Seelenmassage im Shop

Bisher entführten hauptsächlich trendige Lounges und In-Bars mit einem Gefühl für Echtheit, Design und Hochwertigkeit ihr Publikum in eine entspannende Traumwelt.

Bisher entführten hauptsächlich trendige Lounges und In-Bars mit einem Gefühl für Echtheit, Design und Hochwertigkeit ihr Publikum in eine entspannende Traumwelt.Doch jetzt bahnt sich auch im Detailhandel der Trend zum Mood Management an. Das ist nichts weniger als eine im Dienst der Umsatzsteigerung empfohlene Seelenmassage. Als Schweizer Vorreiter darf die zum Migros-Konzern gehörende Warenhauskette Globus mit ihrer neuen Visitenkarte am Zürcher Bellevue betrachtet werden. Wo früher «au bon marché» eingekauft wurde, entstand eine Kombination aus hoch stehendem Lebensmittelgeschäft, kosmopolitischem Gastrokonzept und Fachladen für alles, was Küche und Tisch verschönert. Das hedonistische Paradies setzt gezielt auf die Vereinigung von Shopping und edler Unterhaltung: Shop-o-tainment in ihrer schönsten Form. Im Vordergrund steht nicht der schnelle Verkauf, sondern die Vermittlung attraktiven Lifestyles. Über diesen Trend dürfen sich vorerst die Innenarchitekten die Hände reiben. Mittelfristig kommen auch Stararchitekten für Flagshipstores und neue Konsumtempel in der Schweiz zum Zug. Grossprojekte wie Sihlcity in Zürich, Westside bei Bern oder EbiSquare bei Luzern sollen in den kommenden Jahren realisiert werden. Mood Communication für den neuen Globus.
(la)

Insider geht ins TV

Lokal-TV Das Zentralschweizer Ausgehmagazin Insider erhält eine eigene Sendung auf Tele Tell. Ab 15. Januar wird «Insider TV» wöchentlich ausgestrahlt.

Lokal-TV Das Zentralschweizer Ausgehmagazin Insider erhält eine eigene Sendung auf Tele Tell. Ab 15. Januar wird «Insider TV» wöchentlich ausgestrahlt.Die Sendung dauert drei bis vier Minuten und bietet Tipps für die Region. Moderiert wird die Sendung von Insider-Redaktorin Selina Schürch, die schon auf Tele Tell zu sehen war. Hauptsponsor ist Media Markt. Insider erscheint seit 29 Jahren und wird zurzeit von rund 60000 Personen gelesen.

Anzeigen auch im November rückläufig

Anzeigenstatistik Die Schweizer Zeitungen verbuchten im November 5,8 Prozent weniger Anzeigenseiten als im Vorjahr.

Anzeigenstatistik Die Schweizer Zeitungen verbuchten im November 5,8 Prozent weniger Anzeigenseiten als im Vorjahr.Das Ergebnis liegt deutlich über dem Jahresdurchschnitt (–11,9%). In der Romandie erlebten die mittleren Tageszeitungen sogar einen Anstieg um ein Prozent, die grossen Titel einen minimalen Verlust von 0,2 Prozent. Die Wochenzeitungen verloren 2,5 Prozent, wobei ein deutliches Plus (21,9%) bei den Stellenanzeigen der deutschen Titel auffällt. Die Gratisanzeiger verloren 5,6 Prozent. Bei den Zeitschriften ging das Anzeigenvolumen laut der Wemf-Inseratestatistik um zehn Prozent zurück.

JvM fährt mit Vespa in den Frühling

Der Generalimporteur Ofrag Vertriebsgesellschaft AG hat Jung von Matt/Limmat den Zuschlag für die Betreuung der italienischen Rollermarken Vespa und Piaggio gegeben.

Der Generalimporteur Ofrag Vertriebsgesellschaft AG hat Jung von Matt/Limmat den Zuschlag für die Betreuung der italienischen Rollermarken Vespa und Piaggio gegeben.Etathalterin war Wirz Werbung.

Der Werbelyriker des Jahres

Hansdampf in allen Gassen: Euro-RSCG-CEO Frank Bodin ist nicht nur Werber, Maler, dreifacher Vater, Opernbesucher und Pianist, sondern auch Poet.

