Autor: admin
Generationenwechsel im Print
Aufgefallen Die öffentliche Aufmerksamkeit wandert von der grossen Politik zusehends in Richtung Alltagsleben und Lifestyle – zumal bei den Jungen. Leidtragende dieser Entwicklung sind in erster Linie die klassischen meinungsbildenden Tageszeitungen.
Vom gern bejammerten Trend zu kurzen und kürzesten Texten ist darin nichts zu sehen. Manche bieten vielmehr Reportagen über acht, zehn und mehr Seiten an. Dabei sind die Auflagen respektabel und reichen bis 60000 Exemplare. Und in den Grossverlagen erwägt man weitere Zeitschriftenprojekte – oder aber die Option, bei den fast ausschliesslich von unabhängigen Kleinverlegern gegründeten Magazinen einzusteigen.
Von einer Substitution gedruckter Medien kann also keine Rede sein. Klar aber ist, dass ein bestimmtes und besonders renommiertes Printsegment in einer strukturellen Krise steckt. Diese betrifft neben dem Erlösmodell auch das inhaltliche Angebot. Warum lesen junge Leute die Politreportagen
in – zum Beispiel – Dummy, haben aber keine Lust auf die Süddeutsche Zeitung oder die FAZ?
Blättert man durch die neuen Magazine, sieht man den Grund: Ausser in Ringiers Cicero findet nirgends institutionelle Politik und Wirtschaft statt. Die Schaukämpfe und Rituale der Regierungen, Parteien und Lobbyisten haben hier keinerlei Echoräume. Machern und Käufern dieser Blätter sind die Inszenierungen auf dieser Bühne völlig gleichgültig.
Lesenswertes Leben findet offenbar anderswo statt: In den Ateliers, Büros und Werkstätten kreativer Zeitgenossen, in den verschiedenen Zonen der Gesellschaft, in denen einerseits Aussenseiter, andererseits Aufsteiger ihre Schicksale und Lebensentwürfe erproben. Es gibt einen Hunger nach der Wirklichkeit in der Nachbarschaft und draussen in der Welt, wo gearbeitet, geliebt und gestorben wird. Das sollte man nicht gleich als unpolitisch denunzieren. Schliesslich geht es um Haltungen und um Moral, um gesellschaftliche Verhältnisse und um die Möglichkeiten zu jenem Pursuit of Happiness, von dem die amerikanischen Gründerväter sprachen. Spannende Geschichten darüber, so jedenfalls scheint es, beginnen indes erst dort, wo die grosse Politik aufhört.
Kein Wunder, dass die Tageszeitungen als Medien, welche sich traditionellerweise ganz der Chronik des politisch-ökonomischen Staatstheaters verschrieben haben, unter dieser Verschiebung des Interesses am stärksten leiden.
Da nicht anzunehmen ist, dass sich der Betrieb auf der republikanischen Hauptbühne grundsätzlich ändern und damit wieder vermehrt an Attraktion gewinnen könnte, muss man sich wohl auf einen weiteren Funktionsverlust vor allem der klassischen meinungsbildenden Tagespresse einrichten. Sie werden damit noch mehr als heute schon zu Nischenblättern für die Kommunikation der Funktionseliten werden, während sich die Gesellschaft um andere Lagerfeuer versammelt.
> Heribert Seifert ist
Medien- und Kulturkorrespondent der NZZ in Deutschland.
Mediawatch im Test
Marktforschung Der SRG-Forschungsdienst (FD) will im letzten Quartal 2004 die Mediawatch der Telecontrol erproben. Mit dem neuen Tool lässt sich die Nutzung von Radio, TV, Kino, Plakat und Presse messen.
Sanieren geht über Studieren
Unternehmensberater Ruf Lanz berät McKinsey bei der Werbung um Nachwuchstalente. Die Latte liegt hoch.
Junge mit Ambitionen angepeilt
Es ist deshalb klar, dass mit der Rekrutierungskampagne für McKinsey «nicht ratlose 30-Semester-Studenten angesprochen werden sollten, sondern ambitionierte junge Leute, die noch nie mit der erstbesten Lösung zufrieden waren», erklärt Markus Ruf.
