Kopf der Woche: «Die Schweiz hat die schönsten Banknoten der Welt»

Tania Mailangkay ist AD bei McCann-Erickson, Genf

Tania Mailangkay ist AD bei McCann-Erickson, GenfKopf der Woche «Die Schweiz hat die schönsten Banknoten der Welt»
Die Welt sei für sie wie eine Auster, meint die 27-jährige Tania Mailangkay aus Indonesien, seit drei Monaten bei McCann-Erickson in Genf als Art Director tätig. Und meint damit wohl, dass sie sich trotz ihres polyglotten Wesens in dieser Welt überall wohl und geborgen fühlt.
Sie, die schon mit zwölf wusste, dass sie ihre berufliche Zukunft in der Werbung finden würde und schon als Kind sehr mitteilungsbedürftig war, hat in New York ihr Wissen an so renommierten Ausbildungsstätten wie der Carnegie-Mellon University Pittsburgh, dem Fashion Institute of Technology, New York, und der Columbia University, New York, geholt.
Bei Kirshenbaum Bond&Partners und Young&Rubicam in New York sowie bei Ammirati Puris Lintas in Jakarta hat sie ihre praktischen Erfahrungen in der Werbung gesammelt.
Um Europa kennen zu lernen, wollte sie ursprünglich nach London gehen, hat dann aber über Umwege von Timo Kirez gehört, der für McCann-Erickson in Genf auch gerne Leute aus dem Ausland engagiert, um seinem Team einen internationalen Spirit zu geben. Den internationalen Spirit spürt Tania Mailangkay aber nicht nur in der Agentur. Für sie ist Genf die internationalste Stadt Europas schlechthin, mit der angenehmen Nebenerscheinung, dass Genf weit weniger hektisch ist als New York. Zudem sieht Tania Mailangkay auf ihrem Arbeitsweg Berge und den See, was in New York unvorstellbar ist.
Faszinierend bei McCann-Erickson ist für sie das Eintauchen in eine andere Kultur, was weit über idiomatische Redewendungen hinausgeht. Als Webdesignerin hat sie ein geschultes Auge für alles, was mit Design zu tun hat. Ihr Auge fiel denn auch sofort auf die Schweizer Banknoten. Die Schweiz habe die schönsten Banknoten der Welt, ist Tania Mailangkay überzeugt.
Design ist für sie ein wichtiges Element in ihrem beruflichen Wirken, weil es ihr eine ganzheitliche Sichtweise erlaubt. Selbst wenn sie bei McCann-Erickson nicht ausführende Webdesignerin ist, da die Agentur mit Target zusammenarbeitet, kann sie ihr Spezialwissen beratend einsetzen. Tania Mailangkay ist in der Internetkultur gross geworden, deshalb war es für sie eigentlich natürlich, sich zusätzlich als Webdesignerin ausbilden zu lassen.
Als sie in der indonesischen Hauptstadt arbeitete, musste Tania Mailangkay feststellen, dass es keine eigentliche asiatische Werbekultur gibt. In Indonesien, wie auch in andern asiatischen Ländern, lässt man sich gerne von der westlichen Werbewelt vereinnahmen. Wer in der Werbung tätig sei, erleide demnach wohl keinen heftigen Kulturschock, ob diese Person nun in Hongkong, Jakarta oder New York arbeite, sinniert die AD.
Anita Vaucher

Online-Marketing: Katakombe GmbH

Ziel: Bekanntmachung des Clubs UG bei seinem Zielpublikum, den Clubgängern.

Ziel: Bekanntmachung des Clubs UG bei seinem Zielpublikum, den Clubgängern.Katakombe GmbH Werbemittel: Website, Bannerwerbung, Flyer, PR-Mitteilung an Fach- und Publikumsmedien. Einsatz: Seit Mitte März bis auf weiteres.
Auftraggeber: Katakombe GmbH, Club UG, Zürich; Verantwortung: Daniel Gasser. Werbeagentur: Malstube, Zürich; Konzept/AD/ Grafik: Marc Pfyl, Fabian Gruber; Illustrationen: Fabian Gruber; Screendesign & Programming: Marc Pfyl, Thomas Hausheer; Beratung: Alex Stratz, Marc Pfyl; Pressefotos: Raphael Zubler.

