Die Krise überleben

Aufgefallen Immer neue Entlassungswellen im Journalismus: Wie man seinen Kopf rettet und eventuell sogar sein Gehirn.

Kolumne Immer neue Entlassungswellen im Journalismus: Wie man seinen Kopf rettet und eventuell sogar sein Gehirn.Schön, Sie gesund und am Leben zu sehen, Mbwana! Und dies in diesen finsteren Zeiten! Erfreulich, dass Sie den Blutbädern in unserer Branche bis jetzt entgangen sind – den kleinen, aber stetigen Massakern von der heiligen NZZ bis in die fernste Provinz von Mediacity.Höchste Zeit, über zwei wichtige Dinge zu sprechen: über berufliches Überleben und persönlichen Stil. Auf den ersten Blick ein Widerspruch: Den Kampf ums Überleben besteht man selten mit besten Haltungsnoten. Und wenn man sich in den Teppichetagen der Verlage umhört, dann wird in Bezug auf die Mitarbeiter sehr selten von Stil, geschweige denn gewagtem Stil gesprochen («Wir bei Tamtamedia setzen angesichts der Krise auf mehr Dandytum!»), sondern weit öfter über Effizienz, Flexibilität und sonstige Synonyme für mehr Arbeit, mehr Angst, mehr Anpassung.
Andererseits stellen sich zwei Fragen: 1. Ist auch für Sie vernünftig, was das Unternehmen für vernünftig erklärt? 2. Ist es für das Unternehmen profitabel, was das Unternehmen für profitabel erklärt? (Erinnern wir uns: Dieselben Teppichetagen haben noch unlängst mit unfehlbaren Projekten wie Internetportalen, Privatfernsehen, nachrichtenfreien Nachrichtenmagazinen oder Scherzen wie einer mit NZZ betitelten SonntagsZeitungskopie die Medienwelt bereichert. Im Gegensatz zu ihren Unternehmen.)
Blind zu folgen, ist selten ratsam, auch wenn der Blindenhund einen Master of Business Administration hat. («Man kann einen Esel nach Harvard schicken – und bekommt einen Esel zurück», so Nicolas Hayek dazu.) Sicher ist es eine nahe liegende Strategie, sich in der Krise der Journalismusfabriken unauffällig zu verhalten und passgenaue Ware auf Termin zu liefern. Professionelle Unauffälligkeit ist nicht umsonst geschätzt: Immerhin müssen täglich Tausende von Seiten abgefüllt werden. Andererseits gibt es drei gravierende Einwände dagegen: 1. Wieso ausgerechnet von Ihnen? Immerhin hat Sie Ihre Mutter unter grossen Schmerzen und Hoffnungen geboren – wohl kaum zu dem Zweck, die gleichen Routinetexte wie tausend andere zu schreiben. 2. Sicherer ist ihr Job dadurch, dass Sie funktionieren, nicht. Wer Fabrikware herstellt, ist selbst Fabrikware. Und somit auswechselbar. 3. Wozu ausgerechnet in den Medien leben, wenn man nichts sendet?
Weit krisensicherer ist es, wenn Ihre Autorenzeile nicht ein Layoutelement ist, sondern ein Name, eine Ästhetik, ein Programm. Einzigartigkeit kann man feuern, aber nicht ersetzen. Und was den Markt anbelangt: Wie viele Journalisten mit eigener Handschrift kennen Sie in diesem Land? (Eben. Man hat durchaus auf Sie gewartet. Willkommen im Klub!) Und überdies ist das Rezept, ein Publikum verzaubern zu können, keine Hexerei: Sie müssen nur etwas zu sagen haben. Und alles andere weglassen.
Sicher, Sie brauchen dazu drei Dinge: etwas Mut, etwas Handwerk – und etwas Macht in Ihrer Redaktion. Wie man regelmässig atemberaubende Artikel schreibt und wie man sie gedruckt bekommt, dazu kommen die wichtigsten Methoden in sechs Wochen – falls wir beide, Mbwana, dann noch gesund und am Leben sind.
> Constantin Seibt ist Redaktor für Politik und Wirtschaft bei der WochenZeitung WoZ.

