. Das Portal, das von Vogt-Schild/Habegger Medien (VSM), Bâloise Bank und Radio 32 Anfang Mai lanciert wurde, zeigte sich mit der bisherigen Resonanz sehr zufrieden. 15000 Besucher und eine Viertelmillion Anfragen seien bisher verzeichnet worden. Der geplante virtuelle Marktplatz soll dem regionalen Gewerbe eine Plattform zur Verfügung stellen. Angesprochen seien vor allem bereits existierende Onlineshops, erklärte David Marquis, Projektleiter Neue Medien bei VSM, gegenüber der WerbeWoche. Es könnten aber auch Auftritte für den Marktplatz speziell entwickelt werden. Als Starttermin werde September oder Oktober angepeilt.
Radio 32 baut Webauftritt ausDer Solothurner Privatsender Radio 32 hat seine Website relauncht. Neben einem neuen Design bietet Radio32.ch vor allem neue Audioangebote. Nachrichten und Wetterprognosen lassen sich auch nach der Ausstrahlung auf der Site abrufen. Die Playlist lässt sich nicht nur über Wochen hinweg nachrecherchieren – die Songs sind auch jederzeit übers Internet zu hören. Benötigt wird Windows Media Player. Eine Webcam im Sendestudio, Gratis-SMS oder eine Biorhythmusberechnung ergänzen die Webpage im Unterhaltungsbereich.

«Animiert die Kreativen zu Kreativität»

Barbara Kohler, Marketingleiterin Publisuisse«Die beste Weiterbildung für jeden Kreativen » Markus Gut, CD Publicis

Barbara Kohler, Marketingleiterin Publisuisse«Die beste Weiterbildung für jeden Kreativen » Markus Gut, CD PublicisBarbara Kohler, Marketingleiterin PublisuisseWelche sind Ihre internationalen Favoriten?
Barbara Kohler: Budweiser.
Schweizer Spots mit Chancen?
Kohler: «Tekken» (Milk), «Windscreen Wiper» (Hakle).
Schweizer Print mit Chancen?
Kohler: «The Bremen-Town Musicians» (Milk), «Openair-Festivals» (Milk), «Positions I–IV» (Snowboard Scool Laax).
Wie viele Schweizer werden Erfolg haben?
Kohler: Mindestens zehn Prozent der Einreichungen.
Ab wie wenig wäre die Schweiz Provinz?
Kohler: Die Eingaben haben im Durchschnitt und im internationalen Vergleich sehr hohes Niveau. Sollten die Auszeichnungen und Nominierungen deutlich unter dem Zehnprozentanteil liegen, würde ich die Schweiz nicht von vornherein als Werbeprovinz bezeichnen … Die Antwort kann ich nach dem Festival geben, wenn ich einen Überblick habe.
Was bedeutet Cannes?
Kohler: Den Wettbewerb erachte ich als Marketingfrau als sehr wichtig. Einerseits animiert er die Kreativen zu Kreativität. Andererseits widerspiegelt die Übersicht über das Werbeschaffen einen Zeitgeist. Diesen
Wert schätze ich als Festivalbesucherin als sehr hoch ein, auch wenn er vielleicht nicht direkt messbar ist.
Was ist für Sie ein schönes Erlebnis in Cannes?
Kohler: Einen ganzen Tag lang die Werbefilme der Shortlist reinziehen und es kein bisschen schade finden, dass draussen schönstes Badewetter ist.
Ihr Vorsatz für dieses Jahr?
Kohler: Einen ganzen Tag lang die Werbefilme der Shortlist reinziehen.
In Cannes gewinnt man vor allem, wenn…
Kohler:… man seine Arbeiten einreicht.
«Die beste Weiterbildung

für jeden Kreativen »
Markus Gut, CD Publicis
Welcher internationale Spot muss im Wettbewerb in Cannes unbedingt einen Preis gewinnen?
Markus Gut: Die «Whassup?»-Fortsetzung mit dem als Hund getarnten Alien.
Schweizer Chancen?
Gut: Der Hakle-«Scheibenwischer»-Spot ist mein klarer Löwen-Favorit.
Schweizer Printbeiträge mit Chancen?
Gut: Der «Stella Artois»-Persiflage für die Anonymen Alkoholiker, dem «Superman» für Arena-Krafttraining und der «Dicken-Kleiderbüste» für Nifty Oxford gebe ich echte Chancen.
Wie viele Auszeichnungen erwarten Sie für die Schweiz?
Gut: Da dieser Jahrgang leider nicht besser war als die vergangenen, würde ich auf gleich viele Auszeichnungen wie letztes Jahr tippen.
Ab wie wenig Preisen wäre die Schweiz eine Werbeprovinz?
Gut: Die Schweiz muss leider in jedem Fall als Werbeprovinz bezeichnet werden.
Was bedeutet Cannes für Sie?
Gut: Cannes ist die beste Weiterbildung für jeden Kreativen, die es überhaupt gibt.
Schönstes Erlebnis in Cannes?
Gut: Dass ich das letzte Mal im «Grand» ein für meine Körpergrösse genug langes Bett gekriegt habe.
Vorsatz für dieses Jahr?
Gut: Mit Peter Brönnimann früh am Morgen die Croisette entlangzujoggen.
In Cannes gewinnt man vor allem, wenn…
Gut: …die Idee einmalig und dazu perfekt umgesetzt ist.