Hansdampf in allen Gassen: Euro-RSCG-CEO Frank Bodin ist nicht nur Werber, Maler, dreifacher Vater, Opernbesucher und Pianist, sondern auch Poet.Während bei den meisten Menschen die lyrische Ader mit dem Abgang vom Gymnasium (oder noch früher) austrocknet, ist diese beim Starwerber zu einem regelrechten Poesiestrom angeschwollen. Publiziert werden die Verse mit (korrekt?) gestoppter Lesezeit in der Trendgazette Kult. Hier eine kleine Kostprobe:

Freeze!

Wintersport Selbst Hardcore-Surfer können davon nur träumen, von der Doppelwelle.

Wintersport Selbst Hardcore-Surfer können davon nur träumen, von der Doppelwelle.Einem Halfpipe-Addict entlockt das hingegen nur ein müdes Lächeln, bekommt er doch seine Frozen Waves Winter für Winter. Die schönsten findet er in Flims Laax Falera. Und am besten nutzen kann man die, wenn man die professionellen Halfpipe-Kurse der Snowboard Fahrschule besucht, weiss Publicis schon seit Jahren. Das Auftakt-Sujet der Snowboard Fahrschule macht mit einem «big picture» und der ultimativen Aufforderung «Stop dreaming. Die Halfpipe-Saison hat wieder begonnen.» darauf aufmerksam. Die Doppelwelle ist seit Mitte November unter anderem an Plakatwänden sowie in Snowboard- und Szenemagazinen zu sehen.

Immigranten des Jahres

Hamburger und Cola sind die Leibspeise der Amerikaner.

Hamburger und Cola sind die Leibspeise der Amerikaner.Doch die fett- und zuckerhaltigen Nahrungsmittel helfen auch deutschen Werbeagenturen bei der Expansion. Mit nichts im Gepäck als dem Etat der Coca-Cola-Marke Powerade kam Scholz & Friends Ende Februar in die Schweiz (siehe auch WochenInterview auf Seite 22). Werbelegende Yvonne Hodel sorgte als Verwaltungsrätin für die lokale Verankerung. Drei mittelgrosse Kunden nannten die Geschäftsführer Günther Schneider und Christian Binder als Jahresziel – bisher stiess allerdings nur Viva Schweiz zu Coca-Cola ins Portefeuille der Agentur. Dafür gewann Scholz & Friends mit Diana Strebel eine zweite namhafte Schweizerin für den Verwaltungsrat. Zum Jahresende kündigt nun eine weitere deutsche Agentur ihre Ankunft in der Schweiz an: Heye & Partner, München, die globale Leadagentur von McDonald’s, will angeblich hier zu Lande eine Filiale eröffnen. Den lokalen Etat der Hamburgerkette könnte sie wohl von DDB Zürich übernehmen. Agenturchef Jürgen Knauss wollte den Schritt in die Schweiz weder bestätigen noch dementieren. Die passende Webadresse hat Heye jedenfalls schon reserviert. Und mit Ex-Publicis-Managerin Cornelia Harder stünde auch eine verdiente Schweizer Werberin zur Verfügung. (sm)

Matter & Partner bringt Jung & Alt zusammen

In einem Pitch gegen zwei weitere Agenturen hat Matter & Partner das Budget des Gesundheits- und Umweltdepartements der Stadt Zürich gewonnen.

In einem Pitch gegen zwei weitere Agenturen hat Matter & Partner das Budget des Gesundheits- und Umweltdepartements der Stadt Zürich gewonnen.Der Fokus der Kampagne liege auf der Verdeutlichung des gesellschaftlichen Werts von Seniorinnen und Senioren. Sie startet im Frühling 2004 und wird neben Plakaten und Anzeigen zahlreiche weitere Werbeformen sowie PR-Massnahmen enthalten.