Anhaltende Frühlingsflaute

Auch der April brachte dem Werbemarkt noch keine Erholung

Auch der April brachte dem Werbemarkt noch keine ErholungDie Inseratestatistik der Schweizer Presse hat sich im April nicht ganz wetterkonform verhalten. Konsequent folgt sie dem Trend der letzten Monate und wartet weiter mit negativen Zahlen auf.Als Hemmschuh Nummer eins entpuppten sich einmal mehr die Stelleninserate. 28,9 Prozent Volumen verloren sie in den Tageszeitungen, 29,4 Prozent in den Gratiszeitungen und sogar 47,2 Prozent in den Wochenzeitungen.
Dagegen sind die Verluste des gesamten Inseratevolumens der Tageszeitungen mit minus 7,1 Prozent vergleichsweise gering. Allgemein sind zwar nach wie vor in den meisten Kategorien Volumenrückgänge gegenüber dem Vorjahresmonat festzustellen, diese fallen aber nicht mehr so drastisch aus wie im März.
Positive Zahlen konnten die grössten Tageszeitungen der französischen Schweiz melden: sie generierten 4,4 Prozent mehr Inseratevolumen als im Vorjahresmonat. Auch der Zeitschriftenmarkt zeigt in der Westschweiz ein freundliches Gesicht: Um 3,5 Prozent legten die welschen Zeitschriften zu, die Radio- und TV-Zeitschriften hoben sich mit plus 21,3 Prozent besonders hervor.
Auch der Publicitas-Index der Entwicklung der Werbeausgaben in der Tagespresse hat sich noch nicht gefangen: Er verlor im April 0,8 Punkte und steht neu bei 118,3 Punkten. Weil die Osterfeiertage auf den März fielen, spürte der Index im April etwas Rückenwind durch zwei zusätzliche Ausgaben. Auch mehrere Branchen investierten wieder mutiger in die Werbung, beispielsweise die Automobilimporteure, Grossverteiler, Telekommunikationsunternehmen und die Tourismusbranche.
Die Verluste der Stelleninserate zogen das Gesamtergebnis dennoch in den negativen Bereich. Der Index der Stelleninserate verlor weitere 8,7 Punkte und kam bei 237,4 Punkten zum Stehen. Bruno Amstutz

Etat-News: Bonaparte lanciert Condrosulf neu

Der Tessiner Pharmakonzern Institut Biochimique SA (IBSA) beauftragt die Kommunikationsagentur Bonaparte, Zürich, mit dem Relaunch seines Medikaments Condrosulf.

Der Tessiner Pharmakonzern Institut Biochimique SA (IBSA) beauftragt die Kommunikationsagentur Bonaparte, Zürich, mit dem Relaunch seines Medikaments Condrosulf.Bonaparte lanciert Condrosulf neu Das Produkt wurde bislang erfolgreich zur symptomatischen Behandlung von Arthrose verschrieben. Jetzt hat eine Studie allerdings auch eine strukturerhaltende Wirkung von Condrosulf belegt. Dies soll Bonaparte gegenüber Ärzten und Apothekern mit Anzeigen, Messeauftritten und Direktmarketing kommunizieren.
McCann gewinntFujitsu-SiemensDer Computerkonzern Fujitsu-Siemens hat McCann-Erickson als Agentur für Marketingkommunikation in Europa gewählt. McCann setzte sich in einer Konkurrenzpräsentation unter internationalen Agenturnetzwerken durch. Der Etat wird von McCann-Erickson in London und der McCann-Tochter M.E.C.H. The Communication House in Berlin betreut. M.E.C.H. wurde im Herbst 2000 als voll integrierte Kommunikationsagentur gegründet und betreut bereits die Mobilfunksparte von Siemens. Fujitsu-Siemens, ein Joint Venture der japanischen Fujitsu Limited und der deutschen Siemens AG, plant eine aggressive Marketingkampagne für seine Produkte.
Trimedia trommelt für Sun Hotels Das Kommunikationsnetzwerk Trimedia hat die Hotelkette Sun International Hotels Limited (SIHL) als Neukunden gewonnen. Der internationale Etat wird von den Agenturen in Zürich und Düsseldorf betreut. SIHL hat seine Öffentlichkeitsarbeit neu geregelt, nachdem Ende 2001 Umstrukturierungen vorgenommen wurden.

