Laufbahn im Grossformat
Ob bei der APG, im Chor oder am Herd: Ivan Schultheiss ist dafür besorgt, dass nichts aus dem Ruder läuft.
Ob bei der APG, im Chor oder am Herd: Ivan Schultheiss ist dafür besorgt, dass nichts aus dem Ruder läuft.Ob bei der APG, im Chor oder am Herd: Ivan Schultheiss ist dafür besorgt, dass nichts aus dem Ruder läuft.
Auf Ivan Schultheiss wartet eine unruhige Zeit. Vor seinem Bürofenster an der Giesshübelstrasse in Zürich beginnen demnächst die Bauarbeiten für ein neues Business- und Kulturzentrum auf dem Areal der früheren Papierfabrik Sihl. Und auch in seinem eigenen Büro sind schon bald die Handwerker angesagt. Die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) will umbauen. Die auf verschiedene Stockwerke verteilten Büros sollen modernisiert und architektonisch besser miteinander vernetzt werden.
Man könnte sagen: ein symbolischer Akt, denn die APG hat per Anfang April auch personelle Konsequenzen des Umbaus im Verkaufsbereich nachvollzogen. Die Änderungen sind bereits im August 2003 angekündigt worden. Damals hat Ivan Schultheiss bei der APG seinen Job als Leiter des Key Account Management angetreten.
Jetzt übernimmt er plangemäss die nationale Verkaufsleitung. Unter dieser Führung sind neu sieben Filialstandorte und ein gutes Dutzend Geschäftsstellen für die verschiedenen Regionen der Schweiz strukturiert worden. Damit finde ein Generationenwechsel statt, so die APG. Ivan Schultheiss löst in der Geschäftsleitung Rolf Chiarini ab, der Ende
Juni 2004 in den Ruhestand tritt. Ebenfalls neu werden das Key Account Management und der Verkauf in der Region Zürich von Beat Hollenstein geleitet.
Der Wettbewerb hat sich im Plakatgeschäft «extrem verschärft», so Schultheiss. Mit dem US-Multi Clear Channel Plakanda ist ein neuer Konkurrent entstanden. Da könne man nur noch beim Kunden gewinnen, wenn man ihn als Partner sehen will. Diese Kundennähe soll in Zukunft vermehrt gesucht werden.
Wer mit dem neuen Verkaufsleiter der APG redet, spürt schnell, dass Planen und zielgerichtet Arbeiten für Schultheiss im Zentrum stehen. «Etappenziele setzen» gehört zu seinem Arbeitsstil. Nach der Ausbildung zum Werbeassistenten gab er sich genau bis zum 28. Lebensjahr Zeit, um auch noch den eidg. dipl. Werbeleiter abzuschliessen.
Ein Challenge nach dem anderen
Als Ivan Schultheiss vor seiner Berufswahl stand, ging es um den Entscheid Lehrerseminar oder kaufmännische Lehre. Zu dieser Zeit «waren Jobs bei Banken der Hype», erinnert er sich. Schultheiss spürte aber, dass ihn die Werbebranche mehr interessieren könnte. So hat er sein KV bei der Publicitas in St. Gallen gemacht. Einen weiteren Schritt Richtung Werbung konnte er dann als Werbeassistent am Hauptsitz des Elektronik- und Gerätehändlers Fust in Oberuzwil machen. «Weil meine Chefin Mutter wurde und nur noch am Montag- nachmittag im Geschäft war, durfte ich schon mit sehr jungen Jahren selbstständig den Laden führen», erinnert er sich. Zu betreuen bei Fust gab es damals ein recht grosses Budget im Printbereich. Schultheiss reifte am Job vier Jahre, dann wollte er in London sein Englisch verbessern.
Zurück in der Schweiz wurde er Junior Berater bei Sulzer Sutter. Dann kam noch einmal die P. Bei der Generaldirektion in Zürich arbeitete er in einem Kompetenz-Center für Regieverträge. Das brachte ihn später zur Basler Zeitung und damit 1999 schliesslich zu Jean Frey. Hier betreute Schultheiss als Anzeigenleiter vier Jahre lang die Weltwoche. «Es war eine schwierige Zeit. Mit dem Relaunch unter Roger Köppel wurde die Aufgabe aber auch sehr spannend, und bald ging es mit dem neuen Produkt wieder nach oben.»
