Zahl der Woche

Anzeigenstatistik Die Frauen- und Modeblätter der Deutschschweiz kamen im Januar zusammen gerade noch auf mickrige 155 Inserateseiten, im Vergleichsmonat des Vorjahres waren es noch 289 Seiten. Angesichts dieses dramatischen Absturzes mag man sich fr

Anzeigenstatistik Die Frauen- und Modeblätter der Deutschschweiz kamen im Januar zusammen gerade noch auf mickrige 155 Inserateseiten, im Vergleichsmonat des Vorjahres waren es noch 289 Seiten. Angesichts dieses dramatischen Absturzes mag man sich fragen, wovon die diversen neuen Deutschschweizer Frauentitel (Annabelle Business, Edelweiss, Bolero Blush) und all die angekündigten Schweizer Splits deutscher Frauenmagazine (Joy, Shape, Elle) denn leben wollen. -46,4%

Disziplin statt Zahlensalat

Internetwerbung Onlinevermarkter räumen mit unübersichtlichen und verwirrlichen Statistiken auf: Die Online-Bruttowerbeaufwendungen von Media Focus werden präziser, sind aber mit den Vorjahreszahlen nicht mehr vergleichbar.

Internetwerbung Onlinevermarkter räumen mit unübersichtlichen und verwirrlichen Statistiken auf: Die Online-Bruttowerbeaufwendungen von Media Focus werden präziser, sind aber mit den Vorjahreszahlen nicht mehr vergleichbar.Die Onlinebranche ist schon länger unzufrieden über die Aussagekraft der von Media Focus (MF) erhobenen Online-Bruttowerbevolumina. Gemeinsam mit MF wurde die Erhebung nun auf neue Beine gestellt – auch im Sinne eines Gattungsmarketings.Vermarkter melden Kunden
Gemäss den vorliegenden Informationen aus der Onlinebranche ändert sich eine ganze Menge: Seit Januar deklarieren nicht nur On-linevermarkter wie Adlink, Publimedia Webadvertising oder Active Agent ihre Volumina, sondern auch grosse Websitebetreiber, die selbst Onlinewerbung akquirieren (zum Beispiel NZZ-Online, AZ-Online und andere mehr). Zweitens melden die Vermarkter, welche Websites sie exklusiv vermarkten und welche Kunden auf den- selben wieviel investiert haben. Eigenvermarkter melden ihre Kunden ebenso.
Bisher waren Budget-Doppelnennungen relativ häufig, weil oft Vermittler und Exklusivvermarkter je dieselben Beträge deklarierten. Die dritte Änderung: Die Budgets müssen auf die einzelnen Monate ihrer Laufzeit heruntergebrochen werden. Bisher kam es vor, dass ganze Jahresbudgets in einem einzigen Monat gemeldet wurden. Viertens ist jetzt geregelt, dass Bruttowerte vor Abzug von Rabatten, Freespace und Spezialkonditionen angegeben werden sollen. Bisher gaben einige auch Nettowerte an.
Der Onlinewerbemarkt dürfte künftig also in völlig neuem Licht erscheinen, denn Regelverstösse werden seltener, da offensichtlicher. Unklar sind die Auswirkungen auf das Gesamtvolumen: Fällt dieses ohne Budget-Doppelnennungen eher nach unten, oder drücken konsequente Bruttowerte und der Einbezug der Eigenvermarkter eher nach oben?
Swisscom kommt neu dazu
Wohl eher Letzteres. Denn zu den Eigenvermarktern gehört auch Swisscom Directories, die neu die Riesenvolumina von WeisseSeiten.ch und GelbeSeiten.ch in die Statistik einbringt. Deren Grösse wollte man bei Swisscom zwar nicht beziffern, doch weil die Werbung dort von PubliDirect, einem Joint Venture von Swisscom und PubliGroupe, akquiriert wird, wurden über PubliGroupe zumindest ungefähre Zahlen bekannt (WW 31/02). Demnach hat PubliDirect im vergangenen Jahr etwa soviel Onlinewerbung verkauft wie das gesamte Onlinewerbevolumen Schweiz für 2002 geschätzt worden war – also brutto 18 bis 25 Millionen Franken.
«Beschränkt vergleichbar»
Damit ist eines klar: Die Bruttozahlen der Onlinewerbung setzen sich ab sofort völlig neu zusammen. MF-Geschäftsführer Lukas Zihlmann bestätigt denn auch, dass sie mit den Vorjahreszahlen nur noch «beschränkt vergleichbar» sind. Volumenmässig werde es aber «keinen grossen Schub geben», sagt er. Insgesamt würden die Zahlen stabiler.
Zihlmann stellt hingegen klar, dass schon bisher einige Eigenvermarkter einbezogen gewesen seien. Künftig wolle man jedoch versuchen, alle Grossen ins Boot zu holen. Keineswegs neu sei hingegen die Definition der Bruttowerte, sie gelte schon lange für alle Medien gleich. «Beim jungen Medium Internet haben wir jedoch Unschärfen in Kauf genommen, weil sie für den Gesamtwerbemarkt nicht ins Gewicht fielen», sagt er. MF habe dies aber immer wieder deklariert.
Mehr Licht in den Dschungel der Messzahlen von Onlinevermarktern bringt die neue Erhebungsmethode von Media Focus.
Marktanteile der OnlinevermarkterAusgehend vom letztjährigen Online-Bruttowerbevolumen von gut 16 Millionen Franken schätzen die drei grossen Vermarkter sich und ihre Konkurrenz wie folgt ein: Adlink und Publimedia Webadvertising (PWA) geben sich übereinstimmend je 40 Prozent Marktanteil, Active Agent (AA) erhält von beiden 10 Prozent – und der Rest wird auf diverse Anbieter verteilt. Etwas anders sieht man es bei AA: Adlink sei Marktleader, PWA die Nummer zwei, AA komme mit 25 Prozent auf Platz drei, und für diverse Vermarkter blieben noch 15 bis 20 Prozent, heisst es dort. (mk)
Markus Knöpfli