Online-Marketing: Bank Coop

Ziel: Lancierung der neuen Starthypothek in der gesamten Schweiz.

Ziel: Lancierung der neuen Starthypothek in der gesamten Schweiz.Bank Coop Werbemittel: Banner. Einsatz: Seit Mitte Mai bis Ende Juni.
Auftraggeber: Bank Coop AG, Basel; Verantwortung: Monica Terragni, Projektleitung. Beratung/Vermittlung: Publimedia Webadvertising AG, Zürich; Verantwortung: Tobias Fehrlin.

Muse & Musse: Nicole Huber

Muse & Musse Nicole Huber Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Nicole Huber: Die Eröffnungsfeier der Expo.02 in Neuenburg, weil ich mich grundsätzlich auf die Expo.02 gefreut habe.Was lesen Sie gerade?Huber: «

Muse & Musse Nicole Huber
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Nicole Huber: Die Eröffnungsfeier der Expo.02 in Neuenburg, weil ich mich grundsätzlich auf die Expo.02 gefreut habe.
Was lesen Sie gerade?
Huber: «Veronika beschliesst zu sterben» von Paulo Coelho, weil mir meine Freundin das Buch geschenkt hat.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Huber: «Mandarin» (Wicked Wan Tan Tunes).
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Huber: «Down by Law» von Jim Jarmusch.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Huber: Bei keiner. Bei der
TV-Übertragung der Expo-Eröffnungsfeier wäre ich aber sicher eingeschlafen.
Welches ist Ihre neuste Entdeckung im Internet?
Huber: www.billybobthornton .net
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Huber: Auf den Duft der grossen, weiten Welt!
Was machen Sie in einer freien Minute?
Huber: Den Occasionsmarkt für Vespas durchstöbern.
Liebe ist…?
Huber: …mein Geheimnis.

Auf dem Kopfsteinpflaster führt der Weg zum neuen Job

Mit einer «(An)kündigung» teilt die Personalberaterin

Mit einer «(An)kündigung» teilt die PersonalberaterinHélène Müller (Bild) mit, dass sie mit Irini Antonopoulos und Patricia Turk die Personal Consulting Agentur Headaway&Stone gegründet hat. Der Name birgt ein Geheimnis. Ist er nun eine Hommage an die traditionsreiche Kanzlei zweier Seniorpartner aus Birmingham? Oder weist das bei einem Nachtessen in der Kronenhalle entstandene Logo mit dem kopflosen Körper zwinkernd auf die Tätigkeit der neu gegründeten Personalvermittlung hin? Wie dem auch sei. Müller definiert die Philosophie der neuen Agentur so: Die berühmten drei D’s für Desire, Dedication und Discipline sollen zum wichtigsten Massstab bei der Personalvermittlung werden. «Wenn es uns gelingt, die Träume und Vorstellungen beim Stellensuchenden zu befriedigen, profitiert davon der Arbeitgeber am meisten», ist Müller überzeugt. Headaway & Stone will mit ihren Dienstleistungen vor allem Jobsuchende betreuen. «Wer mit uns einen Job sucht, der findet einen privaten Freund», verspricht Müller. Über Jahre hinweg verblieben platzierte Kandidaten und ehemalige Stellensuchende in einem guten persönlichen Kontakt, der weit über die Vermittlung hinaus gehe. Spezialisieren will frau sich auf die Bereiche Kommunikation, Medien (Hélène Müller), Banking, Finance (Irini Antonopoulos) und Treuhand (Patricia Turk). Die drei Frauen, die sich bei der Firma Worni Personal Consulting kennen lernten, haben nun ihre eigene Agentur gegründet, «weil es gerade jetzt wichtig ist wie noch nie, dass die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind». Im vorliegenden Fall wäre das die Seefeldstrasse 92 in Zürich.
Schliesslich: Keine Neueröffnung ohne Werbung! Die Botschaft vom einfachen Finden des gejagten Kopfes hat Frank Bodin und seine Euro RSCG umgesetzt. Die Anzeigensujets spielen mit dem qualitativ verpflichtenden Appeal von Medien wie Financial Times, Bilanz oder The Economist, denen die Werber eine schlicht raffinierte Banderole mit dem Claim: «Just give us a call: Headaway & Stone» umgehängt haben. Andreas Panzeri

Online-Marketing: CS Banking

Ziel: Bekanntmachung der Worldcup Games. Generierung von Neukunden via Internet.