Muse & Musse: Sarah Mundhenke

Muse & Musse Sarah MundhenkeWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Sarah Mundhenke: «Volpone» im Theater Neumarkt, Überraschungseinladung.Was lesen Sie gerade?Mundhenke: «Franz oder warum Antilopen nebeneinander

Muse & Musse Sarah Mundhenke
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Sarah Mundhenke: «Volpone» im Theater Neumarkt, Überraschungseinladung.
Was lesen Sie gerade?
Mundhenke: «Franz oder warum Antilopen nebeneinander laufen» von Christoph Simon, weil der Titel so schön ist.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Mundhenke: «Amnesiac» von Radiohead.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Mundhenke: «Le fabuleux destin d’Amélie Poulain». Die Szene, in der Amélie auf dem Dach sitzt, den Antennenstecker reinsteckt und rauszieht und so ihren Fussball guckenden Nachbarn zur Weissglut bringt, ist einfach grossartig.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Mundhenke: Gar nicht, das Sofa ist zu kurz.
Welche ist Ihre neuste Entdeckung im Internet?
Mundhenke: www.flipflopflyin .com
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Mundhenke: Auf nichts wirklich.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Mundhenke: Im Bain de Paquis Sonne tanken (im Schatten, mit Wein).
Liebe ist…?
Mundhenke: Immer wieder gut.

TV-Spots nerven immer mehr

Die Baromedia-Studie ortet besonders bei den Deutschschweizern wachsenden Werbeüberdruss

Die Baromedia-Studie ortet besonders bei den Deutschschweizern wachsenden WerbeüberdrussVon Daniel SchifferleDas Vertrauen in die Werbung wie auch deren Beachtung schwindet. Das Deutschschweizer Publikum fühlt sich vor allen anderen zunehmend von der TV-Werbung genervt, wie die neueste Ausgabe der Studie Baromedia von Ringier Romandie zeigt.
Was ist bloss mit den Schweizer Medienkonsumenten los? Laut der neuesten Ausgabe von Baromedia, der jährlichen Studie von Ringier Romandie (siehe Kasten), befindet sich das Vertrauen der Bevölkerung in die Werbung im Sinkflug. Und zwar markant: Im Landesdurchschnitt bekannten sich nur noch gerade 10 Prozent der Befragten dazu, «einiges oder vollkommenes Vertrauen» in die Werbung zu haben.
Das ist der mit Abstand tiefste gemessene Wert seit dem Start der nun bereits im siebten Jahr erscheinenden Studie. Vor drei Jahren waren es noch 18 Prozent und im letzten Jahr immerhin noch 15 Prozent der Befragten, die der Werbung vertrauten.
Das schlechte Abschneiden geht in erster Linie auf das Konto des Deutschschweizer Publikums. Diesseits der Sprachgrenze bekannten nur noch gerade
7 Prozent ihr Vertrauen in die Werbung, während es in der Westschweiz mit 17 Prozent noch mehr als doppelt so viele waren.
Was könnte zu diesem beschleunigten Werbeüberdruss in der Deutschschweiz geführt haben? Die Studie gibt darauf keine Antwort. Eine denkbare Deutung läse sich so: Das Deutschschweizer Publikum hat das mit Abstand grösste Free-TV-Angebot. Die grosse Auswahl ist zwar sehr attraktiv, gleichzeitig muss das Publikum aber auch mit viel Werbung zurechtkommen. Diese ambivalente Situation könnte die Sensibilität besonders gegenüber der Werbung negativ beeinflussen.
Ein Trost: Das Vertrauen in die Medien im Allgemeinen ist in der Schweiz nach wie vor phänomenal, wenn auch hier ein leichter Rückgang festgestellt werden musste. Die Medien schneiden aber immer noch weitaus besser ab als die meisten staatlichen Institutionen und Behörden. In Sachen Glaubwürdigkeit gehen von den fünf Spitzenplätzen deren vier an die Medien. Unangefochten vorn der Teletext (84 Prozent), auf Platz zwei Schule/Bildung (78 Prozent), dann folgen nacheinander das Radio (75 Prozent), das Fernsehen (69 Prozent) und die Presse (67 Prozent). Nur gerade das Internet (53 Prozent) schneidet schlechter ab als die kantonalen Behörden oder der Bundesrat (je 65 Prozent). Wenn es um die Vertrauensfrage geht, schneidet das Internet aber immer noch besser ab als die Kirchen (45 Prozent).
Beachtung der Werbung: Alle Werbemittel leicht schwächer
Besonders unerfreulich ist der Umstand, dass der Werbung nicht nur weniger Vertrauen entgegengebracht wird, auch die Aufmerksamkeit ihr gegenüber war am Schrumpfen. Vergleicht man die neuen Daten mit denen des Vorjahres, mussten sämtliche Mediengattungen bei der Aufmerksamkeit für ihre Werbung ein paar Prozentpunkte zurückbuchstabieren. Einzige Ausnahme war die Radiowerbung, deren Wert sich ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres halten konnte. Happig verloren hat hingegen die Kinowerbung, der gegenüber sich nur noch 39 Prozent als aufmerksame Zuschauer bekannten (Vorjahr: 45 Prozent). Und auch die Werbung in den Tageszeitungen hat mit 27 Prozent (Vorjahr: 33 Prozent) markant Beachtung eingebüsst.
Sehr zu denken geben ferner die häufigen Nennungen, die kommerzielle Werbung schlicht als «störend oder sehr störend» abtun (siehe Grafik). Am meisten Unbehagen wird gegenüber der TV-Werbung geäussert, von der sich 69 Prozent gestört fühlen. Der eklatant hohe Wert geht aber vor allem auf das Konto des Deutschschweizer Publikums. Hier sind es ganze 75 Prozent, die die TV-Werbung zum Kuckuck wünschen, während sich in der Romandie nur gerade 52 Prozent von den werblichen Programmunterbrechungen gestört fühlen.
Ebenfalls von einem Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer als störend erlebt wird unbestellte Werbung im Briefkasten (52 Prozent), am Radio (45 Prozent) und im Internet (42 Prozent). In Sachen Werbeakzeptanz an der Spitze stehen das Plakat (18 Prozent) sowie Tageszeitungen und Teletext (je 23 Prozent).
Angesichts der teils wenig erfreulichen Resultate darf man jetzt schon gespannt sein auf die Baromedia-Ausgabe 2002. Sollte sich die schlechte Stimmung gegenüber der TV-Werbung noch weiter akzentuieren, wäre das dramatisch.
Baromedia

