Autor: admin
Die Ostschweiz ist jung, kreativ und direkt
Förderpreis Der Werbeclub Ostschweiz und die Direktwerbefirma AWZ St. Gallen lancieren einen Nachwuchswettbewerb für kreative personalisierte Werbung.
Liebling der Jury
Werbung «Zero points» erhielten Piero und seine Turnequipe für die gesungene Blamage «Celebrate» in der Vorrunde zum Song Contest. Ein ausserordentlich mildes Urteil für ein solches Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Hirnverbranntes Vorhaben
Gastkommentar von Roger de Diesbach
Das Vorgehen und das vorgeschlagene Vorhaben sind hirnrissig. In unseren Regionen sind alle befragten politischen Verantwortlichen schockiert über dieses «Hundstage-Projekt», während seine Urheber behaupten, ihre Schlüsse beruhten auf den Aussagen von 2441 Gemeindepräsidenten.
Der Plan der Wemf reduziert die Einflusszonen des «Nouvelliste» und der «Liberté» gravierend, was den echten Stellenwert dieser Zeitungen verfälscht und ihren Anzeigenmarkt dramatisch schrumpfen lässt. Es war schon bisher schwierig, in Zürich klarzumachen, dass die Westschweiz nicht nur aus dem Lémanbogen von Genf bis Lausanne besteht. Mit der vorgesehenen Amputation werden wir vollends zu «Quantités négligeables», die von den grossen Schweizer Inserenten bedenkenlos übergangen werden.
Noch schlimmer: Indem das Vorhaben dem Wirtschaftsgebiet Lausanne zuweist, was es Freiburg und dem Wallis wegnimmt, schneidert sie der vom Edipresse-Konzern geplanten «grossen Waadtländer Tageszeitung» einen Massanzug. Eine verhüllte Attacke von Edipresse, um die letzten unabhängigen Zeitungen zu bodigen? Das wollen wir nicht unterstellen. Aber wir stellen fest, dass der Zufall dem Giganten der Westschweizer Presselandschaft den roten Teppich ausrollt und dass im letztlich entscheidenden Verwaltungsrat der Wemf der Edipresse-Vertreter neben Freunden der grossen Pressegruppen sitzt. Elefanten können sich hier leicht einen Dienst erweisen, da kein einziger Repräsentant der Regionalpresse in diesem erlauchten Rat Einsitz hat.
Wir lehnen diese Vorhaben, das die Chancengleichheit zwischen den Zeitungen kaputtmacht, aufs Schärfste ab. Wir fordern, dass die Leser und Inserenten die Schiedsrichter über Erfolg oder Misserfolg der Zeitungen bleiben.
> Roger de Diesbach ist Chefredaktor von La Liberté.
Bespiegelung sichert Qualität
Aufgefallen Die regelmässige redaktionelle Beobachtung des eigenen Metiers: für Medien aller Art ein sicheres und erst noch kostengünstiges Mittel zur Steigerung ihrer Glaubwürdigkeit und Attraktivität.
Nach einer kurzen Blütephase wurde der Medienjournalismus in letzter Zeit wieder drastisch dezimiert – jedenfalls in der Schweiz und Deutschland. Krisenbedingt wurden die dafür eingerichteten Ressorts gleich reihenweise dicht gemacht. Ob Weltwoche, Tages-Anzeiger, Facts oder der Bund: Alle scheinen auf eigene Medienseiten bereits wieder verzichten zu können.
Dies halte ich für eine kapitale Fehlkalkulation. Hier sägen Chefredaktoren und Verlagsmanager wild entschlossen an jenem Ast, auf dem sie selber allesamt sitzen. Denn sie berauben sich der einzigen Plattform, über die sie mit einer breiteren Öffentlichkeit glaubwürdig übers eigene Metier kommunizieren können. Wo derlei Aufklärung unterbleibt, so warnte der Zürcher Publizistikprofessor Ulrich Saxer schon vor Jahren, hat das Publikum kaum eine Chance, eigene Qualitätskriterien zu entwickeln. Vielleicht lesen ja auch deshalb so viele Jugendliche 20 Minuten statt Tagi oder NZZ, weil ihnen niemand beigebracht hat, worin deren Mehrwert bestehen könnte und weshalb es sich womöglich lohnt, lieber eine Zeitung statt eine Dose Cola zu kaufen.
Auch am Kunden orientierte Grossunternehmen, Ministerien und Non-Profit-Organisationen verlassen sich nicht allein auf Werbung und direkte Ansprache, sondern betreiben zudem aktive Öffentlichkeitsarbeit. Medienmitteilungen von Novartis, BMW und Swisscom bedürfen der redaktionellen «Verkleidung» respektive Einbettung, um bei ihrem Zielpublikum wirkungsvoll und glaubwürdig anzukommen.
Diesen steinigen Weg müssen auch Medienunternehmen gehen. Doch genau dieser Möglichkeit, auf speziellen Seiten regelmässig und kompetent übers eigene Metier und dessen Anliegen zu berichten, berauben sich die Medien zunehmend selber.
