NZZ auf Brautschau für BE1

Raum Bern Radio BE1 sucht Partner und der Anzeiger Region Bern ein neues Konzept. In beiden Fällen gibt es viele Optionen – und Spekulationen.

Raum Bern Radio BE1 sucht Partner und der Anzeiger Region Bern ein neues Konzept. In beiden Fällen gibt es viele Optionen – und Spekulationen.Seit die Wettbewerbskommission (Weko) Ende Januar den Einstieg der Espace Media bei der Bund Verlags AG abgesegnet hat, scheinen sich bei Bund und Berner Zeitung die Wogen etwas geglättet zu haben. Bei Radio BE1 hingegen bleibts spannend. Zwar läuft der Betrieb in bisherigen Bahnen. Doch der Sender, an dem sich die Espace Media gemäss Weko nicht beteiligen durfte, wurde mittlerweile aus der Bund Verlags AG herausgelöst und in die Freie Presse Holding integriert, wo die Regionalzeitungs-Engagements der NZZ-Gruppe gebündelt sind. «Allein macht er dort aber wenig Sinn», sagt Beat Lauber, Bereichsleiter Regionalzeitungen der NZZ-Gruppe. Deshalb erwäge man Kooperationen mit Dritten. «Nach dem Weko-Entscheid hat sich etwa ein halbes Dutzend Interessenten gemeldet», ergänzt Pepe Wiss, VR-Präsident der BE1-Trägerin Radig AG. Er nennt NRJ, «möglicherweise» auch Tamedia. Zu weiteren Firmen will er sich nicht äussern. «Bis Mitte Jahr wollen wir entscheiden», sagt Wiss. «Dabei sind wir für alles offen», sagt Lauber. Im Vordergrund für BE1 stehe die Crossmedia-strategie, die man wenn möglich mit dem Bund weiterführen wolle. Das sei auch entscheidend bei der Brautschau. «Wir stehen nicht unter Druck», sagt Lauber. BE1 sei 2003 Jahr nur leicht rot gewesen, wenn man die Quersubventionen vom Bund abziehe. Und dieses Jahr habe BE1 ein ausgeglichenes Budget.
Vor Veränderungen beim ARB
Anders sieht es beim Anzeiger Region Bern (ARB) aus. Zu ihm hat sich die Weko nicht geäussert, weshalb er in der Bund Verlags AG verbleibt. Espace Media und PubliGroupe tragen nun das ARB-Defizit mit. Es kumuliert sich aus dem Inseraterückgang und der jährlichen Garantiesumme von 3,7 Millionen Franken an den ARB-Herausgeber Verein Region Bern (VRB, 14 Gemeinden und Stadt Bern). Bis Ende 2005 bleibt dies so, dann läuft der Vertrag mit dem VRB aus.
Doch der ARB wird sich ändern. «Wir sind daran, eine neue Ausschreibung auf den Herbst hin vorzubereiten», sagt VRB-Geschäftsführerin Isabelle Meyer, die keine Details bekannt gibt. Doch schon jetzt ist klar: Um wieder einen Konzessionär finden zu können, wird sich der ARB stark wandeln müssen. Nicht nur die Garantiesumme wird wesentlich tiefer ausfallen, auch das bestehende Konkurrenzverbot wird wohl verschwinden müssen. Bliebe es in Kraft, dürfte sich etwa die Espace Media als Herausgeberin des Gratisblattes Berner Bär nicht für die ARB-Konzession bewerben. Und selbst die Bund Verlags AG ist nicht mehr über alle Zweifel erhaben, nachdem die Espace Media nun ebenfalls beteiligt ist.
Am effizientesten wäre es, den ARB als amtliches Publikationsorgan im Berner Bär zu integrieren. Doch das ist derzeit nicht möglich: Bernische Anzeiger dürfen – von amtlichen Mitteilungen abgesehen – keine redaktionellen Inhalte haben.
Schlüssel abgegebenAm 6. März hat Pepe Wiss, bis vor kurzem Direktor der Bund Verlags AG, nach eigenen Aussagen in Bern «die Schlüssel abgegeben» und sein Büro nach Zürich disloziert, wo er jetzt mit Beat Lauber regionale
Projekte betreut. Auch die Pendlerzeitungsprojekte in Luzern und
St. Gallen? «Bisher war ich in Luzern nicht involviert, und auch mit den Verantwortlichen in St. Gallen habe ich noch nicht gesprochen. Aber
genau für solche Projekte bin ich da», sagt Wiss. Was er sonst noch im
Köcher hat, will er nicht sagen. Ausser dass er weiterhin VR-Präsident der Radig AG (BE1) bleibt. In Bern selbst ist übrigens nun ARB-Product-Manager Christof Ramseier direkter Ansprechpartner für den Anzeiger. (mk)
(Fast) alles ist möglich: Beim Anzeiger Region Bern und Radio BE1 steht der Wandel vor der Tür.
Markus Knöpfli

