Die Neue Zeitung im Blick
Zeitungen Im Tabloid-test mit dem Blick geht es für Ringier auch um das Prestigeprojekt Neue Zeitung.
Zeitungen Im Tabloid-test mit dem Blick geht es für Ringier auch um das Prestigeprojekt Neue Zeitung.
Normalerweise erklären Einführungskampagnen den Nutz- oder Mehrwert eines neuen Produkts. Nicht so die von Ringiers Stammagentur GGK Zürich erdachten Anzeigen- und Plakatsujets für den geschrumpften und gehefteten Blick: Statt etwa mit einer Verjüngung der alten Boulevard-Tante oder gewonnener Ellbogenfreiheit «wirbt» GGK-Doyen Hermann Strittmatter mit spröden Claims wie «Blick bleibt Blick» oder «Unverwechselbar gleich». Und signalisiert damit, dass es dem grössten Schweizer Verlag vorerst darum geht, bestehende Abonnenten und Käufer rückzuversichern respektive zum Umstieg zu ermuntern – und nicht, neue Segmente zu erschliessen.«Das Medium Zeitung ist halt ein konservatives Konsumgut», begründet Bereichsleiter Bernhard Weissberg diese für Ringier-Verhältnisse ungewohnt defensive Kommunikation. Davon ging auch der seit letzten Oktober in zwei Formaten mit identischem Inhalt erscheinende Independent aus. «Independent, too», der wunderbar zweideutige Launch-Slogan des ersten englischen Qualitätstabloids, hatte für Weissberg Vorbildcharakter. Als nachahmenswert dürfte er auch den damit erfolgten Auflagensprung – von März 2003 bis März 2004 satte 18 Prozent – des First Movers im britischen Markt erachten. Zum Vergleich: Die zwei Monate später nachgezogene Times konnte im gleichen Zeitraum nur mehr knapp ihren Leserschwund stoppen.
Auflage 300000 im Visier
Mit einer Stabilisierung der seit Jahren bröckelnden Auflage (aktuell 275275 Exemplare) wären die Blick-Strategen freilich nicht zufrieden. «Mittelfristig erwarten wir eine leichte Steigerung», erklärt Weissberg.
Angestrebt wird eine Rückkehr über die magische 300000er-Marke, nicht zuletzt auch zur Rückenstärkung für die seit Mitte März in der Pipeline des Verwaltungsrats fest sitzende Neue Zeitung (NZ). Promotet wird der ehrgeizige Plan für eine Schweizer Qualitätstageszeitung im Kompaktformat neuerdings direkt via SonntagsBlick. Peter Glotz nannte dort Kompaktzeitungen, welche die TV-News des Vorabends nicht wiederholen, eine «zwingende» Innovation.
Welt Kompakt inspiriert
Inspiriert zu diesem Plädoyer in eigener Sache hat den NZ-Berater Glotz Springers Tabloidexperiment mit der hoch defizitären Autorenzeitung Die Welt (siehe Interview). In Berlin hofft man natürlich auf einen First-Mover-Effekt im Markt der überregionalen Meinungsbildner. Und auch in der Schweiz wird letztlich nur einer wirklich gewinnen.
Angesichts der neuerlichen, vermutlich radikaleren und für Mitte 2005 projektierten Renovation des Tages-Anzeigers steht das NZ-Zeitfenster zwar noch relativ weit offen. Gegen unerwartete Windstösse ist man im helvetischen Blätterwald aber nie gefeit.
Die Format-Kampagne von GGK ist betont sachlich gehalten.
Oliver Classen
Normalerweise erklären Einführungskampagnen den Nutz- oder Mehrwert eines neuen Produkts. Nicht so die von Ringiers Stammagentur GGK Zürich erdachten Anzeigen- und Plakatsujets für den geschrumpften und gehefteten Blick: Statt etwa mit einer Verjüngung der alten Boulevard-Tante oder gewonnener Ellbogenfreiheit «wirbt» GGK-Doyen Hermann Strittmatter mit spröden Claims wie «Blick bleibt Blick» oder «Unverwechselbar gleich». Und signalisiert damit, dass es dem grössten Schweizer Verlag vorerst darum geht, bestehende Abonnenten und Käufer rückzuversichern respektive zum Umstieg zu ermuntern – und nicht, neue Segmente zu erschliessen.«Das Medium Zeitung ist halt ein konservatives Konsumgut», begründet Bereichsleiter Bernhard Weissberg diese für Ringier-Verhältnisse ungewohnt defensive Kommunikation. Davon ging auch der seit letzten Oktober in zwei Formaten mit identischem Inhalt erscheinende Independent aus. «Independent, too», der wunderbar zweideutige Launch-Slogan des ersten englischen Qualitätstabloids, hatte für Weissberg Vorbildcharakter. Als nachahmenswert dürfte er auch den damit erfolgten Auflagensprung – von März 2003 bis März 2004 satte 18 Prozent – des First Movers im britischen Markt erachten. Zum Vergleich: Die zwei Monate später nachgezogene Times konnte im gleichen Zeitraum nur mehr knapp ihren Leserschwund stoppen.
Auflage 300000 im Visier
Mit einer Stabilisierung der seit Jahren bröckelnden Auflage (aktuell 275275 Exemplare) wären die Blick-Strategen freilich nicht zufrieden. «Mittelfristig erwarten wir eine leichte Steigerung», erklärt Weissberg.
Angestrebt wird eine Rückkehr über die magische 300000er-Marke, nicht zuletzt auch zur Rückenstärkung für die seit Mitte März in der Pipeline des Verwaltungsrats fest sitzende Neue Zeitung (NZ). Promotet wird der ehrgeizige Plan für eine Schweizer Qualitätstageszeitung im Kompaktformat neuerdings direkt via SonntagsBlick. Peter Glotz nannte dort Kompaktzeitungen, welche die TV-News des Vorabends nicht wiederholen, eine «zwingende» Innovation.
Welt Kompakt inspiriert
Inspiriert zu diesem Plädoyer in eigener Sache hat den NZ-Berater Glotz Springers Tabloidexperiment mit der hoch defizitären Autorenzeitung Die Welt (siehe Interview). In Berlin hofft man natürlich auf einen First-Mover-Effekt im Markt der überregionalen Meinungsbildner. Und auch in der Schweiz wird letztlich nur einer wirklich gewinnen.
Angesichts der neuerlichen, vermutlich radikaleren und für Mitte 2005 projektierten Renovation des Tages-Anzeigers steht das NZ-Zeitfenster zwar noch relativ weit offen. Gegen unerwartete Windstösse ist man im helvetischen Blätterwald aber nie gefeit.
Die Format-Kampagne von GGK ist betont sachlich gehalten.
Oliver Classen
