Privat-TV U1 kämpft erfolgreich um die Präsenz in der Programmpresse. Für den Aufbau der Bekanntheit setzt der neue Sender aber vor allem auf Events, erklärt Marketing- und Verkaufsleiterin Sandra Tuttlies.WW U1 ist ohne die geringste Werbung im Publikumsmarkt gestartet. Keine Plakate, keine Zeitungsanzeigen, keine Radiospots. Kommt diese Werbung noch?Sandra Tuttlies Zuerst wollen wir erreichen, dass unsere Sendungen in den Programmzeitschriften und den TV-Programmspalten der Tagespresse präsent sind. Eine grosse Kampagne zu fahren macht ja keinen Sinn, wenn die Leute nicht wissen, wo sie uns empfangen können und welche Inhalte bei U1 zu sehen sind.
Bis jetzt hat aber erst eine einzige Programmzeitschrift U1 aufgenommen, nämlich TR7. Auf den TV-Seiten der Deutschschweizer Tageszeitungen fehlt der Sender hingegen noch gänzlich. So kann man ja vom Publikum gar nicht wahrgenommen werden.
Alles braucht seine Zeit. Das hat auch damit zu tun, dass sich das Programm in der Startphase noch sehr rasch entwickelt. In dieser Zeit ist man noch gar nicht in der Lage, definitive Inhalte zu kommunizieren. Doch nun steht unser Programm weit gehend fest. Das heisst, wir können mit unseren Anstrengungen, in die Spalten der TV-Programme zu kommen, erst jetzt richtig beginnen. Praktisch eine Zusage haben wir bereits von der Zeitschrift Tele, die uns im April aufnehmen will.
Die TV-Programme sind das eine. Gerade weil aber U1 im Kabelnetz so weit hinten ist, wird der Sender kaum darum herum kommen, auch mit Plakaten und Zeitungsinseraten auf sich aufmerksam zu machen.
Ich glaube schon, dass es auch ohne geht. Aber das braucht natürlich eine gewisse Zeit. Unsere Strategie, mit der wir unsere Bekanntheit aufbauen wollen, zielt vor allem auf Events. Wir sind bei allen wichtigen Grossanlässen in der Schweiz dabei. Dazu gehörte zum Beispiel der Genfer Automobilsalon, wir werden am Zürifest präsent sein, aber auch an einigen wichtigen Sportereignissen. Wenn die Besucher solcher Anlässe sehen, dass sie gefilmt werden, wollen sie sich das dann auch im TV anschauen.
Welche Sendungen von U1 haben am meisten Zuschauer?Sehr beliebt ist unsere Talk-Schiene. Etwa mit Klaus Stöhlker, Urs Meier oder mit Ex-Bilanz-Chefredaktor Medard Meier. Bereits in der zweiten Sendewoche hatten wir Filippo Leutenegger und Doris Fiala im Programm. Bei solchen Persönlichkeiten bleibt jeder hängen, der bei U1 vorbeizappt.
Trotzdem fällt auf, dass U1-Sendungen kaum ein Gesprächsthema sind.
Die Zeit seit unserem offiziellen Start am 1. März ist aber auch viel zu kurz, um bereits eine hohe Bekanntheit zu haben. Immerhin erreichten wir in der letzten Märzwoche bereits 434000 Zuschauer. Nimmt man die tägliche Nettoreichweite, kommen wir auf gut 134000 Personen. Man darf nicht vergessen, dass wir erst seit sechs Wochen auf Sendung sind und nicht seit zehn Jahren.
Kritische Stimmen sagen, die Qualität der Beiträge, die U1 von seinen Partnersendern TV.München und TV.Berlin übernimmt, sei zwar recht gut. Bei den Eigenproduktionen aus der Schweiz sei die Professionalität aber teilweise noch mangelhaft. Keine guten Noten bekam zum Beispiel die
Berichterstattung vom Genfer Automobilsalon.
Auch wir waren mit der Berichterstattung vom Automobilsalon nicht zufrieden, das gebe ich offen zu. Aber jener Beitrag war ein einzelner Ausrutscher. Generell hinken die Schweizer Eigenproduktionen aber meiner Meinung nach kaum hinterher. Unser Ziel ist es, die Programmqualität kontinuierlich zu verbessern.
Wie entwickelt sich das Interesse der Werbewirtschaft?Wir wurden ziemlich überhäuft mit Anfragen potenzieller Kunden. Viele Gespräche sind bereits weit fortgeschritten. Erst kürzlich haben wir einen Vertrag mit Helvetic.com unter Dach gebracht. Die neue Schweizer Fluggesellschaft sponsert unsere News-Uhr.
Langer Weg in die ProgrammspaltenDie Zeiten sind vorbei, als ein neuer Sender automatisch in die Programmpresse aufgenommen wurde. Heutzutage muss ein Neuling viel Eigeninitiative entfalten, um breite Präsenz in den TV-Spalten zu erhalten. Bei den grossen Deutschschweizer Tageszeitungen sucht man U1 noch vergeblich. Rascher vorwärts geht es bei den Programm-Magazinen. Bisher ist der Sender zwar erst in TR7 zu finden. Doch auch Tele hat vor, ihn
ab der Ausgabe vom 10. April aufzunehmen. Und ebenso hat TVtäglich entschieden, dem Sender spätestens ab Mai Platz einzuräumen. TVvier schliesslich lässt seine Leserschaft mittels Telefonvoting über die Aufnahme abstimmen. Das Resultat steht noch aus. (dse)
U1 künftig auch auf dem LandeU1 hat einen Vertrag mit Swisscom Broadcast unterschrieben und vergrössert damit seine technische Reichweite von heute 1,2 Millionen auf 1,7 Millionen Haushalte. Dies entspricht
einem künftigen Zuschauerpotenzial von gegen vier Millionen Personen. Bisher war der Sender auf das Kabelnetz der Cablecom und damit auf Deutschschweizer Städte und Agglomerationen beschränkt. Swisscom Broadcast ermöglicht den Transport des U1-Programms zu diversen zusätzlichen Kabelnetzbetreibern auch ausserhalb der städtischen Zentren. (dse)
Interview: Daniel Schifferle