Die Agentur dramatisiert diesen elitären Anspruch mit einem Etui, das auffällig von der Norm abweicht. Im Etui sind neben einem Schreibwerkzeug ausschliesslich Radiergummis zu sehen. Jenes «Werkzeug» also, das man immer dann einsetzt, wenn man aus einer guten eine bessere Lösung machen will.
Das Etui des «unermüdlichen Optimierers» mit 21 Radiergummis und nur einem Bleistift kommt als Inserat in zahlreichen Studententiteln zum Einsatz, aber auch in der Neuen Zürcher Zeitung. «So sehen nebenbei auch die Kunden von McKinsey, dass sich die Firma stets um neue, ambitionierte Leute bemüht», meint Pius Fritschi bei McKinsey.
Die Inserate haben keinen Lauftext, sondern nur die Internet-
adresse von McKinsey. Auf der Site finden sich in Pop-ups die weiteren Informationen, was Markus Ruf als «zielgruppengerecht» empfindet.
Das Sujet wird konsequent in einer aufwändig gestalteten Broschüre weitergezogen, die selbst wie ein Etui daherkommt. Das Keyvisual soll schliesslich bei Informationsveranstaltungen an Hochschulen auch als Messestand positiv auffallen.
Um noch tiefer in die Welt der Universitäten hineinzukommen, hat Ruf Lanz zudem einen neuen Werbeträger entwickelt: Es handelt sich um einen Bleistift, der fast zur Hälfte aus Radiergummi besteht. Der Aufdruck: «McKinsey sucht Hochschulabsolventen, die nicht mit der erstbesten Lösung zufrieden sind.» Die Bleistifte werden an Universitäten in einem Dispenser angeboten.
«Unermüdliches Optimieren»: McKinsey sucht ehrgeizige Talente.
Andreas Panzeri
Steinmann hilft Indern sparen
Marktforschung Die Schweizer Telecontrol AG hat sich einen Grossauftrag aus Übersee ins Haus geholt:
(mk)
«Der Spick zeigt, dass es geht»
Kinderzeitungen Der Crash von Cracks for Kids beweist für Markus Mettler nicht, dassdas Genre chancenlos ist.
klar: Der Schweizer Markt trägt keine solche Kinderzeitung.
Markus Mettler: Dieser Schluss wäre voreilig. Cracks for Kids war zweifellos ein sehr mutiges Projekt. Leider wurde der Erfolg aber zu rasch erwartet. Das Blatt scheiterte nicht primär am schwachen Werbeaufkommen, sondern am kurzen Atem und am mangelhaften Profil. Trotzdem hatte ich grosse Freude daran.
Inwiefern halten Sie das Profil des Blattes für mangelhaft?
Schon der Titel «Cracks for Kids» klingt wenig anmächelig. Die Gestaltung wirkte etwas altbacken. Dann war nicht klar, ob das Blatt nun Kinder ansprechen wollte oder Teenies. Eine solche Unschärfe sollte einem Zeitungsmacher nicht passieren. Auch das Illustrationskonzept liess zu wünschen übrig.
Eine Kinderzeitung muss bildlastig sein, mit coolem Material, nicht nur mit Keystone-Bildern. Kurz: Kindermedien muss man ins Herz schliessen können, sie müssen Kinder und Erwachsene gleichermassen fesseln.
War Cracks for Kids aktuell genug?
In dieser Hinsicht hat das Blatt zweifellos eine Chance vertan. Man muss sich überlegen, wie heute ein Kind tickt. Die Kinder sind extrem vielen Informationen, Medien und Einflüssen ausgesetzt. Aber es gelingt ihnen kaum, die Informationen nur schon zeitlich oder geografisch einzuordnen. Cracks for Kids hätte diesbezüglich Hilfe anbieten sollen, indem es Wochenereignisse aufgreift und in einen grösseren Zusammenhang stellt oder mit kindergerechten Grafiken nachzeichnet. Aber man darf den Aufwand nicht unterschätzen: Eine solche Infoaufbereitung ist sehr komplex.
Ist denn nun der Markt für ein solches Kindermedium gross genug?
Ich glaube, knapp ja. Es pilgern genügend Eltern sonntags zu einem Kiosk. Zuerst aber benötige ich ein geniales Produkt, mindestens ein Jahr Zeit und ein super Lesermarketing. Denn erst wenn ich eine Fangemeinde habe, kann ich ein solches Blatt als Werbeplattform erfolgreich anbieten. Die Zeitschrift Spick ist dafür ein Musterbeispiel: Sie kommt ohne einen einzigen Werbefranken aus. Würde sie sich der Werbung öffnen, wäre sie hoch profitabel.