Lovestory des Jahres

«Er wird geliebt, ist selbst von Lieb’ entflammt/Und Zauberblicke ihn wie sie beglücken/Doch durch Familienzwist sind sie verdammt/Verpönter Liebe süsse Frucht zu pflücken»

«Er wird geliebt, ist selbst von Lieb’ entflammt/Und Zauberblicke ihn wie sie beglücken/Doch durch Familienzwist sind sie verdammt/Verpönter Liebe süsse Frucht zu pflücken», schrieb einst Shakespeare im Prolog zum berühmtesten Liebesdrama der Literatur. Hiessen bei ihm die beiden verfeindeten Familien Montague und Capulet, so hören die beiden Protagonisten in der Schweizer Werbeszene auf die Namen David Honegger und Cornelia Harder. Deren Agenturfamilien Publicis (Harder) und McCann-Erickson (Honegger) sprechen zwar nicht von einer Fehde untereinander, doch die Führungspositionen der beiden Lebenspartner hätten unweigerlich zu Interessenkonflikten geführt. Heute endet die Liebesgeschichte glücklicherweise nicht in Verzweiflung, Gift und Tod, sondern findet eine diplomatische Lösung: Managing Director Cornelia Harder, die als logische Nachfolgerin des abtretenden CEO Fredy Collioud vorgesehen war, verlässt die grösste Schweizer Werbeagentur. (la)

Schlemmerwoche

Einen kleinen, aber auch feinen Vorgeschmack auf die klammen Finger während der bevorstehenden Skihüttenterrassen-Plauschwochen erhielt man an der traditionellen Austernschlemmerei der Bürogemeinschaft www.wilfriedstrasse.ch.

Einen kleinen, aber auch feinen Vorgeschmack auf die klammen Finger während der bevorstehenden Skihüttenterrassen-Plauschwochen erhielt man an der traditionellen Austernschlemmerei der Bürogemeinschaft www.wilfriedstrasse.ch.Das Kommunikations-, IT- und Design-Kompetenzzentrum – bestehend aus den Firmen ID-Segmentmarketing, WA Maissen Meisterhans, Creacom, Endurit und Jaray Visual Concepts – lud zur Vertilgung von schlabbrigem Meeresgetier in den Garten (sic!) des Restaurants Rosengarten beim Hottingerplatz.Viele Unentwegte liessen sich trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt und der Aussicht auf kalte Füsse nicht beirren. Denn der Besuch lohnte sich. Ins Glas kam ausschliesslich Prosecco allerbester Provenienz und auf den Teller frische Austern à discrétion. Zum Aufwärmen gabs übrigens Erbsensuppe und tonnenweise spanische Nüssli und Mandarinen für Verächter maritimer Lebendnahrung – bekanntlich ist ja die Auster der Gesundheit höchst abträglich, sollte sie vor dem Verzehr bereits das Zeitliche gesegnet haben.