Zahl der Woche

Fernsehen Der grösste europäische TV-Konzern, RTL Group, hat im vergangenen Jahr unter anderem dank des Erfolgs der Show «Deutschland sucht den Superstar» in Europa seinen operativen Gewinn um mehr als die Hälfte gesteigert. Vor Steuern, Zinsen und A

Fernsehen Der grösste europäische TV-Konzern, RTL Group, hat im vergangenen Jahr unter anderem dank des Erfolgs der Show «Deutschland sucht den Superstar» in Europa seinen operativen Gewinn um mehr als die Hälfte gesteigert. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sei der Gewinn 2002 auf 424 Millionen Euro (Vorjahr 276 Millionen Euro) gestiegen, teilte die in Luxemburg ansässige Tochter des Bertelsmann-Konzerns mit.

Die Neue Luzerner Zeitung sorgt vor

Gratiszeitungen Die Neue Luzerner Zeitung bemüht sich seit einiger Zeit um zusätzliche Vertriebsmöglichkeiten in ihrer Region.

Gratiszeitungen Die Neue Luzerner Zeitung bemüht sich seit einiger Zeit um zusätzliche Vertriebsmöglichkeiten in ihrer Region.Rechnet die Neue Luzerner Zeitung (NLZ) mit einem Eintritt von 20 Minuten in ihren Markt? Oder will sie selbst eine Pendlerzeitung starten? Fest steht: Die NLZ – oder auch deren Muttergesellschaft LZ Medien – sucht seit einiger Zeit intensiv nach zusätzlichen Vertriebsmöglichkeiten in ihrer Region, interessanterweise nicht nur für die Tageszeitung, sondern offenbar auch für ein Gratisblatt. Konkret hat sich die NLZ bei der Stadtluzerner Gewerbepolizei nach zusätzlichen Standorten für eigene Verkaufskästen erkundigt. Zeitungsverkaufsboxen, auch solche anderer Titel, gibt es in Luzern nur auf privatem Grund. Das bleibt auch so. Heinrich Hüsler, stellvertretender Abteilungsleiter, gab der NLZ negativen Bescheid. Nach den «durchzogenen Erfahrungen» mit der Pendlerzeitung Metropol wolle die Stadt keinen Präzedenzfall mehr schaffen.
Bei den LZ Medien interessiert man sich aber auch für Dispenser in Bussen der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) – doch wofür? Klar ist: Die VBL machten den LZ Medien auf deren Anfrage hin eine Offerte und warten jetzt auf Antwort. Dies sagte VBL-Marketingleiterin Brigitte Herzog der Werbewoche. Auf den ersten Blick erstaunt dies, doch ein Ereignis der letzten Woche könnte Licht in die Sache bringen: Die LZ Medien haben sich zu 30 Prozent an der Anzeiger Luzern AG, Herausgeberin der Gratistitel Anzeiger Luzern und Luzerner Woche, beteiligt. Ob die beiden florierenden Blätter nun zu einer Pendlerzeitung umgebaut werden sollen, lesen Sie auf Seite 15.
Falls dem so wäre, würde es Sinn machen, auch bei den SBB Luzern Zeitungsboxen zu beantragen. Tatsächlich sind dort in den letzten Monaten gleich «mehrere Anfragen» eingegangen, wie SBB-Sprecher Ruedi Estermann bestätigt. Von wem, will er nicht sagen, kündigte jedoch an, dass die SBB «in den nächsten Wochen» für alle Zentralschweizer SBB-Haltestellen eine Ausschreibung für Boxenstandorte unterbreiten werden.
Stellt sich dabei auch die Frage, ob sich 20 Minuten daran beteiligen wird. Verlagsleiter Rolf Bollmann gibt sich unentschlossen. «Das muss ich zuerst mit dem VR besprechen», sagt er.
Luzerns öffentlicher Verkehr: umworbene Verteilkanäle.
(mk)

Pro Juventute verkauft Verlag an Orell Füssli

Verlage Die Stiftung Pro Juventute übergibt auf Anfang April ihre verlegerischen Aktivitäten an den Zürcher Orell Füssli Verlag (OF).