Bereits zum siebten Mal publiziert Ringier Romandie ihre jährliche Studie Baromedia. Sie beobachtet die Nutzungsgewohnheiten des Schweizer Publikums in den Bereichen Medien und Werbung sowie deren Umfeld und Entwicklungen. In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Érasm wurden dafür in der Westschweiz und in der Deutschschweiz je 501 Personen im Alter zwischen 14 und 74 Jahren befragt, die nach dem Random-Quota-Verfahren ausgewählt worden sind. Befragungszeitraum: 26. Januar bis 17. Februar 2001.

Online Marketing: La Genevoise

Ziel: Verstärkung der laufenden Printkampagne innerhalb der Hauptzielgruppe.

Ziel: Verstärkung der laufenden Printkampagne innerhalb der Hauptzielgruppe.La Genevoise Werbemittel: Skyscraper (140 ¥ 800 Pixel) auf Moneycab.com. Einsatz: Woche 21 bis 26.
Auftraggeber: La Genevoise, Genf; Verantwortlicher: Christian Meyer, Vorsitzender GL; Michael Vögele, Marketingleiter. Werbeagentur: Inhalt & Form, Zürich; CD: Serge Riedener; Beratung: Christian Jost; Produktion: netgraphic, Zürich; Verantwortlicher: Daniel Tschanz; Vermarktungsagentur: Adlink Internet Media AG.

Kopf der Woche: «Liefere statt lafere lautet meine Devise»

Daniel Krieg ist im Mai zum Creative Director der Agentur Publicis ernannt worden