Wie hoch schätzen Sie das Werbepotenzial in diesem Markt ein?
Das darf man nicht zu eng sehen. Zu den potenziellen Inserenten zähle ich nicht nur Firmen, die den Kindern mit Süssigkeiten das Taschengeld abluchsen. Die Bandbreite ist wesentlich grösser. Man weiss ja: Kinder entscheiden oft auch beim Ferienbuchen oder Möbelkauf mit. Und in Sachen Unterhaltungselektronik sind sie sogar den Eltern kompetenzmässig überlegen.
Was kann man noch vom Gastspiel von Cracks for Kids lernen?
Es gab auch Positives: Die Distribution klappte perfekt. Auch die PR vor und kurz nach der Lancierung war gut. Danach fehlte aber das wöchentliche Reminding. Wenn das Blatt in der Lancierungsphase dem SonntagsBlick oder der Sonntagszeitung beigelegt worden wäre, hätte das sicher etwas gebracht. Vermutlich wären in der Anfangsphase auch Allianzen hilfreich gewesen: etwa mit der Leseförderung des Bundes, dem Verband Schweizer Presse oder Pro Juventute.
Das ist BrainStoreBrainStore in Biel ist seit 1989 auf die industrielle Produktion von Ideen spezialisiert. Das Team hat dazu einen Prozess definiert, in den es Personen aus einem Netzwerk von über 1200 Jugendlichen und ebenso vielen Experten verschiedenster Fachgebiete einbeziehen kann. BrainStore arbeitet unter anderem für die SBB, BMW, Syngenta, Migros, das Bundesamt für Gesundheit, Swatch oder den WWF. (mk)
Markus Mettler, Geschäftsführer der Bieler Ideenfabrik BrainStore.
Interview: Markus Knöpfli
La Nuit des Afficheurs
Im «Lakeside Casino Zürichhorn» veranstaltete die APG letzte Woche die zweite Poster-Night. Ein gelungener Anlass, die kleinen Mankos vom letzten Jahr waren ausgebügelt worden.
Hold war den Verantwortlichen der Poster-Night, allen voran Affichage-Holding-CEO Christian Kauter, APG-PR-Direktor Othmar Casutt, Verkaufsleiter Ivan Schultheiss und Organisatorin Ruth Bertschi, auch Petrus. Bei frühlingshaften Temperaturen servierte man den Apéro direkt an den lauschigen Gestaden des Sees und konnte das gute Wetter geniessen. Wettbewerbsglück hatten Urs Kälin von Starplakat und Bettina Forster von der NZZ. Sie gewannen je eine der Omega-Uhren, welche traditionellerweise an der Poster-Night verlost werden.
Beat Fritschnahm während des Apéros für einen kurzen Moment der Entspannung am gemütlichen Kaminfeuerchen Platz. Dann gings zur Schlacht ans kalte und warme Buffet an der diesjährigen Poster-Night der APG – ein qualitativ höchst zufrieden stellender Anlass.Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsbranche zu ihren Partys trifft, orten wir an den Veranstaltungen der Szene. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch
Holzgötzen zierten den Weg zu den leckeren Buffets.
Genossen die Freiluftstimmung am Zürichseeufer: Sawi-Direktor Jürg Engi (l.) und ASW-Geschäftsführer Peter Grob.
Crew von der APG-Agentur Publicis: Ralph Halder, AD, Kaspar Loeb, CEO, und Lukas Tenger (v. l.), Beratungsgruppenleiter.
Für Christof Kaufmann (r.), mit Fernando Kolb, ists vom neuen OMD-Büro in Zollikon aus ein Katzensprung ins «Lakeside».
BSW-Geschäftsführer Walter Merz (l.) und McCann-Erickson-CEO David Honegger im Gespräch während des Apéros.
Von der NZZ: Tatjana Pegam (l.) mit Kollegin Bettina Forster – Glückspilz des Abends: Sie gewann eine der verlosten Omega-Uhren.
Alex Schmid (l.) und Hanspeter Detsch zeigten sich vor Beginn der grossen Plakatgala an der «Lakeside»-Bar.