Verlage Die Stiftung Pro Juventute übergibt auf Anfang April ihre verlegerischen Aktivitäten an den Zürcher Orell Füssli Verlag (OF).Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Stiftungsleitung sei zur Überzeugung gelangt, dass das Verlagsprogramm unter dem Dach von OF langfristig besser entwickelt und im Markt positioniert werden könne, heisst es in einer Mitteilung.

Benetton: Arrivederci Provokation

Mode Mit einer geplanten Investition von über 15 Millionen Euro will der neue Werbefeldzug des Textilherstellers Benetton im laufenden Jahr in mehr als 30 Ländern der Welt neben der farbigen Mode

Mode Mit einer geplanten Investition von über 15 Millionen Euro will der neue Werbefeldzug des Textilherstellers Benetton im laufenden Jahr in mehr als 30 Ländern der Welt neben der farbigen Modeauch das düstere Thema Hunger in den Vordergrund rücken. Für die aktuelle Kampagne arbeitet Benetton mit dem World Food Programme zusammen, der Organisation der Vereinten Nationen, die an vorderster Front gegen den Hunger in der Welt kämpft.

Spritzige Werbung für eine Waschstrasse

Tankstellen Pünktlich zum Frühlingsputz hat BP (Switzerland) eine neue Waschstrasse beim Zürcher Flughafen eröffnet.

Tankstellen Pünktlich zum Frühlingsputz hat BP (Switzerland) eine neue Waschstrasse beim Zürcher Flughafen eröffnet.Ziel der Launchkampagne aus dem Hause Alex Schmid AG ist die gleichmässige Auslastung der topmodernen Anlage. «Die Spritzer, diese ärgerlichen Spuren des Winters auf meinem Auto, gingen mir nicht mehr aus dem Kopf», meint Konzepter Thomas Engeli zu seiner Kampagnenidee. Die visuelle Umsetzung bringt es auf den Punkt: Es ist Zeit für eine Frühlingswäsche. Die spritzigen B12-Plakate springen den Autofahrern ab 24. März in den Ortschaften rund um den Flughafen ins Auge. Gleichzeitig unterstützen Inserate und 20000 Gutscheine die saubere Werbeidee.

Eine Abrechnung mit der Marktmacht USA?

Kommentar Die Provokation sitzt, doch im Blind-Test floppt Mecca-Cola. Nicht nur deshalb dürfte der Antimarke ein kurzes Leben beschieden sein, ihr fehlt jegliche Glaubwürdigkeit.