Kurt Schwerzmann gestaltet die neue BaZ

Zeitungen Die Basler Zeitung (BaZ) lässt sich ihr neues Kleid von Kurt Schwerzmann schneidern. Das Zürcher Büro Schwerzmann & Rothenfluh hat den Zuschlag für das Gestaltungskonzept erhalten.

Zeitungen Die Basler Zeitung (BaZ) lässt sich ihr neues Kleid von Kurt Schwerzmann schneidern. Das Zürcher Büro Schwerzmann & Rothenfluh hat den Zuschlag für das Gestaltungskonzept erhalten.Bereits nächste Woche soll die Arbeit beginnen.

Spotlight verzeichnet Teilnahmerekord

Werbefestival Mit 228 Beiträgen verzeichnet das Internationale TV-Spot- und Werbefilmfestival Spotlight einen Zuwachs von 25 Prozent.

Werbefestival Mit 228 Beiträgen verzeichnet das Internationale TV-Spot- und Werbefilmfestival Spotlight einen Zuwachs von 25 Prozent.Das Festival, bei dem die Spots von einer Fachjury und einer 2000-köpfigen Publikumsjury bewertet werden, findet dieses Jahr erstmals in Friedrichshafen statt in Ravensburg statt. Der Anlass geht am 17. April über die Bühne.

Neue Gratis-Konkurrenz

Oliver Classen über die verlegerische Vereinnahmung von Weblogs.

Oliver Classen über die verlegerische Vereinnahmung von Weblogs.Bei seinem Auftritt am deutschen Verlegerkongress vergangenen Oktober in Berlin warnte Arthur Sulzberger jr. eindringlich vor einer «existenz- gefährdenden Amateurisierung der Medieninhalte». Was der New-York- Times-Herausgeber damit meinte, war ausnahmsweise nicht journalistischer Qualitätsverfall, sondern das faszinierende Internetphänomen der so genannten Weblogs.
In diesen Onlinetagebüchern schreiben Early Adopters wahlweise über ihr Liebesleben, die weltpolitische Lage oder eine allfällige Augenzeugenschaft bei einem Autounfall respektive Terroranschlag. Und outen sich spätestens mit Letzterem als komplementäre Informationsquelle für Medienmacher und -konsumenten. Wie ernst US-Verlage solche Privatplattformen à la blogger.com inzwischen nehmen, zeigt die Absichtserklärung von Sulzbergers Digital-Chef gegenüber dem Fachdienst Media Post, die beste Peer-to-Peer-Publizistik «wo möglich und sinnvoll» ins eigene Geschäft zu integrieren. Hier zu Lande hat bislang einzig der Tages-Anzeiger die Zeichen der Zeit erkannt. Nicht zufällig ist es dessen US-Korrespondent, der seit einigen Wochen ein persönliches, interaktives «Notebook» betreibt. Optisch wie technisch wurde dieses in die Tagi-Site eingebettet – und beschert dieser seither etliche neue Besucher. Hauptgrund dafür: Anders als im Print lässt sich jeder Eintrag sofort und unredigiert kommentieren.
Die «Community» traditioneller Medienmarken scheinen Weblogs also zu vergrössern. Ob das auf die «Credibility», jene zweite verlegerische Grundressource, auch zutrifft, darf indes bezweifelt werden. (Es sei denn, das anarchische Gratismedium würde moderat moderiert.) Und wie mit den neuen Amateur-Foren professionell Geld verdient werden kann, steht vollends in den Sternen. Doch besser sich heute nach denselben strecken und dabei vielleicht etwas verrenken als morgen (wieder) im Dunkeln stehen, wenn sie so richtig zu funkeln beginnen.
> Oliver Classen, Redaktor

