Zeitschriften Nächste Woche präsentiert sich Facts im neuen, angenehm dezenten Frühlingskleid.
Das angekündigte Ende der Effekthascherei gewinnt angesichts der Nullnummer deutliche Konturen. Die Bilder des auf den Tag genau vor neun Jahren lancierten ersten und (nach wie vor) einzigen Schweizer Nachrichtenmagazins sind inhaltsreicher, die Weissräume grösser und die Typo lesbarer geworden. Letzteres zeigt sich exemplarisch beim entschlackten und auf Sachlichkeit getrimmten Logo. Doch Moment, haben wir exakt diesen Schriftzug jüngst nicht schon mal irgendwo gesehen? Genau, das war an einem jener Berliner Kioske, die das im elften (!) Jahrgang befindliche und sich nur durch ein schwarzes «S» im Titel unterscheidende «Testmagazin fürs moderne Büro» führen.Auch sonst scheint einem manches vertraut am neuen Auftritt des Ex-Paradepferds aus Tamedias Zeitschriftenstall.
Das Cover etwa soll laut Chefredaktor Stefan Barmettler weiterhin «keine Kunst, sondern schlicht unser allwöchentliches Verkaufsplakat» sein. Dennoch wirkt die Front der Nullnummer – wie auch die kaum mehr als solche kenntlichen Ressortauftaktseiten – deutlich stilvoller, aufgeräumter und klarer strukturiert. Hier zeigt sich die Handschrift des Hamburger Mediendesigners Dietmar Suchalla, der aus dem hektischen, zuweilen schrillen Facts ein Magazin für Fakten gezimmert hat, das dem neuen Claim «Wissen, was zählt» ein authentisches Antlitz verleiht.
Mehr Kapazität für Recherchen
Einheitlicher und unaufdringlicher präsentiert sich neben der bis dato kunterbunten Leserführung auch die Farbunterlegung von Kästchen, Grafiken und den immer beliebteren «Time Lines». Barmettler versteht diese Infoelemente als redaktionelle Kernkompetenz seines Nachrichtenmagazins und möchte deshalb allen Spielarten dieser kompakten News-Vermittlung künftig (noch) mehr Raum und Gewicht geben. Abgetönt und damit aufgewertet wurde auch das Papier. Die Inseratekunden wirds freuen, soll der opakere Grundton doch dem Durchscheinen und Spiegeln besonders farbintensiver (Anzeigen-)Seiten ein Ende bereiten.
Barmettler würde es sehr wundern und sogar etwas beschämen, wenn das frühlingsfrische Facts nicht «innert nützlicher Frist» seinen angestammten Spitzenplatz im Schweizer Zeitschriftenmarkt zurückerobern würde. Die Weichen dafür seien auch inhaltlich gestellt. Auf der Redaktion komme es allenfalls zu Verschiebungen, aber sicher zu keinem Abbau. Im Gegenteil: «Unsere Recherchekapazitäten haben wir weiter hochgefahren. Das wird sich in den ersten Relaunch-Nummern schon deutlich zeigen.»
«Wertiger und eleganter»Stefan Barmettler, Chefredaktor von Facts, über Vorbilder
und nachhaltige Primeurs.
WW Am neuen Facts fällt zunächst seine vergleichsweise ruhige Farb- und Bildsprache auf. Wollen Sie durch weniger und grössere Fotos Kosten
in der Produktion sparen, oder ist die optische Unaufgeregtheit eine Konzession an Zeitgeistmedien wie die Weltwoche?
Stefan Barmettler Wir haben uns nicht an anderen Medien orientiert, auch nicht an der Weltwoche. Unsere Bildsprache hat künftig weniger dekorativen als informativen Charakter. Um eine Story packend zu visualisieren, muss man klar fokussieren, sprich: aufs Wesentliche reduzieren. Parallel bauen wir mit den Schnellleseelementen aber unsere traditionelle Expertise aus. Und wer das Business kennt, weiss, dass gute Infografiker mindestens so teuer sind wie Starfotografen.
Vorbilder hatten Sie und Ihre Berater vom Spiegel bei der Generalüberholung des 1999 letztmals renovierten Titels wohl dennoch.
Allenfalls den Economist, wenigstens was die Integration von Text und grafischen Elementen betrifft. Ansonsten lief die optische und inhaltliche Aufräumaktion nach hausinternen Kriterien und Vorstellungen. Und mit dem Ziel, das fast zehnjährige Erfolgsprodukt noch eleganter und wertiger zu machen.
Neben dem ästhetischen hatte Facts bisher auch ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wie wollen Sie nach dem Villiger- und anderen Skandalen das Leser- und Inserentenvertrauen zurückgewinnen?
Eine Zeitschrift, die über eine halbe Million Leserinnen und Leser hat, kann kein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Ansonsten arbeiten wir an langfristig geplanten und sauber recherchierten Geschichten – mit Drall, aber ohne Ideologie. Prickelnde Primeurs bleiben natürlich wichtig. Aber nachhaltiger News Value, der mindestens bis zum Sonntag trägt, ist mir fast noch wichtiger. (oc)
Oliver Classen