Daniel Krieg ist im Mai zum Creative Director der Agentur Publicis ernannt worden / Wäre Daniel Krieg heute nicht CD, könnte er Atomphysiker oder Hollywood-Schauspieler sein. «Why not?», sagt der 36-Jährige. Denn es gibt nichts, was Krieg von vornherein ausschliessen würde. Er scheint wie ein Reptil immer wieder seine alte Haut abstreifen zu müssen. Wer hätte schon gedacht, dass der langhaarige Krawattenhasser einmal an der HSG studierte, mit einer Investment-Banking-Karriere liebäugelte und sich im Militär bis zum Offizier emporarbeitete?
Krieg war lange auf der Suche, hat viele Jugendtrips, wie er sie nennt, ausgelebt. Kein Wunder also, dass sein Curriculum Überraschungen zu bieten hat.
Nach der Erkenntnis, dass weder Wertschriftenkurse noch der Dienst am Vaterland das Zentrum seines Lebens bilden sollten, stieg Krieg als Product Manager bei ofa Orell Füssli Werbe AG ein. Danach zog er zur Wirtschaftszeitung Cash, bei der er als Verkaufsleiter tätig war. Als selbstständig Erwerbender importierte er später Sportsfashion, half einem Freund, einen Touroperator für Snowboardreisen aufzubauen, und schrieb als Freelancer für die Weltwoche sowie für diverse Sportblätter.
Seine damalige Freundin, die in der Werbung arbeitete und heute seine Frau ist, habe ihn im Alter von 29 Jahren dazu bewogen, als Junior Texter bei GGK, Zürich, einzusteigen, sagt Krieg. Und auch für dieses Metier schien der Goldschopf ein Goldhändchen zu haben: Nachdem er bei Farner Publicis FCB sowie WHS getextet hatte, wurde er Senior Texter/Konzepter bei Publicis.
Heute bekleidet der zweifache Vater in der Agentur die Position des CD. «Die extreme Vielfältigkeit dieser Branche reizte mich von Anfang an», begründet er seine Faszination für den Job. Darüber hinaus müsse er weder seine Haare schneiden noch eine Krawatte tragen.
Trotz der steilen Karriere will Krieg nicht als Hotshot bezeichnet werden: «Den CD-Titel betrachte ich als Beförderung vom talentierten Anfänger zum begabten Fortgeschrittenen», betont er. Er will auf Grund seiner Leistungen respektiert werden. «Lieber liefere statt lafere», lautet seine Devise.
Erfolg führt Krieg in erster Linie auf Glück zurück: «Ich konnte von Meistern wie Aebi, Weber, Freuler und Ruf das Handwerk erlernen.» Gute Werbung sei nämlich weder Kunst noch Hexerei, sondern das Resultat von 10 Prozent Inspiration und 90 Prozent Transpiration. Zur Kreativität beigetragen habe aber auch seine gesunde Neugierde – eine Eigenschaft, über die, laut Krieg, jeder gute Werber verfügen müsse. «Schliesslich kann nur kreative Leistungen bringen, wer viele Eindrücke in sich aufnimmt.» So saugt er alles auf, was ihm unter die Augen oder zwischen die Finger kommt – sei es beim Shopping oder Spielen mit den Sprösslingen, beim Sport oder beim Lesen. Für mehr Hobbys fehlt ihm momentan die Zeit: «In der Freizeit hat meine Familie erste Priorität.» Carole Koch

Content Bakery wirkt neu in Zürich

Anfang Juni hat die Content Bakery Ltd. im Zürcher Stadtkreis 4 ihre Pforten eröffnet.

Anfang Juni hat die Content Bakery Ltd. im Zürcher Stadtkreis 4 ihre Pforten eröffnet.Das neue Medienunternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Mango Communications GmbH, Betreiberin der Schweizer Entertainmentsites music.ch, sounds.ch und nights.ch. Kernkompetenzen der elektronischen Verlagsunternehmung sind Kreation, Verwaltung und Vertrieb von publizistischen Inhalten aus dem Entertainment- und Kulturbereich. Dabei bietet Content Bakery Inhalte für Printmedien, konventionelle elektronische Medien wie Radio und TV sowie für neue elektronische Medien an.«Wir möchten uns mit qualitativ hoch stehendem Content etablieren», sagt Geschäftsleiter Philippe Surber, der zuvor ebenfalls als Geschäftsleiter beim Mutterunternehmen tätig gewesen war.
Die Redaktionsleitung obliegt David Schnapp, ehemals Produzent bei der Gratiszeitung Metropol. Das insgesamt achtköpfige Team betreut Kunden wie VIVA-Swizz, den Migros-Genossenschafts-Bund oder Metro Schweiz. Zudem produziert die Content Bakery die Inhalte von music.ch und nights.ch im Auftrag ihrer Muttergesellschaft, die von sounds.ch im Auftrag der Bluewin AG. (dz)

News: Aargau fordert Gegenrecht für seine Radiosender

Der Aargauer Regierungsrat will einer Erweiterung des Konzessionsgebietes der Zürcher Sender Radio 24 und Radio Z bis nach Baden