Best of Northwest

Affinität der Anzeigen bei den Supportern im «Yuppieland»

Affinität der Anzeigen bei den Supportern im «Yuppieland» Gold (148) Bernie’s It’s time for (DDB Zürich)Silber (147) Archers Mix the finest peach spirit (Starfish Communication Factory)
Bronze (135) Swatch Bijoux/Collect Both (BGS d’Arcy, Mailand)

Durchbruch in der Plakatforschung

Aussenwerbung Mit Satellitentechnik lassen sich Kontaktchancen von Plakatstellen zuverlässig messen. Dafür hat das Pilotprojekt Swiss Poster Research den Nachweis erbracht.

Aussenwerbung Mit Satellitentechnik lassen sich Kontaktchancen von Plakatstellen zuverlässig messen. Dafür hat das Pilotprojekt Swiss Poster Research den Nachweis erbracht.Dies sagte Professor Martial Pasquier von der Uni Bern, der das Forschungskonzept für den Aussenwerber Affichage und Clear Channel Plakanda (CCP) entwickelt hat. Beim Pilot im letzten Herbst trugen 300 Personen in Winterthur während einer Woche ein GPS-Gerät (Geographical Positioning System), was über 80000 Standortdaten pro Person ergab. Damit lassen sich die zurückgelegten Wege, die passierten Plakatstellen und die Durchgangsgeschwindigkeit rekonstruieren. Zudem lässt sich sagen, ob der mögliche Kontakt parallel oder frontal verlief. Affichage und CCP handeln jetzt aus, ob, wie und wann sie das Messinstrument im Markt einführen wollen. (mk)

Schneewittchen und der Journalismus

Gastkommentar Wer sich am Medienjournalismus stösst, soll den Journalismus verbessern, der Rest folgt automatisch, schreibt Christian Mensch.

