Tödlicher Mittelweg

Gastkommentar Die jüngste Rezession hat erstmals nicht zur Inflation von Hard-Selling-Promotionen geführt. Recht so, findet Dominique von Matt.

Gastkommentar Die jüngste Rezession hat erstmals nicht zur Inflation von Hard-Selling-Promotionen geführt. Recht so,
findet Dominique von Matt.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, diese Rezession sei wie jede andere verlaufen. Schliesslich lautete das Marketing-Mantra auch diesmal «Jetzt antizyklisch werben». Klar: Die Stimme einer Marke ist hörbarer, wenn das Gesamtkonzert leiser wird. Mit gleichem Werbeaufwand erreicht man mehr. Trotzdem bleibt antizyklische Werbung ein Phantom: Alle reden davon, aber keiner hats gesehen.Einmal mehr ging in der hitzig geführten Kostendiskussion das Thema Qualität völlig unter. Verschleudert man mit langweiliger Mainstream-Werbung Geld oder setzt man es mit profilierter Kommunikation effizient ein? Das ist doch die Kernfrage. Investitionen in die Kommunikationsqualität ist das Effizienzsteigerndste überhaupt. Und ausserdem meistens gratis. Denn eine Durchschnittskampagne kostet gleichviel wie eine herausragende. Kurz: Für bessere Werbequalität braucht es nicht mehr Budget, sondern mehr Professionalität, Kreativität und Mut.
Gerade in Konjunkturkrisen wird kreative Courage vom Markt belohnt, wie ein Blick auf die diesjährigen Effie-Gewinner zeigt. Die preisgekrönten Produktionen waren denn auch alles andere als mut- und risikolose Rezessionskampagnen. Viele Finalisten beherzigten den zentralen Marketing-Grundsatz für Rezessionen. Dieser stammt für einmal weder von Domizlaff noch von Kotler, sondern aus dem frühen 17. Jahrhundert von Friederich von Logau: «In Gefahr und grosser Not bringt der Mittelweg den Tod.»
Und damit zum erfreulichsten Resultat dieser Rezession: Erstmals kam die Marke nicht unter die Räder. Offensichtlich setzt sich die Einsicht allmählich durch, dass seriöse Markenführung nicht konjunkturabhängig sein darf. In der Baisse von 1991 bis 1993 wurden noch viele Mittel hektisch in Hard-Selling-Promotionen verschoben; solcher Raubbau am Markenkapital blieb diesmal weit gehend aus.
Vielleicht dachten die Verantwortlichen ja schon daran, dass der Markenwert bei börsenkotierten Unternehmen ab 2005 auch in der Schweiz zum Thema wird. Eine Untersuchung von PricewaterhouseCoopers bei 400 deutschen Unternehmen zeigt, dass die Marken im Schnitt 56 Prozent des Unternehmenswerts ausmachen, also sehr oft das wichtigste Asset
darstellen. Das bedeutet: Markenführung hat sehr klare Regeln und – wichtiger noch – handfeste ökonomische Konsequenzen. Branding und Brand Value werden nun auch für Finanzchefs zum zentralen Thema. Was hoffen lässt, dass in der nächsten Rezession erstmals wirklich verstärkt antizyklisch geworben wird.
> Dominique von Matt ist Präsident des Schweizer ADC und Mitinhaber der Werbeagentur Jung von Matt/Limmat.

Loebenswerte Karriere

Kaspar Loeb, neuer Chief Executive Officer bei Publicis sagt, warum er lieber Werber als Journalist ist.