Der Aargauer Regierungsrat will einer Erweiterung des Konzessionsgebietes der Zürcher Sender Radio 24 und Radio Z bis nach BadenNews Aargau fordert Gegenrecht für seine Radiosender
nur dann zustimmen, wenn das Aargauer DRS-Regionaljournal und Radio Argovia als Gegenrecht bis in die Stadt Zürich senden dürfen. In seiner Stellungnahme an das Bundesamt für Kommunikation schreibt Landammann Kurt Wernli, dass der Aargauer Regierungsrat den Anträgen um Konzessionserweiterung von Radio 24 und Radio Z im Grundsatz zustimme: «Aus medienpolitischer Perspektive begrüssen wir die Verstärkung der Konkurrenz.» Aus staatspolitischen Überlegungen müsste aber auch aargauisches Radio in der Stadt Zürich empfangbar sein. Nur so sei die Versorgung der rund 40000 nach Zürich pendelnden Aargauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mit Informationen zur Politik und zur Wirtschaft ihres Wohnkantons gewährleistet.
Bundesrat verbietet Teleclub den Einsatz von Kirchs d-Box Die Teleclub AG darf die d-Box, einen Decoder für digitales Fernsehen, in der Schweiz definitiv nicht einsetzen. Der Bundesrat hat eine Beschwerde von Teleclub gegen einen Entscheid des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) abgewiesen. Die von der deutschen Kirch-Gruppe, die 40 Prozent an der Teleclub AG hält, entwickelte d-Box dient zur Entschlüsselung von codierten TV-Programmen. Sie versteht jedoch nur ein Verschlüsselungssystem – wer anders verschlüsselte Programme empfangen will, braucht eine zweite Box. Im November 1999 beschloss deshalb das Uvek mit Blick auf die Meinungsvielfalt, dass der Teleclub die d-Box durch ein Gerät ersetzen müsse, das beliebige Codiersysteme verwenden kann. Der Bundesrat unterstützt dieses Urteil. Der Einsatz der d-Box gefährde die Angebots- und Meinungsvielfalt sowie den Integrationsauftrag des Fernsehens, heisst es in einer Medienmitteilung. Würde die d-Box zugelassen, so könnten Teleclub-Abonnenten insbesondere anderssprachige Programme nur empfangen, wenn diese Lizenzverträge mit der Kirch-Gruppe abschlössen, meint das Uvek weiter.
AZ und ZT gründen gemeinsamen Zeitungsvertrieb
Die Verlage Aargauer Zeitung (AZ) und Zofinger Tagblatt (ZT) wollen gemeinsam mit
der Zustell- und Vertriebsorganisation AG (Zuvo), Zürich, eine neue Vertriebsgesellschaft gründen. Die AZ Vertriebs AG soll ihre Tätigkeit am 3. Januar 2002 aufnehmen. Bisher erfolgte die Frühzustellung der AZ und des ZT im Kanton Aargau zum Teil durch die Post. Im östlichen Kantonsteil führt die AZ seit Jahren eine eigene Vertriebsorganisation, das Zofinger Tagblatt wurde ausschliesslich durch die Post verteilt. Beide Verlage werden ihre Frühzustellungsverträge mit der Post per 31. Dezember auslaufen lassen. Die bisherige Vertriebsorganisation der AZ wird in die AZ Vertriebs AG integriert, und sämtliche Verträger sollen übernommen werden. Zusätzlich werden rund 300 neue Verträger angestellt. Die AZ Vertriebs AG biete der Post Hand zur Übernahme von deren Verträgerpersonal, heisst es in einer Mitteilung. Die Geschäftsführung der AZ Vertriebs AG übernimmt Bruno Haller, der bereits bisher den Zeitungsvertrieb der AZ geleitet hat.
Gruntz feiert bei der Publimag AuferstehungNeues Leben für Gruntz: Das Jugendmagazin, das schon mal von 1994 bis 1999 auf dem Zeitschriftenmarkt aufgetaucht ist, wird am 1. November wieder zu neuem Leben erweckt. Inhaltlich setzt Gruntz auf die jugendrelevanten Themata Skate- und Snowboarden, Graffiti, Musik und auf von Lesern verfasste Texte. Das Magazin richtet sich an Deutschschweizer Jugendliche im Alter von 18 bis 20 Jahren und erscheint halbjährlich in einer Auflage von 80000 Exemplaren. Diese werden zum grossen Teil in Schulen und Universitäten und von Hand verteilt. Aufgelegt werde Gruntz nur in 20 ausgewählten Shops, erklärte Stefan Hofer von der Inserateverkaufsfirma Publimag gegenüber der WerbeWoche. Publimag übernimmt die Anzeigenregie des Magazins, das von der Berner Event- und Produktionsfirma Wiseguys hergestellt wird.

