Trotz Umsatzsprung und Konzerngewinn hat die Espace Media Groupe wieder mehr SorgenkinderVon Markus Knöpfli Ertragseinbusse trotz Auflagensprung bei der Berner Zeitung, knapp schwarze Zahlen bei Radio ExtraBern: Auch wenn sich die Bilanz 2001 der Espace Media Groupe in bestem Licht zeigt, hat die Gruppe einige Probleme. Nun setzt sie verstärkt auf das lokale Geschäft.
Bei der Espace Media Groupe (EM Groupe) sind die angriffigen, bisweilen polternden Töne des letzten Jahres verklungen. An der Bilanzpressekonferenz wurden jedenfalls moderate und auch nachdenkliche Worte geäussert, die sich sogar im Geschäftsbericht der Gruppe niederschlugen.
Dort wirft Verwaltungsrats-präsident Charles von Graffenried mehrere grundsätzliche Fragen auf, unter anderem folgende: «Wird sich die Espace Media Groupe, eingeklemmt zwischen der immer stärker und umfassender werdenden Medienmetropole Gross-Zürich und der Romandie, mittel- und langfristig noch behaupten und eigenfinanziert mit der bisherigen Dynamik weiterentwickeln können?»
Die Fragen sind rhetorischer Natur, doch einige Abschnitte später ist dann doch der Ansatz einer Antwort zu finden: «Noch glauben wir daran, dass unsere Zukunft als multimediales Medienunternehmen Gewinn bringend und schwergewichtig in der Region Espace Mittelland liegt.»
Der Zweifel, der hier mitschwingt, mag angesichts des Geschäftsberichtes 2001 auf den ersten Blick erstaunen. Immerhin konnte die EM Groupe den Umsatz um 25 Prozent auf 259,9 Millionen Franken steigern. Diesen «gewaltigen Schub» führt Konzernchef Albert P. Stäheli auf die Übernahme der Automobil-Revue-Gruppe sowie den Einbezug der Druckerei Schaer Thun AG und der Berner Oberland Medien AG zurück. Mit den Akquisitionen sind einmalige Integrationskosten verbunden, die sich – neben dem ungünstigen wirtschaftlichen Klima – im Ergebnis bemerkbar machen. Umgekehrt hatte die EM Groupe aber 60 Prozent der Aktien am Kunstbuchverlag Benteli an die NZZ verkauft.
Die Gruppe weist denn auch einen Konzerngewinn von 18,2 Millionen Franken aus, der um 5,9 Millionen unter dem Vorjahreswert liegt, dennoch stellt er aber «im Branchenvergleich ein Spitzenresultat» dar, wie CEO Stäheli festhielt.
EM Groupe rechnet erstmals mit Defizit bei Radio ExtraBern
Dass die Zahlen nicht nur «erfreulich» sind und deshalb nachdenklich stimmen, zeigt sich in einzelnen Geschäftsbereichen. So reduzierte sich der Ertrag des Flaggschiffs Berner Zeitung (BZ) um 5,5 Millionen Franken auf 128,4 Millionen Franken. Dies macht umso hellhöriger, als die BZ als einzige grössere Zeitung ihre Auflage dank neuer Splits im Berner Oberland markant um 18,7% (auf 162200 Exemplare) steigern konnte, was ihr aber (noch) kaum Nutzen brachte.
Im Gegenteil: Gemessen an den Anzeigenseiten gehört die BZ mit einem Verlust von 12,3% zu den vier Hauptverlierern unter den zwölf grossen Tageszeitungen (Tages-Anzeiger: minus 17,9%, Bund: minus 12,8%, NZZ: minus 12,5%). Kommt hinzu, dass der im Oktober lancierte siebte BZ-Split Solothurner Tagblatt (ST) kaum vom Fleck kommt (siehe Interview). Nebenbei: An Tamedia, die zu 49% an der BZ beteiligt ist, wurden etwa 5,5 Millionen Franken abgeliefert (Vorjahr: rund 10 Millionen Franken).