Kaspar Loeb, neuer Chief Executive Officer bei Publicis sagt, warum er lieber Werber als Journalist ist.
Der frisch gekürte Geschäftsführer bei Publicis freut sich über seine neu gewonnenen Aussichten. Links von seinem Schreibtisch kann der «Newsjunky» und Ex-Journalist Kaspar Loeb auf die Redaktion der Neuen Zürcher Zeitung blicken. Rechts fällt der Blick auf den Hinrichtungsplatz des Zürcher «Böögs». Der nach dem Knie-Gastspiel immer noch recht unbestellt wirkende Acker beim Bellevue provoziert geradezu die Hoffnung, dass dieser Winter auch in wirtschaftlicher Hinsicht spätestens mit dem Sechseläuten von wärmeren Stimmungen vertrieben wird. «Wenn es gut kommt, wächst die Schweizer Werbebranche 2004 um vier bis fünf Prozent», hat Kaspar Leob in seinem ersten Interview als CEO von Publicis in der HandelsZeitung prophezeit. Es werde dabei Agenturen geben, die zwar auch in diesem Jahr «sehr leiden». Andere werden 2004 «sehr gut arbeiten».Wer die ansteckende Dynamik beim Interviewtermin schon am frühen Morgen bei Kaspar Loeb in seinem neuen Büro erfahren durfte, muss gar nicht fragen, zu welcher Kategorie die Publicis im kommenden Jahr gehören soll.
Der spannendste Job der Szene
Ihm sei «der spannendste Job in der Schweizer Agenturszene» angeboten worden», hat Kaspar Loeb kommentiert, als er kurz vor Weihnachten überraschend, aber von einigen schon länger kolportiert, als Nachfolger von Fredy Collioud berufen wurde. Zwar hatte Cornelia Harder als sichere Kronprinzessin für diesen wichtigen Job gegolten. Ihre Beförderung wurde aber – für einige nicht weniger überraschend – blockiert, weil ihr Lebenspartner CEO bei McCann-Erickson und damit bei der Konkurrenz ist. Der Wettbewerb ist offenbar härter geworden. In einem nach wie vor sportlich klingenden Ton formuliert Kaspar Loeb aber seine gesetzten Ziele: «Fredy und ich freuen uns gemeinsam, dass wir diesen Markt ein bisschen aufmischen können.»
Die Publicis Gruppe vereinigt mit der Publicis Werbeagentur, mit Fisch.Meier.Direkt und der Mediaagentur Optimedia die drei führenden Unternehmen in Werbung, Dialogmarketing und Media in der Schweiz. Die Gruppe betreut unter anderem Kunden wie UBS, Coca-Cola, Neue Zürcher Zeitung, Nestlé, Migros oder Swisscom Mobile. Die Agentur führt nicht nur regelmässig die Kreativ-Rankings der meistausgezeichneten Agenturen an, sondern dominierte 2003 mit drei Effie Gold Awards auch die Preisverleihung für «Effiziente Werbung».
Er sei sich bewusst, dass er «in ein Paar sehr grosse Schuhe steige», meinte Kaspar Loeb deshalb bei seiner Antrittsrede an der Theaterstrasse. Der «Teamplayer mit grosser Marken- und Führungserfahrung» verkörpert für Fredy Collioud aber auch die ideale «Verjüngung der Geschäftsleitung». Kaspar Loeb ermöglicht «zum richtigen Zeitpunkt einen wichtigen Schritt in die Zukunft der Agentur».
Mit Loeb werden die bis anhin geteilten Funktionen eines Managing Directors und des Chief Executive Officers zusammengelegt. «Ich will aber keine One-Man-Show machen», erklärt der neue Chief, der sich mit Fredy Collioud als Chairman und Präsident des Verwaltungsrates weiterhin auf «ein starkes Back-up» stützen kann.