Bei der APG ist der Challenge ein anderer. «Man weiss in diesem erfolgsverwöhnten Unternehmen, dass man einiges bewegen muss.» Die Herausforderung in einer gesunden Firma ist deshalb genauso gross wie in einem Betrieb, wo man ums Überleben kämpfen muss.
In keinem europäischen Land wird im Vergleich zu anderen Medien so viel Geld ausgegeben für das Plakat wie in der Schweiz. Dazu braucht es, so Schultheiss, intelligente und überzeugende Gesamt-konzepte, keinen Wildwuchs.
In der Regel führen auslaufende Stadtverträge zu öffentlichen Submissionen und neuen Plakatkonzepten. Obwohl die Behörden inzwischen auch wissen, dass CCP gegen einen abschlägigen Entscheid rekurriert, hat die APG in den letzten Jahren alle wichtigen Städtekonzessionen gewonnen. «Offenbar ist es noch immer so, dass neutral zusammengesetzte Kommissionen die Offerten der APG als besser taxieren», sagt Schultheiss.
Allerdings fehlte dem neuen Verkaufsleiter zu Beginn seines Wirkens in der neuen Branche der Inhalt beim Verkaufen von Plakaten. Bei einer Zeitung wie der Weltwoche war es ein Argument, welche Artikel er als Umfeld für die Inserate angeben durfte. Jetzt ist es nur noch der Platz und die Grösse. «Da sitzt man nun und fragt sich, was man den Kunden sagen soll», sinniert Schultheiss.
Das Ziel heisst stete Innovation
Beim Plakat geht es um grosse Beträge, die investiert werden, da muss man als Berater Flexibilität zeigen. Mit Ausnahme der Prismenwender stammen alle Innovationen beim Medium Plakat von der APG. «Rollingstars» heissen die neuen Leuchtplakate in den grössten Bahnhöfen. Neu ist auch die Möglichkeit der variablen Aushangdauer. Schultheiss ist «überzeugt, dass das Plakat als Medium noch lange nicht ausgeschöpft» ist. Der Mensch wird immer mobiler. Da können Kontakte generiert werden, wo andere nicht hinkommen. «Man kann dem Plakat nicht ausweichen», weiss er.
Schultheiss will wieder die Umsätze generieren, wie sie in grossen Jahren gemacht worden sind. Obwohl er weiss, dass es kein automatisches Boomjahr mehr geben wird, wo sich nationale und multinationale Brands auf den Plakatflächen öffentlich bekämpfen. Auch die Regeln des RTVG werden zur Herausforderung, wenn Lokalfernsehen und Radiostationen für weitere Branchen geöffnet werden.
Damit es keine Möglichkeit zu Interessenkonflikten in solchen
Fragen gibt, hat Schultheiss inzwischen seine bisherige Lehrtätigkeit aufgegeben. Es wäre für ihn zu anrüchig, wenn ein APG-Verkaufsleiter junge Leute in Mediastrategie unterrichtet. Nach wie vor engagiert bleibt er hingegen im Vorstand des IAA Young Chapter. Er findet dieses internationale Netzwerk der Werbeagenturen sehr wertvoll, um neue Ideen und interessante Leute zusammenzubringen und auch selber kennen zu lernen.
Leute miteinander in ein gutes Gespräch bringen ist auch eine Absicht, wenn Schultheiss zu seiner Entspannung einen aufwändigen Fünfgänger kocht und dazu die verschiedensten Gäste einlädt. Dabei wird gelegentlich sogar Finnisch gesprochen. «Nach zwei Jahren Unterricht kann ich wenigstens knapp den Inhalt einer Diskussion verstehen», verrät Schultheiss, der mit einer finnischen Modedesignerin zusammen-lebt. 16 verschiedene Fälle hat die Sprache aus dem hohen Norden. Selbstverständlich gehört das jährliche Trampen durch die finnischen Wälder zu seinen festen Ritualen. Ungewöhnlicher ist es hingegen, dass Schultheiss auch aktiv in einem finnischen Chor mitsingt. «Das gibt es tatsächlich in Zürich», entgegnet er auf die staunende Nachfrage. Singen würde man dabei allerdings nicht nur Volkslieder, sondern auch klassische Musik.