Ziel: Bekanntmachung der Worldcup Games. Generierung von Neukunden via Internet.CS Banking Werbemittel: Flashbanner. Einsatz: Seit Mitte Mai bis Ende Juni.
Auftraggeber: Credit Suisse Banking, Zürich; Verantwortung: Gianni Pichierri, Mike Thoma, Projektleitung Marketingkommunikation. Beratung/Vermittlung: Publimedia Webadvertising AG, Zürich; Verantwortung: Tiziano Obrecht.

Online-Marketing: ZKB

Ziel: Profilierung der ZKB als Finanzdienstleisterin.

Ziel: Profilierung der ZKB als Finanzdienstleisterin.ZKB Werbemittel: Banner, Interstitials. Einsatz: Mai/Juni sowie Oktober/September.
Auftraggeber: Zürcher Kantonalbank; Verantwortung: Bernadette Grossenbacher, Leiterin Werbung. Agentur: Futurecom Interactive AG, Zürich. Beratung/Vermittlung: Publimedia Webadvertising AG, Zürich; Verantwortung: Tobias Fehrlin, Jacqueline Meister.

Durchzug der Windkuriere

Lang Gysi Knoll bläst dem Markt den USP von Swiss-Kurier ein

Lang Gysi Knoll bläst dem Markt den USP von Swiss-Kurier einVon Ernst WeberIn einem Folgeauftritt fährt Lang Gysi Knoll (LGK), Bern, fort, das Image für Swiss-Kurier aus der Luft zu greifen: So entsteht auf witzige Weise viel Wind um den schnellen Dienst der Post AG.
Der Kurierdienst der Post, Swiss-Kurier, ist mit derzeit 64 Standorten, knapp 400 Mitarbeitenden und einem durchschnittlichen Marktanteil von rund 50 Prozent der führende Schweizer Kurier. Im Lokaldistanzbereich beträgt der Anteil nach eigenen Erhebungen etwa 20 Prozent, was immer noch die Marktführerschaft bedeutet, auf nationalen Strecken liegt er über 60 Prozent.
Dass Grösse aber vor existenziellen Notlagen nicht schützt, musste der zur Expresspost gehörende Leistungsbereich 1998/99 erfahren: Um in der durch starke regionale und lokale Anbieter geprägten, atomisierten Konkurrenzsituation zu überleben, wurden damals die Dienstleistungen im Rahmen eines substanziellen Redesigns auf ein «marktgerechtes Mass» reduziert. «Da wir kein Billiganbieter sein können, sind wir vor allem im lokalen Bereich stark herausgefordert», sagt Adrian Hunzinger, Leiter Expresspost.
Wirkung zeitigte die Bereinigung laut eigenen Angaben im vergangenen Jahr, als die in Bern domizilierte Expresspost, deren Angebot auch den klassischen Expressdienst beinhaltet, als Ganzes schwarze Zahlen schrieb.
Werblich wird Swiss-Kurier seit der Zeit des Umbruchs von LGK betreut. Zu Beginn der Zusammenarbeit habe die Positionierung noch Haken geschlagen, da einmal der Kurierdienst beworben worden, ein anderes Mal die klassische Expressdienstleistung der ehemaligen Monopolistin Gegenstand der Werbeaktivitäten gewesen sei, meint Nicole Huber, Mitinhaberin von LGK. Erst seit ungefähr zwei Jahren managt die Expresspost in ihrer Kommunikation Swiss-Kurier im Sinne der Markenführung.
Eine starke Kampagne noch stärker gemacht
Die neue Kampagne der Berner Agentur setzt diese Kontinuität fort. Sie bleibt bei der windigen Positionierungsidee, auf deren Basis bereits im vergangenen Jahr eine vom Art Directors Club Schweiz mit Silber ausgezeichnete TV-Spotserie realisiert worden war. Während jene aber quasi lediglich Wind um Swiss-Kurier machte, trägt der aktuelle Auftritt nun gleichsam pneumatische Züge: nämlich in Form des geistreichen Witzes.
«Wir wussten, dass der Auftritt ein wenig frecher werden musste, nachdem sich das Publikum an die Tonalität der ersten Spotserie gewöhnt hatte», sagt Nicole Huber.
Die Spots – sie schliessen mit dem aus dem Off gesprochenen Slogan «Die Post hat einen Kurier. Und der ist schnell. Sehr schnell sogar» – vertiefen die Positionierung, wonach der vor allem aufs Inlandgeschäft konzentrierte Swiss-Kurier wie der Wind in jede Ecke der Schweiz fegt. Sie beobachten, was die Winde «anrichten», die die forsch durch die Gegend sausenden Kurierfahrzeuge verursachen.
So springt etwa der Ball eines schwarzen Streetballspielers, der, mehr gelangweilt als cool, einige Kunststücke versucht, plötzlich nicht mehr vom Boden in des Spielers Hände zurück, sondern fliegt, von einer Böe ergriffen, als hätte Michael Jordan ihn geworfen, in einen offen stehenden Abfalleimer, der seitlich hinter dem Streetballspieler steht.
Noch Schlimmeres widerfährt einem Hund, der sich eben einen Cupido-Brunnen zur Verrichtung eines Geschäftes ausgesucht hat. Kaum beginnt der Rüde zu pinkeln, trifft ihn der vom Wind des vorbeijagenden Kurierfahrzeuges abgelenkte Wasserstrahl des Brunnens. Erschrocken rennt er weg, um sogleich bellend an den verhexten Ort zurückzukehren.
Das Tier, das quasi an imperativem Harndrang leidet, hob übrigens bereits für Guye Benker (damals noch Guye&Partner) einmal das Bein. In einem TV-Spot für Winner.ch nässte es auf Befehl seines Herrchen ein Paar in einem Treppenhaus stehende Schuhe eines ungeliebten Nachbarn.