Selbst ist der Mann

Pius Walker kehrt nach zehn Jahren im Ausland nach Zürich zurück und gründet «die kleinste Agentur der Welt».

Pius Walker kehrt nach zehn Jahren im Ausland nach Zürich zurück und gründet «die kleinste Agentur der Welt».London ist bekannt für seine Taxis, die Pubs und das Schlangestehen. «Im Hintenanstehen sind die Menschen dort Spezialisten. Das gilt besonders auch für Jobs in einer interessanten Werbeagentur», erinnert sich Pius Walker. Trotzdem hat es der junge Schweizer damals geschafft. «Es war mein Traum, einmal in einer der kreativen Hauptstädte der Welt arbeiten zu können», ist Walker nach wie vor stolz auf seine zwei Jahre bei Leagas Delaney. «In London ist hochkarätige Werbung wie kaum irgendwo in der Welt in einer solch starken Konzentration anzutreffen», schwärmt er.Natürlich hat Walker seine Träume vom Auslandjob sowie jetzt von der eigenen Agenturgründung nicht nur dank geduldigem Einreihen bei der Jobsuche wahr machen können. Zu seinen Referenzen vor London gehörten bereits vier Jahre bei Springer & Jacoby in Hamburg. Zuerst hat er dort im Gründungshaus der Agentur gearbeitet. Später durfte er in einem weiteren Ableger der Gruppe vor allem Werbung für Mercedes machen.
Eingestiegen ist Walker mit einer Lehre als Grafiker bei Advico Young & Rubicam in Gockhausen. Es folgten zwei Jahre bei GGK in Zürich, bevor der Punkt kam, wo er sich sagte: «Es wäre interessant, mal ein Jahr ins Ausland zu gehen.»
Dass daraus zehn Jahre wurden, sieht Walker als sein Kapital. «Man kann sehr viel aufnehmen», weiss er. In London hat der AD zusammen mit der Filmschulabsolventin Patricia, die später seine Frau geworden ist, in einer nur 26 Quadratmeter grossen Wohnung gehaust, um möglichst viel Geld für weiterbildende Kulturgenüsse sparen zu können. Dazu gehörte auch eine einjährige Weltreise, bevor nach London noch einmal eine neue Erfahrung mit einem Jahr als CD und Geschäftsführer einer Unit bei Scholz & Friends in Berlin gefolgt ist.
Jetzt hat das immer mitgereiste Ikea-Regal mit der grossen Sammlung von Büchern zu Kunst, Film, Foto und natürlich Werbung seinen wohl definitiven Platz an der Blaufahnenstrasse in Zürich gefunden.
Schlicht «Walker» heisst die Neugründung. Und was soll «die kleinste Werbeagentur der Welt» von einem herkömmlichen Büro eines Freelancers abheben?
«Wir sind wie ein Orchester, das für jedes Stück neu zusammengesetzt wird», erklärt Walker sein Netz von freien Teams, die er im Verlauf seiner Wanderjahre kennen gelernt hat. Mit dieser weit gesponnenen Infrastruktur will Walker «keine Standardformation» anbieten, die sowohl bei
Jazz wie bei Klassik mit den immer gleichen Leuten auftritt.
Spielen will man für Kunden, die «nicht zwingend Millionenbudgets haben, trotzdem aber internationale Qualität wollen». Dazu brauche es gute Spots und eine gute Strategie – aber «kein grosses Büro», ist der Werber überzeugt.
Die Zeit für solche Neugründungen schätzt Pius Walker als sehr gut ein. Viele alte Muster brechen auf, es gibt Handlungsbedarf. Wer aber einfach im Windschatten der Grossen fahren wolle, dürfte es kaum schaffen. «Wir wollen Alternativen bieten mit einer anderen Struktur und einem anderen Netzwerk.»
Walker hat keinen einzigen Kunden von früheren Jobs mitgenommen. Trotzdem ist ein Grossauftrag bereits im Kasten. Für WC-Ente von Düring und ein neues Reinigungstuch der Firma hat er zwei Spots produziert. In einem schleppt ein Tourist sein Klo zu einer Trecking-Reise nach China mit. Damit wird das scheinbar undankbare Thema Reinigung mit viel Lifestyle und Humor angegangen. Für WC-Ente hat sich der neue Stil mit einer fast traumhaften und deshalb «leider nicht zitierbaren Umsatzsteigerung» gelohnt.
Für Walker ist dieser Einstiegserfolg ein Mutmacher, auch noch ein paar andere Firmen, die bislang mit keiner oder nur mittelmässiger Werbung «aufgefallen» sind, demnächst zu kontaktieren.
Mit seinem Netzwerk verfolgt Pius Walker klare Ziele: «Wir wollen