Kaspar Loeb weiss, dass er bei Publicis «aus einer starken Position heraus antreten kann» und er freut sich, dass er in seinem neuen Job auf die kreativen Ideen vieler «sensationeller Leute» hoffen darf. Und wo sieht er Probleme oder Herausforderungen? «Wenn Sie im Dezember 2000 in die Werbung eingestiegen sind und Sie haben überlebt bis Dezember 2003, dann schreckt Sie nichts mehr», meint er.
Verantwortung übernehmen
Eine solche Blitzkarriere in der Werbung hat sich auch bei Kaspar Loeb nicht von Beginn weg abgezeichnet. Nach dem Jus-Studium in Basel hat er trotz Abschluss wenig Begeisterung für eine Laufbahn als Anwalt verspürt. Der junge Jurist arbeitete zuerst einmal als Gewerbelehrer. Mit 26 Jahren lockten dann erstmals die Medien. Loeb schaffte die Aufnahme in die Ringier-Journalistenschule. «Eine glückliche Weichenstellung», meint er heute. Er durfte verschiedene Stages absolvieren, «das wichtigste davon» ein halbes Jahr auf der Blick-Redaktion beim «Heissen Draht». Dort hätte er den entscheidenden Abstand gewonnen von der eher akademischen Welt der Uni. «Da rufen Menschen mit wirklich echten Problemen an», erinnert er sich an diese Lebenserfahrung.
Auf seinen weiteren Stationen hat der junge Journalist bei der Projektierung und Lancierung der SonntagsZeitung mitgearbeitet. Später wechselte er zu Politik und Wirtschaft, wo der erklärte Politmensch zum erstenmal über Wirtschaft schrieb. Diese neue Spezialisierung führte ihn zur Weltwoche sowie schliesslich zu Cash-TV. Eine weiterführende journalistische Herausforderung hätte vielleicht das Magazin Reflex werden können. Das Konkurrenzprojekt zu Facts aus dem Hause Ringier wurde aber im letzten Moment gestoppt.
«Wie es der Zufall so will» hat Kaspar Loeb genau in dieser Zeit ein erstes Angebot aus der Werbung bekommen. Die Zürcher Agentur Zintzmeyer & Lux wollte den ausgewiesenen Journalisten als Branding-Spezialisten testen. Der Kommunikationsfachmann hat es geschafft. Nach anderthalb Jahren wurde er bereits in die Geschäftsleitung der Branding-Agentur berufen. «Kann ein Journalist erfolgreich Werbung machen?», fragte man sich in der Branche misstrauisch, als Loeb nach fünf Jahren bei den Markenspezialisten direkt als CEO zur klassischen Agentur Seiler DDB wechselte.
Werbung, Branding oder Journalismus – Kaspar Loeb sieht das nicht so stark als getrennte Disziplinen. «Mich interessiert Kommunikation in all ihren Formen», meint er. Texter allerdings sei für ihn nie eine erstrebenswerte Option gewesen. «Dann wäre ich lieber Journalist geblieben», sinniert er.
Dass er es nicht geblieben ist, bereut er heute nicht. Ein Journalist könne zwar viel Einfluss nehmen, ohne dafür gross die Verantwortung tragen zu müssen. «Mich hat aber immer interessiert, dass ich auch den Kopf hinhalte für das, was ich mache», meint Loeb stolz. Als Werber trage er viel mehr Verantwortung, denn die Kunden haben ganz klare Erwartungen. Und wenn man diese Vorgaben nicht erfüllt, hat man ein Problem. «Diese Herausforderung lockt mich», verrät der neue Manager auf dem höchsten Stuhl der Schweizer Agenturszene.
Kaspar Loeb ist mit einer Kultur-Journalistin verheiratet, liebt deshalb Kultur in den verschiedensten Formen und entspannt sich gerne in Südfrankreich.
Auf dem Olymp der Schweizer Agenturszene: Kaspar Loeb, neuer Geschäftsführer von Publicis
Andreas Panzeri