Ivan Schultheiss, neuer APG-Verkaufsleiter Schweiz, hat ehrgeizige Pläne, doch sein Stil ist «Etappenziele setzen».
Andreas Panzeri
Auf Ivan Schultheiss wartet eine unruhige Zeit. Vor seinem Bürofenster an der Giesshübelstrasse in Zürich beginnen demnächst die Bauarbeiten für ein neues Business- und Kulturzentrum auf dem Areal der früheren Papierfabrik Sihl. Und auch in seinem eigenen Büro sind schon bald die Handwerker angesagt. Die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) will umbauen. Die auf verschiedene Stockwerke verteilten Büros sollen modernisiert und architektonisch besser miteinander vernetzt werden.
Man könnte sagen: ein symbolischer Akt, denn die APG hat per Anfang April auch personelle Konsequenzen des Umbaus im Verkaufsbereich nachvollzogen. Die Änderungen sind bereits im August 2003 angekündigt worden. Damals hat Ivan Schultheiss bei der APG seinen Job als Leiter des Key Account Management angetreten.
Jetzt übernimmt er plangemäss die nationale Verkaufsleitung. Unter dieser Führung sind neu sieben Filialstandorte und ein gutes Dutzend Geschäftsstellen für die verschiedenen Regionen der Schweiz strukturiert worden. Damit finde ein Generationenwechsel statt, so die APG. Ivan Schultheiss löst in der Geschäftsleitung Rolf Chiarini ab, der Ende
Juni 2004 in den Ruhestand tritt. Ebenfalls neu werden das Key Account Management und der Verkauf in der Region Zürich von Beat Hollenstein geleitet.
Der Wettbewerb hat sich im Plakatgeschäft «extrem verschärft», so Schultheiss. Mit dem US-Multi Clear Channel Plakanda ist ein neuer Konkurrent entstanden. Da könne man nur noch beim Kunden gewinnen, wenn man ihn als Partner sehen will. Diese Kundennähe soll in Zukunft vermehrt gesucht werden.
Wer mit dem neuen Verkaufsleiter der APG redet, spürt schnell, dass Planen und zielgerichtet Arbeiten für Schultheiss im Zentrum stehen. «Etappenziele setzen» gehört zu seinem Arbeitsstil. Nach der Ausbildung zum Werbeassistenten gab er sich genau bis zum 28. Lebensjahr Zeit, um auch noch den eidg. dipl. Werbeleiter abzuschliessen.
Ein Challenge nach dem anderen
Als Ivan Schultheiss vor seiner Berufswahl stand, ging es um den Entscheid Lehrerseminar oder kaufmännische Lehre. Zu dieser Zeit «waren Jobs bei Banken der Hype», erinnert er sich. Schultheiss spürte aber, dass ihn die Werbebranche mehr interessieren könnte. So hat er sein KV bei der Publicitas in St. Gallen gemacht. Einen weiteren Schritt Richtung Werbung konnte er dann als Werbeassistent am Hauptsitz des Elektronik- und Gerätehändlers Fust in Oberuzwil machen. «Weil meine Chefin Mutter wurde und nur noch am Montag- nachmittag im Geschäft war, durfte ich schon mit sehr jungen Jahren selbstständig den Laden führen», erinnert er sich. Zu betreuen bei Fust gab es damals ein recht grosses Budget im Printbereich. Schultheiss reifte am Job vier Jahre, dann wollte er in London sein Englisch verbessern.
Zurück in der Schweiz wurde er Junior Berater bei Sulzer Sutter. Dann kam noch einmal die P. Bei der Generaldirektion in Zürich arbeitete er in einem Kompetenz-Center für Regieverträge. Das brachte ihn später zur Basler Zeitung und damit 1999 schliesslich zu Jean Frey. Hier betreute Schultheiss als Anzeigenleiter vier Jahre lang die Weltwoche. «Es war eine schwierige Zeit. Mit dem Relaunch unter Roger Köppel wurde die Aufgabe aber auch sehr spannend, und bald ging es mit dem neuen Produkt wieder nach oben.»
Bei der APG ist der Challenge ein anderer. «Man weiss in diesem erfolgsverwöhnten Unternehmen, dass man einiges bewegen muss.» Die Herausforderung in einer gesunden Firma ist deshalb genauso gross wie in einem Betrieb, wo man ums Überleben kämpfen muss.