Kommentar Die Provokation sitzt, doch im Blind-Test floppt Mecca-Cola. Nicht nur deshalb dürfte der Antimarke ein kurzes Leben beschieden sein, ihr fehlt jegliche Glaubwürdigkeit.Wenn Sie kein Coca-Cola-Schild mehr sehen, haben Sie die Grenzen der menschlichen Zivilisation erreicht», behauptete ein Coca-Cola-Plakat in den Sechzigerjahren. Was keine Religion bislang erreichte, scheint der individualistischen Zivilisation amerikanischer Prägung zu gelingen. Trotz bigotter Hingabe für Wanderprediger und Seelenfänger hat die säkularisierte Gesellschaft der USA ihr liberal-kapitalistisches Weltbild in Kriegs- und Friedenszeiten erfolgreich exportieren können. Ihre Missionare trugen Markennamen wie Marlboro, Coca-Cola, Walt Disney oder McDonald’s in die Welt hinaus. Und was sie verkündeten, waren keine frömmlerischen Heilsbotschaften, sondern die simple Frieden stiftende Wirkung des Konsums. Mittlerweile ist deren demokratisches Imperium – um es im Kriegsjargon auszudrücken – nahezu weltumspannend, deren westliches Wertesystem hat sich bewährt.
Nur in wenigen Winkeln dieser Welt stellen sich Diktatoren und fundamentalistische Regime heute noch im Namen ihrer Propheten und Religionsstifter mit menschenverachtender Grausamkeit gegen den Willen ihrer Völker.
Ihre unangefochtene Machtstellung dürfte zur Hauptsache mit dem historisch erschütterten Selbstverständnis radikaler Fundamentalisten erklärt werden, die den Westen für ihre ökonomische Unfähigkeit und die Erosion ihrer kulturellen Identität verantwortlich machen wollen.
Dass vor dem Ausbruch eines erneuten Irak-Krieges ein Businessmann islamischen Glaubens mit seinem Mecca-Cola auf eine sprudelnde Einnahmequelle gestossen ist, mit der er den Durst der Friedensbewegten und No-Globals löschen will, sei ihm unbenommen. Zweifelhaft an seinem opportunistischen Geschäftsmodell ist die zu Grunde liegende Marketingstrategie. Nach dieser drückt der Mecca-, Qibla- oder Vita-Cola- Konsument seine friedvolle, antiamerikanische Ideologie aus. Es entbehrt nicht der Ironie, dass sich die Subversivmarke westlicher Standards bedient und so beim Versuch der Sozialkritik und Verweigerung kläglich scheitert.
Dennoch, den gutgläubigen, «aufgeklärten» Westen scheinen die Ungereimtheiten kaum zu stören. Im Gegensatz zu muslimischen Ländern, wo echte US-Brands weiterhin bevorzugt werden, blüht im Westen das Geschäft mit der «ideologischen» Antimarke. Selbst die auf der Flasche versprochene Unterstützung lokaler und palästinensischer Hilfswerke, vorerst nur ein dürftiges Versprechen des Geschäftsmanns, wird kaum hinterfragt. Vielleicht liefert Mecca-Cola lediglich den Beweis dafür, worauf viele schon immer gewartet haben: Auch die kritischsten Konsumenten lassen sich von ausgetüftelten Marketingversprechen verführen, wenn sie damit ein Statement abgeben können. Und: Mecca-Cola zu trinken, heisst noch lange nicht, für den Frieden zu sein.
> Luca Aloisi Stellvertretender Chefredaktor

Frisch frisierte Kordel

Nachwuchsförderung Das Cannes Open hat sich etabliert. 66 Einsendungen wurden in diesem Jahr juriert. Gewonnen haben Martin Stauch und Armin Arnold von der Agentur Lowe Direct.