Nachrichten-Agenturen lancieren mobile Info-Dienste

Fünf europäische Nachrichtenagenturen entwickeln Informationsdienste für den Mobilfunk. Ziel ist, die Attraktivität von Medienangeboten im UMTS-Standard zu steigern.

Fünf europäische Nachrichtenagenturen entwickeln Informationsdienste für den Mobilfunk. Ziel ist, die Attraktivität von Medienangeboten im UMTS-Standard zu steigern.Im Rahmen des Projekts MINDS sollen bis Mitte 2005 rund ein Dutzend Services entwickelt werden. Eine enge Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern, den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, den Fernseh- und Radiostationen sowie mit Internetportalen ist vorgesehen. Zum Konsortium unter Führung der DPA-Servicetochter Infocom gehören neben der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) ANP (Niederlande), APA (Österreich), MTI (Ungarn) sowie der Weltverband der Publishing-Industrie (Ifra).

Berner Modell: ‹Der Bund› muss um- und abbauen

Die Kooperation mit der Berner Zeitung (BZ) im Verlagsbereich (das «Berner Modell») bringt auch Veränderungen in der Blattarchitektur bei der Tageszeitung Der Bund.

Die Kooperation mit der Berner Zeitung (BZ) im Verlagsbereich (das «Berner Modell») bringt auch Veränderungen in der Blattarchitektur bei der Tageszeitung Der Bund.Der Umbau wurde nötig, um den gemeinsamen Inserateteil im Blatt unterbringen zu können. Seit Anfang Jahr können BZ und Bund nur noch gemeinsam belegt werden. Unter anderem wandert der Lokalteil in den dritten Bund, zudem wird – vorläufig – auf die wöchentliche Medienseite verzichtet. Auch das kostenpflichtige Internet-Angebot eBund Plus wurde eingestellt. Im Weiteren haben sich Bund Verlag und die Mediengewerkschaft Comedia auf einen Sozialplan für jene Mitarbeiter geeinigt, die von der Umsetzung des Berner Modells betroffen sind. Der bis Ende 2005 gültige Sozialplan sieht neben der Verlängerung der Kündigungsfristen Ausgleichszahlungen vor für jene Gekündigten, die arbeitslos werden oder eine neue Stelle mit tieferem Grundlohn antreten.

Der Werbefranken sitzt lockerer

Im 2004 werden 26 % der Schweizer Firmen ihr Kommunikationsbudget erhöhen.

Im 2004 werden 26 % der Schweizer Firmen ihr Kommunikationsbudget erhöhen.Kommunikationsmarkt Dies ergab eine Umfrage des Instituts Isopublic im Auftrag der Agentur Farner PR unter den 500 grössten Unternehmen des Landes. 48,8 % belassen die Etats beim Status quo, 23 % budgetieren weniger als 2003. Verstärkt investiert wird vor allem ins Marketing: 17,2 % der befragten Firmen sprechen von höheren Budgets. Bei 46,8 % bleiben sie gleich, während 9,2 % eine Senkung erwarten. Im Bereich Werbung wollen 13,2 % zulegen, 12 % kürzen und 46,8 % das Niveau halten. Die Budgets für Investor und Financial Relations bleiben praktisch stabil. Bei den Public Relations ist eine stärkere Gewichtung der externen gegenüber der internen Kommunikation festzustellen.

Fernsehfrau des Jahres

Als «der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann», hat Peter Schellenberg sein Amt als Fernsehdirektor einmal bezeichnet.

Als «der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann», hat Peter Schellenberg sein Amt als Fernsehdirektor einmal bezeichnet.Nach insgesamt 40 Jahren bei SF DRS und 15 Jahren als dessen oberster Chef gibt «Schälli» seine Macht nun am 1. Januar 2004 an Ingrid Deltenre ab. Aber einen Traumjob gibt wohl keiner gerne auf. Kein Wunder, wollte die weisse Eminenz des Schweizer Fernsehens im Budget für das kommende Jahr deshalb noch einmal massgebliche Weichen stellen – selbst wenn er das Programm im selbst gewählten Alterssitz in Marseille wohl kaum sehen wird. Auch ein befreundeter Comedy-Star sollte noch schnell unter Vertrag genommen werden. Doch das Fernsehstudio ist nicht das Bundeshaus. Die junge Frau Deltenre weiss der alten Männergeneration zu trotzen. Wer erwartet hatte, die verdiente Publisuisse-Direktorin würde im Januar 2004 als Handlangerin von Schellenbergs Intimus und SRG-Boss Armin Walpen starten, sieht sich bereits getäuscht. Obwohl Schellenberg sich mit scharfen Worten gegen Casting-Shows auf seinem Sender ausgesprochen hat, ist «MusicStar» jetzt trotzdem zu einem grossen Publikumserfolg geworden. Dass man den für die Werbung attraktiven Zug nicht verpasst hat, schreiben Insider bereits dem Wirken von Ingrid Deltenre zu. Und wie der SonntagsBlick unwidersprochen zu berichten wusste, wird Frau Direktorin in spe dem Regionalausschuss von SF DRS schon bald brisante Pläne unterbreiten. So soll Programmdirektor Adrian Marthaler zum Doppel-Chef der Abteilungen Kultur und Unterhaltung ernannt werden. Ein Indiz, dass die Abteilungen nach der Pensionierung von Unterhaltungschef Max Sieber neu organisiert und vielleicht auch ganz anders besetzt werden könnten. Deltenre’s Idee ist es auch, das künftige Kulturmagazin vom Sonntag auf den Mittwoch zu verlegen. Den Sonntagabend will sie mit einer Comedy-Schiene attraktiver gestalten. Mit ihren Plänen zeigt die künftige DRS-Chefin, die auch eine moderne Kommunikationsabteilung aufbauen will, eines ganz klar: Frühstücksdirektorin will sie nicht sein. (pan)Bloss keine Frühstücksdirektorin werden: Ingrid Deltenre.