SRG konkurrenziert jetzt Wemf

Steinmanns erster Schritt: NetBase, ein Gratis-Pendant zur MA Net

Steinmanns erster Schritt: NetBase, ein Gratis-Pendant zur MA NetVon Markus KnöpfliAnfang Mai winkte Matthias Steinmann, Leiter des SRG-Forschungsdienstes, mit dem Zaunpfahl zur Wemf hinüber. Nun schlägt er zu: Mit NetBase bietet er den MMXI-Kunden gratis monatliche Internetstrukturdaten an.
MMXI (Switzerland), einer der beiden Internetpanelbetreiber der Schweiz, konnte schon früh die SRG als Medienpartnerin gewinnen. Mehr noch: Der SRG-Forschungsdienst ist beim MMXI-Panel für die repräsentative Erhebung einer Grundgesamtheit der «Schweizer Internetgemeinde» zuständig. Mit der Durchführung wurde das Institut Konso beauftragt, das pro Jahr insgesamt 43000 Telefoninterviews macht. Dieses Datenmaterial, NetBase genannt, wurde bisher nur intern zur Bestimmung des MMXI-Internetpanels verwendet. Das ändert sich aber bald: Die MMXI-Abonnenten erhalten mit den Internetnutzungsdaten vom Mai gratis auch das NetBase-Material über die letzten drei Monate. Und dies dann sechsmal jährlich.
Wieder zwei Währungen – und der Nutzen ist fraglich
So weit, so interessant – wenn da die MA Net (und teilweise die MA Comis) der AG für Werbemedienforschung (Wemf) nicht wäre. Damit erhebt die Wemf seit 1997 teilweise ähnliche Daten. Matthias Steinmann hatte diese Konkurrenzierung erwogen (WW 17/01), weil die Wemf eine Partnerschaft mit MMXI-Gegner ACNielsen eingegangen war. Nun lässt er seinen Worten Taten folgen. Ob dies der Internetbranche dient, ist fraglich. Denn mit
den Panels von ACNielsen und
MMXI sind seit kurzem zwei keineswegs kompatible Währungen zur Internetnutzung auf dem Markt (WW 22/01). Nun erhält die Branche bei den Internetstrukturdaten schon wieder zwei verschiedene Währungen (siehe Tabelle). Immerhin liegen diesmal aber die Unterschiede auf
der Hand: MA Net und NetBase weisen weder bei der Definition, was ein User ist, Parallelen auf, geschweige denn bei der Zahl
der Interviews oder bei der Erscheinungsweise der Resultate.
Der Vorteil von MA Net: seit 1997 eine Marke, zeigt Internetentwicklung über mehrere Jahre, liefert eine überblickbare Datenmenge. MA Net ist aber nicht kompatibel mit dem Internetpanel von ACNielsen.
Der Vorteil von NetBase: stark repräsentativ dank 43000 Interviews, kompatibel mit Radio- und Telecontrol sowie MMXI-Panel. Letzteres ist denn auch der zweite Zaunpfahl in Steinmanns Arsenal, liesse sich doch damit auch noch ein Konkurrenzprodukt zur MA Strategy der Wemf machen (WW 17/01).
Schon wieder zwei währungen

NetBase Juni 01 MA Net 2001,
(SRG) 1. Welle (Wemf)
Erscheinungsweise mind. 6x jährlich, (Daten 2x jährlich
über jeweils 3 Monate)
Anzahl Interviews pro Welle 10 700 12 313
Anzahl Interviews pro Jahr 43 000 ca. 23 000
Alter 2++ 14++
Definition: Ein Internetuser … … hat im letzten Monat … hat in den letzten
zu Hause, am Arbeitsplatz 6 Monaten zu Hause, am
oder anderswo mindestens Arbeitsplatz oder anderswo
einmal das Internet benutzt mind. einmal das Internet
(= Total User) benutzt (= weitester
Nutzerkreis WNK)
ResultateBefragungszeitraum April 2001 April bis September 2000
Total Internetbenutzer 3 115 000 (= Total User) 2 636 000 (= WNK)
Anzahl Personen mit 2 807 056 wird nicht erhoben
Internetanschluss zu Hause
Anzahl Internetnutzer 2 195 000 1 865 000
zu Hause
Anzahl Internetnutzer 1 866 000 1 711 000
am Arbeitsplatz
Anzahl Internetnutzer   501 000 wird nicht erhoben
anderswo/unterwegs