Alternativen bieten.»
Andreas Panzeri

Tele Top kommt ins Flawiler Kabelnetz

Privat-TV Der Ostschweizer Sender Tele Top ist ab diesem Wochenende in beiden Flawiler Kabelfernsehnetzen zu empfangen. Zusammen besitzen sie rund 3800 Abonnenten.

Privat-TV Der Ostschweizer Sender Tele Top ist ab diesem Wochenende in beiden Flawiler Kabelfernsehnetzen zu empfangen. Zusammen besitzen sie rund 3800 Abonnenten.Dank dieser Erweiterung erreicht Tele Top nun 86,8 Prozent der 362723 Haushaltungen im Konzessionsgebiet.

Lowe kommuniziert für Electrolux Schweiz

Haushaltgeräte Ab sofort ist Lowe, Zürich, für die Kommunikation von Electrolux Schweiz zuständig.

Haushaltgeräte Ab sofort ist Lowe, Zürich, für die Kommunikation von Electrolux Schweiz zuständig.Haushaltgeräte Ab sofort ist Lowe, Zürich, für die Kommunikation von Electrolux Schweiz zuständig. Sie hat das Mandat über ihr internationales Netzwerk erhalten, das von Electrolux 2003 mit dem Etat für Europa und Nordamerika betraut wurde. In der Schweiz würden vor allem Adaptionen anfallen, sagt Berater Tony Hrnek der Werbewoche. Bisher wurde ein grosser Teil der Electrolux-Kommunikation in house realisiert. Die ersten Arbeiten von Lowe zum Dachkonzept «Makes life a little easier» werden in Kürze erscheinen.

Verschlossene Lippen – lautstarke Botschaft

Social Advertising Das Engagement von Euro RSCG Switzerland für Tibet hat Tradition. Ebenso die Preise, welche Kreativchef Frank Bodin für seine Ideen abräumt.