Sunshine sucht Käufer

Lokalradio Markus Ruoss, der Gründer und VR-Präsident des Zentralschweizer Lokalsenders Radio Sunshine, regelt seine Nachfolge.

Lokalradio Markus Ruoss, der Gründer und VR-Präsident des Zentralschweizer Lokalsenders Radio Sunshine, regelt seine Nachfolge.Ruoss suche «neue Partnerschaften, einen neuen Besitzer oder neue Aktionäre», zitiert die SonntagsZeitung (SoZ) aus einem Brief an «Kollegen und Geschäftspartner». 79 Prozent von Radio Sunshine gehören ihm. 16 Prozent hält die Neue Luzerner Zeitung AG, die laut SoZ Interesse an Ruoss’ Angebot angemeldet hat. Ebenfalls auf den Brief reagiert haben die französische NRJ-Radiogruppe und Tamedia sowie weitere Parteien. Radio Sunshine wurde vor 20 Jahren lanciert und arbeitete in den letzten fünf Jahren profitabel.

Reduced to the Minimum

Aus der geordneten «Neuausrichtung» dürfte nach dem Versand der kryptischen Medienmitteilung Ende November nichts mehr werden.

Aus der geordneten «Neuausrichtung» dürfte nach dem Versand der kryptischen Medienmitteilung Ende November nichts mehr werden.Darin informierte Reinhold Weber (48, Bild), Inhaber der legendären Zürcher Werbeagentur Weber Hodel Schmid (WHS), über anstehende Veränderungen, namentlich über die Auflösung aller Verträge mit Mitarbeitern und den Geschäftspartnern und die mögliche Zusammenarbeit mit der GGK Zürich, durch die er die Hälfte der 20 Arbeitsplätze retten wolle. Kurz darauf relativierte GGK-Chef Hermann Strittmatter diese Pläne gegenüber den Medien: Ob, wann und wie ein Zusammenschluss stattfinde, müsse erst diskutiert werden. Weder werde Strittmatter eine neue Agentur gründen, noch könne von einer Fusion die Rede sein. Wenn überhaupt, wolle GGK Weber und sein Team integrieren. Mit der voraussichtlich letzten Folge des WHS-Groundings geht ein besonderes Kapitel Schweizer Werbegeschichte zu Ende. Aufgeschlagen wurde es 1991 durch die anderen Mitgründer Yvonne Hodel und John Schmid. Bald führten grosse Etats wie Smart, «Zürich», Tages-Anzeiger, MediaMarkt und Schweiz Tourismus zu Awards, Anerkennung und noch mehr Aufträgen. WHS expandierte nach Wien und Berlin und wuchs auf über 100 Mitarbeiter. Der kontinuierliche Niedergang begann mit dem Verlust gewichtiger Budgets und wurde vom Crash der New Economy vor allem in den Dotcom-lastigen internationalen Büros beschleunigt. Der Abgang von Strategen trug sein Restliches dazu bei. (la)

Kinodaten, reloaded

Marktforschung Ende Januar will Marktleaderin Cinecom entscheiden, ob sie Kinoreichweiten künftig mit der Radiocontrol-Uhr erhebt oder Wemf- und Procinema-Daten kombiniert.