Nachwuchsförderung Das Cannes Open hat sich etabliert. 66 Einsendungen wurden in diesem Jahr juriert. Gewonnen haben Martin Stauch und Armin Arnold von der Agentur Lowe Direct.Nach 29 Arbeiten im ersten Jahr und 47 in der zweiten Ausgabe hat sich jetzt das Cannes Open 03 mit 66 Einsendungen «offensichtlich als ein begehrter Nachwuchswettbewerb positionieren können», wie Walter Grolimund von Keystone meint. Die Zürcher Fotoagentur hat vor drei Jahren das Cannes Open lanciert und sponsert nach wie vor den ersten Preis: eine Reise nach Cannes an die Werber-Weltmeisterschaft für das Siegerteam inklusive aller Gebühren für die Teilnahme der prämierten Arbeit am offiziellen Wettbewerb. Die Plakanda greift für den Sieger in die Brieftasche und finanziert einen Plakataushang an der Weinbergstrasse in Zürich. Die Werbewoche fungiert als Medienpartner. Der Nachwuchswettbewerb, bei dem alle Sujets mit Fotos aus dem Archiv von Keystone gestaltet werden müssen, ist von der Agentur Jung von Matt/ Limmat konzipiert worden. Der Auftrag lautete, dass mit diesem Plakatwettbewerb die kreativen Gestalter für das Arbeiten mit Fotos aus dem Archiv von Keystone sensibilisiert werden sollen.
«Wie weit in dieser Beziehung ein Umdenken stattgefunden hat, lässt sich noch nicht abschätzen», glaubt Walter Grolimund. Zwar ist das Interesse an Archivbildern sichtlich gestiegen – das könnte aber auch mit den überall knapper gewordenen Budgets begründet werden. Umgekehrt ist die Tendenz bekannt, dass auf dem Markt die Honorare für freie Fotografen zum Teil massiv eingebrochen sind.
Bei der Jurierung ist aufgefallen, dass viele Nachwuchswerber offensichtlich gerne mit Promis arbeiten – würden. Aber mit dem Kauf einer Fotografie von Michael Schumacher bei Keystone sind die Persönlichkeitsrechte des Rennfahrers natürlich noch nicht abgegolten. Eher graue Zone herrscht bei Bildern von George W. Bush oder dem Papst. Der amerikanische Präsident hat im Wettbewerb mit seinem Hund für Duke’s Hundeschule herhalten müssen unter der Schlagzeile «not even my dog listens to me…». Der Papst wurde gleich dreimal verbraten,
für BlackSocks.com, Hitradio Z und eine Anti-Aids-Kampagne des Lifestyle-Magazins Faces.
Auffallend war ebenfalls, dass viele junge Werber «einen ziemlich ausgeprägten Hang zum Zynismus haben», wie Urs Schrepfer von Jung von Matt beim Betrachten der ausgelegten Arbeiten bemerkte. Jesus am Kreuz musste für Unterhosen der Marke Vive Maria werben. Ein durch eine Bombe zerstörtes Kino Xenix, das nach der Explosion kein Dach mehr hat, soll Stimmung für seine Open-air-Filme machen.
In der Praxis ist es umgekehrt
Für die Jury war es trotzdem positiv, zu sehen, wie die jungen Kreativen, zum Teil noch Lehrlinge, «völlig unbefangen an eine Idee herangehen». Dieser spielerische Umgang mit Ideen hat aber auch dazu geführt, dass viele Wettbewerbsteilnehmer zuerst ein attraktives oder besonders schräges Bild wählten und erst in einem zweiten Schritt den passenden Werbekunden dazu gesucht haben. «In der Praxis funktioniert das natürlich gerade umgekehrt», weiss Jury-Mitglied Daniel Comte.
Dass eine gute Idee allein nicht reicht, war bei Matthias Freuler das entscheidende Argument, wieso er sich beim Jurieren für das «sehr schön und plakativ umgesetzte Sujet» vom Team Stauch/Arnold eingesetzt hat. Die Siegerarbeit hat auch Markus Ruf und Simone Fennel überzeugt, weil hier «zuerst ein Auftrag formuliert wurde, der dann mit einer guten Idee und viel Professionalität» umgesetzt worden ist. Die Vorhangkordel auf dem Archivbild von Keystone ist mittels Photoshop am Computer in Einzelteile zerlegt und dann neu «frisiert» zusammengesetzt worden.
Das Siegerduo Martin Stauch und Armin Arnold (l.) mit ihrer Anzeige für einen Theatercoiffeur. Auf Platz zwei folgen Raul Serrat und Patrik Rohner mit einem Tabasco-Lkw und auf Platz 3 Frederick Rossmann
und Daniel Roznovjak mit dem Sujet «The Wall» für Laurastar AG.
Juroren Markus Ruf, Urs Schrepfer und Daniel Comte (v. l.).
Andreas Panzeri

Die Wirz-Sonate für Lucerne

Kulturmarketing Das Lucerne Festival will die Chancen der Markenerweiterung durch die Einführung neuer Konzertzyklen nutzen. Dabei konzentrieren Intendanz und Wirz ihre kommunikativen Anstrengungen auf die Dachmarke.