Pool der Millionen Konflikte

Der neue Radiopool baut auf Streitereien in der Radiobranche auf

Der neue Radiopool baut auf Streitereien in der Radiobranche aufVon Markus KnöpfliDer neue Millionen-Pool von acht Privatradios ist primär politisch motiviert, die Väter der neuen Patchwork-Familie sind diverse brancheninterne Konflikte. Wie gross der Nutzen des neuen Pools für die Werbewirtschaft ist, muss sich erst noch weisen.
Wann der neue Millionen-Pool aus den acht Sendern Hitradio Z, Top, Argovia, Sunshine, Grischa/ Piz, Central, Ri und 32 nun wirklich in den Verkauf kommt, darüber besteht nach wie vor Unklarheit. «Einen Start per 1. Juli 2002 haben wir nie kommuniziert, richtig ist hingegen, dass der Markt über den Verkaufsbeginn entscheiden soll», sagt Argovia-Geschäftsführer und Pool-Sprecher Roland Baumgartner. «Falls wir aber auf Grund grosser Nachfrage per 1. Juli 2002 starten müssten, werden wir mit dem bis Ende 2002 bestehenden Pool 2000 eine einvernehmliche Lösung suchen», ergänzt er.
Der Markt verlangt aber erst nach dem Produkt, wenn er die Tarife kennt. Bisher gab Baumgartner aber nur so viel preis: Je nach Stundenfenster kostet die Pool-Sekunde zwischen 100 und 135 Franken (Montag bis Freitag). Der Gesamtpool kommt auf einen TKP von 45 Rappen, beim Modul Zürich (Hitradio Z, Top, Argovia, Sunshine) sind es
48 Rappen, bei allen übrigen Modulen 50 Rappen.
Seitens der Mediaagenturen sind denn auch nur vorläufige Meinungen zum neuen Angebot erhältlich, grundsätzlich aber begegnet man ihm mit Skepsis. Der Grund: Löcher in Basel und Bern sowie Schwachstellen in St.Gallen und Luzern. «Der neue Pool ist sicher nicht das Gelbe vom Ei, eine Möglichkeit, um mit Radio die ganze Deutschschweiz abzudecken, haben wir immer noch nicht», sagt André Funk, Managing Director Mediaedge/CIA Switzerland.
«Ich habe das Gefühl, dass die beteiligten Sender nicht das Beste gemacht haben», sagt auch Karin Steiner vom Drei Media Team. Sie kritisiert jedoch primär die Radioszene: «Die Sender sollten sich nicht dauernd gegeneinander, sondern auf Basis sinnvoller Konstellationen gruppieren.» Der neue Pool offenbare im Grunde nur wieder die «Ur-Rivalität zwischen 24 und Hitradio Z». Sinnvoll wäre gemäss Steiner jedoch das Gegenteil, ein Zürcher Pool aus Hitradio Z und 24, «da ich mir ohne die beiden keine grössere Kampagne vorstellen kann.»
Konflikte waren die Väter des neuen Radiopools
Steiners Analyse trifft ins Schwarze, nur ist der neue Pool nicht bloss auf einem, sondern gleich auf mehreren Branchen-Konflikten aufgebaut. Da ist zum einen der Konflikt zwischen den Vermittlern Radiotele und IP Multimedia. Während Radiotele der IP vorwirft, ihr mit unfairen Methoden Kunden wegzunehmen, kritisiert man bei dem zur Goldbach-Gruppe gehörenden Hitradio Z, dass es von Radiotele nicht mehr vermittelt werde. Felix Kilchsperger, Radioverantwortlicher bei Radiotele, gibt das auch unumwunden zu. Dieser Boykott von Radiotele haben auch Argovia und Sunshine zu spüren bekommen, die mit Hitradio Z das Zürcher Modul des Pool 2000 bilden. Dessen Einnahmeneinbussen akzentuierten sich noch, als der Powerpool (24 und Zürisee) anfangs Jahr auf den Markt kam.