Marktforschung Ende Januar will Marktleaderin Cinecom entscheiden, ob sie Kinoreichweiten künftig mit der Radiocontrol-Uhr erhebt oder Wemf- und Procinema-Daten kombiniert.Die bisherigen Kinoreichweiten der Wemf haben zwei Nachteile: Es gibt sie nur einmal jährlich zu haben, im Rahmen der Mach Basic und dazu bloss in Form eines Wochendurchschnitts. «Das ist uns zu statisch. Wir müssen die saisonalen Schwankungen immer über Saisonpreise ausgleichen, um einen realistischen TKP zu erhalten», erläutert Cinecom-Marketingleiter Jean-Claude Bruhin. Darum hielt die Cinecom nach einer neuen Forschungsmethode Ausschau. Mittlerweile zeichnen sich laut Bruhin zwei Möglichkeiten ab: Entweder man lässt die Kinobesuche über Radiocontrol erheben. Oder man kombiniert die Eintrittszahlen des Kinobesitzer- und Filmverleiherverbandes Procinema mit den Wemf-Daten.Besucherdaten via ADSL
Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Die Vorteile von Radiocontrol: Die Kinoreichweiten würden gemessen statt erfragt. Zudem bräuchte sich die Kinobranche bloss beim bestehenden Radiocontrol-Panel einzuklinken. Die Nachteile: Damit die Radiocontrol-Zentrale die auf der Uhr gespeicherten Kinofilmgeräusche erkennen kann, muss sie den Filmton jeder einzelnen Vorführung in jedem der rund 500 Schweizer Kinosäle zeitgleich aufnehmen. Das aber bedingt die Installation von Mikrofonen in den Sälen und das Überspielen der Daten via ADSL. «Das ist relativ teuer», schränkt Bruhin ein. Immerhin: Ein gemeinsamer Versuch mit der Publica Data im Sommer führte gemäss dem Marketingleiter zur Erkenntnis, dass diese Messmethode technisch realisierbar ist. Matthias Steinmann, Leiter des SRG-Forschungsdienstes, gibt sich indes zurückhaltender – vor allem aus politischen Gründen. Das eben aufgestockte Panel will er nicht mit zusätzlichen Erhebungsräumen belasten. Der Ansatz, die Procinema- mit den Wemf-Daten zu verschmelzen, besässe die Vorzüge, dass man auf zwei vorhandene Datenquellen zurückgreifen könnte. Die monatlichen Abverkaufszahlen der Procinema würden zur neuen Reichweitenbasis, während aus den Mach-Interviews der Wemf die Zielgruppenstruktur nach Geschlecht, Alter und neu vielleicht auch Film-Genre hinzukämen. Die 23000 Mach-Interviews wären dafür weiterhin ausreichend, sagt Harald Amschler, Wemf-Forschungsleiter. Nachteil dieser Lösung: Die Procinema-Zahlen basieren auf Selbstdeklarationen der Kinobetreiber und enthalten beispielsweise keine Gratiseintritte. Es ist durchaus möglich, dass noch eine Art Eintrittsbeglaubigung (analog zur Print-Auflagenbeglaubigung) verlangt wird. Doch ist dies im Moment noch kein Thema. Derzeit wartet die Cinecom auf Angebote von Wemf und Publica Data. Ende Januar will der Kinovermarkter entscheiden. Die Zeit drängt: Der Vertrag mit der Wemf ist aufgelöst. Der Werbeforscher erhebt seit April dieses Jahres die Kinoreichweiten nur noch in der für die MA Strategy benötigten Form.
Trüge die Dame eine Radiocontrol- oder Mediawatch-Uhr, wüsste der Kinobetreiber, für welchen Film sie sich entschieden hätte.
Eine neue Uhr nur fürs Kino?Die Mediawatch, die auch fürs menschliche Ohr nicht wahrnehmbare Funksignale registrieren kann, könnte für die Kinoforschung einfacher eingesetzt werden als die Radiocontrol-Uhr. Einzige Voraussetzung dazu sind fest installierte Minisender mit individuellen Signalen in den Kinosälen. «Die Mediawatch wäre sozusagen prädestiniert für die Kinoforschung», sagt auch SRG-Forschungsdienstleister Matthias Steinmann. Doch Cinecom-Marketingleiter Bruhin winkt ab: Zum einen sei die Mediawatch noch gar nicht auf dem Markt, zudem wäre ein Mediawatch-Panel allein für das Medium Kino zu teuer. Und ob der SRG-Forschungsdienst dereinst auf Mediawatch umsteige, sei ungewiss. Hingegen stehe fest, dass die Kinobranche bis September 2004 eine neue Währung benötige. (mk)
Bisherige Daten genügen nichtNicht nur die Cinecom will härtere Kino- daten, auch der Verband Schweizerischer Werbeauftraggeber (SW) drängt darauf. SWA-Direktor Jürg Siegrist (Bild): «Die Anzahl Besucher und die Kontaktzahlen dienen bei der Mediaplanung zwar als Basis, aber je für sich allein reichen sie für die Feinplanung nicht aus. Wir benötigen endlich Leistungswerte, die verlässlich und auch klar auswertbar sind. Diesbezüglich besteht eine Bringschuld der Kinobetreiber. Kurz: Die Qualität und damit auch die Aussagekraft der Forschungsergebnisse ist entscheidend.» (mk)
Markus Knöpfli