Werbe-Ebbe und User-Flut

Erträge unter den Erwartungen zwingen Bluewin zur Umstrukturierung

Erträge unter den Erwartungen zwingen Bluewin zur UmstrukturierungVon Bruno AmstutzBluewin ist der unangefochtene Marktleader unter den Schweizer Internetportalen. Trotz einer Reichweite von über 50 Prozent bleiben die Werbeeinnahmen hinter dem Publikumserfolg zurück.
Die Domain bluewin.ch erreichte im April gemäss MMXI 53 Prozent der Schweizer Internetuser. Eine Traumzahl für jeden Werbeauftraggeber. Trotzdem speckt der blaue Riese ab: Rund zwanzig Stellen werden gestrichen, Channels zusammengelegt, andere aus dem Sortiment gekippt. Als Grund nennt Bluewin-Chef Christoph Brand in einem Interview mit der Basler Zeitung die «unrealistisch tiefen Preise» für Internetdienste, die bald nicht mehr kostenfrei sein dürften.
Wo aber liegt das Problem? Bei den Mediaagenturen oder den Werbeauftraggebern? «Zurzeit ist Skepsis gegenüber Bannern zu bemerken», sagt Heinz Bischof, Geschäftsführer der Mediaagentur Media Planning. Andy Lehmann, Optimedia-Geschäftsführer, analysiert ähnlich: «Das Internet als Medium hat momentan einen schlechten Ruf.» Dieser reicht offenbar aus, um die Auftraggeber abzuschrecken. Für Lehmann sind nicht mangelnde Leistungen der Portale ausschlaggebend für die Bannerflaute, sondern die negative Publicity. Er sieht sich aber auch nicht zuständig für den Trendwechsel. «Als Mediaagentur haben wir nicht die Aufgabe, ein Medium zu pushen, sondern die Zielsetzungen unserer Kunden zu erfüllen.»
Erwartungen um 17 Millionen Franken tiefer
Bluewin versucht derweil, das Portal mittels neuer Werbeformen für Werbeauftraggeber und Mediaagenturen attraktiver zu machen: Pop-ups, Interstitials und Microsites sollen grossflächigere, auffälligere Werbung ermöglichen. Als wertvolle Ergänzung im Angebot, aber letztlich als Symptombekämpfung bezeichnet Daniel Neukom, Geschäftsführer der Internetmediaagentur Euromedia Schweiz AG, diese Blickfänger: «Ein Portal allein kann das Problem ohnehin nicht lösen. Was wir brauchen, ist Gattungsmarketing.»
Solche neutrale Aufklärung, die den Ruf des Mediums Internet in der Werbebranche verbessern soll, fordert auch Christoph Morach, Managing Director Switzerland von Qualiclick, der Vermarkterin der Bluewin-Werbeflächen. Qualiclick versucht, über Schulungen den Werbe- und Mediaagenturen die Möglichkeiten der Webwerbung schmackhaft zu machen. Letztlich sieht Morach dies aber als Tropfen auf einen heissen Stein. Aufklärungsarbeit müsste seiner Meinung nach ein starker Verband leisten.
Ein Grund für den Katzenjammer sind wohl auch die hohen Erwartungen, die an die Wachstumsrate des Internetwerbevolumens gestellt wurden. Nach Werbeaufwendungen von rund 32 Millionen Franken im Schweizer Netz im Jahr 2000 rechnete die Branche gemäss Morach für 2001 mit 57 Millionen. Nach den ersten vier Monaten des Jahres sind die Erwartungen auf 40 Millionen gesunken.

Rezeptfreie EU.

Die Werbeschranken für rezeptfreie Medikamente sollen nach dem Willen der Europäischen Kommission vollständig fallen.