Verschiedentlich ist denn auch zu hören, Radiotele habe den Anstoss zum Powerpool gegeben – um Hitradio Z zu schwächen. Das weist Kilchsperger zwar zurück, gesteht aber: «Der Powerpool, der von den Zahlen her eine Alternative zum Pool-2000-Modul Zürich darstellt, macht es uns leichter, unseren Streit mit der IP in den Hintergrund zu rücken.»
Andererseits schweisste Radiotele mit seinem Vorgehen Hitradio Z, Argovia und Sunshine zusammen und trieb Letztere wohl auch der IP in die Arme. Die drei Sender gehören jedenfalls zur treibenden Kraft beim Millionen-Pool, der eigentlich in der Idee wurzelt, das bisherige Pool-2000-Modul Zürich gegenüber dem Powerpool mit Top zu verstärken. Selbstverständlich gehören umgekehrt die drei einzigen Radiotele-Pachten BE1, BeO und Canal 3 dem neuen Pool nicht an (siehe auch Seite 5).
Die Gründung des Powerpools führte aber noch zu einem weiteren Konflikt, ging doch Zürisee, bis dahin Mitglied beim Leader-Pool, fremd und stiess seine bisherigen Partner Top und Grischa vor den Kopf. Kein Wunder, dass sich diese nun ebenfalls dem Millionen-Pool zuwandten.
Zwei weitere Konflikte in der Ostschweiz waren ebenfalls Väter des neuen Pools: Die alte Rivalität zwischen Aktuell, das Anschluss an einen grösseren Pool sucht, und Top. Die Folge: Aktuell steht weiterhin abseits, obwohl es im Millionen-Pool Sinn machen würde. Zementiert wird dies durch einen jüngeren Konflikt zwischen Aktuell und Ri, die (noch) im Pool Aktuell plus zusammengeschlossen sind. Ri ist jedoch mit dem Verteilschlüssel der Pool-Einnahmen nicht mehr einverstanden, weshalb es kürzlich die programmliche Bindung an Aktuell lockerte. Übrigens: Das kleine Ri darf wohl nur deshalb beim Millionen-Pool mitmachen, weil IP bei Ri zu 35 Prozent beteiligt ist.
Keine Eile zeigen Privatradios in Bern, Basel und Zürich
Wie aber reagieren die übrigen Radios? Radio 24 steht nicht unter Zugzwang, hat es doch bisher schon gut allein existiert. Und zusammen mit Zürisee im Powerpool, für den allerdings das Okay der Wettbewerbskommission noch aussteht, bildet es eine Alternative zum weitläufigen Zürcher Modul des Millionen-Pools. Denkbar wäre aber auch eine Verbindung von Powerpool, City-Pool und Radio Aktuell, was dem eher ländlichen Millionen-Pool etwas Urbanes gegenüberstellen würde.
Möglich wäre ferner ein Zusammenspannen zwischen dem Powerpool und den Pool-2000-Modulen Basel und Bern. Wie auch immer, Belcom-Chef Stärkle lässt sich derzeit nicht in die Karten blicken. Verständlich, denn sein eigenes Millionen-Pool-Projekt aus 24, Zürisee, Top, Aktuell/Ri, 32, Piz/Grischa und BE1 ist an den erwähnten Konflikten und wohl auch an der persönlichen Rivalität zwischen ihm und Top-Chef Heuberger gescheitert.
Bricht auch der City-Pool auseinander?
Auch die Module Bern und Basel des Pool 2000 haben Zeit. Wer das goldene Dreieck Zürich-Bern-Basel abdecken will, kann sie quasi als Joker beliebig hinzubuchen, sei es weiter zum Modul Zürich des Pool 2000, sei es zum Powerpool oder eben auch zum Millionen-Pool. Sie können somit abwarten, wie die Werbewirtschaft auf den neuen Millionen-Pool reagiert. Zumindest aber BeO-Sendeleiter Martin Muerner fühlt sich nicht zum Millionen-Pool hingezogen (siehe Seite 5).
Selbst den City-Pool gilt es im Auge zu behalten. Das Triumvirat ist jedenfalls nicht mehr so geschlossen und auf Alleingang bedacht wie noch Anfang Jahr. In den letzten Wochen gab es deutliche Signale zur Öffnung, auch von Seiten des geschwächten ExtraBern.
Radiopool-Szene Deutschschweiz