Gut geschlemmt wurde auch an der Diplomfeier der Kommunikationsleiter im NZZ-Bistro. Die «Kantine» an der Falkenstrasse geniesst Kultstatus. Mit Recht, wovon sich die Diplomierten samt Begleitung und Gäste selbst überzeugen konnten. Wie die journalistische ist auch die kulinarische Qualität der «alten Tante» über jegliche Zweifel erhaben. Damit das Ganze nicht nur mit einem vollen Magen endete, dafür sorgte NZZ-Verlagsleiter Tobias Trevisan. Neben seiner Gastfreundschaft beschenkte er alle erfolgreichen Prüfungsabsolventen mit einem Jahresabo der Zeitung samt Sonntagsausgabe: Brainfood, gewissermassen.
Beat Fritschwünscht allen Lesern – und natürlich auch den vielen (Selbst-)Darstellern, die übers Jahr in dieser Kolumne zu sehen waren – eine möglichst lange und erholsame Festtagszeit sowie einen schonenden Rutsch ins neue Jahr. Denn eins ist sicher – die nächste Party kommt bestimmt. Dafür wird jetzt schon der Griffel gewetzt: Bereits stehen viele spannende Events und Werberfeten in der Agenda 2004. Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsbranche zu ihren Partys trifft, orten wir an den diversen Veranstaltungen der Szene. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch
Edle Creuses No. 3 – schnell vertilgt und rasch entsorgt.
Im Austernrausch: Gabi Meisterhans und Christian Maissen (2.v.r.) mit Marc Bourgeois und Martin Dietschi (r.) von Endurit.
Gian Meyerhofer, Produzent und Inhaber von Fast Forward Film, mit Astrid Kägi, Kundenberaterin bei Le Temps.
Daniel Pauletto (r.) zeigte Dani Izquierdo, Andrea Salzmann (2.v.l.) und Sandra Bliggenstorfer stolz sein neues Handy.
Texter Christoph Dill mit Denise Müller von Müller’s fliegendes Büro, Administratorin im Lean-System.
Keine «Gfrörlis»: Tages-Anzeiger-Team mit Simon Flatt (l.), Gabi Wettstein und Dominique von Albertini.
Eine gute Verpackung war die halbe Miete: Delia Kümin (l.) und Petra Kreussler in der winterlichen Gartenwirtschaft.
Coolen Sound gabs an der Diplomfeier im NZZ-Bistro.
Krawatten-Connection: Tobias Trevisan, NZZ, PK-Präsident René Schmutz und Sponsor Reto Kammermann (v. l.), Touring.
Best-of-Connection: Monika Schreiner von der UBS und Peter Gadient von C & A legten die stärksten Prüfungen ab.
Sawi-ZA-Connection: Franziska Helbling und Manfred Kranich (l.) vom Sawi mit Heinz Egli, Vorsitzender des Zulassungsausschusses.
Kleinagentur-Connection: Markus Kammermann, Gaam Partner, Christian Staub, Scotti, und Andreja Sedeljsak (v. l.), Wyss & Partner.
Sport-Connection: «Mal wieder Zeit für Golf», freuten sich Sarah Schaller, Dany Kielholz, Didier Graf und Carmen Fischer (v. l.).
Ostschweizer-Connection: Marcel Brand, WRH Marketing, Smiljana Lazic, Ehrat Thoma + Herzog, und Marc Aebli (v. l.).
Banken-Connection: Gemeinsame Diplomfreude bei Simone Bühler von der ZKB und Mathias von Wartburg, Bank Coop.
Laughing-Connection: «Endlich wieder Freizeit», lachten Roman Jud und Pamela Hügli zum Abschluss der Ausbildung.