Gastkommentar Wer sich am Medienjournalismus stösst, soll den Journalismus verbessern, der Rest folgt automatisch, schreibt Christian Mensch.Michael Ringier hat als Verleger viele Projekte in der Pipeline. Die wenigsten werden jemals lanciert, die meisten verkümmern auf dem Weg von der Idee zum marktreifen Produkt. Die Strecke ist gesäumt von Konzeptruinen für Zeitungen und Zeitschriften, von kiloschweren Projektskizzen und teuren Machbarkeitsstudien für Fernseh- und Internetkanäle. Kürzlich erzählte Michael Ringier von einer alten Idee: «Ich habe immer noch das Projekt meiner Lieblingszeitung, das ich wahrscheinlich nie werde machen können; eine Zeitung, in der ich nur schlecht über Journalisten schreibe, damit die mal merken, was das bedeutet.»Ringier, das ist daraus zu lernen, wird sich nie an eine Medienzeitschrift wagen. Schade eigentlich, obwohl auch daraus nie etwas werden würde. Doch allein schon die Auseinandersetzung damit, was Medienjournalismus ist und was er sein könnte, wäre hilfreich für den Journalismus insgesamt. Denn ganz richtig, wenn auch polemisch formuliert, weist Michael Ringier auf die wichtigste Funktion des Medienjournalismus hin: Er hält der Branche den Spiegel vor.
Das Abbild entspricht dem Abgebildeten. Es ist nicht schöner, es ist aber auch nicht hässlicher. Medienjournalisten arbeiten schliesslich unter den gleichen Rahmenbedingungen und mit den gleichen Arbeitsinstrumenten wie alle Journalisten. Es gibt unter ihnen talentiertere und weniger talentierte, nicht anders als im gesamten Journalismus. Ihre Analysen treffen manchmal den Nagel exakt auf den Kopf, immer wieder hauen sie ihn aber auch nur krumm, und ihre fehlgeleiteten Hiebe hinterlassen hässliche Dellen. Von solchen Verletzungen spricht der Verleger Ringier, wenn er den vermeintlichen oder echten Schreibtischtätern Revanche androht.
Medienschaffende haben oft Mühe mit dem Spiegelbild, das die Medienjournalisten von ihnen entwerfen. Vor allem das Personal in den Teppichetagen, die Chefredaktoren und Verleger, wollen häufig nicht wahrhaben, was sie im Spiegel zu sehen bekommen. Sie verhalten sich ihm gegenüber zuweilen nicht anders als die Stiefmutter in Grimms Märchen «Schneewittchen». Eitel rufen sie: «Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?» Und wehe, es kommt nicht die erwartete Heuchelei zurück, schon sind sie gekränkt. Sie sprechen dann von «Häme» und «Kollegenschelte». Immerhin gehen sie nicht so weit, dass sie versuchen, Medienjournalisten mit vergifteten Äpfeln ausser Gefecht zu setzen.
Das Problem wäre damit auch nicht gelöst. Ohne Medienjournalisten würde der Spiegel nur trüber; das Bild aber kein bisschen hübscher und der Journalismus insgesamt um keinen Deut besser. Auch ein von gehätschelten Medienjournalisten polierter Spiegel machte die Fratze, die hineinglotzt, nicht ansehnlicher. Wer sich am Medienjournalismus stösst – und das sind derzeit nicht wenige –, der soll den Journalismus verbessern, der Rest folgt automatisch. Ein ganzes Stück weiter wären wir, wenn Michael Ringier irgendwann in Zukunft sagen würde: «Ich habe da ein Lieblingsprojekt, das ich gerne machen würde: eine Zeitung, in der ich mal lobend, mal tadelnd über Journalismus und Journalisten schreibe; ein selbstkritisches Spiegelbild des Journalismus eben.»
> Christian Mensch, bis vor kurzem Medienjournalist bei der Weltwoche

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MigrosDie Migros erinnert sich ihrer Tugenden – und lässt ihre Kunden davon erzählen. Da wüssten wir noch so gerne, was Sie als Ad-Rater davon halten. Klicks bitte auf www.werbewoche.ch/adratingAlkoholprävention
Eine «durchs Glas weg» gute Kampagne lieferte cR DDB für die Alkoholpräventation – wenn auch mit knappem Ergebnis.

SPRI wird Hochschul-Institut

Ausbildung Das Schweizerische Public Relations Institut (SPRI) wird per Anfang März ein Forschungs- und Weiterbildungsinstitut der privaten Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung Zürich (HWZ).