Social Advertising Das Engagement von Euro RSCG Switzerland für Tibet hat Tradition. Ebenso die Preise, welche Kreativchef Frank Bodin für seine Ideen abräumt.Jetzt wartet die Agentur im Namen der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft mit einem neuen Sujet auf: Eine rot gefärbte Heftklammer in der Mitte des Jugendmagazins Word verschliesst die Lippen eines tibetischen Mönchs. Damit soll die jugendliche Leserschaft daran erinnert werden, dass die «Rufe Tibets nach Freiheit» bereits in der Kehle erstickt werden. Ob Euro RSCG mit der Idee in Cannes einen Löwen holt, wird sich weisen. Dass die unscheinbaren Heftklammern an der Werbeolympiade Beachtung finden, hat McCann-Erickson jedenfalls schon 2002 bewiesen: Ihre damalige Generali-Anzeige mit acht Heftklammern wurde in Cannes versilbert.

Aufmarsch an der Wigger

Lokalzeitungen Mit vier Bünden und mehr Farbe setzt der Willisauer Bote zur Eroberung des Wiggertals an.

Lokalzeitungen Mit vier Bünden und mehr Farbe setzt der Willisauer Bote zur Eroberung des Wiggertals an.
Das Luzerner Hinterland wird zu eng für den Willisauer Boten. Mit einer Abdeckung von über 70 Prozent der Haushalte ist ein Wachstum kaum noch möglich. Deshalb expandiert die Lokalzeitung (Auflage: 10715 Exemplare) ins Wiggertal. Ab Ende April erscheint sie mit der Splitausgabe Wiggertaler Bote. «Im luzernischen Teil des Wiggertals sehen wir Potenzial», sagt Verlagsleiter und Chefredaktor Josef J. Zihlmann, der lieber von einem Kopfblatt spricht. Der Willisauer Bote werde seit Jahren bestürmt, seine Präsenz in dieser Region auszubauen. Die Gegend um Reiden und Nebikon ist jedoch kein journalistisches Ödland: Seit 100 Jahren erscheint dort die Wochenzeitung Der Oberwiggentaler. Bis Ende 2003 waren die beiden Titel gemeinsam mit dem Trienger Anzeiger im Nord-West-Kombi verbunden.
Fusionsangebot zurückgewiesen
Für Zihlmann lässt sich der Oberwiggertaler nicht mit dem Qualitätsanspruch des Willisauer Boten vergleichen. Er wolle aber niemanden verdrängen und habe auch Gespräche mit dem Konkurrenten über eine Zusammenarbeit geführt. Ergeben habe sich daraus nichts.
Das bestätigt Othmar Meyer, Herausgeber des Oberwiggentalers. Man habe darüber diskutiert, ob sich die beiden Zeitungen zusammenlegen liessen. «Das kam aber von uns aus nicht zu Stande», so Meyer. Den Einmarsch des Willisauer Boten in sein Stammgebiet nimmt er gelassen. «Das Zofinger Tagblatt versuchte auch einmal, hierher zu expandieren. Heute konzentriert es sich wieder auf sein Kerngebiet.» Unterschätzen dürfe man die Situation aber nicht: «Jedes Blatt im eigenen Raum ist ein Konkurrent, bis hin zur Quartierzeitung.»
Die Lancierung der Splitausgabe nutzt der Willisauer Bote zu einem umfassenden Relaunch. Das Blatt wird durchgehend vierfarbig. Das neue
Layout wurde vom einheimischen Gestalter Roger Wermelinger entwickelt, der seine Ausbildung selbst beim Boten absolviert hat. Die Lokalzeitung umfasst künftig vier Bünde statt einen: Mantel, Hinterland, Wiggertal und Sport. Dabei unterscheiden sich die beiden Ausgaben nur in der Frontseite, wo jeweils regionsspezifische Themen angerissen werden.
Der Erscheinungsrhythmus wird von drei- auf zweimal pro Woche verringert. Damit lassen sich die vier Bünde leichter füllen. Ausserdem nimmt dieser Schritt den Aktualitätsdruck von der Redaktion. «Bei drei Ausgaben pro Woche mussten wir immer den Tageszeitungen hinterherrennen», erklärt Zihlmann. Nun könne die Hintergrundberichterstattung aus der Region ins Zentrum rücken. Die Wochenendbeilage Quattro wird nicht mehr
publiziert respektive als Reportageseite in die Zeitung integriert.
Vollstellen statt Volontariate
Als Sparmassnahme will der Verleger den Umbau auf keinen Fall verstanden wissen: «Wir sind gesund und stehen nicht unter finanziellem Druck.» Der Willisauer Bote werde die redaktionelle Leistung ausbauen. Drei Volontariate würden dazu in Vollstellen umgewandelt.
Stillgelegt wird hingegen die eigene Druckmaschine, den Druck des Boten übernimmt die Neue Luzerner Zeitung AG. Die Kapazität der alten Maschine erschöpfte sich auf 32 Seiten mit einer Schmuckfarbe. Alternativ liessen sich vier Seiten vierfarbig drucken, was aber den Umfang auf 24 Seiten reduzierte. «Wenn etwa Migros und Coop gleichzeitig farbig werben wollten, waren wir schon ziemlich blockiert», erzählt Zihlmann. Der Willisauer Bote musste deswegen auch wiederholt Inserate ablehnen. Der Relaunch schafft jetzt Platz für alle.
TraditionsblattDer Willisauer Bote wurde 1887 gegründet. Seit 1922 wird die Lokalzeitung von der Genossenschaft Willisauer Bote Medien und Print herausgegeben. Sie zählt rund 950 Mitglieder – laut Verlagsleiter Josef J. Zihlmann «quer durchs Volk, vom Arbeiter bis zum Direktor». Bisher erschien die Zeitung im Amt Willisau und im angrenzenden Rottal, jeweils am Dienstag, Donnerstag und Samstag. Ab Ende April wird auf Dienstag und Freitag umgestellt. Vom Willisauer Boten werden 9500, vom Wiggertaler Boten 6500 Exemplare gedruckt. Josef J. Zihlmann (das J. unterscheidet ihn vom gleichnamigen Vater) führt das Blatt seit 1976.
Vergangenen Herbst wurde er in den Vorstand des Verbands Schweizer Presse gewählt. Dort übernimmt er das geplante Departement Sozialpartnerschaft. (sm)
Bewegung im Hinterland: Der Willisauer Bote expandiert ins Wiggertal.
Stefano Monachesi