Diesen Zweck erreicht man natürlich nicht mit einem Ressort, das sich von der internen PR-Abteilung instrumentalisieren lässt. Professioneller Medienjournalismus zeichnet sich dadurch aus, dass er der Selbstbeweihräucherung und Cross-Promotion ebenso widersteht wie allen Versuchungen, die Konkurrenz mit Häme zu übergiessen oder totzuschweigen.
Im Gegenteil: Für glaubwürdigen, fairen und ausgewogenen Medienjournalismus ist gelegentliche Selbstkritik geradezu konstitutiv. Dass und wie man so etwas institutionalisieren kann, machen uns grosse amerikanische Tageszeitungen seit Jahren vor.
Wer also glaubt, Medienjournalismus sei entbehrlich, trägt dazu bei, dass Journalismus insgesamt überflüssig werden könnte: Wenn Verlagshäuser in ihre PR-Abteilungen investieren, andererseits aber meinen, ungestraft Journalisten wegrationalisieren zu können, die übers eigene Fach berichten, ist das definitiv das falsche Signal.
Zumal in einer Gesellschaft, in der traditioneller Journalismus ohnehin zunehmend von innovativer PR verdrängt wird.
Stephan Russ-Mohl plädiert für mehr und mutigeren Medienjournalismus.
> Stephan Russ-Mohl ist Publizistikprofessor an der Universität Lugano.
Ferienstimmung trotz Anzeigenflaute
Fachzeitschriften Trotz doppelter Branchenkrise wagt Xtra-Travel den Launch – und wildert in fremden Revieren.
Verlagsleiter Guido Käppeli glaubt trotz dem schwierigen Umfeld an den Erfolg. Eine Marktabklärung vor dem Launch habe ein eindeutiges Bedürfnis ermittelt, hält er fest. Die Branche, an die sich Xtra-Travel richtet, heisst «MICE»: Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions. Im Ausland gibt es laut Käppeli überall Zeitschriften, die sich mit Geschäftsreisen, Kongressorten und touristischer Mitarbeitermotivation befassen. In der Schweiz füllt Xtra-Travel eine Lücke.
Eine enge Lücke allerdings. Um Xtra-Travel mehr Spielraum zu verschaffen, mutiert TVG die Fachzeitschrift zum Lifestylemagazin. «Weil der Schweizer Markt klein ist, haben wir das Themenspektrum um Luxusreisen und Events erweitert», erklärt Käppeli. Xtra-Travel solle nicht nur von Geschäftsführern, sondern auch von ihren Frauen gelesen werden. Neben den Veranstaltern werden die Reisenden selbst zur Zielgruppe.
Mit dieser Positionierung bietet sich die Zeitschrift auch branchenfremden Anzeigenkunden an. Im Auge hat TVG den krisenresistenteren Luxusgüterbereich. Die erste Ausgabe versammelt bereits Parfums, Autos und Sonnenbrillen. Die Kleiderbranche will Käppeli als Nächstes in Angriff nehmen.
Stefano Monachesi
Das Europa-Experiment
Beilagen Als neues Tabloid-Supplement will die New York Times die alte Welt erobern. Der TA möchte mit ins Boot.
Dazu reichte offenbar die 20-Prozent-Beteiligung an zwei halbseitigen, je 80000 Euro teuren Anzeigen. Die restlichen vier Fünftel flossen zu gleichen Teilen an die Zeitungen Le Monde, El Pais, La Repubblica und Daily Telegraph – die übrigen europäischen Kooperationspartner des US-Weltblatts.
Spätestens seit der Lancierung der «SZ-Bibliothek», von der nach zehn Wochen bemerkenswerte 60000 Stück verkauft sind, ist der im September 2002 von Unaxis geholte Sanierer Lutz bekannt für verlagsstrategischen Nonkonformismus. Seine Branchenfremdheit scheint dem Bayer mit Schweizer Wohnsitz dabei eher zum Vor- als zum Nachteil zu gereichen.
Scharf beobachtete InnovationenNicht nur die deutsche Konkurrenz, auch hiesige Zeitungshäuser beobachten Lutz’ Innovationen inzwischen mit Argusaugen. So liess Tages-Anzeiger-Verlagsleiterin Maili Wolf nach eigener Auskunft evaluieren, ob das Buchprojekt auf den Schweizer Markt übersetzbar wäre. Das für solche Pakete hier zu Lande doppelt so hohe Postporto führte jedoch zum vorzeitigen Abbruch der Übung.
Günstiger scheinen die Zeichen für ein hiesiges NYT-Supplement stehen. Wolf hält diese Idee jedenfalls für «sehr prüfenswert», zumal einer Einbeziehung der Schweiz in dieses paneuropäische Experiment während der bis Anfang August terminierten Testphase nichts entgegensteht (siehe Interview rechts). Und auch danach dürfte die SZ wohl nichts gegen eine paritätische Tagi-Beteiligung an dem grenzübergreifenden Modell haben – schliesslich arbeiten die Münchner im Anzeigen- und Distributionsbereich schon seit längerer Zeit mit den Zürchern zusammen.