Kulturmarketing Das Lucerne Festival will die Chancen der Markenerweiterung durch die Einführung neuer Konzertzyklen nutzen. Dabei konzentrieren Intendanz und Wirz ihre kommunikativen Anstrengungen auf die Dachmarke.Es war am Vorabend des Zweiten Weltkriegs: Die Kunst- und Kulturelite halb Europas hatte ihr Refugium vor dem braunen Terror in der Schweiz gefunden. Als Arturo Toscanini, Leiter des NBC Orchestra – selbst aus dem faschistischen Italien geflohen –, sein «Concert de Gala» vor Wagners ehemaligem Wohnsitz auf Tribschen dirigierte, legte er 1938 den Grundstein für die Luzerner Festwochen. Sein Konzert schrieb Geschichte und setzte die Massstäbe für eine weltweit anerkannte, historisch gewachsene Musikinstitution. Diese steuerte (und steuert noch immer) einen bedeutenden Beitrag zum Image und Bekanntheitsgrad der malerischen Region am Vierwaldstättersee bei und lässt so nebenbei auch manche Kasse klingeln.Zugpferd Claudio Abbado
Das Schweizerische Festspiel- und berühmte Gastorchester – von der Berliner Philharmonie bis zu den Wiener Philharmonikern – sowie Pultstars von Otto Klemperer über Herbert von Karajan bis zu Claudio Abbado schrieben in den folgenden Jahrzehnten die Erfolgsgeschichte fort. Letzterer rief nach einer zehnjährigen Pause wieder ein festivaleigenes Orchester ins Leben, das er heuer erstmals leiten wird.
Dass die mittlerweile unter dem Namen Lucerne Festival bekannte Veranstaltung die Gunst der Stunde nutzt und den Liebling der Kritiker und Zuhörer, Abbado, als Image-trächtiges Zugpferd vorspannt, wundert nicht. Dem Stardirigenten und seinem neuen Klangkörper hat es Intendant Michael Haefliger zu verdanken, dass er sich weniger um die Zuschauerzahlen zu sorgen hat als um die Image-Wiederbelebung und -bündelung des erweiterten Lucerne Festival. Gemäss ersten Schätzungen bleibt das traditionell gut betuchte Publikum dem Festival auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten treu.
«Generell deuten bei uns die Zeichen nicht darauf, dass wir einen grossen Einbruch erleiden werden. Ich denke, dass wir das Vorjahresresultat halten können», sagt Haefliger. Das würde wiederum eine Auslastung der Konzerte zwischen 80 und 85 Prozent bedeuten – was weit über 100000 Besucher in die Leuchtenstadt strömen lässt. Jetzt schon einen Grund für diese Prognose zu geben, sei verfrüht, sagt Haefliger. Als wichtigste Faktoren sieht er das Festivalprogramm, das an 24000 Adressen verschickt wird, sowie Inserate und Plakate, auf deren Erscheinen hin der Kartenabsatz sehr schnell einsetzt. Auch die stärkere Medienpräsenz im Ausland – heuer vermehrt in Norditalien, England, Japan und den USA – wurde dort 2002 mit einem regelrechten Buchungsboom (+360 Prozent) belohnt.
Einen wesentlichen Beitrag zur stärkeren Positionierung hat Haefliger geleistet, seit 1999 Intendant des Festivals. Den grossen Publikumszuspruch erklärte er in einem Interview mit dem Konzept der Vernetzung und damit, dass, um «schwierige Werke zu verkaufen – wie im Detailhandel –, Kommunikation und Marketing wichtig sind». Mit seinem ökonomischen Verständnis für das Festival und dem Know-how seines Freunds Hans Ulrich Schweizer, VR-Präsident von Wirz Werbung, waren die Voraussetzungen für eine Neupositionierung der Dachmarke Lucerne Festival geradezu optimal.
Das war auch nötig: Die Diversifikationsstrategie – intensivierte Konzertzyklen und das Klassik- und Jazz-Festival «Piano» mit Filmen, Workshops und Ausstellungen – sollte mit einem Goodwill-Transfer von der etablierten Marke auf die Erweiterungsprodukte ebenso zu einer Stärkung der Stammmarke beitragen.
Obwohl die jüngeren Veranstaltungen der Festwochen sich kohärent ins emotionale Prestige- und Traditionsimage des etablierten Festivals einfügen, «bestand der bisherige Auftritt in Einzelplakaten, die jedes Festival für sich allein bewarben», sagt Wirz-CD Hanspeter Schweizer. Zudem kamen gewisse Motive wie der Flügel im David-Hockney-Stil während Jahren zum Einsatz, sodass das Image Staub anzusetzen drohte.
Überregionales Gütesiegel
Jetzt sollen die drei Festivals näher an die Dachmarke geführt werden. Aus den drei werblich unterschiedlichen Motiven sollte ein einziges Leitmotiv entstehen. Ziel war es, das Zeitgenössische, die Festivalthematik und die Verwurzelung in der Welt der Klassik im gleichen Wohlklang zu präsentieren. Die Marke Lucerne Festival soll zudem auch überregional als Gütesiegel für die neuen Anlässe fungieren.
Mit Mut zur freien Umsetzung wurden zusammen mit dem Zürcher Künstler Max Grüter Plakatmotive entwickelt, die trotz formaler Klammerfunktion jedes der drei Festivals symbolisch auf aussergewöhnliche und eigenständige Weise umsetzen. Aus dem breiten Assoziationsfundus gingen global schnell decodierbare Sujets hervor, die nebst dem Stammpublikum (60 Prozent der Zuhörer) auch jüngere Festivalbesucher ansprechen dürften. «Wir wollten Öffnung vermitteln, nicht das Bild des exklusiven Zirkels», sagt Schweizer.
Global decodierbare Sujets für die neue Lucerne-Kampagne aus dem Hause Wirz Werbung.
Wirtschaftsfaktor Lucerne FestivalEine von der Uni St.Gallen erarbeitete Analyse des Sommerfestivals 2000 zeigte überraschende Ergebnisse: Durch das Festival wurden
in Stadt und Agglomeration Luzern Einkommenserlöse von 18 Millionen Franken erzielt. Zusammen mit den Festivals «Ostern» und «Piano» entstand insgesamt ein Betrag von über 30 Millionen Franken – wobei der immaterielle Beitrag zu Image und Bekanntheitsgrad von Luzern nicht mitgerechnet worden ist. Im internationalen Vergleich sticht dieses Resultat insofern heraus, weil die Subventionierung durch die öffentliche Hand gerade ein-mal 2,6 Prozent des Etats beträgt. Umgerechnet resultieren für Luzern aus einem «Subventionsfranken» 215 Franken wirtschaftliche Erträge. (la)
Luca Aloisi