Bokelberg vermarktet sich selbst

Fotoagenturen Der deutsche Star-Werbefotograf Werner Bokelberg trennt sich von der Agentur Getty Images und eröffnet seinen eigenen Online-Bildershop.

Fotoagenturen Der deutsche Star-Werbefotograf Werner Bokelberg trennt sich von der Agentur Getty Images und eröffnet seinen eigenen Online-Bildershop.Angesichts von Millionen Bildnachfragen im Monat bei Getty sei es trotz der guten Zusammenarbeit an der Zeit gewesen, die «eigene Qualität auch unter eigener Marke zu etablieren», erklärte Bokelberg. Auf www.bokelberg.com steht Redaktionen, Agenturen und Werbetreibenden nun ein Fundus von 14000 exklusiven Motiven zur Verfügung.

Showdown im Bundeshaus

Aufgefallen Christoph Blocher, der Lieblingsfeind der politisch korrekten Einheitsmedien, wird Justizminister. Eine Chance für die Journaille, ihren linksliberalen Blocher-Reflex (selbst)kritisch zu überdenken. Und für die Leser, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Kolumne Christoph Blocher, der Lieblingsfeind der politisch korrekten Einheitsmedien, wird Justizminister. Eine Chance für die Journaille, ihren linksliberalen Blocher-Reflex (selbst)kritisch zu überdenken. Und für die Leser, sich eine eigene Meinung zu bilden.Während vieler Jahre haben sie gegen ihn angeschrieben, und nun ist Christoph Blocher doch Bundesrat geworden. In Zukunft werden sie ihm wohl jenes Minimum an Respekt entbieten müssen, das seinem hohen Amt zukommt. Das tut der politisch frommen Journalistenseele weh – so weh, dass sie den ungeliebten Magistraten weiterhin mit Argwohn und Häme auf Vorrat begleiten wird.Was dabei herauskommt, war schon am Tag nach der Wahl im Schweizer Staatsfernsehen zu sehen. Da präsentiert der zum Minister gewählte Unternehmer einen gut vorbereiteten Nachfolgeplan für seinen Chemie-Konzern – und macht eine 34-jährige Frau, die seine Tochter ist, zu dessen Chefin. Gefragt wurde der als reaktionär und patriarchalisch verschrieene Rechtsaussen indes nach theoretisch möglichen Interessenkollisionen, nicht aber nach dem auf der Hand liegenden Kontrast zur allgemein beklagten Frauendiskriminierung. In der Ausgabe von «10 vor 10» wurde abermals mit bebender Empörung die Demontage der Damen Metzler und Beerli betrauert. Dass da aber ausgerechnet einer wie Blocher eine Frau in die Spitzenposition gehievt hat, wurde nicht kommentiert. Es hätte ja positiv ausfallen können/müssen. Und das scheint weiterhin verboten.
Diese neueste Blüte des journalistischen Blocher-Reflexes erinnert an den alten Furgler-Witz. Kurt Furgler beschliesst, über das Wasser zu laufen und lässt dazu Kameraleute und Reporter einladen. Er betritt die Aare und erreicht trockenen Fusses das andere Ufer. Die Schlagzeile tags darauf unter dem Foto lautet: «Blick beweist: Furgler kann nicht einmal schwimmen!»
Presse- wie Fernsehleute werden bekanntlich im Rudel sozialisiert; deshalb sind sie es gewohnt, Leitwölfen zu folgen, die manchmal auch «publizistische Leiter» heissen. Und weil fast alle Journalisten (pardon: JournalistInnen) fast dasselbe studiert haben, weil sie fast alle in Lofts in Zürich-West wohnen, weil sie (mit 13 oder 14 x 9000 plus Geschäftswagen) demnächst wieder den Streik für Minimallöhne ausrufen werden – kurzum: Da sie fast alle mit der gleichen Nadel gestrickt sind, haben sie auch fast alle den gleichen spiessigen, sozial abgesicherten Reihenhaus-Sozialismus verinnerlicht, den der wackere Robert Nef zu Recht einem allgegenwärtigen «gouvernemental-medial-edukativen Komplex» zuordnet.
Eric Hoesli, Chefredaktor von Le Temps, hat vor zwei Jahren anhand von Befragungen nachgewiesen, dass Schweizer Journalisten viel weiter links stehen als ihre Leserschaft. Nun verlangt ja niemand, selbige sollten den Lesern nach dem Mund reden. Es würde reichen, wenn sie ihre beruflichen Obliegenheiten wenigstens temporär von der eigenen ideologischen Imprägnierung trennen würden.
Blocher und die Presse – das war immer schon ein symptomatisches, spannendes und bisweilen auch spassiges Duell. Und wird es wohl bis auf weiteres bleiben. Wäre Blocher nicht völlig beratungsresistent, hätte er in all seinen Interviews gelegentlich wenigstens so getan, als nähme er die Journaille ernst. Aber ich habe keine Blocher-Antwort gelesen, gehört oder gesehen, in dem nicht die-ser unterschwellig spöttische Ton spürbar war: «Frag nur, du Würstchen, du hast ja sowieso keine Ahnung…»
Leider hatte er damit allzu häufig Recht: Immer wieder verriet die Qualität der Fragen, dass die politisch korrekte, also halblinke Gesinnung zumeist gefestigter ist als das Fach- und Hintergrundwissen. Auch war und ist die Bereitschaft, vorgestanzte Denk- und Schreibschablonen anzuwenden grösser als die Lust an der unvoreingenommenen (Selbst)- Reflexion. Diese ist aber unabdingbar, um die im neuen Jahr zu klärenden Fragen sachkundig stellen und kommentieren zu können. Stellt Blocher einen Mediensprecher an und wenn ja, dann wen? Und was tut er mit den Heerscharen von «Fassadenreinigern» (blocherisch für PR-Berater) in seinem weit verzweigten Justiz- und Polizeidepartement? Mit anderen Worten: Wird er stärker sein als der Apparat und den Versuchungen der Classe politique längerfristig widerstehen? Affaire à suivre…
> Karl Lüönd ist Publizist, Buchautor und Leiter des Medieninstituts vom Verband Schweizer Presse.
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