Gute Laune auch bei APG-Verkaufsleiter Ivan Schultheiss (l.) mit Monica Jäggi und Ronny Schmid von Konnex.
Die Bestangezogenen des Abends: Geri Aebi (l.), CEO Wirz Werbung, mit Migros-Kommunikationsleiter Beat Mühlemann.
Gruppenbild mit Dame: Diana Strebel, Scholz & Friends, mit Andreas Prokesch (l.), ADC-Vorsitzender, und Markus Gut, Publicis.
Tobias Trevisan (r.), NZZ, mit Christoph Stuehn vom Schauspielhaus, der als Kunde in der Kategorie Kultur einen Preis gewann.
Auch ihnen ging der Gesprächsstoff beim Apéro nicht aus: Andi Widmer (l.), Wunderman-CEO, mit Erich Baumgartner, Lowe.
Hier gings wohl um den Tag der Werbung: SW-Geschäftsführerin Monika Luck mit Affichage/APG-CEO Christian Kauter.
Preis in der Kategorie Einzelplakat abgeholt: Christophe Guye (l.), Guye Benker, mit Kunde Peter Schmid, Campari.
Ruth Bertschi (l.) und Othmar Casutt haben die Organisation der Poster-Night im Griff – Ulknudel Annette Corti sorgte für die Lacher.
Grosse Media-Ecke: Bernd Leckebusch, Mediaedge:CIA, Axel Beckmann, Mediacom, und Urs Schneider (v. l.), Schneidermedia.
>> JobChange
Chefredaktorin der Westschweizer Frauenzeitschrift Edelweiss, verlässt ihren Posten. Sie wird künftig bei der Frauenzeitschrift femina für das redaktionelle und grafische Konzept zuständig sein.
Unter dem Namen Rentahess macht sich Christoph Hess per Ende April selbstständig. Der Texter/Konzepter war vorher für Jung von Matt/Limmat beziehungsweise Honegger von Matt tätig….
Anfang Juli verstärkt Tobias Ferlin den Werbezeitvermarkter IP Multimedia. Er wird bei der Business-Unit IP Production für die Integration der Online-Medien verantwortlich. Bisher war Ferlin als Senior Key Account Manager bei Publimedia Webadvertising tätig. …
Marcel Siegenthaler ist ab sofort definitiver Sportchef von Blick und SonntagsBlick. Er hat das Amt Anfang März bereits interimistisch übernommen. Siegenthalers Stellvertreter und Blattmacher wird
Urs Frieden. Der jetzige Sportchef der Berner Zeitung wechselt Anfang August zum Blick. Weitere Verstärkung erhält der Ringier-Titel von Thomas Knapp. Er ersetzt Nik Niethammer, der zum deutschen TV-Sender Sat 1 wechselt, als zweiten Blattmacher der Sportredaktion. Knapp war bisher als
Redaktor, Blattmacher und Produzent beim Solothurner Tagblatt….
Roland Wahrenberger wird neuer Business Manager von Reader’s Digest Schweiz. Der frühere Verlagsleiter der Schweizer Familie ersetzt
Tamara Mattiussi-Tschuor, die Reader’s Digest Ende März verlassen hat. Wahrenberger ist bereits in das Unternehmen eingetreten
und durchläuft ein Einarbeitungsprogramm….
Die Berner Sektion des Journalistenverbands Impressum hat
Markus Dütschler zum neuen Präsidenten gewählt. Der Redaktor der Tageszeitung Der Bund löst Roland Jeanneret ab.
Kleinagenturen lesen Schweizer Familie
Zeitschriften Der Kommunikationsetat der Schweizer Familie wird künftig von einem Team kleiner Agenturen betreut.
Sinkflug der Airport-Kontakte
Aussenwerbung Flughafen-Plakatstellen büssen weiter Frequenzen ein: Im ersten Quartal 2004 ist die Zahl der Passagiere auf Schweizer Airports gesunken. Ausnahme:
(mk)
Edipresse steigert Umsatz
Verlage Das Westschweizer Verlagshaus Edipresse hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 804 Millionen Franken gesteigert.
Zahl der Woche
Anzeigen Erstmals seit Juli 2001 ist der Publicitas-Index, der die Werbeausgaben in der Tagespresse misst, im März nicht gesunken, sondern stagnierte bei 94,42 Punkten.
1,4 auf 114,3 Punkte zurück.