Godfather of Communities

Als Medienwissenschaft noch «Zeitungslehre» und Community Building noch «Streben nach Gemeinsinn» hiess, legte Ferdinand Tönnies (1855–1936) in Kiel die Begriffsbasis dessen, was wir heute Soziologie nennen.

Als Medienwissenschaft noch «Zeitungslehre» und Community Building noch «Streben nach Gemeinsinn» hiess, legte Ferdinand Tönnies (1855–1936) in Kiel die Begriffsbasis dessen, was wir heute Soziologie nennen.In seiner 1878 (!) erschienenen Schrift «Gemeinschaft und Gesellschaft» analysierte der Bauernsohn und Autodidakt in bis heute unerreichter Luzidität, wie Letztere aus Ersterer überhaupt erst entstehen kann, nämlich durch «seelisches Zusammenwollen».Anhand von Gegensatzpaaren wie Verbundenheit und Freiheit oder Vertrauen und Argwohn führt Tönnies exemplarisch vor, wie und warum Gemeinschafts- und Identitätsgefühle entstehen. Und – für mediale «Community Builder» fast ebenso wichtig – wie diese bei Überstrapazierung genauso schnell wieder vergehen können. (oc)
> Gemeinschaft und Gesellschaft. Grundbegriffe der reinen Soziologie von Ferdinand Tönnies. Neudruck der 8. Aufl. von 1935. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000. 224 Seiten, 69 Franken.

Marken messen

Je nach Branche kann der neudeutsch Brand Equity genannte Markenwert eines börsenkotierten Unternehmens heute bis zu 70 Prozent seines Marktwerts betragen.