Ausbildung Das Schweizerische Public Relations Institut (SPRI) wird per Anfang März ein Forschungs- und Weiterbildungsinstitut der privaten Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung Zürich (HWZ).Es führt sämtliche bisherigen Aktivitäten weiter, so auch die jährlichen berufsbegleitenden PR-Lehrgänge zum eidgenössischen Fachausweis. Zugleich lanciert die HWZ auf Herbst 2003 ein berufsbegleitendes, interdisziplinäres vierjähriges Grundstudium «Kommunikation», dessen Leitung SPRI-Direktor Cyril Meier übernimmt.

St.Gallen schränkt Tabakwerbung ein

Werbeverbot Im Kanton St.Gallen soll Tabakwerbung wider den Willen des Regierungsrats auf öffentlichem Grund sowie in und an öffentlichen Gebäuden verboten werden.

Werbeverbot Im Kanton St.Gallen soll Tabakwerbung wider den Willen des Regierungsrats auf öffentlichem Grund sowie in und an öffentlichen Gebäuden verboten werden.Der Grosse Rat hat am Montag eine entsprechende Motion gutgeheissen.

Die Länge ist nicht das entscheidende Kriterium

Aufgefallen Eigentlich ist es ganz einfach zu verstehen: Bei den Männern zählt die Länge, und Frauen sind eh gratis.

Computer Eigentlich ist es ganz einfach zu verstehen: Bei den Männern zählt die Länge, und Frauen sind eh gratis.Logisch, denn wer sich noch nie gefragt hat, ob ein Liliputaner einen Gulliver in seiner Hose hat, gehört sicher zur Minderheit. Oder wie erklärt sich sonst die Volksweisheit: Je länger der Mann, desto kürzer der…, ach, was solls. Angeblich spielt die Länge ja gar keine Rolle. Doch beim Anblick der neuesten Apple-Werbung macht man sich halt so seine Gedanken. Genau so, wie beim Betrachten der italienischen Anzeige für einen Internetzugang über Alice. Italien sorgt hier wieder einmal dafür, dass Frauen ihren Marktwert nicht vergessen: Nulltarif all’italiana. (ck)

Y&R wirbt um Business-kunden für Sunrise

Der Telecomkonzern TDC Switzerland AG hat die Werbegruppe Advico Young & Rubicam (AY&R) mit der Marketingkommunikation für Sunrise Business Solutions betraut.

Der Telecomkonzern TDC Switzerland AG hat die Werbegruppe Advico Young & Rubicam (AY&R) mit der Marketingkommunikation für Sunrise Business Solutions betraut.Die Agentur setzte sich in einer Konkurrenzpräsentation durch. Hauptaufgabe ist es, das Dialogmarketing mit dem weiteren Aufbau der Marke Sunrise bei den Businesskunden zu verknüpfen. AY&R war laut Mitteilung bereits 1997 an der Entwicklung des Brands beteiligt.

Vollbremsung zum Saisonstart

Sportsponsoring Wer im Rennfahrzirkus rasch die Markenbekanntheit ausbauen wollte, hat den Weg in die Königsklasse des Motorsports mit Millionen von Euro gepflastert. Jetzt ziehen sich die rasenden Marketer zurück und machen vor dem ersten Grand Prix einer neuen Bescheidenheit Platz.

