Die Titel Chuchi und Meyer’s sowie die Druckerei wurden innert einer Woche verkauftVon Daniel Schifferle Bruno Hug und Oliver Prange heissen die neuen Besitzer des Wochenmagazins Meyer’s. Die Meyer Print und Media AG selber wirft nach über einem Jahrzehnt des Abstiegs das Handtuch. Die Druckerei wurde an ihren bisherigen Bereichsleiter Stefan Wenkebach verkauft, das Kochmagazin Chuchi ging an die AZ Medien.
Die Meyer Print und Media AG gibt es nicht mehr. Am Dienstagabend wurden die Mitarbeitenden informiert. Sämtliche 55 Angestellten – insgesamt 30 Stellen – werden die Kündigung erhalten. Übrig bleibt vom mehr als 75-jährigen Traditionsunternehmen lediglich die Meyer Druck AG. Deren Aktien wurden durch ein Management Buyout an den bisherigen Betriebsleiter Stefan Wenkebach verkauft. Die Aktienübernahme erfolgte bereits am 23. Mai. Ebenfalls an Wenkebach ging die CGS AG, bisherige EDV-Dienstleisterin des Verlages Meyer.
Auch für das Frauenmagazin Meyer’s liess sich in allerletzter Minute doch noch ein Käufer finden. Die neuen Besitzer sind die Verleger Bruno Hug (Obersee Nachrichten/Persönlich) und Oliver Prange (Persönlich). Der Zuschlag sei erst knapp vor der Mitarbeiterinformation am späten Dienstagnachmittag erfolgt.
In den im Vorfeld geführten Verhandlungen hatte keiner der reihum angefragten Schweizer Verlage Interesse am Heft und seiner überalterten Leserschaft gezeigt. Hug und Prange wollen Meyer’s ohne grosse Änderungen weiterführen. Für die neu zu gründende Firma soll ein Teil der beim Verlag Meyer Entlassenen wieder eingestellt werden.
Erst vor wenigen Tagen wurde der Verkauf des Kochmagazins Chuchi an die AZ-Medien-Gruppe bekannt. Hauptursache für das Ende des Verlages Meyer AG war aber der Abstieg des Frauenmagazins. Innerhalb der letzten zehn Jahre hatte sich dessen Auflage von über 180000 auf aktuell 96920 Exemplare beinahe halbiert. Trotz Massnahmen, den anhaltenden Abwärtstrend zu stoppen – Relaunch inklusive.
Das Problem ist bekannt: Es war nicht gelungen, aus dem klassischen «Handarbeitsheftli» ein attraktives Magazin zu machen, das bei der modernen Frau ankommt. Auch der radikale Konzeptwechsel im Mai 2000 zum aktuellen, News-orientierten Magazin vermochte das in Meyer’s umgetaufte Modeblatt nicht mehr zu retten.
Meyer Print und Media AG: Ein Rückzug in Raten
Auch in der Geschäftsleitung des Verlages fand 1996 ein Einschnitt statt. Damals wurde die alte Führungscrew rund um Ueli Stilli abrupt abgelöst. An seiner Stelle übernahm Jürg Meyer, Spross der bereits in der vierten Generation im Verlags- und Druckbereich tätigen Familie Meyer, die Geschäftsleitung.
Der nächste Einschnitt erfolgte bereits im August 2000. Der Meyer Verlag gab sein Zürcher Domizil auf und brachte Verlag und Redaktion am Standort der Druckerei in Jona SG unter. Gleichzeitig zog sich Jürg Meyer aus der Geschäftsleitung zurück, seine Funktionen übernahm der heutige Geschäftsleiter Max Frei.
Auch die ehemals sehr erfolgreiche Chuchi, das monatlich erscheinende Kochmagazin, erlebte einen Abschied in Etappen. Zuerst ging Ende 2001 Annemarie Wildeisen weg, die das Heft über neun Jahre lang hochgezogen und ihm ihren Stempel aufgedrückt hatte. Wildeisen lancierte im März 2002 für die AZ-Medien- Gruppe das Multimediaprojekt Kochen – mit einem ebenfalls monatlich erscheinenden Magazin als Herzstück. Nun folgte ihr mit dem per 1. Juni erfolgten Kauf der gesamte Abonnentenstamm der Chuchi nach.
Chuchi: AZ-Medien-Gruppe gewinnt, Duktus AG verliert
Der Geprellte ist Hanspeter Eggenberger, ehemaliger stellvertretender Chefredaktor bei 20 Minuten und Kulturchef bei Facts. Er erhielt im August 2001 den Auftrag, die Chuchi im Auftragsverhältnis neu zu lancieren. Für diesen Auftrag hatte er die Firma Duktus AG, Agentur für Media-Consulting und Editorial-Services, aus dem Boden gestampft. Jetzt muss Eggenberger das eingestellte Personal nach nur fünf Ausgaben bereits wieder entlassen. «Ein harter Schlag in der Aufbauphase, in der wir jetzt drinstecken», sagt Eggenberger. «Chuchi machte mehr als drei Viertel unseres Umsatzes aus.» Zusätzlich besorgte Eggenberger für Meyer’s den «Kochbriefkasten». Ab August dieses Jahres sollte Duktus auch eine neue Kochserie für das Frauenmagazin liefern. Dieser Auftrag ist nun auch unsicher.
Erst am Mittwoch vor Pfingsten habe er vom unmittelbar bevorstehenden Verkauf von Chuchi erfahren, sagt Eggenberger. «Hätte ich früher davon gewusst, hätte ich eine Lösung gesucht, wie man das Heft auf anderem Wege hätte weiterführen können», beklagt sich Eggenberger. Aber die Zeit dafür habe nicht mehr gereicht.
Die Konsequenz: Eggenberger muss sechs Personen entlassen, die sich ßgut 400 Stellenprozente teilten. Übrig bleibt von der Duktus AG für den Moment der Chef und eine Teilzeitstelle. Über mögliche Ersatzaufträge hat Eggenberger diese Woche Gespräche aufgenommen. «Wir hatten uns in der Relaunchphase von Chuchi ganz auf diesen Auftrag konzentriert», sagte er. Einziger verbliebener sicherer Auftrag: Die Lifestyle-Sonderbeilagen der Bilanz, von denen dieses Jahr vier bis fünf Ausgaben erscheinen sollen.
Trübe Stimmung herrscht indessen bei den Entlassenen des Verlages Meyer und der Duktus AG. In der aktuellen Konjunkturflaute ist es alles andere als einfach, gute Jobs oder Aufträge zu finden.
Korrigendum
In der Ausgabe der WerbeWoche vom 24. Mai 2002 (20/02) ist uns ein Fehler unterlaufen. Im Interview auf Seite 29/30 wird ProSiebenSat-1-Chef Urs Rohner auf die Vermarktung von Sat 1 (Schweiz) durch RMB Switzerland angesprochen. Dabei wird vom Fragesteller bemerkt, RMB Switzerland sei von Insolvenz bedroht. Diese Aussage ist laut Matthias Luchsinger falsch. Für diesen Fehler entschuldigen wir uns. Die erwähnte Aussage basiert auf einer Verwechslung mit RMB Deutschland, die Anfang Mai Insolvenz angemeldet hat – angeblich, weil ihr die ehemalige Muttergesellschaft RMBI noch Geld schulde. Mittlerweile hat RMB Deutschland aber bereits einen neuen Investor gefunden.