L’Hebdo wird renoviert

Zeitschriften Die Wochenzeitschrift L’Hebdo von Ringier Romandie wird am 1. Mai neu lanciert.

Zeitschriften Die Wochenzeitschrift L’Hebdo von Ringier Romandie wird am 1. Mai neu lanciert.L’Hebdo soll als führendes Nachrichtenmagazin für politische Debatten, Gesellschaftsthemen, Wirtschaft und Kultur in der Westschweiz positioniert werden. Unterstützt wird der Relaunch durch das Grafikbüro Kurt Schwerzmann, das bereits für Facts, Le Nouveau Quotidien und die HandelsZeitung tätig war. Die Werbeagentur Rive Gauche wurde für die Lancierungskampagne ausgewählt.

Euro-Effies sind wieder ausgeschrieben

Nach einem Jahr Pause werden 2003 wieder Euro-Effies verliehen.

Nach einem Jahr Pause werden 2003 wieder Euro-Effies verliehen.Die European Association of Communication Agencies schreibt den Effizienzpreis aus. Gesucht sind Werbekampagnen, die Erfolg in zwei oder mehr europäischen Märkten nachweisen können. Einsendeschluss ist der 30. Mai. Die Preise werden am 2. Oktober in Brüssel verliehen. Weitere Informationen und Anmeldeunterlagen auf der Website www.euro-effie.com.

Pulse Radio kommt jetzt per Internet

Jugendradio Ab dem 20. März will Pulse Radio während zweier Wochen «gegen die staatlich verordnete Langeweile auf Schweizer UKW-Kanälen» kämpfen.

Jugendradio Ab dem 20. März will Pulse Radio während zweier Wochen «gegen die staatlich verordnete Langeweile auf Schweizer UKW-Kanälen» kämpfen.Der Zürcher Radiomacher Andrej Voina und sein Team wollen sich vom Bundesamt für Kommunikation nicht die Töne aus dem Äther nehmen lassen und «senden» mangels Kurzzeitkonzession per Internet. Das Projekt pulse-radio.ch wird dank der Lifestyle-Deomarke Axe ermöglicht.
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