Sportsponsoring Wer im Rennfahrzirkus rasch die Markenbekanntheit ausbauen wollte, hat den Weg in die Königsklasse des Motorsports mit Millionen von Euro gepflastert. Jetzt ziehen sich die rasenden Marketer zurück und machen vor dem ersten Grand Prix einer neuen Bescheidenheit Platz.Preisfrage: Wie wird man in der Formel 1 zum Millionär? Antwort: Ganz einfach, indem man als Milliardär einsteigt! Jahrelang haben die Sponsoren über diesen Witz in den VIP-Lounges des Motorsports gelächelt – milde, wissend, siegesgewiss. Die Formel 1 als grösste Geldvernichtungsmaschine des globalen Marketings? Na und? Hauptsache, dabei sein. Und besser noch mittendrin statt nur dabei. Frei nach dieser Devise brachten Verwaltungsräte mit ihren Marketingchefs und den dazugehörenden Agenturen Koffer voller Geld an die Rennstrecken. Doch nun herrscht Katerstimmung in den Boxengassen. Viele Sponsoren haben der Formel 1 den Rücken gekehrt.Michel, geh du voranWie auf Kommando haben sich nach Ablauf der Saison 2002 deutsche Geldgeber aus dem Formel-1-Zirkus verabschiedet. Zu den Aussteigern gehören die Deutsche Post, die Brauerei Veltins, die Telekom, Infineon und Ratiopharm. Andere Financiers wie Becks-Bier oder Konkurrent Warsteiner haben zum Start in die neue Saison (am 9. März in Melbourne) ihre Formel-1-Etats stark nach unten gefahren.
Insider gehen davon aus, dass die Königsklasse des Motorsports in der kommenden Saison auf mindestens 50 Millionen Euro verzichten muss. Der Verlust der namhaften Kapitaltranche bringt einige Teamchefs schwer ins Schleudern. Mit Sparprogrammen und offensiver Sponsorenakquisition versucht man, diese Abgänge anderweitig zu kompensieren. Bleibt die Frage, weshalb sich die deutsche Industrie gleich so massiv und konzentriert von der Formel 1 abgewendet hat. Hat diese Marketingplattform ihre internationale Werbewirkung verloren? Ist der PS-Boom vorbei? Fest steht: Auch in der Formel 1 sind – zumindest in Europa – die Grenzen des Wachstums erreicht.
Ein Auslöser ist sicherlich die Krise des Werbemarkts. Hinzu kam in der vergangenen Saison die Dominanz des deutschen Ferrari-Piloten Michael Schumacher, der schon nach sieben Rennen als Weltmeister feststand. Der Rest war Langeweile. Statt zehn Millionen Zuschauer, wie in der Saison 2001, sank die Durchschnittsquote beim Formel-1-Sender RTL auf unter neun Millionen pro Rennen. Und: Bei einer Umfrage von TNS Emnid nach den beliebtesten Sportarten in Deutschland musste der Motorsport im November erstmals seinen zweiten Platz hinter dem Fussball an das Skispringen abgeben.
«Gesunde Abkühlung»Blüht dem TV-Sport Formel 1 so ein tiefer Sturz, wie ihn Ende der Achtzigerjahre das Tennis erlebte? «Nein, sicher nicht», meint dazu Harti Weirather, Chef der Liechtensteiner Agentur WWP.
Der Ex-Skiweltmeister gehört seit Jahren zu den führenden Sponsoringagenten in der Formel 1. Sein Unternehmen betreut unter anderen Red Bull, BMW, Siemens und Allianz. Weira-ther wertet den Auszug der Deutschen als «gesunde Abkühlung eines überhitzten Marktes». Und fügt hinzu: «Als vor zwei, drei Jahren so viele deutsche Marken in der Formel 1 mitfahren wollten, explodierten die Preise.»
Ende der Neunzigerjahre gab es kaum noch Preislimiten. Was zuvor noch zwei Millionen Euro kostete, war in der Boomphase nur mehr für fünf Millionen zu haben. «Erst mit der Rezession kam die Frage nach Aufwand und Ertrag», so Weirather. «Vorher waren die gigantischen Streuverluste und die Effizienz des geleisteten Einsatzes kein Thema.»
Christian Geistdörfer, Geschäftsführer von P&W Sponsoringconsulting, München, vergleicht den Run deutscher Unternehmen auf die Formel 1 mit dem Boom im Neuen Markt: «Jeder wollte dabei sein, egal, zu welchem Preis.» Da sei ein Kundenanlass in Monte Carlo wichtiger gewesen als eine Vernetzung von Formel-1-Engagement und klassischer Werbung. «Es ist unverhältnismässig, wenn sich mittelständische Kirchturmbrauereien im globalen Motorsport tummeln und im nationalen Markt noch nicht mal ihre Vertriebsprobleme gelöst haben», frotzelt Geistdörfer.