Je nach Branche kann der neudeutsch Brand Equity genannte Markenwert eines börsenkotierten Unternehmens heute bis zu 70 Prozent seines Marktwerts betragen.Cheriditos Dissertation liefert nicht nur eine Übersicht der gängigen Verfahren zur Brand Evaluation, sondern entwickelt daraus einen in der Praxis erprobten eigenen Ansatz.> Markenbewertung. Eine konzeptionelle und empirische Studie bei Schweizer Publikumsgesellschaften von Yves Cheridito. Haupt Verlag, Bern 2003. 340 Seiten, 68 Franken.

Ende des Begriffssalats ist absehbar

Radiocontrol Obschon die Publica Data auf Anfang Jahr eine neue Gebietsdefinition für die Lokalradios lanciert hat, ist der Begriffssalat noch nicht kleiner geworden.

Radiocontrol Obschon die Publica Data auf Anfang Jahr eine neue Gebietsdefinition für die Lokalradios lanciert hat, ist der Begriffssalat noch nicht kleiner geworden.«Sendegebiet», «Empfangsgebiet», «Konzessionsgebiet»: Bisher kämpften die Radios beim Ausweisen ihrer Hörerzahlen mit einem Begriffssalat, bei dem ihnen oft selber der Durchblick fehlte. Zwar definieren alle diese Gebietsumschreibungen den versorgten Raum, allerdings mit höchst unterschiedlichen Kriterien. Ein Ende des Wirrwarrs war das Ziel, als die Publica Data (PD) per 1. Januar den Einheitsbegriff «Verbreitungsgebiet» einführte (siehe Kasten rechts). Mit der standardisierten Gebietsumschreibung sollten die Leistungsmerkmale der einzelnen Radios endlich direkt miteinander verglichen werden können.Das Resultat ist im Moment aber keine Klärung, sondern zusätzliche Verwirrung. So benützt die Vermarkterin Radiotele weiter die alte Gebietskarte mit den willkürlich von den Stationen festgelegten «Sendegebieten». Dies, obschon die Radiouhr bereits seit dem 1. Januar nach den neuen «Verbreitungsgebieten» misst.
Felix Kilchsperger, Verkaufsleiter bei Radiotele, verteidigt das Vorgehen. «Solange keine Hörerzahlen zum laufenden Jahr publik sind, ist unsere Karte die richtige. Heute arbeiten wir immer noch mit den Daten von 2003, und solange dies so ist, gilt für uns auch die alte Begrifflichkeit.» Die Karte von Goldbach Media, welche auf die «Konzessionsgebiete» abstellt, sei hingegen zu früh gekommen, so Kilchsperger.
Definition des Bakom bevorzugt
Auch IP Multimedia (Schweiz) hat ihre Gebietskarte nicht ganz nach den Vorstellungen der PD angepasst. Zur Anwendung kommt auch hier nicht die offizielle Terminologie «Verbreitungsgebiet», sondern der Begriff «Konzessionsgebiet». Giordano Giordani, Head of Media Research bei IPM, erklärt, man habe sich mit der PD auf die Benützung dieses Begriffes geeinigt. «Das staatlich definierte ‹Konzessionsgebiet› eignet sich am besten dazu, dem Durcheinander ein Ende zu machen. Der neue Terminus ‹Verbreitungsgebiet› tönt den abgeschafften ‹Sende-› und ‹Empfangsgebieten› zu ähnlich», so Giordani.
Die Auseinandersetzung um die «richtige» Gebietskarte und den «richtigen» Terminus hat zu intensiven Diskussionen zwischen Radiovermarktern und PD geführt. Ein erstes handfestes Resultat: Felix Kilchsperger hat mit der PD abgemacht, dass es in Zukunft nur noch eine einzige Gebietskarte geben soll. «Und zwar sobald erstmals Radiozahlen des Jahres 2004 nach aussen getragen werden. Das wird im Juli sein, bei der Veröffentlichung der Halbjahresresultate 2004», so Kilchsperger.