Nielsen misst jetzt auch Product Placement

TV-Forschung Der amerikanische Werbebeobachter Nielsen Media Research erfasst neu auch Product Placement.

TV-Forschung Der amerikanische Werbebeobachter Nielsen Media Research erfasst neu auch Product Placement.Über 100 Angestellte untersuchten Videoaufzeichnungen und notierten, welche Produkte wie lange zu sehen seien, berichtet die Los Angeles Times. Die Daten sollen ab Februar 2004 an Werbetreibende verkauft werden, zusammen mit Angaben über die Zuschauerzahlen. Zurzeit werde nur die Prime Time auf den grossen Broadcast-Networks erfasst.

Auslandjob des Jahres

Er hiesse nicht Roger Schawinski, hätte er sich die Aufmerksamkeit mit Schmusen statt mit Provokationen geholt.

Er hiesse nicht Roger Schawinski, hätte er sich die Aufmerksamkeit mit Schmusen statt mit Provokationen geholt.Doch dass die Installierung als Sat-1-Chef mit einem derart von mutmasslichen Fehlzündern begleiteten Begrüssungsfeuerwerk abging, überraschte sehr. Der Kultkomödiant des Senders, Harald Schmidt, wird per Ende Jahr den Hut nehmen. Zurück bleiben enttäuschte Fans, die sich auch in nobelsten Feuilleton-spalten outeten. Der Börsen-kurs der ProSieben-Sat-1-Aktie taucht. Ob Schawinski geholt wurde, nur um den zu teuer gewordenen Harald Schmidt elegant zu entsorgen, wird man kaum je erfahren. Trotzdem schauen wir jetzt schon mehr Sat 1. Denn wir wissen, dass Roschee an den Hebeln sitzt und sich nicht damit begnügen wird, einfach nur Däumchen zu drehen. Wir erwarten, dass sein Geist auf dem Sender auftaucht, ER, in natura. Irgendwie. Bald. Sat-1-Turbulenzen im Advent: Roger kam, Harald ging.
(dse)

Die grösste Beute

An internationalen Werbefestivals kamen heuer Kampagnen aus der Schweiz eher selten weiter als bis zur Shortlist- oder Finalistenrunde.

An internationalen Werbefestivals kamen heuer Kampagnen aus der Schweiz eher selten weiter als bis zur Shortlist- oder Finalistenrunde.Entgegen dem allgemeinen Trend schickten hiesige Agenturen antizyklisch und guter Hoffnung gar sechs Prozent mehr Arbeiten an die Werbe-Olympiade nach Cannes, die weltweit fünf Prozent weniger Eingänge verzeichnete. Für die Schweiz ergatterte Frank Bodins Euro RSCG den einzigen begehrten Löwen – ein silbernes Exemplar – mit einer raffinierten DM-Aktion für das hochpreisige Zürcher Fitnessstudio Arena 225: Das Messband, das immer ein paar Zentimeter zu viel angibt, wurde vor teuren Restaurants und nahe liegenden Parkhäusern verteilt. Die letzte goldene Raubkatze von der Riviera holte 2001 AY&R für den «Médecins sans Frontières»-Spot in die Schweiz. Silbern war der Löwe, den Frank Bodin für Euro RSCG und Arena 225 in Cannes gewann.
(la)
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