Gruselig, was sich letzte Woche auf der Leinwand des Kino Le Paris am Zürcher Stadelhoferplatz abspielte.Alberto Venzago, bekannt für sein fotojournalistisches Werk, aber auch als Macher von Industrie- und Werbefilmen, präsentierte seinen ersten abendfüllenden Film mit dem Titel «Mounted by the Gods» – eine kunstvoll umgesetzte Dokumentation über den Voodoo-Kult im afrikanischen Zwergstaat Benin.Begonnen hat die Geschichte von Venzagos Film vor zwölf Jahren, als er für Geo in Benin an einer Fotoreportage arbeitete. Venzagos fahrbarer Untersatz hatte in der Stadt Ouidah eine Panne; der hilfsbereite Mann, den er traf, stellte sich als der Vorsteher des örtlichen Voodoo-Klosters heraus. Dies war der Beginn einer aussergewöhnlichen Freundschaft, in deren Verlauf Venzago weitere Reisen nach Benin unternahm und rund 120 Stunden Filmmaterial über den afrikanischen Naturkult erarbeitete.
Gerade ein religiöses Thema wie der Voodoo-Kult sollte mit gebotenem Respekt, um nicht zu sagen, der nötigen Vorsicht angegangen werden. Das ist Venzago mit seinem Film gelungen. Man sehe, dass Unerklärliches passiere, erläutert Venzago seine Faszination für die animistische afrikanische Urreligion, und kann dabei mit eigenen Erlebnissen aufwarten.
Nicht nur, dass jeweils beim Drehen immer auch der Segen des Voodoo-Pantheons eingeholt werden musste – des Öfteren sei auch die technische Ausrüstung, den Anforderungen des Kults entsprechend, mit Hühner- oder Ziegenblut bespritzt worden. Eine erste Kopie des Films wiederum sei auf dem Weg von Zürich nach München verloren gegangen und verbrannt, da der Autokurier in einen Unfall verwickelt war. Kurz vor einem weiteren Premierenversuch in Solothurn sei im ganzen Quartier der Strom ausgefallen, worauf die Vorführung ebenfalls platzte. So sei Venzago nochmals nach Benin gereist, um auch für die Premiere den Goodwill der Götter zu erhalten. Wie auch immer – der Anlass im Le Paris ging ohne Probleme und Pannen über die Leinwand und rund 400 Leute wollten sich das Werk nicht entgehen lassen.
Der Dokumentarfilm ist lohnenswert, wenn auch nichts für allzu zart besaitete Gemüter. Venzago öffnet eine Türe in eine uns gänzlich unbekannte Welt. Selbst bei abgehärteten Rationalisten, die sich sämtlichen Esoterik-Trends der letzten Jahre widersetzen konnten, kann bei diesem Streifen das eigene Weltbild ins Wackeln geraten. Ohne Effekt-hascherei jagen einem die schwarzweissen Bil-
der öfter mal einen kalten Schauer über den Rücken. Venzagos Kamera ist bisweilen sehr nah am Geschehen. Und was er zeigt, hat nichts, aber auch gar nichts mit dem im James-Bond-Streifen «Live and let die» gesehenen Micky-Maus-Voodoo zu tun.
Essenziell am Voodoo ist die animistische Betrachtungsweise der Umwelt, das heisst das Verständnis einer beseelten Natur. Jeder Baum, jedes Tier, jede Pflanze hat eine Seele, möglicherweise sogar die eines eigenen Vorfahren. Der Kult ist geprägt vom Respekt für die Natur, die an den Ursprungsorten des Voodoo viel ungezähmter auftritt und das Leben der Menschen viel stärker prägt, als wir es kennen. Quasi weltweit exportiert wurde Voodoo durch den Sklavenhandel. Man kennt die karibischen Voodoo-Kulte, in Brasilien setzte sich die afrikanische Tradition im Candomblé und im Umbanda fort. Aber auch wir sind näher an den Wurzeln derartiger naturreligiöser Ansätze, als wir manchmal denken. Schliesslich gibts auch aus den Alpen Sagen und Mythen von Berggeistern, Waldschraten und Naturkobolden, die zu unserem Kulturgut gehören.
Ausgelegt ist das Konzept von «Mounted by the Gods» als kleines Gesamtkunstwerk. Auf den Plakatwänden in den Städten Zürich, Bern und Basel sind seit zwei Wochen Bilder aus dem Film zu sehen, die Zeitschrift Facts veröffentlichte dazu einen Ausstellungsführer (WW 06/03). Ein Bildband ist erhältlich, und auch die CD, auf denen unter anderem Boris Blank von Yello die afrikanischen Originaltöne in einen spannenden Soundtrack verwandelte, ist hörenswert, wie man an der anschliessenden Party im «Purpur» feststellen konnte. Ansonsten dürfte einem vor allem das ziemliche Gedränge in der In-Bar in Erinnerung geblieben sein; das «Purpur» platzte aus allen Nähten.
Davon, dass am nächsten Tag Angestellte kleine Püppchen von ihren Chefs, und die Chefs wiederum Püppchen von Kunden mit spitzen Nadeln gepierct und traktiert hätten, ist uns gottlob nichts zu Ohren gekommen. Und wenn, hats nicht funktioniert, denn die ganze Branche ist dem Vernehmen nach noch immer wohlauf.
Beat Fritschvor der ethno-angehauchten Türe in der In-Bar «Purpur» im Zürcher Seefeld. Dort versammelte sich Alberto Venzagos Premierenpublikum nach der Filmvorführung zur Voodoo-Party. Die Location war bald einmal so proppenvoll, dass einige Gäste das Handtuch schmissen und die Flucht nach Hause antraten. Wo sich die Kommunikations-, Media- oder Verlagsbranche zu ihren Events trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (
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Nach vier Jahren Arbeit am Film ein eingespieltes Team: Drehbuchautorin Kit Hopkins und Bildkünstler Alberto Venzago.
Gaben Venzago bei seinem Projekt manchen Motivationsschub: Personalberaterin Hélène Müller (l.), mit Angie Broger.
«Schon ein bisschen gruselig, aber auch enorm faszinierend», lautete das Fazit von Nicole Steinegger und Schoscho Rufener.
Kümmern sich um die strukturellen Angelegenheiten ihrer Werbekunden: Anwalt Heinz Steffen (l.) und Roli Hofer, BTO Treuhand.
Wagten sich ins «Purpur»-Gedränge: Shadia Dietschy (l.) von Wirz + Fraefel mit Catherine Stroppel vom Webatelier 10012.
Regula Bernasconi mit Wolfgang Lechenmayr, der die Sounds für «Mounted by the Gods» mischte.
Filmspezialisten an der Premiere: Johannes Bösiger (l.), freier Drehbuchautor, mit Cinecom-Chef Matthias Luchsinger.
Mitten im Partygetümmel des «Purpur» angetroffen: Erna Höltschi, Flavia Schlittler und Patrizia Haller (v. l.).
Fanden trotz Riesenansturm noch einen Party-Sitzplatz: Désirée Lehmann (l.) und Cash-Journalistin Marianne Fassbind.
Harrten während der Filmvorführung in den vordersten Sitzreihen aus: Jean-Claude Bruhin (l.) und Christian Gartmann.
Kein Voodoo-Original, aber trotzdem ein passendes Accessoire für die Party im «Purpur».