Teppichhandel Das Zürcher Teppichhaus Vidal sucht über eine Imagekampagne von Felber Kristofori jüngere Käufer und setzt mit Humor auf die Werte der «Old Economy».«Besser einen handgeknüpften Teppich kaufen, statt das Geld durch Investition in Wertpapiere zu vernichten» – unter diesem Motto präsentiert sich seit Mitte Februar das Zürcher Orientteppichhaus Vidal. Auf Imageanzeigen werden teure Woll- und Seidenerzeugnisse aus dem Orient als «Investment-Objekte mit echten Old-Economy-Werten» positioniert. So soll es niemanden wundern, dass im Namen von Vidal der Teppichklopfer als «wichtigstes Werkzeug für die effiziente Vermögensverwaltung» geoutet und die Märchensammlung 1001 Nacht als «Bedienungsanleitung für die Herstellung unserer Anlageobjekte» bezeichnet wird. Mehr Knoten pro QuadratmeterDie Strategiefäden für den Kommunikationsteppich haben die Kreativen der Zürcher Agentur Felber Kristofori geknüpft, die nach einem Pitch unter vier Agenturen im
vergangenen Jahr den Zuschlag für das Budget erhielten. Anlass für den Auftritt war unter anderem die Schliessung des Mitkonkurrenten Foster am Bellevue. Und das massive Auftreten von Teppichramschern im Grossraum Zürich. Gegenüber diesen rechtfertigt Vidal seine höheren Preise mit Qualität: Eine grössere Anzahl Knoten pro Quadratmeter, hochwertiges Material und aufwändigere Verarbeitung beim Färben sowie individuelle Beratung sind «Old Economy»-Pfunde, mit denen der Teppichhändler an der Bahnhofstrasse auftrumpft.
«Das alles kann man jedoch in einer Kampagne kaum zum Ausdruck bringen, das soll man am besten am Verkaufspunkt erleben», meint FK-CD Rudy Felber und konkretisiert: «Deshalb wollten wir mit unseren Anzeigen einen grossen Wegweiser zu Vidal bauen.» Die «Wegweiser» sind für Teppichwerbung ironisch ausgefallen. Überzeugungskraft, so Felber, sei aber zur Durchsetzung der Idee nicht nötig gewesen. Der Kunde habe von Anfang an eine «humorvolle, augenzwinkernde Kampagne» gewünscht. Kein Wunder, schliesslich belegte der FK-Kunde jahrelang den Nebelspalter mit Kleinanzeigen und Minischmunzelstorys rund um Teppiche.
Der Spezialist für Orientteppiche und chinesische Antikmöbel sah die Zeit gekommen, sein Image zu entstauben und eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Angepeilt wird ein Publikum zwischen 30 und 79 Jahren, mit einem monatlichen Haushaltseinkommen über 6000 Franken. In den schicken Laden sollen zumeist jüngere, kaufkräftigere Kunden strömen. Dafür sorgt vor allem eine entsprechende Umschichtung der Media: Die Imageanzeigen werden hauptsächlich im Magazin des Tages-Anzeigers (ganzseitig) sowie im Tages-Anzeiger und der NZZ am Sonntag (viertelseitig) geschaltet. Die Kampagne soll nicht nur die Nachfrage nach seinen Topprodukten steigern. Auch im unteren Preissegment will Vidal seine Marktanteile ausweiten.
Rückläufige TendenzNicht nur zahlreiche Schliessungen von Teppichspezialisten lassen vermuten, dass die ungewisse Wirtschaftslage auch im Teppichmarkt Spuren hinterlässt. Einen entsprechenden Negativtrend in dieser Branche bestätigt auch Emil Schreyger von der Geschäftsstelle des Teppich-Forums Schweiz. Obwohl es keine genauen Zahlen zum Schweizer Marktbild gebe, lasse sich auf Grund der Umsätze von Grossisten und Fabrikanten eine rückläufige Tendenz erkennen. Der Teppich sei zwar immer noch der bevorzugte Bodenbelag, wie Schreyger erklärt, er werde aber immer mehr von Hartbodenbelägen wie Laminat oder Parkett sowie elastischen Bodenbelägen wie Linoleum verdrängt. (sk)
Wertpapierdepot kündigen und Teppiche kaufen, empfiehlt Felber Kristofori für Vidal.
Simone Keller