Der Agenturchef, in dieser Saison betreut er die Marken Toyota und Hugo Boss, betrachtet die Formel 1 trotzdem nach wie vor als «Königsklasse des Sponsorings». Wer langfristige strategische Ziele habe, könne sie auf und neben dem immer dichter werdenden Rennstreckennetz optimal erreichen. Allerdings müssten die dabei involvierten Werbeagenturen auch beweisen, dass sie eine Ahnung haben von der Materie.
Leerlauf in Agenturen«Da sind wirklich unglaubliche Dinge passiert», berichtet Hans-Willy Brockes, Geschäftsführer der Europäischen Sponsoring-Börse in St.Gallen, über den Umgang mit der For-mel 1 in Werbeagenturen. So hätte beispielsweise ein Sponsor nach der Überweisung von drei Millionen Euro herausgefunden, dass er damit weder Fotorechte noch die Rechte für einen Fernsehspot erworben hatte. «Für diese Leistungen sollte er nachbezahlen», so Brockes. WWP-Chef Harti Weirather bestätigt die unseriösen Praktiken einiger Agenturen: «Da wurden für Unsummen lediglich Aufkleber und Hospitalitytickets an Kunden verkauft. Und das wars.»
Diese Zeiten sind vorbei. Eine neue Bescheidenheit hat Einzug gehalten. Entsprechend sind auch die Bolidenpräsentationen für die neue Saison gestaltet. Statt Champagner wird Mineralwasser gereicht. Und die prunkvollen Edel-Locations wurden gegen kostengünstigeres Garagenambiente eingetauscht. Katja Heim, Chefin der Londoner Sponsoringagentur KH-Promotion, wertet die Rezession als eine «Markenbereinigung» in der Formel 1. Für Sponsoringexperimente sei der Rennsport einfach zu teuer. «Unternehmen wie Agenturen wissen heute, worum es geht», sagt sie. Ausserdem seien grosse deutsche Player wie Siemens, Allianz, SAP oder Reemtsma nach wie vor sehr erfolgreich in der Formel 1.
Heim, die auch für Formel-1-Chef Bernie Ecclestone arbeitet, stellt fest, dass Sponsoring immer leistungsbezogener bewertet wird. «Es wird knallhart nach den Absatzchancen der jeweiligen Produkte im Formel-1-Umfeld kalkuliert.» Ford beispielsweise versuche in dieser Saison durch integrierte Motorsportkampagnen gezielt, den Autoabsatz in diversen Kernmärkten zu erhöhen.
Weltweit gibt es keine grössere und telegenere Marketingplattform: Allein im vergangenen Jahr erzielte die Formel 1 weltweit 54,5 Milliarden TV-Kontakte. Wer hier den Link zur Zielgruppe schafft, baut für seine Marke Image und Bekanntheit in gigantischen Dimensionen auf. Mit neuen Regeln – Verbot von elektronischen Fahrhilfen und Bo-xenfunk sowie Abschaffung des Ersatzwagens – soll neuer Schwung in die «Formel Langeweile» gebracht werden. Ferrari und Aushängeschild «Schumi» sollen diese Saison wieder kompetitive Gegner erhalten. Auch auf das schnell heranrückende Tabakwerbeverbot in der Formel 1 hat Ecclestone bereits reagiert: In der Saison 2004 soll erstmals auch in Bahrain und in Shanghai gestartet werden.
Glamourwelt Formel 1: Ohne clevere Marketingstrategie setzen viele Konzerne Millionen in den Sand.
Der Rückzug namhafter Sponsoren hinterlässt im Formel-1-Zirkus deutliche Bremsspuren.
Formel-1-Werbung: In die Poleposition, bitteDass die SRG die Liveübertragungsrechte für die Formel-1-Rennen bis
Ende 2004 nicht aus der Portokasse bezahlt hat, belegt ein Blick auf die
Tarife der Sendezeitvermarkterin Publisuisse. Für 30 Werbesekunden vor dem Start zu den jeweiligen Rennen blättert man im ersten Halbjahr 2003 um die 8000 Franken auf den Tisch. Während die in Übersee startenden Wettkämpfe «günstiger» zu buchen sind – 3500 beziehungsweise 4250 Franken –, müssen Werbekunden für 30 Sekunden TV-Spot vor dem Aufheulen der Motoren in Europa 8250 Franken blechen. Und sie tuns gerne: Peter Kaufmann, Leiter PR und Sponsoring von Publisuisse, bestätigt, dass die Werbeblöcke kurz vor den Liveübertragungen jeweils auf SF2 letztes Jahr zu 100 Prozent ausgebucht waren, während beim Qualifying zwei Drittel der Werbezeit verkauft worden waren. Fürs laufende Jahr, die Buchung ist eben eröffnet worden, rechnet Kaufmann mit gleich bleibenden Erträgen – bei hoffentlich spannenderen Rennverläufen als in der vergangenen «Schumi»-Saison. (cb)
Case Study: Credit SuisseWährend viele deutsche Geldgeber die Formel 1 abgeschrieben haben, hält die global tätige Schweizer Bank Credit Suisse am Sponsoring von Sauber fest. «Unser Engagement erfüllt voll unsere Erwartungen», erklärt Alexandre Fasel, Head Formula 1 Affairs bei Credit Suisse. Und: «Wir sehen derzeit keinen Grund auszusteigen.» Rund 17 Millionen Dollar überweist die Bank jedes Jahr an den Schweizer Rennstall, wie die britische Zeitschrift EuroBusiness weiss. Mit allen zusätzlichen Kommunikationsaufwendungen liegt der Formel-1-Etat der CS somit bei jährlich rund 30 Millionen Dollar.