Nach wie vor tiefrot, mit einem Minus von 1,7 Millionen Franken, präsentiert sich die Rechnung von Tele Bärn. Dort war der Nettoertrag mit 2,9 Millionen Franken um rund 200000 Franken tiefer als im Vorjahr. Dieses Jahr erwartet Stäheli allerdings eine leichte Reduktion des Defizits auf 1,5 Millionen Franken, weil auch lokale Gewerbetreibende vermehrt das Medium TV für ihre Werbung nutzen würden. Der kumulierte Aufwand für Tele Bärn beläuft sich seit dem Start im Jahr 1995 auf 15 Millionen Franken.
Als «Sorgenkind» bezeichnete Stäheli Radio ExtraBern, das mit einem Nettoertrag von 3,2 Millionen Franken (Vorjahr: 3,6 Millionen) nur gerade eine ausgeglichene Rechnung ausweist. Für das laufende Jahr rechnet der Konzernchef sogar zum ersten Mal nach zehn schwarzen Jahren mit einem Defizit von 100000 bis 200000 Franken. Um wegen gesunkener Hörerzahlen den Anschluss bei nationalen Werbekampagnen nicht noch mehr zu verlieren, wünscht sich Stäheli Radio 24 als Partner zum bestehenden City-Pool (ExtraBern, Basilisk, Pilatus). Weiter vertrat der CEO die Meinung, dass es in der Region Bern «nur Platz für 1,5 Radios» habe.
Im Druckbereich kommen auf die EM Groupe Investitionen für ein neues Druckzentrum in der Höhe von 120 Millionen Franken zu, verteilt auf die Jahre 2002 bis 2005. Ob auch «Der Bund» dort einbezogen wird, ist noch Gegenstand von Verhandlungen.
Bewusste Inkaufnahme von möglicher Kannibalisierung
Eine erste Strategie hat die EM Groupe auf die aufgeworfenen Fragen ihres VR-Präsidenten bereits gewählt: Weil das lokale Anzeigengeschäft im Gegensatz zum nationalen gemäss Stäheli «erstaunlich gut läuft», wird man künftig den lokalen Markt, der stabiler sei als der nationale, noch stärker bearbeiten. «Bisher war uns der Inserateertrag in den BZ-Splits relativ egal. Jetzt sehen wir dort aber noch Potenzial», sagt Stäheli. Die erste Massnahme: Das ST wird noch lokaler ausgerichtet, andere Splits werden nachziehen. Dabei nimmt Stäheli bewusst in Kauf, dass lokale EM-Medien (unter anderem Berner Bär, Burgdorfer Tagblatt) kannibalisiert werden könnten.
Espace Media Groupe in Zahlen
in Mio. Fr. 2000 2001 Veränderung in %
Konzernumsatz 208,3 259,9 24,8
Konzerngewinn 24,1 18,2 – 24,5
Cashflow 20,5 14,6 – 28,8
Nettoertrag Berner Zeitung 133,9 128,4 – 4,1
Korrigendum
Im Artikel «Pool der Millionen Konflikte» in der WerbeWoche-Ausgabe 20/02 schrieb Markus Knöpfli von einem angeblichen «Boykott» des Vermittlers Radiotele gegenüber dem Sender Hitradio Z. Dabei konnte der Eindruck entstehen, dass der im Artikel erwähnte Radiotele-Verkaufsleiter Felix Kilchsperger von «Boykott» gesprochen oder einen solchen zugegeben habe. Dieser Eindruck wäre falsch. Das Wort Boykott ist im Gespräch mit Kilchsperger nie gefallen, sondern wurde vom Autor selbst – und in diesem Zusammenhang klar unzutreffend – gewählt. Denn Radiotele leitet weiterhin Kundenaufträge an Hitradio Zweiter.