Die Werbeschranken für rezeptfreie Medikamente sollen nach dem Willen der Europäischen Kommission vollständig fallen. Das geht aus dem ersten, noch unveröffentlichten Diskussionsvorschlag der EU-Kommission für die Überarbeitung des europäischen Arzneimittelrechts hervor. Für rezeptpflichtige Mittel soll nach wie vor das Werbeverbot gelten – ausser in der Fachpresse für Ärzte. Die Pharmaindustrie äussert sich lobend über den neuen Entwurf.EIN GANZ GEWÖHNLICHES JAHR. Das Jahr 1926 liegt zwischen einem trügerischen Frieden und einem anbrechenden Krieg. Was in diesem «ganz gewöhnlichen Jahr» passiert ist, hat der in Kalifornien lehrende Geisteswissenschafter Hans Ulrich Gumbrecht in einem Buch mit dem Titel «1926 – Ein Jahr am Rand der Zeit» (Suhrkamp Verlag) zusammengetragen. Da das Werk nicht illustriert ist, will die Basler Plakatsammlung die Texte zur Zeit jetzt mit entsprechenden Plakaten begleiten. Dank der Sammeltätigkeit von Generationen können die Besucher in den Ausstellungsräumen in der Spalenvorstadt 2 in Basel in ein wahres «Panoptikum des Jahres 1926 tauchen». Eine Erweiterung der Ausstellung ist ebenfalls im Zürcher Museum für Gestaltung zu sehen.
GANZ IN EIGENER SACHE. Auch Werbung braucht Werbung. Darum gibt es jedes Jahr eine Kampagne in eigener Sache. Die Werbung für die Werbung ruft ihren Nutzen in Erinnerung und wird seit 1986 vom Verband Schweizer Werbung (SW) verantwortet. Die Idee ist auf Gönner angewiesen, die sie unentgeltlich realisieren und verbreiten. Die diesjährige Kampagne von Wirz Werbung, Zürich, zeigt: Werbung hat mehr zu bieten als schöne Bilder und lustige Sprüche. Werbung klärt auf, vermittelt Wissen über die neuesten Produkte und hält uns auf dem Laufenden. Diese Botschaft ist jetzt in sechs Sujets und diversen Druckformaten zum Verteilen bereit. Die Gratis-CD-ROM gibts bei [email protected] oder über Telefon 01 211 40 11.
plakatgeschichten. Unter den mehr als 5000 Zuschauern, die das letzte Programm des Trios Eden gesehen haben, befand sich auch Frank Bodin. Der CEO von Euro RSCG hat sich bei den Blödeleien von Helmi Sigg, Guy Landolt und Midi Gottet köstlich amüsiert. Ein «One Night Stand» mit Folgen, denn Bodin kreierte in der Folge aus purer Lust ein neues Plakat für Helmi und seine Truppe. Diese will im Herbst neu unter professionellem Management auf Tournee gehen und hat eben einen «Schweizerlacher» für das offiziell anerkannte Schweizer Farbfernsehen produziert.
Meyer’s wird dicker. Das Frauenmagazin Meyer’s stockt die Redaktion um vier bis fünf Personen auf. Man habe bisher mit einem Minimum an Leuten arbeiten müssen, sagt Chefredaktorin Silvia Aeschbach. Ein Jahr nach dem Relaunch werde die Redaktion verstärkt, damit der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden könne. Kommende Woche geht für Aeschbach ein weiterer Wunsch in Erfüllung: Ab Ausgabe 25 wird Meyer’s auf dickerem Papier gedruckt. Damit werde das Heft attraktiver für Inserate hochpreisiger Produkte, hofft sie.
Gratiszeitungen machen die SDA fett. Die Gruppe der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) hat ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2000 um 9,7 Prozent auf 38,5 Millionen Franken gesteigert. Das Stammhaus der Gruppe, die Schweizerische Depeschenagentur AG, legte um 9 Prozent auf 29,9 Millionen Franken zu. Der Reingewinn stieg von 301000 auf 583000 Franken. Die SDA führt diese Zunahme auf die gestiegenen Verkäufe zurück, die durch die neuen Pendlerzeitungen zu Stande kamen. Die SDA-Tochteragentur Sportinformation (Si.) steigerte ihre Einkünfte um 10 Prozent auf 9,2 Millionen Franken.
MIT DEN WAFFEN EINES MANNES. Gemäss einer (inoffiziellen) Statistik denkt der Mensch mindestens sexmal am Tag an Sex. Was Wunder also, wenn da den Kreativen bei Euro RSCG spontan immer wieder etwas Neues einfällt für ihren Kunden Condomeria. Ein beinahe schon politischer Quicky war nun die Reaktion auf die letzte eidgenössische Abstimmung zur Revision des Militärgesetzes. Das Inserat mit dem Kondom als Waffe des Mannes erscheint exklusiv in der Pendlerzeitung 20 Minuten.
Editorial

Nur das Beste ist gut genug
Es ist wieder so weit: Vom 18. bis 23. Juni trifft sich die Werbeelite am 48. Internationalen Werbefestival von Cannes. Über 19000 Arbeiten aus 81 Ländern buhlen
um die Cannes-Lions, die begehrtesten Werbetrophäen überhaupt. 305 Beiträge haben die Schweizer Werber dieses Jahr ins Rennen geschickt. Damit wurde zwar die Rekordbeteiligung des letzten Jahres mit 399 Einreichungen nicht mehr erreicht. Aber das ist nicht entscheidend.
Bei diesem Festival zählt einzig und allein die Qualität. Eine kritische Selektion der Beiträge im Vorfeld kann daher nicht schaden. Im Gegenteil. Eine rigorose Auslese trägt dem Renommee des Festivals Rechnung, denn Cannes ist schliesslich die Weltmeisterschaft der Werbung. Dass da nur das Beste gut genug ist, versteht sich von selbst. Der Rest geht gnadenlos unter. Dazu kommt, dass es in Cannes – im Gegensatz zum ADC Schweiz – keine Quoten gibt, wie Frank Bodin im Interview auf Seite 14 zu Recht festhält.
Die Frage aller Fragen der Schweizer Werber lautet natürlich auch dieses Jahr: Wird unser Land einen Löwen nach Hause bringen? Matthias Luchsinger rechnet mit 2 bis 3 Lions, 10 bis 15 Arbeiten sollten es gar auf die Shortlist schaffen. Die Chancen der helvetischen Beiträge scheinen nach Ansicht des Schweizer Cannes-Repräsentanten intakt. Wie andere Cannes-Experten die Schweizer Chancen beurteilen, lesen Sie in unserer Umfrage und Vorschau ab Seite 12.
Auch wir sind gespannt, wers dieses Jahr auf die Cannes-Rolle schafft. Samuel Helbling

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