Die Manager am Zürcher Parade-platz sind stolz darauf, seit 2001 als erste Bank in der Formel 1 mitzufahren. Fasel: «Wir haben damit eine wirkungsvolle Kommunikationsalternative zur klassischen Werbung.» Denn die Formel 1 biete globale Präsenz auf vier Kontinenten. Credit Suisse nutze diese zum Ausbau ihres Bekanntheitsgrads und ihrer Kundenzahl. Mit dem Partner Sauber habe man zwar keinen Weltmeister im Sponsoringstall, aber ein Team mit hohen Sympathie- und Seriositätswerten. Credit Suisse hat das Thema Formel 1 in seine Gesamtkommunikation vernetzt. Neben einer Imagekampagne ist in der Strategie die Kundenbindung zentrales Element. «Wir führen unsere Kunden in die Fabrik, wir laden sie zu Tests oder zu Rennen ein, wir veranstalten Diskussionsforen mit Peter Sauber», erläutert der Formel-1-Chef der Grossbank. Dadurch werde die Marke emotional stark aufgeladen. Als Zielgruppe hat das Kreditinstitut aber auch die eigenen Mitarbeiter im Visier. Sie werden per Intranet umfassend über die Formel-1-Welt informiert. Das stärke Motivation und Corporate Identity.
Das inhouse abgewickelte Schweizer Sponsoring findet nicht nur bei der am Motorsport interessierten Kundschaft Anerkennung. So erklärt Christian Geistdörfer, Chef der Münchner Agentur P&W Sponsoringsconsulting: «Das Engagement von Credit Suisse ist glaubwürdig und authentisch. Daran
sollte sich so manche deutsche Bank, die im Sport tätig ist, ein Beispiel nehmen.» In Befragungen und Studien ermittelt die Schweizer Grossbank, die auch 63 Prozent an Sauber hält, regelmässig die Wirkungsbereiche des Sponsorings. Gemäss Fasel sei in den fünf europäischen Kernmärkten der Sponsoringaufwand durch die On-Screen-Zeiten längst wieder eingespielt. (pe)
Saubere Karriere«Eigentlich passt er vom Habitus her so gar nicht in die Glitzerwelt der
Formel 1», scherzt der Österreicher Niki Lauda über den Schweizer
Rennstallchef Peter Sauber. Lauda war erst vor zwei Monaten, von vielen Schlagzeilen begleitet, als Chef des Jaguar-Teams entlassen worden.
Zielorientiert, präzise und vor allen Dingen erfolgreich hat Peter Sauber
sein Markenzeichen in der Formel 1 positioniert. Besonderes Kennzeichen der Sauber Motorsport AG: Seriosität und Stabilität. Attribute, die gerade bei Sponsoren höchste Priorität geniessen. Und so gibt es bei Sauber, im Gegensatz zu manch anderem Formel-1-Rennstall, keinen Sponsorenmangel. Mit Credit Suisse (Haupteigner mit 63 Prozent am Rennstall), dem malaysischen Energiekonzern Petronas und dem österreichischen Getränkekonzern Red Bull kann Sauber auf ein seit Jahren eingespieltes Team von Finanzpartnern vertrauen. Neue Sponsoren wie der russische Mobilfunkanbieter MTS und der bayerische Mineralwasserkonzern Adelholzener sichern den Etat der Schweizer Rennfahrer im Zirkus Formel 1. «Von Hinwil aus gegen den Rest der Motorsportwelt» – frei nach diesem Motto gelang Peter Sauber in der Formel 1 der Sprung vom Underdog ins Establishment. So belegte Sauber in der Konstrukteursweltmeisterschaft des Jahres 2001 Rang vier, im vergangenen Jahr Rang fünf. Die Plätze hinter Sauber belegen Jordan-Honda, Jaguar und BAR-Honda. Rennställe, die mit mehr als doppelt so grossen Budgets an die Startlinie rollten.
Auch in diesem Jahr wird die Sauber Motorsport AG mit einem «Magermix-Etat» die Rennen absolvieren. Insider gehen von
einem Sauber-Budget in Höhe von 100 Millionen Dollar aus. Zum Vergleich: BMW-Williams wird von Motorsportexperten mit einem
Jahresaufwand von 230 Millionen Dollar eingeschätzt.
Was fürs Marketing der Sauber-Boliden und für die beteiligten Sponsoren aber noch weit mehr von Belang ist: Mit den deutschen Fahrern Heinz-Harald Frentzen und Nick Heidfeld hat sich Peter Sauber schon jetzt hohe TV-Präsenz im Keymarket Deutschland gesichert. Vielleicht erfüllt ja einer der beiden Piloten den Herzenswunsch Saubers: Nach 163 absolvierten Grands Prix fehlt noch immer ein Sieg in seinem Palmarès. (pe)
Peter Ehm