NZZ hält sich vornehm zurückZudem teilen sich die beiden Blätter einige ihrer Korrespondenten – etwas, was die NZZ prinzipiell nicht tut. «Die exklusive Auslandsberichterstattung gehört zu unseren absoluten Kernkompetenzen», sagt denn auch deren Verlagsleiter Tobias Trevisan. Und fügt hinzu: «Deren Kompetenz würde durch so ein Supplement weniger ergänzt als in Frage gestellt.»
Deshalb habe die NZZ auch abgewunken, als sie von ihrer deutschen Vertriebs- und Anzeigenpartnerin Frankfurter Allgemeine Zeitung
anno 2000 eine Anfrage bezüglich deren damals noch täglich erscheinenden «English Edition» erhielt. Seit Mitte 2002 heisst das der International Herald Tribune beiliegende Heftchen zwar FAZ Weekly, ist dem Vernehmen nach aber trotzdem weiter hoch defizitär.
Derzeit eine von fünf: Das Weekly der New York Times wird auch über die SZ verteilt.
«Wir haben Risk-Sharing vereinbart»Der Geschäftsführer der Süddeutschen Zeitung, Klaus Josef Lutz, über «seine» New York Times.
WW Herr Lutz, von wem ging die Initiative für die Kooperation zwischen SZ und NYT aus?
Klaus Josef Lutz Die Idee für eine wöchentliche Beilage stammt von unseren amerikanischen Kollegen. Auf ihrer Suche nach kongenialen europäischen Verlagen fragten sie auch in München an. Da 2004 für die SZ ganz im Zeichen neuer Geschäftsideen steht, rannten sie offene Türen ein.
The New York Times International Weekly liegt fünf Zeitungen in fünf Ländern bei und soll sich über Inserate finanzieren. Existiert der dafür
nötige pan-europäische Anzeigenmarkt überhaupt?
Genau das wollen wir mit dem auf zwölf Wochen begrenzten Markttest herausfinden. Wie alle übrigen SZ-Beilagen muss sich auch diese selber tragen. Wenn wir also die in London oder Paris vergebenen Budgets nicht anknabbern können, wird nicht lange gefackelt. Ich gehe aber davon aus, dass uns das gemeinsam mit den Partnern gelingt.
Die erste Ausgabe war inseratefrei …
… weil die Akquisition noch nicht optimal funktionierte. In der zweiten Nummer hatten wir aber schon zwei Buchungen. Und für die nächsten siehts noch besser aus. Auf Leserseite stösst das neue Angebot jedenfalls auf breites Interesse. Das zeigen uns viele positive Rückmeldungen über die eigens dafür eingerichtete Hotline.
Wer kommt für die – bei einer Auflage von rund 500000 Exemplaren – nicht unerheblichen Papier- und Druckkosten auf?
Wie alle übrigen Teilnehmer an diesem Experiment haben auch wir ein Risk-Sharing mit der New York Times vereinbart.
Das Supplement erscheint im für NYT wie SZ ungewohnten Tabloid-Format.
Ja, wir wollen auch formal etwas Neues wagen. Unser Partner plante ursprünglich ein Broadsheet, aber wir nutzen die Gelegenheit für
einen weiteren Versuch. Dies vor allem im Hinblick auf eine neue Beilagenstrategie, die wir derzeit diskutieren. Das Hauptblatt wird davon jedoch nicht tangiert.
Erstrecken sich die in Ihrer Pressemitteilung reklamierten Exklusivrechte auch auf die Schweiz?Nein, die Schweiz wird im Vorvertrag nicht explizit erwähnt. Das dürfte in einem allfälligen Final-Agreement nach der Probephase allerdings anders aussehen.
Interview: Oliver Classen
Oliver Classen
20 Minuten provoziert die Wemf
Verlage Das Pendlerblatt plädiert für die Publikation der Quartalszahlen. Derzeit ein Minderheitsanliegen.
Von Arrivierten ausgebremstDer neuerdings auch an Tamedia berichtende Bollmann ist sich keiner Vertragsverletzung bewusst. «Ich habe nur meine persönliche, allerdings durch allgemein bekannte Reichweitentrends abgestützte Meinung gesagt.» Und fügt hinzu, dass «wachstumsorientierte Verlage wie 20 Minuten» schon lange für eine vierteljährliche Veröffentlichung der Wemf-Zahlen kämpfen, von «den Besitzstandwahrern der Branche» aber bislang ausgebremst wurden. Ein Votum, in dem auch Bollmanns Ärger über den Branchentenor herauszuhören ist, der immer noch gern einen Qualitätsunterschied zwischen den Leserschaften von Kauf- und Gratiszeitungen behauptet – ohne Grund, da ist sich der 20-Minuten-Mann sicher.
(oc)