In keinem europäischen Land wird im Vergleich zu anderen Medien so viel Geld ausgegeben für das Plakat wie in der Schweiz. Dazu braucht es, so Schultheiss, intelligente und überzeugende Gesamt-konzepte, keinen Wildwuchs.
In der Regel führen auslaufende Stadtverträge zu öffentlichen Submissionen und neuen Plakatkonzepten. Obwohl die Behörden inzwischen auch wissen, dass CCP gegen einen abschlägigen Entscheid rekurriert, hat die APG in den letzten Jahren alle wichtigen Städtekonzessionen gewonnen. «Offenbar ist es noch immer so, dass neutral zusammengesetzte Kommissionen die Offerten der APG als besser taxieren», sagt Schultheiss.
Allerdings fehlte dem neuen Verkaufsleiter zu Beginn seines Wirkens in der neuen Branche der Inhalt beim Verkaufen von Plakaten. Bei einer Zeitung wie der Weltwoche war es ein Argument, welche Artikel er als Umfeld für die Inserate angeben durfte. Jetzt ist es nur noch der Platz und die Grösse. «Da sitzt man nun und fragt sich, was man den Kunden sagen soll», sinniert Schultheiss.
Das Ziel heisst stete Innovation
Beim Plakat geht es um grosse Beträge, die investiert werden, da muss man als Berater Flexibilität zeigen. Mit Ausnahme der Prismenwender stammen alle Innovationen beim Medium Plakat von der APG. «Rollingstars» heissen die neuen Leuchtplakate in den grössten Bahnhöfen. Neu ist auch die Möglichkeit der variablen Aushangdauer. Schultheiss ist «überzeugt, dass das Plakat als Medium noch lange nicht ausgeschöpft» ist. Der Mensch wird immer mobiler. Da können Kontakte generiert werden, wo andere nicht hinkommen. «Man kann dem Plakat nicht ausweichen», weiss er.
Schultheiss will wieder die Umsätze generieren, wie sie in grossen Jahren gemacht worden sind. Obwohl er weiss, dass es kein automatisches Boomjahr mehr geben wird, wo sich nationale und multinationale Brands auf den Plakatflächen öffentlich bekämpfen. Auch die Regeln des RTVG werden zur Herausforderung, wenn Lokalfernsehen und Radiostationen für weitere Branchen geöffnet werden.
Damit es keine Möglichkeit zu Interessenkonflikten in solchen
Fragen gibt, hat Schultheiss inzwischen seine bisherige Lehrtätigkeit aufgegeben. Es wäre für ihn zu anrüchig, wenn ein APG-Verkaufsleiter junge Leute in Mediastrategie unterrichtet. Nach wie vor engagiert bleibt er hingegen im Vorstand des IAA Young Chapter. Er findet dieses internationale Netzwerk der Werbeagenturen sehr wertvoll, um neue Ideen und interessante Leute zusammenzubringen und auch selber kennen zu lernen.
Leute miteinander in ein gutes Gespräch bringen ist auch eine Absicht, wenn Schultheiss zu seiner Entspannung einen aufwändigen Fünfgänger kocht und dazu die verschiedensten Gäste einlädt. Dabei wird gelegentlich sogar Finnisch gesprochen. «Nach zwei Jahren Unterricht kann ich wenigstens knapp den Inhalt einer Diskussion verstehen», verrät Schultheiss, der mit einer finnischen Modedesignerin zusammen-lebt. 16 verschiedene Fälle hat die Sprache aus dem hohen Norden. Selbstverständlich gehört das jährliche Trampen durch die finnischen Wälder zu seinen festen Ritualen. Ungewöhnlicher ist es hingegen, dass Schultheiss auch aktiv in einem finnischen Chor mitsingt. «Das gibt es tatsächlich in Zürich», entgegnet er auf die staunende Nachfrage. Singen würde man dabei allerdings nicht nur Volkslieder, sondern auch klassische Musik.
Ivan Schultheiss, neuer APG-Verkaufsleiter Schweiz, hat ehrgeizige Pläne, doch sein Stil ist «Etappenziele setzen».
Andreas Panzeri