Scholz bringt seine Friends nach Zürich

Agenturen Scholz & Friends haben eine Niederlassung in Zürich gegründet. Im Verwaltungsrat sitzt neben Sebastian Turner auch Yvonne Hodel.

Agenturen Scholz & Friends haben eine Niederlassung in Zürich gegründet. Im Verwaltungsrat sitzt neben Sebastian Turner auch Yvonne Hodel.«Wir beginnen klein und fein und wollen mit den Kunden wachsen», erklärten Günther Schneider und Christian Binder bei ihrem «Antrittsbesuch» auf der Redaktion der Werbewoche. Drei mittelgrosse Kunden sind das Ziel des Schweizer Ablegers von Scholz & Friends bis Ende Jahr. Längerfristig will die neue Agentur an der Seefeldstrasse 301 fünfzehn Mitarbeitende beschäftigen. Gestartet wird mit vier. Neben den beiden Kreativen Schneider und Binder soll noch ein «namhafter Schweizer Berater» kurz vor der Vertragsunterzeichnung stehen.Die Idee einer Niederlassung in Zürich ist bei dem nach eigenen Angaben «führenden europäischen Netzwerk» Scholz & Friends schon länger gereift. 1995 wurde ein Office in Wien gegründet. Jetzt ist mit Zürich der deutschsprachige Raum komplett erschlossen. Ein bisschen mitgeholfen beim Entscheid hat Coca-Cola. Der Getränkemulti, der mit Scholz & Friends bereits in Antwerpen und Wien zusammenarbeitet, suchte über seine «Hausagentur» für Zürich eine geeignete Betreuung. «Das hat die Idee beschleunigt.»Natürlich sei es komfortabel, mit einem solchen Etat starten zu können, meinen Schneider und Binder. Die beiden Topkreativen zeigen auch Spass an der Herausforderung, von ihrem bisherigen Arbeitsplatz in Hamburg mit über 250 Mitarbeitenden in ein sehr kleines beziehungsweise «smartes» Team zu wechseln. Ebenso locke sie privat ein Umzug in «die kleine Weltstadt», die Christian Binder bereits gut kennt, weil er auch schon bei BDDP in Zürich gearbeitet hat.
Für das weitere Fussfassen von Scholz & Friends in Zürich wird auch Yvonne Hodel massgeblich zuständig sein. Die Mitbegründerin von Weber Hodel Schmid sitzt neben Sebastian Turner im Verwaltungsrat der neuen Tochter. Turner ist Vorstandsvorsitzender der Scholz & Friends, Hamburg/ Berlin, und Vorstandssprecher des deutschen ADC.
(pan)
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