Dies bestätigt auch Rolf Müller, Geschäftsleiter der PD: «Spätestens wenn die nächsten Semesterzahlen draussen sind, dürfen keine anderen Karten mehr herumgeistern. Das ist eine Konsequenz der Umstellung auf Konzessions-/Verbreitungsgebiete.» Dies entspricht auch dem Wunsch des Verbandes Schweizer Privatradios (VSP). «Wir müssen auf Vorgaben hinarbeiten, welche eine direkte Vergleichbarkeit der Sender ermöglichen, sonst macht die Übung keinen Sinn», so VSP-Vizepräsident Martin Muerner.
Auch Ausland einbeziehen
Seine Bemühungen für ein realitätsgerechteres Ausweisen der Radiodaten gehen aber weiter. So verlangt er, man müsse dazu übergehen, auch die Hörerschaften «ganze Schweiz» auszuweisen. Mit seiner Forderung blickt Muerner in die Zukunft. Sie werde dann aktuell, wenn die Radios dank erweiterten Übertragungstechniken wie DAB, Satellitenempfang oder zeitgleichem Hören im Internet dereinst in der ganzen Schweiz empfangbar sein werden. «Sobald dies der Fall ist, kommt man kaum darum herum, auch sämtliche Hörer eines Radios ausserhalb seines eigenen Sprachraums auszuweisen.»
Laut dem VSP-Vize müsste sogar das grenznahe Ausland in die Hörerschaftsmessung einbezogen werden. «Basel 1, Basilisk, Munot oder Regenbogen verweisen zu Recht auf ihre grossen Hörerschaften, die sie jenseits der Landesgrenze bedienen, die ihnen aber nicht zugerechnet werden», betont Muerner. Allerdings dürfte die Umsetzung dieses Wunsches noch einigen Schwierigkeiten begegnen. Denn länderübergreifende Forschungsabkommen verbieten es der PD, ennet der Grenzen Publikumsmessungen durchzuführen. Das letzte Wort sei jedoch noch nicht gesprochen, weitere Abklärungen würden jetzt vorgenommen.
«Für die Planung nicht relevant»Die Auseinandersetzungen um die «richtigen» Begriffe und Gebietskarten lässt die Mediaplanung unberührt. Denn diese stützt sich vorab auf die Wemf-Gebiete (WG) und die Agglomerationen. «Weder die Ebene der ‹Konzessions-› noch diejenige der ‹Verbreitungsgebiete› sind für uns
relevant», erklärt Monica Jäggi, Mitinhaberin der Konnex. Die Senderselektion erfolge stets auf Grund einer vorgängigen geografischen Analyse. «Bei einer lokalen Kampagne definiere ich zuerst das abzudeckende Gebiet und wähle dann die geeigneten Radios aus.» Bei einer nationalen Kampagne dienten hingegen die Wemf-WGs als Planungsgrundlage. «Hier ist es wichtig, in allen WGs eine ähnlich starke Reichweite zu erzielen», erklärt Jäggi. (dse)
Wenig geliebtes «Verbreitungsgebiet»Mit dem neuen offiziellen Begriff «Verbreitungsgebiet» für die Gebietsumschreibung der Lokalradios (WW 2/04) fühlt sich niemand so richtig wohl. Klarheit verspricht man sich vom Terminus «Konzessions-
gebiet», der «staatlich verbrieften» Standarddefinition des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom). Auch PD-Chef Rolf Müller hat nichts
dagegen, wenn der Begriff «Konzessionsgebiet» weiter verwendet wird: «Auch wir arbeiten damit.» Nötig wurde der neue Terminus einzig
deshalb, weil es Ausnahmen gibt wie etwa in der Agglomeration Zürich, wo Lokalradios grosse zusätzliche Räume über das «Konzessionsgebiet» hinaus abdecken. (dse)
Vorarbeiten für neue Messräume auf Kurs: IPM hat ihre Radiokarte bereits auf «Konzessions-» und «Verbreitungsgebiete» umgestellt.
Daniel Schifferle
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