City-Pool Leader-Pool
Basilisk Top
ExtraBern Zürisee
Pilatus Grischa
Powerpool
24
Zürisee
Pool 2000 Millionen-PoolModul ZH Modul ZH
Hitradio Z Hitradio Z
Argovia Argovia
Sunshine Sunshine
Top
Modul Basel Modul MittellandRegenbogen Argovia
Edelweiss 32
Modul Bern Modul Ostschweiz
BeO Top
BE1 Grischa
Canal 3 Piz
Ri
Central

Vom Winde kuriert

Lang Gysi Knoll setzt für Swiss-Kurier den Wind als Werbekraft ein

Lang Gysi Knoll setzt für Swiss-Kurier den Wind als Werbekraft einAuf den Schwingen des Windes transportiert ein witziger Auftritt von Lang Gysi Knoll, Bern, die Schnelligkeit von Swiss-Express, dem Kurierdienst der Post. Visualisiert wurde das Unique Selling Proposition durch böenartige Winde, die von zwar hörbaren, aber nicht sichtbaren «vorbei fliegenden» Swiss-Kurier-Fahrzeugen verursacht werden. Die mit Schwergewicht auf TV-Spots konzipierte Kampagne – sie setzt den letztjährigen Auftritt fort – zeigt den unerwarteten Einfluss, den die heranwehende Luft auf ein an sich vollkommen unbedeutendes Geschehen hat. An der Kampagne, die laut Adrian Hunzinger, Leiter Swisspost, «die eingeschlagene Positionierung rasch wirkend dramatisiert hat», erweist sich die Werbekraft der Symbole.
Die symbolische Bedeutung des Windes etwa kommt im griechischen Wort Pneuma zum Ausdruck, das gleichzeitig Wind, Atem und Geist heisst. Die mitkommunizierte Symbolik haucht Swiss-Kurier zusätzlich den Odem der Seriosität ein. Ein Image, das der marktführenden Position des Kurierdienstes und seiner Zugehörigkeit zur speditionserfahrenen Post angemessen erscheint. Seite 10
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